Woche 10 – Zwischen Betonplatten und Feldwegen

Zitat der Woche: „Sorgen sind wie Nudeln: man macht sich immer zu viele.“ (Basti)

안녕하세요!

Anstrengende Wochen, das ist inzwischen nichts mehr Neues! Zur Mitte der Woche habe ich ein wirklich hohes Arbeitspensum erreicht, es stand schulisch viel an, obwohl momentan noch immer Online-Unterricht stattfindet. Trotz etwaigen Reisen bin ich ja hier immer noch nicht nur zum Spaß. Es wird wenigstens nicht langweilig. Im Unterricht spielte ich zum Beispiel mit meinen Schülern eine Online-Version vom Klassiker „Stille Post“, sie haben es wirklich geliebt (falls ihr Lust habt: www. garticphone.com)!

Der Wochenmittelpunkt waren die sogenannten „Simulare“. Das sind Evaluationsprüfungen in verschiedenen Klassenstufen, praktisch eine ganz schulische „Vera 8“, aber eben simuliert. Ich war in den sechsten Klassen als Mit-Aufsicht eingesetzt und da das meine allererste Klausur-Aufsicht in meinem Leben war, nahm ich das natürlich ernst. Mit aufgesetzter, grimmiger Mine lief ich also in die Klasse, um mit meiner betreuenden Lehrkraft die Prüfungen zu starten. Leider wurde mir schnell klar, dass diese Simulation leider von fast niemandem ernstgenommen wurde, selbst der Lehrer an meiner Seite war am Handy oder unterhielt sich lebhaft mit mir. Und auch als ich zwei, sich unterhaltende Schüler böse anguckte und mich räusperte, stoppten diese nur für ungefähr fünf Sekunden, um dann munter weiter zu tratschen. Irgendwann wurde ich dann auch lockerer, immerhin musste ich dank diesen einstündigen Prüfungen an zwei Tagen keinen Unterricht halten.

Am zweiten Prüfungstag, dem Donnerstag, wurde dann aber noch am Nachmittag die Online-Vorentscheidung des Lesefüchse-Projektes (ein international anerkannter, deutscher Literatur-Wettbewerb) an einer meiner beiden Schulen herausgehängt, welche sich auf vier Stunden steckten. Dieser Umstand brachte mich dann erst um 18 Uhr nach Hause. Dementsprechend glücklich war ich auch, dass ich am Freitag aufgrund mangelnder Aufgaben frei hatte und genüsslich GNTM mit Jannine gucken konnte!

Bevor ich nun zum Wochenende und wirklich interessanten Teil meines dieswöchigen Blogs komme, muss ich noch eine Sache erzählen. Die Restaurants wurden nämlich am Mittwoch wieder voll eröffnet und so lud Carol (unser Verantwortlicher)  die Mädels, Schulleiter und Frau, Fabrice (den Chef aller deutschen Lehrer in Rumänien; trotzdem ein total netter Typ) und mich zum Ungaren ein, um den Abschluss des diesjährigen DSD´s zu feiern. Die „Deutschen Sprachdiplome“ waren nämlich angekommen und das war dann ein gutes Essen wert! Lustigerweise erhielt unser Schulleiter, der sich offenbar auch den Prüfungen im November unterzogen hatte, auch ein Diplom!

Vorne: Schulleiter mit Frau
Links und rechts neben mir: Fabrice und Carol
Auf der Couch: Johanna und Sophia

Aber zurück zum Freitag. Der Tag startete gut, da ich ausschlief und ich ein bestelltes Buch (Essentialism – Greg McKeown) abholen konnte! Als ich aber auf dem Weg vom Buchladen zum Friseur in einen Regenschauer geriet war der Spaß aber kurzzeitig vorbei – keine Sorge, dem Buch geht es gut. Sowieso schon gestresst kam ich dann durchnässt beim Barber-Shop an, wo mir der Friseur leider einen sehr harten Übergang schnitt, was mir leider auch missfiel. Ein guter Friseur ist wirklich gold wert und ich vermisse meinen Stammfriseur, Shoutout an Andreu aus dem Coiffeurteam Birgit Maczolla in Berlin-Konradshöhe.

Ich hatte aber leider keine Zeit zu trauern, da ich nach dem Friseur schnell nach Hause musste, um mich nach einer kurzen Stärkung auf den Weg zum Bahnhof zu machen. Für Sophia, Johanna und mich ging es nämlich nach Deva, ein Kleinstadt 250 Kilometer östlich von Brasov, wo wir bei der Freiwilligen Joena (vielleicht erinnert ihr euch an sie aus dem Donau-Delta-Beitrag) unterkamen. Ich erreichte den Bahnhof glücklicherweise pünktlich und sobald wir dann unterwegs waren, war der Stress verflogen. Nach sechs Stunden Zugfahrt – ja, es war ein Schnellzug – in einem geräumigen, aber ziemlich warmen Zugabteil kamen wir dann ein wenig erschöpft um 22:15 in Deva an. Vor Ort ging es dann zu Joena und wir ließen den Abend mit großen Plänen für den nächsten Tag und einigen netten Gesprächen ausklingen.

