Woche 2 – Aller Anfang ist schwer

Zitat der Woche: Oh ja, die Vergangenheit kann wehtun! Aber wie ich es sehe, läuft man entweder davon oder man lernt davon! (Rafiki aus „König der Löwen“)

Moin,

die erste Woche ist schon vorbei, wow das ging schnell! Sie war geprägt von verschiedensten Eindrücken und Erfahrungen, weshalb wir direkt loslegen.

Nachdem ich am Montag aufgestanden war, lag mein erstes Ziel nicht bei einer meiner beiden Schulen, sondern bei der Bank. Ich musste mir nämlich unverzüglich ein rumänisches Konto anlegen, da ich sonst nicht in der Lage gewesen wäre, meinen Behördengang am Dienstag anzutreten. Und so lernte ich am Montag um 9:00 Uhr morgens die Erste meiner beiden Freiwilligen-Kolleginnen kennen, Johanna. Diese führte mich noch schnell zu einem Bäcker, um mir sogenannte „Covrigs“ zu zeigen. Ein Covrig ist ein Hefegebäck mit Toppings wie Sesam, Mohn oder Mozzarella, ein absoluter Hit. Von da aus begaben wir uns direkt zur Bank und hatten dann eine sehr lange, aber gesprächige Wartezeit, da der einzige Mitarbeiter, der des Englischen mächtig war, eine Kundin bediente. Dummerweise war das nicht nur der einzig Englisch sprechende, sondern auch der langsamste Mitarbeiter. Falls sich jemand an den Film „Zoomania“ erinnern kann, er war wie das Faultier Flash. Als wir dann dran waren, wurde mir in einem langwierigen Prozess ein kostenloses Konto erstellt und mir eine Visa-Karte ausgehändigt. Den Rest des Tages war ich damit beschäftigt, mit Carol (ihr erinnert euch, mein Verantwortlicher) meine beiden Einsatz-Schulen kennenzulernen und mir einen groben Stundenplan zu erstellen. Ich lernte zudem die beiden Schulleiter kennen. Grob zu den Schulen: die Mesota-Schule liegt außerhalb der Altstadt und in der Nähe der neuen „AFI Mall“ (Rumänen lieben Malls) und die Honterus-Schule liegt in der Altstadt am Fuß der Schwarzen Kirche, dem Wahrzeichen der Stadt! Zudem kaufte ich mir eine furchtbar günstige Bus-Monatskarte, da ich hier primär den Bus nutze (mein Wohnheim liegt außerhalb der Altstadt).

Am Dienstag stand dann mein Behördengang an. Da die Behörde dafür bekannt ist, wenige Kunden in langer Zeit abzufertigen, begab ich mich sehr früh zum Gebäude, um mich dort mit Hilfe von Sophia, meiner zweiten Freiwilligen-Kollegin, registrieren zu lassen. In Rumänien ist es für Ausländer angebracht sich nach Einreise zu registrieren. Und so standen Sophia und ich in der Kälte vor der Behörde, damit ich daraufhin einige Formulare ausfüllen konnte und meine Dokumente vorzeigen musste. Zum Schluss bekam ich eine Quittung, mit welcher ich Mittwoch dann mein Registrationszertifikat abholen sollte. Inzwischen hatte dann auch der Tag begonnen und da die Behörde direkt neben der o.g. „AFI Mall“ lag, holten wir uns dort eine Stärkung. Außerdem wurde mir die in Rumänien dominante Supermarkt-Kette „Carrefour“ gezeigt! Dort gibt es eine Vielfalt an Lebensmitteln, aber auch verschiedenste Haushaltsgeräte. Ich kaufte mir dort eine Mandelmilch (ich wollte mal Pflanzenmilch ausprobieren, da ich eh noch keinen Kühlschrank hatte) und dann gingen wir nach Hause. Ansonsten passierte am Dienstag eher weniger. Carol und ich bestellten mir noch einen Kühlschrank und ich lernte unsere „Arbeitsbasis“ kennen, das Sprachlabor in der Honterus-Schule. Dieses liegt unter dem Dach und um es zu betreten, muss man einen Treppen-Marathon bestehen. Zum Glück arbeite ich primär von zu Hause aus.

