Vierundzwanzigstes Türchen – Das Highlight

„Das Beste kommt zu Schluss!“

Ja, heute soll das stimmen. Der 24. Dezember, der Tag des heiligen Abends ist das Finale der (Vor-)Weihnachtszeit.

23 Tage lang schrieb ich bis spät in die Nacht – und das ist wirklich keine Übertreibung, an Schlaf mangelt es mir wirklich sehr! – über mein Leben, meine Arbeit, Ausflüge, Traditionen, das Essen und viele besondere Begegnungen und Erfahrungen während meiner Zeit in Vietnam.

Ich habe versucht,
dir einen Einblick zu geben in mein Leben hier,
wollte dich daran teilhaben lassen,
in dir Fernweh für Vietnam entfachen,
meine Begeisterung teilen,
dich informieren.
Und so vieles mehr!

Damit mein Adventskalender mit einem Finale endet – wie es jeder Drehbuchregisseur fordert, möchte ich dir heute (wie sollte es anders auch sein!?) nochmals etwas über Essen erzählen. Besonders dieses Mal ist aber, dass du nicht vor dem Laptop oder Handy sitzen musst und vor Appettit auf dieses Gericht am liebsten gleich den Flieger nach Vietnam besteigen möchtest. Nein, dieses Türchen, das vierundzwanzigste Türchen, soll dir Vietnam in die Küche bringen. Wie das gehen soll? Mit einem ebenso simplen wie auch genialen Rezept.

Bevor es losgeht hier noch meine Reaktion, wenn ich diese Speise esse. Im Disneyfilm „Ratatouille“ wird das wirklich schön dargestellt: Wie ein Feuerwerk durch die tollen, verschiedenen Geschmacksrichtungen. Ich kann dir jetzt schon versichern, dass du dich darauf wirklich sehr freuen kannst, Die Mischung aus süß, etwas salzig, nussig und erfrischend ist einfach herrlich. Für dich führt kein anderer Weg daran vorbei als es auszuprobieren!

Dieses Rezept habe ich von Lua gelernt. Als ich mit Theresa und Nour in Saigon war, haben wir einen wirklich tollen Kochkurs namens „Lua’s Kitchen – Vietnamese Cooking Class“ in kleiner Runde gemacht. In der modernen Küche von Lua, einer äußerst liebenswerten und koch-talentierten Vietnamesin haben wir fünf verschiedene Rezepte lernen dürfen. Innerhalb einiger Stunden haben wir diese Speisen zubereitet und verdrücken dürfen. Ein Genuss sage ich dir. Ich kann diesen Kochkurs wirklich jedem und jeder empfehlen, die vietnamesisches Essen richtig kochen möchten und eine tolle Zeit in Saigon verbringen können.
Alle fünf Gerichte haben wirklich (!!!) sehr lecker geschmeckt haben, aber eben dieses Rezept war schon das absolute Highlight. Es heißt Kem chuối und ist einfach der Burner.

Wie ein Eis am Stiel kann man die Mischung aus Banane, Kokosnuss, Erdnüssen, Limette und einigem mehr genießen. Das besondere daran: Es geht super einfach, aber schmeckt wie ein ganzes Feuerwerk im Gaumen.

Das Sakrileg, welches nie zu verzeihen wäre: dieses Dessert nicht zu probieren!

Kem chuối – ein Feuerwerk im Gaumen

Zutaten:

  • Bananen (je nach Anzahl der gewünschten Eis)
  • geraspeltes Kokosnussfleisch (frisch oder trocken)
  • Kokosnussmilch
  • süße Kondensmilch oder Zucker
  • geröstete Erdnüsse
  • Limettensaft (einige Tropfen)
  • Yoghurt (nach Belieben)
  • eine Prise Salz
  • Schaschlikspieße
  • Gefrierbeutel

 

Und so geht’s:

  • Für die Kokosnusscreme gibst du die Kokosnussmilch, den Yoghurt, die süße Kondensmilch, den Limettensaft und das Salz in eine Schüssel und mischst alles gut durch. Ein kleiner Tipp: Mit dem Limettensaft wird alles schön frisch, also hier nicht zu sehr sparen!
  • Nachdem du die Banane geschält hast, lege sie in einen Gefrierbeutel und drücke sie mithilfe eines großen Messers oder eines Küchenbrettes flach, sodass sie nur noch einen halben bis einen Zentimeter dick ist.
  • Stecke nun den Schaschlikspieß bzw. einen anderen hölzernen Spieß in die Mitte der flachgedrückten Banane. Er wird später als Eisstiel funktionieren, also pass bitte auf, dass er nicht zu locker ist.
  • Gib jetzt ausreichend Kokosnusscreme auf die flache Seite der Banane, garniere alles mit geraspeltem Kokosnussfleisch und den gerösteten Erdnüssen.
  • Diesen Prozess wiederholst du nochmal auf der anderen Seite, damit alles schön mit der Kokosnusscreme bedeckt ist.
  • Nun heißt es nur noch: Ab in den Gefrierschrank und abwarten. Nach 6 Stunden kannst du das Ergebnis aus dem Gefrierschrank holen. Am Holzspieß kannst du das „Eis am Stiel“ aus dem Beutel nehmen und:
  • GENIESSEN!

 

Nun hoffe ich, dass dir mein spezieller Adventskalender gefallen hat. Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

Ich wünsche dir eine fröhliche und besinnliche Weihnachtszeit im Kreise deiner Familie, gutes Essen und eine wunderschöne Festzeit!

Alles Liebe und Gute,

dein Weihnachtsengel Sophie

 

Dreiundzwanzigstes Türchen – Special Food

Theresa, meine Liebe Mit-Freiwillige hat sich nochmal für einen Gastbeitrag entschieden. Heute soll es um spezielles Essen in Vietnam gehen. Was sie alles erlebt hat, könnt ihr im Folgenden lesen!

Hier übrigens nochmalnder Link zu ihrem lesenswerten Blog:

Und wer berichtet das Ganze?

Nachdem Sophie nun schon in einigen Türchen von den bekanntesten vietnamesischen Speisen berichtet hat, ist ‚Bun Cha‘ oder ‚Che‘ den meisten Lesern kein unbekannter Begriff mehr. Aber was ist mit den anderen Gerichten, die man vorurteilsmäßig mit asiatischen Ländern verbindet? Unsere Mitfreiwillige Nour bekam vor ihrer Abreise oft die Frage zu hören, wieso sie denn nach Vietnam wolle, dort werden doch Hunde und Spatzen am Spieß und alles was auf drei nicht im nächsten Loch verschwunden ist gegessen. Wie viel ist an diesem Klischee dran?

Wie die meisten Geschichten und Vorurteile, hat auch dieses einen wahren Kern: Es gibt hier ‚Thit Cho‘, Hundefleisch und auch einige andere, für mich als Europäerin sehr ungewohnte Gerichte. Sie sind aber lange nicht so omnipräsent, wie manche denken. Man sollte auch bedenken, dass diese Speisen ihre Begründung in der vietnamesischen, beziehungsweise asiatischen Kultur haben, die sich stark von unsrer europäischen unterscheidet. Hund und Katze gelten zum Beispiel in der traditionellen chinesischen Medizin als sehr gesund und da die Chinesen Vietnam sehr lange kolonialisiert haben, haben einige ihrer Sitten und Gebräuche auf das Land abgefärbt.

Ich selbst habe trotzdem nicht das Bedürfnis, Hund oder Katze zu essen, auch wenn Hund laut einer Bekannten einigen Westlern sehr gut geschmeckt hat. In den Genuss anderer exotischen Speisen bin ich hier aber schon gekommen. Nachdem ich vor meinem FSJ drei Jahre lang Vegetarierin war, habe ich beschlossen, für das Essen in Vietnam offen zu sein und viel zu probieren. Ich habe schon an einigen Straßenküchen ‚Bun Oc‘ gesehen, Schnecken mit Nudeln, aber hatte noch nie die Gelegenheit, sie zu probieren – bis mich einmal ein paar Lehrerinnen aus meinem Konversationskurs fragten, ob ich denn schonmal ‚Oc‘ gegessen hätte und da meine Antwort „Nein“ lautete, ob ich es denn probieren wolle. Ja klar, das interessiert mich natürlich. Jetzt gleich? Okay, warum nicht?
So kam ich in den Genuss von kleinen, gekochten Schnecken, die man mit einem Spieß aus ihrem Häuschen zog und in eine leckere Chili-Zitronengras-Soße dippte. Sie ähneln in Konsistenz und Geschmack Muscheln sehr. Durchaus essbar.
Ein anderes Mal wurde ich beim Dimsum essen von einer Freundin dazu animiert, die hier so beliebten Hühnerfüße zu probieren und mehr aus Höflichkeit nagte ich dann an einem dieser handähnlichen Knochen. Die Haut mit leckerer Marinade schmeckt ganz gut, aber ansonsten ist nicht sehr viel dran an so einem Hühnerfuß als Sehnen und Knochen, wovon ich kein großer Fan bin.

Schweinefüße, Hühnerfüße, Käsefüße… nein, das war was anderes 😉

Auch ‚Bun Dau Mam Tom‘ gilt als spezielle Speise, die nicht jedem schmeckt. Das Besondere ist hier ‚Mam Tom‘, eine graulila Soße aus fermentierten Shrimps, die sehr fischig schmeckt und streng riecht. Man sollte dieses Gericht also lieber nicht vor einem Date essen, aber ansonsten kann ich diese besondere Soße weiterempfehlen. Natürlich nur, wenn man Fisch und Krabben einigermaßen mag.

