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REBACK – die ganze Geschichte

Es ist noch ein großes Fragezeichen, in allem was auf mich zukommt. Aber ich ziehe in Erwägung mich in Belgrad für ein Studium zu Bewerben, ob es nun funktioniert ist eine andere Frage. Denn da kommen ganz andere Probleme auf mich zu….Finanzen, Unterkunft, und ob ich überhaupt zum Studium angenommen werde. Aber ich möchte es, ebenfalls auch hier Versuchen.

Die letzten zwei Monate, lag meine Konzentration nun auf meinen Bewerbungsunterlagen für die Filmuniversitäten in Deutschland, da die Bewerbungsfristen überwiegend im Januar beginnen. Heißt Lebenslauf, Motivationsschreiben, Arbeitszeugnisse – der klassische Fall. Aber nun kommt der lustige Teil, dass Portfolio. 7 Fotos, ein Kurzexposee zu einem selbstausgedachten Film und ein Kurzfilm. Ersteres konnte ich zur Weihnachtszeit überwiegend fertig stellen, letzteres war schon schwieriger. Ich hätte auch mit den Dreharbeiten für meinen Kurzfilm viel früher beginnen können, 6 Monate früher, aber mir wollte einfach keine gute Idee für einen Aussagekräftigen Film einfallen. In der zweiten Dezemberwoche, war ich auf einer kurzen Wochenendreise dabei, alte bekannte aus der „Künstlerszene“ zu treffen, die ich in den letzten 10 Monaten kennengelernt habe. Ich brauchte Rat und Unterstützung, ich hatte in den letzten Monaten gezeichnet, geschrieben und dass Tanzen für mich wieder neu entdeckt, nun brauchte ich Reflexion. Mein erster Anlaufpunkt war in Belgrad, bei Filip Karlo, der mich schon zu zwei Modenshows als Fotograf eingeladen hatte. Ich Präsentierte ihm meine ersten neuen Shooting Ideen, als Zeichnung die um einiges Seriöser sein sollten, eher in Richtung Couture und Fashionfotografie. Ich wollte den nächsten Schritt machen! Ihm gefielen die Ideen und ich sah in seinem Blick, dass es tatsächlich gut ist. Ob aus dem Zusammenarbeit was wird, ist fraglich da hier einfach dass Pendeln zwischen Niš und Belgrad zu sehr im Wege steht, um regelmäßige Kooperationen durch zu starten. Meine zweite Station befand sich in Kragujevac bei Marko Stamatović (BBC-, Fairytail-, Fashionfotograf, Kunsthistoriker und Grundschullehrer für Kunst) den ich durch meine Schülerin Sofja (die als professionelles Model für eine Französische Agentur arbeitet) bei dem Masterclass von der russischen Fotografin Margarita Kareva kennengelernt hatte. Es gibt verworrene Wege, hier Menschen kennen zu lernen. Wie gesagt wir blieben in Kontakt und er lud mich zu seine Familie nach Hause ein. Wir saßen vermutlich so ungefähr 3 Stunden da und tauschten uns aus. Seine Frau Mira bereitete für uns Abendessen vor und sein Arbeitspartner Lazar gesellte sich später zu uns dazu. Das gute an Marko ist, dass er ohne wenn und aber Kritisiert und dann an Hand von Beispielen genau zeigt was ich besser hätte machen können. Zu Anfang war, dass sehr Niederschmetternd und ich hatte gänzlich aufgehört zu fotografieren, ein Pause. Nun saß ich da mit genauen Ideen und Vorstellungen. Auf meine Frage hin, ob er Rat hätte, wie ich eine Idee für einen Film ausarbeiten könnte, wusste er auch nicht weiter. Doch in jener Nacht, genau um 12:00 (ich habe auf die Uhr geschaut)  
überkam mich ein Idee, endlich. Sie war Simpel und nicht ziemlich neu, aber gut! Was ist, wenn ich doch all mein können und Erfahrungen aus dem Bereich Kunst, was ich mir in den letzten Monaten angesammelt habe vereine? Ich schrieb noch am selben Abend ein kurzes Drehbuch – die Grundidee für den Film stand. Am nächsten Morgen ging es für mich nach Trstenik zu Bojan, nur für eine Nacht, aber ich brauchte ihn. Mit Bojan habe ich zusammen bei der ersten BAFE-Mode Vorstellung Anfang 2018 gearbeitet. Er bestand darauf dass ich ihn Besuchen sollte. Und im September sagte ich endlich zu, er war wirklich Verbissen. Jetzt muss ich sagen, dass war das beste was mir passieren konnte. Bojan studiert Biologie und …Wissenschaften ist aber ein unglaublich Kreativer Kopf. In zwei Tagen die ich mit ihm im September verbracht hatte, hatten wir sehr innige Konversationen geführt und ein umreißendes Shooting auf die Beine gestellt. Nun war ich seinem Elternhaus für eine Nacht verabredet. Seine Mutter und sein Vater sind einfach nur herzlich, und seine Mutter kocht hervor Ragend. Am gleichen Abend, stellte ich Bojan meine Shootings und Filmidee vor. Er war begeistert und korrigierte mich in einigen Dingen, hakte nach und gab weiter Idee anstöße. Weißt du was: „der Film könnte doch REBACK heißen?“ Es war seine Idee, es hat zweierlei Bedeutungen, „I am Back“ oder „Flash Back“, für meinen Fall wäre dass genau nach was ich gesucht hatte „Ich bin zurück!“.

Die nächsten Wochen hieß es nun für mich eine gute Tänzerin/Choreografin zu finden, mich um den Zeitplan, Location und Kostüme zu kümmern. Mit Bojan einigte ich mich, dass er für drei Tage in der dritten Januarwoche nach Niš kommen würde. Ivona Manić ist Abiturientin an meiner Schule und ist schon seit 8 Jahren als Streetdancer unterwegs. Ich traf mich mit ihr zu einem Kaffee und ziemlich schnell verstanden wir, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind. Ivona  scheint zierlich und klein, aber um einiges Erfahrener und seriöser als ihre Klassenkameraden. Ende 2019 plant sie als Choreographin nach China auszureisen, was Respekt einflöst. Ich bat sie darum für mich und Bojan, ein paar Tanzübungen vor zu bereiten. Sie war mit im Spiel. Darauf folgten zwei Wochen Weihnachtsferien, die ich in Belgrad im Hostel verbrachte. Meine Angespanntheit wuchs, da Einsendeschluss der Unterlagen schon am 31.01 ist, heißt ich hatte für Kostüm, Probe, Filmen und Filmschnitt im ganzen, nur eine Woche Zeit. Der Dreh war in der zweiten Januarwoche geplant, dass ganze wurde aber wegen der Feiertage und Examen von Bojan verzögert, weshalb ich nur noch Hibiliger wurde. Das dritte Wochenende konnte es dann losgehen. Donnerstagabend kam Bojan, am gleichen Abend besprachen wir nochmal alle Kleinigkeiten die für den Dreh benötigt wurden. Und erst dann begann die ganze Arbeit. Um euch weitere Einzelheiten zu ersparen, fasse ich es kurz. Es waren 4 sehr intensive Tage, in denen bei mir in der Wohnung einmal aufgrund des alters, die Kabel durchgebrannt sind und es dadurch auch kein warmes Wasser gab. Am Tag arbeiteten wir 8 Stunden am Dreh, in denen ich nicht nur Hochkonzentriert die Kamera führen musste, sondern auch den ganzen Ablauf und den Zeitrahmen im Auge behielt. Das macht sehr müde und wenn man dann auch noch nach Hause fährt mit seinem Gast und nichts funktioniert ist man mit den Nerven am Ende… Ich packte am letzten Tag meine Sachen und machte mich wieder auf nach Belgrad ins El Diablo. In fünf Tagen in Kaffees mit Internet beendete ich den Filmschnitt  und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Wofür ich sagen muss, dass ich wirklich bis zum Ende bange hatte in einem so kurzen Zeitraum so etwas auf die Beine zu stellen – es funktioniert. Man muss nur dran bleiben.

Hier gilt noch einmal mein großer Dank Ivona Manic und Bojan Brankovic, die mir dabei eine sehr große Stütze waren.

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(M)eine unvergessliche Zeit…

Weihnachten, neues Jahr, so schnell kann die Zeit vergehen. Und es sind nur zwei Monate seid meinem letzten Beitrag vergangen und doch ist soviel wieder passiert. Ich werde Versuchen diesen Beitrag nur auf Weihnachten und Neu Jahr zu konzentrieren und in den nächsten meine Ergebnisse zu erläutern.  

