Neunzehntes Türchen – Häh? Ich hör’s einfach nicht.

Da sitzen sie.
Drei junge Freiwillige.
Und eine fast genau so junge Lehrerin.
Die Lehrerin sagt etwas.
„Zwischen … und … ist doch ein Unterschied!“
Die Antwort einer Freiwilligen.
„Häh? Ich hör’s einfach nicht.“
Das Lachen der anderen beiden.
„Ich auch nicht.“

So oder so ähnlich geht es Nour, Theresa und mir ziemlich oft.

Wann? Jeden Donnerstag und Freitag für zwei Stunden.
Welcher Anlass? Beim vietnamesischen Sprachunterricht.
Warum? Weil ein Sprachkurs von kulturweit verpflichtend ist und die vietnamesische Sprache richtig schwierig ist.

Aber halt! Jetzt erst mal von Anfang an. Wir beginnen mit den allgemeinen Infos über Tiếng Việt, die vietnamesische Sprache:

Mehr als 84 Millionen Menschen haben Vietnamesisch als Muttersprache. Wirklich einig sind sich die Forscher noch nicht, mit welchen anderen Sprachen der Region es verwandt ist. Zugeordnet ist die vietnamesische Sprache jedoch der Viet-Muong-Sprachgruppe. Entlehnt wurden viele Begriffe aus dem Chinesischen und der Mon-Khmer-Sprache. Aber auch durch die lange Besatzung durch die Franzosen haben sich einige französische Wortelemente eingeschlichen. Am Bahnhof kann man beispielsweise das vietnamesische „ga“ lesen, welches vom französischen la gare abstammt. Schon ziemlich ähnlich, oder?
Im Vietnamesischen kann man drei Dialekte unterscheiden, wie auch das Land geografisch unterteilt wird: der Dialekt des Nordens, Zentralvietnams und des Südens. Wie Hochdeutsch gibt es in Vietnam Hochvietnamesisch, welches sich auf Grundlage der nördlichen Dialekte entwickelte.

Vietnamesisch ist (leider Gottes!) eine Tonsprache. Die Basics, also die Grundwörter bestehen normalerweise aus nur einer Silbe. Jetzt magst du dir vielleicht denken, dass es dann ja gar nicht so schwierig sein kann. Und doch liegst du falsch!
Jede Silbe trägt nämlich einen der insgesamt sechs möglichen Töne. Unterschiede gibt es in der Höhe, dem Verlauf, der Intensität und der Dauer. Nun ist es unabdingbar, sich um eine saubere Aussprahe der Laute zu bemühen, aber auch den entsprechenden Ton korrekt zu treffen. Was wenn nicht? Dann kann es zu unliebsamen Missverständnissen kommen, da viele lautlich gleiche Silben mit verschiedenen Tönen total unterschiedliche Bedeutungen haben.
Nehmen wir nun mal das Wort „bo“. Es kann Rindfleisch (bei Pho Bo, wer aufgepasst hat, weiß, was das gutes ist), Vater, Liebhaber, wegschmeißen, Butter, Ministerium oder Avocado heißen. Jetzt stell dir mal vor, in welche peinlichen Situationen man vor allem mit Liebhaber und Vater schlittern kannst…

Als Ausgleich dazu darf ich dir mitteilen, dass die Grammatik im Vietnamesischen wesentlich einfacher als im Deutschen ist (schwerer würde wohl kaum gehen). Sie folgt nämlich der strikten Regel Subjekt – Prädikat – Objekt. Auch mit schwierigen Formen wie Plusquamperfekt, Futur 2 oder einfach Präteritum muss man sich nicht herumschlagen. Die Zeitform wird nämlich nur aus dem Kontext hervor oder durch bestimmte Wörter (wie gestern, morgen) verdeutlicht.
Besondere Formen im Plural (wie der Apfel -> die Äpfel) gibt es auch nicht. Mithilfe von Zähleinheitswörter wird die Anzahl an Dingen verdeutlicht. Schön, oder?

Besonders faszinierend finde ich das noch: Ursprünglich hat im Vietnamesischen jedes Wort nur eine Silbe. Im Laufe der Jahre haben sich aber auch zweisilbige Wörter in den Wortschatz der Sprache eingeschlichen. Nehmen wir mal das Wort: chó. Spricht man vom Hund als Tier, sagt man con chó (Tier + Hund). Möchte man jedoch im Restaurant Hundefleisch bestellen – an dieser Stelle der Hinweis, dass ich das noch nie gemacht habe! Aber schon Hund am Spieß gesehen habe – sagt man thịt chó (Fleisch + Hund).

Noch kurz etwas zur Schrift: Schau dir doch mal den Titel meines Blogs an! Gar nicht so große Unterschiede zu unserer Schrift. Früher war das aber noch anders. Während der chinesischen Besatzungszeit wurden nämlich chinesische Schriftzeichen verwendet. Ende der 1620er-Jahre kam der Missionar Alexandre de Rhodes jedoch und hat die chinesischen Schriftzeichen kurzerhand in lateinische Buchstaben umgewandelt. Dabei musste er aber auch die vietnamesischen Tonhöhen beachten. Aus diesem Grund hat er die im Griechischen üblichen diakritischen Zeichen verwendet und so eingefügt, dass man nun Vietnamesisch lesen konnte.

Insgesamt hat das vietnamesische Alphabet 30 Lautzeichen vorzuweisen. Viele werden wie im Deutschen ausgesprochen. Leider jedoch nicht alle, was das ganze wirklich schwierig macht.

Und da sind wir auch schon beim Punkt. Vietnamesisch ist richtig schwierig!
Ich kann dir nicht mal sagen, was genau die Sprache so schwierig macht. Vielleicht ist es einfach die Kombination aus vielen verschiedenen Dingen:

Natürlich kann ich einen Text als wäre es ein deutscher Text vorlesen und mit viel Ach und Krach auch noch relativ die richtigen Betonungen vortragen. Aber meistens passt es halt doch nicht.
Natürlich kann ich mich bemühen, mir die Wörter zu merken. Aber meistens klappt es halt doch nicht. Das Vokabular ist einfach so weit entfernt vom Deutschen, Englischen oder Lateinischen, dass ich keine Verbindungen ziehen kann.
Natürlich versuche ich, die Wortstellungen im Satz zu lernen. Aber meistens bleibt es einfach nicht im Kopf.
Natürlich versuche ich, die Unterschiede bei vier verschiedenen „bo“s zu hören. Aber meistens höre ich es nicht. Selbst nach dem zehnten Mal Vorsprechen von Van, unserer lieben Vietnamesischlehrerin, bleibt das „Häh? Ich hör’s nicht!“

Am wohl enttäuschendsten ist und bleibt jedoch die Tatsache, dass viele Vietnamesen – so vermute ich zumindest stark – mich gar nicht verstehen wollen. Wenn ich im Restaurant nach dem Preis auf Vietnamesisch frage und mich dabei richtig toll fühle und der Kellner einfach auf Englisch antwortet. Du hast wirklich keine Ahnung, wie enttäuschend das sein kann.

Und trotzdem darf ich stolz behaupten, dass mir die Sprache auch Spaß macht.
Wenn ein Kellner doch mal auf Vietnamesisch antwortet. Wenn am Hoan Kiem See ein alter Mann fragt, woher du kommst, du die Frage verstehst und auch noch antworten kannst. Wenn du dein Essen alleine bestellen kannst und oft sogar verstehst, was du gerade geordert hast. Wenn du endlich weißt, was Mann und Frau auf Vietnamesisch heißt und du mit Sicherheit die richtige Toilette wählen kannst. Wenn du bekannte Wörter bei Gesprächen der Schüler verstehst und dir auf Nachfrage bestätigt wird, dass es stimmt. Wenn du dem Uberfahrer endlich die Straße und die Hausnummer auf Vietnamesisch sagen kannst und er dich versteht (haben sie lange nämlich nicht, aber jetzt habe ich den Dreh raus). Wenn viele viele Schüler um dich herum stehen und dir die Vietnamesisch-Hausaufgabe erklären und dir so viel wie möglich mit großer Begeisterung beibringen wollen. Und auch, wenn dir ein Schüler – ganz geheimnisvoll und flüsternd, damit die Lehrerin davon keinen Wind bekommt – ein wirklich schreckliches Schimpfwort beibringt und begeistert grinst, wenn du es richtig ausgesprochen hast.

Am schönsten war bis jetzt jedoch ein Erlebnis in einer zehnten Klasse und wenn ich daran denke, kommt mir wieder ein Lächeln auf die Lippen: Die Schüler haben eine Stunde lang nach den Semesterprüfungen wiederholt, wie man sich auf Deutsch ordentlich vorstellt mit Name, Alter, Familienmitglieder, Hobbys, …
Nun kann ich das auf Deutsch natürlich auch, aber Deutsch ist ja „langweilig“. Warum also nicht auf Vietnamesisch? Nachdem ich das der Lehrerin vorgeschlagen hatte und ich nach ihrer Erlaubnis aufgestanden war, war der große Moment gekommen und ich fing an mit „tôi tên là Sophie“ und die komplette Klasse jubelte und applaudierte. Die restlichen Sätze ging es so weiter und als ich fertig war und die Stunde zuende, habe ich mich über mehr strahlende Gesichter und einige „Auf Wiedersehen“ ’s mehr als normal freuen dürfen.

