Meine ersten Tage in Perus Hauptstadt

¡Buenos días!

Heute bricht mein vierter Tag in Peru an und ich habe schon so viele neue Eindrücke, die ich gerne mit euch teilen möchte.

Mein Leben als FsJlerin hat bereits am 1.9. mit einem zehntägigen Vorbereitungsseminar am Werbellinsee begonnen. Besonders im Fokus der Workshops standen die unterschiedlichen Diskriminierungsformen, von denen ich nicht einmal alle kannte z.B. Lookismus… den Veranstaltern lag es wirklich am Herzen die Freiwilligen vor Vorurteilen zu warnen und zu sensibilisieren, denn Stereotypenbilder hat jeder, der Umgang mit ihnen ist entscheidend. Passend dazu sind mir auf meiner kurzen Reise bis zu meinem gemütlichen Zimmerchen hier in Trujillo, welches ich gestern Abend bezogen habe, schon so einige Klischees begegnet.

Angefangen hat alles mit dem eiskalten Croissant, welches mir auf meinem Zubringerflug von Hannover nach Paris angeboten wurde. Von einem Croissant einer französischen Fluggesellschaft hatte ich mir mehr versprochen, allerdings war das noch halbgefrorene Gebäck eine gute Metapher für dieses super typische Klischee, dass alle Croissants aus Frankreich schmecken würden…

Weiter ging es im Anschlussflug nach Lima, in welchem ich mir meine Sitzreihe mit einem kleinen Asiaten teilte der ganz klischeemäßig den ganzen Flug Animes auf seinem Handy guckte… Während die französischen Stewardessen mich jedes Mal auf französisch anredeten bis ich zu signalisieren gab, dass ich nichts verstehen würde, wurde mein Nachbar immer sofort auf Englisch angesprochen. Sah wohl nicht aus wie der typische Franzose.

Nach 19 schlaflosen Stunden erreichten wir endlich den Flughafen Jorge Chávez, wo uns kleine süße Alpakas von riesigen Werbeplakaten entgegen grinsten. Unser Taxifahrer Juan erwartete uns bereits und wir folgten ihm zu seinem Auto. Was dann folgte kann man kaum in Worte fassen… Natürlich war mir bereits bekannt, dass der Verkehr außerhalb von Deutschland nicht überall so geregelt und sicher ist aber die einstündige Fahrt zum Inkahostel in Mira Flores, wo ich die nächsten zwei Nächte verbringen sollte, saß ich durchgehend verkrampft auf dem Beifahrersitz und versuchte nicht zu schreien. Verkehrszeichen, Vorfahrtsregeln und schon gar nicht erst die Blinkersetzung scheint auf Limas Straßen bekannt zu sein, wie uns Juan berichtete. Den Führerschein bekommt man für kleines Geld und nach nur einer Fahrprüfung ohne vorher eine einzige Übungsstunde zu nehmen. Sicherheitsvorkehrungen wie Motorradhelme gibt es, aber meistens am Lenker baumelnd und öffentliche Transportmittel werden in jedem Zustand genutzt so lange sie noch fahren. Überall sieht man abgebrochene Spiegel, zerbrochene Bustüren und eingedellte Stoßstangen und Anschnallgurte sind meistens nicht vorhanden. Um so mehr Wert legen die Peruaner auf das Hupen. Jede Lebenslage kann durch das Geräusch der Hupe ausgedrückt werden.

Endlich angekommen im Hostel war mir kotzübel und bitter kalt-es ist Winter/Frühling in Lima und die Luft hier ist kühl und voller Abgase. Nach 24Stunden Schlafentzug ließ ich mich in mein Bett fallen und war sofort eingeschlafen, wechslte in der Nacht jedoch noch einmal meinen Schlafplatz, weil das Fenster in dem Zimmer kaputt war und Kälte und Straßenlärm mich nicht schlafen ließen.