Kurz gesagt die Ferienzeit habe ich das erste mal nicht im Familienkreis verbracht, was aber meine eigene Entscheidung war. Es sind nur noch zwei Monate in Serbien und diese wollte ich im vollen ausnutzen, soweit es geht. Und um über die zwei Wochen nicht allein zu sein fragte ich in meinem Hostel, ob ich mich nicht als Volontär einstellen dürfte, nach 10 Monaten wurde es auch endlich mal Zeit 😛 Die letzte Woche in Nis verbrachte ich mit Schülerprojekten für das Goethe Institut, Film Beendung für die ZfA , Fotografieren und Geschenke finden und packen. Hinzu kommt dass ich ziemlich Krank wurde, da ich mir aber schon eine Woche früher Urlaub genommen habe, konnte ich mir eine weitere Auszeit nicht leisten. Ihr könnt euch meine gerenne Vorstellen, aber ich blieb enthusiastisch, vor allem als es um das Geschenke verpacken ging. Ich stellte im ganzen 7 Geschenktüten zusammen, jeweils mit einer Eule und einer meiner eingerahmten Zeichnungen. Es kostete mich ein wenig Zeit, aber ich genoß es Geschenke zusammen zu stellen. Und dann kam der Tag an dem ich für dreieinhalb Wochen nach Belgrad ziehen würde. Es war eine Tortour meine Sachen zu packen, weil ich unglaublich schlecht darin bin, einzuschätzen, was ich alles in dreieinhalb Wochen tragen werde, weshalb ich meinen Koffer einfach mit fast allem zu stopfte, was mein Winter Kleiderschrank zu bieten hatte. Und dann stand ich endlich da, bereit für die Arbeit im Hostel, in dem ich fast jede zweite Woche meine Zeit verbracht hatte, es ist eine lange Geschichte, die ich vielleicht im einzelnen erzählen sollte, vielleicht. Die ersten Tage verbrachte ich damit meinen Tagesablauf zu kalkulieren, was sich als ziemlich schwierig erwiesen hat, da ich jegliches Zeitgefühl verlor und mich in bestimmten ablaufen vollständig verschätze. Meine Schicht war überwiegend die Nachmittagsschicht von 16:00-23:00, heisst aufpassen, aufräumen, Entertainment und Informationen geben, da ich dass vorher auch schon überwiegend auf unterbewusster Basis gemacht habe, war dass nicht neues. Doch ich lernte in den nächsten zwei Wochen aufräumen, ich entdeckte es für mich in einer gewissen weise Neu. Denn es kam vor, dass ich Zeit irgendwie totschlagen musste, meine Bewerbungen und arbeiten konnte ich  nicht im Hostel erledigen, wenn dass Wohnzimmer mit Gästen gefüllt ist, kann ich mich nicht konzentrieren, es fühlt sich falsch an. So versuchte ich mich auf Bücher, Handy und den Fernseher umzuschalten, aber auch dass war nicht wirklich eine Option. Weshalb ich Dragan darum bat, mich mit Arbeit voll zu schütten. Und tatsächlich ist Betten machen, Küche sauber machen, Bad reinigen, Wäsche waschen, Kochen, einkaufen gehen, die beste Meditation und Erholung für die Seele. Hinzu kommen, dann meine Kollegen (Volontäre), die mich ebenfalls auf trab hielten. Da war die liebe Elisabeth aus Mexiko, James aus Schottland (mit einem tiefen Schottischen Akzent) und Sergio aus Spanien. Sergio muss ich im einzelnen ein großes Dankeschön ausrichten, ich kenne ihn nun schon seid 4 Monaten, auch dank ihm war meine Zeit im Hostel um einiges farbenfroher. Die Sache ist die, dass unsere Konversationen ständig auf dem gegenseitigem aufziehen beruhten und manchmal entstanden dabei  so abstrakte Dialoge, die letzten endes sogar wir nicht mehr nach vollziehen konnten 🙂 Er erzählte mir, wie schwierig es doch wäre in Serbien ein One-Night Stand zu haben oder generell mit einem jungen Frau eine kurze Romanze zu führen, dass in dem Fall der Kulturelle unterschied sehr stark spürbar wäre, im Vergleich zu Spanien, wo die Frau doch die Initiative ergreift. Im Vergleich zu anderen Ländern, musste man den serbischen jungen Frauen eins lassen, sie wussten wie man einen Mann um den Finger wickelt, gebraucht und dann wieder gehen lässt, ohne dass sie im ersten Moment bemerken was genau geschieht. Woher ich dass weiss? In den letzten zwei Wochen genoß ich überwiegend die männliche Gesellschaft, auch beim ausgehen und hatte regelmäßig das große Glück, teil an einem echten tiefgründigen Männergespräches zu werden. Wie sich heraus gestellt hat, zerbrechen sich die jungen Herren auch des öfteren den Kopf, was wir Frauen doch so über sie denken und häufig werden die Signale, die wir Aussenden missverstanden oder überhaupt nicht wahrgenommen, oder es fehlt an Selbstbewusstsein. Dass ist mir zumindest in den meisten fällen an den Reisenden aus dem Norden aufgefallen. In Serbien würde ich es ein Spiel nennen und es braucht Übung und Erfahrung von beiden Seiten, bis ein guter und qualitativer Flirt daraus wird. Tempo, Themen, Signale, Körpersprache, Lautstärke und Umstände….

 

Wie gesagt fehlte es unserer Kompanie nicht an Gesprächsstoff und es gab einiges zu Lachen, wie ihr euch vorstellen könnt. Was ich besonders daran genoß, dass ich tagtäglich gemixte Gruppe aus aller Welt hatte und wie man doch einige Klischeeverhalten zu bestimmten Ländern zuordnen kann. Die Sprachdifferenzen, Verhaltensmuster, Gewohnheiten und Themen. Wir Verglichen, tauschten uns aus und diskutierten und bei einer guten Gruppendynamik kommen viele spannende Ansichtsweisen bei raus. Zum Thema Politik, Gesellschaft, Liebe, Kultur etc. Aber am schönsten sind die Abende an denen ich in „meine Jazz Bar“ gehe „Strogi Centr“ , dass besondere an diesem Ort ist, dass jedesmal etwas spannendes passiert, es ist bisher noch nie vorgekommen dass ich diesen „Club“ enttäuscht verlassen hatte (zu diesem Ort, möchte ich eine einzelnen Beitrag zusammen stellen). Kurz gesagt, es gibt fast immer improvisierte life Jazz Musik, wo im Anschluss Tanzen angesagt ist. Die Atmosphäre dort ist unvergleichbar und man hat dass Gefühl Jahrzehnte zurück gebracht zu werden. Dieses Mal hatte ich die Freude Ryan (Hostelgast, aus Amerika) kurz Salsa beibringen zu dürfen. Ich bin kein Profi, aber er erwies mir die große Ehre ständig auf meine Füsse zu treten und die Führung mir zu überlassen. Kurzer Hand, war Sergio derjenige der mich aus dem unvergesslichem Partnertanz rettete. Am gleichen Abend wurde ich zu zwei weiteren Tänzen eingeladen und von einem serbischen Studenten, der sich als Danilo aus Wien vorstellte, für seine Diplomarbeit für den Studiengang Fotografie fotografiert. Als Andenken machte er noch ein Polaroid Bild und gab es mir…es gibt wirklich zauberhafte Abende in Belgrad. Über die Neu Jahreszeit wurden wir mit Sergio und James in dass „Zusatz“ Zimmer, für alle Fälle umgesiedelt, da alles ausgebucht war. Ich und Sergio auf der bequemen Luftmatratze und James auf dem der Matratze auf dem Boden. Auch hier gestallte sich die Zeit als ziemlich aufregend. Die Sache ist die, James schnarcht, ich würde er als ein gemütliches, gesundes und regelmäßiges Oma schnarchen beschreiben. Was mich persönlich ruhig in den Schlaf wiegt. Mich ja, Sergio nicht. Ich wachte um drei Uhr morgens davon auf, dass Sergio mit der Zunge schnalzt, was ich vorerst überhaupt nicht verstehen konnte. Später stand er auf und klatschte leicht in die Hände, ich muss wirklich sagen, dass ich nur mit Willenskraft nicht los prusten musste, es war einfach zu komisch. James schlummerte einfach beseeligt weiter. Als auch dass leises rufen und schnalzen nicht half, Versuchte Sergio James leicht zu verlagern, da er als Profi Fitnesstrainer darauf anzielte die Lungenwege frei zu bekommen und James ein wenig Wach zu rütteln. Doch als ein Waschechter junger Schotte, wie James einer ist, hat er nicht vergessen ordentlich mit seinen Freunden an dem Abend ein gutes Bier zu trinken (vielleicht zwei oder auch drei) und schlief aus diesem Grund wie ein Stein. Es gab einen Tag, da feuerte ich eine kurze Schneeballschlacht im Hostel an. Alle Gäste waren raus und Dragan, Sergio und ich waren dabei alles aufzuräumen und zu Putzen. Ich wurde auf den Dachboden geschickt um frische Bettlacken zu holen und nahm zusätzlich noch etwas frischgefallen Schnee mit, ihr könnt euch Dragans Blick vorstellen, als er mich und Sergio, wie zwei Kinder im Rezeptions berreich mit Schnee ertappte und dabei auch noch etwas selbst abbekam, er kommentierte dass ganze nur mit: „Kinder“. An Weihnachten, Neujahr und Orthodoxen Weihnachten (7.01) wurde alles für dass Abendessen vorbereitet, ich ging mit Dragan auf den Markt, wir kauften alles ein, wonach er seine Kochkunst begann. Von der Seite erscheint es immer so einfach, grazile und so schnell, doch in Wirklichkeit, um dass nach zu machen braucht es Erfahrung, Liebe, Talent und sehr viel Geduld. Denn das Resultat ist immer köstlich.  An den Tagen an denen ich Nachmittags frei hatte, Versuchte ich mich mit meinem Computer in ein gemütliches Kaffee zu verkrümeln um zu arbeiten. Und ich muss ehrlich sagen, ich habe noch nie so gerne am Computer gearbeitet. Ich ging in das Cafe „Cafeteria“ (ein altes Jugendstilgebäude mit 3 Etagen) oder „Aviator“. Ich bestellte immer einen Cappuccino oder eine heiße Schokolade, schaltete meinen Computer ein, machte mir „Nu Jazz“ an, kontrollierte meine E-mails und arbeitete an meinem Lebenslauf. Um mich war ein Gewimmel, Leute trafen sich, es wurde gesprochen, in der Luft lag der Geruch nach frisch gemahlenem Kaffee und draußen schneite es, dass gibt einem Gefühl von innerer Ruhe und Geborgenheit. Das wirkliche Gefühl von Weihnachten und Neu Jahr traf bei uns etwas verspätet ein, da Belgrad eine Schneewelle kurz nach Weihnachten überlief und es war  bildhübsch. Am ersten Tag an dem es durch geschneit hatte, schnappte ich mir meine Kamera und lief drei Stunden durch die Verschneite Stadt, es war Menschenleer und der Schnee noch ziemlich unangetastet, ich fror ziemlich durch, aber es hatte sich gelohnt. Bei Nacht, nimmt Belgrad nochmal eine völlig andere Gestallt an, durch die Unzähligen Lampingons und Neujahrs Beleuchtung erscheint die Stadt noch behüteter und schläfriger. In den darauf folgenden Tagen, kümmerte sich Dragan ebenfalls, auf meine Bitte hin um meine Frisur.  Meine Haare mussten unbedingt wieder weiß gefärbt werden, auf meine kläglichen Proteste meine vorherige Frisur (hälfte braun, hälfte weiß,  zurück gekämmt)  beizubehalten, reagierte er nicht. Er blich vorerst die ganzen Haare, wobei ich vorerst dreißig Minuten, mit einer Tüte aus der Fleischerei auf dem Kopf vor dem Fernseher mir die Zeit vertrieb. Danach wurde die Farbe aufgetragen, es brannte wie in der Hölle. Mein Guter sagte nur: „Wer schön sein will, muss Leiden“. Was ich befürworte, aber zu dem Zeitpunkt stellte ich diese These immer mehr unter Frage. Am Anschluss wurde ich belehrt wie ich richtig mit meinem zerstörtem Haar umzugehen hatte und wann ich am besten welches Shampoo nutzen sollte. Er Stylte meine Frisur um und Nickte mit einem bewilligendem Lächeln in den Spiegel: „Nun meine Liebe, siehst du um einiges weiblicher aus“. Ich sah ihn mit einem ironischem Vernichtenden Blick an, woraufhin wir beide loslachen mussten. „Etwas 80er, 90er Haarstyle, aber es steht dir“. Mir gefällt es, davor trug ich meine Haare über einem halben Jahr zurück gekämmt, nun hatte ich eine Igelfrisur die wild in alle Richtungen steht, wer sagts denn. All diese Kurzen Geschichten, Vorkommnisse und Situationen waren meistens eine Gefühlte Sekunde lang, eine kurze Ewigkeit und nun sind sie schon wieder Vorbei. Die Zeit Verläuft so unbarmherzig schnell. Es gab noch so viel mehr, was ich jetzt im einzelnen nicht erläutern werde, nicht erläutern kann. Es war so schön und es sind nur noch anderthalb Monate, danach ist vorerst meine Zeit hier vorbei…