Nicht für alle kulinarischen Abenteuer habe ich mich bewusst entschieden, in manche schlittert man teils aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen, teils aufgrund von mangelnden Kenntnissen der vietnamesischen Küche. So habe ich schon ein paar mal geröstete Schweinehaut, die Röstzwiebeln als Topping halt sehr ähnelt, gegessen. In einem leckeren Glasnudelsalat waren auch geschredderte Schweinsohren zu finden – die hatten auch eine etwas seltsame Konsistenz.
In Ho Chi Minh Stadt probierten wir eine Nudelsuppe nach Hueer Art, ‚Bun Bo Hue‘, im besten Bun Bo Hue Restaurant der Stadt. Es gab sehr viel verschiedenes Fleisch darin und auch nicht ganz definierbare Stücke. Nach dem Genuss dieser Suppe, erfuhren wir, dass wir gestocktes Blut gegessen hatten. Schon bevor ich das wusste, entsprach diese Suppe nicht ganz meinem Geschmack.

All I Need is … meat!?
Das ist wohl das Motto von Bun Bo Hue.

Nicht ganz meinem Geschmack entspricht auch eine Delikatesse in Südvietnam, die ich trotz wärmster Empfehlung nicht probiert habe. Besonders gesund für Schwangere gelten ungeborene, gekochte Entenküken. Ein Überraschungsei also. Das ist mir ein bisschen zu makaber und außerdem bin ich nicht schwanger.
Auf manchen Speisekarten findet sich auch ‚Ech‘, Frosch, ein Genuss, in den ich noch nicht gekommen bin. Hier halte ich es aber wie bei den Schnecken: Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bin ich nicht abgeneigt, etwas Neues zu probieren.

Das sind bei weitem nicht alle kulinarischen Abenteuer, auf die man sich einlassen kann, sondern nur die, denen ich bis jetzt begegnet bin.
Beim Gang über den Markt begegnet mir auch viel Fleisch, das später im Topf landet, in seiner ursprünglichen Form. Als totes Huhn auf einer Theke oder aufgehängter Ochsenschwanz. Für Westler ein sehr ungewohnter Anblick, aber eigentlich sollte er für einen „Fleischesser“ normal sein: Der Hänchenschlegel zum Mittagessen wächst halt nicht appetitlich am Baum. Ich finde, man sollte bevor man über Essgewohnheiten anderer Länder und Weltregionen urteilt, erstmal bedenken, wie weit weg wir in Europa (und auch in den USA) von der Fleischproduktion sind. Hier wird eben (fast) alles vom Tier verwendet und das nicht im Unsichtbaren.
Andere Länder – andere Sitten. Als Tourist, ‚Traveler‘ oder Stadtbewohner auf Zeit, lohnt es sich auf jeden Fall, viel von dem Essen in der Fremde zu probieren, denn „du bist, was du isst.“ – Wie könnte man eine andere Kultur besser Kennenlernen?

(Für nicht ganz so abenteuerlustige Urlauber gibt es in Hanoi aber auch westlichere Restaurants und seit Kurzem sogar einen McDonalds in der Altstadt.)

Viele Grüße von einer nicht immer, aber meistens abenteuerlustigen Theresa

Zweiundzwanzigstes Türchen – Begegnungen

Mein Leben in Vietnam ist geprägt durch Begegnungen.

Menschen, die mir zufällig oder auch nicht – vielleicht sollte man es auch Schicksal nennen, wer weiß… – begegnen, die ich irgendwie kennenlerne.

Begegnungen, die mich erheitern, zum Nachdenken bringen, mir einen neuen Blick auf eine Sache geben, die mich weiterbringen, irgendwie.

Nun ist es schwierig für mich, den Begriff „Begegnung“ zu definieren. Ich meine, wie würdest du jemandem dieses Wort erklären? Denn eine Begegnung ist nicht objektiv, sie ist immer subjektiv. Warum? Weil daran immer Menschen beteiligt sind.
Eine Definition des Begriffs möchte ich dir dennoch nicht vorenthalten:

„Begegnung, in der Existenzanalyse die Bezeichnung einer Ich-Du-Relation, in der die personalen Fähigkeiten zweier Menschen zu einer besonderen Interaktion mit der Etablierung eines „Zwischen“ als „Begegnungsfläche“ führen; Begegnung meint das Erkennen, Verstehen und Beantworten eines „Du“ (einer anderen Person) durch ein „Ich“, das auf das eingeht, was den anderen und ihn selbst bewegt und daher gemeinsames Thema ist.“

http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/begegnung/2042

Was genau will sie jetzt aber mit Begegnungen? Als ich – übrigens sehr lange – über das Thema des heutigen zweiundzwanzigsten Türchens nachgedacht habe, habe ich an die vielen Menschen gedacht, die mir hier begegnet sind. Und vor allem, was gewesen wäre, wenn ich ihnen nicht begegnet wäre. Dieser Blogeintrag soll ein Dank sein an alle Menschen, die mir in meinem Leben, aber vor allem jetzt in meinem Leben in Vietnam begegnet sind. Die mich sicherlich in irgendeiner Weise geprägt haben, selbst wenn vielleicht auch nur ganz gering.

Ich denke an die kleinen Begegnungen, die zwar klein, aber nicht unbedeutend sind: Eine alte Frau, die mir auf der Straße begegnet und mich einfach so angrinst. Ein Vater mit seinem kleinen, zuckersüßen Sohn, den ich mit einem Lächeln betrachte und von seinem Vater auch ein Lächeln bekomme. Die Verkäuferin an einer Straßenküche, die mir als „Souvenir“ ein zusätzliches Stück Brot schenkt. Ein junger Vietnamese, der mich in Hoi An plötzlich auf Vietnamesisch anspricht, ich wenigstens ein wenig antworten kann und er deshalb sehr grinst und am Ende ein Selfie zusammen machen möchte. Schüler, die mich erfreut mich mit „Hallo Sophie“ und einem Lächeln begrüßen. Kinder, die mich am Hoan Kiem See ansprechen und Englisch üben möchten. Eine Frau, die mir beim Shoppen sagt, wie hübsch ich in dem Outfit aussehen würde. Eine ziemlich alte Vietnamesin, die für ein Foto posiert und das typische Victoryzeichen macht. Und viele viele mehr, die ich gar nicht alle aufzählen kann oder will, weil es sonst einfach viel zu lange dauern würde.

Da sind aber auch die Menschen, mit denen man viel Zeit verbringt, mit denen man ausführlich spricht, viel erlebt, sich eine Freundschaft entwickelt, von der man hofft, dass sie lang hält. Menschen, die mein Leben in Vietnam einfach toll machen.

Meine liebe Chi (große Schwester): In jeder größeren Stadt werden Free Walking Tours angeboten. Wie könnte ich diese Chance nicht wahrnehmen? Meiner Meinung nach ist das ein wirklich tolles Konzept, da man mit Einheimischen die Stadt erkundet, die dabei ihr Englisch verbessern können.
In Hoi An habe ich spontan eben eine solche Free Walking Tour gemacht und dabei meine wundervolle große Schwester (chi, die vietnamesische Anrede) kennengelernt. Eigentlich war nur ein Treffen geplant. Nach dem ersten gemeinsamen Erkunden der Stadt und einem tollen Gespräch haben wir uns aber gleich am nächsten Tag für eine Ausflug in ein Töpferdorf in der Nähe Hoi Ans gemacht. Kurz vor meiner Weiterreise haben wir uns sogar noch ein drittes Mal getroffen, haben gemeinsam Frühlingsrollen gegessen und sind auf einem Fahrrad entlang des Flusses gefahren, haben viel geredet und einfach eine schöne Zeit gemeinsam gehabt. Ich bin froh, ihre em (kleine Schwester) sein zu dürfen und sie als chi zu haben. Ohne sie wäre meine Zeit in Hoi An nicht mal ansatzweise so toll gewesen.

Auf Facebook habe ich kurz nach meiner Ankunft in Hanoi nach einem Exchange Partner für Vietnamesisch und Deutsch gesucht. Das Konzept: Man trifft sich auf einen Kaffee oder zum Essen und tauscht seine Sprachen aus. Das Ergebnis: Man trifft tolle Leute, lernt (bestenfalls) die andere Sprache besser und hat eine schöne Zeit.
Auf meinen Facebookpost haben sich wirklich viele Leute gemeldet, mit den meisten habe ich mich getroffen. Drei sind für mich aber besonders wichtig geworden:

Duc: „Hallo Sophie. Ich bin Duc, 21 Jahre alt. Ich las deine Anzeige auf Facebook. Und das zeigt, dass du einen Partner suchen möchtest, um die Sprache zu tauschen. Ich habe seit einem Jahr Deutsch gelernt. Und es wäre schön, wenn wir uns im Cafe treffen und unterhalten. Ich freue mich darauf.“ Wie hätte ich mich nach dieser netten Nachricht nicht mit ihm treffen können? Im Cafe hat er Theresa und mir tatsächlich viel über die vietnamesische Sprache beigebracht. Natürlich haben wir aber auch über uns gesprochen. Beim zweiten Treffen hat er uns zu einem Basketballspiel von Hanoi gegen Saigon eingeladen. Die Stimmung war toll und mich hat es begeistert, wie intensiv er mitgefiebert hat, mir aber als absoluter Basketball-Neuling auch die Regeln und den Spielverlauf erklärt hat. Es war ein so schöner Abend und ich wünschte, wir hätten mehr solcher Abende gehabt. Drei Tage später ist er nämlich nach Deutschland geflogen, weil er nun in Erfurt studiert.
Duc war einer der ersten, der mir gezeigt hat, warum es immer heißt, dass Vietnamesen sehr freundlich und offen sind. Ich freue mich, ihn nach meinem Rückflug nach Deutschland wiedersehen zu können und dann vielleicht genauso begeistert gemeinsam bei einem Fußballspiel mitzufieber!

