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Mein Zuhause.

Normalerweise würde ich jetzt nicht unbedingt mein zu Hause vorstellen wollen, da dass in irgendeiner Hinsicht schon eine persönliche  Rückzugsort ist. Da ich, dass aber alles auflösen muss, würde ich es gerne in Erinnerung behalten wollen, wie es war. Meine Wohnung. Meine erste „eigene“ Wohnung. Und sie war zu Anfang „schockierend“. Aber sie hat sich mit mir weiter entwickelt. Zu Anfang ein leeres Blatt, danach wurde sie Schritt für Schritt ein zu Hause, ich durfte sie nach Lust und Laune, so weit es ging einrichten. Es hat ungefähr 6 Monate gedauert bis ich mich endgültig wohl fühlte. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, mit welchen ersten Eindrücken ich mein Neues Wohnheim im März 2018 betrat. Ich war geschockt, kahle, leere Pfirsich gestrichene Wände, dunkel, ein einziges Fenster im Schlafzimmer, vor dem ein riesiger Röhrenfernseher stand, zwei Betten aus den 50ern mit Federmatratzen und ein Tischlampe. In der Küche- endlose Kabel, ein uralter Kühlschrank, ein Campingherd und zwei kleine Fenster die in die Garage schauen. Dass Badezimmer war das Highlight, vollkommen blau befliesst , wobei viele Fliesen schon abgefallen sind, eine Badewanne ohne Vorhang, braune Kacheln auf dem Boden, und ein kleines undichtes Fenster und eine armselige Glühbirne – kurz gesagt eisekalt. Am liebsten wollte ich mich umdrehen und raus, aber aus irgendeinem Grund blieb ich. Mir bot sich später die Möglichkeit mich nach einer neuen Wohnung umzuschauen, aber ich ließ es dabei. Die ersten drei Wochen lebte ich mich ein und lernte meine Rettung kennen – RABAC. Ein Chinesisches Kaufhaus, über drei Stockwerke groß, welches alles zu bieten hat was dass arme Freiwilligenherz für seine Wohnung begehrt. Im großen und ganzen kümmerte ich mich fast um alles, Teppiche, Decken, Duschvorhang, 20 Kissen und Bilderrahmen. 

Doch am meisten machen mich kahle Glühbirnen verrückt, weshalb ich mich als erstes um Lampen kümmerte. Doch es kam vor, dass mein Enthusiasmus Rückschläge erlitt. In Indien hatte ich gelernt, dass ein gutes Bad mit fliessendem Wasser, dass Wertgeschätztere Zimmer in der ganzen Wohnung sein sollte. Und in der Hinsicht wurde meine Theorie wieder bekräftigt. Im Winter, in einem ziehenden Badezimmer zu Duschen ist ziemlich unangenehm, ein ständig abfallender Duschkopf bringt einen zu Weißglut und ein nicht funktionierender Boiler lässt einen einfach nur Verzweifeln. Heizen ist auch so eine Sache, dass funktioniert nämlich nur mit einem Heizkörper in dem sich Heizstäbe befinden mit einem Ventilator der die Luft raus bläst. Was eine positive Seite und eine negative Seite hat, einerseits bezahlt man wirklich nur dan, wenn man heizt,andererseits heisst, dass  der Heizkörper im Winter ohne Punkt und Komma am Heizen ist! Denn genauso schnell wie die Luft warm wird, genauso schnell wird sie wieder kalt. Aber es gab Abende an denen ich mich freute meine Wohnung zu betreten und mich einfach nur ins Bett fallen zu lassen und meine Zeichnungen zu betrachten.

 

 

Es überraschte mich selbst, aber es gibt Abende an denen ich ohne Pausen durchzeichne, nach einem Monat hatte sich an Haufen an Skizzen, Zeichnungen und Aquarell Bildern bei mir angesammelt, weshalb ich mich um Bilderrahmen kümmerte. Nun hängen rund 30 Bilder an meinen Wänden, die Hälfte versuche ich so gut wie möglich zu Verschenken, was aber nicht so wirklich gelingen will. Denn sobald bei mir ein leerer Platz entsteht, hänge ich sofort ein neues auf, ein Teufelskreis. Zur Weihnachtszeit kümmerte ich mich um Lichterketten und ließ Frank Sinatra spielen, dass gibt einem die Atmosphäre. Ebenfalls hat sich bei mir eine ganze Sonnenbrillen und Ohrring Kollektion zusammengestellt, die ich danke meiner Aufenthalte in Belgrad regelmäßig erfrische. Meine Schwäche sind tatsächlich die einheimischen Designer, Künstler und Juweliere die ihre meisten Ständchen auf den Straßen und in den kleinen Kunstgalerien haben. Es sind noch ausgefallene, moderne und Verrückte Ideen, die man sich auch noch leisten kann. Generell scheint hier alles noch viel Lebendiger. Wenn man Kochen möchte geht man auf den Markt, kauft von den einheimischen Bauern frisches Gemüse, Obst, Käse und Eier, später geht man zur Fleischerei, da all diese Produkte im Laden viel Teurer sind. Man isst dass was der Monat hergibt, heißt im Winter keine Tomaten und Gurken, sondern Kartoffeln, Krautsalat, Zwiebeln und Bohnen.

Wenn man gemeinsam ins Kafana  (traditionelle Küche) geht, wird für alle bestellt und geteilt, da die Portionen einfach zu riesig sind. Es wird gesprochen, getratscht und Unterhaltungen geführt! Aufgrund des Zigarettenkultes, wird man wegen einer ziemlich unauffälligen Frage, plötzlich in ein langes Gespräch mit einbezogen. Leichtigkeit im Umgang miteinander scheint hier viel alltäglicher, leider liegt auf dem ein großer Schatten des Geld mangels. Denn genug Arbeit und Geld gibt es hier nicht. Weshalb die ganze junge Generation sich darauf vorbereitet nach dem Masterstudium ins Ausland zu gehen, denn dort gibt es eine bessere Zukunft…da macht traurig. Denn so schön die Atmosphäre hier auch ist, ohne Geld, kämpft man jeden Tag um dass überleben. 

 

 

 

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