aufgeben

Wir sitzen am Abendessenstisch. Zweiter Weihnachtsfeiertag. Wir betrinken uns heut Abend, sag ich zu meiner Tante am Telefon. Ja, anders kann man das auch nicht aushalten, sagt sie. Überrascht lache ich auf. Die Stimmung am Tisch ist ähnlich: Schweigen. Wässrige Augen. Plötzliches, ersehntes Gelächter, das polternd hervorbricht und in eine neue Tränenlache mündet.

Ich sage, ich überlege meine Stelle zu kündigen. Ich wäge die Argumente ab, erzähle und erzähle, schaue dabei zu meiner Oma, die von all dem wenig versteht, weil sie den Hintergrund nicht kennt, und spüre das Zuhören meines Vaters, dessen Reaktion ich bis zum letzten Satz meide. Als ich fertig bin, halb beschwingt vom Wein, halb erhellt vom Reden, sagt er: eines ist klar, Aufgeben ist auch eine Option.

Ich bin verunsichert. Warum zeigt er mir diese Tür ins Negative? Warum keine Bestärkung?

Dann erzählt er von einer Frau, die nach mehreren Schicksalsschlägen erklärte, jetzt aufgeben zu wollen. Ich verstehe, spüre eine leise Beruhigung, einen dazugewonnenen Raum. Die Entscheidung zu kündigen: eine alleinige Verhandlung zwischen mir und meinem Ego.

Wie viel Uhr es sei, fragt mein Vater, der den Sonntagabendfilm im Ersten sehen will. Viertel vor Acht, antworte ich. Dann haben wir noch eine halbe Stunde, um übers Aufgeben zu reden.

tanzum, freisam

Wenn du wüsstest, was es mir gibt, zu tanzen.

Jene Freiheit auf der Welt, mit der ich etwas anzufangen weiß.

Die meine.

Die ich in vollen Zügen auskosten, in Gänze zu bewegen liebe.

Zwar mag ich mich schämen unter mancherlei Blicken.

Aber bin ich einmal bei mir, ist die Scham einmal fort, ist die Freiheit einmal da,

so tanz ich und tanz,

vermag ganze Gedankenstränge zu vergessen.

Denn es lässt sich nicht in Worten tanzen.

Nur auf sie hören. Und zuweilen auf ihnen atmen.