Woche 7 – „German Shop“ und Hermannstadt

Zitat der Woche:  „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir nicht ganz sicher.“ (Albert Einstein)

Konnichi Wa!

Während das Wetter hier in Brasov immer wärmer wurde, war diese Woche vollgepackt mit neuen Entdeckungen und Erlebnissen. Arbeitstechnisch war diese Woche sehr entspannt (Unterricht am Montag, Dienstag, Mittwoch Vormittag) und ich konnte meinen Fokus auf andere Aktivitäten setzen und eine coole Zeit mit den Freiwilligen aus Radauti und Iasi verbringen.

Wir aßen zum Beispiel fast jeden Abend etwas zusammen und quatschten über verschiedenste Themen. Dadurch, dass wir alle von kulturweit entsandt sind ist es auch verhältnismäßig einfach ein Gespräch aufzubauen und zu führen. Wir sitzen ja praktisch alle in einem Boot! In der Zeit, in der die Freiwilligen aus Iasi da waren, hatte ich sogar einen Mitbewohner in meinem kleinen Wohnheim-Zimmer. Es war zwar irgendwie echt cool, aber (und jetzt kein Front an Jakob) ich präferiere dann doch lieber ein eigenes Zimmer!

An einem Nachmittag besuchten wir zusammen dann auch mal die „Schwarze Kirche“, das Wahrzeichen Brasovs. Ich bin davor leider nie dazu gekommen, diese von innen zu besichtigen – obwohl sie doch direkt neben meiner Schule liegt. Mit Gratis-Tickets (wir sagten an der Kasse wir wären Teil der Honterus-Schule, was wir ja auch irgendwie sind) haben wir dann also die größte gotische Hallenkirche Südosteuropas betreten. Ich präsentiere euch in diesem Eintrag auch ein paar, rare Bilder, Fotos machen war offiziell nämlich untersagt. In der heute evangelischen Kirche waren interessanterweise auch viele verzierte Teppiche aus dem Orient ausgestellt. Wir haben vermutet, dass diese etwas mit der historischen Besiedlung Rumäniens durch die Osmanen zu tun hatten, aber wir konnten diese Information leider nirgends finden. Ein wenig nervig war leider auch, dass der Wachmann uns auf Schritt und Tritt folgte. Das erschwerte das Fotos machen abermals!

Orientalische Teppiche in den Gängen der Kirche!

Die größte gotische Hallenkirche Südosteuropas, prächtig!

Neben diesem imposanten Erlebnis war, als die Freiwilligen nacheinander abgereist waren (Gruß an Marie, Marie und Jakob), in der zweiten Hälfte der Woche ein Kurztrip nach Sibiu aka Hermannstadt geplant. Da Sophia momentan in Bulgarien ist, war ich nur mit Johanna unterwegs, was aber kein Problem war. Da wir planten bei einer Bekannten Johannas unterzukommen wollten wir im Voraus ein paar „deutsche Geschenke“ besorgen, als Zeichen der Dankbarkeit. Dieser Plan führt dann zu einem der lustigsten Ereignisse der Woche.

Es gibt offensichtlich in Brasov bzw. generell in Rumänien sogenannte German-Shops. Das sind kleine Läden, die nur aus Deutschland importierte Produkte verkaufen. Was für uns Deutsche die allseits bekannten „Asia-Shops“ sind, sind für Rumänen offenbar diese „100% Germania“-Geschäfte. Ich besuchte also einen dieser Läden und war wirklich erstaunt, was ich wiedererkannte. Von Gewürzgurken, über Spargel im Glas, bis hin zu Leibniz-Butterkeksen gab es ein breites Sortiment verschiedenster Waren und das Alles sogar in deutscher Sprache. Nur leider konnte die Verkäuferin kein Deutsch und schüttelte nur verdutzt den Kopf als ich sie in bestem Englisch fragte, ob sie denn Deutsch spräche. Naja auch kein Problem. Positiv überrascht von diesem für einen Deutschen doch sehr ungewöhnlichem Erlebnis verließ ich dann den Laden!

100% Germania, echt lustig!

