Gerade erst angekommen oder schon wieder weg

Meine Mutter hat am Wochenende zu mir gesagt sie warte auf einen neuen Blogpost.

Mittwochs habe ich jetzt immer nur eine Stunde und kann, nachdem ich weitere Vorbereitungen getroffen habe, immer schon Mittags zuhause sein. Heute ist Mittwoch und ich war um 12 Uhr zu Hause. Jetzt ist es aber schon 16.30 Uhr und plötzlich kam in mir der Drang auf meiner Mutter ihren Wunsch zu erfüllen und einfach mal anfangen zu schreiben. Spoiler: am Mittwoch habe ich nur angefangen, inzwischen ist es Freitag.

Dann saß ich also vor meinem Computer auf meinem Bett, draußen fällt der Regen. Und ich weiß gar nicht so genau was ich schreiben soll. Das liegt aber eher nicht daran, dass ich nichts zu erzählen hätte, sondern vielmehr daran, dass es zuviel, zu verschiedene Sachen gibt.

Der kulturweit-blog ist voll mit abschließenden Worten. Alle Freiwillige, die nur für sechs Monate im Ausland waren, sind schon zurück in Deutschland. Am Werbellinsee.
Was bedeutet das für mich? Die Hälfte meiner Zeit hier ist schon vorbei.

Eins kann ich mit Sicherheit sagen, ich bin froh, dass es erst die Hälfte ist. Aber wenn die Zeit der zweiten Hälfte genau so schnell fliegt wie die der ersten, dann bin ich im Grunde schon wieder im Flieger zurück. Daran wollen wir aber noch nicht denken.

Das Gefühl, dass ich hier fremd bin und nicht rein passe, fühlt sich mittlerweile bekannt an. Ich erlebe immer noch Sachen zum ersten Mal, aber das „Sachen zum ersten Mal erleben“ habe ich schon ganz oft erlebt. Meiner Meinung nach, bin ich ja inzwischen ganz gut darin.

Denn auf der anderen Seite habe ich mir meinen eigenen kleinen Tagesablauf gebastelt, der mir im Moment wirklich Spaß macht.

Seit drei Wochen gehe ich jetzt regelmäßig abends zum Yoga. Das habe ich vorher noch nie gemacht und dementsprechend umprofessionell sieht das ganze dann natürlich auch aus. Zusätzlich fehlen mir die portugiesischen Vokabeln für Knöchel und Hüfte. (jetzt nicht mehr) Besonders als ich in der letzten Stunde etwas später gekommen bin, war das unangenehm. Es war leider nur noch ein Platz im Zentrum der anderen Teilnehmer frei.
Links und rechts kann ich auch im Deutschen nur nach reichlicher Überlegung auseinander halten. Wenn also alle ihren Linken Arm heben, hebe ich meinen Rechten.
Außer mir scheint das aber keinen zu stören. Alle, die nicht bei den anderen abgucken müssen haben ihre Augen ja geschlossen. Und das ist ganz klar ein Vorteil von meinem Platz in der Mitte der Gruppe-abgucken kann man da super. Trotzdem gehe ich heute ein bisschen früher hin.
Trotz der Verwirrung, die ich in den Stunden vermehrt spüre, sind es die schönsten Stunden der Woche. Den Rest der Woche bin ich mit meinem Gedanken überall und irgendwo (Haben die Kinder verstanden was ich versucht habe zu vermitteln in der Stunde? Wo feier ich Karneval? Was esse ich heute Abend? Heißt „ich bin gefahren“ auf portugiesisch „foi“ oder „fui“?)
Aber beim Yoga, da bin ich irgendwie ganz für mich. Sind meine Bauchmuskeln jetzt genug angespannt? Muss das Bein noch höher? Bedeutet esquerda jetzt rechts oder links?
Auf dem Rückweg bin ich dann immer ganz ruhig.

Dienstags und Donnerstags arbeite ich lang und habe danach noch portugiesisch. Mein Portugiesisch fängt doch jetzt erst richtig an.  Das habe ich hier wahrscheinlich auch schon oft genug geschrieben. Ich bin aber einfach unglaublich fasziniert davon wie man so eine Sprache einfach aus dem Nichts lernt. Am Anfang habe ich wirklich absolut nichts verstanden (auch wenn ich manchmal behauptet hätte es wäre anders um mich nicht zu entmutigen) aber jetzt verstehe ich wirklich was (diesmal wirklich) und ich würde fast behaupten fast alles. Außerdem ist es mir mittlerweile egal, dass ich nicht perfekt spreche, sehr wenig grammatikalische Strukturen benutze. Ich fange einfach an zu reden.
Sehr gut ist außerdem, dass meine sozialen Strukturen sich langsam verfestigen. Und diese Strukturen meistens nur Portugiesisch sprechen, sodass ich gezwungen bin mitmachen.

Und das Wochenende, ja das Wochenende. Also, hier gibt es zwei verschiedene Arten von Wochenenden. Es gibt die regnerischen und die sonnigen. An erstgenannten ist das mit der Freizeitgestaltung ein bisschen schwierig. Gerne schlafe ich dann aus, gehe auf den Biomarkt von Joinville (gibts hier tatsächlich), dann Skype ich, koche ein aufwendiges Frühstück. Dann ist meistens schon Samstagnachmittag. Ich habe schon versucht, die restliche Zeit des Wochenendes ganz brasilianisch im Shoppingcenter zu verbringen, aber das werde ich wohl nie wieder machen. An einem regnerischen Wochenende sind da eine meeeeeeenge Leute. Außerdem jede Menge Kleidungsläden, Kinos, Trampolin-Hüpf-Möglichkeiten, Cafés. Und wenn eine menge Brasilianer auf ein Shoppingcenter treffen ist der Konsum groß. Da fühle ich mich irgendwie unwohl.
Ganz anders sieht die Realität an einem sonnigen Wochenende aus. Dann versuche ich möglichst früh aufzustehen um den ersten Bus zum Strand zu bekommen. Der zweite fährt nämlich zu spät und kommt dann erst nachmittags an.
Oder ich werde von den Deutschlehrerinnen, die mittlerweile ein bisschen wie Freunde geworden sind, mit zum Strand genommen. Meistens fahren wir dann schon um acht um dem Stau zu entkommen. Ihr seht: auf dem einen oder anderen Weg geht es immer zum Strand.
Auf Sao Francisco do Sul, einer Halbinsel östlich von Joinville, habe ich jetzt einen Surflehrer gefunden, bei dem ich Samstagmorgens bei guten Konditionen für einen sehr akzeptablen Preis  eine Surfstunde nehmen kann.

Einmal pro Woche backe ich mein eigenes Brot, denn das brasilianische Toast, macht einfach nicht satt. Ich versuche so viel Obst zu essen wie möglich und weiß wo ich das frischeste Gemüse und beste Acai finde.

Soviel zu meinem Alltag, der immer wieder durch neues aufgebrochen wird.
Ich hoffe der Blogpost ist so in Ordnung, Mama. Und tut mir leid, dass du länger drauf warten musstest als ich gesagt habe.

Liebe Grüße und bis Bald,

Eure Clara

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