Ich wurde  von einem Klopfen geweckt, es war zwar nicht gegen unsere Tür, aber es war sehr nah und eine ‚Rachel‘ wurde gerufen. Panisch weckte ich die beiden anderen Freiwilligen die mit mir im Zimmer schliefen- wir hätten um 8Uhr ein Taxi zum Goethe-Institut nehmen müssen, hatten wir etwa verschlafen?!? „Es ist 9Uhr“ stellte Jenny fest und ich sprang auf, nur Tina blieb gelassen-Jenny hatte noch die deutsche Zeiteinstellung auf dem Handy und es war 2Uhr nachts-ganz schön blöd wenn man überhaupt kein Gefühl mehr für die Zeit hat… Natürlich wachten wir am nächsten morgen alle überpünktlich auf, aus Angst nun wirklich das Taxi zu verpassen und standen dann zeitig vor dem Hostel um den Taxifahrer zu erwarten. Dieser ließ auf sich warten. Nach 20Minuten riefen wir verunsichert im Goethe-Institut an, um zu fragen, ob wir alles richtig verstanden hätten-ja hatten wir, unsere Ansprechpartnerin schien nicht verwundert, dass das Taxi noch nicht da war und tatsächlich kam es wenig später, natürlich hupend, angefahren. Während der Fahrt durch den ‚mucho traffico‘ musste ich komischerweise an Dravins Evelotionstheorie denken: „survival of the fittest“ passt auch irgendwie zu den Verkehrsregeln der Peruaner, wobei es natürlich nicht um die sexuelle Fitness sondern das bessere Auto oder den dreisteren Fahrstil geht.

Im Goethe sahen wir die anderen Freiwilligen aus Lima wieder und wir bekamen eine kleine Einführung in unsere Aufgaben für die nächsten 12Monate. Danach fuhren wir mit dem Bus nach Barranco, ein alternatives Viertel, wo wir gemeinsam in einem peruanischen Restaurant zu Mittag aßen. Ich entschied mich für Chicharron de Pollo-eine sehr gute Wahl(Reis mit Pommes und Chicken Nuggets), und wir tranken das landestypische Getränk Chicha Morada aus Mais. Später hatten wir Freiwilligen noch Lust etwas gemeinsam zu unternehmen, da es der letzte Abend von mir und zwei weiteren Freiwilligen in Lima war. Wir besuchten in Mira Flores eine Party Meile und entschieden uns für die erste Bar, aus der kein aufdringlicher Kellner kam um uns anzuwerben. Wir waren die einzigen Gäste im ‚Son de Cuba‘ und wurden etwas seltsam angeschaut, als wir jeder einen Mojito bestellten. Wenig später wurde uns klar warum, es war 18Uhr, nicht gerade die typische Zeit um Mojitos zu bestellen, hier zu Lande wird meist erst gegen 21Uhr das Abendessen serviert, aber da es hier ganzjährig schon gegen ca. 18Uhr dunkel wird und wir alle noch ein bisschen nach der deutschen Zeitzone lebten, sagten wir uns, dass das klar ginge weil es ja eigentlich schon 1Uhr nachts sei.

Mit allen Freiwilligen aus Peru

Die Brücke der Wünsche in Barranco

Am nächsten Morgen waren wir wieder früh wach, kein Wunder wenn man schon um 21Uhr vom Feiern zurück ist… Frühstück gab es im Hostel erst ab 8, was vergleichsweise zu vielen anderen Öffnungszeiten hier sehr früh ist. Gespannt auf das Essen stiegen wir die Treppen zum Speisesaal hoch und… waren verwundert. Wir befanden uns in einem kleinen Raum mit drei Tischen und einer winzigen Küche in der eine alte Frau stand und uns fragte, was wir trinken wollen. Wir entschieden uns für Orangensaft, bereuten diese Entscheidung aber sofort, als wir sahen wie die Frau billige Fanta in drei Gläser schenkte. Das Frühstück war extrem süß, zu der Fanta bekamen wir helle Brötchen und einen kleinen Topf zuckersüße Marmalade und Rührei. Nach dem Essen besuchten wir den ‚Parque del Amor‘ direkt am Pazifik. Trotz des grauen Himmels war es dort voller Leben- im Wasser tummelten sich Surfer, überall gab es Jogger und Hundebesitzer, die enthusiastisch über die kargen Wiesen rannten. Über uns gleiteten Touristen mit Paraglideschirmen herum und Kinder und Jugendliche übten zusammen Tricks auf Slacklines.