Hung: seine Schwester hatte meinen Post auf Facebook gelesen und mich angeschrieben, dass ihr Bruder Deutsch lernt. Kurz danach bekam ich die erste Nachricht von ihm und wenige Tage später haben wir uns zum Abendessen getroffen. Mit dem Moped sind wir zu einem geheimen Lokal gefahren, in dem man mitten im Schlafzimmer der Eigentümer leckere Pho genießen kann. Mit ihm habe ich an diesem Abend in einem kleinen Cafe meinen ersten Kokosnusskaffee getrunken und wir haben sehr viel geredet. Am Mondfestival haben wir die Löwentänze angeschaut, wir waren bei einer großen Jubiläumsfeier des deutsch-vietnamesischen Stammtisches, waren wandern in den Bergen nahe bei Hanoi und haben am Fuße der Berge von ihm selbstgemachtes Sushi genossen, waren Hähnchen in der Bierdose essen (ein ganz besonderes Erlebnis), haben Matcha-Milchshakes beim Spazieren in der Hanoier Altstadt getrunken und viel, viel gesprochen über Vietnam und Deutschland, die Kulturen, das Essen, die Traditionen, die Menschen und vieles mehr.
Vor einigen Tagen hat er nun seine Ergebnisse für die B1 Prüfung bekommen – und bestanden, was mich sehr freut – und wird Ende Februar nach Deutschland fliegen, um dort zu studieren. Wenn wir beide in Deutschland sind, hoffe ich, dass wir weiterhin so viel Kontakt haben werden und viel unternehmen können!

Huyen/Joey: In einem riesigen Luxus-Einkaufshaus haben wir uns nach ihrer Nachricht auf Facebook getroffen. Ausgestattet mit Stift und Papier hat Joey bzw. Huyen (sie meinte zu mir „Du kannst mich Joey oder Huyen nennen“) in die komplizierte Welt der vietnamesischen Sprache eingeführt. An der Aussprache jeden einzelnen Wortes haben wir gefeilt bis es perfekt war – oder vielleicht auch nur akzeptabel 😉
Selbst wenn ich mich nicht so toll beim Lernen angestellt hat, hat sie mir weiter erklärt, wie es richtig heißen sollte, mir nebenbei einen tollen Einblick in die vietnamesische Kultur gegeben und richtig viel erklärt. Beim zweiten Treffen haben wir uns in einem tollen Restaurant mit Frühlingsrollen getroffen und sie hat mir mehr über sich selbst erzählt, ihre Geschichte und ihre Pläne für die Zukunft.
Auf Suche nach einem chicen Outfit hat sie sich beim dritten Treffen nicht von meiner geringen Entscheidungsfreude stoppen lassen und so sind wir tatsächlich 6 Stunden auf der Suche nach dem perfekten Outfit für eine Abschlussfeier gewesen. Belohnt wurde das mit einem Che auf dem Night Market.
Insgesamt drei Mal haben wir zusammen gekocht und das wirklich super lecker: Nudeln mit einer speziellen Sauce und leckerem Fleisch (den Namen weiß ich leider nicht mehr), Frühlingsrollen und das absolute Highlight waren definitiv die Sommerrollen.
Am 28. November war es soweit und sie flog nach Lübeck, um dort in einem Krankenhaus zu arbeiten, da sie bereits Medizin in Vietnam studiert hat.
Ich bin schon jetzt vorfreudig, sie nach meiner Rückkehr nach Deutschland besuchen zu dürfen und wieder eine tolle und unvergessliche Zeit gemeinsam verbringen zu können!

Es sind die Begegnungen, die Vietnam zu diesem ganz besonderen Ort für mich machen.

Menschen, die mir zufällig oder auch nicht – vielleicht sollte man es auch Schicksal nennen, wer weiß… – begegnen, die ich irgendwie kennenlerne.

Begegnungen, die mich erheitern, zum Nachdenken bringen, mir einen neuen Blick auf eine Sache geben, die mich weiterbringen, irgendwie.

Ich bin dankbar für jede einzelne davon und freue mich auf viele weitere Begegnungen in den nächsten zwei Monaten!

Viele Grüße und hoffentlich begegnen wir uns in Deutschland wieder

deine Sophie

Einundzwanzigstes Türchen – Du oder Sie oder ganz anders?

Kennst du das, wenn du nicht genau weißt, ob du zu einer Person nun „Du“ oder „Sie“ sagen sollst? Zum Beispiel zu den Eltern einer guten Freundin. Zu einer nur wenige Jahre älteren Person. Zu einem Reisenden, der zwar älter als du ist, aber dich auch gleich mit du angesprochen hat.

Ganz ehrlich, diese Zwickmühle hat mich schon wirklich lange aufgeregt. Wählt man das formelle „Sie“, kann es schnell mal zu der Frage kommen: „Bin ich denn so alt?“ oder ähnliche Anschuldigungen folgen. Das eher lockere „Du“ wird hingegen oft als unverschämt oder unpassend empfunden.

Ich meine, wie einfach und entspannt wäre es, einfach ein universelles Wort für die Anrede von anderen Personen zu verwenden. Warum gibt es im Deutschen nicht auch einfach sowas wie das altbewährte „you“ für jede Person, mit der man sich unterhält? Warum denn einfach, wenn es auch schwer geht!?

Jetzt kommen wir aber genau zum Thema: Es geht auch noch schwerer!

In kaum einem Land ist die Anrede so wichtig wie in Vietnam. Wählt man den falschen Begriff, kann es schnell mal vorkommen, dass man sich zu locker verhält, darin Respektlosigkeit erkannt wird oder das ganze sogar als Beleidigung gesehen wird. Entscheidend für die Anrede sind Status und Alter.

Zwei Seiten aus meinem Vietnamesischbuch mit ein paar Anreden. Aber lange noch nicht alle!

Ein Beispiel: Drei Männer lernen sich bei einer Veranstaltung kennen, kommen ins Gespräch und trinken ein Ba Ba Ba (ba ist 3 auf vietnamesisch und dieser Name steht für eine Biersorte namens „333“). Minh ist 23, Long 34 Jahre alt und Hung mit 54 Jahren am ältesten. Rasch wird erkannt, dass sie bezüglich ihres sozialen Hintergrunds ziemlich ähnlich sind. Der Status muss aus diesem Grund nun nicht beachtet werden, sonst würde es noch viel, viel komplizierter werden.
Trotzdem kann man behaupten, dass es doch recht schwer ist, die richtige Anrede zu finden:
Minh als Jüngster der drei Männer hat Long mit anh (großer Bruder) und Hung mit chu (Onkel) anzusprechen. Spricht er von sich selbst, sollte er im Gespräch mit Minh von em (kleiner Bruder), mit Hung jedoch von chau (Neffe) sprechen.
Natürlich erinnert das jetzt an eine große Familie, aber tatsächlich hat die Anrede viel damit zu tun, ob die Person dir gegenüber nun wie ein großer Bruder, deine Großmutter, dein Onkel oder deine kleine Schwester ist. Ganz unabhängig davon, ob du diese Familienmitglieder wirklich hast.
Zum Kriterium Alter kommt auch noch der Status. Nachdem es dir vermutlich schon mit dem Alter reicht, lasse ich dir den sozialen Status lieber erspart bleiben.

Nun stell dir vor du bist im Restaurant oder in der Straßenküche und willst bezahlen. In Vietnam wird jetzt nicht sowas wie „Herr Ober“ gerufen oder geduldig gewartet, sondern die Person lautstark mit „… oi“ (zum Beispiel em oi) herbeigerufen. Die Frage ist aber, welche Anrede verwendet man? Auf die Falsche wird niemand reagieren und die anderen Menschen im Raum werden dich vermutlich blöd ansehen und lachen. In deine Unsicherheit spielt auch die Tatsache, dass es für dich – ich gehe einfach mal davon aus, denn mir geht es auch so – extrem schwierig ist, das Alter der Person (bei Vietnamesen nochmal zusätzlich schwerer) einzuschätzen. Die Entscheidung liegt bei dir. Und das Risiko.

Ich muss gestehen, dass ich oft einfach gar nicht sage und darauf hoffe, dass schon irgendwer mal nach Ewigkeiten kommen wird. Das klappt auch – mit mal mehr, mal weniger Erfolg.

Was ich noch gar nicht gesagt habe: Die Anrede wie em, anh, chu, … wird immer in Verbindung mit dem Vornamen verwendet. Minh sagt zu Hung also zum Beispiel „Chu Hung“.

Für Ausländer wie mich stellt sich jedoch erst mal die Frage, welcher Name denn nun der Vorname ist? Vietnamesen haben nämlich drei Namen: den Familien-, den Mittel- und den Vornamen.
Geschriebene Namen beginnen immer mit dem Familiennamen. Generell bekommen die Kinder den Familiennamen des Vaters. Kurzer Funfact: Insgesamt gibt es nur um die 300 vietnamesische Familiennamen. Der häufigste davon ist Nguyen, der mit knapp 40% vorkommt. Ein Glück wird der Familienname nicht zur Anrede verwendet. Würde man „Nguyen“ rufen, würde sich sonst mehr als jeder Dritte umdrehen.
Danach kommt der Zwischenname, der den Namen melodisch unterstützt oder die Familienzugehörigkeit bestimmt. Der Zwischenname kann aber auch den Namen spezifischer machen, falls Vor- und Familienname oft auftreten. Sollte der Rufname nicht geschlechtsspezifisch sein, kann der Zwischenname jedoch auf das Geschlecht definieren.
Der für den Alltag wohl wichtigste Teil ist definitiv der Vorname. Die Eltern eines Neugeborenen wollen ihrem Kind einen Wunsch, eine Eigenschaft oder einen Plan für den weiteren Lebensweg mitgeben und dementsprechend wählen sie den Vornamen. Jeder Vorname hat nämlich eine alte Bedeutung, die sorgfältig mit in die Namenswahl einfliest.
Das ganze klingt noch nicht kompliziert genug? Keine Sorge! Ein zusätzlicher Stolperstein ist der Fakt, dass viele Vornamen sowohl für Frauen als auch Männer verwendet können. Wenn es dann keine genauere Definierung durch den Mittelnamen gibt oder du einfach keinen Plan von den Namen hast wie ich, dann hast du den Salat! Dementsprechend kompliziert wird es, wenn eine Person auf Facebook kein Bild hat und du keine Ahnung hast, mit wem du gerade schreibst…

Du merkst bestimmt gerade schon, wie anspruchsvoll es ist, alle Regeln und Besonderheiten im Kopf zu behalten. Das ist es auch für mich, aber ich gebe mein Bestes, wenigstens etwas mehr einzutauchen in dieses System. Ich finde nämlich, dass man hierdurch richtig viel über die Einstellungen und die Kultur der Vietnamesen erfährt, über die Wichtigkeit des Alters, des Statuses und des Verhältnisses zwischen zwei Menschen.

