Huanchaco-Surfers paradise Perú

Ich blättere die Seite von meinem Terminkalender von 2019 um: FEBRUAR!Wann ist das denn passiert? War nicht letzte Woche noch Weihnachten?

Die ersten Wochen im neuen Jahr sind unglaublich schnell vergangen, aber wenn ich meinen Terminkalender durblättere realisiere ich, dass jede Menge passiert ist. Angefangen mit dem Umzug nach Huanchaco, dem Dörfchen circa 10Kilometer von Trujillo entfernt und dem wunderschönsten Ort der Welt. Hier ticken die Uhren langsamer und es geht sehr gemütlich zu. Jede dritte Person ist barfuß, in Badekleidung, trägt ein Surfbrett unter dem Arm oder begrüßt dich mit dem allgemeinen Surfergruß. Die vielen kleinen Restaurants werben mit veganen Burgern und gemütlichen Kaffes auf den bunten Sofas und sogar die Straßenhunde wirken gechillter als in Trujilo und lassen sich gerne mal streicheln. Trotz den vielen Touristen(im Sommer) hat das Dorf seinen peruanischen Flaire nicht verloren und was mir besonders gefällt ist die kleine Markthalle! Da es noch immer keinen Supermarkt in Huanchaco gibt, ist man gezwungen alle Produkte in den kleinen ‚tiendas‘(ähnlich wie Kiosks vom Aufbau aber es gibt alle Produkte die das Herz begehrt) oder auf dem Markt zu kaufen. Letzterer ist vormittags immer unglaublich stickig und überfüllt, aber ein Besuch lohnt sich! Meine letze Ausbeute: fünf Bananen, 500Gramm Erdbeeren, 500Gramm Trauben, eine Gurke und ein paar Tomaten für weniger als 4€.

Analoge Fotos

Markt

Alle Ziele in Huanchaco kann man in unter 20Minuten zu Fuß erreichen, deshalb gibt es auch wenige Autos und die meiste Zeit laufen die Menschen auf den Straßen. Ich wohne ziemlich zentral, ungefähr 2Minuten vom Meer entfernt in einem dreistöckigen Haus. Insgesamt sind wir fünf Mädels und unsere sehr liebenswerte Vermieterin, jeder hat ein eigenes, großes Zimmer mit Bad aber wir teilen uns teilweise die Küchen.

Mein Zimmer

Blick vom Bett

Die Küche teile ich mit einer amerikanischen Surferin

Der Strand in Huanchaco ist leider nicht wirklich badegeeignet, aber dafür gibt es hier eine der längsten Wellen weltweit, sehr zur Freude aller Surfer*innen. Da die sommerlichen Temperaturen an Land kaum auszuhalten sind, verbringe ich den Großteil meiner Freizeit auf dem Wasser, momentan braucht man nicht mal einen Wetsuite, so warm ist das Meer. Letztes Wochenende waren die Wellen ziemlich hoch, deshalb saß ich die meiste Zeit im line-up und habe das Meer und den Himmel beobachtet. Hinter den Bergen, welche direkt hinter Huanchaco beginnen, war der Himmel noch dunkelblau, am Horizont gegenüber war die knallrote Sonne schon zur Hälfte im Meer versunken und der Himmel leuchtete gelb orange. Als ich dann nach oben schaute, um den Farbübergang zu betrachten, sah ich vor einem lilarosanen Hintergrund einen ganzen Schwarm Pelikane, die nur zwei Meter über mir entlang zogen. Diesen Moment werde ich glaub ich nicht so schnell vergessen, auch wenn schöne Sonnenuntergänge in Huanchaco keine Seltenheit sind.

Im Vordergrund sieht man die bekannten Caballitos de totora, Fischerboote aus Schilf, mit welchen schon vor Jahrtausenden gefischt wurde. 

Made by Leron

Endlich bin ich richtig angekommen! Mit den ‚Tiendabesitzern‘ kann ich problemlos Smalltalk auf Spanisch führen und wenn meine Gesprächspartner langsam reden verstehe ich mittlerweile auch Vieles. Einige Dinge, die anfangs total befremdlich für mich waren, sind jetzt alltäglich geworden: das jede sich bietende Möglichkeit genutzt werden sollte, um mit 100Solesscheinen zu bezahlen, da die meisten Läden so große Scheine nicht wechseln können, der Automat aber nur 100er ausspuckt. Ganz selbstverständlich steigen wir morgens zu fünft oder sechst ins Taxi, dass uns zur Schule bringt und das Wort „bajar“ läuft mir automatisch über die Lippen, wenn ich dem ‚Busschreier‘ mittteilen möchte, dass ich nun aussteigen will. Der Kulturweitfreiwillige Jan schrieb bei seinem letzten Blogeintrag: „Aus Abenteuer wird Alltag“, was ziemlich zutreffend für mich ist, obwohl mein Alltag oft sehr abenteuerlich verläuft(:

Nächste Woche starte ich mein eigenes Projekt „humans of huanchaco“, wo ich Geschichten von Einheimischen und Freiwilligen aus Huanchaco veröffentlichen werde. Die Stories könnt ihr euch auf Instagram über @humansofhuanchaco ansehen.

43days of summer

43Tage Sommerferien! Ganz schön viel Zeit um das Land, was für ein Jahr meine Heimat ist, besser kennen zu lernen. Nachdem ich zum Jahreswechsel den touristischen und attraktionsreichen Süden Perus bereist habe, ging es im Januar mit Leron und Johanna(Freiwillige in Lima) gen Norden. Erster Stopp Cajamarca, mal wieder eine kleine Stadt in den Anden auf über 2000Metern. Unser Hostel lag etwas außerhalb in dem Dorf Baños del Inca, wo die gesamte Gemeinde gratis das thermale Wasser der unterirdischen Quellen nutzen darf. Deshalb hatte unser Hostel auch einen mit thermalem Wasser beheizten Pool, der bei schlechtem Wetter einfach herrlich warm war!

Am ersten Tag besuchten wir die Altstdtadt und das berühmte cuarto del rescate, in welchem einst der ehemalige Inka-König von Pizarro und den Spaniern festgehalten und ermordet wurde. Vor seinem Tod hatte der König befohlen, alles Gold in den Raum zu bringen, um sich damit frei zu kaufen. Eine Linie auf circa. 1,7Metern markiert die Höhe, bis welche der Raum mit Gold gefüllt war.

Am nächsten Tag ging es nach Cumbemayo, wieder auf der Spur der alten Hochkulturen, denn dort besichtigten wir ein 3000Jahre altes Kanalsystem einer Pre-Inkakultur. Außerdem gab es noch beindruckende Felsen und Höhlen zu sehen, welche durch starke Regenfälle und Erdbeben entstanden sind.

Cumbemayo

Am darauffolgenden Tag verließen wir nach einer Fussballpartie mit den sehr süßen Kindern des Hostelbesitzers, die Stadt mit dem Bus und erreichten am nächsten Morgen Chachapoyas, ebenfalls  eine Stadt in den Anden. Am gleichen Tag ging es mit einer Reisegruppe zur Stadt Kuélap der Chachas(ebenfalls eine Hochkultur, welche vor den Inkas existierte) etwa 2h entfernt von Chachapoyas. Die Ruinen waren leider zum Großteil komplett zerstört und wir sahen hauptsächlich Fundamente der ehemaligen Häuser. Da das Wetter an diesem Tag ziemlich schlechte war, konnten wir durch die Wolkenwand auch selten die umliegende Landschaft sehen. Das Highlight des Tages war die Fahrt mit der einzigen Seilbahn Perus hoch/runter zu der historischen Stadt über tiefe Schluchten und grünen Wäldern wo wir einige Wildpferde sahen.

Kuélap

Am darauf folgenden Tag ging es mit dem Bus aus der Sierra(Gebirge) in die Selva(Regenwald) nach Tarapoto. Deshalb hatten wir uns dazu entschieden die Reise tagsüber anzutreten, um den Übergang zweier Naturräume  beobachten zu können. Spätestens als ‚Kotztüten‘ ausgeteilt wurden, realisierten wir, dass dies nicht die angenehmste Fahrt werden könnte. Zum Glück blieben unsere Tüten leer und die Landschaft draußen wurde immer grüner und artenreicher, während die Luft im Bus immer heißer und stickiger wurde, bis wir gegen 16Uhr endlich unser Ziel erreichten.

