Von Surfentzug und der Schönheit, mit sich selbst zu sein

Verschlafen und ein bisschen getrieben von der To-Do Liste, die es gilt mit Häkchen zu versehen, rolle ich mich aus dem Bett. Eine lange, aber nicht übertrieben lange Nacht, die Erfahrung, das erste Mal aus einem Club rausgeschmissen worden zu sein, ein ansonsten etwas zielloses Kneipenhopping liegen hinter mir. Drei Stunden, um einen Vortrag vorzubereiten liegen vor mir. Es ist tatsächlich mehr der Stress, die Sorge, nicht fertig zu werden, meine Verpflichtungen nicht zu erfüllen, die mich aus dem Bett treiben, als Lust auf einen neuen Tag. Aber (und das wiegt den Rest wieder auf): Was auch auf mich wartet, ist das Meer! Ein bisschen Wellensehen, ein bisschen Wellenreiten, ein bisschen Zeit für die Seele. Meine Vorfreude tanzt voller Sehnsucht und Kaltwasser-Erwartung…

Bis mittags um zwölf. Mein Surfkumpel schrieb: „wir denken die ganze Zeit nach, sind echt hin und hergerissen, ob wir das heute machen sollen […]“ Ich las weiter, doch die übliche tiefgreifende Enttäuschung stellte sich auch in der letzten Zeile nicht ein. Wahrscheinlich hielt meine Müdigkeit mich von einer allzu großen Gefühlsregung ab. Alle guten Dinge sind drei, fällt mir ein. Zwei Angebote meiner Bekannten, Surfen zu gehen, hatte ich in den letzten Wochen abschlagen müssen (Stress, Zeitmangel, krank…). Aber wer hätte gedacht, dass das dritte Mal Surfentzug auf solch einem abstrusen Grund beruht?

Ich schreite durch die Winterkälte, an Unigebäuden, menschenleeren Campus und Tramstationen und einem überschwemmten Radweg vorbei. Nach langer Zeit habe ich das Gefühl, meine Umgebung wieder wahrzunehmen, die Kälte zu spüren, mich nicht über sie zu beschweren, die wenigen Menschen und das, was sie beschäftigt wahrzunehmen, die von einem Fußballplatz her schallenden Schreie zu hören, das Auftreten meiner Füße zu spüren, meine Lebendigkeit zu spüren, und mir bewusst zu werden, über das Geschenk an mich selbst: die Entscheidung, spazieren zu gehen, Zeit mit mir selbst zu verbringen, nur für mich.

Auf meinem Spaziergang schmunzle ich: Kokain ist es, das mir einen dritten Surfentzug beschert. Vor einer Woche hatte ich es in den Nachrichten gelesen – rund eine Tonne Kokain sei an der französischen Atlantikküste vor Bordeaux angeschwemmt worden, betroffen sei unter anderem der Surferstrand Lacanau. Damals hatte ich gelacht. Dass ich über mein eigenes Schicksal lachte, hatte ich nicht geahnt. Die Strände sind also gesperrt, zu hoch sei die Gefahr an einer Überdosis zu sterben. Ich frage mich, ob es möglich ist durch Surfen high zu werden.

Und, ich frage mich: Wie habe ich die Schönheit eines Spaziergangs vergessen können? Ich nehme mir vor, öfter spazieren zu gehen – unabhängig von Surfentzug und Kokainstränden – öfter mit mir selbst zu sein.

Nach unserem Zuhause

Du erzählst mir, du seist an Silvester in Berlin, und fragst mich, ob ich da auch in Town wäre. Verlockend, denke ich mir, du und Berlin. Ich könnte nicht sagen, wen ich mehr liebe, wer mich mehr an den jeweils anderen erinnert. Gibt es ein Berlin ohne dich? Gibt es dich ohne Berlin? Ich muss mir das Papier nochmal zu Hand nehmen, deine Schnörkelschrift, deine unverwechselbar hochgestochene, unaufdringliche Sprache, um dich mir in Erinnerung zu rufen. „Du […] von Zweifeln über die große Zukunft geplagt […] ich dagegen ebenfalls aufgeregt […], glücklich, weil ich das Gefühl hatte, dass nach langem Zögern mein Plan endlich aufgegangen war.“, schreibst du. Ich sehe dich neben mir, wie wir auf Fahrrädern durch die Münchener Sommernacht schlittern, damals liegt Berlin schon mehrere Monate hinter uns. Du versuchst mich davon zu überzeugen, dass München doch viel mehr ist, als die saubere, hygienische, schicke Spießerstadt, die als Berlinkontrast schon immer in meinem Kopf existiert hat. In den Münchener Nachthimmel rufe ich meine Zukunft, als hätte auch diese schon immer existiert.