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Hinter der Maske von Ihm…

Es scheint man kennt schon alle Gesichter einer Person und plötzlich formiert sich die Gestalt, der Charakter völlig neu. Ich möchte den Namen nicht nennen, ich weiß selbst nicht warum, vielleicht aus dem Grund das sich durch einen Namensgebung einer Person ein bestimmtes Bild im Kopf des Lesers erscheint. Ich kann nur für mich sagen das ich ihn sehr zu schätzen gelernt habe, das der Austausch auf Ehrlichkeit beruht. Ich habe hier viele Menschen kennengelernt die diese Herzlichkeit versprühen. Aber es gibt auch Personen die einem nur durch ihre Anwesenheit ein Gefühl der Geborgenheit und innere Ruhe geben können und im nächsten Moment ein Lächeln aufzaubern können. Man kann einen Menschen mit einer Zwiebel vergleichen, klingt stupide. Im ersten Moment gibt es die allgegenwertige Herzlichkeit, den Humor das Lächeln. Wenn man sich dann näher kennen lernt die Komplimente, Bemerkungen. Im nächsten Moment den Genuss der Stille, in der Stadie braucht man nichts mehr zu sagen um sich wohl  zu fühlen. Und erst danach beginnt ein inniges, ehrliches und wahres Gespräch. Ich war wie immer zu früh auf, keiner im Raum und wir setzten uns gemeinsam auf den Balkon. Man lauschte dem Gezwitscher der Meisen und Gurren der Tauben, beobachtete den Sonnenaufgang. Und dann begannen wir über Gott, den Krieg, seine Familie und Patriotismus zu sprechen. Ich werde den Moment nicht vergessen in dem wir so da saßen und mir plötzlich bewusst wurde, dass solch ein Gespräch mehr als Gold wert ist. Ich blicke in die Augen meines Gegenübers und sehe wie sich eine Tür öffnet, keine Masken mehr, nur Ehrlichkeit und gegenseitiges Verständnis.  Am Nachmittag hole ich meine Sachen ab, er ist wieder nicht da, aus irgendeinem Grund kommt es immer so dass er im Moment meines gehen`s nicht da ist. Das nächste mal lerne ich ihn wieder anders kennen. Das erste Mal Müde und älter. Aus dem Grund das die Gespräche immer mit jüngeren Leuten stattfinden erscheint auch der Gesprächsstoff anders, die Attitude. Und doch verstehen sich slavische Völker irgendwie anders untereinadner, die Verwurzelung ist tief. Als meine Mutter da ist, nimmt alles wieder eine ganz andere Gestalt an. Eine liebe zu dem eigenen Land, dem Volk, dem Wissen. Ein Stolz und Traurigkeit, plötzliche. Chormusik, die Orthodox christliche Kirchenmusik erinnert, wird gespielt. Und wir halten Inne, erinnern uns, Weinen, Fühlen, Verstehen, Lieben. Es ist ein altes Gefühl, ein Inneres Gefühl das sich aufbäumt, man kann es nicht erklären. Es ist in einem Verankert, alte Verbundenheit. Und dafür wird man Verurteilt für diese Liebe zu einer eigenen Kultur, dieser Verbundenheit. Er zieht an seiner Zigarette: „Ich bin Müde“

Die Fotos sind aus dem tollen Fotoshooting mit Bojan aus Trstenik entstanden und haben keinerlei Verbindung mit dem Beitrag!

 

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Ich und meine Haare

Es wird Zeit eine Zwischenbilanz von meinem Auslandsaufenthalt zu ziehen, ich bin nun schon fast seit 7 Monaten in Serbien und es gab große Veränderungen. Ich würde diese gerne anhand meiner Haare und Frisuren Erläutern, ich dachte mir, das macht es um einiges Spannender, wenn man die Veränderung und Entwicklung bildlich und etappenweise Verbildlicht. Begonnen hat alles mit einer Topffrisur, so werden mich auch die meisten Bekannten in Erinnerung haben, kurzer Haarschnitt, kastanienbraunes Haar, manchmal Wild in alle Richtungen abstehend, aber lang genug um kleine Zöpfchen machen zu können (wenn man etwas skurril wirken möchte). Zu dem Zeitpunkt würde ich mich noch als etwas Unsicher beschreiben. Es war ja auch nur der Anfang meiner Reise. Aber ich erinnere mich noch ganz genau, dass es mich viel Überwindung kostete nicht in Panik zu verfallen, als ich meine ersten Bustickets nach Belgrad am Schalter kaufen sollte. Ein Taxi rufen, überließ ich sehr gerne jemandem anderen. Ein Hostel war für mich undenkbar (ich hatte da sehr veraltete Vorstellungen) und auch alleine Reisen, was ist wenn was schief läuft, etwas nicht nach Plan geht? Nein, viel zu Risikoreich und was werden andere Menschen über mich denken? Was ist wenn ich mich Verlaufe??? Ja, ja ich weiss, sehr kleinlich… Aber Versteht mich doch, mein eingeschätztes Durchschnittsalter beträgt nach einigen Befragungen 23-25 Jahren. Dabei war ich gerade erst mal 18… Jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass es mehr Vorteile in sich birgt etwas älter und reifer zu wirken als du in Wirklichkeit bist, aber zu Anfang gestaltete es sich als ein wenig schwierig „simple“ Fragen zu stellen. Weshalb ich Versuchte ein wissendes Gesicht zu machen, im richtigen Moment zu nicken und Informationen wie ein Schwamm aufzusaugen und im Nachhinein vorsichtig nach zu haken. In Gesprächen mit älteren Leuten oder Backpackern im Hostel hörte ich erst mal aufmerksam zu und erlernte den professionellen „SmallTalk“. Meine Englisch Komplexe Verschwanden mit der Zeit und trotz konstanter Fehler kann ich ohne Punkt und Komma eine Gesellschaftstratsch am Laufen halten, was mir vorher überhaupt nicht bewusst war. Wenn ich ein Thema Aufschnappte, welches mir bekannt vorkam kramte ich all mein angeeignetes Wissen raus und startete durch. Ich lernte die erste Zeit vollkommen selbstständig zu leben, mit Geld umzugehen, zu Planen (was nicht immer funktioniert), auch meinem äußerlichen alters Bild gerecht zu werden auf das ich geschätzt wurde.

Meine Frisur wurde wieder Kürzer, aus dem Grund dass ich mich hinter meinem Pony nicht mehr verstecken konnte und nun an meinem Selbstbewusstsein arbeiten musste und wie macht man das am besten? Haare kurz! Zieht schon mal mehr Aufmerksamkeit auf sich, womit man lernen muss umzugehen und um nicht stupide zu wirken (wenn man sich am liebsten Verstecken möchte) Rücken gerade, Brust nach vorn und zum Ziel, kein rechts, kein links. Das ist die beste Schule. Leider funktioniert dass auch nicht immer, aber bei meiner Körpergröße muss das sein, Verstecken ist schwierig. Viele werden jetzt den Kopf schütteln und sich fragen, hat das Mädel nicht mehr alle Selbstverliebten Tassen im Schrank???  Nun, ich möchte euch sagen, was ich hier seit meiner Ankunft jeden Tag lerne ist Selbstliebe, es gelingt nicht immer, aber es ist sehr wichtig! Und dafür bin ich den Serben sowas von Dankbar, ich bekomme fast jeden Tag Komplimente, von meinen Schülern, von Freunden, von Kollegen, für mein Aussehen, für meinen Charakter und das lässt einen Aufblühen und glücklich sein, Ängste zu vergessen…Komplexe. Und ich kann jetzt euch die Frage beantworten was mir in Deutschland so gefehlt hat, das Lächeln, die Ehrlichkeit, Komplimente, Herzlichkeit, Einfachheit im Umgang mit anderen. Ich habe aus Deutschland so viele Berührungsängste mitgebracht, völlig einfache Umarmungen, Schulter klopfen, auf die Wange küssen, Körperkontakt brachte mich in Panik, weil ich nicht wusste wie ich richtig damit umzugehen hatte. Nachdem mir dass alles bewusst wurde, wollte ich eine große Veränderung die meinem inneren Leben gerecht wird. Haare färben! Davor war das für mich ein völliges Tabu, es ist schlecht für die Haare, wird das denn gut aussehen usw. ? Ich machte es genau an dem Tag als meine Mutter mich besuchen kam, ohne sie Vorzuwarnen. Ich liebte es, sie war schockiert und pisackte mich die nächsten Tage, aber alle gewöhnten sich sehr schnell daran, es passte zu mir. Bei mir begann eine experimentelle Etappe, änderte meinen Kleidungstil radikalisch, ich stellte eine ganze Sonnenbrillenkollektion zusammen und fing an große, verrückte Ohrringe zu tragen. Ich nahm wieder die Fotografie auf, nahm am Masterclass von Margarita Kareva aus Russland teil, lernte den serbischen National Geografic Fotografen Marko Stomatovic kennen, der alle Fotografieevents vorbereitete. Begann an den Filmarbeiten für den Deutschlehrertag, Theaterfilm und UNESCO-Film in der Schule. Wurde zuversichtlicher wegen meiner Zukunft und meiner Pläne. Machte regelmäßig Sport und lernte fleißig serbisch, wurde Stammgast in Belgrad und lernte sehr viele Menschen kennen, durchlebte verschiedenste Situationen, lustige, skurrile, traurige. Es handelte sich dabei von Partys, tanzen und Spaß, tiefgründigen politischen Diskussionen und einfachem Informationsaustausch, bis zu tiefgründigen Gesprächen, Polizeieinsetzen und Stillem Beisammensein und einfachem genießen von kleinen Dingen. Ich Wurde im Umgang mit anderen einfacher und entspannter. Fand ein zweites Zuhause, wo ich jederzeit willkommen bin.