Wiedereinmal hatten wir ein sehr gemütliches Hostel direkt im Zentrum. Dieses wurde am gleichen Tag noch erkundet und für sehr schön befunden. Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug zu einer ökologischen Farm im Dorf Chazuta gebucht, wo wir sehr herzlich empfangen wurden. Nach einer kleinen Einführung durften wir mit Hilfe von María Elena selber Schokolade herstellen und mit Zutaten wie Erdnüssen oder Honig verfeinern. Besonders lecker war auch das vegane Mittagessen, welches wir dort bekamen(:

Mit María Elena, der „Mama“ des Projektes

Veganes Mittagessen und Kokosnussmilch durch Bambusstrohhälme

Auf dem Rückweg zurück ins Hostel schlug unser Taxifahrer vor, noch eine kleine Pause an einem natürlichen Schwimmbad zu machen. Dieses stellte sich dann als mehrere kleine verlassene Wasserfälle im Urwald heraus, an welchen wir uns sehr erfreuten und erfrischten(:

Am folgenden Tag wurden wir morgens im Hostel abgeholt und fuhren mit einer kleinen Gruppe zum Rio hullaga, um eine gemeinsam raftingtour zu machen. Der Fluss war voller Stromschnellen, so dass wir alle ziemlich nass wurden. Wer wollte, konnte am Ufer auch mit einer Liane in den Fluss schwingen. Am Nachmittag kam dann Besuch aus Deutschland! Drei Freunde aus Lerons und meiner alten Klasse auf Weltreise besuchten uns, was wir mit einem leckeren Abendessen zelebrierten. Mit ausgeliehenen Motorrollern ging es am nächsten Morgen los zu der cascada de pucayaquillo. Anfangs war es wirklich aufregend in der Stadt zu fahren, da hier etwas anders gefahren wird und Verkehrsregeln nicht ganz so streng genommen werden, wie man es aus Deutschland kennt. Raus aus der zona urbana wurde die Fahrbahn zum Glück schnell leerer und wir genossen die Fahrt durch die selva auf fast freien Straßen.

Pause am Wegrand

Hindernisse auf der Straße inklusive

Nach circa 2Stunden erreichten wir den Eingang zum Wanderweg, welchem wir etwa 30Minuten folgten, bis wir die Kaskade erreichten. Wir gönnten uns alle ein erfrischendes Bad und ein kleines Kuchenpicknick an diesem wunderschönen Ort, bevor wir nochmal die Wasserfälle aufsuchten, welche wir schon zwei Tage zuvor entdeckt hatten. Der Rückweg war sehr aufregend, weil ich von einer Riesenameise gestochen wurde und Johanna später von einer Wespe in den Mund, aber alles ok, die sehr giftige Schlange auf dem Weg hat uns verschont und wir sind alle noch wohl auf.

Pucayaquillo

Am nächsten Vormittag ging es ins rescue center urku, einer Rettungsstastion für gefährdete Tiere, welche aufgepepellt und anschließend wieder frei gelassen werden. Da momentan nicht besonders viele Tiere gepflegt werden, gab es nicht allzu viel zu sehen. Trotzdem war es interessant die Station zu besichtigen und wir erlebten sogar eine Operation eines Rehjungens, welches im Eingangsbereich auf dem Fußboden behandelt wurde mit. Am Nachmittag war es dann schon wieder Zeit sich zu verabschieden von den Jungs, Johanna und Tarapoto, dem bisher schönsten Ort auf meiner Reise und am folgenden Tag auch von Leron, mit dem ich 5Wochen lang unterwegs war.

Für mehr schöne Fotos könnt ihr Lerons Blog besuchen: https://kulturweit.blog/botography/

Neujahr im Nabel der Welt: Cusco

Angekommen in der ehemaligen Inkahauptstadt führte uns unser erster Weg zum San Pedro Market. Unsere Ausbeute bestand aus getrockneten Früchten, Kuchen, Smoothies, Bananen und einem Mittagsmenü für 5Soles(ja wir hatten sehr großen Hunger). Außerdem buchten wir für den folgenden Tag eine Tour zum rainbowmountain bevor wir unsere Zimmer im Hostel beziehen konnten. Den Abend ließen wir mit Manuel(Freiwilliger an der Musikhochschule Trujillo) und seinem Kumpel Basti, wiedereinmal mit Kartenspielen  ausklingen. Abends kuschelte ich mich in die weiche Bettdecke, froh nach drei Nächten auf Bussitzen endlich wieder ausgestreckt schlafen zu können. Das Vergnügen hielt aber nicht lange an, da wir bereits um 4:30 zu den montañas de 7 colores(=rainbowmountains) aufbrachen. Gemeinsam mit 15weiteren Touristen und unserem einheimischen Guide fuhren wir auf etwa 5000Meter bis zu einem Parkplatz wo bereits mehr als 50 weitere Busse und Transporter von ‘Touriagenturen’ parkten. Dementsprechend viele Menschen waren auf dem 8kilometerlangen Wanderweg vorzufinden…Als eine Touristin die Touristenmassen zu vermeiden versucht  fühlte ich mich mal wieder ziemlich unwohl in dem Gedränge auf den schmalen Pfaden. Ich brauchte 75Minuten bis zum Aussichtspunkt auf 5200Metern. Oben blies ein eiskalter Wind und junge Europäer bezahlten einheimische Frauen um Fotos mit Babyalpakas vor den bunten Bergen zu machen. Besonders begeistert war ich vom gesamten Ambiente nicht, deshalb machten wir uns bald wieder an den Abstieg.

Durchgefroren aber endlich oben

Umso mehr gefiel fiel mir die Rückfahrt, auf der wir etwa zwei Stunden lang unserem Guide über die Entstehung der rainbowmountain(Die Farben sind durch überlagerte Mineralien, die sich über Millionen von Jahren im Meer ablagerten, entstanden. Diese Sedimentschichten wurden durch Plattentektonik in eine fast senkrechte Position gedrückt)und den Folgen für die Bevölkerung in den Bergen lauschten und viel über Traditionen zum Jahreswechsel in Cusco erfuhren. Dieser stand schon am nächsten Abend an: Nach einem sehr teuren Besuch beim Italiener verließen wir gegen 23Uhr unser Hostel, welches sehr nah am Plaza de Armas liegt um Julius, den Kulturweitfreiwilligen aus Cusco zu treffen. Es war unglaublich voll und alle Menschen trugen gelben Schmuck oder Verkleidungen. Um 0Uhr begannen dann alle im Kreis um den Platz zu rennen, diese Bräuche sollen im nächsten Jahr Glück und tolle Reisen mit sich bringen deshalb machten wir spontan mit.

Kurz vor Mitternacht im Hostel

Am 2.Januar brach ich dann endlich zu der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit Lateinamerikas auf: Machu Picchu. Gemeinsam mit Henri(ebenfalls einem deutschen Freiwilligen aus Huanchaco) und drei neu gewonnenen Freunden(Thomas aus Chile, José aus Mexiko und Gabriele aus Italien) fuhren wir mit einem Colectivo bis nach Santa Maria um dann festzustellen, dass von dem Ort nur einmal am Tag ein Bus nach Aguas calientes, auch Machu picchu Stadt genannt, fährt. Da die Jungs alle ziemlich ,lowbudgetmäßig‘ unterwegs waren standen wir dann über eine Stunde mit ausgestrecktem Daumen an der Straße, bis wir eine Mitfahrgelegenheit fanden. Durch diese Verzögerung kamen wir erst in der Dämmerung in Hydroelectricas, dem Bahnhof für die Züge nach Aguas calientes an. Meine Reisegefährten hatten aber sowieso geplant, die 30Dollar zu sparen und die Strecke entlang der Schienen zu laufen. Also wanderten wir zwei Stunden auf Bahnschienen voll gepackt mit unseren Backpacks und mit lauter knurrenden Mägen durch den düsteren Dschungel. Mal über improvisierte Brücken oder nur auf den Schienen balancierend, immer umgeben von aufleuchtenden Glühwürmchen, welche die Nachtwanderung zu einem kleinen Highlight machten.

