Woche 17 – Von Hauptstadt zu Hauptstadt

Zitat der Woche: „Eine volle Stadt ohne einen Tropfen Wasser.“ (Luca auf der Suche nach einem Laden, in dem er sich um 21:30 Uhr eine Flasche Wasser kaufen kann)

Namaste!

Ich hatte zwar schon viele stressige und voll gepackte Wochen, aber ich würde sagen, diese Woche toppt alle bisherigen Erfahrungen! Nach einem entspannten Montag, an welchem ich meine Energie für die bevorstehenden Events sammelte, stand ab Dienstag eine echtes Menü an Events an. Als Vorspeise stand ein Besuch bei Bären auf der Karte, wonach es zur Haupt- und Nachspeise einen doppelten Städtetrip serviert gab! Es ging in die Hauptstädte von Rumänien und Bulgarien, Bukarest und Sofia – und das in vier Nächten!

Ja, ihr habt richtig gelesen, Bären! In der Nähe von Brasov liegt nämlich das größte Bären-Schutz-Reservat Europas, in welchem 145 verwaiste oder aus ungerechter Haltung gerettete Bären in Ruhe und Frieden leben können. Diesem Must-See widmeten sich Sophia, ihre Mutter und ich mithilfe eines Mietwagens am frühen Dienstag-Vormittag. Das war wirklich eine echt tolle Erfahrung und ich bin fasziniert von diesen eigentlich ziemlich friedlichen Tieren, die ich beobachten durfte. Wir konnten kleinen Bärchen beim Spielen im Wasser zusehen, wurden aber auch an traurige Geschichten einiger noch im Reservat lebenden Tieren herangeführt! Die gerettete Zirkusbärin Dascha zum Beispiel läuft immer noch in Kreisen in ihrem wirklich riesigen Gehege, nachdem sie die ersten 20 Jahre ihres Lebens in eine viel zu kleine Box gesperrt war und in der Manege Kreise drehen musste! Oder Max, leider verstorben, der als Junges erblindet und an Zähnen und Krallen verstümmelt wurde, um für Fotos mit Touristen zu bereit zu stehen! Diese Geschichten haben mich echt berührt. Die Bären werden zwar nicht wieder ausgewildert, doch ihre Lebenserwartung wird im Reservat von 25 Jahren auf 40 Jahre erhöht! Danke, dass es eine solche Initiative gibt!

Spielende Bärchen

Ein kleines Selfie war auch dabei

Leider mussten viele Bären aus dem Reservat unter solchen Bedingungen leben

Weiter im Text. Am Dienstag Abend musste ich leider mit ansehen, dass Deutschland aus der EM ausschied. Das Spiel schaute ich mit zwei internationalen Studenten aus dem Wohnheim, wenigstens war das ganz cool! Und außerdem bleibt ja noch Italien, die inzwischen im Halbfinale stehen. Müde, aber bereit für meine Reise ging es dann in Richtung Mittwoch!

Meine Reise begann tatsächlich mit einem sehr Deutschland nahen Erlebnis. Der Zug, den ich in Richtung meines ersten Reisezieles nahm, hatte ganze 60 Minuten Verspätung, doch ich genoss einfach das angenehm warme Wetter. Verspätet kam ich also gegen Mittag in der fast 2 Millionen Stadt Bukarest an, wo mich auch schon Johanna, die mit mir reiste, aber schon länger in Bukarest war, abholte. Ich legte mein Gepäck in der großen Vierer-WG der Freiwilligen aus Bukarest ab, wo ich eine Nacht verbringen würde. Dann ging es auf zur Besichtigung. Wir kämpfen uns bei 33 Gras Celsius und stehender Luft durch die Plattenbau-Schluchten und erkundeten die Altstadt, die nachts auch sehr schnell zur Party-Meile werden kann. Den Ausflug beendete das pompöse Parlamentsgebäude!  Nach einer Stärkung zurück in der WG, verbrachten wir Freiwilligen den Abend in einem der vielen Bukarester Parks, in denen auch die Einwohner versuchen, vom Alltag zu entfliehen. Da ich viele der dortigen Freiwilligen noch nicht genauer kannte, war dieses Kennenlernen wirklich cool und ich lernte dazu auch noch ein neues Kartenspiel namens „Durak“. Dieser erste volle Tag des Trips wurde mit einem unglaublich tollen Erlebnis abgeschlossen. In einer Eisdiele auf dem Rückweg fand ich nicht nur meine standardisierte Lieblingssorte „Pistazie“, sondern auch meine zweite, außerhalb Italiens eher rare Lieblingssorte „Fior di Latte“! Ich freute mich wie ein Kind und der Tag war perfekt!

