17.Ganz viel Kolumbien

Wie feiert man die perfekte Geburtstagsfeier? Darüber durfte ich mir am Samstag Abend ausreichend Gedanken machen, während ich am el dorado Airport Bogota in der Schlange zur Migration im Minutentakt meine Armbanduhr checkte. Das es unterschiedliche Wege gibt einen schönen Geburtstag zu verbringen ist logisch, allerdings gehört die Version:am Flughafenausgang mehrere Stunden auf die Freundin warten, die man seit 10Monaten nicht gesehen hat, nicht unbedingt zu den häufiger genannten Varianten….Genau das war am 13.Juli das Schicksal meiner besten Freundin AnnaF. Naja fast, um 23:55 konnte ich den Flughafen mit fast zwei Stunden Verspätung verlassen und das angehende Geburtstagskind in die nächste Bar zerren. Im Schlepptau außerdem noch Tomte und Leron. Nach Geburtstagsständchen und überteuerten Tequila-shots ging es dann in die zona-T um gebürtig zu feiern.

Nach einem Geburtstagsfrühstück am Sonntag flogen wir nach Santa Marta und fuhren von dort mit dem Bus weiter nach Palomino an die Karibikküste Kolumbiens. Zum Ausklingen von Annas Geburtstag gab es Pizza und Doppelkopf, bevor wir alle erschöpft in unsere Betten fielen.

Die folgenden zwei Tage Palomino bestanden dann hauptsächlich aus Essen, Strand, Pool und Kartenspielen-entspannter Urlaub.

PALOMINO

Der nächste Stopp war der Tayrona Nationalpark ganz in der Nähe. Wir buchten uns ein Zelt direkt am Meer um eine Nacht im Park zu verbringen. Die Wanderung zum bekannten Cape war definitiv ein Highlight auf der Reise. Insgesamt sind wir über 2oKilometer gelaufen und haben neben türkisem Wasser, beeindruckenden Felsformationen und riesigen Kokussnusspalmen auch viele exotische Tiere, unter anderem einen Affen und ein Aguti, gesehen.

TAYRONA

Auf dem Weg von Tayrona nach Minca erlebte ich dann noch meinen ersten, sehr aufregenden Autounfall, den zum Glück alle beteiligten Personen überlebt haben. Da der Bus allerdings nicht mehr fahrtüchtig war mussten wir dann die letzten Kilometer samt Rucksäcke zu Fuß zurück legen(und das nachdem wir bereits über 20km gewandert waren…).

In Minca hatten wir gemeinsam mit Lerons Eltern und seiner ehemaligen Lehrerin Jutta, die zeitgleich zu Besuch kamen, Zimmer in einer Eco-lodge außerhalb des Ortes gebucht. Das Hotel lag etwas abgelegen mitten in der Natur der Sierra Nevada, dem größten Küstengebirge der Welt. Das Konzept beruhte auf einer nachhaltigen Lebensweise im Einklang mit der Natur. So gab es beispielsweise nur Komposttoiletten und in den Duschen durfte nur das hauseigene Shampoo benutzt werden, da das Wasser wieder direkt ins Ökosystem geleitet wurde. Es war richtig entspannt und gemütlich dort und ich habe es total genossen so viel grün um mich zu haben, da ich in die letzten Monaten ja quasi in einer Wüste gelebt habe. Außerdem fand ich es richtig toll zu sehen, wie einfach es sein kann nachhaltig zu leben, da es mir in den drei Tagen an nichts gefehlt hat und ich mich nicht eingeschränkt gefühlt habe, was bestimmt auch an dem sehr liebevollen und bemühten Personal lag, aber mir vor Augen geführt hat, dass es nicht unmöglich oder super kompliziert sein muss nachhaltig zu leben.

MINCA

Auch in Minca ergriff uns wieder einmal die Wanderlust, so dass wir einen kleinen Ausflug zu den nahegelegenen Gumpen machten, wo wir uns erfrischten. Besonders lustig war auch unser letzter Abend in dem Naturreservat, wo wir einigen Indigenen(die ebenfalls im Hotel gewohnt und einen kleineren Jungen zum Heiler ausgebildet haben) UNO beigebracht haben. Naja wir haben es versucht, da die Indigenen ihre eigene Sprache gesprochen haben war die Kommunikation etwas kompliziert und es kam noch erschwerend hinzu, dass ihnen das Konzept Gewinnen und Verlieren komplett fremd schien, aber es war trotzdem sehr lustig.