Nach einer viel zu kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen um 4Uhr los. Schon nach einer halben Stunde trafen wir auf das erste Hindernis: zwei Sicherheitsleute, die die Brücke bewachten, welche zum Wanderweg hoch zur ,Inkastadt‘ führte. Wie einige andere Wartende wussten wir nicht, dass die Wege erst um 5Uhr freigegeben werden(steht auch in keinem Reiseführer?!) und so harrten wir mit den andern uninformierten Wanderern im Dunklen aus, nur um mitzuerleben wie der erste Zug mit lauter Touristen eintraf und sich eine Menschenmasse zu uns gesellte.Na toll! Als dann der Übergang freigegeben wurde stürmten alle los, meine Begleiter voran und ich hielt gezwungenermaßen mit, aus Angst alleine durch den dunklen Dschungel zu müssen. Als ich dann schweißgebadet(bei 90%Luftfeutigkeit unvermeidbar) vor den Toren Machu Picchus ankam waren erst vier weitere Menschen eingetroffen und der Eingang noch verschlossen. Dieser blieb uns auch noch über eine Stunde verwährt, da unsere Tickets erst ab 7Uhr gültig waren. Als es dann endlich soweit war waren aber glücklicherweise noch nicht allzuviele Touristen eingetroffen, so dass wir die Wolkenstadt noch auf fast leeren Wegen und in Ruhe bestaunen konnten. Es sah genauso aus wie man die verlorene Stadt auch schon auf den vielen Fotos auf Plakaten in Reiseführern oder Touristeninformationen gesehen hatte und trotzdem war ich unglaublich beeindruckt. Denn was man auf den Fotos nicht erkennt ist die riesige Größe der Stadt und und die Aussicht, welche zu allen Seite spektakuläre von wolkenverhangene grüne Berge beinhaltet. Zu allen Seiten nur Regenwald, der sich in der Ferne im Dunst verliert. Außerdem erfuhr ich, dass nur 3% der Gebäude restauriert wurden, der Rest der Mauern und Ruinen(welche noch ziemlich gut erhalten waren) steht seit Jahrhunderten unbeschädigt trotz rauem Wind und Wetter in den Anden. Wieder einmal konnte ich Wissen aus dem Erdkundeunterricht nutzen, da die Inkas zur Bewässerung ein Terassensystem nutzen, welches stufenartig in die Hänge eingelassen war(Danke an Herrn Baum!).

Die Wolkenstadt bei bestem Wetter

Nach dem Abstieg machten wir uns direkt auf den Rückweg, so dass ich die berühmte Machu Picchu Stadt Aguas Calientes nicht bei Tageslicht zu sehen bekam, dafür war aber der Rückweg entlang der Schienen entspannter und aussichtsreicher als am Vorabend. Außerdem bewältigte ich nach dem ich den Anfang der Reise nur in meiner deutschen Blase mit anderen deutschen Freiwilligen unterwegs gewesen bin den gesamten Ausflug auf Spanisch und dank der Sparsamkeit der  Jungs habe auch ich für die gesamten zwei Tage inklusive Anreise, Hostel, Eintritt und Essen nur circa 65€ gezahlt.

Wiedereinmal verbrachten wir die letzten Tage in Cusco mit typischem Touriprogramm, hauptsächlich mit dem Erwerb von Alpakaprodukten und gutem Essen, bevor wir uns auf eine sehr lange Busfahrt zurück begaben.

An alle die noch den Wunsch zum frohen neuen Jahr von mir auf WhatsApp erwarten: ihr müsst euch noch etwas gedulden, mein Handy wurde mir geklaut aber ich bin via Facebook oder Mail erreichbar(:

Weiße Weihnachten: Huaraz und die Reise danach

21.12. Sommeranfang in Peru und Anfang einer wunderschönen Reise für mich.

Einige Tage zuvor waren bereits mein Freund Leron und zwei weitere Kulturweitfreiwillige(Paula&Clara) aus Kolumbien angereist um meinen neue Wohnort Huanchaco zu erkunden. Gemeinsam nahmen wir abends den Bus nach Huaraz, einer auf über 3000Meter gelegenen Stadt in den Anden. Dort hatten wir mit Valentin, einem weiteren Freiwilligen aus Lima, ein wunderschönes Apartment gebucht. Da unser Bus die Stadt bereits gegen 5Uhr morgens erreichte und wir unsere neue Bleibe erst gegen Mittag beziehen konnten, schlugen wir uns mit unseren vollbepackten Rucksäcken und einem Handykompass(funktionierende Handys sind bei uns Mangelware) bis zum Plaza de armas(dem Hauptplatz jeder peruanischen Stadt) durch und suchten uns ein Café um die Zeit bis zum Check-in zu überbrücken. Auf dem Weg fielen mir gleich viele Unterschiede zu den peruanischen Städten welche ich bereits kannte auf. Am aufälligsten war die traditionelle und farbenfrohe Kleidung der Einheimischen: lange Röcke, große Hüte und bunte Tücher- authentischer als aus jedem Reiseführer. Später erfuhren wir, dass die Menschen in den Anden weniger unter dem Kolonialismus gelitten hatten, da die Spanier das Land in den Bergen für unfruchtbar gehalten haben und daher hauptsächlich die Küstenstädte besetzten. Daher findet man in den Anden noch uralte Bräuche oder die indigene Sprache Quechua, welche auch die Inkas verwendeten.

Der erste Ausflug am folgenden Tag führte uns zur Lagune Parón auf 4200Metern, den Weg legten wir mit unserem Guide Leo in einem privaten Auto zurück. Es gab nette Gespräche auf Spanisch und der 15-jährige Leo erklärte uns viel über die Cordillera blanca in welchem der höchste Berg Perus, der Nevado Huascarán liegt. Nachdem wir etwa dreieinhalb Stunden über unbepflasterte Wege gefahren/geruckelt waren, erreichten wir die Lagune. Im strahlenden Sonnenschein öffnete ich die Autotür und sah einen wunderschönen glitzernden, türkisen See mit schneebedeckten Berggipfeln im Hintergrund.

Gemeinsam mit Leo machten wir uns an den Aufstieg zum Mirador, einem Aussichtspunkt. Der 30minütige Anstieg erwies sich aufgrund der dünnen Luft als unglaublich anstrengend, aber oben angekommen war der Aufwand schnell vergessen.

Wir hatten noch etwas Zeit die Lagune von unten zu betrachten und die Wassertemperatur zu testen. Alle genossen es, diesen wunderschönen Ort für uns alleine zu haben, da keine anderenTouristen in der Nähe schienen. Nur ein sportlicher Peruaner mit seinem Paddelboard nutzte das schöne Wetter um Sport zu treiben oder, wie wir später erfuhren, neue Bilder für seinen Instagram Account zu schießen…. Alberto freute sich offensichtlich sehr uns kennen zu lernen und jeder der wollte, durfte eine Runde mit dem Board auf der Lagune drehen. Anschließend gab es noch ein kleines Fotoshootings für Albertos Instafeed, bevor wir diesen wunderschönen Ort wieder verlassen mussten.

Parón sollte aber nicht die letzte Lagune gewesen sein, die wir besuchten. Gleich am nächsten Tag, dem 24.12. stiefelten wir um 5Uhr morgens los, um den Bus zur Laguna 69, einem UNESCO-Weltkulturerbe in der Nähe von Huaraz, zu erwischen. Die Lagune ist sehr beliebt und das Aushängeschild jedes Turistenbüros in der Stadt, weshalb ich mich etwas fürchtete die Wanderung hin zur Lagune durch die Massen an Touristen nicht genießen zu können. Allerdings waren nur zwei Busse auf dem Parkplatz zum Eingang des Wanderwegs und da sich der Weg auf 16Kilometer ausstreckt, war von den anderen Menschen kaum etwas zu sehen. Dafür sahen wir eine unglaublich tolle und abwechslungsreiche Natur mit riesigen Wasserfällen und vielen „freien“ Kühen, die gerne mal den Weg versperrten oder einem ins Gebüsch folgten, wenn man die Inkatoilette aufsuchen wollte….

Der Parkplatz, wo wir losliefen lag auf 3900Metern, die Lagune auf fast 4700, besonders der letzte Kilometer war extrem steil und so mussten wir alle 2Minuten eine kleine Verschnaufpause einlegen um wieder zu Atem zu kommen. Nach 2Stunden und 15Minuten waren wir endlich da und wieder einmal war ich gefesselt von einer wunderschönen Lagune, welche im Sonnenschein wild glitzerte. Da wir ziemlich schnell gewandert waren, hatten wir auch diesmal die Lagune fast für uns alleine, mit der Zeit kamen aber immer mehr verschwitzte, aber glückliche Bergsteiger an und wir machten uns bald wieder auf den Abstieg.

