12.Haribo Colorado

Der März war wie eine Tüte Haribo Colorado. Jeder der mich kennt weiß, dass das etwas positives ist, weil ich wirklich gerne nasche(:

Wie in jeder Colorado-Tüte gab es einige Himbeeren, die sind die Highlights, aber leider gibt es davon immer nur ganz Wenige, sonst wären sie wahrscheinlich nicht so besonders….. Für mich war es der Umzug mit Charlotte(ebenfalls deutsche Freiwillige) in ein eigenes kleines Apartment. Wir wohnen jetzt noch näher am Meer(1Minute zu Fuß) und wir haben einen eigenen kleinen Außenbereich, in dem wir momentan 90% unserer Zeit verbringen.

Großes Frühstück in unserem Hof mit Paula und Nell(ehemalige Freiwillige)

Außerdem habe ich mir ein Fahrrad von einem Freund ausgeliehen. Huanchaco ist zwar so klein,dass man auch überall zu fuß hin kommt, aber mit dem Fahrrad macht es einfach mehr Spaß und wenn ich meine Ruhe brauche fahre ich 10 Minuten auf der Straße raus aus Huanchaco und setze mich alleine an den Strand.

Klick hier(:

Das dritte und sehr unerwartete Highlight war das Palo Cilulo, ein traditionelles Fest zum Karneval. Die Karten sind nicht käuflich, sondern werden an Organisationen, welche zum gesellschaftlichen Wohl in Huanchaco beitragen, verteilt. Deshalb war ich auch sehr überrascht, als mir Samstag Mittag spontan zwei Karten angeboten wurden. Schnell wurden (mehr oder weniger) alte oder kaputte Klamotten übergeschmissen und es ging los in den Club Huanchaco(Wie Die Gildeparkbühne in Hannover). Dort waren schon sehr viele Leute, da die Veranstaltung schon morgens begonnen hatte. Das bekannte Fällen eines riesigen Baumes, der mit Gutscheinen und Geschenken behängt ist, hatten wir verpasst. Genau wie das Spiel, wo Freiwillige an fünf Meter hohen Stangen, die mit Seife eingeschmiert sind klettern müssen um Geschenke von der Decke zu pflücken. Ähnlich wie bei dem indischen Holi-Fest schmeißen sich die Leute an Karneval mit Farben ab, nur dass kein Pulver sondern einfache Wand- oder Malfarben benutzt werden. Es war super lustig und langsam fange ich an Reggaeton(Musikrichtung, welche in ganz Südamerika gefeiert wird) für mich zu entdecken. Falls ihr mal reinhören wollt kann ich euch diese Lieder empfehlen: Con Calma-daddy yankee, Reggaeton-J Balvin und Calma-Pedro Capó(kein Reggeaton aber Ohrwurmgarantie: Cariñito-hijos del sol).

Da ich vergessen habe Fotos zu machen, ist das T-Shirt der einzige Beweis(:

Die zweit Beste Sache in der Haribo Colorado Tüte sind unumstritten die Gummifrösche! Für mich ist das momentan alles was mit surfen zu tun hat. Wie ich ja schon berichtet hatte, ist Huanchaco ein Paradis für Surfer. Ich versuche so oft wie Möglich ins Wasser zu gehen, was gar nicht so einfach ist, da ich teilweise erst um 17:30 von der Arbeit komme und die Sonne um 18:30 untergeht…. Ende Februar war ein Surfkontest in Huanchaco, das war super spannend. Das Finale war am Sonntag Abend, nach Sonnenuntergang. Es wurden riesige Scheinwerfer aufgestellt, die die Surfer im Wasser angeleuchtet haben. Die Stimmung war richtig schön, es gab live-Musik und ein Lagerfeuer um das alle getanzt sind. Eine Mitbewohnerin aus meinem alten Haus versucht die einheimischen Mädchen zum surfen zu motivieren und organisiert regelmäßig Wettkämpfe für Frauen, wo ich demnächst vielleicht auch teilnehmen möchte. Erstmal will ich mir aber ein eigenes Board kaufen(:

Boards bemalen mit Paula(:

Die Gummibärchen stehen für die ganzen neuen Bekanntschaften, die ich hier mache. Dabei sind die roten und die grünen Bären eindeutig bessere Freunde und die gelben und orangenen Bären eher oberflächliche Beziehungen. In Huanchaco ist es ziemlich einfach Leute kennen zu lernen, weil man immer den gleichen Menschen über den Weg läuft und alle super lieb und offen sind. Leider gibt es aber auch viele Freiwillige oder Backpacker, die nach kurzer Zeit wieder abreisen, so dass man sich ständig wieder neue Leute suchen muss.