Am Mittwoch war es dann soweit, ich war endlich in meiner ersten Unterrichtsstunde. Meine Hauptaufgabe hier im Unterricht ist es mit jeweils einer kleinen Gruppe von Schülern die Mündliche Kommunikation für das Deutsche Sprachdiplom zu üben. Das Diplom ist für Manche der Schüler sehr wichtig, da sie mit diesem Zugang zu deutschen Universitäten erlangen können. Ich war ziemlich aufgeregt, aber Alles verlief problemlos! Im Anschluss hospitierte ich noch bei Carol in einer sechsten Klasse. Ich war ein wenig erstaunt wie gut die Schüler Deutsch sprachen. Generell sind die Schüler an den Schulen dem Deutschen sehr mächtig, was meine Arbeit erleichtert. Leider aber ist in Kronstadt selbst, anders als gedacht, Deutsch nicht mehr wirklich vertreten, weshalb ich mich momentan noch primär mit Englisch durchschlage, das ist schon ein wenig ermüdend. Ansonsten holte ich noch mein Registrationszertifikat und mit Carol und seinem Dackel Papi meinen Kühlschrank ab. Abends war ich dann noch bei den Mädels (Johanna und Sophia). Das wirkliche Highlight des Tages war aber mein bestätigter Impftermin mit AstraZeneca am nächsten Mittwoch:).

Donnerstag verlief im Gegensatz zu den vorigen Tagen eher ruhig. Ich war Vormittags im Unterricht, machte Nachmittags Besorgungen wie einen Wäscheständer und ruhte mich aus. Durch die fremde Sprache und die neuen Eindrücke bin teils sehr erschöpft, weshalb mir das gut tat! Am Abend wurde natürlich mit Jannine GNTM geguckt. Generell telefonieren Jannine und ich immer abends, was für mich gerade in dieser schwierigen Anfangszeit eine riesige Stütze ist. Shoutout an dich an dieser Stelle, Jannine, ich bin dir sehr dankbar. Im Voraus von GNTM versuchte ich in einer der „Küchen“ des Wohnheims (Raum mit Spüle, Mikrowelle und Kochplatte) zu kochen, doch aufgrund meines schlechten Topfes (es löste sich die Innenbeschichtung) wurde das ein Debakel. Zudem musste ich erstmal quer durchs Wohnheim in den 3. Stock wandern (ich wohne im 1. Stock), um überhaupt einen freien Platz zu finden. Ich war nicht angetan.

Am Freitag war dann mein erster sogenannter „Office Day“. An diesem Tag werden jede Woche übrige Aufgaben erledigt und wir Freiwilligen sind nicht im Unterricht. Meine Aufgabe war es, den YouTube-Kanal der Honterus-Schule zu gestalten und zu verfeinern. Außerdem planten wir am Freitag eine Projektwoche im April. Ich werde in dieser Woche wirklich ein eigenes Projekt gestalten und dieses auf die Beine stellen. Das ist eine Challenge, aber ich freue mich drauf! Außerdem entschied ich mich am Freitag Nachmittag, nachdem ich mein Koch-Debakel reflektierte, mir eine Kochplatte fürs Zimmer zu zulegen, da ich nicht immer mein Essen bestellen möchte. Ich war ansonsten noch bei den Mädels und mir wurde die rumänische Fast-Food-Kette „Cartoffiserie“ vorgestellt, bei der es echt leckere Pommes gibt. Generell ist das Essen hier echt günstig und ich komme soweit sehr gut hin! Am Abend planten wir dann noch am Samstag Skifahren zu gehen, da es in der Woche wirklich sehr stark geschneit hatte (als ich ankam war es 13 Grad plus, lol). Voller Vorfreude ging ich dann ins Bett.