Ich sehne mich nach dem Dielenboden. Nach dem penetranten Rauchgeruch im Treppenhaus. Nach  Lichtermeer, das die Gleise beleuchtet und Berlinreisende schon vor Ankunft im Hauptbahnhof empfängt. Nach versteckten, hinter dunklen Gassen liegenden Jazzkellern. Nach Winter, beißender Berlinerkälte. Nach unserem Zuhause

Memory child

The ocean is wide, endless. What arrives as a wave at the beach, is only some little hill, some peak outside at the open sea. Far out, the water molecules are still on their way to collect themselves, to find pairs, triples, to form groups and bound each other until they are countless, as is the energy they are carrying.

The sun is falling. In that particular moment it’s hiding behind some clouds, the rest of the morning fog, some rainy dust. Below the warm orange, yellowish sun, the ocean’s blue is even more beautiful. I’m sitting at a tongue of land that is extending into the Atlantic Ocean. It’s a Portuguese piece of land, their holy coastline, as I could also call it – the coastline of the world surf reserve Ericeira.

Five years have passed and I’m finding myself back in that small surfer’s village. At that time I had passed hours and hours at the beach without taking a foot out of the water. It’s probably there where a new description of myself was born: “My hair is out of order, my eyes are red, my skin is hispanic. And I won’t stop until my entire body starts hurting.” Now, passing by the surf school, I recognize the surf teacher that had taught passionately the art of surfing. He used to provoke me by throwing me off the board. I pretended to be angry, but of course the only thing he could see, was some little girl’s smile. It takes a while until I remember his name. But then the memory pops up. Alvaro – this is how he was called.

Being here the second time, I would enter the surf school routinely every day, grab a new board to test it, smile to one of the surf teacher behind the welcoming desk and search for Alvaro to ask him the “daily question”. Often he wouldn’t be around, then I’d shrug my shoulders, jump in the water, and wait for another occasion. The daily question would deal with surf technique, surf material, or surf anything. I would realize soon, that I annoyed Alvaro with my questions (understandably a surf teacher had other preferred subjects in his free time than again and again this one and only issue. However, one day I couldn’t but ask whether he’d like to go surfing together.

I was laying on a bench reading a book, when I dared to ask this question. One leg was stretched, one bent, so that Alvaro would easily recognize the fat black and blue mark on the inner side of my leg. “What did you do, Pauline?”, he’d ask in a caring manner, but also with a voice of great humor. I explained that the fins had caught me. He would slowly shake his head and tell me that a surfboard had the purpose of laying down, not of fighting with the fins. He’d look at me with his warm and provocative eyes, he’d wait for my laughter, which would of course follow every path that he was joking with me. I loved his humor, I loved the warmth in his face. Surprisingly, the answer on my hesitant question was an offer (a ‚yes‘ would have been too simple). He offered me to join the afternoon’s surf class. However, I surely already knew, that I’d be there on point, I just casually shrugged my shoulders and told told him that I’d think about it.

At the spot, Alvaro asked me for some wax. I shook my head no. “Oh come on, Pauline, you are a surfer!”, he provoked me again. In order to tease back, I stripped some wax from my board, until my little finger was white. “Here you got some”, I offered him my littler finger. “Funny girl”, he just remarked. Of course I would laugh again, as honest and as liberated as only a kid could laugh. Probably that was the reason why he loved teaching kids, I thought.

We would paddle out together and he’d assign me which wave to take. In the beginning, I didn’t catch any. I heard some ironic shout behind me “Oh, Pauline…”. When I arrived back in the lineup, waiting for his provocative smile to appear, he stated very seriously: “When you paddle, Pauline, you have to paddle with commitment!”. I nodded. Then, for the next wave I showed my commitment. This time it was a whipeout that kept me away from surfing the wave. It was probably the strongest whipeout I experienced in my entire holidays. I grasped for air, looked how much time I had until the next wave would overrun me. And there he was – surfing a wave of his choice. The wave had partly already broken next to him, he paused and then introduced a strong, powerful bottom turn. It was fascinating to see this strength, the tension and smoothness in his movements, the harmony with the wave. A second later I had to dive to not be entirely caught by the force of mother nature.