Und was mir gerade auffällt: Eigentlich können wir verdammt froh sein, dass wir „nur“ du und Sie haben und keine unzähligen anderen Anredeformen. Ganz nach dem Motto, sei zufrieden mit dem, was du hast!

Viele Grüße, deine sich-immer-noch-nicht-mit-Anreden-sichere Sophie

Zwanzigstes Türchen – und was machst du da?

„Sag mal, was genau machst du da?“

Eine sehr berechtigte Frage, die ich dir heute beantworten möchte. Denn selbst wenn es nicht so wirkt – bis jetzt wirkt es wahrscheinlich so, als ob ich nur essen und reisen würde, was ja auch wichtig ist – gehe ich einer Arbeit nach. Und das neben der Trung Vuong Mittelschule (nur zweimal pro Woche) hauptsächlich an der Viet Duc Oberschule. Mehr über genau diese Schule und vor allem meine Aufgaben erfährst du heute!

Allgemeines:

Jeden Morgen trete ich durch dieses Eingangstor und starte in den neuen Arbeitstag

So unbelebt ist der Pausenhof normal nie 😉

Die Viet Duc Oberschule hat einen sehr guten Ruf und gehört in Vietnam zu den 100 besten Schulen. Schülerinnen und Schüler, die diese Schule besuchen möchten, müssen ausgezeichnete Zeugnisse aus der Mittelschule mitbringen – oder die richtigen Connections haben. Insgesamt unterrichten aktuell ungefähr 120 Lehrer die 2.200 Schüler.
Die Schüler können hier die Klassen zehn bis zwölf besuchen und sind im Alter von 15 bis 18 Jahren.
Obwohl „Viet Duc“ so viel bedeutet wie „vietnamesisch deutsch“, kann man sich auch für eine andere Sprache entscheiden. Neben Deutsch stehen noch Japanisch und Koreanisch zur Auswahl. Wenn du dich jetzt fragst, was mit Englisch ist: keine Sorge, das ist die erste Fremdsprache, die die Schüler schon seit dem Beginn der Mittelschule lernen.

Der Unterricht:

Die Schüler gehen nicht wie in Deutschland nur von Montag bis Freitag in die Schule, sondern müssen auch am Samstag die Schulbank drücken. Ein Glück muss ich da nicht arbeiten!
Der Unterricht an jedem Tag besteht übrigens immer aus zwei Blöcken: Morgens geht er von 7:15 Uhr bis 10:55 Uhr, dann nachmittags nochmal von 13:55 Uhr bis 17:30 Uhr. Immer nach einer 45minütigen Einheit folgen zehn Minuten Pause, in denen die neuesten Nachrichten auf Facebook gecheckt, im Klassenzimmer getanzt und gesungen oder auf dem Schulhof Basketball oder Badminton gespielt wird. Ich sag’s dir, das ist vielleicht ein Treiben und Lärm.

Fleißig bei einer Gruppenarbeit.

Manchmal tanzen die Schüler vor Freude auch im Unterricht auf den Tischen. Oder schalten einfach den Beamer an, wie man’s sehen will,

 

 

 

Die Geschichte:

In der 47 Ly Thuong Kiet Straße (übrigens Carreau Straße während der französischen Belagerung Vietnams genannt) findet man die Viet Duc Oberschule, die ursprünglich nach dem Bischoff Puginier benannt worden war.
Nach der Befreiung Hanois am zehnten Oktober 1954 wurde die Puginier Schule zu einer allgemeinen Schule, sowohl Junior als auch Senior Secondary School. Im Jahr 1960 entwickelte sie sich dann zu einer Hochschule.
Zwischen 1970 und 1997 wurde die Schule in zwei Teile gespalten: Die Viet Duc Oberschule für Vormittagsunterricht und die Ly Thuong Kiet Hochschule für Nachmittagsunterricht. Im Juli 1997 wurde der Name Viet Duc Oberschule für die wiedervereinten Schulen vergeben.
Die Schule behauptet übrigens stolz von sich, große Persönlichkeiten hervorgebracht zu haben: Mitglieder der Nationalversammlung, Dichter, Komponisten und viele mehr.

Der Deutschunterricht:

Schulleitung und Elternschaft sind sehr engagiert und interessiert daran, den Deutschunterricht zu unterstützen. Da die Deutschklassen einen besonders guten Ruf genießen, ist der Ansturm auf diese Klassen besonders groß.
Pro Klasse können schon mal 45 Schüler zusammenkommen. Für den Deutschunterricht werden diese aber – zum Glück – aufgeteilt. Beim Kampf mit der Aussprache und vor allem der Grammatik ist so ein effektiverer Sprachunterricht möglich. Ziel der (meisten) Schüler ist es, mit den Abschlussprüfungen auch das DSD I zu bestehen und damit die Möglichkeit zu haben, an einem Studienkolleg in Deutschland zu studieren.

Der Fahnenappell:

Montagmorgens schlägt die Trommel um 7:05 Uhr. Zeit, die vietnamesische Flagge zu hissen! Zum Fahnenappell versammeln sich die Schüler und auch viele Lehrerinnen und Lehrer auf dem Pausenhof. Für alle gibt es dort kleine Höckerchen, auf denen sie Platz nehmen, Neuigkeiten, Verhaltensanweisungen sowie den Bekanntmachungen der Redner lauschen. Beim Singen der Nationalhymne wird jedoch aufgestanden und aus voller Brust mitgesungen, während die Hand am Herz liegt. Diese „Zeremonie“ findet immer am Wochenanfang vor dem richtigen Unterricht statt. Meist bin ich zu diesem Zeitpunkt aber noch in meinem Bett… 😉

Mit Blick auf diese Fahne wird die Nationalhymne gesungen. Hier aber gerade nicht. Jetzt ist erst mal Pause angesagt!

Die Schuluniform:

In Hanoi ist die Vorgabe für staatliche Oberschulen, dass die Schuluniform die Farben weiß und blau hat. Meiner Meinung nach eine sehr schöne Kombination. Der Dresscode gibt  jedem Schüler und jeder Schülerin ein weißes Hemd mit dem Schullogo auf dem Ärmel vor. Dazu soll eine dunkelblaue Stoffhose getragen werden. Wenn es kälter wird, sieht man die Schüler außerdem mit chicen Sportjacken in weiß und blau durch die Gegend laufen. Das besondere an den Jacken: sie sind beidseitig tragbar, wenn das nicht cool ist!
Für den Sportunterricht – der übrigens nur auf dem Pausenhof wegen fehlender Sporthalle stattfindet – wird das Outfit gewechselt: zu dunkelblauen Sporthosen mit nur zwei Streifen (kein Adidas-Sponsoring) wird ein Poloshirt getragen. Die Farben weiß (12. Klasse), gelb (11. Klasse) und rot (dementsprechend 10. Klasse) erleichtern es mir oft, zu erkennen, in welcher Jahrgangsstufe die Schüler sind.
Während ich als ehemalige Hanni&Nanni-Verehrerin immer von Schuluniformen geträumt habe, wünschen sich die meisten Schüler doch, in anderer Kleidung zum Unterricht kommen zu dürfen.

Meine Kollegen:

Insgesamt gibt es neun Deutschlehrer und -lehrerinnen an der Viet Duc Oberschule. Dazu zählen sieben vietnamesische Deutschlehrerinnen und zwei deutsche Lehrer. Ich genieße den Umgang mit meinen lieben Kollegen sehr: ein Gespräch über die Traditionen zu Weihnachten in Deutschland heute, das gemeinsame Mittagessen gegenüber der Schule, eine Unterhaltung über die Hochzeit in Vietnam und vieles, vieles mehr.
Ohne meine vietnamesischen Kolleginnen hätte ich lang nicht so viel über die vietnamesische Kultur erfahren dürfen wie ich es jetzt konnte. Darüber bin ich sehr froh.
Aber auch die deutschen Lehrer finde ich toll, weil man mit ihnen über Gott und die Welt sprechen kann, einen kleinen Witz machen kann und die Schüler ihn nicht verstehen und einfach nette Gespräche führen kann.

Meine Aufgaben:

Nun geht’s ums Eingemachte, wahrscheinlich wird dich das besonders interessieren!