Dann kam die Fahrt nach Berlin am 1.Juli. Ich ging nicht nochmal zum Friseur um meine Haare erneut zu Färben. Ich flog, stieg aus dem Flieger, setzte mich in die S-Bahn, fuhr kurz nach Hause, zog mich schnell um und fuhr gemeinsam mit meiner Mutter zum Abiball meiner Schwester. Sie wusste nicht das ich komme, als ich sie mich sah, schrie sie auf und rannte auf mich zu, sie war so hübsch in dem Kleid und wir weinten uns gemeinsam in der Umarmung die Augen aus. Der Abend war skurril, da waren meine Lehrer die mich vor einem Jahr verabschiedet hatten, meine Familie und es fühlte sich alles so surreal an zurück zu sein. Mich rettet nur der Gedanke dass ich zurückkehren würde, ich weiß nicht warum. Die ersten zwei Wochen versuchte ich Serbien und Deutschland irgendwie in meinem Kopf zu verbinden, dass diese beiden Welten parallel zueinander existieren und das die Zeit weitergegangen ist… Ich lebte mich wieder in den Alltag ein, verfiel aber wieder ziemlich schnell in meinen alten Deutschen Muster, was mich ziemlich wütend aber auch traurig machte, alles was ich aufarbeitet hatte, an mir selbst konnte man so einfach wegschnippen. Ich traf alte Bekannte und Freunde und Verstand, dass die Zeit auch hier weitergegangen war und ich Standhafter in meinen Überzeugungen geworden bin und das wir aneinander vorbei redeten und wie falsch doch einige sein können. Dadurch das in Serbien viele Menschen zu mir sehr ehrlich sind, sowohl positiv als auch negativ, stimmt die Körpersprache und die Intention miteinander überein, viel Gestik, viel Mimik, viel Stimmungschwankung. Ich Verstehe das. Und plötzlich ist etwas faul, mir wurde plötzlich die Brille von den Augen genommen und ich Verstand für mich selbst ob mein Gegenüber für mich interessant ist oder nicht, ob wir die gleiche Sprache sprechen oder nicht. Ich ging zu meiner alten Friseurin, die mir den Rest des Blonden Haares von den Seiten Schnitt und die langen Strähnchen da ließ, jetzt war ich halb, halb. Meinen Geburtstag wollte ich nicht in Berlin feiern, nach drei Wochen wollte ich wieder raus, mein Derzeitiges Leben befindet sich in Serbien und irgendwie kam ich nicht zur Ruhe. Ich und meine Schwester packten die Koffer und machten uns auf unsere erste gemeinsame, selbstständige Reise. Es ging Vorerst nach Budapest, dann nach Belgrad, Kotor, Kraljevo und wieder zurück nach Nis, wo wir kurz zur Ruhe kamen, nach drei Wochen. Es kam noch eine alte Schulfreundin dazu und es ging zurück nach Belgrad. Im Rückblick muss ich sagen, dass ich mir solche Reise vor einem Jahr, nie zugetraut hätte in der Organisation. Hinzu kam, dass wir sehr Spontan alles machten, wir buchten Zimmer 3 Tage vor unserer Ankunft, kauften Kurzfristige Touren und genossen die kleinen Momente. Als ich meine Schwester zum Flughafen brachte ergriff mich wieder die Traurigkeit, ich war wieder allein, ohne Familie in einem fremden Land das ich sehr liebe. Die nächsten Tage verbrachte ich mit meiner Schulfreundin, die bald darauf auch zurück flog. Ich wurde Krank und machte eine Woche zuhause Pause, ohne jeglicher Gesellschaft, was sehr erholsam war. Ich reiste wieder los, war in zwei Wochen, bei drei verschiedenen Familien zur Übernachtung, arbeitet für das Goethe Institut in Kragujevac an einem weiteren Film. Meine Serbisch Kenntnisse verdoppelten sich, dadurch dass mein Umkreis nur Serbisch sprach. Auch die Angst vor der Sprache wurde mir genommen und ich wurde unglaublich müde. Ich kam zurück nach Nis und freute mich auf meine eigene Wohnung und auf meinen Kater, Wanja. Ich zog mich etwas zurück, fing an von Zuhause am Computer zu arbeiten, mein Freundeskreis in Nis löste sich langsam auf, dadurch dass alle Abiturienten weggingen und ich lernte mich selbst zu bespaßen. Es machte mir auch nichts aus, allein mit sich selbst zu sein, muss man auch erst mal lernen. Allein im Kaffee zu sitzen, Shoppen zu gehen und Situationen zu reflektieren. Alleine Reisen, kam nun für mich auch in Frage, ich empfand es auch als sehr angenehm. Aber nach drei Wochen, verfiel ich der Routine, die mir nicht imponierte, es kam eine leichte Melancholie und ich wusste nicht was ich genau tun sollte. Dann starb mein Kater und mich rettete die Arbeit, der Deutschlehrertag der am nächsten Tag stattfand. In der Woche darauf flüchtete ich nach Belgrad, wo man mich Auffing und wieder unter Menschen brachte. Ich wurde abgelenkt, umarmt und ausgeführt, dass war was ich brauchte. Und seit langem fühlte ich mich wieder weiblich und begehrt, darf man das so sagen, ohne falsche Hintergedanken zu wecken? Der Grund dafür waren die jungen Herren, die ich nur kurz kennengelernt hatte, aber die mir genug Aufmerksamkeit schenkten um mir das Gefühl zu geben, dass ich auch als junge Frau Interessant sein kann. Ein leichter Flirt, nicht mehr, aber es war schön. Kokett, interessant, schön zu sein. Ich vereinbarte einen Friseur Termin für nächste Woche. Diesmal wollte ich weiss-blond, nicht gelblich. Ich kam silbrich, weiß-blond raus und es gefällt mir. Ich ging zur Kosmetikerin zur Gesichtsreinigung, besuche jetzt regelmäßig das Fitnessstudio und habe ein persönliches Training vereinbart. Am Sonntag kam ich zur Fashionshow nach Belgrad zu der ich als zusätzlicher Fotograf von einem Bekannten eingeladen wurde (dazu später). Ich fühlte mich wieder gut in meiner Haut. Was durch meine in Freunde in Belgrad sehr unterstützt wurde. Ich sollte kurz erwähnen, dass ich ziemlich verunsichert zurückkam, als ich bei der Anprobe der Models Fotos machte, da ich Verstand was für ein Weg bis nach oben, noch vor mir liegt. Und die Karrieretreppe hoch zu kommen scheint ziemlich schwierig zu sein. Im November beginnt meine Bewerbungsphase für die Studiengänge in Deutschland… Und ich weiß jetzt nicht ob die Erfahrungen, die ich die letzten anderthalb Jahren gemacht habe, für meine Bewerbungsmappe reichen. Plötzlich bin ich voller Zuversicht ohne Grund und nach einer Weile stehe ich wieder da und denke mir, die Arbeit die ich leiste kann nicht gut genug sein.

Was ich aber nun ganz genau sagen kann ist, dass ich endlich einen Weg fand mich selbst zu realisieren und  genau zu Verstehen was ich will, warum ich etwas tue, wofür ich das tue, mit welchen Menschen ich in Kontakt stehen möchte, wer meine Zeit klaut, was mir wichtig ist und was nicht…und das sind die ersten Schritte zur Selbstverwirklichung. Und das Wünsche ich jedem auf seinem Lebensweg!

 

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Er war mein Geheimnis, Wanja

Ich möchte schon im Voraus sagen das dass hier eine Geschichte ohne Happy End ist und eigentlich eine sehr persönliche, aber ich möchte sie gerne niederschreiben, solange die Gefühle und die Erinnerung frisch sind. Im Voraus, es werden voraussichtlich nur diejenigen Verstehen, die selbst Haustiere hatten oder haben. Alles hat im März 2018 Angefangen, gerade als ich angekommen bin, in der zweiten Woche. Meine Wohnung ist direkt an einem kleinen Fluss, in einem ruhigen Gebiet, ohne Autos und anderer Transportmittel. Die erste Regel die ich von meiner Vermieterin aufgetragen bekommen habe ist „die Katzen nicht füttern“ und „keine Katzen im Haus“. Der Grund sind die vielen Streuner in der Umgebung und die Vorherigen Mieter die alle gefüttert haben. Hinzu kommen Krankheiten, Parasiten vielleicht auch noch Tollwut. Ich akzeptierte diese Regel, zuhause habe ich selbst viele Haustiere, unter denen auch zwei Kater . Ich bin keine Person die hinter Tieren her rennt um sie zu streicheln oder zu domestizieren. Vor allem Katzen, das sind überwiegend selbstständige Tiere, Raubtiere die gut für sich selbst sorgen können und den Menschen im Grunde nicht benötigen. Doch in meiner zweiten Woche machte ich mich wieder auf den Weg zur Schule zum Fluss, dafür durchkreuze ich meinen Garten und gehe dann entlang am Fluss zur Straße.

