9.Neujahr im Nabel der Welt: Cusco

Angekommen in der ehemaligen Inkahauptstadt führte uns unser erster Weg zum San Pedro Market. Unsere Ausbeute bestand aus getrockneten Früchten, Kuchen, Smoothies, Bananen und einem Mittagsmenü für 5Soles(ja wir hatten sehr großen Hunger). Außerdem buchten wir für den folgenden Tag eine Tour zum rainbowmountain bevor wir unsere Zimmer im Hostel beziehen konnten. Den Abend ließen wir mit Manuel(Freiwilliger an der Musikhochschule Trujillo) und seinem Kumpel Basti, wiedereinmal mit Kartenspielen  ausklingen. Abends kuschelte ich mich in die weiche Bettdecke, froh nach drei Nächten auf Bussitzen endlich wieder ausgestreckt schlafen zu können. Das Vergnügen hielt aber nicht lange an, da wir bereits um 4:30 zu den montañas de 7 colores(=rainbowmountains) aufbrachen. Gemeinsam mit 15weiteren Tourist*innen und unserem einheimischen Guide fuhren wir auf etwa 5000Meter bis zu einem Parkplatz wo bereits mehr als 50 weitere Busse und Transporter von ‘Touriagenturen’ parkten. Dementsprechend viele Menschen waren auf dem 4kilometerlangen Wanderweg vorzufinden…Als eine Touristin die Touristenmassen zu vermeiden versucht  fühlte ich mich mal wieder ziemlich unwohl in dem Gedränge auf den schmalen Pfaden. Ich brauchte 75Minuten bis zum Aussichtspunkt auf 5200Metern. Oben blies ein eiskalter Wind und junge Europäer*innen bezahlten einheimische Frauen um Fotos mit Babyalpakas vor den bunten Bergen zu machen. Besonders begeistert war ich vom gesamten Ambiente nicht, deshalb machten wir uns bald wieder an den Abstieg.

Durchgefroren aber endlich oben

Umso mehr gefiel fiel mir die Rückfahrt, auf der wir etwa zwei Stunden lang unserem Guide über die Entstehung der rainbowmountain(Die Farben sind durch überlagerte Mineralien, die sich über Millionen von Jahren im Meer ablagerten, entstanden. Diese Sedimentschichten wurden durch Plattentektonik in eine fast senkrechte Position gedrückt)und den Folgen für die Bevölkerung in den Bergen lauschten und viel über Traditionen zum Jahreswechsel in Cusco erfuhren. Dieser stand schon am nächsten Abend an: Nach einem sehr teuren Besuch beim Italiener verließen wir gegen 23Uhr unser Hostel, welches sehr nah am Plaza de Armas liegt um Julius, den Kulturweitfreiwilligen aus Cusco zu treffen. Es war unglaublich voll und alle Menschen trugen gelben Schmuck oder Verkleidungen. Um 0Uhr begannen dann alle im Kreis um den Platz zu rennen, diese Bräuche sollen im nächsten Jahr Glück und tolle Reisen mit sich bringen, deshalb machten wir spontan mit.

Kurz vor Mitternacht im Hostel

Am 2.Januar brach ich dann endlich zu der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit Lateinamerikas auf: Machu Picchu. Gemeinsam mit Henri(ebenfalls einem deutschen Freiwilligen aus Huanchaco) und drei neu gewonnenen Freunden(Thomas aus Chile, José aus Mexiko und Gabriele aus Italien) fuhren wir mit einem Colectivo bis nach Santa Maria um dann festzustellen, dass von dem Ort nur einmal am Tag ein Bus nach Aguas calientes, auch Machu picchu Stadt genannt, fährt. Da die Jungs alle ziemlich ,lowbudgetmäßig‘ unterwegs waren standen wir dann über eine Stunde mit ausgestrecktem Daumen an der Straße, bis wir eine Mitfahrgelegenheit fanden. Durch diese Verzögerung kamen wir erst in der Dämmerung in Hydroelectricas, dem Bahnhof für die Züge nach Aguas calientes an. Meine Reisegefährten hatten aber sowieso geplant, die 30Dollar zu sparen und die Strecke entlang der Schienen zu laufen. Also wanderten wir zwei Stunden auf Bahnschienen voll gepackt mit unseren Backpacks und mit lauter knurrenden Mägen durch den düsteren Dschungel. Mal über improvisierte Brücken oder nur auf den Schienen balancierend, immer umgeben von aufleuchtenden Glühwürmchen, welche die Nachtwanderung zu einem kleinen Highlight machten.