Am Donnerstag Mittag ging es dann los in Richtung Hermannstadt. In einem für rumänsiche Verhältnisse schnellem Zug fuhren Johanna und ich gen Westen. Zum Vergleich, der Zug kam bezüglich Aussehens knapp an den deutschen Intercity (IC) ran, wobei der IC doch deutlich schneller fährt. Wir schlichen und ruckelten also in einem Waggon der 2. Klasse, in dem es nur 4er-Sitzplätze gab, durch die Landschaft Transsilvaniens. Naja, dafür hat das Ticket auch nur 10 Euro gekostet.

Nach drei Stunden Fahrt für eine Strecke von 150 km (und das war schon der Schnellzug), hielt dann der Zug am Hauptbahnhof von Sibiu, wo uns Johannas Bekannte schon erwartete! Wir fuhren nicht in die Stadt, denn der Plan ja war bei ihr (sie wohnt auf einem alten sächsischen Dorf) zu schlafen, was uns einige Kosten ersparte! Im bald 600 Jahren alten Dorf Rusi oder auf Deutsch Reussen ist alles sehr ländlich gehalten und die Luft war eine positive Abwechslung zur Stadtluft von Brasov, obwohl diese aufgrund der Höhe auch schon nicht schlecht ist.  Wir erkundeten noch die Gegend (darunter einen schiefen Kirchturm aus dem 18. Jahrhundert) und aßen traditionell Rumänisch zu Abend, es gab eine Fleisch-Reis Mischung in Kohl eingewickelt mit Schmand dazu, genannt Sarmale. Gewöhnungsbedürftig, aber mit dem rumänischen Ursus-Bier (meine persönliche Empfehlung) im Nachgang ging’s. Am zweiten Abend gab es klassisches rumänisches Grill-Gut, also primär Fleisch, und wir unterhielten uns echt gut und lange. Die rumänische Gastfreundschaft hat mich wirklich überzeugt, sie kommt fast an die Italienische ran. Auch interessant war die einfache und konservative Weise zu leben. Die Familie erwirtschaftet sich vieles selbst, das Dorf ist die Community und oft wird noch mit einem großen Ofen geheizt. Es ist aber trotzdem klar, dass der Mann das Oberhaupt ist und stellenweise hatte ich das Gefühl, als Mann ein wenig ernster genommen zu werden.

Die Sitze im Zug

Abendlicht im Dorf

Die transsilvanische Landschaft

Schon ziemlich schwer dieser Turm, zum Glück mache ich Sport

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Natürlich widmeten wir uns auch unserem Hauptziel, der ehemaligen Kulturhauptstadt Europas (2007). Sibiu, dessen Beiname Hermannstadt auch auf die Siebenbürger Sachsen zurückgeht, wird oft als die schönste Stadt Rumäniens gehandelt. Ich kann das echt verstehen. Der Flair der Stadt mischt sich aus rumänischen, deutschen und italienischen Einflüssen und in der Altstadt spielt an jeder Ecke wunderschöne Musik. Bei bestem Wetter erkundeten wir die 150.000 Einwohner Stadt und wir wurden wirklich nicht enttäuscht. Am schönsten fand ich den alten Hauptplatz beim imposanten Rathaus, aber die gesamte Altstadt lohnt sich für einen Tagesausflug! Ich würde das besichtigen von Sibiu jedem empfehlen:). Generell habe ich die Mischung aus rumänischem Dorfleben und Sibiu als wirklich prägend empfunden, der Trip brachte wirklich eine Fülle von Eindrücken mit sich! Ich fühle mich als hätte ich Rumänien nochmal neu kennengelernt und generell fühle ich mich, trotz seltenem Heimweh, hier inzwischen sehr wohl!

Der wunderschöne Marktplatz Sibius

Nach einer ebenso langen Rückfahrt nahm ich mir dann heute (Sonntag) mal ein wenig Ruhe. Ich kaufte ein, schrieb Blog und lebte in den Tag hinein. Nächste Woche wird ziemlich entspannt, ich habe mir trotzdem ein bis zwei Beschäftigungsmöglichkeiten herausgesucht und am Wochenende geht es vielleicht ins Donaudelta, bleibt gespannt!

Wie jede Woche bedanke ich mich bei jedem Leser, der es durch diesen etwas längeren Eintrag mit mehreren Fotos geschafft hat, ich hoffe euch wurde nicht langweilig! Folgt mir ansonsten gerne auf Instagram (@luca_ccr3) und ich freue mich auf nächste Woche!

Liebe Grüße!

Luca

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