Von Wein und Liebe, trotz allen Ernstes, Nüchternheit

Es ist einfach schön, Wein zu trinken und sich zu umarmen. Sich lieb zu kosen. Als hätte man das ganze Leben lang aufeinander gelegen. Als gäbe es keine Konventionen. Als seien alle Verbote ausgesprochen.

Und es ist schön, Worte ernst zu meinen. Im nüchternen Zustand. Ohne Wein. Ohne Schock. Als wäre man sein ganzes Leben lang alkoholisiert ins gleiche Bett gestiegen. Nicht nackt. Und am nächsten Morgen versöhnlich aufgestanden. Ohne Schock. Als wäre der Wein eben doch nur Wein gewesen. Als bliebe die Liebe Liebe. Als seien ernste Worte möglich. Nicht verhängnisvoll. Bedingungslos. Frei. Wie ein Gestern und ein Morgen.

Unter Wein und auf Veranda

Lavendel

 

in der Ruhe liegt die Kraft

 

Lieblingsplatz Nr.1: auf Veranda

Eine aus sorgfältig ausgesuchten Pflastersteinen bestehende Veranda führt die Gäste des Gästehauses an die frische Luft. Vor ihnen ebnet sich eine abfallende, wildwüchsige Wiese, ein kahlgeschnittener Baum und mehrere mit Laubtupfen geschmückte Bäume, dem abfallenden Hang zu Füßen gelegen ist der ökologische Garten, ein Bienenhaus und auf Gartennull liegt der Teich. Kürzlich verlegte quadratische Betonplättchen führen die Einheimischen zur Veranda des Gästehauses. Jeweils rechts und links von der Tür befinden sich zwei kleine, hölzerne Klappstühle und ein Klapptischchen. Auf einem dieser Stühle sitze ich, mit einem imaginären Glas Wein und überschlagenen Beinen, lese, schreibe, genieße ich den Anblick der massigen, dunkelblau ruhenden Berge in der Ferne. Zur linken Seite steht eine nicht fertiggestellte oder nicht fertig abgerissene Mauer aus roten Ziegelsteinen, im Licht der Abendsonne scheinen sie zu glühen, kontrastieren sich mit dem blauen Himmel, an dessen Horizont die Berge emporsteigen. 

Lieblingsplatz Nr.2: unter Wein

Ich sitze, die Beine ausgestreckt und auf einem Stuhl abgelegt, an einem kleinen Holztisch. An einigen Stellen ist das dunkle Holz mit Acrylfarbe bedeckt, grüne Farbkleckser zieren den Tisch. Neben, über, vor, hinter, ja zu allen Seiten von mir: Wein. Als befände ich mich in einem kleinen Weinkäfig, die Käfigstangen – das Holzgerüst, das von grünen, großen Blättern der Weinpflanze bedeckt wird und von dem die Weintrauben herabhängen. Was ich an diesem Platz so liebe: alles um mich herum ist grün, wie die grünen Lungen, die sich um CO2 verseuchte Großstädte legen und diese mit Sauerstoff beleben. Es kommt mir vor, als würde ich das Grün riechen, und die Sauerstoffspende!