Woche 18 – Sonnenblumen, Strand und Meer

Zitat der Woche: „Now let’s stop time and enjoy this moment!“ (Pitbull aka Mr. Worldwide)

*ein erholt klingendes Ausatmen*

Und damit begrüße ich euch alle zu diesem Blogeintrag. Ich bin soeben aus dem Strandurlaub in Vama Veche zurückgekehrt und bin nur eines mehr als erholt zu sein… braun! Fangen wir also direkt an!

Bevor es auf den lang ersehnten Trip in den Süd-Osten Rumäniens ging, nutzte ich die ersten beiden Tage der Woche, um mich nach dem ereignisreichen Städtetrip der letzten Woche zu sammeln. Ich schlief aus, bekochte mich königlich – zumindest im Rahmen meines Könnens  – und fieberte mit einem Puls vom gefühlt über 180 bpm beim Italien-Spiel am Dienstag-Abend, welches im Elfmeterschießen für Italien entschieden wurde, mit. Nebenbei bereitete ich meine Sachen für die Reise vor!

Und dann war es auch schon soweit. Bereit für einen erholsamen und stressfreien Urlaub stiegen Johanna und ich in den Zug am Brasover Bahnhof ein, praktisch wie jede meiner Reisen beginnt. Unser diesmaliges Ziel war Constanta, von wo aus wir ins Dorf Vama Veche weiterfahren würden. Vama Veche ist ein altes Fischerdorf am Schwarzen Meer und liegt circa einen Kilometer von der rumänisch-bulgarischen Grenze entfernt. Bekannt wurde Vama Veche, was übersetzt „Alter Zoll“ bedeutet, durch seine sehr kontrastreiche Kultur im Kommunismus. Seit den 70 Jahren gilt das kleine Dorf als Treffpunkt für Hippies und spirituell Suchende. Nach der Wende und mit aufkommendem Kommerzialismus wurde Vama zudem zu einer Hochburg von jungen, offenen und partylustigen Menschen, die einen Strand-und-Party-Urlaub verbringen möchten, aber nicht im Ballermann-Stil.

Mit diesen Infos im Hinterkopf sehnte ich auf der Zugfahrt dem Meer und der Sonne entgegen. In Bukarest stieß Samuel, ein Freiwilliger, den ihr aus dem Blogeintrag über das Schwarze Meer kennen solltet, zu uns und in Constanta wurden wir noch durch Marie, eine für mich bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Freiwillige aus Craiova, ergänzt. Gemeinsam ging es dann durch kleine Dörfer am Meer entlang nach Vama Veche. Vor Ort gelangten wir schnell zu unserer Unterkunft, dem rumänienweit bekannten Zeltplatz „Sandalandala“ (jep,  ein Zungenbrecher), bei welchem wir uns eingemietet hatten. Der Platz ist wirklich gut in Stand, ist sehr gepflegt und verkörpert durch die bunten Farben am Tag und die schönen Lichter am Abend auch genau das gewisse Etwas von Vama Veche, das wir gesucht hatten. Nach vier Nächten kann ich ihn wirklich weiter empfehlen, obwohl er am Wochenende wirklich voll wurde. Bewertung: 9/10 Punkte.

Der Campingplatz in der Nacht

Nach einem Bad im Meer stießen dann auch fast alle anderen Mitreisenden ein. Am ersten Abend waren wir zu elft, und in den darauffolgenden zwei Tagen wurden wir noch um jeweils eine Person ergänzt. Diese dreizehn Personen – Na? Hast du richtig gezählt? – waren die folgenden: Samuel, Henning, Jakob, Marie, Ethan, Annie, Anne, Johanna, Sophia, Johanna, Fynn, Marie und ich. Die Gruppe hat echt gut synergiert und ich für meinen Teil bin froh, das jede Person gekommen ist. Ob es alt bekannte Mitfreiwillige oder neue Bekanntschaften waren, es hat Spaß gemacht und die Gruppe hat den Urlaub so Premium gemacht, wie er war! Mersi frumos :)