Langzeitreise

Von Packen, Abschied und einem gestärkten Immunsystem

Wieder im Zug. Und wieder auf Langzeitreise. Diesmal sitze ich in einem französischen Schnellzug. Nur sechs Stunden von Aachen bis an die französische Atlantikküste nach Bordeaux. Tatsächlich kommt alles, wie ich es mir seit der zehnten Klasse erträumt habe. Nach ein paar Umwegen, Auswegen und Überwegen bin ich nun bei meinem Traum angelangt – einem Studium in Frankreich am Meer. Und bei meiner üblichen Zugreflektion fällt mir auf: all die Abläufe der Langzeitreise sind mir seltsam vertraut – Packen, Stress, Abschied, Hektik, Chaos, Trauer, und weg! Verrückt, denke ich, wie parallel die Zeit läuft, zu meinem Aufbruch vor zwei Jahren nach Berlin. Schon das zweite Mal verliebe ich mich eine Woche vor meiner Abfahrt, schon das zweite Mal küsse ich, wohl wissend, dass der Kuss nicht nachhaltig ist, dass es keinen Zweiten geben wird. Auch diesmal trage ich viel Gepäck, das mich durch die nächste Zeit leiten und begleiten wird (damals ein bisschen komfortabler unterwegs, mit sogar einem Fernseher und einem Fahrrad im Kofferraum, jetzt mit zwei dicken Koffern durch die Pariser Metro). Und beide Male sind es Sehnsuchtsorte, die mich anziehen und zur Entscheidung bewogen haben, dort zu studieren. Ich liebe Berlin. Berlin ist meine Lieblingsgroßstadt, mein Freiheitstrubel. Und ich liebe das Meer. Bordeaux selbst kenne ich noch nicht, lediglich der Wein, eine alte Weinkiste, die beschriftet ist mit „Vins de Bordeaux“ und eine Münze, die in die Richtung der Stadt gezeigt hat, bilden meine Assoziationen. Und dann ist da eine Zahl: sechsundfünfzig. Sechsundfünfzig Autominuten bis ans Meer. Noch nie habe ich so nah am Meer gelebt! Diese Feststellung beeindruckt mich noch immer, hat eine unglaubliche Macht über mich, überspült mich mit Freude und Glück.

Auch vor zwei Jahren war der Abschied intensiv. Damals wurde ich mit dem Auto gebracht, wir haben zusammen Abend gegessen und gefrühstückt und schließlich Tschüss gesagt. Ich erinnere den Moment noch sehr genau, als meine Mutter die Autotür hinter sich schloss und sich das Auto in Bewegung setzte. Es holperte in langsamem Tempo über die gepflasterte Straße, als es außer Sichtweite war, sprang ich in die Luft, jubelte vor Freude und vor dem bevorstehenden Abenteuer. Nie zuvor hatte ich solch eine Freiheit empfunden. Die Stadt sollte in den nächsten Wochen und Monaten zum Sinnbild ebendieser Freiheit werden. Heute erzählt mir meine Mama, wie schwer ihr das Wegfahren damals gefallen sei, und auch dass sie jetzt anders vorbereitet sei. Es fühle sich diesmal weniger wie ein Abschied an, sondern mehr wie ein Kommen und Gehen – der Lauf der Dinge von einem Mädchen, das erwachsen wird. Als wir am Bahnhof in Aachen sind, kommt es dann aber doch ganz anders. Meine zwei Koffer zu verstauen dauert ein wenig, und dann strömen hinter mir immer mehr Menschen in den Zug. Ich sehe Mama und meine beste Freundin draußen stehen, warte geduldig bis der Menschenstrom aufhört und ich noch einmal aus dem Zug hüpfen kann, um sie zu umarmen. Dann ertönt das vertraute Hupen. Der Schaffner, der mir vorhin noch geholfen hatte, meine Koffer unterzubringen, steht jetzt mit einem Bein in der Tür und mit einem auf dem Bahnsteig, in der rechten Hand hält er eine rote Signaltafel. Alles geht so schnell. Plötzlich höre ich Mama von draußen beherrscht rufen: „Oh, es geht ja schon los.“ Ich bin fest entschlossen noch einmal raus zu springen, aber es scheint zu gefährlich, denn der Schaffner streckt mir eine Hand entgegen. Daraufhin mache ich mich lang, um wenigstens die Hände meiner Liebsten zu fassen. Es gelingt. Kurz. Dann ist die Tür zu. Draußen sehe ich meine Mama weinen und meine beste Freundin trösten. Ich lächle die beiden durch das kleine Glasfenster in der Tür an, aber sie scheinen mich nicht zu sehen. Mama ist auch vielmehr mit Weinen, als mit Sehen beschäftigt. Plötzlich kommt es mir ganz komisch vor, dass sie weint und ich lächle. Sie weint um ihre Liebe und ich lache um mein Glück. Aber diesmal ist es kein Glück wegen dem Gefühl der Freiheit, das mich übermannt. Diesmal ist es Glück darüber, dass sie da ist. Ich lege meine Hand auf die Scheibe und hoffe die beiden sehen jetzt endlich, dass ich noch immer dort stehe, wo ich eingestiegen bin. Sie versuchen beide, ihre Hände ebenfalls von außen an die Scheibe zu legen. Dann beginnt der Zug zu rollen und die beiden zu winken. Gut, dass Mama jetzt wenigstens nicht allein am Bahnsteig zurückbleibt, denke ich.

