8.Weiße Weihnachten: Huaraz und die Reise danach

21.12. Sommeranfang in Peru und Anfang einer wunderschönen Reise für mich.

Einige Tage zuvor waren bereits mein Freund Leron und zwei weitere Kulturweitfreiwillige(Paula&Clara) aus Kolumbien angereist um meinen neue Wohnort Huanchaco zu erkunden. Gemeinsam nahmen wir abends den Bus nach Huaraz, einer auf über 3000Meter gelegenen Stadt in den Anden. Dort hatten wir mit Valentin, einem weiteren Freiwilligen aus Lima, ein wunderschönes Apartment gebucht. Da unser Bus die Stadt bereits gegen 5Uhr morgens erreichte und wir unsere neue Bleibe erst gegen Mittag beziehen konnten, schlugen wir uns mit unseren vollbepackten Rucksäcken und einem Handykompass(funktionierende Handys sind bei uns Mangelware) bis zum Plaza de armas(dem Hauptplatz jeder peruanischen Stadt) durch und suchten uns ein Café um die Zeit bis zum Check-in zu überbrücken. Auf dem Weg fielen mir gleich viele Unterschiede zu den peruanischen Städten, welche ich bereits kannte, auf. Am aufälligsten war die traditionelle und farbenfrohe Kleidung der Einheimischen: lange Röcke, große Hüte und bunte Tücher- authentischer als aus jedem Reiseführer. Später erfuhren wir, dass die Menschen in den Anden weniger unter dem Kolonialismus gelitten hatten, da die Spanier das Land in den Bergen für unfruchtbar gehalten haben und daher hauptsächlich die Küstenstädte besetzten. Daher findet man in den Anden noch uralte Bräuche oder die indigene Sprache Quechua, welche auch die Inkas verwendeten.

traditionelle Kleidung auf dem Markt

Der erste Ausflug am folgenden Tag führte uns zur Lagune Parón auf 4200Metern, den Weg legten wir mit unserem Guide Leo in einem privaten Auto zurück. Es gab nette Gespräche auf Spanisch und der 15-jährige Leo erklärte uns viel über die Cordillera blanca in welchem der höchste Berg Perus, der Nevado Huascarán liegt. Nachdem wir etwa dreieinhalb Stunden über unbepflasterte Wege gefahren/geruckelt waren, erreichten wir die Lagune. Im strahlenden Sonnenschein öffnete ich die Autotür und sah einen wunderschönen glitzernden, türkisen See mit schneebedeckten Berggipfeln im Hintergrund.

Gemeinsam mit Leo machten wir uns an den Aufstieg zum Mirador, einem Aussichtspunkt. Der 30minütige Anstieg erwies sich aufgrund der dünnen Luft als unglaublich anstrengend, aber oben angekommen war der Aufwand schnell vergessen.

Laguna Parón

Wir hatten noch etwas Zeit die Lagune von unten zu betrachten und die Wassertemperatur zu testen. Alle genossen es, diesen wunderschönen Ort für uns alleine zu haben, da keine anderenTouristen in der Nähe schienen. Nur ein sportlicher Peruaner mit seinem Paddelboard nutzte das schöne Wetter um Sport zu treiben oder, wie wir später erfuhren, neue Bilder für seinen Instagram Account zu schießen…. Alberto freute sich offensichtlich sehr uns kennen zu lernen und jeder der wollte, durfte eine Runde mit dem Board auf der Lagune drehen. Anschließend gab es noch ein kleines Fotoshooting für Albertos Instafeed, bevor wir diesen wunderschönen Ort wieder verlassen mussten.

Fotoshooting

Ganz schön frisch

Parón sollte aber nicht die letzte Lagune gewesen sein, die wir besuchten. Gleich am nächsten Tag, dem 24.12. stiefelten wir um 5Uhr morgens los, um den Bus zur Laguna 69, einem UNESCO-Weltkulturerbe in der Nähe von Huaraz, zu erwischen. Die Lagune ist sehr beliebt und das Aushängeschild jedes Turistenbüros in der Stadt, weshalb ich mich etwas fürchtete die Wanderung hin zur Lagune durch die Massen an Touristen nicht genießen zu können. Allerdings waren nur zwei Busse auf dem Parkplatz zum Eingang des Wanderwegs und da sich der Weg auf 16Kilometer ausstreckt, war von den anderen Menschen kaum etwas zu sehen. Dafür sahen wir eine unglaublich tolle und abwechslungsreiche Natur mit riesigen Wasserfällen und vielen „freien“ Kühen, die gerne mal den Weg versperrten oder einem ins Gebüsch folgten, wenn man die Inkatoilette aufsuchen wollte….