Laguna 69

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Grüne Oasen Limas

Ungefähr zwei Stunden ist es her, dass ich aus dem Reisebus am Busbahnhof in Trujillo gestiegen bin und mir ein Taxi angehalten habe, welches mich zurück in mein Zimmer gebracht hat. Einige Sekunden saß ich auf meinem Bett und schwankte zwischen Rucksack auspacken, schlafen(kurze Info:es ist gerade 7:30) oder einen neuen Blogeintrag verfassen. Tatsächlich gibt es viel zu berichten aus den letzten Tagen(damit ist dann wohl meine Entscheidung getroffen), wir hatten nämlich unser ‚Zwischenseminar‘ in Pachacámac, einer antiken Stadt ganz in der Nähe von Lima. Unsere Unterkunft, das Casa Antinchik(Quechua, bedeutet „zusammen können wir“) versetzte uns in eine andere Welt außerhalb des Großstadttrubels. Neben dem, für Lima ungewöhnlich grünen Garten imponierte das Haus besonders mit selbst gemachten Speisen und Säften.

Das Casa Antinchik

Anders als beim Vorbereitungsseminar lag der Fokus weniger auf Input und mehr auf dem Output/dem Austausch der ersten Eindrücke, Erfahrungen und Problemen der Freiwilligen in ihren jeweiligen Einsatzstellen und Gastländern. Die kleine Gruppengröße von 20 Freiwilligen ließ die Atmosphäre auf dem Seminar viel persöhnlicher und entspannter werden(auf dem Vorbereitungsseminar waren es über 300 Teilnehmer) und die Teamerinnen ließen uns viel Freiraum für Gespräche, kreative Aufgaben und dem Wahrnemen der Natur im paradiesischen Garten. Mein persöhnliches Highlight war, wenn man vom abendlichen Saunagang abschaut, der Besuch eines urbanen Gartens in einem der Randbezirke Limas. Es war super interessant(erstmals sah ich die legendäre Tröpfchenbewässerung, welche jahrelang Thema im Erdkundeunterricht war) zu erfahren, wie die Menschen in einem der toxischten Naturräume der Erde, der Wüste, den Boden bearbeiten, damit Pflanzen gedeihen können(der beste Dünger ist laut den Experten Meerschweinchenkot). Außerdem war es toll mit anzuschauen wie stolz und froh unsere einheimischen „Führer“ waren, welche teilweise seit Anfang an, dass bedeutet seit der Garten noch eine Müllheide war und es keinen Wasserzugang und finanzielle Mittel gab, an das Projekt gegelaubt haben und nun miterleben dürfen, wie das Konzept an Zuspruch und Erfolg gewinnt. Mittlerweile beteiligen sich circa 90 Familien an den ökologischen Bio-Gärten in Perus Hauptstadt, für einige ist es sogar zur Existenzsicherung geworden. Besonders beeindruckend war auch der kontrastreiche Blick aus der grünen Oase auf die schmutzige graue Stadt, welche in den letzten Jahre rapide gewachsen ist und kaum Grünflächen beinhaltet.

Ausblick aus dem Garten über Villa María del Triunfo

Am Freitag war dann schon unser letzter Tag in Pachacámac, allerdings verbrachten fast alle Freiwilligen noch eine Nacht in Lima, welche wir zum gemeinsam Ausgehehen nutzten. Am Samstag ging es dann nochmal schnell nach Miraflores für ein bisschen Touriprogramm und dann saßen wir auch schon im Bus zurück nach Hause. Dabei fällt mir auf wie schnell ich das Wort „Zuhause“ für mein neues Zimmer hier in Trujillo angenommen haben. Vor einigen Wochen bedeutet „…Zuhause vergessen“ noch, dass etwas in Deutschland zurück geblieben ist, mittlerweile habe ich zwei Zuhause was auch manchmal zu Verwirrungen führt(:

Tourileben auf dem Inka Markt ausleben

In zwei Wochen habe ich dann schon wieder ein neues oder vielleicht drittes Zuhause in Huanchaco, wo ich für den Sommer in einem kleinen Bungalow wohnen werde(:

MIC-Games

Fahnen, Fangesänge, Banner, Vuvuzelas, Nationalhymnen werden mit Hand auf der Brust und voller Enthusiasmus geschmettert…Du denkst jetzt an die WM 2006? Aber wie erklärst du dann die stündlichen Ansagen des aktuellen Medaillenspiegel und den Auftritt  mehrerer Fackelträger die zu ‚Chariots of fire‘ einlaufen und ein Feuer entzünden? Doch Olympia? NEIN! MIC-GAMES!!! Die jährlichen Sportwettkämpfe an meiner Schule. Diese waren seit Wochen Gesprächs- und Streitthema  Nummer eins im Lehrerzimmer, denn nur eines der drei Teams(rot, gelb oder türkis) kann am Ende gewinnen. Bereits Tage vorher wurde mir erstmals wirklich bewusst, wie ernst Schüler und Lehrer diese Veranstaltung nehmen, als jeder Teilnehmer einen Schwur ablegen musste die Regeln zu beachten und immer häufiger der Unterricht ausfiel, nur damit Schüler und Lehrer gemeinsam Anfeuerungsrufe einstudieren konnten.

Am Mittwoch war es dann soweit: die gesamte Schüler- und Lehrerschaft, sowie Freunde, Eltern und Geschwister versammelten sich auf dem Schulhof der Schule für die große Eröffnungsfeier und den ersten Wettkampf: Performance. Im Vorfeld waren aufwendige Choreografien einstudiert worden, die nun gezeigt wurden(leider liefen die Proben schon, als ich nach Trujillo kam, deshalb konnte ich nur zuschauen, war aber nicht weiter schlimm). Mein Team(team turquesa) gewann das Duell gegen die beiden anderen Teams rojo und amarillo(die drei Farben des MICs). In den darauf folgenden Tagen duellierten sich die Schüler im Fußball, Volleyball, Basketball und in athletischen Disziplinen wie Staffelläufen oder einem Marathon. Am Sonntag waren dann die Lehrer und Eltern dran, wir trafen uns mit den Schülern um 8Uhr morgens mitten in der Stadt und liefen dann gemeinsam zum MIC, natürlich mit lauten Anfeuerungsrufen der jeweiligen Teams(dafür waren extra Polizisten bestellt worden, die für uns die Straßen absperrten). Der Schulhof war nicht wieder zu erkennen, überall standen Fressbuden, die fettiges Hähnchen oder riesige Tortenstücke(natürlich alles in Plastikschalen)zu überteuerten Preisen verkauften. Bereits im Voraus hatten viele Lehrer mir erzählt, dass Privatschulen in Peru eher als Business als als Bildungseinrichtung angesehen werden,  da unterscheidet sich auch das MIC nicht von anderen Schulen(meine Meinung).

Der bereits angesprochene Enthusiasmus war klasse, wenn man als Spieler auf dem Feld die Unterstützung des Teams wahrnahm(endlich wieder Fußball), artet aber aus, so dass viele Lehrer und Väter übermütig wurde und mit Verwarnungen oder roten Karten disqualifiziert wurden und sich beste Freunde aufgrund unterschiedlicher T-Shirtfarben plötzlich arg beschimpften. Aus dem lustigen Sportfest wurde ein ernster Wettkampf(schon verständlich wenn man bedenkt wie viel Geld und Zeit die Familien in die Vorbereitung gesteckt haben: jedes Team hat eigene Tshirts, eigene Choreografen, aufwändige Kostüme, etc.) mit vielen Tränen aus Stolz aber auch aus Trauer und Wut nach der Siegerehrung. Gewonnen hat übrigens das rote Team(nicht so ganz Montessoriphilosophie dieser ganze Kram mit Gewinnern und Verlieren glaube ich).

Gemeinsam aufwärmen (Quelle: https://www.facebook.com/WeAreMIC/)

Trotzdem hatten die MIC-games auch viele gute Aspekte, alle Schüler(eines Teams) haben sich besser kennengelernt und gegenseitig super unterstüzt, abwechslungsreich war es auch aufjedenfall und ich habe viele Lehrer, denen ich im Schulalltag überhaupt nicht begegne, kennen gelernt. Außerdem habe ich die Möglichkeit nächstes Jahr das Mädchenfußballteam der Schule zu trainieren und ich kann jetzt super gut auf Spanisch anfeuern(vamos a ganar!!!)Wer sich selbst einen eigenen Eindruck verschaffen möchte kann einfach auf instagram(team_turquoise_mic) oder auf facebook(Team Turquoise) suchen, da bekommt ihr dann auch gleich einen kleinen Eindruck von meiner Schule(: hier ist einmal das Ankündigungsvideo für die MIC-games mit Bildern aus dem letzten Jahr und ein Video von der Performance meines Teams mit anschließenden Anfeuerungsrufen…

The MIC Games are coming!