Und da saß er. Ein schwarzer Kater, drahtig, langbeinig, mit fettigem Fell einer sehr langen Nase und durchdringenden Grünen Augen. Wenn ich ehrlich bin, ein klein wenig kläglich und nicht der schönste im Vergleich zu den anderen, aber irgendwas war anders, eine bestimmte Majestätische Ausstrahlung war da. Ich setzte mich, er kam Näher und setzte sich neben mich, einfach so. Er stank. Ich saß da, Er saß da und das war alles. Ich kraulte ihn kurz und ging weiter. Und von dem Moment an,  begann unsere Beziehung.  In den nächsten Monaten entwickelte sich eine Gewisse Vertrautheit und Routine. Sobald ich vor der Tür war, lief er zu mir, ich setzte mich und der gute Sprang mir auf die Knie, rollte sich zusammen und schlief ein. Ich taufte ihn Wanja. Warum Wanja? Ich weiß es nicht, ich schaute ihn an und Verstand, dass ist es, „ Wanja“, eine verkleinlichung des Namens Ivan. Dieser Name ist einerseits ziemlich einfach, gleichzeitig auch ziemlich tiefgründig und er hat eine lange Geschichte. Man muss sagen das Wanja, ein Tier war mit unglaublicher Intelligenz. Genau um 9 Uhr morgens stand er vor meiner Tür, punktuell. Abends genau um 10 Uhr und versuchte sich jedes Mal  durch meine Beine in die Wohnung zu schleichen. Ich ließ ihn nicht rein, es war strikt verboten und ich wollte ihn nicht an mich binden, weshalb ich ihn nicht fütterte. Doch nachdem meine Mutter für drei Tage da war, wurde immer mehr klar, Wanja ist mein. Er lief hinter mir her, wenn ich den Tisch auf der Terasse verließ. Saß auf meinem Schoß wenn ich Skizzen machte und gab erste Laute von sich. Davor muss ich sagen, dass der Kater stumm war, komplett. Meine Mutter gab ihm was zu essen und schaute mich an: „ Julia, er hat dich lieb.“ Zu dem Zeitpunkt machte ich noch keine Pläne, denn im Juli würde ich für einen Monat wegfahren und er würde mich vergessen, ich hoffte es, es würde alle nur noch erschweren. Im Juli fuhr ich weg, ich reiste mit meiner Schwester von Berlin, Budapest, Belgrad nach Kotor und von dort aus zurück nach Serbien. Anfang August waren wir zurück in Nis. Wanja war nicht da. Er hatte mich Vergessen…

Ich schloss die Tür ab vom Haus und sagte etwas zu meiner Schwester. Und plötzlich ein lautes Maunzen und unglaubliches Rascheln. Aus dem Gebüsch rannte auf mich mein schwarzes Teufelchen zu, mit unglaublichen Klagelauten, ich fing ihn auf. Ich war mir selbst überrascht wie sehr ich diesen Vertrauten Körper auf meinen Armen vermisst hatte. Meine Schwester sah mich nur an und schmunzelte. An diesem Abend ließ ich ihn das erste mal in meine Wohnung, heimlich. Wir machten den Boiler an, und wuschen den Kater. Er ließ es klagend aber ruhig über sich ergehen, der Gestank war unerträglich. Danach wickelte ich ihn ein großes Badehandtuch ein und übergab ihn meiner Schwester, die sich mit ihm auf den Boden setzte, solange ich etwas Hähnchenbrust aufschnitt. Um 11 Uhr, nachdem er getrocknet war, stellten wir ihn vor die Tür. Er saß da noch die nächsten 30 Minuten….es war schwer, aber besser so. An dem Abend wurde klar, ich würde Wanja Versuchen mitzunehmen und die Dokumente für ihn Vorbereiten, ebenfalls zum Veterinär gehen und ihn behandeln lassen. Soviel er auch fraß, er nahm nicht zu. Ab diesen Tagen begann ich ihn regelmäßig zu füttern und begann eine einfache Wurmkur. Flöhe wurden auch mit einem Spray bekämpft. Zwischendurch fuhr ich für zwei Wochen weg, sobald ich aber zurück kam erwartete mich mein Kater, es wurde selbstverständlich. Dessa, meine Vermieterin regte sich immer über mich auf und sagte mir ich solle doch nicht den Kater füttern, er wäre Krank und Dreckig. Erwischen tat sich mich aber nie, weshalb sie nicht wirklich Stellung nehmen konnte.  Es kam vor das ich auf meiner Terrasse saß und Wanja auf meinem Schoss war, ich hörte sie kommen und warf ihn unbeholfen in die Büsche. Er schaute mich danach immer nur Fragend an. Jeden Abend gab er mir zu Verstehen dass er ins Haus möchte, ein zu Hause und es kostete mich viel Überwindung es nicht zu tun. Am 1. September ließ ich ihn das erste mal am Abend in meiner Wohnung übernachten. Ich wusch ihn wieder in der Dusche mit Shampoo, in gewisser Weise genoss er sogar das warme Wasser. Danach trug ich ihn eingerollt wie ein Kind in de Handtuch durch die Wohnung, ich hörte ein leises Schnurren und die nächsten Abende etablierten sich wie folgt. Ab 10 Uhr rein in meine Wohnung, Fütterung, manchmal Waschen, danach gemeinsam vor dem Computer sitzen und einen Film schauen. Er schlief auf meinen Knien und ich genoss meinen Tee und Wanjas Gesellschaft. Was mich aber am meisten glücklich machte war einen kleine Geste von ihm. Sobald ich mich hinsetzte, war es seine Initiative sich auf meinem Schoss bequem zu machen, meistens verpackte ich ihn in meine Jacke und sobald ich ihn kraulte Grub er seine lange Nase tiefer in meine Beine, so dass ich letzten Endes nur seine Ohren sah und gab leise schnurr-schnarch Laute von sich. Ich hatte ihn sehr lieb gewonnen. Sobald ich schlafen ging, setzte ich ihn auf einen Stuhl im Eingangsbereich und schloss die Tür zum Schlafzimmer. Ich kaufte Katzenfutter, eine Katzentoilette für die Nacht und einen Napf. Ich fing an mit Wanja Fahrrad zu fahren, setzte ihn vorne in den Fahrradkorp, leinte ihn zur Sicherung an und machte mit ihm nächtliche, kurze Touren. Am Morgen stellte ich ihn vor die Tür und ging zur Arbeit. Und so verliefen die nächsten 2 Wochen. Ich begann meinen kleinen Anfrage bei Tanja (der Tochter der Vermieterin) und Selena (Enkeltochter), es wurde zwischen Ausziehen und Kompromiss diskutiert. Ich konnte mit einigen Argumenten beide davon überzeugen ihn nur nachts zu mir zu nehmen und um die Sauberkeit in der Wohnung würde ich mich kümmern. Am Montagabend fischte ich Wanja neben dem Haus auf der Straße auf und irgendwas stimmte nicht, Futter wollte er nicht und auf meinem Schoß saß er ziemlich kraftlos, ich hielt ihn fest, unterbewusst hatte ich eine traurige Vorahnung.  Dann kam der Dienstagabend und Wanja kam nicht nach Hause…

 

  1. September 2018 :

Heute wollte ich zum Tierarzt, ich hatte mit Danica (Schüler der Oberstufe) gesprochen, sie wollte mir helfen mit den Papieren für Wanja. Diese Nacht kam der Kater nicht nach Hause, ich wartete rief, aber er kam nicht. Ich dachte mir nicht viel dabei, das passierte manchmal. Morgen würde er wieder da sein. Ich stand um 9:45 auf. Wartete bis Dessa wieder ins Haus geht um dann Raus zu gehen und auf Wanja zu warten. Er war nicht da, eigenartig. Ich lief zu meiner Gartenterasse wo ich üblicherweise sitze. Goss die Blumen und schaute mich um. Und da lag er, unter dem Busch, tot, seid einigen Stunden. Die ersten Minuten überkam mich eine betäubende ruhe, da war nichts. Sobald ich aber die Wohnung betrat, realisierte ich was passiert war. Wanja war nicht mehr. Ich versuchte meine vertränten Augen etwas zu beruhigen. Dessa war gegangen. Ich nahm eine große weiße Tüte und verscheuchte alle Fliegen vom Körper. Der Körper des Katers war starr und eiskalt, als würde ich eine Ausgestopfte Puppe in den Händen halten, ich packte ihn ein, damit Dessa ihn nicht sieht. Dann ging es darum eine Schaufel zu finden, ich ging zum Schuppen, nichts. Ich hatte zwei Optionen, zu einem der Nachbarn zu gehen oder mich aufs Fahrrad zu setzten und eine zu Kaufen. Ich entschied mein Glück bei den Nachbarn zu Versuchen, relativ schnell bekam ich eine altertümliche Schaufel, zum Umgraben, in die Hände gedrückt. Ich suchte eine Stelle hinter dem Garten unter einem jungen Baum. Ich muss ehrlich sagen, die Erde hier ist so hart und Spröde das ich nur mit Mühe und etwas Wasser ein Loch in den Boden bekam. Ihr hättet mich sehen müssen, ich fluchte und regte mich bei dem toten Kater über die harte Erde auf, dabei liefen mir verbitterte Tränen über das Gesicht. Danach nahm ich die Tüte und versuchte behutsam ohne den Körper zu berühren, Wanja in das Loch zu platzieren, dann die Erde wieder drüber. Es war vollendet.

Er war mein Geheimnis, Ich Vermisse ihn, ich habe es selbst nicht mitbekommen wie stark ich mich an Wanja gebunden hatte. Aber er war irgendwie doch mein Anker, derjenige für den ich hier Verantwortung zu tragen hatte, er gab mir Routine und das Gefühl das ich gebraucht werde. Kann man so über ein Tier sprechen? Viele werden das nicht verstehen. Aber plötzlich ist das weg und dann sitzt man da und versteht, da ist keiner mehr der bei dir auf dem Schoß sitzen wird, egal wie es dir  geht, da ist keiner mehr der auf dich warten wird und mit dir Fahrrad fahren wird. Du bist wieder alleine. Ja, Wanja war „NUR“ ein Kater, aber er war mein Kater und ich hab ihn sehr liebgewonnen. 

Ich weiß nicht wie ich an diesem Tag Unterricht geführt hatte, zwei Stunden. Nach einer Woche ging es wieder. Am schlimmsten ist es an den Abenden, immer noch. 7 Monate hatte ich Wanja um mich, mit ihm hatte ich meine Geschichte in Serbien angefangen. Diese nächsten zwei Wochen waren eine Mischung aus Routine, Horror und  Melancholie aus der ich versuchte auszureißen, was mir kurzfristig immer wieder gelang, aber immer wieder Rückschläge erlitt. Meine Arbeit hatte sich überwiegend auf zuhause verlegt, am Computer, was alles nur schlimmer machte. Ich machte mir Zeitpläne mit einfachen Aufgaben, Einkaufen, kurz zur Schule fahren, Pedeküre und Sport. Es hielt mich am Ball, aber es kostet jeden Tag Überwindung. Der Tod von Wanja gab dem ganzen ein letztes „i“-Tüpfelchen. Nachts kam es manchmal zu Wachzuständen von 2-3 Stunden und kleinen unbegründeten Panikattacken. Glücklicherweise hatten wir an dem Freitag den „Deutschlehretag“ den wir mit Tanja seit 3 Monaten vorbereitet hatten  und der meine vollkommene Aufmerksamkeit  beanspruchte. Sobald dieser vorbei war, stand ich wieder vor der Frage: „Und was nun?“  Als ich vor mir wieder das Wochenende vor mir hatte und keine Ahnung hatte was jetzt, kam ich zu dem Entschluss ich musste raus. In der folgenden Woche, hatten wir einen Tag in Belgrad an dem ich mit meinen Schülern kommen sollte. Ich verlängerte meinen Aufenthalt dort auf 5 Tage, was sich als eine wunderbare Zeit entpuppte. Und für mich stellte sich immer mehr heraus, dass sich mein eigentliches Zuhause und die Menschen die ich liebte in Belgrad befinden…

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Life, im Seifenoper Bus!

