11.Huanchaco-Surfers paradise Perú

Ich blättere die Seite von meinem Terminkalender von 2019 um: FEBRUAR!Wann ist das denn passiert? War nicht letzte Woche noch Weihnachten?

Die ersten Wochen im neuen Jahr sind unglaublich schnell vergangen, aber wenn ich meinen Terminkalender durblättere realisiere ich, dass jede Menge passiert ist. Angefangen mit dem Umzug nach Huanchaco, dem Dörfchen circa 10Kilometer von Trujillo entfernt und dem wunderschönsten Ort der Welt. Hier ticken die Uhren langsamer und es geht sehr gemütlich zu. Jede dritte Person ist barfuß, in Badekleidung, trägt ein Surfbrett unter dem Arm oder begrüßt dich mit dem allgemeinen Surfergruß. Die vielen kleinen Restaurants werben mit veganen Burgern und gemütlichen Kaffes auf den bunten Sofas und sogar die Straßenhunde wirken gechillter als in Trujilo und lassen sich gerne mal streicheln. Trotz den vielen Touristen(im Sommer) hat das Dorf seinen peruanischen Flaire nicht verloren und was mir besonders gefällt ist die kleine Markthalle! Da es noch immer keinen Supermarkt in Huanchaco gibt, ist man gezwungen alle Produkte in den kleinen ‚tiendas‘(ähnlich wie Kiosks vom Aufbau aber es gibt alle Produkte die das Herz begehrt) oder auf dem Markt zu kaufen. Letzterer ist vormittags immer unglaublich stickig und überfüllt, aber ein Besuch lohnt sich! Meine letze Ausbeute: fünf Bananen, 500Gramm Erdbeeren, 500Gramm Trauben, eine Gurke und ein paar Tomaten für weniger als 4€. Das alles ohne Plastik zu verwenden oder Müll zu produzieren:)

Analoge Fotos, made by Leron

Alle Ziele in Huanchaco kann man in unter 20Minuten zu Fuß erreichen, deshalb gibt es auch wenige Autos und die meiste Zeit laufen die Menschen auf den Straßen. Ich wohne ziemlich zentral, ungefähr 2Minuten vom Meer entfernt in einem dreistöckigen Haus. Insgesamt sind wir fünf Mädels und unsere Vermieterin, jeder hat ein eigenes, großes Zimmer mit Bad aber wir teilen uns teilweise die Küchen.

Mein Zimmer

Die Küche teile ich mit einer amerikanischen Surferin

Der Strand in Huanchaco ist leider nicht wirklich badegeeignet, aber dafür gibt es hier eine der längsten Wellen weltweit, sehr zur Freude aller Surfer*innen. Da die sommerlichen Temperaturen an Land kaum auszuhalten sind, verbringe ich den Großteil meiner Freizeit auf dem Wasser, momentan braucht man nicht mal einen Wetsuite, so warm ist das Meer. Letztes Wochenende waren die Wellen ziemlich hoch, deshalb saß ich die meiste Zeit im line-up und habe das Meer und den Himmel beobachtet. Hinter den Bergen, welche direkt hinter Huanchaco beginnen, war der Himmel noch dunkelblau, am Horizont gegenüber war die knallrote Sonne schon zur Hälfte im Meer versunken und der Himmel leuchtete gelb orange. Als ich dann nach oben schaute, um den Farbübergang zu betrachten, sah ich vor einem lilarosanen Hintergrund einen ganzen Schwarm Pelikane, die nur zwei Meter über mir entlang zogen. Diesen Anblick vergesse ich bestimmt nicht so schnell! Schöne Sonnenuntergänge stehen in Huanchaco glücklicherweise an der Tagesordnung:

Im Vordergrund sieht man die bekannten caballitos de totora, Schifferboote aus Schilf mit denen schon vor Jahrtausenden hier gefischt wurde.

Endlich bin ich richtig angekommen! Mit den ‚Tiendabesitzern‘ kann ich problemlos Smalltalk auf Spanisch führen und wenn meine Gesprächspartner langsam reden verstehe ich mittlerweile auch Vieles. Einige Dinge, die anfangs total befremdlich für mich waren, sind jetzt alltäglich geworden: das jede sich bietende Möglichkeit genutzt werden sollte, um mit 100Solesscheinen zu bezahlen, da die meisten Läden so große Scheine nicht wechseln können, der Automat aber nur 100er ausspuckt. Ganz selbstverständlich steigen wir morgens zu fünft oder sechst ins Taxi, dass uns zur Schule bringt und das Wort „baja“ läuft mir automatisch über die Lippen, wenn ich dem ‚Busschreier‘ mittteilen möchte, dass ich nun aussteigen will. Hört man Abends nach Sonnenuntergang die große Glocke vom Müllauto unterbricht man flux was immer man in dem Moment macht(meistens kochen oder essen) und sammelt den gesamten Müll im Haus ein, um diesen rechtzeitig am Straßenrand zu platzieren oder noch schnell einem der Müllleute in die Hand zu drücken. Kakerlaken wird gekonnt auf dem Gehweg ausgewichen und die Schicht Sonenencreme, die man hier täglich braucht um sich zu schützen, gehört schon lange zur Morgenroutine. Der Kulturweitfreiwillige Jan hat es in seinem Blog gut auf den Punkt gebracht: “aus Abenteuer wird Alltag.”

Nächste Woche starte ich mein eigenes Projekt „humans of huanchaco“, wo ich Geschichten von Einheimischen und Freiwilligen aus Huanchaco veröffentlichen werde. Die Stories könnt ihr euch auf Instagram über @humansofhuanchaco ansehen.

1 Comment

  1. Martin Daxner

    Liebe Anna!
    Von mir, aber vor allem von Oma, die besten Geburtstagswünsche! Wir hoffen dass du in diesem ereignisreichen Jahr noch viele tolle Erlebnisse hast. Ich habe Oma gerade den letzten Bericht vorgelesen. Du kannst dir nicht vorstellen, welche Freude sie damit hat. Du sollst daraus ein Buch machen, sagt sie jedesmal!
    Wie du merkst, geht es Oma wieder gut, fast besser als vor ihrer schweren Erkrankung.
    Auch ich geniesse deine Beiträge, weil es für mich viele Erinnerungen weckt. War doch Peru auch meine erste große Reise, damals allerdings statt Touristen, eher Terroristen.
    Viel Spaß bei deinen weiteren Abenteuern und schreib bald wieder einen Bericht!
    Martin

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