The MIC Games are coming, is your team ready?Let MIC Games begin! #TeamYellow 💛 #TeamTurquoise 💙 #TeamRed ❤️#MICgames

Gepostet von Montessori International College am Freitag, 2. November 2018

 

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1978377112250543&id=2114214402229217

Tourismo y tortugas en Mancora

Bevor ich meinen Freiwilligendienst antrat, sprach ich mit Freunden die bereits in Peru waren, alle empfahlen mir ein paar Tage im Badeort Mancora zu verbringen. Also los: Ohne genau zu wissen, was den kleinen Ort im Norden Perus ausmacht, machte ich mich vergangenen Donnerstag mit drei weiteren deutschen Freiwilligen auf den Weg zum Busbahnhof von Trujillo. Dieser ist mehr als doppelt so groß wie der Flughafen der Stadt und extrem modern(die Peruaner setzten anscheinend auf das Reisen per Landweg). Auch der Reisebus wies deutlich mehr Komfort auf, als man es aus deutschen Bussen kennt: Die Sitze ähnelten Betten, es gab Decken und zwei Mahlzeiten während unserer zehnstündigen Fahrt, dass ganze für weniger als 10€.

Wir erreichten Mancora gegen 10Uhr, der Bus ließ uns auf der Hauptstraße(und gefühlt einzigen befahrbaren Straße) raus und wir begannen unseren Transport zum Hostel zu suchen. Unter ständiger Belagerung mehrerer Mototaxifahrer und Männern die Tagestouren an Touristen verkauften, stellte sich dieses Vorhaben als gar nicht so leicht heraus. Endlich fanden wir unser Taxi und fuhren nur etwa fünf Minuten bis zu unserem Bungalow über der Stadt. Unsere Bleibe für die nächsten Tage war wirklich wunderschön und es fühlte sich gut an von oben auf den Trubel auf der Straße zu sehen aber die Ruhe und Einsamkeit oben auf dem Berg genießen zu können.

Aussicht aus dem „Speisesaal“

Blick von der Terasse

Da wir alle total hungrig waren machten wir uns bald wieder auf den Weg nach unten in die „Stadt“. Wir erkundeten die Umgebung und den Strand und stärkten uns in einer super coolen Surferbar. Danach schlenderten wir über den Markt, bestaunten Schmuck und buchten für den nächsten Tag eine ‚Whalewatchingtour‘. Den restlichen Abend ließen wir mit selbstgemachte Essen und Kartenspielen auf unserer Terrasse ausklingen.

Die Whalewatchingtour begann am nächsten Morgen um 6:30, nicht gerade die Uhrzeit in der man im Urlaub gerne aufsteht… Mit etwa 20 anderen Schaulustigen stiegen wir gespannt in ein Boot. Schon nach wenigen Minuten das erste Highlight: ein Delfin begleitete uns ein paar Meter, ließ aber leider nur eine Rückenflosse blicken aber kurz darauf grüßten uns schon die nächsten Meeressäuger, drei Seelöwen quiekten und winkten mit ihren Flossen. Danach fuhren wir weit raus aufs offene Meer um die versprochenen Wale zu beobachten, an dem Spot wo diese scheinbar oft auftauchen harrten bereits ein halbes Dutzend andere Boote voller Touristen aus, alle mit dem gleichen Ziel: Wale beobachten… Alles schien still aber sobald einer der guieds einen Wal erblickte begannen alle Boote mit Vollgas in die gezeigten Richtungen zu rasen. Wir bekamen einige Rückenflossen zu sehen, aber ehrlich gesagt, wünschte ich mir die Wale wären nicht aufgetaucht(haha). Sobald die Boote losrasten und sich scheinbar ein kleines Wettrennen lieferten reckten alle Touristen auf unserem Boot die Hälse und noch mehr die Kameras und Handys um ja alles zu dokumentieren. Begeistert kreischten und klatschten die Frauen wenn ein Wal Wasser ausbließ, als wäre das ganze eine einstudierte Show….Das war mir irgendwie alles viel zu touristisch und aufgesetzt. Ich hatte erwartet, dass wir auf dem Meer treiben würden und die Meerestiere mit einigem Abstand und in Stille beobachten würden, aber die Boote schossen unter dem Lärm der jaulenden Motoren auf die Tiere zu, so dass diese ohnehin wieder verschreckt abtauchten.

Quelle:http://Agua-planeta.21118.pe

Unsere „Mitreisenden“ wurden mir auch nicht wirklich sympatischer, als Proviantpakte verteilt wurden und der Wind immer wieder Verpackungsmüll von den Snacks aus dem Boot wehte, was mit kleinen Kreischern und darauf folgendem Lachen von den meisten Gästen abgetan wurde(Scheiß auf die Meerestiere, wir haben die ja jetzt gesehen). Auf dem Rückweg ging uns dann das Benzin aus, schien aber keinen zu beunruhigen uns schon bald fanden wir ein weiteres ‚Touristenboot‘, welches uns bis zum Hafen abschleppte.

Im Hafen gab es dann die nächste Attraktion: Schwimmen mit Meeresschildkröten! Klingt Mega cool-war es auch, aber ganz anders als ich es mir vorgestellt habe(alleine an einem einsamen Strand in der Karibik)… Trotz den vielen Touristen war es eine tolle Erfahrung die ich nicht so schnell vergessen werde.

Quelle:http://Agua-planeta.21118.pe

 

Natürlich ist mir bewusst, dass auch ich mich in vielen Aspekten nicht von den Touristen auf dem Boot unterscheide, trotzdem fühlte ich mich super mies auf dem Ausflug umgeben von diesen unbedachten, lauten, egoistischen Menschen. Dieses Erfahrung, dass ich mich während eines tollen Erlebnisses super unwohl gefühlt habe, beschäftigt mich auch noch Tage später und lässt mich an der Sinnhaftigkeit meines Aufenthaltes hier in Peru zweifeln. Fragen wie: wie wirke ich auf die einheimischen Bevölkerung? Ist meine Absicht(mein FSJ) hier wirklich nachhaltiger als der Aufenthalt eines Touristen? etc. beschäftigen mich… (Diese Fragen habe ich mir natürlich auch schon vor meinem Aufbruch gestellt, aber in Mancora wurde ich seit meines Aufenthalts erstmals mit Massentourismus konfrontiert)

Die restlichen zwei Tage in Mancora verbrachten wir mit typischem Urlaubsprogramm: Essen, Strand, Eis, Meer… Nach den ersten anstrengend Monaten voller neuer Eindrücke und mit einer fremden Sprache war ich froh einfach mal keine Aufgaben oder Termine zu haben. Den letzten Abend nutzten wir nochmal um in dem sagenumwobene Backpackerhostel Loki die Party abzuchecken. Es war total schön sich mal wieder auf englisch oder sogar deutsch unterhalten zu können, da meine Konversationen auf Spanisch, aufgrung mangelnder Sprachkenntnisse meinerseits eher oberflächlich verlaufen. Nach vier ereignisreichen aber auch sehr entspannten Tagen ging es wieder zurück nach Trujillo, wo diese Woche die MIC-games a meiner Schule starten. Was das genau ist erfahrt ihr hoffentlich im nächsten Eintrag(:

Viele erste Male

Hallo meine Lieben,

meine siebte Woche in Südamerika neigt sich dem Ende zu und ich habe mir gerade einmal meine ersten Blogeinträge durchgelesen und gemerkt, dass ich schon einige Sachen aus den ersten Tagen komplett vergessen hatte. Deshalb möchte ich versuchen diesen Blog wie ein Tagebuch zu nutzen und alle wichtigen Ereignisse festzuhalten um sie später nachlesen zu können(:

Die letzten Tage waren voller „erster Male“.

Das erste Erdbeben, was ich gar nicht mitbekommen habe, weil ich mit den Kindern aus dem Kindergarten am toben war.

Die erste Kakerlake, die eine echte Enttäuschung war, weil ich mir die Dinger viel größer und ekliger vorgestellt habe.

Der erste Traum auf Spanisch, was mich total überwältigt hat, weil ich nie gedacht hätte, dass man so schnell anfängt automatisch in einer andern Sprache(die man neben bei noch nicht besonders gut kann) zu denken.

Der erste Pisco(40%iges Nationalgetränk…) mit den ersten einheimischen Freunden.

Die erste(und bestimmt nicht letzte) Trivia Night, ein internationaler Quizabend mit lustigen Menschen und Preisen für die Gewinner. Eines der vier Themen des Abends: das Oktoberfest, wir als einzige deutsche Teilnehmer schon als Favoriten abgestempelt, schafften es tatsächlich keinen einzigen Punkt in der Runde zu holen… Wer von euch hätte denn gewusst, dass Albert Einstein vor der Zeit als  Nobelpreisträger Zelte auf dem Oktoberfest aufbaute? Das Oktoberfest ist eben nicht(wie ja Viele den Deutschen unterstellen)ein deutschlandweiter Kult.