Wir setzten uns endlich in den Bus der uns zurück nach Serbien bringen sollte und wer hätte gedacht, dass man genau in diesem Bus Zeuge einer realen „Seifenoper“ wird. Zu Beginn schien alles wie üblich. Alle setzten sich hin, stöpselten sich die Ohren zu oder schliefen ein. Neben mir saß Olivera, hinter mir der liebe Israeli Abraham und links von mir eine ältere Dame mit einem sehr gepflegten und akkuratem Äußeren, die eine Sonnenbrille trug. Bis zur Grenze verlief alles glatt. Passkontrolle, Stempel wieder reinsetzten. Alles super. Unser Busfahrer wollte gerade durch die letzte Schranke fahren, als sich einer der Grenzpolizisten vor den Bus stellte und einstieg. Nach kurzem Gespräch wurde klar, dass er nach der Arbeit nur bis zum nächsten Dorf nach Hause gebracht werden wollte, aber irgendwas erschien mir komisch. Nach einer Stunde machten wir eine kurze Pause. Die gepflegte „Lady“ stellte sich draußen vor den Bus und der Polizist gesellte sich dazu, immer noch soweit so gut. Alles erschien idyllisch. Nach dem Vertreten der Beine kamen wir wieder in den Bus. Ein starker Geruch nach Wein und Alkohol stieg mir in die Nase und verstand zuerst nicht woher der kam. Der liebe Grenzpolizist war nun vollkommen auf die stolze Dame fixiert. Und obwohl ich nicht alles Verstand, war zu Hundertprozent klar das er mit ihr Flirtete und das war wie folgt: „Du bist eine der hübschesten Frauen die ich je gesehen habe, siehst fantastisch aus“ Sie lächelte nur kokett. Er lehnte sich etwas vor um ihr Näher zu kommen und etwas zu erzählen, dabei taumelte er nur leicht hin und her. Erst jetzt begriff ich, das der liebe Grenzpolizist Sturz betrunken war.

Hoppla! Wenn ich ehrlich bin dachte ich immer, dass das nur in russischen Seifenopern gezeigt wird… Nach 10 Minuten „Ljubim te“ (Ich liebe dich) packte er eine Champagnerflasche aus und überreichte sie ihr. Sie versuchte ihn mit Samtweicherstimme zu beruhigen und abzulehnen, doch er behaarte. Sie musste dankend annehmen. Er legte ihr immer wieder die Hand aufs Knie oder nahm ihre Hand. Die „Lady“ lächelte immer noch über die vielen Komplimente zurückhaltend, aber irgendwie hatte ich das Gefühl dass sie damit umzugehen wusste. Nach weiteren 20 Minuten Liebesbeweisen, erklärte der Polizist dem Busfahrer dass er jetzt auf eine Landstraße abbiegen sollte. Dieser erschien leicht genervt, aber folgte dem „befehl“. Der Grenzpolizist stand auf und küsste die Wange der Dame, danach etwas länger ihre Hand, schaute sie dann an und sagte: „ Mein Haus ist hier, magst du nicht bei mir bleiben?“ „Nein mein lieber, ich muss weiter.“ Wir kamen an. „Ruf mich an, versprichst du es mir?“, fragte er etwas schleppend. Sie nickte leicht. Er musste aussteigen, er kam nur bis zum Türrahmen, dann drehte er sich um und stand gefühlte 5 Minuten da und schaute ihr tief in die Augen. Wiederholte immer wieder: „Ruf mich an.“ Ich und Olivera mussten kichern, er sah ein klein wenig aus wie ein etwas verlorener Pudel und so hoffnungsvoll. Der Busfahrer seufzte laut. Die „Lady“ erklärte ihm: „Ich ruf dich an, du musst jetzt aussteigen.“ „Versprichst du es? Du kannst doch auch bleiben?“ Sie: „Nein, ich kann nicht“ Er:“Ich liebe dich.“ Danach stieg er eine weitere Stufe herunter und drehte sich nochmal um. Es war wirklich ein allgemeines Seufzen im Bus zu hören. Ich und Olivera versuchten die Kicher Anfälle unter Husten zu verbergen. Die Situation war irgendwie Urkomisch. Der Polizist stand etwas zusammengesunken und schwankend da, man hätte fast Mitleid mit ihm gehabt. „Molim te (Bitte dich)“ Sie schüttelte liebevoll den Kopf. Er stieg aus. Der Busfahrer schloss aufatmend die Tür und drückte aufs Gaspedal. Ich sah noch wie der Grenzpolizist dem Bus treu hinterher sah, dann waren wir schon in der nächsten Straße abgebogen. Das erste was die „Lady“ machte, sie verschenkte die Flasche an die Person hinter ihr und zerknüllte die Telefon Nummer. Dann lehnte sie sich entspannt zurück. Das nenne ich mal mit Stil…

Warum erzähle ich euch das. Nun ja, nicht um die Grenzpolizei oder die Menschen hier schlecht zu reden, keinesfalls. Ich wollte nur Folgendes erwähnen, so absurd, abstrakt und vielleicht taktlos dieses Vorkommnis erscheinen mag, so liebevoll, sensibel und feinfühlig und menschlich erscheint mir Serbien von Tag zu Tag. Ja der Polizist war betrunken, aber er machte der Frau ohne Wenn und Aber Komplimente, sagte ihr in einem etwas zu ehrlichen Zustand alles war er dachte und hetzte sich ihr nicht auf. Sie antwortete ihm nur mit kleinen Gesten  und er Verstand trotz allem wo die Grenze war. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich auch in serbischen Clubs gemacht. Wenn an dir ein Mann vorbei will, schiebt er dich leicht an der Schulter weg oder tippt dich an. Im bulgarischen oder deutschen dagegen wird man eher angerempelt oder angetatscht. Ich beschönige es nicht, das ist bisher nur meine Erfahrung. Wenn dich jemand sympathisch findet oder umgekehrt, kommst du einfach ins Gespräch und wenn man eine Grenze zieht wird sie akzeptiert und nicht überschritten. Man Versteht ebenfalls woran man ist. Mir erschien das in Deutschland immer viel zu kompliziert. Ein ständiges Versteck Spiel, wer wenn gut findet. Womit ich hier überhaupt nicht gerechnet hatte war das Beziehungen zwischen Mann und Frau ziemlich offen demonstriert werden… Und das Verständnis untereinander erscheint irgendwie viel leichter als es häufig im Balkan vermutet wird…

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Sofia, du hast so viele Gesichter…

Sofia, eine Stadt wie keine andere… Nach diesem Satz sind die Erwartungen normalerweise hoch. Ich aber wusste von Sofia nichts und hatte eigentlich gar nicht geplant mein verlängertes Wochenende dort zu verbringen. Bis zu dem Punkt als meine Pläne für meine Fahrt nach Montenegro platzten, weil meine mitreisende leider nicht konnte. Alleine Reisen wollte ich nicht weshalb ich mich zurücklehnte und erst mal treiben ließ und überlegte was als Plan B infrage käme. Plan B meldete sich vollkommen selbstständig und ohne Vorwarnung in der Erscheinung von Olivera (Ich hatte sie bei meiner ersten Reise in Belgrad kennengelernt), sie erinnerte sich das ich in Nis wohnte und wollte gerne eine Nacht bei mir übernachten um am nächsten Morgen einen frühen Bus zu nehmen. Bei mir machte es „Bling“ und ich schrieb ihr dass ich mich ihrer Reise gerne anschließen möchte. Zwei Tage später saßen wir um 4 Uhr morgens im Bus in Richtung der Grenze Bulgariens. Nach 4 Stunden waren wir endlich da. Ich wusste das es Sonntag war, aber in dieser Großstadt herrschte eine Grabesstille. Die Straßen in Sofia sind riesig und emens Breit und weit und breit war kein Auto zu sehen, außer ein paar Taxis. Ebenfalls herrschte eine Stunde Zeitverschiebung, also war es schon 9:00 Uhr. Ich nahm erschöpft meine 5kg schwere Tasche (weil ich immer noch keinen Rucksack hatte) und folgte Olivera zu ihrem Hostel, welches sie meinte „ganz in der Nähe“ liegt.  Dieses ganz in der Nähe waren 1,5km und 30min. zu Fuß durch die Stadt. Als wir ankamen, heulte mein Rücken wie am Spieß, aber ich war selbst schuld. Dann kam auf uns ein weiteres Problem zu. Mein Hostel lag 2 weitere Kilometer von ihrem, da ihres schon vollkommen ausgebucht war, hatte ich in Eile ein weiteres mit eine guten Rezension gesucht und gefunden, leider etwas weiter weg… Ich entschied mich ein Taxi zu nehmen (was sehr kostengünstig ist) und kam endlich da an wo meine Sachen hingehörten. 