Nach drei sehr entspannten schönen Tagen fuhren wir nach Cartagena de Indias. Während der Kolonialzeit gehörte der Hafen der Stadt zu einem der bedeutendsten Handelspunkte der Spanier auf dem südamerikanischen Kontinent, was sich stark in der Architektur wieder spiegelt. Besonders das Viertel Getsemaní, in welchem auch unser Hostel lag war eine Mischung aus alten Kolonialbauten und hipper, moderner Architektur und lud zum schlendern durch die bunten Gässchen ein. Außerdem besuchten wir mehrmals die beeindruckende historische Altstadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt und im Kontrastprogramm dazu den Boca grande(“großer Mund”), dass neue und moderne Viertel in welchem sich Wolkenkratzer an Glasfassaden reihen und sich alles was Rang und Namen hat herumtreibt.

CARTAGENA-GETSEMANI

CARTAGENA-BOCA GRANDE

Die unglaubliche Hitze, welche in den breiten, windstillen Gassen der Stadt noch erdrückender und schwerer stand machte leider jeden Ausflug zu einem anstrengenden Saunagang, so dass ich fast froh war zurück ins klimatisierte Hostel zu kehren und einen halben Liter Wasser in mich zu schütten. Unsere nächste Stadt sollte da etwas gnädiger mit uns sein….

Es ging nach Medellín, der Stadt des ewigen Frühlings. Nach 15Stunden Busfahrt wurden wir von einem strahlenden blauen Himmel aber frischen 25Grad empfangen. Einst bekannt für ihr Drogenkartell und die hohe Kriminalitätsrate, heute eine der innovativsten Städte der Welt(laut Wall Street Journal). Von diesem positiven Wandel konnten wir uns bei einem Ausflug in die Comuna 13 selbst überzeugen. Lange litt das Stadtviertel unter dem bekannten Medellín-Kartell und war bekannt für hohe Kriminalirätsraten, Bandenkriege und blutige Straßenkämpfe. Heute strömen Touristenmassen in die Comuna13 um sich die vielen Grafitti und andere Straßenkunst anzusehen. 2011 wurden sogar extra mehrere Freiluft-Rolltreppen in die am Hang liegende Kommune gebaut, um die Parteien in den oberen, abgelegenen Bereichen besser ins urbane Leben zu integrieren und den Touristen die Besichtigung zu erleichtern. Ich war total begeistert von dem bunten Stadtviertel, welches durch die vielen Tagesbesucher zwar einen gewaltigen Aufschwung erlebt hat, aber noch immer hauptsächlich von ärmeren Bevölkerungsschichten bewohnt wird.

MEDELLIN-COMUNA13

Auf dem betonierten Fußballplatz spielten wir mehrere Runden mit den einheimischen Jungs, die alle super süß und lieb waren. In dem Moment habe ich mir echt gewünscht meinen Freiwilligendienst in einem Viertel wie dort absolviert zu haben. Natürlich denke ich nicht, dass mein FSJ an einer privaten Schule komplett sinnlos war, aber ich hatte oft das Gefühl nicht wirklich gebraucht zu werden, da es ausreichend qualifizierte Lehrer und Betreuer gab, während die Kids auf dem Boltzplatz sich einfach total gefreut haben ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen und mit uns zu kicken….Naja dann halt nächstes mal, jetzt weiß ich es ja besser(:

COMUNA13

Am folgenden Tag fuhren wir nach Guatapé, einer kleinen Gemeinde circa zwei Busstunden entfernt von Medellín. Dort steht ein riesiger, unwirklich aussehender Felsen, in welchen insgesamt fast 700 Treppenstufen eingelassen wurden. Von oben hat man eine beeindruckende Aussicht auf die märchenhafte, grüne Landschaft mit den unzähligen kleinen Stauseen.

GUATAPE(von unten)

GUATAPE(von oben)

Ausserdem haben wir in Medellín noch den Ausblick über die Stadt vom Hausberg mitten im Stadtzentrum genossen und den botanischen Garten besichtigt.

MEDELLIN(Aussicht vom Hausberg)

Nach zwei Wochen Rucksack ein- und auspacken ging es wieder zurück nach Bogotá und für mich von dort nach Peru, wo mir nun nur noch knapp zwei Wochen bleiben, bis ich meine sieben Sachen zusammen suchen muss und zurück nach Deutschland fliege. Jetzt freue ich mich natürlich schon meine Familie und Freunde endlich wieder zusehen und in ein leckeres Käsebrot zu beißen, auch wenn ich mir gerade gar nicht vorstellen kann, Peru und mein Leben hier zu verlassen…Es ist nur ein Abschied auf Zeit, da bin ich mir ziemlich sicher!

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