Bei einem Schüleraustausch mit dem Barnimgymnasium Berlin war ich aktiv an der Planung und Durchführung beteiligt. So habe ich das Programmheft (ist meiner Meinung nach echt gut geworden) erstellt, die Schüler begleitet und sogar einen Tanz für die Abschiedsparty mit gutem Erfolg mit den Schülern einstudiert.
Außerdem war ich bei einer Klassenfahrt ins nördliche Sapa dabei. Zwar eher wie eine Schülerin, die mitfuhr, aber doch irgendwie als Aufgabe für mich. Das war ein wirklich toller Ausflug, bei dem ich richtig viel gelernt habe und noch mehr Kontakt mit den Schülern knüpfen konnte.
Meine Hauptaufgabe ist jedoch definitiv die Unterrichtsassistenz, egal ob ich bei den deutschen oder den vietnamesischen Lehrern bin. Natürlich unterscheiden sich die Tätigkeiten dann sehr: Während ich bei den vietnamesischen Lehrerinnen viel Phonetik mit den Schülern mache und bei grammatischen Unsicherheiten zu Rate gezogen werde, gilt es bei den deutschen Kollegen Gruppen bei Gruppenarbeiten zu betreuen und Dialoge zu üben.
Bei Einzelarbeiten darf ich bei allen Lehrern in den Reihen herumgehen und die Lösungen kontrollieren, bei Dialogen eingreifen und auch mal Fragen stellen und vor allem viel mit den Schülern sprechen.
Denn – das muss ich mir eingestehen – eine andere „besondere Fähigkeit“ als Deutsch als Muttersprache habe ich nicht vorzuweisen:
Bevor ich nämlich abgeflogen bin, hatte ich die Vorstellung, richtig aktiv Unterricht halten zu dürfen und nicht „nur“ zu assistieren und mit im Unterricht zu sitzen. Geworben wurde mit „Auf der anderen Seite des Klassenzimmers“ und doch fühle ich mich eher dazwischen. Irgendwo zwischen Lehrer und Schüler. Hängen geblieben zwischen der Lernenden und der Lehrenden. Oft sitze ich nämlich tatsächlich so im Unterricht, als ob ich in der nächsten Stunde den Test schreiben und richtig aufpassen müsste. Und in solchen Momenten frage ich mich wirklich, ob das einen Sinn hat.
Doch dann kommen wieder andere Aufgaben und tolle Begegnungen: Die Schülerin, die sich erfreut bedankt, dass ich ihr den Akusativ erklärt habe und nun eine gute Note im Test hat. Der Schüler, dem ich beim Test unauffällig die richtige Lösung zugeflüstert habe und der sich dann mit einem Kopfnicken und Lächeln bedankt. Die Klasse, mit der ich spontan tanzen durfte und aus der sich danach viele Schüler mit einem „Auf Wiedersehen“ und einem breiten Grinsen am Ende der Stunde verabschieden. Die jubelnden Schüler, wenn ich ins Klassenzimmer komme. Die Schüler auf dem Pausenhof, die mich anlächeln und „hallo Sophie“ sagen. Und über all diese Situationen freue ich mich so sehr, dass ich über meine teilweise doch recht langweilige Tätigkeit als Unterrichtsassistenz hinwegblicken kann und mich früh morgens, wenn ich mich aus dem Bett quäle, auf den Tag an der Viet Duc Schule freue.

Ich hoffe, das ganze hat dir einen guten Einblick in „meine“ Schule und meine Aufgaben dort gegeben!

Alles Liebe der Fan-der-Viet-Duc-Oberschule Sophie

Neunzehntes Türchen – Häh? Ich hör’s einfach nicht.

Da sitzen sie.
Drei junge Freiwillige.
Und eine fast genau so junge Lehrerin.
Die Lehrerin sagt etwas.
„Zwischen … und … ist doch ein Unterschied!“
Die Antwort einer Freiwilligen.
„Häh? Ich hör’s einfach nicht.“
Das Lachen der anderen beiden.
„Ich auch nicht.“

So oder so ähnlich geht es Nour, Theresa und mir ziemlich oft.

Wann? Jeden Donnerstag und Freitag für zwei Stunden.
Welcher Anlass? Beim vietnamesischen Sprachunterricht.
Warum? Weil ein Sprachkurs von kulturweit verpflichtend ist und die vietnamesische Sprache richtig schwierig ist.

Aber halt! Jetzt erst mal von Anfang an. Wir beginnen mit den allgemeinen Infos über Tiếng Việt, die vietnamesische Sprache:

Mehr als 84 Millionen Menschen haben Vietnamesisch als Muttersprache. Wirklich einig sind sich die Forscher noch nicht, mit welchen anderen Sprachen der Region es verwandt ist. Zugeordnet ist die vietnamesische Sprache jedoch der Viet-Muong-Sprachgruppe. Entlehnt wurden viele Begriffe aus dem Chinesischen und der Mon-Khmer-Sprache. Aber auch durch die lange Besatzung durch die Franzosen haben sich einige französische Wortelemente eingeschlichen. Am Bahnhof kann man beispielsweise das vietnamesische „ga“ lesen, welches vom französischen la gare abstammt. Schon ziemlich ähnlich, oder?
Im Vietnamesischen kann man drei Dialekte unterscheiden, wie auch das Land geografisch unterteilt wird: der Dialekt des Nordens, Zentralvietnams und des Südens. Wie Hochdeutsch gibt es in Vietnam Hochvietnamesisch, welches sich auf Grundlage der nördlichen Dialekte entwickelte.

Vietnamesisch ist (leider Gottes!) eine Tonsprache. Die Basics, also die Grundwörter bestehen normalerweise aus nur einer Silbe. Jetzt magst du dir vielleicht denken, dass es dann ja gar nicht so schwierig sein kann. Und doch liegst du falsch!
Jede Silbe trägt nämlich einen der insgesamt sechs möglichen Töne. Unterschiede gibt es in der Höhe, dem Verlauf, der Intensität und der Dauer. Nun ist es unabdingbar, sich um eine saubere Aussprahe der Laute zu bemühen, aber auch den entsprechenden Ton korrekt zu treffen. Was wenn nicht? Dann kann es zu unliebsamen Missverständnissen kommen, da viele lautlich gleiche Silben mit verschiedenen Tönen total unterschiedliche Bedeutungen haben.
Nehmen wir nun mal das Wort „bo“. Es kann Rindfleisch (bei Pho Bo, wer aufgepasst hat, weiß, was das gutes ist), Vater, Liebhaber, wegschmeißen, Butter, Ministerium oder Avocado heißen. Jetzt stell dir mal vor, in welche peinlichen Situationen man vor allem mit Liebhaber und Vater schlittern kannst…

Als Ausgleich dazu darf ich dir mitteilen, dass die Grammatik im Vietnamesischen wesentlich einfacher als im Deutschen ist (schwerer würde wohl kaum gehen). Sie folgt nämlich der strikten Regel Subjekt – Prädikat – Objekt. Auch mit schwierigen Formen wie Plusquamperfekt, Futur 2 oder einfach Präteritum muss man sich nicht herumschlagen. Die Zeitform wird nämlich nur aus dem Kontext hervor oder durch bestimmte Wörter (wie gestern, morgen) verdeutlicht.
Besondere Formen im Plural (wie der Apfel -> die Äpfel) gibt es auch nicht. Mithilfe von Zähleinheitswörter wird die Anzahl an Dingen verdeutlicht. Schön, oder?

Besonders faszinierend finde ich das noch: Ursprünglich hat im Vietnamesischen jedes Wort nur eine Silbe. Im Laufe der Jahre haben sich aber auch zweisilbige Wörter in den Wortschatz der Sprache eingeschlichen. Nehmen wir mal das Wort: chó. Spricht man vom Hund als Tier, sagt man con chó (Tier + Hund). Möchte man jedoch im Restaurant Hundefleisch bestellen – an dieser Stelle der Hinweis, dass ich das noch nie gemacht habe! Aber schon Hund am Spieß gesehen habe – sagt man thịt chó (Fleisch + Hund).

Noch kurz etwas zur Schrift: Schau dir doch mal den Titel meines Blogs an! Gar nicht so große Unterschiede zu unserer Schrift. Früher war das aber noch anders. Während der chinesischen Besatzungszeit wurden nämlich chinesische Schriftzeichen verwendet. Ende der 1620er-Jahre kam der Missionar Alexandre de Rhodes jedoch und hat die chinesischen Schriftzeichen kurzerhand in lateinische Buchstaben umgewandelt. Dabei musste er aber auch die vietnamesischen Tonhöhen beachten. Aus diesem Grund hat er die im Griechischen üblichen diakritischen Zeichen verwendet und so eingefügt, dass man nun Vietnamesisch lesen konnte.

Insgesamt hat das vietnamesische Alphabet 30 Lautzeichen vorzuweisen. Viele werden wie im Deutschen ausgesprochen. Leider jedoch nicht alle, was das ganze wirklich schwierig macht.

Und da sind wir auch schon beim Punkt. Vietnamesisch ist richtig schwierig!
Ich kann dir nicht mal sagen, was genau die Sprache so schwierig macht. Vielleicht ist es einfach die Kombination aus vielen verschiedenen Dingen:

Natürlich kann ich einen Text als wäre es ein deutscher Text vorlesen und mit viel Ach und Krach auch noch relativ die richtigen Betonungen vortragen. Aber meistens passt es halt doch nicht.
Natürlich kann ich mich bemühen, mir die Wörter zu merken. Aber meistens klappt es halt doch nicht. Das Vokabular ist einfach so weit entfernt vom Deutschen, Englischen oder Lateinischen, dass ich keine Verbindungen ziehen kann.
Natürlich versuche ich, die Wortstellungen im Satz zu lernen. Aber meistens bleibt es einfach nicht im Kopf.
Natürlich versuche ich, die Unterschiede bei vier verschiedenen „bo“s zu hören. Aber meistens höre ich es nicht. Selbst nach dem zehnten Mal Vorsprechen von Van, unserer lieben Vietnamesischlehrerin, bleibt das „Häh? Ich hör’s nicht!“

Am wohl enttäuschendsten ist und bleibt jedoch die Tatsache, dass viele Vietnamesen – so vermute ich zumindest stark – mich gar nicht verstehen wollen. Wenn ich im Restaurant nach dem Preis auf Vietnamesisch frage und mich dabei richtig toll fühle und der Kellner einfach auf Englisch antwortet. Du hast wirklich keine Ahnung, wie enttäuschend das sein kann.