Samstag, Aufstehen, Losfahren. Ich freute mich innerlich sehr aufs Skifahren und so saß ich auf glühenden Kohlen im Auto nach Sinaia, dem angepeilten Skigebiet. Johanna und ich wollten dort ein paar Abfahrten machen, während Sophia mit ihrem Vater, der sie momentan besucht, das Schloss von König Carol 1. (nein nicht mein Verantwortlicher Carol) besichtigten. Als wir dann aber auf der Autofahrt die Webcams des Skigebiets in Sinaia beobachten, stand schnell fest, dass wir kein Skifahren würden. Das Gebiet war total überfüllt und aufgrund der Corona-Situation in Rumänien wollten wir absolut nicht an einem solchen Massen-Spreader teilnehmen. In Rumänien und besonders in Brasov sind die Zahlen momentan sehr hoch (ca. 200 Inzidenz landesweit, 429 Inzidenz in Brasov) und wir erwarten bald einen neuen Lockdown! Wir entschieden uns deshalb einfach mit das Schloss zu besichtigen, was sich wirklich lohnte. Ich bin wirklich kein Sightseeing-Typ, aber das war wirklich beeindruckend. Ich füge diesem Beitrag ein Bild des Innenhofes bei. Ansonsten genossen wir den restlichen Tag und ich fiel Abends (die Tour war ziemlich lang) geschafft ins Bett.

Heute schlief ich dann das erste Mal seit einer Woche aus und widmete mich ein wenig der Unterrichtsvorbereitung und machte meine erste Wäsche hier in Brasov (es lief gut). Der Tag war planmäßig ziemlich ruhig und ich nutzte ihn, um Kraft zu regenerieren. Das war nach dieser anstrengenden Woche auch echt nötig.

Ansonsten geht es mir soweit so gut. Ich beginne langsam mich zu routinierten und einzuleben. Ich kämpfe zeitweise mit Heimweh, da ich mich hier immer noch eher fremd fühle. Zum Glück nehmen mich Carol, Sophia und Johanna gut an die Hand und erleichtern mir somit wirklich meine Ankunft, sie sind neben Jannine eine gute Stütze. Trotz den Einrichtungsausgaben komme ich gut mit dem Geld klar, es ist echt saugünstig. Das Leben im Wohnheim funktioniert auch gut und ich kann mich eigentlich nicht beklagen. Ich bin somit weitesgehend zufrieden und verlasse mich auf die Zeit. Es ist aber wirklich krass dass ich nun die erste von 21 Wochen hier in Rumänien geschafft habe, irgendwie geht es doch ziemlich schnell. In der nächsten Woche setze ich meinen Fokus auf meine Impfung, die Arbeit in der Schule und die letzten Schliffe in der Einrichtung. Vielleicht kriege ich am Dienstag sogar nochmal die Chance einen Nachmittag lang Ski zu fahren.

Aber das war es nun erstmal für diese Woche. Der Eintrag ist ziemlich lang geworden, da wirklich viel passiert ist, mal sehen wie sich das entwickelt. Ich hoffe das Lesen hat Spaß gemacht! Folgt mir auch gerne auf Instagram (@luca_ccr3).

Kommentiert ansonsten gerne hier! Ich wünsche euch allen eine wirklich schöne Woche und bis nächsten Sonntag!

Luca

Schloss von Carol 1., Erster Herrscher Rumäniens.

 

3 Gedanken zu „Woche 2 – Aller Anfang ist schwer

  1. Pingback: Woche 16 - Sommer in Kronstadt - Luca im Lande Draculas

  2. Stefanie Krebs

    Steht bei euch schon ein Termin für einen Lockdown? Bei uns werden die Maßnahmen ab morgen verschärft – zum Glück! Die meisten Leute gehören meiner Wahrnehmung nach nämlich eher zur Fraktion „Maske-unter-der-Nase-oder-am-Kinn-tragen“…

    Voll gut, dass du dir für die Woche nen Fokus legst, ich glaube das mach ich jetzt auch. Vor allem jetzt wo ich im Homeoffice bin. Grüße aus Ruse!

    Antworten
    1. Luca Cecere Beitragsautor

      Also die für mich wirklich interessanten Maßnahmen gelten landesweit: ab Sonntag gilt am Wochenende ab 20 Uhr Ausgangssperre und ab 18 Uhr machen die Geschäfte zu; und eben die Schulen, die jetzt für einen Monat Ferien machen.

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