6.MIC-Games

Fahnen, Fangesänge, Banner, Vuvuzelas, Nationalhymnen werden mit Hand auf der Brust und voller Enthusiasmus geschmettert…Du denkst jetzt an die WM 2006? Aber wie erklärst du dann die stündlichen Ansagen des aktuellen Medaillenspiegel und den Auftritt  mehrerer Fackelträger die zu ‚Chariots of fire‘ einlaufen und ein Feuer entzünden? Doch Olympia? NEIN! MIC-GAMES!!! Die jährlichen Sportwettkämpfe an meiner Schule. Diese waren seit Wochen Gesprächs- und Streitthema  Nummer eins im Lehrerzimmer, denn nur eines der drei Teams(rot, gelb oder türkis) kann am Ende gewinnen. Bereits Tage vorher wurde mir erstmals wirklich bewusst, wie ernst Schüler*innen und Lehrer*innen diese Veranstaltung nehmen, als jede/r Teilnehmer*in einen Schwur ablegen musste die Regeln zu beachten und immer häufiger der Unterricht ausfiel, nur damit gemeinsame Anfeuerungsrufe einstudiert werden konnten.

Am Mittwoch war es dann soweit: die gesamte Schüler- und Lehrerschaft, sowie Freunde, Eltern und Geschwister versammelten sich auf dem Schulhof der Schule für die große Eröffnungsfeier und den ersten Wettkampf: Performance. Im Vorfeld waren aufwendige Choreografien einstudiert worden, die nun gezeigt wurden(leider liefen die Proben schon, als ich nach Trujillo kam, deshalb konnte ich nur zuschauen, war aber nicht weiter schlimm). Mein Team turquesa gewann das Duell gegen die beiden anderen Teams rojo und amarillo(die drei Farben des MICs). In den darauf folgenden Tagen duellierten sich die Schüler*innen im Fußball, Volleyball, Basketball und in athletischen Disziplinen wie Staffelläufen oder einem Marathon. Am Sonntag waren dann die Lehrer*innen und Eltern dran, wir trafen uns mit den Schüler*innen um 8Uhr morgens mitten in der Stadt und liefen dann gemeinsam zum MIC, natürlich mit lauten Anfeuerungsrufen der jeweiligen Teams(dafür waren extra Polizisten bestellt worden, die für uns die Straßen absperrten). Der Schulhof war nicht wieder zu erkennen, überall standen ‚Fressbuden‘, die fettiges Hähnchen oder riesige Tortenstücke(alles in Plastikschalen)zu überteuerten Preisen verkauften(Privatschulen in Peru sind gleichzeitig ein Business).

Der bereits angesprochene Enthusiasmus war klasse, wenn man als Spieler*in auf dem Feld die Unterstützung des Teams wahrnahm(endlich wieder Fußball), artet aber aus, so dass viele Lehrer und Väter übermütig wurde und mit Verwarnungen oder roten Karten disqualifiziert wurden und sich beste Freunde aufgrund unterschiedlicher T-Shirtfarben plötzlich arg beschimpften. Aus dem lustigen Sportfest wurde ein ernster Wettkampf(schon verständlich wenn man bedenkt wie viel Geld und Zeit die Familien in die Vorbereitung gesteckt haben: jedes Team hat eigene Tshirts, eigene Choreografen, aufwändige Kostüme, etc.) mit vielen Tränen aus Stolz aber auch aus Trauer und Wut nach der Siegerehrung. Gewonnen hat übrigens das rote Team(nicht so ganz Montessoriphilosophie dieser ganze Kram mit Gewinner*innen und Verlier*innen glaube ich).

Gemeinsam aufwärmen (Quelle: https://www.facebook.com/WeAreMIC/)

Trotzdem hatten die MIC-games auch viele gute Aspekte, alle Schüler*innen(eines Teams) haben sich besser kennengelernt und gegenseitig super unterstüzt, abwechslungsreich war es auch aufjedenfall und ich habe viele Lehrer*innen, denen ich im Schulalltag überhaupt nicht begegne, kennen gelernt. Außerdem habe ich die Möglichkeit nächstes Jahr das Mädchenfußballteam der Schule zu trainieren und ich kann jetzt super gut auf Spanisch anfeuern(vamos a ganar!!!)Wer sich selbst einen eigenen Eindruck verschaffen möchte kann einfach auf instagram(team_turquoise_mic) oder auf facebook(Team Turquoise) suchen, da bekommt ihr dann auch gleich einen kleinen Eindruck von meiner Schule(: hier ist einmal das Ankündigungsvideo für die MIC-games mit Bildern aus dem letzten Jahr und ein Video von der Performance meines Teams mit anschließenden Anfeuerungsrufen…

The MIC Games are coming!

The MIC Games are coming, is your team ready?Let MIC Games begin! #TeamYellow 💛 #TeamTurquoise 💙 #TeamRed ❤️#MICgames

Gepostet von Montessori International College am Freitag, 2. November 2018

 

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1978377112250543&id=2114214402229217

2 Comments

  1. Michael

    Du schreibst so plastisch und wirklichkeitsnah, dass ich dich um die Alltagserfahrung auch beneide. aber ich habe ein andere Frage: deine Schilderung der Sportwettkämpfe könnte – mit einigen wenigen Unterschieden – durch ein paar veränderte Worte auch bei uns so geschehen. Die Frage ist, ob die kulturellen Differenzen was Schule, kindliches und jugendliches Verhalten usw. bei uns, in unseren Gesprächen, nicht übertrieben werden, und dass die sozialen Differenzen viel massiver und nachhaltiger sind als die kulturellen. Und: wirst du oft gefragt, wie solche Veranstaltungen „bei uns“ stattfinden?
    Jedenfalls ist dein Blog ganz wunderbar. Michael

  2. Melzer,Peter

    Hallo Rachel!
    Du warst bestimmt Deiner Begeisterung nach zu schließen hinterher heiser.Schön,dass sich so viele Menschen für etwa für sie Bedeutendes einsetzen können.Schade,dass auch immer negative menschliche Seiten dabei zum Vorschein kommen.

    Peter

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