Genau das ist die Sache, dass man Respekt für das Land zeigt, in dem man temporär lebt, dessen Kultur man erleben möchte, dessen Menschen man kennenlernen möchte. Ich finde es ist das Mindeste für mich, diese Sprache wenigstens in ihren Grundzügen zu lernen. Wenigstens so weit, dass ich ein wenig Konverstation betreiben kann und der Person gegenüber so mein Interesse und meine Wertschätzung für ihr Land zeigen kann. Und auch meine Liebe für das Land. Ich kann stolz sagen:

Tôi yêu Việt Nam!“

Ich liebe Vietnam!

Liebe Grüße sendet die hart-mit-der-vietnamesischen-Sprache-kämpfende Sophie

 

 

 

Sechszehntes Türchen – Chè is love

Sie sitzt vor mir, sieht mich mit einem riesigen Grinsen im Gesicht an und beginnt damit, zu erklären:
„If this were all foods in Vietnam“ (nun streckt sie mir eine ihrer Hände mit gespreizten Fingern entgegen)
Weiter geht‘s mit „that would be all kinds of Che“ und klappt nun zwei Finger zu.
Man sieht nur noch drei ausgestreckte Finger und sie schaut mich fragend an, ob ich das verstanden habe.
Meinem Blick kann sie Überraschung entnehmen. Damit hätte ich nämlich wirklich nicht gerechnet.

Nun aber mal von Anfang an. Wovon eine meiner Schülerinnen da begeistert spricht und warum sich bei mir ziemlich viel darum dreht, was es mit Weihnachten zu tun hat und vieles mehr findest du im heutigen, sechszehnten Türchen heraus.

Ach, wo soll ich anfangen, ohne gleich ins Schwärmen zu kommen? Vielleicht erst mal bei einer Definition.
Von was denn? Na von Chè, denn darum geht es heute!

Natürlich könnte ich dir jetzt meine recht einfache Definition von Chè liefern: „Chè is love“, aber vermutlich hilft dir das nicht sonderlich weiter.
Erst mal solltest du wissen, dass es sich bei Chè um Nahrung geht – wie in den meisten Türchen, wie mir jetzt aufgefallen ist.
Never mind, jetzt geht‘s wirklich los:
Chè ist ein Begriff für eigentlich jedes Getränk, jede Dessertsuppe und jede Art Pudding. Wichtig dabei ist, dass das Produkt süß schmeckt und eben noch aus Vietnam kommt, was jedoch nicht sonderlich verwunderlich sein sollte.
Varianten von Chè gibt es so viele, dass man sie gar nicht mehr zählen kann. Wie oben schon gesagt: 3 von 5 „Gerichte“ in Vietnam sind Chè.
Bei so vielen Arten ist auch mit vielen verschiedenen Zutaten zu rechnen:
Mungbohnen, Klebreis, Nüsse, Mandeln, Lotuskerne, Tapioka, schwarze Bohnen, Kidneybohnen, Jelly (in allen möglichen Formen und Farben), frische Früchte wie Mango, Durian, Jackfrucht, Litschi oder auch getrocknete Früchte und getoppt wird es oft mit einem Löffel Kokosnussmilch. Im Prinzip kann eigentlich alles in Chè hinein, Hauptsache es schmeckt!
Die wohl wichtigste Zutat ist jedoch mal mehr, mal weniger Zucker, damit es seinen süßlichen Geschmack erhält.

„A kaleidoscopic world of luminous colours, shifting shapes, unfamiliar textures, esoteric ingredients, and rich flavours“

so wird Chè auf einer anderen Website beschrieben. Klingt probierenswert, oder?

 

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie du weißt, was in deinem Chè drin sein wird, wenn du einfach nur „Chè“ bestellst. Jede Art von Chè hat zum Glück seinen eigenen Namen. Hinter den generell bedeutungslosen Begriff Chè wird ein beschreibendes Wort oder eine Phrase angehängt. Beispielsweise kann man oft „chè đậu đỏ“ bestellen, was wörtlich soviel wie „Rote Bohnen Chè“ bedeutet und übrigens richtig lecker ist.

Und da sind wir auch schon beim nächsten Thema: der Geschmack.
Nachdem man oft aus einer Vielzahl von verschiedenen Chès auswählen kann und es doch überall verschieden schmeckt, wird das Probieren nie langweilig. Mal heiß aus dem Topf, mal kalt mit Eiswürfeln. Mal als Getränk mit Strohhalm, mal puddingartig zum Löffeln. Mal das perfekte Dessert, mal super für zwischendurch. Mal sehr süß, mal erfrischend fruchtig mit leichter Süße. Aber immer richtig lecker.
Wenn schon die Definition von Chè mir so schwerfällt und für mich immer noch nicht 100% passt (besser kann ich es trotzdem nicht machen), dann kannst du dir bestimmt vorstellen, wie schwierig es ist, den Geschmack wenigstens annähernd zu erklären, bedenkt man die vielen Variationen.

Nun hatte ich angekündigt zu erklären, was Chè für mich mit Weihnachten zu tun hat. Selbst wenn das Fest in Vietnam in religiöser Hinsicht nicht praktiziert wird, sieht man in den Geschäften die Weihnachtsbäume stehen. Man hört Variationen von traditionellen Weihnachtsliedern durch Lautsprecher erklingen und irgendwie stellt sich bei mir doch langsam etwas Weihnachtsstimmung ein. Nur ein Funken, aber der ist genug, dass ich weiß, was ich an Weihnachten besonderes essen will. Es wird kein leckeres drei-oder-vier-oder-fünf-Sterne-und-Gänge-Menü von Mama geben, keinen Weihnachtsgittesdienst und so ziemlich alles wird anders sein. Für dieses kleine bisschen Weihnachten wünsche ich mir aber wie gesagt ein besonderes Essen: Chè Khoai.
An einer schönen spätsommerlichen Mittagspause war ich mit zwei Kolleginnen in einem Restaurant und habe kurzerhand (am Tag zuvor hatte ich mein erstes Chè gegessen) eine Schüssel Chè Khoai bestellt. Serviert wurden mir heiß gedämpfte Süßkartoffeln, die mit Zimt gekocht wurden und nun in warmem Kokosnussmilch-Pudding schwammen. Nach dem ersten Löffel wusste ich, das werde ich an Weihnachten essen! Die Kombination aus den weichen Süßkartoffeln, dem weihnachtlichen Zimt und anderen Gewürzen und die heiße Kokosnussmilch, wer könnte da schon widerstehen?

Meine Passion für Chè verbreite ich übrigens auch außerhalb dieses Blogs ordentlich:
Gestern beispielsweise – es insgesamt so ein schöner Tag – bin ich mit einem 26jährigen Kanadier auf dem Moped eine Stunde auf die Suche nach Chè gegangen. Als Essensexpertin für Vietnam (just kidding, ich kenne lang noch nicht alles. Leider…) habe ich ihm von meinen Erfahrungen mit Chè erzählt und kurzerhand wurde gemeinsam beschlossen, das süße Gericht in Da Nang irgendwo zu finden. Es war schon etwas später und viele Straßenläden hatten schon geschlossen, aber einer war noch geöffnet und hatte drei verschiedene Chès. Kurzerhand wurden alle drei bestellt und das Ergebnis lässt sich sehen:

Drei waren aber dann doch etwas viel. Aber wer würde einfach Chè wegwerfen? Das wäre ein Sakrileg! Mit vielen Pausen haben wir es doch noch geschafft.
Übrigens hat es ihm zu meiner Freude – nach meinem vielen Schwärmen wäre es peinlich gewesen, wenn nicht – super geschmeckt.

Ich bin mir sicher, dass es auch dir schmecken wird! Solltest du also mal nach Vietnam kommen, kann ich dir gerne noch ausführlichere Informationen zu Chè bereitstellen, aber für heute reicht es glaube ich. Genug geschwärmt!

Viele Grüße aus dem Nachtbus zurück nach Hanoi,
die nach-dem-Motto-Chè-is-Love-lebende Sophie

PS: Hier noch ein paar Bilder von Chè. Je komischer es aussieht, desto besser schmeckt es!

Vierzehntes Türchen – Der Preis ist heiß

„Puh, 80.000 VND für dieses Essen ist echt zu viel!“

„Sollen wir einfach bei einem anderen Restaurant schauen?“

„Auf jeden Fall! So gut kann das Essen gar nicht sein…“

Ein typisches Gespräch bei der Suche nach einer guten Straßenküche oder einem Restaurant in meiner Zeit in Vietnam.
Nun magst du dich vermutlich fragen – vorausgesetzt du hast das letzte Türchen (aufmerksam) gelesen, wenn nicht, solltest du das zuerst machen – ob das ein Scherz sein soll. Umgerechnet sind 80.000 Dong nicht mal 3€ und das für eine vollwertige Mahlzeit. Und doch ist es kein Witz, sondern ganz ernst gemeint. Die Preise in Vietnam sind nämlich besonders und darum soll es heute gehen.

Fangen wir doch gleich mal mit Essen an. Generell hängen die Kosten für das leibliche Wohl natürlich immer davon ab, wo man isst. Am günstigen und meiner Meinung nach meist am besten speist man in einer der unzähligen Straßen- oder Garküchen. Ab 20.000 VND kann man mit einer leckeren und meist recht großen Mahlzeit rechnen. Eine ordentliche Schüssel Pho gibt es oft für 30.000 VND, was gerade mal 1,20€ entspricht und geschmacklich viel, viel mehr wert ist. Aber auch Gerichte wie Bun Cha oder einen Teller Reis mit verschiedenen Beilagen bekommt man ab 25.000 VND.