Am Abend wurde natürlich das England-Dänemark Spiel geguckt, in dem wir traurigerweise mit ansehen mussten wie England ins Finale der EM einzog. Trotzdem hatten wir einen tollen Abend, auch weil wir natürlich die Stadt ein wenig unsicher machten! Eingestimmt und mit Vorfreude auf die nächsten Urlaubstage lagen wir, wie an jedem der darauffolgenden Abende, viel zu spät im Bett. An dieser Stelle möchte ich einmal den Fokus darauf legen, dass dieser Urlaub überhaupt möglich war. Das ist nämlich auch so ein kulturweit-Ding. Wir sind zwar nur Freiwillige, die in den meisten Fällen eher sparsam leben, aber durch die Reise-Erfahrungen und Tricks, die wir hier lernen, können wir es doch schaffen, einfach in einen Strandurlaub zu fahren. Man braucht eben gar nicht so viel um glücklich zu sein.

Was man aber braucht, um glücklich zu sein, ist ein voller Magen. Und diesen besorgte ich mir an jedem Morgen des Urlaubs gemeinsam mit den anderen Freiwilligen beim inklusive Frühstück auf dem Campingplatz. Dabei luden wir uns die Teller rundenweise voll, füllten unsere Flaschen mit Wasser und gaben unseren elektrischen Geräten neue Energie. Wie Marie, die in dieser Zeit meine „Frühstückspartnerin“ war, und ich feststellten, können wir immer mehr verstehen, warum erwachsene Menschen (im Urlaub) beim Frühstück so ewig sitzen bleiben. Es ist einfach ein wirklich entspannendes Gefühl, nach einem langen, ruhigen Frühstück mit einem Magen, der so voll ist, dass er bis in den Abend hineinreicht, in den Tag zu starten.

Da diese Tage angenehmerweise ziemlich gleich abliefen, werde ich diese jetzt einmal zusammenfassen, um noch genug Platz zu haben, um die Highlights des Urlaubs zu beleuchten! Nach dem Frühstück ging es zurück zu den Zelten, wir badeten im Meer und schlugen die Zeit bis zum Abend mit Spielen und lustigen Gesprächen tot. Am Abend wurde sich dann kurz ein wenig frisch gemacht und dann machten wir Vama Veche unsicher. Wir lachten, lernten coole Menschen kennen und genossen unsere Auszeit, die sich wirklich wie eine angefühlt hat. Morgens ging es denn nach dem Aufwachen in einem viel zu warmen Zelt müde zum Frühstück!

Und jetzt zu ein wenig konkreteren Ereignissen. An aller erster Stelle möchte ich dabei von einem Moment berichten, der es in meine besten kulturweit-Momente schaffen wird! Da uns langweilig war, gingen Sophia, Henning, Marie und ich auf einen Spaziergang in Richtung Grenze und stellten fest, dass die Grenze an der Küste durch ein wunderschönes Sonnenblumen-Feld verläuft. Entlang des Feldes fanden wir ein paar hundert Meter von der Küste entfernt ein altes Steingebäude, vielleicht ein alter Wachturm? Wir kletterten darauf und fanden uns mit einem einmaligen Blick wieder. Wir konnten am Horizont das blaue Meer sehen vor welchem sich das perfekt in der Sonne liegende Sonnenblumen-Feld erstreckte. Nebenbei bemerkten wir, dass das eine Fenster witzigerweise wie ein Bilderrahmen wirkte, besonders, weil man durch es hindurch die Sonnenblumen sehen konnte und neben dem Fensterrahmen das Wort „Arte“ in Graffiti-Schrift stand. Primär genossen wir aber einfach den Moment und schalteten einmal wirklich ab! Mit der richtigen Musik wurde das wirklich zu einer einmaligen Momentaufnahme, an die ich mich lange erinnern werde!

Die Grenze am Schwarzen Meer

Ihr müsst mir Recht geben, wenn ich sagen, dass dieses Fenster wie ein Gemälde wirkt!