Und trotzdem darf ich stolz behaupten, dass mir die Sprache auch Spaß macht.
Wenn ein Kellner doch mal auf Vietnamesisch antwortet. Wenn am Hoan Kiem See ein alter Mann fragt, woher du kommst, du die Frage verstehst und auch noch antworten kannst. Wenn du dein Essen alleine bestellen kannst und oft sogar verstehst, was du gerade geordert hast. Wenn du endlich weißt, was Mann und Frau auf Vietnamesisch heißt und du mit Sicherheit die richtige Toilette wählen kannst. Wenn du bekannte Wörter bei Gesprächen der Schüler verstehst und dir auf Nachfrage bestätigt wird, dass es stimmt. Wenn du dem Uberfahrer endlich die Straße und die Hausnummer auf Vietnamesisch sagen kannst und er dich versteht (haben sie lange nämlich nicht, aber jetzt habe ich den Dreh raus). Wenn viele viele Schüler um dich herum stehen und dir die Vietnamesisch-Hausaufgabe erklären und dir so viel wie möglich mit großer Begeisterung beibringen wollen. Und auch, wenn dir ein Schüler – ganz geheimnisvoll und flüsternd, damit die Lehrerin davon keinen Wind bekommt – ein wirklich schreckliches Schimpfwort beibringt und begeistert grinst, wenn du es richtig ausgesprochen hast.

Am schönsten war bis jetzt jedoch ein Erlebnis in einer zehnten Klasse und wenn ich daran denke, kommt mir wieder ein Lächeln auf die Lippen: Die Schüler haben eine Stunde lang nach den Semesterprüfungen wiederholt, wie man sich auf Deutsch ordentlich vorstellt mit Name, Alter, Familienmitglieder, Hobbys, …
Nun kann ich das auf Deutsch natürlich auch, aber Deutsch ist ja „langweilig“. Warum also nicht auf Vietnamesisch? Nachdem ich das der Lehrerin vorgeschlagen hatte und ich nach ihrer Erlaubnis aufgestanden war, war der große Moment gekommen und ich fing an mit „tôi tên là Sophie“ und die komplette Klasse jubelte und applaudierte. Die restlichen Sätze ging es so weiter und als ich fertig war und die Stunde zuende, habe ich mich über mehr strahlende Gesichter und einige „Auf Wiedersehen“ ’s mehr als normal freuen dürfen.

Genau das ist die Sache, dass man Respekt für das Land zeigt, in dem man temporär lebt, dessen Kultur man erleben möchte, dessen Menschen man kennenlernen möchte. Ich finde es ist das Mindeste für mich, diese Sprache wenigstens in ihren Grundzügen zu lernen. Wenigstens so weit, dass ich ein wenig Konverstation betreiben kann und der Person gegenüber so mein Interesse und meine Wertschätzung für ihr Land zeigen kann. Und auch meine Liebe für das Land. Ich kann stolz sagen:

Tôi yêu Việt Nam!“

Ich liebe Vietnam!

Liebe Grüße sendet die hart-mit-der-vietnamesischen-Sprache-kämpfende Sophie

 

 

 

Achtzehntes Türchen – Licht aus, Licht an

Da sind Dunkel und Helligkeit, Morgendämmerung, Taschenlampe, Sonne, Vollmond, Flackern, Schimmer, Glühen, Schein, Leuten, Wolkendecke, Strahlen, Schatten, Leuchter, Glanz, Funkeln, Schemen, Intensität, Lagerfeuer, Sternenhimmel, Farbe, Reflex, Strahlung, Abenddämmerung, Ampel, Flammen, Optik, Mondschein, Herrlichkeit, Funken,…

… und alle haben sie eins gemeinsam: Licht!

Ans Licht kommen, bei Licht besehen, das Licht der Welt erblicken, das rückt die Sache in ein anderes Licht, es werde Licht, für den Vorschlag wurde grünes Licht gegeben, hinters Licht führen, ein Licht aufgehen,…

… und alle haben sie eins gemeinsam: Licht!

Von morgens bis abends gibt es für alles und jeden Licht und das zu Genüge. Mit Licht erkennst du die Welt mit all ihren Ecken und Kanten. Es bringt Details an die Oberfläche, die du sonst vielleicht gar nicht bemerkt hättest.

Licht spielt – selbst wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind, in unserem täglichen Leben eine zentrale Rolle. Und obwohl wir daran so gewohnt sind und nicht darüber nachdenken, habe ich vor kurzem bemerkt, wie wertvoll und besonders Licht doch ist:

Jeden Abend um 18 Uhr werden viele, viele Lampions und Laternen in der ganzen Altstadt – auch ancient town genannt – von Hoi An angezündet oder der Modernisierung geschuldet einfach angeknipst.

Die zwar auch bei Tageslicht schöne Stadt verwandelt sich beim Verschwinden des Sonnenlichts und des Einbruchs der Dunkelheit in eine wirklich wundervolle Szenerie, die man sich gar nicht vorstellen mag:

Läuft man am Fluss entlang, spiegeln sich die zahlreichen Lichter im Wasser und es fühlt sich an, als würde es doppelt so viel Licht geben. Die kleinen und belebten Gässchen entwickeln ihren eigenen Charme mit den Lichtern und tauchen alles in eine besondere Atmosphäre. Auf dem Fluss kann man eine kurze Fahrt machen und eine Kerze auf’s Wasser setzen, seinen Wunsch in den Himmel schicken und dem Licht beim Davontreiben zusehen. In der Altstadt bringt das Licht die Menschen zum Lächeln. Das Licht wird auf Fotos eingefangen. Es leuchtet den Reisenden und Einheimischen den Weg zurück, wenn man sich doch mal entscheiden muss zu gehen. Das Licht verbindet die vielen Geschichten der Reisenden, die nur noch staunend nach oben sehen und vereint durch das Strahlen der Augen wegen des vielen Lichts.

Alles Liebe, deine sich-immer-noch-an-die-Lichter-erinnernde-und-dabei-strahlende Sophie

PS: Um Licht ins Dunkle zu bringen, wer alles meinen Blog liest, würde ich mich freuen, wenn du einen kurzen Kommentar hinterlässt 😉

Siebzehntes Türchen – Ich glaube an…

„Ich glaube …“

das ist der Anfang einer Satzes, in dem es um vieles gehen kann.

… dass es dieses Jahr in Hanoi schneien wird.
… ich viele Weihnachtsgeschenke bekommen werde.
… dass die Klausur extrem gut gelaufen ist.
… ich beim Lotto Millionärin werde.

Glauben kann man fast alles. Ob es stimmt, ist dann etwas anderes. Wie sagt man so schön „Wer’s glaubt, wird seelig!“

Mit diesem Satzanfang kann man aber nicht nur eine Vielleicht/Wahrscheinlich/Eventuell-Aussage machen, sondern auch seinen Glauben bekennen.

„Ich glaube an…“

Aber woran glauben eigentlich die Vietnamesen? Genau darum soll es heute im siebzehnten Türchen gehen. Religion und Glauben.

Sonderlich religiös ist ein großer Teil der Bevölkerung nicht. Laut einer Umfrage zur Gretchenfrage (ja, ich habe in Deutsch bei „Faust“ von Goethe bestens aufgepasst!) bezeichnen sich nämlich nur 20% der Vietnamesen als gläubig.

Hauptsächlich von den Strömungen Chinas ist die Religion Vietnams beeinflusst. Dazu dürfen Mahayana-Buddhismus, der Taoismus (auch Daoismus genannt) und der Konfuzianismus gezählt werden. Nicht zu vergessen, wenn auch kleiner, ist die indische Prägung, die man vor allem im Süden des Lander vorfinden kann. Und das sind: der Hinduismus, der Thereavada-Buddhismus und der Islam.
Mitspielen dürfen seit dem 15. Jahrhundert aber auch westliche Geistesströmungen. So kamen der Katholizismus und einige Zeit später auch der Protestantismus mit.
Allein vietnamesisch und neu entstanden sind Anfang des 20. Jahrhunderts wegen politischer und sozialer Unruhen außerdem noch der Caodaismus sowie der Hoa Hao-Buddhismus.

Mit einigen wirst du vermutlich nicht viel anfangen können. Ich muss zugeben, das konnte ich vor dem Verfassen dieses Blogartikels auch nicht wirklich. Ich versuche dir, aber so knapp wie möglich, aber (hoffentlich) verständlich zu erklären, worum es sich bei allen handelt. Ich glaube… jetzt kann’s losgehen!

Buddhismus

Die wenigsten Vietnamesen leben allein den Buddhismus rein aus. Neben Buddha werden oft noch andere Gottheiten verehrt, Geister angebetet und Ahnen verehrt. Deshalb kann man schon fast sagen, dass der Buddhismus eine Art Volksreligion ist, die sich mit vielen verschiedenen Strömungen vermixt hat. Diese Volksreligion hat alle anderen wichtigen religiösen Strömungen aufgenommen. Aus diesem Grund lassen sich in den buddhistischen Tempeln oft auch andere Götter finden.
In Vietnam herrscht insgesamt die Schule des Mahayana-Buddhismus (Dai Thua oder Bac Tong, was so viel wie „aus dem Norden“ bedeutet) vor. Vor allem der Zen-Buddhismus (Dhyana oder Thien) ist als Strömung des Mahayana im Land dominant. Der Begriff Zen bedeutet „Zustand der meditativen Versenkung“, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man von „Meditationsbuddhismus“ spricht. Eine andere besondere Strömung ist Dao Trang, die Schule des Reinen Landes, welche hauptsächlich im Süden vorzufinden ist.
Nur noch im Süden Vietnams bei einer ethnischen Minderheit, den Khmer, wird der Theravada-Buddhismus aktiv praktiziert.

 

Taoismus

Etwa um Christi Geburt, während die chinesische Besatzung Vietnam belagerte, kam der Taoismus (der auch oft Daoismus genannt wird) ins Land. Entstanden ist er in China und er gründet auf Laotses („Der Alte“), welcher im 6. Jahrhundert vor Christus das dem Taoismus zugrunde liegende Buch Tao-te Ching geschrieben hat.
So wirklich einfach zu verstehen ist diese Religion beim besten Willen nicht. Es gibt nämlich eine Vielzahl an Göttern in verschiedenen Rängen. Außerdem komplexe Rituale, mit denen eine Art Dualität im Gleichgewicht gehalten werden soll. Innere Einkehr und Einfachheit sind bei dieser Philosophie die wichtigsten Prinzipien. Sie sind auf Tao, den Weg oder die Essenz, aus dem alles besteht und entstand, begründet. Am und duong, welche im Chinesischen als Ying und Yang bekannt sind, sind besonders wichtig.

