Schuld

Zerreißt von innen

Ist ein Parasit

Ist aggressiv und schnell und übermannend

Wie Krebs

Nimmt Luft zum Atmen

Schreit nach Vergebung

Die sie erlischt

Bettelt, fleht

Ist hysterisch

Und vollkommen ernst

Ist laut,

Ohrenbetäubend

Entzieht Energie

Sitzt in der Brust

Dockt an

Wie ein Virus

Verbreitet sich schnell

Erblindet

Ist selbst

orientierungslos

Ist haltlos

Rückhaltlos

Bodenlos

Liegt auf der Erde

Ausgesaugt

Elendig

Schluchzt

Ein Butterbrot

Wenigstens ein Butterbrot hätte ich dir schmieren können

Bleibt liegen bis zum Sonnenaufgang

Flutlichtstadt

Ich steig aus dem Meer

Salz liegt in der Luft

Solebad

Es ist dunkel und frisch und septemberwarm

Vor mir deine Fassaden

Ein Freund monierte

Sie seien zu artifiziell

Zu touristisch, zu Disney

Er tät sich nicht wundern

Hätt man dich als Plattenstadt auf die Erd gesetzt

Vorhin noch schimmerten sie rötlich

Jetzt werden sie bestrahlt

Weiße Flutlichter

Hundertfünfzigmeter lang

Steh ich mit Brett im Rampenlicht

Disko

Das Wasser ist ganz weiß

Würd ich reingehn,

Ich Engelchen,

Man würds nicht sehn

Ein Surfer sagte mal

‚Unter den Wellen sein,

Das ist wie Disko

D-dum, d-dum, d-dum

Man muss bloß warten

Bis der Bass sich beruhigt‘

Coeur pleurant

La chaleur
Mon cœur qui pleure
Fortement
Remis dans son passé
Plus jeune, plus ptit
Plus grand celui
à côté de moi
Me prend dans ses bras
Partage sa chaleur
Chaude et empathique
Qui parle avec ses mains
Son corps entier
Une voix qui ressente
Qui voit
Qui soulage
Une vie qui commence

Revolt

Die Foule marschiert vorüber

Schreit

Wut

In Heißluftballons

Träne steigt in meine Augen

Eine Faust schlägt in den Himmel

Beat vibriert in meinem Körper

Flaggen fegen

über

meine Haare

Wörter reichen mir die Hände

Oh du Theaterluft

Nach Garderobe

Und Staub

Bisschen stickig

Aber versprichst einen Ausgang

Oder Durchgang

Ein Licht

Nach altem Teppich

Und Dunkelheit

Und irgendwie,

Komischerweise,

Nach Finanzamt

Nach dunklen hölzernen Möbeln

Schreibtischen

Nichtrauchen ohne Rauchverbot

Dem Egon Krenz sein Büro

Nach altem Papier

Das im Reißwolf gärt

Bisschen antiquarisch

Bisschen trüb

Noch

Und dann Leben,

Hinter den gläsernen Türen,

Das sich aufstaut,

In deinen Gängen

Verheißungsvoll

Und explodiert,

Wenn ich eintrete

Oh würd ich doch eintreten!

Aber geht nicht

Noch nicht

Und wär ich doch in Unkenntnis!

Über deinen Geruch

Deinen Zauber

Vielleicht weinen die Bäume

Wir weinten tränenlos

Weil das Salz ausgegangen

Sahen wir aussichtslos

Weil das Sichtfeld verschwommen

Schrien wir lautlos

Weil der Ton benommen

Sprachen wir sprachlos

Weil wir keine Worte fanden

Lachten wir hemmungslos

Weil der Schock uns überfiel

Schlugen wir

Herzlos

Um uns getrost

zu schützen, und

Wir lebten zeitlos

Weil die Birken noch dort standen

Und die Gedanken nicht verschwanden

Fühlten

Leere

Und dann atmeten wir tief

Weil unsere Herzen Luft brauchten

Und jetzt stehen wir wieder dort

Wo wir vorher standen

Und wir begreifen nichts

Überhaupt nichts

Vielleicht weinen die Bäume

Das Gedicht kommt zu früh

Atem wiederfinden, in dieser Beziehung.

Mein Körper kann’s noch nicht ganz fassen.

Dass das jetzt wirklich endlich war.

Umso besser, dass da Luft ist.

Ich ringe schon nach innen hin.

Seh dich auf dem roten Sofa,

liegend wie ein Embryo.

Auf dem Stuhl, mit freien Schenkeln.

Im Bett, dein Kopf, am Arm entlang,

dein schwarzes Haar am weißen Körper.

Hast dich eingeschrieben in die Möbel.

Dein Geruch im Kissen.

Ich könnt dran riechen, stundenlang.

Nummer löschen reicht nicht aus.

Brauch die Liste

Mit den Sperrmüllterminen.

Das Gedicht kommt zu früh.