Was diesmal anders ist: ich fühle mich besser gerüstet, nach dem halben Jahr Zuhause. Selbstsicherer. Mein Immunsystem ist stärker. Meine Abwehrkräfte sind gewachsen. Ich flüchte nicht mehr, sondern gehe meinen Weg.

Surfing’s sexism

A look at hidden messages and stereotypes

 

There are many inequalities between men and women in numerous kinds of sports. Those inequalities aren’t only money questions relating to differences in sponsoring, income and prize money at competitions. They can also be observed in the structures and the images of a particular kind of sport. To reveal gender inequalities one can ask: “Through which images is the sport promoted?”, “Who are the public representatives of the sport and are those representatives representative?”, “Are women depicted in the same way as men or is there another focus regarding female photography?”, “Are those sport images objectively showing the sport’s practice or do they display and enforce gender stereotypes?

Before sexism (as a form of discrimination) is implemented in financial, political, economic, cultural and social structures of a sport, its prejudices and stereotypes have to be accepted by the people, have to be inhaled by their mindset. Only if that is the case, (unconscious) prejudices won’t be distinguished from reality anymore. Thus, a mixture between the real characteristics of the sport and its actors on the one hand and prejudices and stereotypes on the other hand evolves in people’s minds. A tool for the generation of prejudices is the use of above mentioned images, symbols and every kind of media.

The surf industry serves as a good example for this abstract analysis of sexism in the sport domain. Surfing is a very young sport. It began to spread around the globe in the 1980s. Slowly and in a sudden exponentially, it became more and more commercialized. Surf schools, surf academies, surf education centers, surf labels, surf competitions, surf clothing, surf shops, surf mentality was launched and promoted. And of course, there wasn’t only the exotic, relaxing, newly promoted Hawaiian lifestyle that people fell in love with and tried to adapt, but there was a whole industry that developed hand in hand with the attractive surf lifestyle. Such an industry could doubtlessly only survive and be pushed forward by the use of advertisements, promotions, posters, souvenirs and statues or memorials. All those kinds of media plant certain images in people’s minds, among them: gender related stereotypes. Quantity wise it’s clear that the amount of men depicted on photos, memorials, etc. in the public is at least double, if not triple, the amount of women. But apart from that, analyzing the content, the hidden messages is very insightful.

If there’s a foreground and a background, it’s normally the man that is filling the foreground. Men are depicted in a muscular way, with angular faces and the accent is put on the upper part of their body – the six pack – a must-have for the sport’s promotion. Their look is powerful, ambitious, cold and heroic. It’s as if the surf industry made constant use of superman in order to promote itself, its money flows, its actors. Men have to appear as a masculine ideal – physically and emotionally strong, self conscious and certain about their aims. Very often men are depicted lonely. It creates a certain romantic – the lonely soul, that is at sunset riding big waves, risking his life, trying to find peace in the nature, in the waves, only with his body and his mind being present – no need for society, no need for a woman (as can be seen on the poster below). Also, it can be observed that there is no contact between the viewer and the masculine protagonist on the poster. The man is painted in action. With his eyes, he focuses the action, respectively the waves. Hence, the observer is excluded from the act, only observing but not participating through eye contact or any other form of connection. This lack of connection creates distance which again lets the man appear as a powerful figure. In contrast to that, the naked woman looks at the observer. Her function as an accessory is evident. The contradiction is clear. On the one hand the man, an acting subject that is very distanced from the observer, on the other hand a woman whose nakedness and eye contact indicate simplicity, perhaps vulnerability.