Konfuzianismus

Nicht so sehr als richtige Religion, sondern eher als Philosophie kann der Konfuzianismus (Nho Giao oder Khong Giao) gesehen werden. Entscheidend war er seit jeher für das Gemeinschaftswesen Vietnams, das Leben und den Glauben des Volkes.
Im Jahr 550 vor Christus wurde Konfuzius (Khong Tu) geboren. Mit seinen Ethikregeln entwickelte er einen Katalog für die Pflichten des Einzelnen bezüglich Familie, Gesellschaft und Staat. Bis heute bilden Prinzipien wie Angepasstheit und Pflichterfüllung das Fundament der vietnamesischen Gesellschaft.

Caodaismus

Eine originär vietnamesische Religion ist der Caodismus. Er entstand 1925 im Süden Vietnams und es werden dabei religiöse Philosophien von West und Ost verbunden. Neben Jeanne d’Arc, William Shakesppeare und Victor Hugo, die im Hinblick auf Religion vielleicht etwas fehl am Platz wirken, spielen auch Buddha, Konfuzius, Jesus, Moses und Mohammed als Propheten in diese Religion. Diesen kann man übrigens versiegelte Briefe schreiben oder mit Hile einer menschlichen Mediums in Kontakt mit ihnen treten.
Die Rituale des Caodismus entstammen dem Taoismus und Buddhismus, deshalb gibt es oft Seancen und Meditation.
Heute gibt es ungefähr zwei bis drei Millionen Anhänger in Vietnam. In Tay Ninh, nordwestlich von Saigon kann man – habe ich übrigens auch schon gemacht – den wunderschönen, farbenfrohen Hauptsitz des Caodismus bewundern.

Hao Hoa-Buddhismus

Im Jahre 1939 entdeckte der Mystiker Huynh Phu So im Mekong-Delta während einer Art Trance-Schlaf, wie man den Buddhismus richtig leben soll, übersetzt bedeutet es so viel wie „Friede und Freundlichkeit“. Nicht verwunderlich ist dann auch, dass die Gläubigen durch einfache Mittel wie Meditation, Fasten und Beten die Erleuchtung erhalten. Heilige oder Mittler werden nicht benötigt. Außerdem kann man ganz entspannt Zuhause beten und muss nicht ins Kloster.
Seiner Ansicht nach sind verschiedene Prinzipien besonders wichtig: die Hochachtung der Eltern durch ihre Kinder (Grüße an Mama und Papa, ich hoffe, das klappt meistens!?), der Verzicht auf Alkohol, Opium und Glücksspiel. Dieser Prinzipien sollte sich doch wirklich jeder mal annehmen, oder?

Christentum

Nachdem Missionare im 16. Jahrhundert ausgesprochen erfolgreich das Christentum in Vietnam eingeführt haben, lebt in Vietnam nach den Phillippinen die zweitgrößte Gemeinde südostasiatischer Christen. Circa acht bis zehn Prozent aller Vietnamesen sind katholisch. Aus diesem Grund findet man heute neben den vielen Tempeln und Pagoden in Hanoi auch einige Kirchen und darf – wenn auch selten oder durch das Hupen der Autos – leise mal das Läuten von Kirchenglocken genießen.
Übrigens gibt es seit 1911 auch den Protestantisms. Die Mehrzahl der circa 200.000 Anhänger ist die Bevölkerung von Bergvölkern im zentralen Hochland.

Islam

Vor allem die Anhörigen des Cham-Volks, die im Süden des Landes leben, sind Muslime. Insgesamt zählt der Islam 93.000 Gläubige in Vietnam. Nachdem nur kleine Teile des Korans ins Vietnamesische übersetzt sind, kennen nur wenige Vietnamesen dkennt kaum einer den kompletten Koran. Deshalb und da an das Leben hier angepasst, beten viele Cham-Muslime nur freitags, wobei oft auch orthodoxeren muslimischen Regeln gefolgt wird. Beispielsweise nimmt man die muslimischen Regeln nicht so genau. Der Ramadan dauert keinen Monat, sondern nur 3 Tage und über das Alkoholverbot wird gerne hinweggesehen. Der Verzicht von Schweinefleisch wird aber aufrechterhalten.

Hinduismus

Heute spielt der Hinduismus nur noch für indische Einwohner von Saigon, sowie die rund 60.000 Gläubigen Cham eine Rolle. Die hinduistischen Cham wohnen wie die muslimischen Cham vor allem an der zentralen Südküste. Besonders interessant ist die hinduistische Religion, die es schon seit dem 1. Jahrhundert in Vietnam durch indische Handelsleute gibt, heute noch in My Son, einer alten Stätte der Cham zu sehen. Hier kann man Symbole von Shiva, Ganesh und Visnuh bewundern.

 

Im Jahr 1997 fand die letzte staatliche Umfrage statt. Demnach soll es in Vietnam etwa 7,6 Millionen Buddhisten geben. Mit 5 Millionen Katholiken und 400.000 Protestanten liegt das Christentum auf Platz zwei. Zu verzeichnen sind außerdem 1,1 Millionen Caodaisten sowie 1,3 Millionen Hao Hoa und 93.000 Moslems.

Jeder, der schon mal in Vietnam war, mag sich jetzt vielleicht wundern. An gefühlt jeder Straßenecke sieht man doch einen Buddha. Wie kann die Zahl an Buddhisten dann doch so gering sein? Die Zahl berücksichtigt nur Menschen, die sich der reinen Lehre von Siddhartha Gautama zugehörig fühlen. Eine Vielzahl an Vietnamesen praktiziert jedoch eine Mischung aus Buddhismus, Animismus, Taoismus und Ahnenkult. So gesehen nennen sich zwei Drittel aller Vietnamesen Buddhisten.

Innerhalb von vielen Jahrhunderten schmolzen Konfuzianismus, Taoismus und Buddismus zusammen mit dem uralten vietnamesischen Animismus und chinesischem Volksglauben zur heutigen Tam Giao (Dreierreligion) zusammen. Mit dieser identifizieren sich heute viele Vietnamesen.

 

Du merkst bestimmt gerade schon, dass es echt schwierig ist, sich das ganze zu merken. Noch schwieriger ist es jedoch, das auch noch richtig zu verstehen. Mit diesem Türchen wollte ich dir jedoch wenigstens einen kleinen Einblick geben. Ich hoffe mal, das ist gelungen.

Ich glaube… jetzt reicht’s für heute.

Viele Grüße deine an-Heilig-Abend-einen-katholischen-Gottesdienst-auf-Englisch-besuchende Sophie

Sechszehntes Türchen – Chè is love

Sie sitzt vor mir, sieht mich mit einem riesigen Grinsen im Gesicht an und beginnt damit, zu erklären:
„If this were all foods in Vietnam“ (nun streckt sie mir eine ihrer Hände mit gespreizten Fingern entgegen)
Weiter geht‘s mit „that would be all kinds of Che“ und klappt nun zwei Finger zu.
Man sieht nur noch drei ausgestreckte Finger und sie schaut mich fragend an, ob ich das verstanden habe.
Meinem Blick kann sie Überraschung entnehmen. Damit hätte ich nämlich wirklich nicht gerechnet.

Nun aber mal von Anfang an. Wovon eine meiner Schülerinnen da begeistert spricht und warum sich bei mir ziemlich viel darum dreht, was es mit Weihnachten zu tun hat und vieles mehr findest du im heutigen, sechszehnten Türchen heraus.

Ach, wo soll ich anfangen, ohne gleich ins Schwärmen zu kommen? Vielleicht erst mal bei einer Definition.
Von was denn? Na von Chè, denn darum geht es heute!

Natürlich könnte ich dir jetzt meine recht einfache Definition von Chè liefern: „Chè is love“, aber vermutlich hilft dir das nicht sonderlich weiter.
Erst mal solltest du wissen, dass es sich bei Chè um Nahrung geht – wie in den meisten Türchen, wie mir jetzt aufgefallen ist.
Never mind, jetzt geht‘s wirklich los:
Chè ist ein Begriff für eigentlich jedes Getränk, jede Dessertsuppe und jede Art Pudding. Wichtig dabei ist, dass das Produkt süß schmeckt und eben noch aus Vietnam kommt, was jedoch nicht sonderlich verwunderlich sein sollte.
Varianten von Chè gibt es so viele, dass man sie gar nicht mehr zählen kann. Wie oben schon gesagt: 3 von 5 „Gerichte“ in Vietnam sind Chè.
Bei so vielen Arten ist auch mit vielen verschiedenen Zutaten zu rechnen:
Mungbohnen, Klebreis, Nüsse, Mandeln, Lotuskerne, Tapioka, schwarze Bohnen, Kidneybohnen, Jelly (in allen möglichen Formen und Farben), frische Früchte wie Mango, Durian, Jackfrucht, Litschi oder auch getrocknete Früchte und getoppt wird es oft mit einem Löffel Kokosnussmilch. Im Prinzip kann eigentlich alles in Chè hinein, Hauptsache es schmeckt!
Die wohl wichtigste Zutat ist jedoch mal mehr, mal weniger Zucker, damit es seinen süßlichen Geschmack erhält.

„A kaleidoscopic world of luminous colours, shifting shapes, unfamiliar textures, esoteric ingredients, and rich flavours“

so wird Chè auf einer anderen Website beschrieben. Klingt probierenswert, oder?

 

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie du weißt, was in deinem Chè drin sein wird, wenn du einfach nur „Chè“ bestellst. Jede Art von Chè hat zum Glück seinen eigenen Namen. Hinter den generell bedeutungslosen Begriff Chè wird ein beschreibendes Wort oder eine Phrase angehängt. Beispielsweise kann man oft „chè đậu đỏ“ bestellen, was wörtlich soviel wie „Rote Bohnen Chè“ bedeutet und übrigens richtig lecker ist.