So etwas findet man auch nur in der Bukarester Innenstadt

Das Parlamentsgebäude gehört zu den Größten der Welt

Dieses Eis lies mein Herz aufgehen

Da wir am ersten Bukarest-Tag schon fast jede Sehenswürdigkeit abgeklappert hatten, konnten wir den folgenden Vormittag entspannt angehen. Am Mittag wartete dann aber auch das absolute Highlight meines gesamten Trips auf uns. Johanna und ich trafen uns über den Kontakt meines Vaters mit dem stellvertretenden Botschafter Deutschlands in Rumänien zum Lunch! Wir führten tolle Gespräche und lernten die Botschaft und das Diplomaten-Sein noch ein wenig besser kennen! Nach diesem coolen Erlebnis schauten wir uns noch den wirklich sehr Paris ähnelnden Triumphbogen an, bevor wir zum Energie-für-die-nächste-Nacht-Sammeln in die WG zurückkehrten. Über Nacht würde es nämlich mit einem Flixbus nach Sofia gehen. Das bedeutete vor Allem Eines – wenig Schlaf. Nach einem entspannten Abend und einer sehr gesprächsreichen Uber-Fahrt zum Busbahnhof, der wirklich unpraktisch außerhalb der Stadt liegt, waren wir dann auch schon auf dem Weg.

Fazit zu Bukarest: die Stadt besitzt einen wirklich speziellen Flair, bezüglich des Sightseeings ist die Stadt aber doch eher verhalten. Architektonisch stellt die Stadt eine Mischung aus übergroßen bzw. pompösen Bauten und hässlichen, funktionell gestalteten Plattenbauten dar. Der Verkehr ist ein wirkliches Chaos, doch der ÖPNV ist gut ausgebaut und die Stadt verfügt auch über eine U-Bahn, natürlich sind die Tickets spottbillig!

Mit drei Stunden Schlaf, aber sehr bereit für die nächsten beiden Tage, stieg ich dann am nächsten Tag gefolgt von Johanna aus dem Bus auf die morgendlichen Straßen der bulgarischen Hauptstadt, welche ein wenig kleiner bevölkert ist als Bukarest. Das erste Ziel des Tages war die WG einer in Sofia stationierten Freiwilligen, die uns netterweise aufgenommen hat. Wir legten unsere Sachen ab und begaben uns um 7 Uhr morgens zum Sightseeing in die Innenstadt. Die Stadt verfügt neben vielen großen kommunistischen Bauten und einer golden gefärbte Straße vor Allem über wirklich, wirklich viele Kirchen; römisch, christlich, muslimisch, jüdisch, alles war dabei! Zudem gibt es eine echt krasse Flanier-Meile! Das aber wohl bekannteste Gebäude der Stadt ist der ähnlich wie das rumänische Parlament zu groß geratene Kulturpalast. Dieser ähnelt Flugzeug-Cockpits zwischen Start und Landung: sieht cool und krass aus, es passiert innerhalb aber eigentlich gar nichts! Nach dieser 5-Stunden-Tour fielen wir mittags wirklich erschöpft in der Wohnung in unsere Betten und schliefen praktisch bis abends! Den Abend verbrachten wir ähnlich wie in Bukarest. Wir trafen die ansässigen Freiwilligen zum Austausch, gingen aber auch wirklich erschöpft schlafen!

