Ich trags in mir, das Glück

Ich will dir nicht zu nahetreten, aber du hast ein schönes Lachen, wollte sie sagen. Traute sich nicht, obwohl es eigentlich ihre Art war. Schonungslos ehrlich, indiskret, forsch. Aber bei dem Freund ihrer Freundin? Merkwürdig, dass sich das Kommentieren seines Lachens so intim anfühlte, so verboten. Vielleicht auch nicht. Vielleicht hätte sie genauso sein schönes Nachdenken, sein schönes Stirnrunzeln, sein schönes Abnicken kommentieren können. Wäre alles zu intim gewesen. Zu enthüllend.

Gelacht hätte er, hätte sie es kommentiert. Weich, burschenhaft, ein bisschen schelmisch. Hätte eine Fantasiewelt mit seinem kurzen, süßen Lachen betreten, das aus dem breiten Mund kippte. Eine Welt, die er in und auswendig kannte, in der er sich bewegte, mit liebender Güte, wie ein ahnungsloser Buddhist. Und jedes Mal, wenn er austrat, verriet sein Gesicht ‚Ich habs erfahren, in dieser Welt. Ich trags in mir, das Glück.‘

Sie hätte ihm erzählt, dass es nämlich das Lachen wäre, das die wahre Persönlichkeit zeigt. Ob das hysterisch ist, reif, zynisch, kindlich. Musst nur genau hinhören. Und sehen. Dann erfährst du, was manche erst sehen, wenn‘s schon zu spät ist, hätte sie gemeint, trocken. Wieder hätte er gelacht. Etwas unbehaglich, nicht so wie sonst. Aber trotzdem schön.

El memoria

Erinnerst du dich noch? An deinen Blick? Du hast ihn ja nicht gesehen. Wenngleich bei dir wohl ungewiss ist, was du siehst. Wer weiß, wo dir überall Spiegel stehen. Bestimmt vielerorts. Jedenfalls hast du so betont bedächtig, so lauthals nachdenklich geschaut, dass es ja doch kein Nachdenken sein konnte, was in dir stattfand. Vielmehr Komik. Lachhaftigkeit. Wo auch immer du warst, sicher nicht in deinen Gedanken. Vielleicht wars bloß der Mundwinkel, der dich verraten hat, vielleicht bloß dein schlecht gespieltes Zuhören. Er war herrlich, dein Blick. Ich sah Opa in dir. Wie verwunschen. Und dann riefst du mich von weit weg. Und ich antwortete. Welche Farbe hörten deine Ohren, frage ich mich. Oder Farblosigkeit? Sie hallten nach, deine Frage, meine Antwort. Und als ich schließlich kam, da begrüßtest du mich, obwohl der Tag doch schon seit vielen, vielen Stunden angebrochen war. Du sagtest etwas Blödes, Verspieltes, Musikalisches. Und ich antwortete. In genau demselben Duktus. In genau derselben Art. Vielleicht klang es niedlich. Ich hab’s erst überhört, das abermals nachschwingende Echo, die Süße. Du hast sofort gelacht. Ich dann auch, konnte gar nicht mehr zu Ende atmen, prustete die Luft heraus. Vorbei. Flüchtig. Niedlich und sanft. Erinnerst du dich noch?