15.Alltag

“Un regalo de Cristo” steht auf der verschmutzten Glasscheibe, die mich vom Busfahrer trennt. Über dem Schriftzug klebt ein vergilbtes Superman-Zeichen. Im Radio läuft Cumbia, welche durch die Geräusche im Bus übertönt wird und nur wie ein leichter Teppich unter dem Lärm liegt. Mein Montag Abend: anders als die restlichen Tage der Woche fahre ich nicht mit der Mobilidad(Sammeltaxi) nach Hause, sonder gehe mit Juanjo, meinem Spanischlehrer(und Lehrer am MIC) zum METRO(vergleichbar mit Kaufland in Deutschland). Dort gibt es ein Cafe, in dem man alles verzehren kann, was im Supermarkt angeboten wird. Nach dem Unterricht nehme ich den Bus zurück nach Huanchaco. Mit mir fahren alle, die in dem Surferort leben aber in Trujillo studieren oder arbeiten. Da muss man schon sehr viel Glück haben, um einen Sitzplatz zu erwischen. Wir fahren an den Ruinen ChanChan’s vorbei, uralte Mauern die von den Chimús vor über 700Jahren hier in der Wüste errichtet wurden. Machu Picchu in unspektakulär, aber eine der wenigen Touristenattraktionen, die Trujillo zu bieten hat. Die Sonne geht gerade unter, wie fast immer  mit einem unglaublichen Farbspiel, als wäre ein Tuschkasten ausgelaufen. Im stop and go Rhythmus bewegen wir uns viel zu langsam vorwärts. Für den Weg von 13Kilometern brauchen wir fast eine Stunde. In Deutschland würde mich dieses Schneckentempo total aufregen, genau wie die laut telefonierende Frau neben mir oder das Kind zwei Reihen weiter hinten, welches auf dem Handy des Vaters auf höchster Lautstärke „Subway surfers“ zu spielen scheint. Hier stört es mich nicht groß, es gehört dazu. So habe ich es kennen gelernt und so ist es zu meinem Alltag hier geworden.

Mein Alltag. Wie sieht der aus? Anders als dieser Blog es vielleicht vermuten lässt, bin ich die meiste Zeit hier in Peru am Arbeiten. Mein FSJ absolviere ich am Montessori International College in Trujillo. Jeden Morgen treffen wir Lehrer aus Huanchaco uns um 7Uhr und fahren mit der Mobilidad gemeinsam zur Schule. Der Tag beginnt um 7:30 und mein erster Weg führt mich zum Deutschraum, wo ich seit Februar eine “deutsche Wand” eingerichtet habe, an der ich täglich den aktuellen Wochentag und den Monat(natürlich auf deutsch) aushänge. Freitags darf ich ab 7:40 mit der fünften Klasse den funfriday gestalten. Meistens spielen wir Fußball oder andere Bewegungsspiele auf dem Hof. Um 8:20 fängt immer der offizielle Unterricht an. Ich unterstütze hauptsächlich Liliam und Janine, zwei Deutschlehrerinnen, die dieses Jahr zum ersten Mal alleine unterrichten. Manchmal darf ich mit kleinen Gruppen parallel arbeiten, dass macht mir am meisten Spaß, weil die Schüler*innen sich besser konzentrieren und das Verhältnis freundschaftlicher ist. Das Lieblingsspiel der Kinder ist Ich packe meinen Koffer…. und wird manchmal sogar in den Pausen weiter gespielt. Ich werde auch immer ganz viel gefragt und als ich mal erzählt habe, dass es in Deutschland kein ChichaMorrada(Getränk aus Mais) oder Chifa(Chinesisch-Peruanische Küche) gibt, waren alle Schulkinder total entsetzt. Nachdem ich anfangs ein bisschen enttäuscht war, dass das MIC eine private Schule mit “westlichen” Standards ist, habe ich mich mittlerweile gut damit arrangiert und die vielen Vorteile entdeckt. Das Lehrerteam ist total motiviert und kreativ und macht tolle Aktionen mit den Schülern, wo ich oft mit dabei sein darf. Vergangene Woche durfte ich beispielsweise zum zweiten Mal die deutsche Woche miterleben und gestalte. Das Thema “200Jahre Alexander von Humboldt” wurde den Schülern mit Filmen, Quizrunden und Twitterbeiträgen schmackhaft gemacht und war ein voller Erfolg.

Freies Arbeiten: wenn Alexander von Humboldt twittern würde….

Der Schulhof am MIC

Mein Tag endet zwischen 14 und 17Uhr. Wenn ich früh Schluss habe gehe ich eigentlich immer surfen oder auf den Markt einkaufen, der hat nähmlich nicht so lange geöffnet. Abends kochen wir manchmal gemeinsam oder ich hole mir etwas auf der Straße. Letzte Woche habe ich zum ersten Mal meinen eigenen Fisch zubereitet und danach verspeist, dass war eine tolle Erfahrung.

al aguaaa(:

typisches Essen: Chicharron de pescado(Fisch) mit Camote(Süßkartoffel) und Yuca

Ceviche: roher Fisch mit Limone, Papa und Choclo(Kartoffeln und Mais)

Am Freitag Abend geht es immer ins Frogs, der einzigen und besten Beachbar hier in Huanchaco. Dort trifft man immer alle jungen Menschen aus dem Ort wieder, deshalb ist es echt schön dort und endet meistens erst in den Morgenstunden. Samstag und Sonntag mache ich ein paar Sachen im Haushalt oder was sonst so ansteht, meistens gibt es auch immer einige Events wie Surfwettkämpfe, Live-Musik, Flohmärkte und Feiertage oder wir machen Ausflüge. Mein Lieblingsziel ist Chicama, der Ort mit der längsten linksbrechenden Welle der Welt. Man braucht mit dem Auto nur eine Stunde dorthin, deshalb fahren bei gutem Swell fast alle Huanchaqueros Richtung Norden um die besten Wellen zu surfen.

Frogs

Chicama mit Boot

Chicama sunset

Live-Musik im Mándala

1 Comment

  1. Melzer,Peter

    Hallo Rachel!
    Schön,auch einmal etwas über Deinen Alltag zu erfahren.Ich muss schon sagen,er ist sehr ausgefüllt und spannend.Wenn Du zurück bist,wird Dir einiges fehlen.Geniesse die restliche Zeit und pass auf Dich auf!
    Peter

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