Tourismo y tortugas en Mancora

Bevor ich meinen Freiwilligendienst antrat, sprach ich mit Freunden die bereits in Peru waren, alle empfahlen mir ein paar Tage im Badeort Mancora zu verbringen. Also los: Ohne genau zu wissen, was den kleinen Ort im Norden Perus ausmacht, machte ich mich vergangenen Donnerstag mit drei weiteren deutschen Freiwilligen auf den Weg zum Busbahnhof von Trujillo. Dieser ist mehr als doppelt so groß wie der Flughafen der Stadt und extrem modern(die Peruaner setzten anscheinend auf das Reisen per Landweg). Auch der Reisebus wies deutlich mehr Komfort auf, als man es aus deutschen Bussen kennt: Die Sitze ähnelten Betten, es gab Decken und zwei Mahlzeiten während unserer zehnstündigen Fahrt, dass ganze für weniger als 10€.

Wir erreichten Mancora gegen 10Uhr, der Bus ließ uns auf der Hauptstraße(und gefühlt einzigen befahrbaren Straße) raus und wir begannen unseren Transport zum Hostel zu suchen. Unter ständiger Belagerung mehrerer Mototaxifahrer und Männern die Tagestouren an Touristen verkauften, stellte sich dieses Vorhaben als gar nicht so leicht heraus. Endlich fanden wir unser Taxi und fuhren nur etwa fünf Minuten bis zu unserem Bungalow über der Stadt. Unsere Bleibe für die nächsten Tage war wirklich wunderschön und es fühlte sich gut an von oben auf den Trubel auf der Straße zu sehen aber die Ruhe und Einsamkeit oben auf dem Berg genießen zu können.

Aussicht aus dem „Speisesaal“

Blick von der Terasse

Da wir alle total hungrig waren machten wir uns bald wieder auf den Weg nach unten in die „Stadt“. Wir erkundeten die Umgebung und den Strand und stärkten uns in einer super coolen Surferbar. Danach schlenderten wir über den Markt, bestaunten Schmuck und buchten für den nächsten Tag eine ‚Whalewatchingtour‘. Den restlichen Abend ließen wir mit selbstgemachte Essen und Kartenspielen auf unserer Terrasse ausklingen.

Die Whalewatchingtour begann am nächsten Morgen um 6:30, nicht gerade die Uhrzeit in der man im Urlaub gerne aufsteht… Mit etwa 20 anderen Schaulustigen stiegen wir gespannt in ein Boot. Schon nach wenigen Minuten das erste Highlight: ein Delfin begleitete uns ein paar Meter, ließ aber leider nur eine Rückenflosse blicken aber kurz darauf grüßten uns schon die nächsten Meeressäuger, drei Seelöwen quiekten und winkten mit ihren Flossen. Danach fuhren wir weit raus aufs offene Meer um die versprochenen Wale zu beobachten, an dem Spot wo diese scheinbar oft zu sehen sind harrten bereits ein halbes Dutzend andere Boote voller Touristen aus, alle mit dem gleichen Ziel: Wale sehen. Alles schien still aber sobald einer der guieds einen Wal erblickte begannen alle Boote mit Vollgas in die gezeigten Richtungen zu rasen. Wir bekamen einige Rückenflossen zu sehen, aber ehrlich gesagt, wünschte ich mir die Wale wären nicht aufgetaucht(haha). Sobald die Boote losrasten und sich scheinbar ein kleines Wettrennen lieferten reckten alle Touristen auf unserem Boot die Hälse und noch mehr die Kameras und Handys um ja alles zu dokumentieren. Begeistert kreischten und klatschten die Frauen wenn ein Wal Wasser ausbließ, als wäre das ganze eine einstudierte Show….Das war mir irgendwie alles viel zu touristisch und aufgesetzt. Ich hatte erwartet, dass wir auf dem Meer treiben würden und die Meerestiere mit einigem Abstand und in Stille beobachten würden, aber die Boote schossen unter dem Lärm der jaulenden Motoren auf die Tiere zu, so dass diese ohnehin wieder verschreckt abtauchten.

Quelle:http://Agua-planeta.21118z.pe

Unsere „Mitreisenden“ wurden mir auch nicht wirklich sympatischer, als Proviantpakte verteilt wurden und der Wind immer wieder Verpackungsmüll von den Snacks aus dem Boot wehte, was mit kleinen Kreischern und darauf folgendem Lachen von den meisten Gästen abgetan wurde(Scheiß auf die Meerestiere, wir haben die ja jetzt gesehen). Auf dem Rückweg ging uns dann das Benzin aus, schien aber keinen zu beunruhigen und schon bald fanden wir ein weiteres ‚Touristenboot‘, welches uns bis zum Hafen abschleppte.