Die Menschen, mit denen ich diesen wunderbaren Moment verbringen durfte.
Links nach rechts: Henning, Sophia, ich, Marie

Ein weiteres schönes Highlight war eine kleine schwarze Baby-Katze, die auf dem Campingplatz lebt. Sie war wirklich zutraulich und schlief doch tatsächlich in meinem Arm. Wir tauften sie Mihai Andrea Lola und sie kam sogar zurück zu uns gerannt, als wir sie ihrer Mutter übergaben. Dieses winzige Wesen war wirklich goldig und hat mein Herz echt erfüllt. Außerdem gab es im Dorf jede Nacht eine Feuer-Show am Strand, die von ziemlichen „Freigeistern“ durchgeführt wurde. Einer dieser Menschen hatte nur ein Bein und war auf Krücken unterwegs, lieferte aber die mit Abstand beste Show ab, unglaublich!

Mihai Andrea Lola in meinem Arm

Ein einbeiniger Feuer-Artist, Willkommen in Vama Veche

Unglaublich war auch der Blick auf die aufgehende Sonne über dem schwarzen Meer am letzten Morgen. Wir waren extra für diesen Moment aufgestanden, da es in Vama Veche die Tradition gibt, die Sonne mit dem Stück „Bolero“ von Ravel (YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=r30D3SW4OVw) um sechs Uhr früh zu begrüßen. Den Bolero verpassten wir leider, doch alleine der Blick war das frühe Aufstehen wert. Diese Tradition stammt von einem idealistischen Barkeeper namens Ovidiu, einheimisch und im Geiste verbunden mit Vama Veche. Interessanterweise verließ Ovidiu Vama Veche 2017, da er den steigenden Kommerzialismus, der sich z.B. durch ziemlich hohe Preise zeigt, nicht akzeptierte, und er lebt seither tief in den transsilvanischen Kaparten. Dass der Kommerzialismus gerade tagsüber wirklich präsent ist, mussten auch wir einmal schmerzlich erleben, als wir von einem ungekennzeichneten, freien liegenden Stück Strand geworfen wurden. Der Strand sei privat. Ich habe ja nichts gegen Kapitalismus, aber sowas geht dann doch zu weit! Grüße an Ovidiu!

Die Sonne über dem schwarzen Meer

Und ansonsten gab es noch wie üblich die vielen kleinen Highlights. Ein Football-Match in der Gruppe und ein Jogging zur Grenze am Strand, die durch eine Bauabsperrung und einen auf der Klippe wachenden Grenzbeamten gekennzeichnet ist – ein witziges Bild – gaben uns eine Dosis Sport. Unglaublich leckeres Street Food und eine echte Steinofen-Pizza erfüllte mich neben dem Frühstück kulinarisch, was nach schönem Baden im Meer (leider sind im Wasser statt Sand riesige Steine) echt gut tat. Die Momente mit der Gruppe krönten das Ganze dann. Besagte Kartenspiele, das gemeinsame Tanzen in der letzten Nacht und tiefgründige Gespräche über die verschiedensten, auch persönlichen Themen ließen mich diesen Urlaub wirklich genießen.

Leider ging dieser dann aber auch am heutigen Tag zu Ende. Um rechtzeitig für Einkäufe und das EM-Finale zurück zu sein, machte ich mich per Bla-Bla-Car mit Sophia und Johanna zurück auf den Weg nach Brasov. Es war irgendwie sehr komisch sich von den Anderen zu verabschieden. Ich habe diese Menschen wirklich lieb gewonnen und trotzdem ist die Chance, sie in Präsenz niemals wiedersehen zu können, gegeben. Niemand weiß, auf wen ich in den letzten Wochen meines Einsatzes hier nochmal treffen werde oder mit wem ich im Nachhinein noch Kontakt haben werde… Ich hoffe auf jeden Fall auf ein Wiedersehen, danke auf jeden Fall für diese Gruppe!

Aber jetzt reicht es auch! Ich werde diesen Eintrag vor dem Finale veröffentlicht haben, weshalb ich noch nicht weiß, wer die Partie Italien-England gewinnen wird. Ich bin natürlich für Italien und werde sie mit ganzem Herzen anfeuern, FORZA ITALIA. Ab Morgen wird mich dann meine Familie besuchen und ein Kurztrip steht für mich an. Mehr dazu erzähle ich nächste Woche!

Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr schafft es auch irgendwie ein wenig Erholung vom Alltag zu erlangen! Liebe Grüße an alle!

Luca

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