Der erste Sonnenuntergang in Huanchaco, dem Surferort ganz in der Nähe.

Das erste mal Snowboard fahren in kurzer Hose und mit Sand in den Schuhen. Das  Sandboarding entdeckte ich letztes Wochenende mit ein paar neu gewonnenen Freund*innen in Conache, einer Lagune mitten in der Wüste. Die Fahrtzeit dauerte nur etwa 25Minuten mit einem uralten und sehr angeschlagenenen Taxi, was zwischendurch noch gewechselt werden musste, weil ein Reifen auf der Fahrt platzte…Tatsächlich war das Snowbarden im Sand um einiges schwerer als im Schnee und auch um einiges anstrengender, da man die Dünen nicht gemütlich mit einem Lift hochfahren konnte, wie man es aus dem Skiurlaub kennt.

Auf der Fahrt nach Conache fielen mir die Müllberge am Straßenrand auf, minutenlang sahen und rochen wir nichts anderes(es gab keine Fenster imTaxi, die man hätte schließen können). Das Problem mit dem Müll ist mir am letzten Wochenende nicht zum ersten mal aufgefallen, eigentlich wird man täglich damit konfrontiert. Denn sogar in den „Reichenvierteln“(wo ich auch wohne) sind die Straßen oft voller Abfall.

Es herrscht(so weit ich das beurteilen kann und darf) wenig bis gar kein Bewusstsein für Plastik(Müll) in der Gesellschaft(natürlich gibt es immer Ausnahmen). Bei jedem Einkauf bekommst du deine Ware in Plastiktüten verpackt, zehn Produkte bedeuten mindestens drei bis vier Tüten, da hilft auch kein Protestieren und deuten auf den eigenen, mitgebrachten Jutebeutel. Auch Obst oder Backwaren werden hier zu Lande gerne in Alu- oder Frischhalte Folie oder auf Plastiktellern serviert und leere Plastikflaschen werden einfach weggeschmissen. Täglich beobachte ich Menschen dabei wie sie ihren Müll ganz selbstverständlich auf den Boden fallen lassen oder aus dem Busfenster auf die Straße werfen. Verteidigend kann man sagen, dass es in Trujillo kaum Mülleimer auf der Straße gibt. Im Surferort Huanchaco gibt es keinen Einzigen, mit der Begründung, diese würden zu oft geklaut werden. Wenn schon von „Oben“ nichts gegen die Probleme unternommen wird, muss man eben „Unten“ anfangen, hat sich eine nette deutsche Kollegin gedacht und ihrer dritten Klasse eine Dokumentation über Plastikmüll im Meer gezeigt. Die Kleinen waren alle total schockiert, so als hätten sie noch nie zuvor gehört, dass Plastik schädlich für Umwelt und Lebewesen ist. Alle waren entschlossen ihr Verhalten zu ändern. Momentan entwickelt die Klasse Lösungsansätze um den Plastikverbrauch privat und in der Schule zu minimieren. Ich wünsche mir sehr, dass ich noch während meines Freiwilligendienstes hier eine Veränderung miterleben darf, denn auch der Schulkiosk verwendet viele Plastikprodukte.

Sicher ist, dass wir alle etwas an unserem Verhalten ändern müssen, denn auch wenn mir die Straßen in Deutschland im Gegensatz zu den peruanischen sauber scheinen, deportieren wir doch nur unser „Plastikproblem“ einfach in asiatische Länder und verdrängen so jeden Gedanken dadran, dass Deutschland seit Jahren den Spitzenplatz bei der Produktion von Verpackungsmüll in Europa verteidigt. Wenn man bedenkt dass weniger als 10% des weltweiten Plastiks recycelt werden und täglich mehr Plastik hergestellt wird, welches sich niemals komplett abbauen wird, sollte man doch eigentlich stutzig werden. Warum stoppen wir diesen Wahnsinn nicht? Weil es unbequem ist. Seinen Konsum einzuschränken oder zu ändern, nur um Plastikverpackungen aus dem Weg zu gehen kann ganz schön umständlich sein, hier in Peru noch um einiges mehr als in Deutschland(denke ich). Auch ich stoße hier jeden Tag an meine Grenzen, viel zu viele Produkte mit Plastik, die Peruaner lieben Strohhälme! Trotzdem müssen wir endlich aufwachen, uns bewusst werden, dass es keinen Planeten B gibt und das hergestellte Plastik nie mehr vollständig abgebaut werden kann…Der Film „a plastic ocean“ zeigt wie grässlich bereits jetzt schon die Folgen unseres unbedachten Plastikkonsums für die Meerbewohner sind und berichtet, dass es im Jahr 2050 mehr Plastik als Fische im Meer geben wird, sollten wir unser Verhalten nicht schleunigst ändern.

Passend zum Thema Nachhaltigkeit erhielt ich vor einigen Tagen eine Mail von kulturweit, ob und wie ich meine Flugemissionen kompensieren würde. Allein mein Hin- und Rückflug verursachen über 4.5Tonnen CO2, um den Klimawandel „aufzuhalten“ sollte jeder Mensch im Jahr maximal 2Tonnen CO2 verursachen. Mir war zwar schon immer klar, dass Fliegen super schlecht für die Umwelt ist, aber dass zwei Langstreckenflüge ungefähr die gleiche Menge CO2 verursachen wie ich sonst in einem halben Jahr ohne Fliegen verbrauche ist doch eine neue Dimension für mich und wird mich in Zukunft hoffentlich dazu bewegen immer die Alternative zum Flugzeug zu wählen, so fern das möglich ist.

Falls ihr eure Emissionen auch gerne ausrechenen möchtet oder generell mal euren ökologischen Fußabdruck errechnen wollt habe ich hier zwei Links(:

https://co2.myclimate.org/de/offset_further_emissions

https://www.fussabdruck.de/fussabdrucktest/#/start/index/

-> mein Ergebnis(3.5gha) ist deutlich besser als der deutsche Durchschnittswert(5.0gha), der weltweite Durchschnitt beträgt 2.8gha.

Passend zu diesem Thema haben wir auf dem Vorbereitungsseminar in Berlin das Weltverteilungsspiel gespielt. Dabei ging es darum, dass 15Leute die Weltbevölkerung prozentual darstellen sollten, danach wurden 15Stühle, die das Welteinkommen symbolisierten auf die Weltbevölkerung verteilt und 15Luftballons, die den Welt-CO2-Ausstoß darstellten.

Das Ergebnis war wirklich erschreckend: die zwei Freiwilligen, die die afrikanische Bevölkerung darstellten, hatten weder Stühle noch Luftballons. Dafür hatten die beiden Europäer und der Amerikaner  jeweils vier Stühle und drei/vier Luftballons. Der Südamerikaner hatte einen Stuhl und einen Luftballon und war somit der einzige ausgeglichene Weltbewohner.

(leider ist die „Berichterstattung“ ziemlich oberflächlich, ich hätte mich gerne mehr mit den Themen auseinander gesetzt, aber ich nutze meine Freizeit lieber fürs Surfen im Meer als im Internet(haha) … es kommt im kommenden Jahr aber bestimmt noch mehr dazu)

Ferien in Bogotá-gar nicht mal so anders

Ich bin verschwitzt und orientierungslos und in meinen Augen glänzen schon Tränen, während ich, bereits zum zweiten Mal in den letzten neun Tagen, durch den Flughafen in Lima renne. Es ist 20Uhr, seit über vier Stunden warte ich im Jorge Chávez International Airport auf meinen Anschlussflug nach Trujillo, als mein Name aufgerufen wird. Die Stewardess am Schalter erklärt mir, dass ich vergessen hätte mein Gepäck in Lima(Zwischenstopp Bogotá->Trujillo) abzuholen und erneut aufzugeben (dass alles auf Spanisch). Da mein Boarding in fünf Minuten beginnt, werde ich leicht panisch: bereits auf meinem Hinflug von Trujillo nach Bogotá lief einiges nicht nach Plan(mein Zubringerflug wurde gestrichen und die Stewardess musste mir mitteilen, dass der Anschlussflug nach Bogotá nicht warten würde)aber ich schaffte es noch mit einem Sprint, der wahrscheinlich jede Bestzeit von mir sprengen würde, innerhalb von sieben Minuten im größten Flughafen Perus aus der Maschine aus Trujillo in den Flieger nach Bogotá. Mein Koffer war leider nicht so schnell aber einen Tag später wurde er sogar bis zu Lerons Haustür geliefert(: Außer meinem Freund Leron wohnen noch drei andere junge Kolumbianer*innen und ein großer schwarzer Hund in dem, für lateinamerikanische Verhältnisse, luxuriösen Haus.