Wie ihr euch vorstellen könnt war gemeinsame Zeitverbringen und treffen mit Olivera etwas erschwert, da ich, sobald ich das Hostel verließ, kein Internet (und auch kein Roaming ihr Scherzkekse) hatte um irgendjemanden zu kontaktieren. Den ersten Tag gesellten wir uns zu einer FreeTour in Sofia an, die sehr informativ und spannend war. Unser Guide hieß Martin und sprach mit einem starken Bulgarischen Akzent (rollte das Rrrrrrrrr) und nach jedem zweiten Satz sagte er: „….Guys,…….so guys….“ Was ihn sehr sympathisch machte. Nach drei Stunden kostenloser Tour wusste ich eins, Sofia war eine Puzzle-Stadt. Auf einem großen Platz gab es nicht nur eine Synagoge, Moschee und Kirche, nein, auch Ausgrabungen aus dem alten römischen Reich auf dem die jetzige Stadt steht, Kommunistische Gebäude die eher an Moskau erinnern und viele Gebäude die eher  Wien in den Sinn kommen lassen. Ebenfalls musste ich feststellen dass die Bulgaren einen sehr interessanten ironischen Sinn für Humor haben. Zum Beispiel, stand auf dem Haupt Platz einer Griechischen Statue namens „Sofia“, Politiker ließen diese teure Statue in der Überzeugung aufstellen, dass diese Göttin der Stadt ihren Namen gegeben hatte. Historiker jaulten erschöpft auf und fassten sich schüttelnd an den Kopf über so ein Unwissen, da die Stadt nach einer Kirche benannt wurde. Es gab einen Skandal, die Skulptur aber blieb. Hinzu kommt das auf dem Wappen der Stadt, im rechten Kasten unten links, ein Mann zu sehen ist der Duscht oder ein Bad nimmt. Die Stadt steht nämlich auf einer heißen Quelle von Mineralwasser, doch in der ganzen Stadt gibt es keine einzige „Banja“. Martin rollte da nur mit den Augen als er uns das erzählte. Als Highlight nenne ich gerne die Kirche „Sweta Sofia“. Eines schönen Tages kam die Stadt zu dem Schluss, dass die alte Kirche aus dem 6. Jahrhundert dringend eine Glocke bräuchte, wie jede andere normale und anständige Kirche auch. Leider gab es keinen Platz für eine Glocke in der Kirche. Was macht man in solch einem Fall? Genau, man hängt die Glocke in einen Kastanienbaum der gegenüber von der Kirche steht auf! Ist das nicht eine Geniale Idee???

Leider ist es so dass man die „echte“ Sophienkirche ständig mit der Alexander-Newskii-Kathedrale verwechselt obwohl sie sich definitiv unterscheiden, von der Größe und vom Stil! Aber als normaler Tourist läuft man an der kleinen, alten Sophienkirche vorbei und geht zu der Pompösen und großen Orthodoxen Kirche die auch eines der Wahrzeichen von Sofia geworden ist, obwohl sie nach einem russischen heiligen benannt wurde. Was mir auch nicht ganz klar geworden ist, ist das Verhältnis von Bulgaren zu Russen. Da das Bulgarische dem Russischen nicht unähnlich ist, habe ich versucht mich eher mit dem russischen, statt dem englischen Verständlich zu machen. Es gab Leute die waren wohlauf begeistert nicht Englisch sprechen zu müssen, andere dagegen tief beleidigt und wieder weitere haben sich blöd gestellt (wobei ich zu meinem Erstaunen verstanden habe, was sie sagten, Schimpfwörter haben eben ihren gemeinsamen Ursprung). 

Was mir aber nach und nach immer deutlicher geworden ist, ich bin wieder in Europa. Ich hätte nicht gedacht das dieser Unterschied so stark spürbar sein wird, da Serbien und Bulgarien Nachbarländer sind. Und ich persönlich war mir nicht sicher ob ich darüber froh war oder nicht. Die Stadt war sauber, glänzte von allen Seiten, es war ruhig aber irgendwie gefühlslos… Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll, Sofia ist eine Bildhübsche Stadt, aber mehr war da nicht. Nach dem nächtlichen Belgrad, den Menschen, Kaffees und Lautstärke, war Sofia im Vergleich dazu irgendwie zu ruhig. Nach 12:00 Uhr war Schluss! Nur die Hauptstraße war gefüllt mit Menschen, in den danebenliegenden Gassen, war Totenstille. Tagsüber dagegen entschloss ich mich mal auf die Suche nach günstiger Kleidung zu machen, die mir hier sehr empfohlen wurde. Ich geriet auf den „Frauenbasar“ wo es alles gab was das Herz so begehrt, vor allem aber Leckereien. Nach zwei Stunden war ich um 1kg Honig, 200g Lokum, 2 Packungen türkischen Schwarztee und 400g trocken Früchten reicher. Aus Kleidung wurde nichts.

Nach dem ersten Tag wurde Olivera in ihrem „Hostel Mostel“ ein Tagesausflug in ein Kloster angeboten. Sie fragte mich ob ich mitwolle, aber ich wollte nicht nochmal 4 Stunden im Bus verbringen, hinzu kam das wir nur noch einen Tag von 3 in Sofia zu verbringen hatten. Ich beruhigte sie, dass ich auch alleine zurechtkomme und sie fuhr beseligt weg. Ich dagegen saß am Morgen mit einer sehr depressiven Stimmung in meinem „Coffetto Moretto“ (ich hatte noch nicht mal Gefrühstückt und das ist heilig). Ich erarbeitete mir schon einen Kuriosen Plan als Plötzlich die Tür aufging und eine junge Frau mit einem riesen Rucksack das Hostel betrat. Nach 5 Minuten stellte sich heraus, dass sie Lea heißt, 28 ist und aus Karlsruhe kommt. Es war das erste Mal seit 3 Monaten, dass ich mich so sehr über eine Deutsche freute. Die nächsten 8 Stunden zeigte ich ihr die Stadt und unterhielt mich ohne Punkt und Komma. Kennt ihr das, wenn ihr plötzlich wisst, diese Person versteht euch und ihr könnt eine völlig offene Konversation führen und das auch noch in eurer Muttersprache. Erst dann ist mir aufgefallen, wie aussagekräftig doch die eigene Sprache sein kann. Nach drei Monaten Englisch und B1 Niveau Deutsch, war das was mir sehr gefehlt hat. Der Tag war so was von gerettet.

Irgendwann kommt dann immer die Frage: „Wie alt bist du eigentlich?“ Häufig kommt es zu Verknotungen im Gehirn meines Gegenübers, da ich schon von Arbeitserfahrungen erzähle aber noch nicht studiert habe.  In Indien gelebt habe, dort aber zur Schule gegangen bin und  derzeit in Serbien als freiwillige Wohne. Hinzu kommt dann immer noch der Gesamteindruck, die Körpergröße und der Kurzhaarschnitt. Auf meine Frage was die meisten Schätzen, gehöre ich zu der Altersgruppe zwischen 23-27 Jahren. Wenn ich dann mit der Auflösung der stolzen 18 Jahre rausrücke, sehe ich vielen die nächsten 10 Minuten den Schock und die Verwirrung an. Tatsächlich fülle ich mich irgendwie zu alt. Ihr werdet jetzt lächeln, aber tatsächlich kann ich mich mit bei den Abiturienten an meiner Schule kaum wiederfinden. Und die Situation dass ich als 18 Jährige als Lehrkraft vor 19 jährigen stehe ist manchmal ziemlich absurd.

Naja, nach ein paar weiteren Vorfällen und treffen waren wir bereit zur Abreise. Olivera und ich packten unsere Sachen und fuhren mit dem Taxi zum Busbahnhof. Es war der 1.Mai, ein Feiertag und wir hatten vorher extra angerufen, um uns zu vergewissern das die Busse fuhren. Wir kamen an und…. Die Busse fuhren nicht! Haha, was für eine Ironie. Olivera hatte die verrückte Idee mit dem einzigen Bus über Bosnien nach Belgrad zu fahren, was insgesamt 12-15 Stunden Fahrt geheißen hätte, wogegen ich ihr erklärt habe lieber einfach eine Nacht länger zu bleiben und am nächsten Tag in aller Ruhe zurück zu fahren. Ebenfalls gabelten wir noch Abraham aus Israel auf, der in der gleichen kläglichen Situation war wie wir. So suchten wir uns zu dritt ein Taxi. Natürlich wollten alle Taxifahrer das Dreifache am Preis, nach vier Krabbeleien, anfahren und fluchen war eine Taxifahrerin so nett uns für den Normalpreis zurück zu fahren zum „Hostel Mostel“.

Am nächsten Morgen saßen wir im Seifenoper Bus…

Ich gratuliere heute auch alle ganz herzlich zum Tag der Freiheit! 

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Caffee, Caffee, Caffee…

So ihr lieben,

ich erzähle euch heute ein klein wenig über die Mentalität und dass Sozialwesen der Menschen von hier, wie ich es bei leib und Leben erlebt habe (ja, ich übertreibe ein wenig).  Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Freiwillige an die ersten Tage, wo einen die Angst nicht verlässt allein seine Tage verbringen zu müssen, man weiß ja nie wie man aufgenommen wird, wie groß sich die Kultur, Mentalität und vielleicht Gesellschaftlichen Regeln von denen Unterscheiden die wir normalerweise gewohnt sind. Ich hatte auch leichte Sorgen den Anschluss nicht zu finden und die Tage gelangweilt zu Hause in meiner Wohnung zu Verbringen… Aber diese Vorstellung wurde schon in den ersten Tagen zertrümmert. Man kommt nämlich in Nis andersherum, aus den Kaffees gar nicht mehr raus 😛

Denn jeden Tag ist mindestens einmal ein kurzes treffen mit einer Caffee-Pause ein muss für jeden Mitbewohner dieser bezaubernden Stadt. Vielleicht liegt das auch daran dass sich hier jeder einen Caffee oder ein anderes tolle Getränk leisten kann? Ich hatte Tage an denen war ich 4-5 mal im Kaffee, das sind dann auch 4 Verabredungen. Obwohl ich die meisten Leute nur flüchtig kenne, kann ich kurz eine Nachricht schreiben und „Bing“ kommt häufig eine bejande Antwort. Auch an Gesprächsthemen mangelt es nicht, und unangenehme Situationen sind ausgeschlossen. Es wundert mich das die 18 Jahre die ich in Berlin wohne, ich nie soviel Kontakt in 5 Jahre hatte. Man muss erstmal ein treffen vereinbaren, dann kann der andere Wiederum nicht oder es sind alle zu Verschlossen. Hier ist es Luxus wenn man mal einen Tag nichts hat, so etwas wie eine kleine Erholung. Ich wachte eines Morgens auf und war erschrocken als ich merkte dass ich für heute keine Verabredung hatte…(Versteht ihr was ich meine). Hinzu kommt dass die Stadt ziemlich klein ist, man kann alles in kürze zu Fuß erreichen Weshalb man den ganzen Tag in Bewegung ist. Wenn man dann endlich im Caffee ist lässt man sich treiben.