Mit Jenny, einer der beiden Freiwilligen, die ebenfalls in Trujillo arbeiten wird, im Park der Liebe

Dann mussten wir schnell zurück zum Hostel denn unser Taxifahrer Juan erwartete uns dort um uns zum Flughafen zu bringen. Trotz Übergepäck kamen wir durch die Sicherheitskontrollen und waren nach einer Stunde Flug endlich in Trujillo, meiner neuen Heimatsstadt für das kommende Jahr. Es war schon dunkel und ziemlich kühl aber ich fühlte mich super, als ich mit lauter coolen Surfer*innen das Flugzeug verließ und auf dem Gepäckband Surfboard für Surfboard an mir vorbei fuhren. Trotz Millionenstadt ist Trujillos Flughafen winzig, der Weg aus dem Flugzeug über die Gepäckbänder bis hin zum Ausgang beträgt keine 15Meter(: man fühlt sich gleich viel geborgener als in den riesigen Massen von Perus Hauptstadt, der Verkehr ist wesentlich entspannter und geprägt von alten bunten VW-Käfern und es gibt viele süße Straßenhunde die gemütlich die Straßen überqueren . Wir wurden am Flughafen von einigen Lehrern empfangen, ich fuhr mit Juan Josef(um kurz noch einmal auf die Klischees zu verweisen bereits der dritte Juan in drei Tagen) gemeinsam Taxi zu dem Haus wo ich bereits aus Deutschland ein Zimmer gemietet hatte. Kety lebt dort mit ihrer Haushelferin Olinda, leider konnten wir uns kaum verständigen, da meine Spanischkenntnisse noch sehr gering sind, aber fürs Zimmer zeigen reichte es dann doch. Ich habe ein eigenes schönes helles Zimmer mit Bad(: Wiedereinmal war ich schon um 21 Uhr todmüde und ging früh schlafen.

Hier wohne ich

Heute morgen kam Ketys Cousine Rosa aus Huanchaco zu Besuch, sie kann Englisch und wir haben ein paar Absprachen getroffen. Danach bin ich mit Kety einkaufen gefahren , wir haben den Bus genommen. Die Colectivos sind kleine bunte Busse ohne feste Haltestellen, will man ein- oder aussteigen gibt man dem Fahrer ein Zeichen. Außer dem Busfahrer gibt es noch einen ‚Busschreier‘ der die großen Straßen die der Bus passiert aus dem Fenster ruft. Tatsächlich funktionierte es ziemlich gut und kostet für jede Entfernung innerhalb der Stadt 1.4 Soles also ca. 35cent.

ein Colectivo

Morgen ist mein erster Tag am Montessori international College hier in Trujillo, ich bin schon wirklich gespannt auf meinen ersten Arbeitstag und erst recht auf die nächsten Monate hier(:

7 thoughts on “Meine ersten Tage in Perus Hauptstadt

  1. Danke, Anna (Rachel), für einen beeindruckenden Bericht von Deiner Ankunft in Peru. Ich wünsche Dir ein gutes Jahr fern der (heimatlichen) Zivilisation.
    Gruß
    Opa Manni

  2. Liebe Anna, jetzt in Ruhe eine Antwort auf den ersten Blog. Ich bi8n begeistert von deinem klaren Blick und den Beobachtungen des Wichtigen und des Nebensächlichen. Da wirst du ja ein grosses Tagebuch füllen – und auch ein inneres Protokoll wird dich wachsen lassen, sicher verändern und hoffentlich beglücken. Meinen Urlaubsreport habe ich an deine Mailadresse geschickt, als Attachment. weiteres nach deiner nächsten Nachricht, die ich schon angezeigt sehe! Ich umarme dich. Michael
    (Um diese Jahreszeit waren wir vor zwei Jahren in Rom, jetzt, in Südtirol, habe ich oft daran gedacht).

  3. Liebe Anna so wunderbar. Ich hatte kein Handy und wir waren am Berg. Aber morgen bekommst du viel Antwort. Bis dahin alles Liebe michael

  4. Guten (nach deutscher Zeit) Morgen, Anna. Mensch, da warst du ja schon richtig fleißig auf deinem Blog. Hört sich jedenfalls alles sehr spannend an und ich wünsche dir, dass es im positiven Sinne auch so weitergeht. Dir auf jeden Fall einen guten Einstieg in dein Jahr.
    Ganz lieben Gruß, Uwe

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