Mein erster Eindruck von Bogotá war sehr positiv, es regnet zwar wirklich viel, aber es gibt auch viele trockene Stunden und ich habe sogar einen kleinen Sonnenbrand bekommen… durch das milde Klima, ist die Stadt sehr schön grün, überall gibt es kleine Grünflächen und Parks(das gibt es in Trujillo zwar auch, aber die Grünflächen sind nicht wirklich grün, weil es kaum regnet und alles vertrocknet). Außerdem fielen mir gleich die vielen Fahrradfahrer*innen auf, was mich ziemlich neidisch werden ließ, denn bis vor ein paar Wochen, konnte ich auch noch die meisten Wege in Hannover mit dem Rennrad meistern. Eigentlich wollte ich mir in Trujillos auch ein Fahrrad zulegen, aber mir wurde dringend davon abgeraten und tatsächlich sehe ich bei der aktuellen Verkehrslage hier auch kein sicheres Durchkommenen auf zwei Rädern. Neben den Fahrradfahrer*innen sah ich auch seit einem Monat wieder Bushaltestellen und musste begeistert feststellen, dass die Kolumbianer weniger wert auf das hupen und dafür Mehr auf den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sowie die Beachtung der Verkehrsregeln und eine korrekte Blinkersetzung legen. Obwohl Bogotá mehr als achtmal so groß wie Trujillo ist, kam mir die Stad viel ruhiger und gelassener vor. Viele Aspekte erinnerten mich sogar an meine (vergleichsweise kleine) Heimatstadt Hannover, wenn zum Beispiel eine Gruppe Studenten mit North Face Regenjacken auf Rennrädern vorbei saust und einen Schwarm Tauben aufscheuchen(Bogotá scheint ein Paradis für Tauben zu sein), fühlt man sich kurz auf die  Limmerstraße versetzt. Aber es gibt auch viele Dinge die „typisch Südamerikanisch“ sind(soweit ich das beurteilen kann…). Genau wie in Lima und Trujillo gibt es viele kleine tiendas und auf größeren Plätzen stehen Händler mit kleinen rollenden Verkaufstheken und wollen ihre Ware verkaufen, nur dass du hier beim Ananasveräufer sowie bei jedem Souvenirstand auch ’nen Regenschirm dazu bekommen kannst. Das Wetter in der viert höchsten Hauptstadt der Welt ist eben unberechenbar… aber mir gefällt es, Bogotá ist wie die perfekte Mitte zwischen meiner alten Heimat Hannover und der Neuen Trujillo.

Nachdem ich meinen Koffer am Sonntag Morgen geliefert bekommen hatte, machten Leron und ich uns auf, in das historische Zentrum la Candelaria. Dort hatten wir uns für eine geführte Grafittitour angemeldet, die auf Englisch angeboten wurde.

Grafitti in la Candelaria

Eines der bekanntesten Kunstwerke aus la Candelaria

Neben den vielen beeindruckenden Kunstwerken erfuhren wir auf der Tour auch viel über die Künstlerszene und die wunderschöne Altstadt Bogotás. Wir waren so begeistert, dass wir nach der Tour erneut den Weg abliefen um uns die Graffitis noch einmal in Ruhe anschauen zu können und endeten schließlich in einem Burgerladen(wo auch sonst…).

La Candelaria mit Blick auf den Monserrate

Leider war ich die kommenden Tage (höhen?)krank, deshalb verbrachten wir die meiste Zeit bei Leron in der WG und erkundeten nur die nähere Umgebung. Da wir beide nicht gerade begeisterte Kochprofis sind, aßen wir meistens außer Haus und so entdeckte ich eine neue landestypische Spezialität: ¡Empanadas!

Am Donnerstag ging es mir dann endlich besser und wir hatten große Pläne: wir wollten den höchsten Wasserfall Kolumbiens besuchen. Um 8Uhr morgens ging es los zum Abfahrtsort eines kleinen Busses, der einmal die Stunde nach Choachi fährt, wir verließen den Bus allerdings bereits auf halber Strecke nach ca. 80Minuten Fahrt in den Anden und machten uns auf den Weg zum Eingang des Naturparks. Leider war das Wetter an diesem Morgen nicht auf unserer Seite, aber die unglaubliche Flora, so wie die vereinzelten bunten, improvisierten Häuschen am Wegesrand munterten uns auf. Ich bekam Lust auf ein Leben in einem kleinen andineschen Bergdorf, wo jeder die Milch seiner eigenen Kuh trinkt und zum Frühstück die Eier der umherlaufenden Hühner sammelt. Der einzige Lärm stammt von den Regentropfen auf den Wellblechdächern und den Kindern, die in Gummistiefeln zwischen den Hühnern spielen.

Eigentlich sollte man von diesem Punkt schon den Wasserfall sehen können….

Aussicht könnte nicht schlechter sein(:

Nach einem zweistündigen Fußmarsch erreichten wir den Eingang des Naturparks, wo wir eine kurze Einführung bekamen und insgesamt 30.000Pesos also ca. 8.5€ Eintritt zahlen mussten. Bereits nach einer kurzen Wanderung erreichten wir den ersten kleineren Wasserfall, hinter dem man sogar gehen konnte.

Ab diesem Punkt wurde der Weg wirklich anspruchsvoll, es gab zwar einen vorgegebenen Trampelpfad, dieser war allerdings durch umgekippte Bäume, entgegenkommende Bäche oder knöcheltiefe Matschpfützen gar nicht so leicht zu passieren. Wir brauchten über eine Stunde bis zum la Chorrera, dem höchsten Wasserfalls Kolumbiens mit einer Höhe von 590Metern.

Nach einer kleinen Verschnaufpause, ging es dann wieder zurück zum Eingang des Naturparks, aber große Lust den Weg bis zur Hauptsraße, wo der Bus fuhr zurück zu laufen, hatten wir nicht mehr… Sehr gelegen kam da das Schild ’servicio de transporte‘ an einem der kleinen Häuser nahe des Parks. Beim Warten auf den Familienvater, der uns mit seinem klapprigen Auto hoch zur Straße bringen wollte gab es dann noch mein persöhnliches Highlight des Tages(:

Die Welpen waren noch keine 2Monate alt

Insgesamt sind wir fast fünf Stunden in 2500-3000Metern Höhe gewandert – hat man am darauffolgenden Tag auch in den Gliedern gemerkt. Trotzdem hatten wir Lust unsere Körper noch ein weiteres Mal heraus zu fodern und machten uns am Samstag morgen auf zum Cerro de Monserrate, dem 3152 hohen Berg im südosten Bogotás. Anders als am Mittwoch waren wir hier durchgehend von Touristen umgeben, die das gleiche Ziel wie wir hatten, manche pilgerten Barfuß, andere drängten sich in teuren Sportklamotten an uns vorbei um eine neue Bestzeit hinzulegen. Unser Aufstieg dauerte zwar nur etwa 70Minuten(damit liegen wir 20Minuten unter dem Durchschnitt, der Rekord liegt allerdings nur bei 18Minuten…), ging aber durchgehend bergauf und war daher extrem anstrengend. Endlich Oben angekommen schlenderten wir durch den kleinen Markt, an dem jeder Stand das selbe anbat(Regenschirme, Souvenirs, Traumfänger und traditionellen Schmuck) und flanierten dann über die Fressmeile. Wir entschieden uns für einen Laden, der eine kleine Panoramaterasse hatte und tranken selbstgemachten Maracujasaft(leider in Plastikbechern).

Man sollte meinen, der Abstieg sei dann ganz einfach gegangen, aber mit unseren noch vom Donnerstag vorbelasteten Beinen war dieser ähnlich anstrengend wie der Aufstieg… Mit zitternden Beinen machten wir uns ein weiteres Mal auf nach la Candelaria um uns in Lerons neuem Lieblingsladen(weil man dort FIFA spielen kann und es Burger zum kleinen Preis gibt) zu stärken.

Am Sonntag morgen brachen wir zum Flughafen auf. Nach einigem Warten und Hoffen an der Bushaltestelle(Fahrpläne gibt es nicht) kam der richtige Bus und alles lief super nach Plan, mein Flugzeug nach Lima startete sogar fünf Minuten zu früh… In Lima hatte ich fast fünf Stunden Aufenthalt und zum ersten Mal wählte ich den Ort zum Essen nach dem „free Wifi“-Schild im Schaufenster(ziemlich uncool, ich weiß). Pink berry hieß der Laden meiner Wahl, der überteuertes und nicht wirklich leckeres Joghurteis verkaufte. Das WLAN war kaputt…. Da bei Starbucks und MC Donalds(die einzigen anderen Geschäfte mit Wifi) alle Tische besetzt waren, beschloss ich mich meinem Schicksal hinzugeben und die Zeit mit einem Buch im Wartebereich vor dem Gate totzuschlagen.