Zu jeder Tüte Haribo Colorado gehört auch die Lakritze, die bei mir immer bis zum Ende über bleibt. Die Fledermäuse gehen ja noch, weil die Flügel aus Gummi sind. Dort würde ich die Arbeit einordnen. Seit dem 4. März sind die Schüler wieder da, davor haben wir Lehrer den ganzen Februar lang alles vorbereitet. Ehrlich gesagt, habe ich mich nicht all zu dolle auf die Arbeit gefreut, da ich mich im letzten Jahr echt oft gelangweilt und unterfordert gefühlt habe, aber gleichzeitig immer total fertig von der Schule kam. Jeden Tag sieben bis acht Stunden mit schreienden Kindern zu verbringen, die ich nicht besonders gut verstehe, war schon echt anstrengend. Mittlerweile haben meine Ansprechpartnerin und ich aber einige Kompromisse gefunden und ich habe mir selber einige Aufgaben, wie die Gestaltung einer „deutschen Wand“ gesucht. Es war auch richtig schön, einige Schüler aus dem letzten Jahr wieder zu sehen(ich habe mich wie eine Oma gefühlt, weil ich allen Schülern sagen wollte: du bist über die Ferien aber groß geworden). Der Gedanke bis Mai keine Ferien zu haben ist nach den ersten Schulwochen etwas erträglicher geworden, denn ich habe wirklich liebe Kollgen und seit ich besser Spanisch spreche macht die Zusammenarbeit mit den Kindern auch um einiges mehr Spaß.

Die restliche Lakritze find ich einfach nur ekelhaft. Passend dazu war ich Anfang März und über meinen Geburtstag krank. Außerdem hat sich das Wetter geändert. In den letzten Jahrhunderten kam es immer wieder zu dem Wetterphänomen El niño. Das erste Mal hörte ich bereits 2016 davon, als die Westküste Südamerikas von schlimmen Regenfällen und Überflutungen betroffen war. Die Leute hier schütteln immer den Kopf und erzählen schreckliche Geschichten wenn man sie danach fragt, denn Trujillo und Huanchaco waren damals stark betroffen. Niemand hier war auf den Regen vorbereitet, weil das Wüstenklima eigentlich sehr trocken ist. Allerdings befürchten gerade viele Menschen, dass sich das Phänomen in diesem Jahr wiederholen wird. Es hat schon einige Nächte heftig geregnet, am nächsten Morgen waren die Straßen überflutet und viele Häuser voller Wasser und es gab kein Netz oder Strom. Nach dem ich den ganzen Januar und Februar über nur Shorts und T-Shirts getragen habe,  fange ich jetzt sobald die Sonne untergegangen ist an zu frieren…. Hier in Perú bekommen die Menschen den Klimawandel so viel stärker zu spüren, mittlerweile wird in den Schulen auch viel aufgeklärt(leider habe ich nicht mitbekommen, dass es über die Aufklärung hinaus geht, aber es ist ein Anfang).

Alles in allem war der letzte Monat aber wirklich lecker!

2 Comments

  1. Michael

    Liebe Anna, beim Lesen deines Blogs kommt mir immer der Gedanke, wenigstens als Doppelgänger in dein Paradies auszuwandern, um dann die andere Seite der Medaille auch zu erleben. Du schreibst schon einen wunderbaren Bericht über ein Jahr, das sich vielfältig und endlos und zugleich ganz schnell dreht.

    Die Arbeitstage würden mich interessieren, die Zeit bevor du an den Strand gehst.
    Was bekommst du aus Europa mit, im Großen und im Unbedeutenden? Ich denke, vieles, das un shier zu Recht beunruhigt, hat auch in Peru seine Auswirkungen, aber es hat uns zu egoistisch gemacht und wir schauen immer weniger nach draußen.

    Umso näher bringen uns deine Blogs diesem Draußen, das so viel ungekünstelte Wirklichkeit enthält.
    Jedenfalls danke für jeden deiner Blogs und ein wenig Neid auf Seehöhen über 4000m – da liegt wenigstens noch Schnee, der in uunsern Alpen schon fast verschwunden ist. Ganz lieben Gruß von Michael und uns allen

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