Für 30.000 VND pappsatt

Das Bia Ha Noi, also das Hanoier Bier, welches viel besser schmecken soll als das Bia in Saigon, gibt es pro Glas oft schon für 5.000 VND, was circa 20 Cent entspricht. Ausprobiert habe ich nämlich nur das Hanoier Bier, das hat mir als Nicht-Biertrinkerin dann aber schon gereicht. Oft gibt es ganze Läden, die sich „Bia Hoi Ha Noi“ nennen. In diesen sieht man meist männliche Vietnamesen mit ihren Plastikgläsern voll mit Bier auf kleinen Stühlchen sitzen und dabei Erdnüsse knabbern, lachen und lautstark über irgendwas sprechen. Ach ja, Essen gibt es dort auch. Besonders schön war es einmal, als Nour und ich uns in eins dieser Geschäfte gewagt haben und ein älterer Vietnamese mit etwas Englischkenntnissen uns, da wir ja das erste Mal in Vietnam sind, mit einem Bier auf ihn und „Welcome in Vietnam“ freudig in seinem Land willkommen geheißen hat. Das war wirklich ein schönes Erlebnis, wenngleich es 12 Uhr mittags vielleicht nicht die richtige Zeit für Bier war.

Mit Bia und „Welcome in Vietnam“

Besonders schätze ich die Preise für Smoothies. Gegenüber des Literaturtempels, nur 10 Minuten von „meiner“ Wohnung entfernt gibt es frische Smoothies für gerade mal 25.000 VND, also einen Euro und man kann sich drei Obstsorten aussuchen und bei der Zubereitung zusehen. Dir das zu verschweigen, nachdem ich diese Smoothies liebe, wäre eine Schande gewesen.

Der Preis der Getränke ist wie beim Essen aber natürlich davon abhängig, wo man verkehrt. In den ersten Tagen in Hanoi habe ich beispielsweise immer im touristischen Old Quarter gegessen, da die Preise dort auf Plakaten groß präsentiert werden. Der Touri-Zuschlag ist dann natürlich gleich mit inbegriffen. Mit wachsender Erfahrung und wachsendem Vietnamesisch-Wortschatz traue ich mich jedoch inzwischen auch in Straßenküchen, die keine Preise angeschrieben haben.

Obwohl Essen und Trinken meine Haupt-Lebensinhalte in Vietnam sind, ganz ehrlich, gibt es auch andere Dinge, die Geld bedürfen.

Shopping zum Beispiel! Spaziert man fröhlich durch die vollen Straßen Hanois, aber auch Saigons und Hoi Ans, sieht man viele tolle Kleidungsstücke. Sie warten nur darauf, anprobiert und gekauft zu werden. Geht man in einen der „Made in Vietnam“ Läden findet man oft Markenkleidung, die im Land überschüssig produziert wurde, für meist viel weniger als die Hälfte des Originalpreises. Aber auch in den touristischen Gegenden wird viel feilgeboten. Überall sieht man die quadratischen „Fjalkraven“Rucksäcke, die man mit Verhandlungsgeschick für 8€ bekommt und ich darf mich stolze Besitzerin eines eben solchen Rucksacks nennen.

Übrigens: Handeln ist in Vietnam Pflicht. Vor allem in touristischen Gegenden sollte man mit der Hälfte des Preises anfangen und sich dann sehr langsam steigern. Auf einem Markt in Saigon haben Theresa und ich es beispielsweise geschafft, von 500.000 VND auf 250.000 VND für einen Pullover zu gehen. Ziemlich gut wie ich finde.

Aber auch bei Obst und anderen Lebensmitteln, die auf der Straße angeboten werden, ist Handeln angesagt. Es geht nicht darum, den Preis stark zu senken, sondern einfach um das Prinzip. Wie gesagt: Handeln ist Pflicht.

Nicht vergessen sollte man jedoch, dass man beim Handeln den richtigen Ton wählt. Undenkbar für Vietnamesen ist es nämlich, sein Gesicht zu verlieren. Aus diesem Grund sollte man ruhig, aber clever verhandeln. Mit einem Lächeln auf den Lippen wird der Preis übrigens meist noch besser.

Toll sind die Preise, wenn man von einem an einen anderen Ort kommen möchte. Mit Uber oder Grab wird man meist zuverlässig – über das Gegenteil könnte ich dir stundenlang Geschichten erzählen – von A nach B transportiert. Und das für kleines Geld. Innerhalb von 13 Minuten legt man beispielsweise 2,29 Kilometer für gerade mal 22.000 VND zurück. Zusätzliches Plus: So gut wie immer gibt es „Special Promos“, mit denen man mal für den halben Preis, mal für 10.000 VND weniger ans Ziel befördert wird. Das Adrenalin beim Mopedfahren inklusive.

Erfreulich finde ich auch die Eintrittspreise für jegliche Art von Kultur. In viele Museen kommt man schon für 30.000 VND. Die Tatsache, dass Vietnamesen für ihre Eintrittskarten wesentlich weniger als Ausländer bezahlen, ist ein toller Weg, den Leuten vor Ort Kultur attraktiver nahebringen zu können.

Ich könnte dir noch viele andere Preise aufzählen, aber merken kannst du dir sie wahrscheinlich doch nicht. Also lass ich das jetzt lieber sein.

Ein Thema möchte ich jedoch nicht unerwähnt lassen: Das Durchschnittseinkommen in Vietnam liegt bei 173 Dollar pro Monat. Mit diesem Geld müssen Wohnung, Strom, Wasser, Essen, Kleidung und alles andere, was man zum Leben braucht bezahlt werden.

Da wir mit einem ganz anderen Verständnis für Geld aufwachsen, sind für mich 30.000 VND nicht so viel Geld. Für einen Vietnamesen oder eine Vietnamesin jedoch schon.

Und selbst wenn man überall liest, dass Vietnam ein so günstiges Reiseland ist, muss man doch bedenken, dass die Menschen hier von genau diesem Geld überleben müssen.

Mich beschäftigt oft dieser Unterschied, was man dagegen machen kann und wie ich mich damit zu fühlen habe. Die Lösung: Keine Ahnung. Gefunden habe ich sie leider noch nicht.

Viele Grüße aus Hoi An sendet dir

die in-einem-sehr-günstigen-Hostel-lebende Sophie

Elftes Türchen – in der Höhle des Drachen

Die Geschichte eines kleinen Hobbits hat vor einigen Jahren alle Fantasyfans und viele, die sich dafür eigentlich nicht interessieren, mitgerissen. Man hat mitgefiebert, wie es ihm ergehen wird, was er erleben wird, ob am Ende alles gut wird und wie sich die Sache mit dem Drachen entwickeln wird.

Eben dieser Drache – Smaug war sein Name – hat den Reiz der dreiteiligen Filmreihe erst ausgemacht. Dieser riesige Drache in seiner Höhle voll von Gold, schimmernd durch die vielen, vielen Lichter, von riesigem Ausmaß.

Kaum vorzustellen, wie das wäre, in dieser Höhle zu stehen. Bestimmt wunderschön, kaum von dieser Erde und atemberaubend.

Hier ein Video vom Film mit dem wunderschönen und ebenso atemberaubenden Lied „I See Fire“ von Ed Sheeran:

Bestimmt fragst du dich schon, was das ganze jetzt mit Vietnam und dem elften Türchen zu tun hat. Natürlich zu recht!

Und doch hat es meiner Meinung nach mit Vietnam zu tun. Ich war zwar nicht in DER Höhle von Smaug im Einsamen Berg, aber es hat sich fast so angefühlt. Wunderschön, kaum von dieser Erde und atemberaubend.

Aber jetzt erst mal von Anfang an:

Nachdem ich in Hue eine Free Walking Tour am ersten Tag gemacht und am darauf folgenden Tag im Rahmen einer ganztägigen City Tour gefühlt ganz Hue kennengelernt hatte, entschied ich mich, am dritten Tag etwas außerhalb zu unternehmen.

Nach langem Hin und Her – es gibt so viele lockende Angebote und Touren, da ist die Entscheidungsfindung wirklich hart – habe ich mich für eine Ganztagestour in die Paradieshöhle entschieden. Kleiner Spoiler: Es hat sich wirklich gelohnt!

Mit dem Bus ging es um 6:30 Uhr los, was angesichts der Tatsache, dass ich mich am Abend zuvor (oder sollte ich in der Nacht sagen!?) sehr gut mit einem Chilenen und einem Mexikaner im Hostel unterhalten habe, schon recht früh war.

Nach eineinhalb Stunden Busfahrt hielten wir bei der „Lady of La Vang“ an, einer ziemlich verrückten Kirche und Gedenkstätte. Der Legende nach sollen katholische Gläubige im Jahr 1798 wegen religiöser Verfolgungen Unterschlupf im Wald von La Vang gesucht haben. Eines Tages, als die Gläubigen Rosenkränze beteten und um den Schutz Gottes baten, erschien ihnen „the virgin mother in her extreme beauty and splendour“. Nachdem sie den Menschen Schutz und Hilfe ausgesprochen hatte, wurde sie verehrt und der Ort gilt nun als Pilgerstätte. Vor allem optisch ist der Open-Air-Altar sehr, naja, wie soll man sagen, experimentell!? Aber sieht selbst:

 

Nach zwei weiteren Stunden Busfahrt gab es Mittagessen. Besonders gefreut hat mich, abgesehen davon, dass es echt lecker war, die Tatsache, dass wir „typisch Vietnamesisch“ gegessen haben. Das bedeutet: Man hat viele kleine Teller mit köstlichen (natürlich vietnamesischen) Speisen auf dem Tisch stehen. Jeder kann sich von den Tellern nehmen, wonach ihm gerade ist, befördert dieses Essen erst in sein Schüsselchen und danach in seinen Mund. Wichtig dabei: Der Zwischenschritt, dass man erst alles in die kleinen Schüsseln legt, bevor man isst. Gleich zu essen, gilt als absolutes No-Go! Ein klarer Vorteil dieser Tradition ist außerdem, dass man mit den Mitessern, nein, also den Menschen, die auch an der Mahlzeit teilnehmen, durchgehend redet. Schon allein deshalb, weil man sonst keinen Teller gereicht bekommt.

