Die erste Traube

In den letzten Wochen hatte ich von allem wirklich viel. So viele neue Gesichter, viele neue Gedanken, viel Essen, viel Café de leite, viele neue Landschaften, viele Geschichten, viele Abschiede, viel Sonne, viel Sonnencreme, viel Spaß. Nur eines hat mir irgendwie gefehlt. Die Zeit.  Und überall finden sich Rückstände des Mangelzustands.

Auf meinem Handy warten Nachrichten von vor zwei Wochen auf eine Antwort. Alles, was nicht innerhalb von 15 sek. beantwortet werden kann wird nicht beantwortet. Jedenfalls vorläufig nicht. Davon können sicher noch mehr kulturweit-Freiwillige ein Lied singen. Die Frage: „Wie geht es dir?“ ist oft schwieriger zu beantworten als man denkt.

Und was soll ich sagen: auch für einen neuen Blogeintrag hat mir auch die zeit gefehlt. Oder die Motivation?

Vor fast genau einer Woche bin ich nach 6 Wochen reisen wieder in Joinville angekommen. Und, ich kann es gar nicht anders sagen. Es war viel.

Die ersten Tage habe ich in Florianopolis verbracht. Dort habe ich im Hostel eine Gruppe von alleinereisenden Brasilianerinnen („Sozinhas“)  getroffen. Mit ihnen habe ich zwei Tage einfach am Strand gelegen. Crashkurs in Portugiesisch.

Aufgrund meiner Unachtsamkeit bezüglich der Abfahrtzeit meines Buses habe ich dann fast meinen Bus am Rodoviaria verpasst. Gott sei Dank war aber nicht nur ich verspätet, sondern auch der Bus. Ich habe mich noch nie so sehr über eine Verspätung gefreut. Nach zwei Stunden warten war aber auch diese Freude verschwunden. Du kannst über die Busfahrt alles bei „Zwischen den Ländern“ lesen.

Die ersten anderthalb der Wochen meiner Ferien habe ich bei der ehemaligen Gastfamilie meiner Mutter verbracht. Für mich war es super interessant neben Brasilien nochmal ein anderes Land in Südamerika so intensiv kennen lernen zu können. Zusammen mit ihnen habe ich Weihnachten und Neujahr verbracht.
An Neujahr musste jeder 12 Trauben essen, eine für jeden Monat. Meine erste Traube ist jetzt schon vorbei.

Den Anfang des Januars haben wir in Cabalango verbracht. Ein kleiner Ort ungefähr eine Stunde entfernt von Cordoba Capital. Dort sind wir jeden Tag an den Fluss gegangen haben frittierte Teigwaren mit Dulce de leche gegessen und gelesen.

Am 6. Januar habe ich die Familie dann hinter mir gelassen und bin alleine nach Mendoza aufgebrochen.
Mendoza ist bekannt für seine guten Rotweine, speziell die Traube Malbec ist für die Region sehr gut geeignet. Und so habe ich meine Zeit dort hauptsächlich mit Wein trinken und (mal wieder) essen verbracht.
Ich war mir erst nicht sicher ob ich die tage dort alleine verbringen müsste und war total überrascht wie einfach man im Hostel Leute kennen lernen kann. Viele meiner Bekanntschaften habe ich einfach morgens beim Frühstück angesprochen, weil sie das selbe geplant hatten wie ich. Abends waren wir dann zusammen feiern.

Zusammen haben wir uns zum Beispiel Fahrräder ausgeliehen und sind verschiedene Bodegas (dt. Winzer) abgefahren.

           

Wegen der vielen netten Leute, die ich dort kennengelernt habe fiel mir der Abschied entsprechend schwer, aber Chile hat schon auf mich gewartet.

Alle haben sehr empfohlen die Strecke zwischen Mendoza und Valparaiso am Tag zu fahren, weil der Weg direkt durch die Anden führt und sehr schön ist. Diesen Tipp kann ich nur an alle weiter geben. Mit einem guten Podcast (@hotelmatze) und einem gut gemischten Studentenfutter habe ich die Aussicht genoßen.
Im Abendlicht bin ich dann in Valparaiso angekommen.

Am nächsten Morgen ist Maria angekommen, kulturweit-Freiwillige aus Argentinien. Wir haben vorher durch Zufall mitgekriegt, dass wir ungefähr zur selben Zeit reisen und uns verabredet.  In Valparaiso haben wir die nächsten Tage hauptsächlich damit verbracht durch die Straßen zu laufen, Fotos zu machen, Murals anzugucken.
Die Stadt war aufgrund ihres Status als UNESCO Weltkulturerbe Stätte etwas voll. Besonders an der Stadt hat mir gefallen, dass der Hafen so integriert in das Stadtbild war. ich habe rausgefunden: ich liebe Häfen. Deshalb war mein persönliches Highlight auch die Rundfahrt durch den Hafen bei Sonnenuntergang.

Der nächste Stopp war Buenos Aires. Darauf hatte ich mich vorher besonders gefreut und ich kann sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde. Überall große Bäume, kleine Straßecafes an der Ecke, prächtige Gebäude.
Die ersten drei Tage dort habe ich alleine verbracht. Ich habe Museen besucht (MALBA,  Museo Nacional de Bellas Artes und Museo de Arte Moderno). Ich war auf dem Markt von San Telmo, habe Empanadas gegessen und Büchereien besucht.