Die „goldene“ Straße in Sofia

Der Kulturpalast ist ähnlich monströs wie das Bukarester Parlament

Die letzten übrigen Sehenswürdigkeiten der Stadt standen dann am letzten Tag in Sofia an und lagen außerhalb der Stadt. Das sehr umfangreich gestaltete „National Historische Museum“ versorgte uns mit Allen möglichen Infos über die bulgarische Geschichte. Die zweite Hälfte der Ausstellung verpasste ich aber leider mental (was eigentlich keine Neuheit bei mir ist) , da ich mich mit der Online-Erstellung meines persönlichen EU-Impfzertifikates beschäftigte, über welches ich nun stolz verfüge, get vaccinated! Nach dem Museum wanderten wir weiter zur „Boyana-Kirche“, welche ein UNSECO-Weltkulturerbe aus dem 10. Jahrhundert war! Ein wirklich cooles Ereignis und ich fand, dass diese Kirche mit Abstand die beste Kirche der Stadt war! Nach diesen Erlebnissen begaben wir uns zurück in die Wohnung, packten unser Gepäck und machten uns für die nächste, nächtliche Busfahrt bereit. Wir verließen die Wohnung am frühen Abend und begaben uns zum Abendessen in die Stadt, wo wir die letzten Stunden totschlagen wollten. Tatsächlich fanden wir aber noch eine zentrale Sehenswürdigkeit, der wir noch nicht genug Zeit gewidmet hatten. Unter dem modernen Sofia liegen doch tatsächlich die Ruinen der antiken römischen Stadt „Serdika“. Wir konnten diese glücklicherweise auch noch am Abend besichtigen und so wanderten wir vor Abfahrt noch durch Ruinen aus dem 5. Jahrhundert! Voll mit Impressionen ging es dann wieder über Nacht im Flixbus zurück nach Rumänien.

Diese alte, römische Stadt war auch wirklich spannend

Fazit zu Sofia: die Stadt hat nicht so einen starken Flair wie Bukarest, ist dafür aber deutlich besser für Sightseeing! Gerade in der Innenstadt gibt es viele wunderbare Bauten und vom historischen Anteil muss ich noch nicht mal anfangen zu reden! Natürlich gibt es auch ein ÖPNV-System mit U-Bahnen und Bussen. Nach meinem Sofia-Besuch habe ich nicht nur ein weiteres osteuropäisches Land von meiner Bucketlist gestrichen, sondern bin auch mit meiner zehnten U-Bahn (also bezogen auf die verschiedenen Städte) gefahren!

Genug rumgenerde, wer mitgezählt hat, der weiß, dass wir nun auch schon am letzten Tag dieser aufregenden Woche angelangt sind. In Bukarest angekommen, stiegen wir auch ziemlich schnell in den Zug nach Brasov zurück, wo ich mich dann erstmal erschöpft ins Bett fallen ließ. Nach diesem anstrengenden Trip freue ich mich jetzt auch einfach mal auf Ruhe und Regeneration! Nächste Woche geht es auch schon weiter mit dem Rumgereise, dieses Mal gibt es einen Strandurlaub:)!

Und damit sind wir schon am Ende dieser chaotischen Woche angelangt! Ich hoffe ich habe es geschafft, all diese Eindrücke zu ordnen und diese euch zumindest halbwegs lesbar zu präsentieren! Dahingehend hoffe ich, dass euch dieser Eintrag und die vielen Infos gefallen hat! Folgt mir gerne auf Instagram (@luca_ccr3) und wir sehen uns nächste Woche wieder!

Müde Grüße!

Luca

 

Ein Gedanke zu „Woche 17 – Von Hauptstadt zu Hauptstadt

  1. Bettina Bundszus

    Spannend 😀. Und da wo Du in Sofia warst, war ich auch. Leider wusste ich das mit den Ruinen nicht. Tolle Entdeckung!

    Antworten

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