Wenig später sind wir nach insgesamt vier Stunden Busfahrt durch die wunderschöne, jedoch durch die grauen Wolken nicht ganz so strahlende Landschaft am Ziel angekommen, dem Ticketschalter am Eingangsbereich in mitten des Phong Nha-Ke Bang Nationalparks. Mit einem „Buggie“ ging‘s zehn Minuten bis zu dem Punkt, wo man mit einem solchen Gefährt nicht mehr weiterkommt. Zu Fuß stapften wir angeblich 570 Meter bis zum Höhleneingang, angefühlt hat es sich jedoch nach einigem mehr, da es stets bergaufwärts ging. Dafür wurde man schon beim „Wandern“ mit einer tollen Aussicht auf den Park belohnt.

 

Endlich war der Zeitpunkt gekommen, es ging in die Höhle! Und nach einigen Stufen abwärts könnte man einen ersten Blick auf die lang erwartete Höhle werfen.

Der Name eben dieser, Thiên-Đường-Höhle, bedeutet so viel wie Paradieshöhle und diesem wird die Höhle definitiv gerecht.

Je weiter man hinabsteigt, desto mehr Sicht bekommt man auf die mehrere Millionen Jahre alten Stalaktiten und Stalagmiten. Verschiedenste Formationen erinnern an Dinge aus dem alltäglichen Leben und doch fühlt es sich an wie in einer anderen Welt. Den Kopf legt man in den Nacken und mit offenem Mund läuft man den insgesamt einen Kilometer zugänglichen Weg durch die Höhle. Geredet wird dabei fast gar nicht, die Atmosphäre ist zu besonders und die Aussicht wirklich atemberaubend.

Ganz ehrlich, mir fehlen die Worte, selbst jetzt einige Stunden nachdem ich die Höhle wieder verlassen habe. Mir fehlen die Worte, der Schönheit dieser Höhle in irgendeiner Weise in Worten Ausdruck zu verleihen. Und alles, was ich hier schreiben würde, würde einfach nicht reichen.

Aus diesem Grund habe ich dir hier einige Bilder aus der Höhle zusammengestellt und außerdem ein Video von der Höhle.

Natürlich weiß ich, dass auch die Bilder nicht alles zeigen, bei weitem nicht. Und doch möchte ich sie mit dir teilen, damit du wenigstens ein bisschen Einblick in meine Faszination für diese Höhle bekommst und dir dieses „Paradies“ vorstellen kannst.

Nun mach nochmal das Lied vom Anfang an und sieh dir die Bilder in aller Ruhe an. Stell dir vor, dass du gerade durch die steilen Treppen am Einfang trittst und Stufe für Stufe mehr von dieser Höhle zu sehen bekommst. Und am Ende der Höhle triffst du vielleicht den Drachen, der majestätisch seine Flügel aufschlägt und durch die Höhle fliegt. Durch die paradiesische Höhle des Drachen!


Viele Grüße von der immer noch staunenden Sophie

Zehntes Türchen – Obamas Liebe

Bestimmt kennst du die große Liebe vom vorherigen Präsidenten der USA: Michelle Obama.
Vielleicht magst du dich jetzt fragen, warum Sophie heute einen Blogeintrag über die ehemalige First Lady schreibt. Aber keine Sorge! Auch wenn der Titel dieses Türchens danach anmuten mag, soll es heute um eine andere Liebe Obamas gehen! Und um meine ebenfalls.

„bún chả“*

Als der damals amtierende Präsident der Vereinigten Staaten nämlich in Vietnam war, verliebte er sich durch ein ganz besonderes Gericht in die vietnamesische Küche. Du magst es schon vermuten, durch eben jene Bun Cha.

Als Sophie damals – naja, vor drei Monaten eben – in Vietnam war, verliebte sie sich unter anderem durch ein ganz besonderes Gericht in die vietnamesische Küche. Du magst es schon vermuten, durch eben jene Bun Cha.

Hanoi ist nicht nur eine Stadt besonderer Sehenswürdigkeiten und Landschaft, sondern auch bekannt als eine Gegend besonderer kulinarischer Genüsse in Vietnam. Dort kannst du so viele verschiedene, leckere Gerichte finden. Ein besonderes, wie du bestimmt schon anhand der ersten Sätze gemerkt hast, ist Bun Cha. Dieses einfache, aber einfach geniale Gericht ist eine tolle Mischung aus herzhaft und frisch. Es hat viele geschmackliche Besonderheiten und begeistert durch die Harmonie von frischem Gemüse und Fleisch.

So genau weiß niemand, wann und von wem Bun Cha „erfunden“ wurde, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass diese Person ziemlich genial war. Mit der Zeit wurde Bun Cha eines der berühmtesten Gerichte in Vietnam und das zu Recht!

Nun kommen wir aber erst mal dazu, was Bun Cha ist und später zu der Frage, warum sie sogar von Obama geliebt wird.

Was ist Bun Cha?

Auf dem Heimweg von der Schule entdeckt, probiert, geliebt: Bun Cha!
Und so sieht sie aus, lecker, oder?

Bun Cha ist ein lokales Gericht aus der Hauptstadt Vietnams, Hanoi. Man findet zwar über ganz Vietnam verteilt viele Gerichte, die in ihrer Zubereitung an Bun Cha erinnern, wie beispielsweise im Süden Vietnams Bun Thit Nuong. Dennoch muss ich sagen, dass Bun Cha einfach unschlagbar ist. Zumal ich ja in Hanoi lebe, wie könnte ich das dann nicht mögen!?

Das einfache Gericht kann man überall und das ganze Jahr über finden.
Egal, ob du in einem edlen Restaurant auf bequemen Stühlen oder an der Straße auf kleinen blauen, weniger bequemen Stühlchen Bun Cha genießt, sind die Zutaten stets die selben:
Serviert werden ein Teller mit Bun (die weißen dünnen Reisnudeln, du siehst, auch hier ist wieder Reis drin), eine Schüssel mit Brühe und gegrilltem Schweinefleisch und ein Schälchen mit frischen Kräutern.

Die Nudeln, Bun genannt, werden als großer Haufen auf einem Teller serviert. Die Hanoier/Hanoianer/Hanoies (ich hab so gar keine Ahnung, wie man sie nennt…) sind sehr anspruchsvoll beim Thema Essen. Das sieht man schon allein bei der Auswahl ihrer Nudeln für das jeweilige Gericht. Bei Bun Cha haben die Bun dünn, weich und kaufähig zu sein.

Der Fokus bei diesem Essen liegt auf Cha, also dem Fleisch. In einer Schüssel werden zwei verschiedene Kocharten von Schweinefleisch serviert: Cha Vien (eine Art Hackfleisch, das zu „Minifleischküchle“ geformt wird) und Cha Mieng (dünn aufgeschnittenes, gegrilltes Fleisch).

Das Highlight von Bun Cha bleibt jedoch die Brühe, welche das Gericht erst besonders macht. Um eine süße und gleichzeitig etwas sauere Brühe zu kreieren, verwendet der Koch Fischsauce, Essig und braunen Zucker. Obwohl die Zutaten simpel sind, schmeckt jede Sauce verschieden. Das Verhältnis der Elemente macht jede Bun Cha anders. Ob eine Bun Cha gut oder schlecht ist, wird also anhand der Brühe bewertet.
In der Brühe sind meist noch hauchdünn geschnittene Karotten- und Papaya-Stückchen, welche die Geschmacksvielfalt nochmals erweitern.

Ohne ein weiteres Schälchen wären vietnamesische Gerichte nicht komplett. Zu finden darin sind frischer Salat, Thai Basilikum, eine besondere Art Minze, Bananenblume und Koriander.

Wann isst man Bun Cha?

In der Vergangenheit wurde dieses Gericht nur zu Mittag gegessen. Heutzutage, nachdem Läden oft von früh morgens bis spät abends geöffnet haben, kann man Bun Cha zu welcher Mahlzeit auch immer essen.

Wie isst man Bun Cha?

Es gibt eigentlich keinen falschen Weg, das zu essen. Hauptsache ist, dass man Bun Cha isst!
Wie auch immer, es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, das Gericht zu verspeisen: die nördliche und die südliche Variante.

Im Süden Vietnams wird generell alles und zwar wirklich so gut wie alles gerollt und „eingepackt“ wie bei einem Wrap.
Wenn du es also magst, dein Essen kompakt einzurollen, nimmst du ein großes Salatblatt, packst das Fleisch, die Nudeln und die Kräuter darauf und rollst das ganze. Jetzt dippst du das Ganze in die Brühe und nimmst einen großen Bissen.
Der größte Vorteil davon ist definitiv, dass du mit deinen Händen essen kannst und es so egal ist, wie gut du mit Essstäbchen umgehen kannst.

Falls du aber zeigen möchtest, welche Essstäbchen-Ess-Fähigkeiten du (entwickelt) hast, solltest du die Hanoier Variante wählen! Die nördliche Art, Bun Cha zu verzehren ist wesentlich einfacher. Alles, was du zu tun hast, ist, Fleisch, Nudeln und Kräuter in die Brühe zu befördern, ordentlich zu mischen und es dann wie eine Schüssel Pho zu essen.
Nachdem die Nudeln in Kombination mit der Brühe glitschig werden, kann dieser Weg sowohl lustig als auch herausfordernd sein, wenn man kein Esstäbchen-Meister ist.
Nun weißt du, wie Profis also Bun Cha essen.
Das kannst du jetzt gleich machen!
Vorausgesetzt du hast gerade eine Portion Bun Cha vor die stehen…

Warum liebt Obama dieses Gericht?