Weg zur Lagune 69

Der Parkplatz, wo wir losliefen lag auf 3900Metern, die Lagune auf fast 4700, besonders der letzte Kilometer war extrem steil und so mussten wir alle 2Minuten eine kleine Verschnaufpause einlegen um wieder zu Atem zu kommen. Nach 2Stunden und 15Minuten waren wir endlich da und wieder einmal war ich gefesselt von einer wunderschönen Lagune, welche im Sonnenschein wild glitzerte. Zum ersten Mal seit vielen Jahren sah ich an Heiligabend Schnee, wenn auch aus einiger Entfernung. Da wir ziemlich schnell gewandert waren, hatten wir auch diesmal die Lagune fast für uns alleine, mit der Zeit kamen aber immer mehr verschwitzte, aber glückliche Bergsteiger*innen an und wir machten uns bald wieder an den Abstieg.

Laguna 69

Gegen 18Uhr waren wir wieder in Huaraz und beschlossen zur Feier des Tages, Heiligabend und eine unvergessliche und gar nicht mal so einfach Wanderung geschafft zu haben, den Abend mit Pizza in unserem sehr gemütlichen Wohnzimmer ausklingen zu lassen. Am nächsten Morgen ging es für Clara, Paula und Valentin schon weiter nach Lima, während Leron und ich uns noch eine Nacht in Huaraz gönnten. Den 25. verbrachten wir, wie man den ersten Weihnachtstag eigentlich immer verbringen sollt: Mit leckerer deutscher Schokolade(Danke nochmal Famile für das Weihnachtspaket), Kakao und Filmen auf dem Sofa unseres gemütlichen Apartments. Da unser Bus am 26.12. erst Abends fuhr, wollten wir noch eine kleine Wanderung zum Wilcacocha See machen, um dort zu picknicken. Da wir aber nach etwa einer Stunde Wanderungen und mehreren Wegabzweigungen, welche nach Gefühl gewählt wurden, die Hoffnung verloren hatten anzukommen, genossen wir die mitgeschleppten Speisen stattdessen am Wegesrand, wieder einmal bei super Wetter. Den Nachmittag nutzen wir für Besorgungen auf dem großen Markt(ich bin jetzt stolzer Besitzer eines bunten, traditionellen Tuches, welches sich auch super als Decke auf kalten Busfharten erweist) und einem leckeren Weihnachtsessen, mal wieder Italienisch.

Gegen 22Uhr nahmen wir den Bus, welchen wir achte Stunden später in Lima wieder verließen. Unseren Tag begannen wir mit einem super Frühstück in Miraflores und einem Ausflug zum Strand, wo wir stundenlang Surfer beobachteten. Am gleichen Tag ging es weiter nach Ayacucho, wieder einmal einer Stadt in den Anden. Für die 12stündige Fahrt gönnten wir uns VIP-Sitze für 90Soles(~23€) um den versäumten Schlaf der letzten Nacht aufzuholen. Ich schlief die gesamte Fahrt durch und war entzückt die riesige und laute Hauptstadt Perus über Nacht gegen ein hübsches ruhiges Kolonialstädtchen in den Anden getauscht zu haben. Hier trafen wir Clara, Paula und Valentin wieder- unsere Wiedervereinigung nach zwei Tagen Abstinenz zelebrierten wir mit einem Frühstück und stundenlangem UNO-Melzer-Spezial, bevor wir beschlossen auch noch etwas Kulturprogramm zu unternehmen.

UNO

Da Ayacucho eine sehr interessante Geschichte hat, besuchten wir das museo de la memoria, welches über den Terrorismus in den 80ern und 90ern aufklärt. Wieder einmal ging es nach einer Pizza zum Abendessen zum Busbahnhof in den Bus nach Cusco, wo wir mit weiteren Freiwillig*innen in das neue Jahr starten wollen….(Fortsetzung folgt)

 

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