Der nächste Tag begann mit einem gemütlichen Frühstück und dann ging es los. In der Nähe von Deva gab es einen Hügel, der dem südafrikanischen Tafelberg ähnelte und den man besteigen konnte. Der Berg war das Ziel des Tages und so ging es bei bestem Wetter über Feldwege und durch kleine Dörfer in Richtung dieses Berges. Vor Gefahren wie Zeckenbissen und Straßenhunden hatten wir zwar Respekt, aber das sollte uns nicht aufhalten.

Unterwegs rasteten wir in einem wirklich schönen Naturpark und wir fanden eine kleine deutsche Pension, in der uns die leider frisch verwitwete Dame des Hauses mit Wasser versorgte. Der Weg war wirklich schön und voller Entdeckungen und als wir nach sechs Stunden den Berg erreichten waren wir wirklich stolz auf uns und zufrieden mit dieser tollen Wanderung. Wir ruhten uns in der schönen Nachmittagssonne aus, machten ein paar Fotos und riefen uns dann später nach siebeneinhalb Stunden Tour und 18 gelaufenen Kilometern ein Taxi zurück. Das war mit Abstand die längste Wanderung meines Lebens.

Rast in der Natur

Der „Simeria“ aka Mini-Tafelberg

Eurem Lieblingsbergsteiger ist keine Tour zu lang

Oben auf dem Simeria

Zurück in der Wohnung entfernten wir Joena eine Zecke, betrachteten die Spuren des Wandern in der Sonne (ich bin an den Armen ein wenig rot) und dehnten uns. Daraufhin aßen wir verdientermaßen groß zu Abend und verbrachten den Rest des Abends spielend, lachend und mit einer geringen Menge an Alkohol. Mir wurde sogar ein neues Misch-Getränk gezeigt: „Secco-Mate“. Das ist eine Mischung aus Prosecco und dem Erfrischungsgetränk Club Mate und schmeckt wirklich erfrischend. Da Mate-Tee ja sehr koffeinhaltig ist, macht es auch noch wach. Meine absolute Sommer-Empfehlung. Den darauffolgenden Nachtschlaf hatte ich mir dann wirklich verdient!

Am Sonntag, also heute, stand dann Deva-Stadt auf dem Plan. Die 60.000-Einwohner-Stadt ist vor Allem gezeichnet von Plattenbauten (wir wohnten sogar in einem) und weist bis auf den Beinamen „Diemrich“ keine deutschen Spuren vor. Über Deva thront aber auch noch eine Burgruine, welche Deva den Spitznamen „Festungsstadt“ verleiht. Die Burg haben wir  nach einem Spaziergang durch die überschaubare Innenstadt und trotz leichter Erschöpfung vom Vortag natürlich erklommen. Von oben war die Aussicht wirklich unglaublich!

Die Aussicht aus unserem Plattenbau

Eine kleine Attraktion im Stadtpark

Diese Ruine zeichnet die Stadt

Aber grundsätzlich ist Deva vor allem beton-grau

Ansonsten stand natürlich packen auf dem Plan, denn am Abend ging dann schon der Zug zurück nach Brasov, wo Arbeit und Alltag auf uns warten. Der Abschied war wiedermal voller Wehmut, wir konnten wieder einmal den „kulturweit-Effekt“ beobachten. Obwohl wir nur um die 48 Stunden miteinander wohnten, hatten wir alle das positiv konnotierte Gefühl, so schon länger zu leben. Noch einmal Shoutout an Joena; Danke, dass du uns aufgenommen hast, es ist wirklich cool mit dir Zeit zu verbringen, das hat sich im Donau-Delta und jetzt in Deva bewiesen!

Mit großen Aussichten sitze ich nun aber im o.g. Zug nach Brasov, denn mich schlägt es ab nächstem Samstag für voraussichtlich zwei Wochen in die deutsche Heimat! Es gibt ein paar persönliche Anlässe, die für mich diesen Heim-Urlaub zur anstehenden Hälfte meiner Freiwilligen-Zeit legitimieren, und deshalb geht am Samstag früh der Flug nach Deutschland! Home-Office liegt trotzdem an.

Nächste Woche steht aber erstmal die Schularbeit und vor Allem meine zweite Impfung mit AstraZeneca an, darauf muss ich mich jetzt erstmal konzentrieren! Die Ausgangssperre und Maskenpflicht im Außenraum wurde zudem aufgehoben, diese Entwicklungen beobachte ich auch mit größter Spannung.

Das wars aber für diese Woche! Ich hoffe dieser Eintrag hat dir/euch gefallen. Falls ihr Lust habt, könnt ihr mir auch gerne auf Instagram folgen, ich poste auch dort vermehrt Eindrücke (@luca_ccr3)! Wir sehen uns nächste Woche, dann sitze ich schon in Berlin :)

Liebe Grüße und bis bald!

Luca

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