Bun Cha ist ein sehr simples Essen, das man recht schnell zubereiten kann und auch an Straßenküchen und in Restaurants fix serviert bekommt. Schon allein der Geruch der gegrillten Fleischs und der Brühe lassen mir und mit großer Wahrscheinlichkeit Obama das Wasser im Mund zusammenlaufen. Vermutlich genau so sehr, wie wenn er seine Michelle sieht.
Und dann der Geschmack! Unschlagbar, göttlich und so vielfältig.
Ach je, ich komme ins Schwärmen und unter der Annahme, dass du nicht die Möglichkeit hast, jetzt zu einem Restaurant oder einer Straßenküche zu gehen und eine frische Bun Cha zu genießen, beende ich nun mein Plädoyer für dieses Essen.

Zu sagen bleibt nur noch: Wenn du nach Vietnam und (am besten für Bun Cha) Hanoi kommst, führt kein Weg daran vorbei, das Gericht zu probieren!

Ich habe es gemacht und geliebt.
Obama hat es gemacht und geliebt.
Du wirst es (hoffentlich) machen und lieben!

Alles Liebe von Sophie mit Liebe zu Bun Cha

*Eins darf bei Bun Cha nicht unerwähnt bleiben: Obwohl die Rechtschreibung und das komplette Schriftbild mit den Haken und den Tönen, wie ich es einmal oben verwendet habe, sehr kompliziert aussieht, ist das nicht der Fall. Wenn ich also in der Starßenküche „Bun Tscha“ bestelle, versteht man mich ohne Problem. Wie könnte ich Bun Cha dann nicht lieben!?

Achtes Türchen – Traditionell. Und doch modern

Gibt man bei Google „Vietnamesinnen“ ein, so bekommt man auf acht der ersten zwanzig vorgeschlagenen Bilder vietnamesische Frauen im Ao Dai zu sehen. Denkt man an die Kultur und die traditionelle Kleidung Vietnams, kommen mir aber ehrlich gesagt auch ziemlich bald die Bilder vom Ao Dai und dem Non La (dem Kegelhut, den ich im siebten „Türchen“ genauer thematisiert habe) in den Kopf.

Nachdem du dich nun schon mit dem besonderen vietnamesischen Hut auskennst und wir gerade so gut im Thema Kleidung und Kultur sind, geht es heute um das Kleidungsstück, das die Grazie und Schönheit der vietnamesischen Frau unterstreicht:

Der Ao Dai, zu Deutsch „langes Kleid“.

Ausgesprochen wird das Wort – wie so oft im Vietnamesischen – aber etwas anders: Im Norden spricht man von dem Gewand als „Ao Sai“, im Süden dagegen als „Ao Jai“. So nebenbei: Wenn ich mich während eines Gesprächs schon einige Minuten mit Vietnamesen über den Ao Dai unterhalten habe (natürlich auch zur Recherche für dieses „Türchen“) und dann eine Frage mit dem Wort stelle, versteht man mich nicht. Ziemlich enttäuschend. Ich glaube, irgendwas mache ich ziemlich falsch. Aber darum soll es jetzt nicht gehen!

Der Vorläufer diseses Kleidungsstückes war der Ao tu than, ein langes Kleid bestehend aus vier Teilen. Im 17. Jahrhundert wurde dieses von den Cham inspirierte Gewand auch von vietnamesischen Frauen getragen. Diese Art von Kleidern gibt es zwar immer noch, allerdings werden sie nur noch bei Bühnenauftritten und auf Festen der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Vietnamesischen Frauenmuseum in Hanoi ist ein ganzer Teil der traditionellen Kleidung in Vietnam gewidmet. Hier ein Bild von verschiedensten Ao Dais.

Der Ao Dai, wie man ihn heute kennt und bestaunen kann, wurde im Hanoi des frühen 20. Jahrhunderts kreiert. Wie die Männer, die sich immer westlicher kleideten, änderten auch die vietnamesischen Frauen ihren Kleidungsstil. Die Art einiger junger Frauen, sich aufreizend zu kleiden, war den  meisten Vietnamesen aber viel zu vulgär und widersprach oben drein auch der konfuzianischen Lehre. Die Weiblichkeit der Frau durfte nämlich keinesfalls zu sehr im Vordergrund stehen. Der Ao Dai war da genau die richtige Lösung: Ein am Oberkörper eng anliegendes Oberteil, das über eine locker sitzende Hose fällt, die meist bis zum Boden reicht. Das Design des Kleidungsstücks scheint, den kompletten Körper in sanft fließende Stoffe zu hüllen. Die Mischung aus Eng und Weit setzt den Körper in Szene, wenn auch sehr dezent. Gesäumt von langen seitlichen Schlitzen, die bis über die Hüfte reichen, ermöglicht das Kleid gleichermaßen einfaches Bewegen und einen hohen Tragekomfort.
Mit disem Langkleid ist es für die vietnamesische Frau möglich, anmutig, aber nicht freizügig ihre körperliche Schönheit zu präsentieren.

„Der Ao Dai ist geschlossen, kann aber die schönsten Züge des Körpers der Frauen zeigen. Man kann sagen, dass der Ao Dai die eigene Schönheit der Kostüme der vietnamesischen Frauen zeigen.“

Zu Beginn trugen nur mit Franzosen verheiratete Vietnamesinnen den Ao Dai. Aber schon Ende der 1930er Jahre konnte man das neue Gewand an den meisten Stadtfrauen bewundern. Besonders französische Seide in den Farben Violett und Dunkelrot sowie bunt gefärbte, leichte, indische Stoffe waren als Materialien besonders beliebt.

Übrigens wurde das Ao Dai der städtischen Frauen zu diesem Zeitpunkt aus fünf Stoffbahnen geschnitten. Die vier Hauptstoffbahnen stehen für die Eltern und die Schwiegereltern. Die restliche Stoffbahn bezeichnet die Trägerin. Die fünf Haken entlang der Tracht symbolisieren menschliches Verhalten nach den Regeln des Konfuzianismus: Redlichkeit, Höflichkeit, Treue, Klugheit und Zuverlässigkeit.

Die Zeit der schönen Kleider endete jedoch mit dem Krieg. So sah man die eleganten Gewänder nur noch bei formalen Anlässen. Aber auch nach dem Kriegsende war es nicht üblich,  sich derart hübsch anzuziehen.

Zum Glück ist diese Zeit vorbei. Heute ist der Ao Dai nämlich wieder eine tolle Variante, wenn frau sich chic machen will.

Je nach der Farbe eines Ao Dais kann man tatsächlich auf das Alter und den sozialen Status der Trägerin des Kleidungsstückes schließen. Jüngere Frauen wollen beispielsweise mit ihren weißen Ao Dais Jugend und Reinheit versinnbildlichen. Werden sie älter, bleiben aber weiter unveheiratet, wählt man für seinen Ao Dai mehr Pastell-Töne. Kräftige Farben lassen vermuten, dass die Trägerin verheiratet ist.
Außerdem gibt es für religiöse und rituelle Zeremonien ausgewählte Farben wie beispielsweise braun, blau und lila.
Bei besonderen Anlässen wählt man Ao Dais mit aufwendigeren Designs und Mustern. Bei Hochzeiten, nationalen Festen und vor allem dem Tet-Fest (dem höchsten vietnamesischen Fest) sieht man die beeindruckenden Kleidungsstücke überall.

Am Hoan Kiem-See kann man täglich viele Vietnamesinnen in ihren hübschen Ao Dais sehen, die sich vor dem See platzieren und ablichten lassen. In „normalen“ Outfits wird – soweit ich das mitbekommen habe – eigentlich gar kein Shooting gemacht. Der Ao Dai sieht einfach zu gut aus.

Früher trugen sowohl Männer als auch Frauen das Kostüm. Heutzutage sieht man Männer im Ao Dai jedoch nur noch sehr selten, meist zu wichtigen Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigung.

Besonders verzierte Arten des Ao Dais, hier für eine Hochzeit.

Aber auch in der Viet Duc Oberschule, in der ich arbeite, freue ich mich jeden Montag  – an diesem Tag ist der Fahnenappell – wenn ich die Mädchen im weissen Ao Dai bewundern kann.
Ein Schuldirektor in Ca Mau hatte dieses Kleidungsstück im Jahr 1983 nämlich als Schuluniform eingeführt, nachdem er Grazie, aber auch Konformität an seine Schule bringen wollte.
In den folgenden Jahren nahmen immer mehr weiterführende Schulen den Ao Dai als Schuluniform auf. Und so wohl auch die Viet Duc Oberschule.

Immer wieder wurde das Gewand dem Zeitgeist angepasst. So wurden moderne Modeideen mit dem traditionellen Gewand verbunden. Die vietnamesische Kultur, die das Kleidungsstück transportiert, ging dabei jedoch nie verloren. Unabhängig davon, wie viele Versuche gestartet werden, den Ao Dai neu zu erfinden oder zu modernisieren, der traditionelle Ao Dai ist und bleibt eines der bequemsten und beeindruckendsten Kleidungsstücke Vietnams.

Und selbst wenn er vielleicht konsevativ aussehen mag, kann ich dem folgenden Sprichwort doch nur voll zustimmen:

„Der Ao Dai bedeckt alles, aber versteckt nichts.“

Ab 30€ kann man sich in Vietnam einen eigenen Ao Dai schneidern lassen – natürlich ohne Limit nach oben. Ob mir das so steht, weiß ich noch nicht. Eine Überlegung ist es aber allenfalls wert…

Wenn man ihn nur für einen bestimmten Anlass benötigt, kann man sich in speziellen Läden auch einen Ao Dai mieten.

