18.Alles wie immer, nur ich nicht?

“Wie wars in Peru?”, die Frage, auf die ich eigentlich nur nett nicken und mit einem kurzen und ebenso oberflächlichen und un ausreichenden “gut!” antworten kann, weil man ein Jahr nicht in ein paar Sätzen zusammen fassen kann. Das will der Fragesteller oder die Stellerin ja auch überhaupt nicht, es geht eher darum zu zeigen, dass man realisiert hat, dass ich lange weg war und jetzt wieder heil und gesund in Deutschland angekommen bin, eben eine höfliche Floskel und glücklicherweise musste ich diese Frage auch erst sehr selten beantworten, in den fünf Tagen die ich in meiner Heimatstadt Hannover verbracht habe bevor es wieder an den bereits bekannten Werbellinsee nahe Berlin ging, um das vergangene Jahr mit weiteren Freiwilligen reflektiert nachzubereiten.

An meinen letzten Tagen am MIC wurde ich super lieb von allen Lehrer*innen und vielen Schüler*innen verabschiedet. Am Wochenende habe ich dann nochmal die letzten Stunden mit meinen Liebsten verbracht.

Abschied am MIC mit dem deutschen Team

Mit den Mädels der 8.Klasse

Mit den Praktikantinnen

Mit einigen Kolleg*innen und Freund*innen

Mit meiner ersten Klasse(:

 Offen gestanden habe ich die letzten Tage in Huanchaco versucht zu verdrängen, dass ich zurück nach Deutschland muss. Nicht unbedingt weil mein Leben immer einfach und nur toll war in Peru, aber der Gedanke nicht zu wissen, wann ich wieder komme und wie es dann sein wird hat mir Angst gemacht. Deshalb habe ich auch erst am Sonntag Abend meinen Koffer gepackt und war echt spät dran, weil ich das dringende Bedürfnis nach einer Abschiedssurfsession hatte. Dann holte Sugar, unser befreundeter Taxifahrer mich ab und dann war ich auch irgendwie schon weg(natürlich war ich auf dem Weg zum Busbahnhof, aber irgendwie habe ich da so richtig realisiert, dass Huanchaco jetzt nicht mehr mein Zuhause ist und vielleicht auch nie wieder sein wird.). Der Heimflug war super entspannt und 40Stunden nach dem ich das letzte mal das Meer in Huanchaquito durch die Taxifensterscheibe beobachtet habe, lag ich meiner Familie am Flughafen Hannover in den Armen. “Komisch” war mein erster Gedanke. Ein Jahr hat sich mein Leben in Peru abgespielt und irgendwie stand es auch nicht zur Debatte in diesem Jahr nach Deutschland zu fliegen und dann steige ich nach 12Monaten in ein Flugzeug und bin am nächsten Tag wieder in meinem alten Leben und alles fühlt sich an wie immer, als hätte ich vor meiner Ausreise die Pause-Taste gedrückt, so dass in Deutschland alles still gestanden hat, während in Peru so unglaublich viel passiert ist. Naja gut, meine kleine Schwester Greta ist gefühlte 20Centimeter gewachsen und überragt mittlerweile meine liebe Freundin Luise, die auch zum Flughafen gekommen war….

Kaum fertig nach 40h auf Reise….

Die ersten Tage in Hannover war eigentlich alles wie immer, nur ich nicht. Mir fielen plötzlich Dinge auf, die ich vorher immer übersehen hatte und ich konnte gar nicht aufhören zu grinsen, während ich mit meinem klapprigen Ersatzfahrrad(weil Rennrad wurde geklaut) durch die blühende und nach Berlauch duftende Eilenriede, dem größten Stadtwald Europas radelte und einfach das ganze Grün genoss. Der deutsche Sommer ist halt schon irgendwie geil, vor allen Dingen weil es so lange hell ist. Richtig sommerliches Wetter hatten wir auch die gesamten fünf Tage auf dem Nachbereitungsseminar am Werbellinsee. Bereits auf der Busfahrt vom berliner Hauptbahnhof zu der Jugendherberge lernte ich die liebe Olivia kenne, die für sechs Monate an einer Schule in Bulgarien gearbeitet hatte. Sofort wurden Erfahrungen und Gedanken ausgetauscht und ich fühlte mich zum ersten Mal seit meiner Rückkehr richtig verstanden, einfach weil ich wusste, dass Olivia trotz anderer Region das Gleiche durch gemacht hat. Angekommen auf dem wunderschönen Gelände der EJB(europäische Jugendbildungsstätte) tummelten sich schon viele bekannte und eben so viele neue Gesichter auf der großen Wiese vor dem Seminar Haus und es wurde sich rege ausgetauscht. Wieder hatte ich das Gefühl, von den anderen Jugendlichen hier verstanden zu werden und irgendwie machte uns das gemeinsame Erlebte trotz unterschiedlichster Erfahrungen zu einer Gruppe, wie wir es auf dem Vorbereitungsseminar noch nicht gewesen waren. Nach der Begrüßung ging es in die Homezones, welche sehr durchmischt waren. Das fand ich total toll, weil ich so Erfahrungsberichte von Freiwilligen aus Osteuropa, Afrika oder der Mongolei hören konnte und wir alle so viel zu berichten hatten. Es war eine richtig tolle Atmosphäre und Niemand beschönigte seine Auslandserfahrungen, alle hatten auch negative Erfahrungen oder Durchhänger von denen ehrlich berichtet wurde. Was ebenfalls anders als beim Vorbereitungsseminar war, war der Programmplan: Wir hatten total viel Freizeit, in der ich eigentlich immer Volley- und Fußball gespielt habe und anschließend wurde sich im See abgekühlt. Außerdem waren die Seminarthemen hauptsächlich offen gehalten, so dass wir viel reflektieren und diskutieren konnten und uns kritisch mit dem FSJ und kulturweit auseinandergesetzt haben.

Als dann am Freitag Mittag die Busse anrollten wurde ich nochmal ziemlich sentimental, weil ich wusste: jetzt ist es endgültig vorbei. Leider bin ich auch nicht die Beste im Kontakthalten und ich weiß, dass ich nicht alle Leute, mit denen ich mich so gut verstanden habe in naher Zukunft Wiedersehen werde(Vorher war immer klar, man sieht sich beim Nachbereitungsseminar wieder).

Heute ist Samstag, der 31.August 2019. Der letzte offizielle Tag meines Freiwilligendienstes mit kulturweit-ich bin einfach sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und ich werde noch sehr lange an diese Zeit zurück denke und davon zehren.

Wie geht es jetzt weiter? Erstmal fahre ich heute Nacht nach Frankreich mit der lieben Paula(ehemalige Kulturweitlerin) zum suuuurfeeeeen und dann geht es am 1.Oktober nach Tübingen, wo ich Lateinamerikastudien studieren werde. Das bedeutet dann wohl, meine Zeit mit/in Lateinamerika ist noch lange nicht vorbei.

Das Schreiben dieses Blogs, was anfangs eher nur für mich gedacht war, hat sich zu einer echten Leidenschaft entwickelt und ich freue mich dem einen oder anderen einen kleinen Einblick in meine Zeit in Peru gegeben zu haben. Ob ich in Zukunft weiter schreiben werde weiß ich momentan noch nicht, weil mein Alltag in Deutschland vielleicht nicht ganz so aufregend und berichtenswert ist. Vielleicht aber auch doch?

 

 

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