Or, (cf. The statue above) one is shown a lonely soul, looking down to the beach, to the waves, that appear when the sun rises. Though, the man’s view doesn’t show sentimentality or passion, but strength and power. The focus is put on his face which conveys force, governance and control that he is able to exercise over the waves. One has almost the impression that the god of surfing is depicted, that is able to rule over wind, weather and waves, the god that is standing above the ocean, positioned at its fringe, at the highest point of the cliff in order to preside over the ocean’s wideness. Again, there is no eye contact between the observer and the statue (which is normally very often the case, especially regarding historical figures). Additionally, the breast that is pushed forward, the arms that are pulled back and the upper body that is leaned forward and the straight head create the impression of superiority, of dominance. The observer may feel intimidation or reverence. When one perceives the statue, he*she associates masculinity to superiority. This is how a stereotype is unconsciously created.

Women, in contrast, are normally placed in the background. The focus on women’s depiction is not set on the face, but on the body, respectively the breast and the buttocks. Although, typical surf clothing would consist of a wetsuit, women are rarely shown in such body-covering, unintrusive, discreet sportswear. Contrary to that, they are illustrated almost naked, with little clothes (which is not representative for the sport and its clothing at all, because the less clothes, the more dangerous the sport is; cf. Poster above). Often the breast is only covered by the woman’s hair or flowers or other (often nature-related) utensils. This sort of cover is associated to exoticism, a wild and uncivilized way of life. The sex is either not shown, or slightly hidden behind a piece of textile. If that was the real clothing of a female surfer, she’d immediately lose every piece of cloth when diving under or being caught by a wave. She’d be cut by the reef, hurt by the fins of her board or the inconceivable wave energy that would be pulled toward her. It is clear, that regarding this body- focused woman presentation, the intention is not to show a woman practicing surfing, but to expose the woman’s body.

Other female characteristics that are accentuated in women’s surf photography, are the hair (often long, curly and attractive), the narrow, slim body, the unimposing, faultless, perfect, soft face (that resembles the one of a doll), the full lips, and the big, pretty eyes. Women’s faces regularly express a bit shyness, innocence, passivity. The woman in the background could be an accessory, a decoration to contrast, and thus emphasize, the man’s characteristics. According to that, she practically serves as a stylistic device, as a means of emphasis, of accentuation. But not only this is the consequence. The inconsiderable, monotonous facial impression deprives the woman of her individuality. She is displayed as a number, an anonymous figure, an object. There is no intention of showing her personality, her characteristic traits. What the promotion industry could do instead, is to display a significant (sentimental or excited or anxious or uncertain or determined…) facial expression, referring to and giving some information about the woman’s character. Though, the transformation of the woman as an acting, feeling and thinking subject to her as a passive, serving object is clearly a sexist pattern. It tells the story of a dominant, superior (superiority with regard to knowledge, physical and mental power) man, and a submissive, inferior woman. This gender hierarchy can only exist and be maintained by the combination of power and prejudices. In worldwide social, collective structures men still have more power than women, they are able to make use of that power (consciously or unconsciously) whenever they want to achieve their aims. Prejudices are likewise spread by means of images, symbols, public speech, briefly all kinds of media.

To conclude, the surf industry promotes very particular images of masculinity and femininity. Those images create stereotypes and prejudices in people’s minds. They enable and contribute to a sexist thinking, feeling and acting. The first step of revealing them, is to watch closely, to look at hidden messages and question them.

Ich geh Protest!

Zum hundertsten Mal öffne ich in dieser Nacht meine müden, schlaffen Lieder, blinzle kurz, schätze anhand des Lichts ab, wie viel Uhr es wohl sein mag und lasse sie wieder zu fallen. Ich schwitze. Die Decke liegt neben meinem Palettenbett – längst für überflüssig erklärt in der dritten Hitzewelle diesen Jahres. Meine Klamotten kleben, Tshirt, Unterhose haften eklig warm an meinem Körper. Und inmitten des Durchzugs, zwischen Fenster und Zimmertür, der auch in der Nacht nur aus einem lauwarmen Lüftchen besteht, fühlt sich mein Hals trocken und kratzig an. Ich schnappe mir die Bettdecke, um ihn zu wärmen. Schiebe sie wieder von mir, um dem Saunagefühl zu entkommen. Wälze mich. Ziehe die Decke wieder zu mir. Schiebe sie wieder von mir. Drehe mich auf die andere Seite. Als mein Wecker zum morgendlichen Schwimmen klingelt bin ich wach. Sechs Uhr Dreißig. Zeit, endlich einzuschlafen. Der blaue Himmel sagt vorsichtig ‚Guten Morgen‘, sieht meine schlechte Laune. Die stehende Hitze im Zimmer ignoriert mich. Ich bin wütend. Und müde. Diese neuerdings blöden schlaflosen Hitzenächte! Mein Beschluss für den heutigen Morgen: Ich protestiere!