Wichtig zu bedenken ist aber, dass jeder Ao Dai nur für eine bestimmte Frau geschneidert ist. Geliehen wird er also nie so gut aussehen wie nur für dich geschneidert. Zusatzinfo: Obwohl der Ao Dai genau auf einen Körper zugeschnitten ist, wird immer an der Naht Platz für eine Ausweitung des Gewandes gemacht. Selbst wenn Vietnamesinnen generell sehr dünn sind, kann es ja vorkommen, dass sie zunehmen. Bei dem Angebot von leckerem Essen und Trinken hier nicht ganz unverständlich. 😉

Zu hoffen bleibt, dass der Ao Dau auch in Zukunft viel auf den Straßen Vietnams vertreten sein wird. Selbst wenn er sich verändert und moderne Modedesigns miteinfließen bleibt er doch ein traditionelles Kleidungsstück Vietnams.

Ich wünsche mir, dass ich in einigen Jahren immer noch nach „Vietnamesinnen“ googlen kann und mindestens genau so viele Bilder von Vietnamesinnen in Ao Dais (und auch den Non Las) wie heute finden werde!

Viele Grüße von deiner Ao-Dai-Bewundererin Sophie

Fünftes Türchen – Home Sweet Home

„Wann kommst du denn nach Hause?“
„Sollen wir uns Zuhause treffen?“
„Ach, das brauchen wir jetzt nicht zu kaufen, haben wir doch schon daheim“

Das sind einige der Whatsappnachrichten, die ich mit meinen beiden Mitbewohnerinnen Nour und Theresa geschrieben habe.

Ungefähr 3 Monate – ja, es ist schon Halbzeit und ich kann es selbst nicht fassen – bin ich hier und spreche von „meiner“ Wohnung als „Zuhause“. Als mir das zum ersten Mal aufgefallen ist, war ich richtig schockiert.
Mein Zuhause ist doch in Lehrberg, im schönen Frankenland und nirgends sonst!

Irgendwie stimmt das aber doch nicht so ganz. Klar, Lehrberg ist und bleibt mein Zuhause Nummer eins, aber die Wohnung in Hanoi ist ja doch mein temporäres Zuhause.

Heute möchte ich dir vorstellen, wo ich in Hanoi wohne.
Auf Vietnamesisch heißt das: „Toi song o dau Nguyen Thai Hoc“. Ich wohne in der Nguyen Thai Hoc Straße.

Früher haben wir in der Schule oft Traumreisen gemacht, dass man sich entspannt und danach motivierter weiterlernen kann. Ich möchte mit dir heute eine Traumreise durch das Haus, in dem ich wohne, machen:

Du wirst ganz still und entspannst dich. Du atmest tief durch und beginnst deine Reise, indem du deine Augen schließt. Nein Stopp, das ist mit Lesen etwas blöd! Also mach deine Augen bitte wieder auf! Jetzt kann deine Reise beginnen…

Stell dir vor, du bist in Hanoi. Du bist nach einem anstrengenden Arbeitstag 40 Minuten zu (d)einer Wohnung gelaufen (so lang ist mein Arbeitsweg jeden Tag), über holprige Gehwege, hast verschiedene gefährliche Straßen erfolgreich passiert und kommst dann in die Nguyen Thai Hoc Straße kurz vor dein Ziel.

Wenn du vom Gehweg der Nguyen Thai an einer Straßenküche vorbei in eine schmale Gasse einbiegst, kommst du zu einem dreistöckigen Haus. Jeden Tag läufst du an der Straßenküche vorbei. Du grüßt die Leute, die dort arbeiten mit einem freundlichen „xin chao“ und hast dort auch schon einige Male gut gegessen. Trotzdem fühlst du dich etwas schlecht, weil du doch meistens keine My Van Tan Suppe bei deinen Nachbarn isst.

Verriegelt mit einem Eisenvorhang, für den du eine Fernbedienung brauchst, erkennst du den Eingang zu diesem dreistöckigen Haus fast gar nicht.

Da du eine eben solche Fernbedienung hast, rattert der Eisenvorgang langsam nach oben und du kannst nach dem Öffnen der Tür in den Eingangsbereich treten, der zugleich die Küche ist.

Du ziehst deine Schuhe aus und siehst dir die Küche an. Auf der linken Seite direkt neben der Tür steht ein moderner Kühlschrank. Leider ist er meist nicht so toll bis gar nicht gefüllt, wie man sich das wünschen würde. Die Bewohner dieses Hauses, drei kulturweit-Freiwillige namens Nour, Theresa und Sophie, essen einfach zu gern vietnamesisches Essen und dieses selbst zu kochen, wäre mit Sicherheit nicht so lecker wie von einem der vielen Straßenstände in Vietnams Hauptstadt.
Rechts neben dem Kühlschrank befindet sich ein kleiner Raum mit Toilette, die aber nur in den dringendsten Fällen benutzt wird.
Daneben ist die große Küchenanlage in dunkelbraunem Holz. Sie sieht zwar gut aus, aber leider ist sie nicht sonderlich gut bestückt. Hättest du zum Beispiel dran gedacht, zuerst in der nach Aussagen unserer Vermieterin „Fully Equiped Kitchen“ nach Gabeln und Löffeln zu suchen, wenn du spontan für eine ganze Gruppe von Leuten kurz nach dem Einzug Spaghetti kochst? Erstaunlicher- und glücklicherweise lassen sich diese auch gut mit Essstäbchen essen…
Ein großer Esstisch mit Glasplatte und sechs Stühlen lädt dazu ein, sich für einen Filmeabend mit Snacks zu setzen und gemeinsam über die gleichen Witze zu lachen.

Du willst aber nicht in der Küche bleiben, denn du willst weiter in eines der Zimmer. Nachdem du die engen Stufen zum ersten Stock erklommen hast, stehst du vor der Tür zu Theresas Zimmer.
Meiner Meinung nach ist das Zimmer von Sophie aber irgendwie interessanter, also laufe nochmal einige Stufen nach oben.
Im zweiten Stockwerk zu linker Hand siehst du noch eine Tür, die zu Nours Zimmer führt.

Aber wie gesagt – da möchtest du gerade nicht hin. Du nimmst also die Tür geradeaus und trittst in ein ziemlich kleines, aber durchaus nettes Zimmer.
Die Wände sind weiß gestrichen und auch sonst ist das Zimmer schlicht gehalten. Ein großes Kingsizebett, dessen Matratze nicht mal 10 Zentimeter dick ist und by the way dadurch ziemlich unbequem, steht in der einen Ecke des Zimmers. Ein weisses Moskitonetz hängt darüber und wie es da so hängt, denkst du dir, dass es ein bisschen an einen Baldachin oder ein Himmelbett erinnert.
Ein großer weisser Schrank mit aufgedruckten grünen und blauen Fischchen nimmt sehr viel Platz im Zimmer ein, es beinhaltet aber auch einige Kleidung, von daher ist das okay. Dieser Stoffschrank soll dagegen helfen, dass die Kleidung während der feuchten Jahreszeit nicht anfängt zu schimmeln. Ob das so klappt, mal sehen.
Auf dem Schreibtisch steht ein Laptop, der nur darauf wartet, einen neuen Blogartikel eingetippt zu bekommen, Nachrichten zu recherchieren oder E-Mails zu versenden.
Die drei Vietnam-Reiseführer auf dem Schreibtisch sind bereit, dass sie aufgeschlagen werden und das nächste Reiseziel gewählt wird.
Der meist unordentliche Schreibtisch wimmelt außerdem von Erinnerungen an ein Musik-Festival, einen Ausflug nach Ninh Bin, nach Sapa, Saigon oder einen Kochkurs.
Dir fällt eine kleine, unscheinbare Tür auf. Du öffnest sie und stehst in einem kleinen Räumchen. Ein Schritt und du bist bei der Toilette. Ein Waschbecken fehlt. Die Dusche lässt sich nur nach langem Hinsehen definieren, indem du den Duschkopf erkennst. Wenn du dich hier duschst, ist danach der ganze Raum nass, aber so groß ist er ja schließlich nicht.
An der Wand hängt eine Art Plastik Regal, welches verschiedene Hygieneartikel wie Shampoo, Zahnpasta, Lippenpflegestifte und vieles mehr trägt.

Du gehst zurück in den größeren Raum und von diesem aus wieder ins Treppenhaus, wo du nochmal einige Treppenstufen hinaufsteigst. Oben findest du eine Waschmaschine, die zwar wohl Heißwasser haben soll, aber dennoch nicht gut wäscht, und zwei Metalltüren. Hinter jeder Tür verbirgt sich eine Dachterrasse, auf der man gut und gerne entspannen könnte – würde man sich die Zeit dafür nehmen. Praktisch sind die Terrassen aber allenfalls, da man dort die nasse Wäsche aufhängen kann.

Nun kennst du die Räume in dem Haus, in dem ich mit Theresa und Nour wohne.