Weg entlang der Schienen nach Aguas calientes

Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen um 4Uhr los. Schon nach einer halben Stunde trafen wir auf das erste Hindernis: zwei Sicherheitsleute, die die Brücke bewachten, welche zum Wanderweg hoch zur ,Inkastadt‘ führte. Wie einige andere Wartende wussten wir nicht, dass die Wege erst um 5Uhr freigegeben werden(steht auch in keinem Reiseführer?!) und so harrten wir mit den andern uninformierten Übermotivierten im Dunklen aus, nur um mitzuerleben wie der erste Zug mit lauter Tourist*innen eintraf und sich eine Menschenmasse zu uns gesellte.Na toll! Als dann der Übergang freigegeben wurde stürmten alle los, meine Begleiter voran und ich hielt gezwungenermaßen mit, aus Angst alleine durch den dunklen Dschungel zu müssen. Als ich dann schweißgebadet(bei 90%Luftfeutigkeit unvermeidbar) vor den Toren Machu Picchus ankam waren erst vier weitere Menschen eingetroffen und der Eingang noch verschlossen. Dieser blieb uns auch noch über eine Stunde verwährt, da unsere Tickets erst ab 7Uhr gültig waren. Als es dann endlich soweit war waren aber glücklicherweise noch nicht allzuviele Touris eingetroffen, so dass wir die Wolkenstadt noch auf fast leeren Wegen und in Ruhe bestaunen konnten. Es sah genauso aus wie man die verlorene Stadt auch schon auf den vielen Fotos auf Plakaten in Reiseführern oder Touristeninformationen gesehen hatte und trotzdem war ich unglaublich beeindruckt. Denn was man auf den Fotos nicht erkennt ist die riesige Größe der Stadt und und die Aussicht, welche zu allen Seite spektakuläre von wolkenverhangene grüne Berge beinhaltet. Zu allen Seiten nur Regenwald, der sich in der Ferne im Dunst verliert. Außerdem erfuhr ich, dass nur 3% der Gebäude restauriert wurden, der Rest der Mauern und Ruinen(welche noch ziemlich gut erhalten waren) steht seit Jahrhunderten unbeschädigt trotz rauem Wind und Wetter in den Anden. Wieder einmal konnte ich Wissen aus dem Erdkundeunterricht nutzen, da die Inkas zur Bewässerung ein Terassensystem nutzten, welches stufenartig in die Hänge eingelassen war(Danke an Herrn Baum!).

Alpaca und Machu picchu, so hab ich mir Peru vorgestellt

Nach dem Abstieg machten wir uns direkt auf den Rückweg, so dass ich die berühmte Machu Picchu Stadt Aguas Calientes nicht bei Tageslicht zu sehen bekam, dafür war aber der Rückweg entlang der Schienen entspannter und aussichtsreicher als am Vorabend. Außerdem bewältigte ich nach dem ich den Anfang der Reise nur in meiner deutschen Blase mit anderen deutschen Freiwillig*innen unterwegs gewesen bin den gesamten Ausflug auf Spanisch und dank der Sparsamkeit der  Jungs habe auch ich für die gesamten zwei Tage inklusive Anreise, Hostel, Eintritt und Essen nur circa 65€ gezahlt.

Wiedereinmal verbrachten wir die letzten Tage in Cusco mit typischem Touriprogramm, hauptsächlich mit dem Erwerb von Alpakaprodukten und gutem Essen, bevor wir uns auf eine sehr lange Busfahrt zurück begaben.

An alle die noch den Wunsch zum frohen neuen Jahr von mir auf WhatsApp erwarten: ihr müsst euch noch etwas gedulden, mein Handy wurde mir geklaut aber ich bin via Facebook oder Mail erreichbar.

Das Titelbild hat die liebe Clara geschossen: https://www.instagram.com/qmasclara/

2 Comments

  1. Michael

    Liebe Anna Rachel,

    endlich konnte ich die letzten Blogs lesen, es funktioniert wieder. Danke. Und: wie immer, wunderbar beschrieben und sehr aufschlussreich für alle, die noch nicht da waren. Du bist sozusagen beides, Lehrerin und Studentin in einem, und deine Beobachtungen sidn wichtiges Material gegen die Verflachung von Tourismus, aber auch gegen den Hochmut der Studienreisenden. Was mich interessiert ist deine Erwähnung, dass die Spanier die Andenbewohner in ihrer Kultur etwas geschont hätten, weil die Böden als wenig fruchtbar erschienen…Wurde da nicht nach Gold und anderen Mineralien geschürft?
    So hoch wie du raufkletterst, geht es natürlich in den Alpen nicht: wie sind denn die wege ausgezeichnet, markiert und gesichert? oder gar nicht?
    Einen ausführlichen Bericht von mir und uns erhältst du in den nächsten Tagen.
    Ich wünsche dir alles Liebe im neuen Hagr und gute Monate vor dir: Michael
    Grüße von uns allen aus dem Nieselregen.

  2. Martin Daxner

    Liebe Anna!
    Du hast sicher gehört, dass es Oma sehr schlecht geht. Aber wenn ich deine Berichte vorlese blüht sie richtig auf. Sie hört aufmerksam zu und kann nicht genug davon kriegen. Sie (ich übrigens auch) erfreuen uns an den detailreichen und lebendigen Erzählungen. Sie kann zwar ihre Medikamente nicht mehr nehmen, aber diese Briefe sind wahrscheinlich eine viel bessere Medizin.
    Für mich werden viele Erinnerungen wach, auch wenn es schon 25 Jahre her ist. Huaraz und Umgebung haben wir ausgiebig genossen, Ayacucho war damals rote Zone, dafür erlebte ich Cusco ohne Touristen und Arequipa bzw. der Colca-Canyon standen noch in keinem Reiseführer und daher ohne Turibusse das wäre sicher mehr nach deinem Geschmack gewesen. Ich freue mich auf weitere Berichte und noch viel mehr hoffentlich auch auf Erzählungen wenn du zurück bist.
    Liebe Grüße und viele tolle Erlebnisse
    Martin
    PS: Deine Schwester hat das Schnee machen noch immer nicht verlernt! Seit sie da war schneit es fast ununterbrochen. Am Feuerkogel liegen fast 3 Meter Schnee!

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