An meinem vierten Tag sin dann meine Eltern gekommen und zusammen haben wir noch 3 weitere Tage in der Stadt verbracht. Hauptsächlich sind wir mit dem Fahrrad dorthin gefahren wo es schön aussah und  haben Café de leche getrunken. Es war schön die gemeinsame Zeit genießen zu können-wir hatten viele gute Gespräche.

Auf unserem Weg zurück nach Brasilien haben wir noch einen Stopp in Uruguay gemacht und so haben wir die Fähre von Buenos Aires nach Montevideo genommen. Wie, die uns auf eine schöne Fährfahrt gefreut hatten, waren mächtig enttäuscht. Die Fähre die wir genommen haben, sei ein Schnellboot und deshalb könne man nicht draußen sein, sagte man uns. Jetzt werden sich einige denken dann guckt man eben aus dem Fenster. Auch das war aufgrund der Folien, die vor den Fenstern klebten nicht möglich. Wir haben drüber gelacht und in Montevideo  angekommen sind wir dann auch.

Dort sind meine Eltern für die nächsten beiden Tage geblieben undicht bin am nächsten Morgen weiter nach Rocha gefahren. Eine kleine Stadt etwas weiter Nord-östlich von Montevideo, in deren Nähe eine Estancia (zu dt. Reiterhof?) liegt. Ich hatte total Lust mal wieder zu reiten und im Internet sah der Ort total toll aus.
Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Zwei Tage lange habe ich in einem Zimmer über den Sierras von Rocha geschlafen, bin ausgeritten und mit vegetarischem Essen verwöhnt. Die Ausritte durch die urugayanische Landschaft waren wohl eins meiner Highlights. Zum Grundstück gehörte auch ein kleiner Fluss mit Palmen (!) in dem man schwimmen konnte. Jeden Abend gab es Rotwein en masse und interessante Gespräche.

Umso trauriger war es wieder zu fahren. Auch wenn man an den meisten Orten nicht mehr als eine Woche verbringt, hier waren es nur zwei Nächte, hat sich der Abschied immer so angefühlt als würde man ein neues zuhause verlassen, dass man gerade erst lieben gelernt hat.

In Punta del Este, Strandstadt Uruguays, bin ich wieder auf meine Eltern gestoßen. Zusammen haben wir den Bus nach Florianopolis bestiegen. Zurück nach Brasilien!

Es war total schön nach wochenlanger Trennung wieder in Brasilien zu sein und portugiesisch zu hören.
In Campeche, einem Ort im Osten der „Ilha Santa Catarina“ haben wir unsere letzten Tage am Strand verbracht.

Jeden Morgen sind wir an den Strand gegangen, zum Surfen, Schwimmen, lesen. Am Nachmittag sind wir mit dem Auto, das wir geliehen hatten dann zu einem anderen Teil der Insel gefahren.
Mein Lieblingsausflug war zur Lagoinha do Leste, einem Strand, der nur mit dem Boot oder zu Fuß zu erreichen ist. Und deshalb hatten wir doch noch unsere schöne Bootsfahrt, die fast schöner war als der Strand.

Unsere letzte Station vor Joinville, dem Heimathafen, war Estaleiro. Dort hatten wir über eine Reiseagentur eine Wanderung durch den subtropischen Wald Brasiliens gebucht. Am Morgen sind wir so um neun aufgebrochen und ein paar Kilometer ins Inland gefahren. Von einer alten Mühle aus ging es los in den Wald. Gegen die Schlangenbisse hatten wir um die Unterschenkel dicke Ledergamschen. 5h lang sind wir damit auch den Wald gelaufen, unser Guide hat uns die verschiedensten Blumen und Bäume gezeigt. Wir haben wilde Limetten gepflückt, sind an Lianen durch den Wald geschwungen. Es war super interessant, den Wald den ich in Joinville immer nur von außen sehe mal von innen erkunden zu können.

Mein persönliches Highlight kam allerdings nach der Tour. Adi, unser Guide, hat uns zu einem Bambusbaum geführt. Dort mussten wir ein ca. 20 cm lange Intermodie eines Bambus finden. Und wisst ihr was ungefähr 20 cm lang sein sollte? Genau – ein Caipirinhastößel. Ich habe jetzt also meinen eigenen Caipirinhastößel aus Bambus, etwas mehr als 20 cm lang mit eigener Gravur. Selber abgeschnitten. Ich möchte es nur nochmal betonen: Ich bin jetzt Besitzer meines eigenen Caipirinhastößels aus Bambus, den ich selber abgeschlagen und graviert habe. Liebe Freunde zu Hause, ihr könnt euch auf eine Caipirinhaparty freuen wenn ich wieder da bin.

Am Abend sind wir dann zu einem Pizza Rodizio gegangen, etwas was hier in Brasilien tatsächlich sehr bekannt ist. Es ist so ähnlich wie ein „All you can eat“ Pizza Büffet. Nur, dass die verschiedenen Pizzen von den Kellnern herumgetragen werden und man gefragt wird ob man ein Stück möchte oder nicht. Genau die richtige Stärkung nach einer anstrengend Tour, bei der wir durch die hohe Luftfeuchtigkeit sehr viel geschwitzt haben.

Nach diesem einschneidenden Erlebnis sind wir am nächsten Morgen in Richtung zu Hause aufgebrochen. Auf gehts in die zweite Hälfte des FSJ!

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