Ich schlüpfe in meinen Badeanzug, greife nach der Zahnbürste, anschließend nach den Wertsachen, und spaziere im Badeoutfit über die Straße zu dem silbernen Volvo, in dem meine Mama schon auf mich wartet. Das dienstägliche Morgenschwimmen ist zu einer Gewohnheit geworden. Mama guckt mich verdutzt an. „Hätten es nicht ein paar mehr Klamotten sein können?“, sagt ihr Blick. Ich werfe ihr einen entschiedenen Blick zurück, der sagt: „die Hitze ist mir eine Rechtfertigung – sollen die Leute doch denken, was sie wollen!“. Drei französische Küsschen, dann fahren wir los.

Die Kassiererin lacht, als sie mich sieht. Sie verweist mit einer Geste zur Bademeisterkabine, durch die ich direkt ins Schwimmbad gelangen könnte. Viel gute Laune um die frühe Uhrzeit, denke ich. Im nächsten Moment stutzt sie. „Und was ziehst du nach dem Schwimmen an?“. Ich halte eine Hand über die Theke, Unterhose und BH baumeln herunter. Sie ist sichtlich verwirrt. Ein verständnisloser Blick zu mir. Dann ein ungläubiger Blick zu Mama. „Sind sie die Mutter?“

„Und das erlauben sie?“, fragt sie in einem noch ungläubigerem Ton.

Mama lacht, fragt rhetorisch, was sie tun solle. Ich grinse. Mein Hitzeprotest hat Aufsehen erregt! Dass die Kassiererin weder für die Hitze verantwortlich ist, noch in der Lage ist, das Wetter zu beeinflussen, ist mir egal.

Dann passiert viel Verwirrung. Die Kassiererin hat Mama aus dem Konzept gebracht. Mama versteht den Zahlvorgang nicht. Bemüht und wach erklärt die Kassiererin, dass eine der hingehaltenen Karten ein Kaffee Gutschein war. Mama läuft durchs Drehkreuz, vergisst ihren Schließfachschlüssel. „Den müssen sie schon mitnehmen“, die Kassiererin hält den Schlüssel über die Theke – eine Mischung aus Grinsen und sanftem Lächeln. Und bevor wir die Umkleiden erreichen, weist sie nett darauf hin: „Ach, und übrigens: zum kalten Becken geht’s nach links!“. Das Grinsen kann sie sich jetzt nicht mehr verkneifen. Wir lachen müde und berührt, und verschwinden in den Kabinen.

Die Wehmut, mein ewiger Reisebegleiter

Ringelblume

 

Auch genannt: nie-wellk-Blume, denn sie erblüht immer neu

 

Es regnet im Strömen, als wollte mich der Regen verschwitzt anlächeln und seine Willkür demonstrieren. Der Himmel ist weiß, lässt keinen blauen Farbklecks durch. Durch den hohlen Dachstuhl ist das zarte Prasseln gut zu hören. Viele Menschen sind gegangen. Regen und Abschied machen mich ganz melancholisch. Ich fühle mich plötzlich einsam hinter den großen, dicken Wänden, suche Licht von draußen, werde nicht fündig, alles zugezogen und diesig. Bitte halt mich jemand fest, in meiner Melancholie, denke ich. Bitte halt mich jemand fest, in meiner Wehmut, die mich so oft in den letzten zwei Jahren ergriffen hat, wenn das Ende einer Reise und der Aufbruch zu einer Neuen bevorstand.

Ja, ich weiß, Wehmut ist ein gutes Zeichen. Ein Zeichen der Bestätigung, dass ich auf einem guten Weg bin. Wäre die Wehmut nicht da, wären auch die wundersamen Menschen nicht da, die wundersamen Begegnungen der letzten zwei Jahre. Menschen, deren Güte und Warmherzigkeit mich sprachlos machen, mich überwältigen. Begegnungen, an deren Anschluss ich mich frage: Womit habe ich, und habe ich überhaupt, diese Güte, diese Herzlichkeit verdient? Meine Wehmut ist also auch Demut, Ehrfurcht, unfassbares Glück. Und nun, dass dieses Glück was Gutes ist, sei wahr.