Ach ja fast Vergessen, hier darf man überall Rauchen, was für die Raucher ein ziemliches Paradies ist und für andere die Qual. Egal ob Raucher oder nicht, wenn man aus dem Kaffee, Bar, Restaurant raus ist riecht man wie ein 100 jähriger Kettenraucher und da hilft leider jede Wäsche nicht. Wiegesagt ich saß so eines Tages im Kaffee, unterhielt mich mit einer Bekanntin über dies und dass und bestellte eine heiße Schokolade mit extra Schlagsahne. Für 80 ct. bekommst du hier ein riesiges Glas mit Schokopudding/ heiße Schokolade mit einem Haufen Sahne den man löffeln muss. Leute das ist herrlich. Im Hintergrund läuft Jazz oder Popmusik und die Stimmung mit deiner heißen Schokolade ist gelassen. Ja ich muss sagen, ich genieße das Hiersein sehr, und vor allem die Menschen mit ihrer Wellness Kaffeekultur 🙂

(P.S.: dies sind weitere Fotos von meinem Fotoprojekt mit der ersten Klasse)

 


genau 11 Tage

Meine Lieben, genau vor 11 Tagen am 11.März.2018 bin ich aus dem Flugzeug in Nis gestiegen.  Und jetzt habe ich dass Gefühl als würde ich schon Monate hier wohnen und leben. Das liegt nicht nur an der Offenheit der Menschen, dem guten Essen und der tollen Atmosphäre.

Als kurzer Rückblick. Ich bin jeden Tag, naja fast, gegen 13 oder 14:00 Uhr bei Baba Dessa zum Kaffee verabredet, wo wir uns irgendwie miteinander Serbisch-Russisch-Deutsch Verständigen, dort habe ich auch noch ihre Enkeltochter kennengelernt. Jeden Samstag bin ich bei Tanja (De.) zum Frühstück eingeladen und ihr Mann (Nina) kocht eine klassische serbische Spezialität für uns. Ich habe mein Visum in der Polizeistation beantragen können, dazu werde ich auch noch einen kurzen Bericht schreiben, denn dass war ein Abenteuer für sich. Wir konnten Internet in die Wohnung bekommen, dank Tanja (Eng.). Ich war mit Tanja (De.) groß Einkaufen für meine Wohnung, welche diese um einiges gemütlicher gemacht hat. Ich konnte schon ein eigenes Fotoprojekt in die Wege leiten, an dem derzeit schon ca. 26 Schüler/innen teilnehmen und ich derzeit finanzielle Unterstützung beim PASCH/Goethe Institut beantrage. Hinzu kommen die Zusatzkurse für A2 und B1 Nivau für die Schüler. Um mich weiter zu Vernetzen habe ich den Filmclub im American Corner in Nis besucht und war sehr positiv überrascht (kann ich jedem weiter empfehlen). Weiterhin habe ich mich im Fitnessstudio angemeldet und weitere junge Leute kennengelernt (Sport Vernetzt ebenfalls sehr stark). Weiterhin habe ich nun durch einen puren Zufall einen tollen Sprachkurs gefunden. Es werden auch schon zwei Klassenfahrten geplant, bei dehnen ich mit dabei sein darf. Und Tanja (De.) hat mich auch noch als Jury Mitglied an der Bora Stancovic Woche an der Schule eingetragen.  Dann kommen noch weitere Kleinigkeiten hinzu, die die ganzen 11Tage vollkommen abrunden.

Und obwohl gerade mal eine Woche vorbei ist, habe ich jetzt schon Angst, dass alles viel zu schnell vorbei sein könnte, denn es geht alles rasend schnell. Und im Rückblick ist alles noch sehr chaotisch und unerwartet reibungslos verlaufen. Was mich persönlich sehr wundert.  Ach, es ist so schön hier. Die Stadt ist ziemlich verfallen und mit dem Plastik-müll gibt es noch einige Probleme, aber es sind die Menschen die mich glücklich machen. Das merkt man vor allem an unscheinbaren Situationen, an Kleinigkeiten…. Keine Sorge ich werde noch genauer auf viele Dinge eingehen, es ist alles derzeit noch sehr viel und mit der Zeitverteilung bin ich auch noch etwas schlecht vertraut, weshalb meine Beiträge noch etwas allgemein gehalten sind.

 

Ich wünsche euch allen alles liebe und gute! Passt auf euch auf!

LG                                                                                                                                                                                                                                                                                             Julia 🙂

P.S: Ich werde mich auch um Fotos sehr bemühen um es spannender zu gestallten.

Ein verrückter erster Tag in Nis…

Eine Verrückte Ankunft

Wo soll ich bloß Anfangen .  Man weiß es, achtet aber nie darauf. Man Erwartet immer etwas, malt sich etwas aus und „batz“ ist es doch ganz anders.

Ich Fange mal damit an das ich fast den Flieger verpasst hatte. Das war nicht meine Schuld, natürlich nicht. Aber die Schlange war fiel Länger als erwartet und von der Gepäckkontrolle bis zum Gate waren es dann doch ein halber Kilometer. Die Serben hinter mir rannten genauso wie ich, also war ich nicht die einzige, die sich total Verschätzt hatte 🙂 Letzten Endes kamen wir alle total Verschwitzt bei der Passkontrolle an. Wir flogen mit einer halben Stunde Verspätung um 12:30 ab. Ich lehnte mich zurück, die Atmosphäre im Flieger war wie in einem italienischem Restaurant, laut und familiär. Zwei Stunden vergingen wie im Fluge, im wörtlichen Sinne und plötzlich stand ich schon mit meinem Gepäck vor dem mickrigen Flughafen, der ehemals ein Militär Flughafen war. Es waren ganze 20-Grad heiß und ich stand eingepackt wie ein Inuit da. Ja meine Mutter hatte sich wirklich etwas übermütig in die Kleider Sache hinein gestürzt, wobei ich jetzt dafür sehr Dankbar bin. Ich hielt nach Tanja Ausschau. Und da kam sie auch schon auf mich eifrig zugehopst. Das war meine erste Überraschung, man sagte mir immer wie niedrig das Einkommen und wie Arm Serbien doch ist und da stand vor mir eine kleine Frau in einem Stylischen rot-weißem Hosen Anzug in einer coolen Sonnenbrille. „Julia, da bist du jaaa“ Wir umarmten uns (sie ist zwei Köpfe kleiner als ich, was die Sache etwas komisch machte 🙂) Wir stiegen in ihr Auto. Ein kleiner Fiat. „So, Julia du musst mir helfen, ich fahre nicht so gern Auto und kann, dass nicht so gut, könntest du mir bitte sagen, was hinter mir ist?“ Ich musste lächeln. Doch Tanja ist sehr reizend. Wir fuhren direkt zu meiner Wohnung die im Viertel „Boulevard“ liegt.

Es war ein heißer Tag und in der Luft schwebte ein stechender Geruch nach Benzin und verbrannten Holz. Ich bemerkte die vielen fast zerfallenen alten Häuser zwischen denen große Hochhäuser hervorragen, die ein wenig an den Baustil aus der Zeit der Sowjetunion erinnern. Wir machten eine heftige Vollbremsung: „Daaaaa ist Tanja, ihre Mutter vermietet dir die Wohnung und ist Englischlehrerin an unserer Schule“, erklärt mir Tanja die Vollbremsung (Deutsch). Eine kräftige Frau mit einer er-sehnlichen-roten Lockenmähne steigt in das Auto. „Hi Julia, Nice to meet you“ Sie spricht sehr energisch und dominant (auf eine liebenswürdige Art und weise). Wir biegen in eine kleine Straße ab, die ein klein wenig an Griechenlands Gassen erinnert. Ich packe meinen Koffer. Das Haus ist dreistöckig, Tanja (Eng.) öffnet die Tür, ein muffiger Holzgeruch gemischt mit milder Feuchtigkeit steigt mir in die Nase.

Boah, was war ich doch im ersten Augenblick schockiert. Nein, eigentlich bin ich überhaupt nicht wählerisch und leicht aus den Pantoffeln zu schießen, aber die Wohnung war ….nackt. Der Eingangsbereich ist gleichzeitig Wohnzimmer und Flur, gestrichen in apricot und einem kleinen Bild an der Wand, zwei kleine Tische. Direkt im Übergang die Küche die die besten Tage anscheinend schon hinter sich hatte. Ebenfalls hingen überall Kabel aus der Wand. Aber das was mich am traurigsten machte war, dass die einzige Lichtquelle einzig und allein die Glühbirnen sind die mir von der Decke entgegengingen. Mein Schlafzimmer sah schon angenehmer aus, zwei Betten aus Holz und Metallfedersternmatratzen-Polsterung und einem großen Röhrenfernseher, der direkt vor dem Fenster steht. Mir wurde das Bad gezeigt, vollkommen Blau, die Fliesen waren leider teils schon vollkommen ab, der Boden war Braun gekachelt und es gibt leider keinen Dusch-Vorhang, heißt man muss sich in die Badewanne reinsetzen um zu „Duschen“. Ich freute mich schon total auf das allein sein in meiner sehr „gemütlichen“ Wohnung (Ironie). Ja es erinnerte alles ein wenig an die UdSSR. Wir gingen hoch zu meiner Vermieterin.

Eine alte, kleine dünne Dame mit krausem Haar im Karamellfarbenten-Ton öffnete die Tür. Sie stellte sich mir als „Baba Dessa“ vor was soviel heißt wie  „Oma“ oder „Großmutter Dessa“. Ihre Wohnung sprühte nur vor Gemütlichkeit und Gastfreundlichkeit. Sie setzte uns schnell an den Tisch und gab uns allen einen Kaffee mit Apfel-Pita und überhäufte mich mit Serbischen Sätzen die ich teilweise Verstand, da sie dem russischen nicht unähnlich sind. „Wruchkai, Wruchkai“ („Iss, Iss“ noch ein bisschen). Ich fühlte mich ein klein wenig wie im Film. Baba Dessa scheint wirklich wie aus einem Geschichtsbuch zu entstammen, sie erinnerte mich mit ihrer dominanten und kantigen Art an eine Italienerin, ebenso mit der Lautstärke und Gestikulierung an eine Griechin und mit ihrer verrückten und doch großen Herzlichkeit an eine russische „Babuschka“. Sie erklärte mir, dass ich am besten den Heizkörper nur zwischen 21:00 Uhr und 5:00 Uhr Morgens anmachen sollte, da dann der Strom am günstigsten wäre (wie in der DDR 🙂 Ebenfalls dass ich doch den Fernseher anmachen solle, damit ich mich nicht so allein fühlte. Die nächste Station war Tanjas (De.) Wohnung. Ich lernte im Handumdrehen ihre beiden kleinen Söhne kennen und ihren Mann Nicola, den wir alle aber nur „Nina“ nennen 😉 Und plötzlich war es auch schon 22:00 Uhr. Ja der erste Tag war Erreignisvoll.