Aber halt! Das sind noch nicht alle Mitbewohner. Nour und Theresa habe ich ja schon erwähnt. Wir haben in unserem Haus aber noch einige andere unerwünschte Kameraden. Wie wahrscheinlich in jedem südostasiatischen Land dürfen wir eine hohe Zahl von Stechmücken vermelden. Fast noch schlimmer finde ich jedoch Kakerlaken. Bis jetzt war es nur eine und ich wäre froh, wenn es auch bei dieser einen bleiben würde. Theresa hat sie eines Morgens auf dem Rücken liegend entdeckt und todesmutig – wie ich finde – in einem Essschälchen gefangen. Mit einem speziellen Mittel und viel Ekel haben wir das Tier erfolgreich bekämpft und aus dem Haus befördert. Obwohl das Vieh so winzig ist und eigentlich nichts fatales machen kann, war die Furcht unsererseits bestimmt genau so groß wie ihrerseits.
Die aber wohl unangenehmste Mitbewohnerin ist unsere Vermieterin, die trotz ihres stetigen Abstreitens im Gebäudeteil direkt neben uns wohnt und unsere Küche und sogar die Waschmaschine fleißig mitverwendet. Natürlich auf unsere Kosten.

Und doch – so ekelhaft und nervenaufreibend diese Mitbewohner auch sind – fühlt es sich wie mein „Zuhause“ auf Zeit an. Ich bin mir sicher, ich will hier nicht für immer bleiben. Bestimmt nicht. Aber für die Zeit ist es perfekt. Perfekt mit all seinen Besonderheiten, perfekt mit dem leeren Kühlschrank, mit der unausgestatteten Küche, mit dem winzigen Bad ohne Waschbecken, mit den vielen Mitbewohnern und der schlecht waschenden Waschmaschine.
Perfekt für die nächsten knapp drei Monate.

Aber ich kann jetzt schon sagen. Auf mein richtiges Zuhause freue ich mich viel mehr!

Viele Grüße nach Hause sendet
Sophie

Drittes Türchen – Essstäbchen, die Geheimwaffe

Messer und Gabel? Die bekomme ich in so gut wie keinem Restaurant und in Straßenküchen kann ich darauf wirklich gar nicht bauen.

Wie ich dann esse? Mit einem Paar gleichlanger Stäbchen aus Holz oder Bambus.

Genau wie auch in China, Korea und Japan verwendet man in Vietnam für die Essenszufuhr Essstäbchen. Diese Tradition ist schon mehr als 3.500 Jahre alt.

Das war zu einer Zeit, als unsere Vorfahren in Europa noch mit den Fingern aßen. Messer und Gabel, welche wichtiger Bestandteil unserer europäischen Esskultur sind, haben sich erst vor ungefähr 500 Jahren durchgesetzt. Sogar für die hohen Adeligen wie beispielsweise den Sonnenkönig Frankreichs, Ludwig den Vierzehnten, war es normal, sich das Essen mit den Händen zu Munde zu führen.
Christen sahen die Gabel mit ihren drei Zinken als Teufelswerkzeug an. Wenn man darüber nachdenkt – mehr oder weniger – verständlich, da sie wirklich etwas wie ein Teufels-Dreizack aussieht.

Vietnam war lange Zeit von China besetzt und somit wurde auch die Sitte, mit Stäbchen zu essen, übernommen.

Natürlich magst du dich jetzt fragen, wie man denn jedes Essen nur mit Essstäbchen zu sich nehmen soll. Generell lässt sich das gut an der englischen Übersetzung zeigen. Das in „Chopsticks“ enthaltene Wort „chop“ bedeutet im Deutschen so viel wie zerkleinern.
Mit einem guten deutschen Schnitzel (kurze Anmerkung: darauf freue ich mich in Deutschland schon wieder) wäre dies undenkbar. Um zu begreifen, wie das in Vietnam möglich ist, muss man die vietnamesische Essenskultur kennen:
Fleisch, Gemüse und andere größere Zutaten sind entweder so zart gegart oder zubereitet, dass sie mit den Stäbchen mundgerecht zerkleinert werden können oder sie sind bereits klein geschnitten.
Bei Suppen und anderen flüssigen Nahrungsmitteln wird noch ein tiefer Löffel zusätzlich zu den Stäbchen serviert.

Selbst wenn gesagt wird, dass für Vietnamesen nichts mit Essstäbchen unmöglich ist, habe ich noch keinen gesehen, der eine Suppenbrühe damit essen kann.

Bei einem vietnamesischen Kochkurs habe ich zum Beispiel gelernt, dass man mit diesen langen Stäbchen erkennen kann, ob Hühnerfleisch schon fertig gegart ist.

Hier noch ein interessantes Video von YouTube, welches nochmals bestätigt, dass mit Chopsticks wirklich fast alles möglich ist. Auf die Idee, mit Stäbchen einen Geldbeutel aus der Hosentasche zu ziehen, muss man auch erst kommen… Der Kerl mit der blauen Jacke zeigt aber, dass man sowas ziemlich gut machen kann.

Wie ich selbst erkennen musste beziehungsweise durfte, hat das Essen mit Chopsticks einen entscheidenden Effekt: Man isst generell sehr viel langsamer als mit Messer und Gabel. Zwischen den Stäbchen ist es – zumindest für mich – unmöglich, viel Essen auf einmal zum Mund zu transportieren. Dazu kommt leider noch, dass mir viel auch auf dem Weg zum Verzehr wieder auf den Teller fällt. Positiv daran ist definitiv, dass man so sehr langsam und gesund isst, da man das Essen schon im Mund länger vorverdaut und den Magen so weniger beanspruchen muss. Hinzukommt, dass man wegen des langen Prozesses nach weniger Essen schneller satt ist. Zugegebenermaßen kann ich diese positiven Aspekte jedoch nicht erkennen, wenn ich mich beeilen muss. 😉

Meine Essstäbchenkünste verbessern sich von Tag zu Tag. Während meiner ersten Tage in Hanoi habe ich es nur mühsam geschafft, Essen in meinen Mund zu führen und schließlich satt zu werden. Während ich in Deutschland in asiatischen Restaurants die Stäbchen aus Spaß einfach mal ausprobiert habe und danach wieder auf Gabel und Messer umsteigen konnte, besteht in Vietnam diese Möglichkeit nicht. Also musst ich mich mit viel Übung daran gewöhnen. Meine Mitfreiwillige Theresa meinte nach wenigen Tagen in Hanoi „Mir war gar nicht so bewusst, dass man wirklich alles mit Essstäbchen isst. Das hätte ich Zuhause nochmal üben sollen.“

Zu Beginn wurde mir dann oft noch ein Löffel oder – falls das Restaurant welche hatte – eine Gabel gebracht, ohne dass ich darum gebeten habe. Mich mit Essstäbchen essen zu sehen, sah wohl wirklich seltsam aus. Inzwischen darf ich stolz behaupten, dass mir sowas nicht mehr passiert und ich manchmal sogar gelobt werde, wie toll ich mit Stäbchen essen kann. Dann bin ich stolz wie Oskar und im nächsten Moment fällt das Essen doch wieder von den Stäbchen.

Hier ein Bild von Essstäbchen und dem erwähnten Löffel mit übrigens sehr leckerem Essen.

Hier noch einige lustige Infos und Hinweise zu Essstäbchen:

Es gilt als absolut unhöflich, mit den Stächen auf eine Person zu zeigen. Dies ist mit einem schlechten Omen verbunden, was Vietnamesen wegen ihres Aberglaubens vermeiden wollen.

Die Stäbchen nach dem Essen im Topf mit Reis stecken zu lassen bringt ebenfalls Unglück. Ebenso gilt es als Tabu, die Stäbchen nach dem Essen auf dem Schälchen in „V“-Form liegen zu lassen, da dies Unglück bringen soll.

Ein vietnamesisches Sprichwort sagt:

„Wer mit Schale und Essstäbchen umzugehen versteht, weiß auch mit Worten umzugehen.“

Besonders spannend finde ich, was mir eine Kollegin an der Viet Duc Oberschule beim Mittagessen über das Halten der Essstäbchen erzählt hat. Jeder hält seine Stäbchen nämlich verschieden und auch auf verschiedenen Höhen. Wenn ich meine Finger nun beispielsweise sehr nah an den Spitzen der Stäbchen, also nah am Essen halte, bedeutet dies, dass mein zukünftiger Partner oder meine zukünftige Partnerin nah bei mir wohnt. Halte ich die Stäbchen eher am Ende, wird er oder sie weit entfernt von meiner Heimat wohnen.
Ich halte die Essstäbchen meist mittig. Mal sehen, ob sich die Aussage bestätigen wird und ich einen mittel-weit von Lehrberg entfernten Mann heiraten werde.

Viele Grüße und einen schönen ersten Advent wünscht

die Jeden-Tag-Essstäbchen-Taktik-Übende Sophie

PS: Natürlich könnte ich dir jetzt noch ein Tutorial über die richtige Benutzung von Essstäbchen als Youtube-Video zeigen. Aber ganz ehrlich, die Hauptsache ist, dass du das Essen von deinem Teller in deinen Mund bekommst. Wenn man dazu gezwungen wird, dann geht das auch!

 

 

Erstes Türchen – Magst du Phở mit Zwiebeln?

Vor einigen Wochen in der zehnten Klasse (die Schüler lernen erst seit September Deutsch) hat mich plötzlich ein Schüler gefragt:

„Magst du Pho mit Zwiebeln?“

Diese Frage klingt erst mal einfach und belanglos, aber es geht um viel mehr.  Bei Pho scheiden sich die Geister.

Aber nun erst mal von Anfang an:

Pho ist das Nationalgericht Vietnams. Wirklich so gut wie jeder Vietnamese – ich habe erst einen getroffen, der sie nicht mag – liebt Pho.

Die Erfolgsgeschichte der vietnamesischen Küche begann genau mit dieser Suppe:
Viele von Vietnam Ausgewanderte ließen sie in ihren riesigen Töpfen in Paris, Los Angeles oder sonst wo blubbern und machten damit die Pho zum internationalen Vorzeigegericht Vietnams. Man mag jetzt denken, naja, ist ja langweilig. Immer das gleiche. Aber weit gefehlt: Pho gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Besonders bekannt ist die Pho ga mit Huhn.