Die Menschen sind Gott, fand ich heraus. Ihnen kann ich folgen, sie zeigen mir meinen Weg, die Wehmut zeigt, wann loszulassen ist. Sie ist so stark, ganz überwältigend, stärker als jede Langeweile. Sie ist so voller Liebe und voller Trauer, dass ich weinen und lachen muss, zugleich, um sie zu ertragen, um die Menschen zu fassen, die schon wieder fort sind. Und wohl werde ich auch nicht schlau aus ihr – der Wehmut, deren Bezeichnung mich verwirrt zurücklässt. Ja, sie tut weh. Und Mut? Die brauche ich, um den Schmerz zu überwinden? Ist der Mut ein Rezept, eine Packungsbeilage der Wehmut zur Überwindung ebendieser? Und wenn ja, was sind dann die Nebenwirkungen der Mut, dem Antibiotika gegen die Wehmut? Vielleicht Vergessenwollen ohne festzuhalten? Weiterreisen ohne Gepäck? 

Erst einen Tag später beende ich diese Gedanken. Meine Wehmut hat sich beruhigt. Sonne, genauer die Abendsonne, ist zurück, scheint zwischen den Häuserwänden hindurch, ein paar Strahlen schaffen es auch mühevoll über die Dächer hinweg. Und ich weiß: so wie die Ringelblume, wird auch die Wehmut neu erblühen, wird mich nicht loslassen, denn sie gehört dazu. Ich lebe.

Brief an dich

 

 

Meine Liebe,

es ist lange her, dass wir uns gesehen haben, dass wir uns mit nassen Augen umarmt, bis in die Nacht hinein auf der Hängematte nebeneinander gelegen haben, und überrumpelt aufgesprungen sind, als das automatische Rollo der Terassentür, ohne Vorankündigung, seinen Weg in Richtung Boden antrat. So oft bin ich auf Reisen, außer Lande oder einfach außer Haus. Es ist meine Entscheidung zu gehen, zu reisen, die Welt zu entdecken. Dass du auf meinen Reisen nicht dabei bist, tut mir weh. So war die Reise mit dir doch die größte und schönste im letzten halben Jahr. Und ich komme wieder, und werde wieder gehen. So will ich es, so soll es sein. Schon jetzt vermisse ich dich, bevor ich dich in meine Arme geschlossen habe, und dich wieder losgelassen habe. Schon jetzt sind meine Augen nass, wo unsere Umarmung noch drei Tage und 1647 Kilometer entfernt liegt.

Ich weiß, es ist schwer, nur einen Tag bin ich daheim, und dann wieder fort. Ein Abendessen, ein Lächeln, eine Berührung unserer Wege. Entweder du oder das Meer. Von dort ruft meine Leidenschaft. Ich höre das Rauschen der Brandung, den Wind, wie er die Wellen aufbauscht, ich höre die Melodie des Meeres, die nach mir ruft, eine pfeifende Flöte, ein Summen in meinem Herzen. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, unsere Zeit ist gezählt, jedenfalls empfinde ich es so. Ein Urlaub, ein Zwischenstopp, ein Abschiedswinken und hinterhergeschickte Küsse. Verzeih mir, ich muss gehen. Jetzt ist die Zeit. All die Gründe, es nicht zu tun, wiegen nicht schwerer als ein Sandkorn. Wie viel du wiegst, ist unbeschreiblich. Ja, du bist das Meer, bilde ich mir ein? Also gehe ich zu dir? Diese Reise nimmt mir keine Freiheit, nimmt mir keine Gesundheit, fügt Anderen keinen Schaden zu, dessen versicherte ich mich kürzlich. Ich versicherte mich auch dessen, dass du kein Grund bist, es nicht zu tun. Denn du bist ja bei mir, egal wo ich bin, so weh und schwer die Wahrheit dieser Worte klingt. Und sollte ich dich vermissen, und im Meer um dich weinen, dass unsere Zeit sei geschwind, sei geschwind, dann sind wenigstens die Tränen nicht verschwendet. Denn die gibt es nicht wie Sand am Meer. Lass mich dich vermissen, aber vermiss du mich nicht. Ich musste es tun, ich konnte nicht anders, als der Melodie nachzulaufen, den Rufen zu folgen, dem Rauschen, das ich schon zwei Jahre lang nicht mehr gehört habe. Ich wäre blind, es nicht zu tun, blind vor Liebe, vor Sorge und Angst. Ich liebe dich. Sei mit mir.

 

Bis alsbald. Und jetzt. Mit mir.