Im Hafen gab es dann die nächste Attraktion: Schwimmen mit Meeresschildkröten! Klingt Mega cool-war es auch, aber ganz anders als ich es mir vorgestellt habe(alleine an einem einsamen Strand)… Trotz den vielen Touristen war es eine tolle Erfahrung die ich nicht so schnell vergessen werde.

Quelle:http://Agua-planeta.21118.pe

 

Natürlich ist mir bewusst, dass auch ich mich in vielen Aspekten nicht von den Touristen auf dem Boot unterscheide, trotzdem fühlte ich mich super mies auf dem Ausflug umgeben von diesen unbedachten, lauten, egoistischen Menschen. Dieses Erfahrung, dass ich mich während eines tollen Erlebnisses super unwohl gefühlt habe, beschäftigt mich auch noch Tage später und lässt mich an der Sinnhaftigkeit meines Aufenthaltes hier in Peru zweifeln. Fragen wie: wie wirke ich auf die einheimischen Bevölkerung? Ist meine Absicht(mein FSJ) hier wirklich nachhaltiger als der Aufenthalt eines Touristen? etc. beschäftigen mich… (Diese Fragen habe ich mir natürlich auch schon vor meinem Aufbruch gestellt, aber in Mancora wurde ich seit meines Aufenthalts erstmals mit Massentourismus konfrontiert)

Die restlichen zwei Tage in Mancora verbrachten wir mit typischem Urlaubsprogramm: Essen, Strand, Eis, Meer… Nach den ersten anstrengend Monaten voller neuer Eindrücke und mit einer fremden Sprache war ich froh einfach mal keine Aufgaben oder Termine zu haben. Den letzten Abend nutzten wir nochmal um in dem sagenumwobene Backpackerhostel Loki die Party abzuchecken. Es war total schön sich mal wieder auf englisch oder sogar deutsch unterhalten zu können, da meine Konversationen auf Spanisch, aufgrung mangelnder Sprachkenntnisse meinerseits eher oberflächlich verlaufen. Nach vier ereignisreichen aber auch sehr entspannten Tagen ging es wieder zurück nach Trujillo, wo diese Woche die MIC-games a meiner Schule starten. Was das genau ist erfahrt ihr hoffentlich im nächsten Eintrag(:

3 thoughts on “Tourismo y tortugas en Mancora

  1. Hallo Opa und Opa von Leron(:
    Wie viele Touristen insgesamt im Land sind kann ich überhaupt nicht einschätzen… In Trujillo gibt es eigentlich keinen Tourismus, höchsten eins paar verirrte Surfer aus Huanchaco, die sich die Stadt anschauen. In Mancora war es ziemlich durchmischt, mehr Lateinamerikaner als Europäer denke ich(: In Cusco oder Arequipa wird das bestimmt auch nochmal ganz anders sein…
    Das gleiche gilt für die Lebensstandarts in Peru, ich kann ja eigentlich nur für Trujillo sprechen, weil ich viel zu kurz in Lima und Mancora war um wirklich mitzukriegen wie die Leute dort leben. Natürlich sind die Standards eher geringer als in Deutschland, bsondere Defizite sehe ich in der Infrastruktur hier und es gibt viel mehr Armut. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass die Menschen hier unglücklicher sind, allerdings stauen viele wenn sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme und freiwillig nach Peru gekommen bin…
    Zu dem Thema wird im kommenden Jahr bestimmt auch noch mehr kommen! Danke für eure lieben Kommentare(:

  2. Hallo Rachel!
    Deine negativen Erfahrungen mit dem Tourismus habe ich schon vor zig Jahren in Thailand und Birma,wie es damals noch hieß .gemacht.Wann werden die Menschen endlich ihren Verstand einsetzen, um die Schönheit der Erde zu erhalten und friedlich zu machen?!

    Mich würde noch interessieren,wie der Lebensstandart in Peru aussieht, wie die Menschen dort leben,was sie sich für die Zukunft wünschen,was der Einzelne denkt.

    Pass auf Dich auf!

    Peter

  3. Grossartig beschreibst du diesen Ausflug weg vom Alltag. Ich will auch mit Schildkröten schwimmen.sind insgesamt viele Touris im Land und woher?

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