Und da sind wir auch schon beim nächsten Thema: der Geschmack.
Nachdem man oft aus einer Vielzahl von verschiedenen Chès auswählen kann und es doch überall verschieden schmeckt, wird das Probieren nie langweilig. Mal heiß aus dem Topf, mal kalt mit Eiswürfeln. Mal als Getränk mit Strohhalm, mal puddingartig zum Löffeln. Mal das perfekte Dessert, mal super für zwischendurch. Mal sehr süß, mal erfrischend fruchtig mit leichter Süße. Aber immer richtig lecker.
Wenn schon die Definition von Chè mir so schwerfällt und für mich immer noch nicht 100% passt (besser kann ich es trotzdem nicht machen), dann kannst du dir bestimmt vorstellen, wie schwierig es ist, den Geschmack wenigstens annähernd zu erklären, bedenkt man die vielen Variationen.

Nun hatte ich angekündigt zu erklären, was Chè für mich mit Weihnachten zu tun hat. Selbst wenn das Fest in Vietnam in religiöser Hinsicht nicht praktiziert wird, sieht man in den Geschäften die Weihnachtsbäume stehen. Man hört Variationen von traditionellen Weihnachtsliedern durch Lautsprecher erklingen und irgendwie stellt sich bei mir doch langsam etwas Weihnachtsstimmung ein. Nur ein Funken, aber der ist genug, dass ich weiß, was ich an Weihnachten besonderes essen will. Es wird kein leckeres drei-oder-vier-oder-fünf-Sterne-und-Gänge-Menü von Mama geben, keinen Weihnachtsgittesdienst und so ziemlich alles wird anders sein. Für dieses kleine bisschen Weihnachten wünsche ich mir aber wie gesagt ein besonderes Essen: Chè Khoai.
An einer schönen spätsommerlichen Mittagspause war ich mit zwei Kolleginnen in einem Restaurant und habe kurzerhand (am Tag zuvor hatte ich mein erstes Chè gegessen) eine Schüssel Chè Khoai bestellt. Serviert wurden mir heiß gedämpfte Süßkartoffeln, die mit Zimt gekocht wurden und nun in warmem Kokosnussmilch-Pudding schwammen. Nach dem ersten Löffel wusste ich, das werde ich an Weihnachten essen! Die Kombination aus den weichen Süßkartoffeln, dem weihnachtlichen Zimt und anderen Gewürzen und die heiße Kokosnussmilch, wer könnte da schon widerstehen?

Meine Passion für Chè verbreite ich übrigens auch außerhalb dieses Blogs ordentlich:
Gestern beispielsweise – es insgesamt so ein schöner Tag – bin ich mit einem 26jährigen Kanadier auf dem Moped eine Stunde auf die Suche nach Chè gegangen. Als Essensexpertin für Vietnam (just kidding, ich kenne lang noch nicht alles. Leider…) habe ich ihm von meinen Erfahrungen mit Chè erzählt und kurzerhand wurde gemeinsam beschlossen, das süße Gericht in Da Nang irgendwo zu finden. Es war schon etwas später und viele Straßenläden hatten schon geschlossen, aber einer war noch geöffnet und hatte drei verschiedene Chès. Kurzerhand wurden alle drei bestellt und das Ergebnis lässt sich sehen:

Drei waren aber dann doch etwas viel. Aber wer würde einfach Chè wegwerfen? Das wäre ein Sakrileg! Mit vielen Pausen haben wir es doch noch geschafft.
Übrigens hat es ihm zu meiner Freude – nach meinem vielen Schwärmen wäre es peinlich gewesen, wenn nicht – super geschmeckt.

Ich bin mir sicher, dass es auch dir schmecken wird! Solltest du also mal nach Vietnam kommen, kann ich dir gerne noch ausführlichere Informationen zu Chè bereitstellen, aber für heute reicht es glaube ich. Genug geschwärmt!

Viele Grüße aus dem Nachtbus zurück nach Hanoi,
die nach-dem-Motto-Chè-is-Love-lebende Sophie

PS: Hier noch ein paar Bilder von Chè. Je komischer es aussieht, desto besser schmeckt es!

Fünfzehntes Türchen – Special Trip

Hallo zusammen! Für das fünfzehnte Türchen gibt es ein Special. Heute dürft ihr euch über einen Gastbeitrag von Theresa, meiner Mit-Freiwilligen und Mitbewohnerin in Hanoi freuen. Sie hat übrigens auch einen Blog, den ihr unter dem folgenden Link findet.

Und wer berichtet das Ganze?

Sehr lesenswert! Also schau doch mal rein.

Gemeinsam haben wir uns ins Mekong-Delta gewagt. Aber lies selbst.

 

Lieber Leser, liebe Leserin,

Wer durch Vietnam reist, besucht bestimmt auch den schönen Süden des Landes. Besonders berühmt ist hier das Mekong-Delta. In Ho Chi Minh Stadt bieten unzählige Reisebüros ein- oder mehrtägige Touren durch das Mekong-Delta und seine Sehenswürdigkeiten an. Die Programme ähneln sich stark und hören sich in etwa wie folgt an.

Sie beginnen Ihre Reise gegen 8 Uhr morgens, wenn Sie vom Hotel abgeholt werden. Sie fahren in unseren komfortablen Reisebussen nach My Tho und genießen unterwegs die schöne Landschaft des Mekong-Deltas. Nach einem Halt bei dem Tempel von Vinh Trang, um riesige Buddha-Statuen zu bewundern, kommen Sie in My Tho an.

Dort steigen Sie auf ein Motorboot um, fahren an der Drachen-, Einhorn- und Phoenix-Insel vorbei und können derweil deren schöne Natur bewundern.

Auf der Schildkröteninsel werden Sie mit Honigtee aus eigener Bienenzucht empfangen.

Sie haben die Gelegenheit, eine Kokosnuss-Bonbon Manufaktur zu besichtigen und erfahren, wie die berühmten Kokosnuss-Süßigkeiten hergestellt werden. Im Anschluss spazieren Sie weiter über die Insel und bekommen frische tropische Früchte serviert.

Während Sie diese essen, können Sie sich an traditioneller Musik, die live von Einheimischen gespielt wird, erfreuen.

In einer Pferdekutsche können Sie die Insel erkunden und sich von ihrer Natur bezaubern lassen. Es folgt eine Bootsfahrt im Ruderboot auf einem schmalen Kanal, während der Sie Kokosnüsse und Wasserkokosnüsse am Kanalufer bestaunen können.

Nach dem Besuch dieser Insel setzen Sie Ihre Reise im Bus fort und halten als nächstes in Can Tho, wo Sie einen atemberaubenden Sonnenuntergang miterleben können. Die Nacht verbringen Sie entweder im Drei-Sterne-Hotel oder in einem Homestay. Im Homestay ist ein delikates Abendessen mit inbegriffen.

An Tag zwei werden Sie früh nach einem stärkenden Frühstück mit dem Boot abgeholt und besichtigen den Schwimmenden Markt von Cai Rang im Morgenlicht. Sie haben die Gelegenheit das geschäftige Treiben der Einheimischen aus nächster Nähe mitzuerleben und sehen, wie die Ware von den größeren Handelsschiffen, die jeweils an einem Bambusstab ihr zu verkaufendes Produkt weithin sichtbar aufgehängt haben, auf die kleineren Boote wechselt.

Im Anschluss an den Besuch dieser berühmten Sehenswürdigkeit – dem größten schwimmenden Markt des Mekong-Deltas – können Sie eine Reisnudel- und Reisweinmanufaktur erkunden.
Schließlich brechen Sie mit dem Bus zurück nach Ho Chi Minh Stadt auf. Unterwegs wird noch Halt gemacht in einem Obstgarten mit tropischen Früchten. Sie können hier den lokalen Obstanbau und die Geflügelzucht entdecken.

Die voraussichtliche Ankunft in Saigon wird um 17.30 Uhr sein.

Klingt das nicht nach einer schönen Gelegenheit, das Mekong-Delta in zwei Tagen zu bereisen? Sophie und ich haben uns von diesen blumig geschriebenen Broschüren überzeugen lassen und brachen zu einer solchen Tour auf. Leider war es nicht ganz so authentisch, romantisch, exotisch und entspannend wie beschrieben. Diese Tour wird wie gesagt von sehr vielen Reisebüros angeboten und das nicht erst seit gestern. Das merkt man den zu besuchenden Orten an. Auf der Schildkröteninsel genossen wir einen wirklich leckeren Honigtee und wurden danach an unzähligen Souvenierständen vorbeigelotst zu einer kleinen Show-Fabrik des berühmten ‚Coconut Candy‘. Dort konnten die Verkäufer den Satz „Buy 5 get one free!“ unglaublich schnell aufsagen und animierten uns so nach dem Probieren dieser leckeren Kaubonobons zum Kaufen. Die folgende Kutschfahrt war sehr kurz und einen Sonnenuntergang konnten wir nur durchs Busfenster bewundern. Das Homestay, das wir gewählt hatten, war eher eine Feriensiedlung, die jedoch sehr leckeres Abendessen servierte.
Am nächsten Morgen war auf dem schwimmenden Markt leider nicht mehr so viel geschäftiges Treiben zu bewundern, dafür waren wir wahrscheinlich etwas zu spät dran. Die Besichtigung des Obstgartens war hingegen ganz interessant. Es ist wirklich erstaunlich zu sehen wie fest eine riesige und bestimmt auch schwere Jackfruit am Baum hängt.
Insgesamt war die Tour trotz der touristischen Aufmachung sehr schön, da wir nicht in der Hochsaison reisten und keine Unmengen an Touristen unterwegs waren. Um einen kurzen Einblick ins hochgelobte Mekong-Delta zu erlangen lohnte sich der Ausflug – und wir konnten einige tolle Fotos schießen. Wer einen authentischeren Ausflug machen möchte, sollte dies aber lieber nicht in einem 0815-Reisebüro buchen.

Theresa

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