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=dzqNSAbE7Fo

Unter Wein und auf Veranda

Lavendel

 

in der Ruhe liegt die Kraft

 

Lieblingsplatz Nr.1: auf Veranda

Eine aus sorgfältig ausgesuchten Pflastersteinen bestehende Veranda führt die Gäste des Gästehauses an die Frische Luft. Vor ihnen ebnet sich eine abfallende, wildwüchsige Wiese, ein kahlgeschnittener Baum und mehrere mit Laubtupfen geschmückte Bäume, weit entfernt der ökologische Garten, ein Bienenhaus und zu den Füßen des Gartens der Teich. Kürzlich verlegte quadratische Betonplättchen führen die Einheimischen zur Veranda des Gästehauses; jeweils rechts und links von der Tür befinden sich zwei kleine, hölzerne Klappstühle und ein Klapptischchen. Auf einem dieser Stühle sitze ich, mit einem imaginären Glas Wein und überschlagenen Beinen, lese, schreibe, genieße den Anblick der massigen, dunkelblau ruhenden Berge. Zur linken Seite steht eine nicht fertiggestellte oder nicht fertig abgerissene Mauer aus roten Ziegelsteinen, im Licht der Abendsonne scheinen sie zu glühen, kontrastieren sich mit dem blauen Himmel, an dessen Horizont die Berge emporsteigen. Weiße Hochhäuser des Stadtzentrums, weinrote Dächer und eine vielbefahrene Straße kreuzen den Blick auf die Berge.

Lieblingsplatz Nr.2: unter Wein

Ich sitze, die Beine ausgestreckt und auf einem Stuhl abgelegt, an einem kleinen Holztisch. An einigen Stellen ist das dunkle Holz mit Acrylfarbe bedeckt, grüne Farbkleckser zieren den Tisch. Neben, über, vor, hinter, ja zu allen Seiten von mir: Wein. Als befände ich mich in einem kleinen Weinkäfig, die Käfigstangen – das Holzgerüst, das von grünen, großen Blättern der Weinpflanze bedeckt wird und von dem die Weintrauben herabhängen. Was ich an diesem Platz so liebe: alles um mich herum ist grün, wie die grünen Lungen, die sich um CO2 verseuchte Großstädte legen und diese mit Sauerstoff beleben. Es kommt mir vor, als würde ich das Grün riechen, und die Sauerstoffspende!

 

 

Verhaltenstherapie im Garten

Basilikum

 

Über ihn wird gesagt: er vertreibe negative Energien

 

Jetzt ist es raus. All die Tage habe ich versucht, es geheim zu halten, mich möglichst unauffällig zu bewegen, möglichst unauffällig zu gestikulieren oder gar einen atypischen Ausdruck zu mimen, das Thema im Gespräch möglichst zu umgehen, oder wenn dies nicht möglich war, mich mit einer leeren Floskel aus der Situation herauszuwinden. Die ganze Reihe von Täuschungsmanövern war mir keineswegs leichtgefallen, immer auf der Hut, mich vorsichtig durch den Garten tasten, meine Emotionen im Zaum halten – weder Hysterie, noch Angst zum Vorschein dringen lassen!

Aber jetzt ist es raus. Cristi, einer der Gärtner schlussfolgerte ein paar Tage nach meiner Ankunft: „also eigentlich ist der Garten wirklich nichts für dich…“. Er war dabei auszuloten, mit welchen Tieren er mich ärgern könnte, welche Insekten mich anekeln, vor welchen Gartenbewohnern ich mich fürchtete, vor wem ich bei Sicht oder gar Berührungskontakt angsterfüllt davonrannte, wessen Anblick mich hysterisch aufschreien ließ. Kurz zuvor hatte er gefragt: „Und Schnecken? Was ist mit denen?“. Ich schüttelte entschieden den Kopf, als läge die Antwort einer solch existenziellen Frage auf der Hand!

Verwandte, Freunde und Bekannte wissen es nur zu gut: eigentlich bin ich animophob, oder zumindest insektophob! Sicher haben sich Zuhause in die Fassade schon Risse gebohrt, die infolge meiner Schreie entstanden sind, wenn sich im Keller eine Spinne bemerkbar machte. Ziemlich ironisch also, dass ich drei Wochen in einem mit Abermillionen Insekten und freilaufenden Tieren belebten Biogarten verbringe. Wie es mir mittlerweile damit geht? Ameisen schnipse ich routiniert von meiner Haut, Käfer puste ich unbeteiligt dorthin, von wo aus sie gekommen sind, Nacktschnecken umgehe ich gekonnt, über Spinnen verliere ich eine lässige Bemerkung, Katzen lasse ich auf unbestimmte Zeit mit mir schmusen. Nach zwei Wochen Gartenarbeit kann ich also behaupten: die Therapie ist angeschlagen!