Der Klassiker ist und bleibt aber Pho Bo, welche aus einer kräftigen, klären Rindfleischbrühe besteht.
In riesigen Töpfen werden dafür kiloweise Knochen und Suppenfleisch gekocht. Mit Zwiebeln und Ingwer – beide dunkel geröstet – und Gewürzen wie Koriander, Zimt und Sternanis entsteht jedoch erst der unverkennbare Geschmack dieser Brühe.
Kochend heiß wird die Suppe dann mit dünn aufgeschnittenem Rindfleisch und Reisnudeln serviert.

Seinen Ursprung fand dieses Gericht sehr wahrscheinlich in der Anfangszeit der französischen Kolonialherrschaft in der Gegend um Hanoi. Von Experten wird vermutet, dass dabei auch die Vorliebe der Franzosen zu Rindfleisch mit reingespielt hat. Zuvor waren Rinder in Vietnam nämlich hauptsächlich Arbeitstiere. Die vornehmen Kolonialherren gönnten sich exquisite Rindsteaks. Währenddessen kreierten Straßenköche aus den weniger wertvollen Fleischteilen eine leckere und dazu noch erschwingliche Suppe.

Noch heute wird dieses Gericht von Vietnamesen gern zum Frühstück gegessen. Ja, du hast richtig gelesen! Beim Thema „Essen und Trinken“ im Deutschunterricht heute hat sich nochmals bestätigt, dass es sich um kein Gerücht handelt, dass Pho zum Frühstück, aber auch zum Mittag- und Abendessen verzehrt wird.
Zu finden ist sie an fast jeder Straßenecke. Auf winzigen Stühlchen und fast genauso kleinen Tischen kann man Platz nehmen und eine große Schüssel Pho meist für etwas mehr als einen Euro. Dabei schmeckt Pho überall anders, weshalb es sich lohnt, immer wieder verschiedene Straßenstände und Rezepturen zu probieren!

Nun zur Anfangsfrage: „Magst du Pho mit Zwiebeln?“.
Man unterscheidet in Vietnam zwei Arten von Menschen. Die, die Pho mit Zwiebeln mögen und die, die Pho ohne Zwiebeln mögen.
Als ich nun dem Schüler auf seine Frage antwortete, dass sie mit Zwiebeln schon schmeckt, haben viele Schüler begeistert gejubelt, einige waren aber auch richtig enttäuscht über meine Antwort. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie sonderlich auf Zwiebeln in dieser Suppe geachtet. Dass meine Antwort jedoch so eine starke Reaktion ausgelöst hat, zeigt schon, welche Rolle Pho im Leben vieler Vietnamesen spielt.

Mein größtes Problem mit Pho:
Ich kann jetzt schon behaupten, dass ich Pho wirklich liebe: Das gute Rindfleisch, die frischen Kräuter, die leckeren Nudeln und vor allem die tolle und geschmacksintensive Rinderbrühe sind einfach richtig toll!

Mein Problem besteht in der Aussprache dieses Wortes. Aus Gründen der Einfachheit habe ich Pho ohne Betonung geschrieben, was aus vietnamesischer Sicht ein Sakrileg ist.
So, Pho. Diese drei Buchstaben können MIT den Tönen (wie französischen Akzente) ganz verschieden ausgesprochen werden.

Phố zum Beispiel bedeutet Straße, Distrikt oder auch Haus oder Apartment. Ausgesprochen wird diese Pho als wie man es liest, also ‚Foooh‘.

Wenn man von ‚Phaa‘ spricht, wird die Suppe schnell mal zur „Schlampe“. Peinlich, sich vorzustellen, eine „heiße Schlampe“ bestellt zu haben.

Hier mein Tipp, dieses doch so komplexe Wort richtig auszusprechen:
Am besten spricht man es wie das englische Fell, „Fur“ tief aus dem Hals heraus, aber das ‚r‘ wird verschluckt. *Kommentar von Theresa: Das ‚r‘ wird verschluckt, weil das Rind ja in der Suppe ist! Höhö…

Bei diesem Link kann man das ganz schön hören und du bekommst einen ganz guten Eindruck, wie man das Wort richtig ausspricht:
http://www.lovingpho.com/pho-opinion-editorial/how-to-pronounce-pho/

 

Was ich dir jetzt nicht vorenthalten möchte: Wie schreibt man Pho, also diese leckere Nudelsuppe nun richtig? Hier die Antwort:

Phở

Ich kann nur sagen, selbst wenn das Bestellen dieses Nationalgerichts Vietnams sehr tückenhaft ist, ist der Genuss dessen allen Aufwand wert und sollte unbedingt ausprobiert werden!

Alles Liebe und bis Morgen,
deine Phở – Liebhaberin Sophie

Post ist da! – Eine Diagnose

Lieber Leser, Liebe Leserin,

erst merkst du davon gar nichts.

Langsam nähert es sich auf Zehenspitzen an.

Du hörst es kaum.

Es kommt näher.

Du hörst seine Schritte deutlicher.

Es klopft an deinen Kopf.

Du kannst nichts tun.

Jetzt kommt es durch die Tür.

Selbst obwohl du es vielleicht nicht willst.

Es ist da.

Es wird immer größer.

Immer massiver.

Du denkst immer öfter an es.

Bis es nicht mehr verschwindet.

Dieses Gefühl.

Es zeigt sich durch ein leichtes Kribbeln im Bauch.

Du schweifst zu Tagträumen.

Träumen von fremden Gegenden.

Von neuen Menschen.

Von Begegnungen.

Von besonderem Essen.

Von unvergesslichen Erlebnissen.

Von Abenteuern.

Ein weiteres Symptom ist Unruhe.

Der Wunsch, Neues zu erleben.

Deine Füße wollen nicht mehr stillhalten.

Sie wollen los.

Es brennt dir unter den Fingern.

Kaum auszuhalten.

Diagnose:

Fernweh

Was kann man dagegen machen?

Reisen!

 

 

So oder so ähnlich hat sich vor meinem FSJ der Wunsch entwickelt, in die Ferne zu reisen, Neues zu erleben, Erfahrungen zu sammeln. Fernweh, die Sehnsucht nach der Ferne. Mich hat diese Sucht schon lange vor meiner Abreise „geplagt“. Sie war einer der Hauptgründe, warum ich mich für ein halbes Jahr im Ausland entschieden habe. Es ist jedoch eine Sucht, eine Sehnsucht, die behandelt werden kann und bei der die Symptome nicht allzu schlimm sind, die Vorfreude gleicht alles wieder aus.

Dieses Gefühl ist keine neuzeitige Erscheinung.

„In meinem Hirne rumort es und knackt, ich glaube da wird ein Koffer gepackt, und mein Verstand reist ab – o wehe – noch früher als ich selber gehe.“ – Heinrich Heine (1779 – 1856)

Toll beschrieben hat das Gefühl von Fernweh auch :

„Heimweh? … Nein, wahrlich, ich glaube, ich habe gerade das Gegenteil, ich habe „Fernweh“. Zehn Jahre bin ich schon hier, und es ist mir liebe Heimat gewesen; aber ich möchte hinaus: der Boden brennt mir unter den Füßen. O, einmal wieder andere Menschen, andere Gegenden sehen, einmal wieder ein Pferd besteigen, frisch in die Weite zu sprengen!“ Und sie streckte die Arme sehnsüchtig aus. – Ferdinande Freiin von Brackel  (1835 – 1905)

 

Natürlich kann ich nicht behaupten, dass ich gerade eben Fernweh habe. Das wäre wirklich sehr seltsam. Mehr als 8.000 Kilometer entfernt von der Heimat.

Aber – fies wie ich bin – möchte ich dir anhand zweier Videos zeigen, wie schnell man Fernweh für Vietnam bekommen kann. Ich bin mir sicher, danach verstehst du, was für ein tolles Land Vietnam ist und wie vieles zu bieten hat. Du wirst dann bestimmt mit dem Gedanken spielen, vielleicht auch mal zu kommen. In die Kultur dieses Landes einzutauchen, die landschaftliche Vielfalt zu sehen und einzigartige Erfahrungen zu machen.

 

 

Das erste Video hat mich überzeugt, weil man viele „normale“ Orte in Vietnam sieht und nicht „nur“ (aber natürlich auch) die typischen Touristenorte. Besonders schön finde ich dabei, dass man verschiedene Menschen zu Gesicht bekommt und Geräusche, wie ich sie jeden Tag wahrnehme, hören kann.

 

Dieses zweite Video ist ein Musikvideo der vietnamesischen Band Da LAB, die ich bei einem dreitägigen Festival in Hanoi gehört habe. Sowohl die Musik der Band (nur zu empfehlen!) als auch die tollen landschaftlichen Bilder, geben einen tollen Einblick. Besonders schön finde ich, dass es sich bei diesem Lied um eine Liebeserklärung an Vietnam handelt. Beispielsweise wird gesungen:

„Ich bin Vietnamesisch. Ich ging von Norden nach Süden. Vietnamesische Augen freuen sich. Ich trage einen Rucksack auf der Schulter. Das alleine reicht mir auf dem Weg, herauzufinden, wer ich bin, woher ich komme.

Aus dem Land, das ich noch lange liebe.

Việt Nam

Nun sage ich nur noch: Viel Spaß und Film ab. Gleich ist das Gefühl da und du kannst es nur stillen, wenn du deine Reise nach Vietnam beginnst!

Alles Liebe, Sophie (deine Fernweh-Vermittlerin)

 

 

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