Und damit zurück zum Anfang der Geschichte: nach dem ich bereits über vier Stunden gewartet hatte wurde mir mitgeteilt, dass ich zurück zum Eingang solle um meinen Koffer abzuholen und erneut aufzugeben(auf dem Hinflug hatte mir noch ein freundlicher Mitarbeiter versichert, dass bei Anschlussflügen das Gepäck immer automatisch weitergeleitet und nicht abgeholt werden müsse…). Da mein Boarding schon anfing und ich noch die Hoffnung hatte wie auf dem Hinflug auf wundersameweise den Anschlussflieger doch zu erwischen, legte ich erneut einen Sprint hin. Mein Optimismus wurde aber schnell durch die zuständigen Flughafenmitarbeiter ausgebremst(die mich an die Faultiere aus Zoomania erinnerten) die nicht wirklich Lust hatten sich zu beeilen. An der Gepäckabgabe wurde mir dann gesagt, dass mein Koffer nicht mehr ins Flugzeug könne, was ich jetzt machen solle wusste aber keiner so genau. Bis ein englischsprechender Mitarbeiter gefunden war, der außerdem wusste was zu tun war, war mein Flugzeug bereits abgehoben und ich den Tränen nahe. Zu meinem Glück, gab es noch am gleichen Abend einen weiteren Flug nach Trujillo, so dass ich nur eine weitere Stunde am Jorge Chavéz ausharren musste. (Die Fluggesellschaft hat wirklich Glück, dass ich nicht so ein Mensch bin, der sich im Nachhinein beschwert oder Internetrezensionen schreibt, denn von mir würden die sicher nur einen Stern bekommen…)

P.S.: ich habe es endlich geschafft, auch in die älteren Beiträge Fotos einzufügen

So schön neu: Trujillo

„¡jBienvenida!“ Wird mir hier ständig auf der Straße zu gerufen. Ob es wohl an meinem europäischen Aussehen liegt, dass ich sofort als Nichteinheimische enttarnt werde, oder vielleicht daran, dass ich immer einige Sekunden die Worte zurecht legen muss bevor ich einen einigermaßen sinnvollen Satz auf Spanisch zusammen bekomme? – wahrscheinlich an beidem und daran, dass ich hier so ziemlich die Einzige bin, die sich an Verkehrsregeln hält…auffallen tue ich auf jeden Fall mit meiner hellen Haut und einer Körpergröße weit über 1.6Meter, denn in Trujillo gibt es kaum Tourismus. Ob ich es gut oder schlecht finde so herauszustechen, weiß ich selbst noch nicht genau, ständig angeschaut und als Fremde identifiziert zu werden finde ich eigentlich blöd, aber andererseits sind viele Einheimsche wie zum Beispiel die gesprächigen Taxifahrerer sehr interessiert und man wird häufig freundlich angesprochen.

Mittlerweile habe ich mich auch schon etwas eingelebt, die Wege zur Schule, zum Markt und zu den Freiwilligen Tina und Jenny habe ich schon raus und langsam komme ich auch wieder in eine Alltagsroutine, die seit meinem Abitur gänzlich verloren gegangen ist.

Mein Tag beginnt mit dem Hahn aus dem Nachbarsgarten, der mich stets zuverlässig irgendwann vor sechs Uhr weckt(leider auch am Wochenende). Während ich mich fertig mache und frühstücke höre ich immer Hörspiele, am liebsten TKKG(: Um 7:05 treffe ich mich mit Anica, einer Erzieherin vom MIC am el ovni(das UFO ist eine Polizeistation, die aussieht wie eine fliegende Untertasse und stadtbekannt ist, beschreibe ich einem Taxifahrer meine Adresse muss ich stets nur das ‚ovni‘ erwähnen…).

el ovni

Gemeinsam nehmen wir ein Colectivo. Nach etwa fünf Minuten Fahrt steigen wir aus und warten auf Mariela, eine deutschperuanische Kollegin, die ein eigenes Auto besitzt. Zum Glück! Denn in den Micros sitzen selten weniger als sechs Personen(auf maximal fünf Plätzen). Mit Mariela fahren wir nocheinmal etwa zehn Minuten bis zum Montessori International College(MIC). Die Arbeitszeit beginnt um 7:30, ich bin hauptsächlich in der Primaria(1-6Klasse) oder im Kindergarten. Da die Schule erst seit kurzem existiert, sind die Schüler alle auf dem gleichen Deutschlevel(A1). Das Kollegium ist sehr international und es gibt tolle Projekte, wie zum Beispiel Sportwettkämpfe oder die deutsche Woche, die Anfag Oktober statt findet. Meine Aufgaben im Deutschunterricht reichen vom Korrigieren der Arbeitsblätter, über mündliche Kurstests mit einzelnen Schülern bis hin zum Vorsprechen von deutschen Vokabeln, um die korrekte Aussprache zu verdeutlichen. Gegen 12Uhr gibt es in der Cafeteria Mittagessen, dass finde ich super, da ich nicht gerne koche und so mindestens eine warme Mahlzeit am Tag garantiert habe. Aber auch auf Trujillos Straßen findet man für kleines Geld große Köstlichkeiten. Ein Menü kostet oft nur um die 7Soles also weniger als 2€ und beinhaltet Vor- und Hauptspeise, sowie einen Saft. Neben dem preislichen Aspekt lernt man durch das essen außer Haus auch immer wieder neue Spezialitäten kennen, wie zum Beispiel palta a la rusa, Avocado gefüllt mit roter Beete und Kartoffeln.

Um 15Uhr endet mein Arbeitstag, und da die Schule außerhalb liegt und nur via Highway zu erreichen ist fahre ich mit dem Schülercollectivo Heim. Das beansprucht zwar die dreifache Zeit, die ich mit einem Taxi bräuchte, ist aber viel günstiger. Außerdem ist der Fahrer Fernando muy amable und stets bemüht Konversationen mit mir zu betreiben, auch wenn er 95% des Sprechanteils hat und ich nur freundlich nicke weil ich nicht wirklich folgen kann. Neben der sprachlichen Barriere erschwert auch der Lärm der kreischenden Grundschüler im hinteren Teil des Kleinbusses die Konversation. Da die Anschnallpflicht hier nicht allzu ernst genommen wird, spielen die Kleinen gerne mal fangen oder werfen Bälle umher…

Zweimal die Woche habe ich nach der Schule Spanischunterricht bei Mayra, einer Englischlehrerin vom MIC. Die anderen Tage verbringe ich mit Tina und Jenny, den anderen Freiwiligen oder mache Besorgung und putze, wasche, etc.(nerv). Tatsächlich hatte ich erst wenig Zeit um mich zu langweilen.

Neben einem Campingausflug zum dia de la Juventud(Tag der Jugendlichen) und einem Pizzaabend mit dem ehemaligen Freiwiligen Jakob, der uns viele Ratschläge und Reisetipps geben konnte, haben Tina, Jenny und ich uns für einen Salsakurs angemeldet.

Internationaler Pizzaabend

Außerdem war ich schon beim Kickboxen(ich habe noch nie so viel geschwitzt) und mit dem deutschen Lehrerkollegium anlässlich mehrerer Geburtstage Kuchen essen. Letzte Woche Freitag war die ‚TOUPI-GROUP‘, eine deutsche Bildungsorganisation, am MIC. Der Gründer Fernando und seine beiden deutschen Kolleginnen versuchten in einem halbtägigen Workshop den Schülern*innen das Thema Demokratie auf spielerische Weise näher zu bringen. Nach dem Workshop gab es noch ein gemeinsames Essen mit der Group und Fernando, der ursprünglich aus Peru stammt zeigte uns die super leckeren und bekannten Churros(ein Teiggebäck, was in Öl frittiert und in Zucker gewälzt wird, mit einer super süßen Füllung).

Morgen ist die große Parade zum Frühlingsanfang und nächste Woche habe ich schon meine ersten Ferien, die ich bei Leron in Bogotá verbringen werde. Ich bin schon super gespannt auf die kommenden Wochen und freue mich in den nächsten Monate noch mehr neue Gerichte, Bräuche, Orte und Menschen kennen zu lernen!