Die Stadt der tausend Kirchen und Mülleimer

Am Abend erreichten wir nach einer sehr langen Fahrt mit dem hiesigen Regio, der an jeder Häuseransammlung der Gegend anhält, Iași (Jasch gesprochen, oder à la Jakob Lasi). Doch mit guten Gesprächen und einem Ausblick auf die Felder und Herden von Schafen ließ sich die Zeit gut vertreiben.

Zunächst begrüßten uns riesige Häuserfronten, als wir das alte Bahnhofsgebäude in Iași  verließen. Die Abendsonne legte alles in ein goldenes Licht, während der Großstadtverkehr sich durch die Straßen schob. Die Stimmung war ganz anders als in allen anderen Städten Rumäniens, die ich bisher besuch habe. Irgendwie größer, voller, lebendiger.

Am nächsten Morgen nutzen wir das gute Wetter für einen Abstecher in den botanischen Garten. Kommt man von unten durch den Park, kann man sich das Kassenhäuschen sparen und gelangt durch relativ unberührte Wald- und Wiesenabschnitte zum tatsächlichen Garten. Eine kleine Ausstellung von Infotafeln klärt einen darüber auf, welche Pflanzen welches Nervengift enthalten und somit nicht vom Strauch gesnackt werden sollten, woran sich ein regelrechtes Meer an Rosenstöcken anschloss.

Daraufhin schlenderten Jojo und ich durch die Altstadt Iașis, besuchten unzählige orthodoxe Kirchen und landeten zuletzt im Kulturpalast.

Der Kulturpalast wurde über die Jahrzehnte seiner Bebauung immer wieder erweitert und mit Verzierungen ergänzt. Heute beherbergt er einige Säle zur Geschichte des Gebäudes und verschiedene Museen.

Wir schauten uns die sehr expressive Kunstausstellung, voller bunter und abstrakter Werke eines Künstlers aus Iași an. Das technische Museum hat uns daraufhin nicht mehr so sehr begeistert, weshalb wir die Gramophone und alten Poststempel schnell hinter uns ließen und lieber das Gebäude bewunderten. Der Palast, von Außen schon monumental, wirkt im Inneren noch größer und prachtvoller. Die Räume sind reich verziert mit Holzverkleidungen und Stuck an den Decken. Das Treppenhaus zeichnet sich durch riesige Fensterfronten, die den Saal mit Licht durchfluten, aus.

Als uns die technische Ausstellung zu fade wurde, stellten wir einfach unsere eigene Kunst her und fügten uns perfekt in die Atmosphäre des Palastes ein.

Auf unserem Rückweg zur Wohnung von Jakob und Marie besuchten wir noch weitere Kirchen und Klöster, die sich zu Haufen im Zentrum der Stadt konzentrieren. Doch nicht nur diese. Gefühlt alle zwei Meter, tatsächlich nur an jedem stabilen Baum, befindet sich ein grüner Mülleimer. Sollte man sich in Iasi nicht entscheiden können, ob man seinen Abfall wegwerfen möchte, so wird man etwa jede zehn Meter erneut vor die Frage gestellt, alleine durch die schiere Menge an Tonnen und Eimern. Zugegebenermaßen ist mir auch an keiner Stelle im Stadtbild, Müll negativ ins Auge gefallen, da es wahrscheinlich auch abwegig ist, diesem Angebot von Mülleimern zu widerstehen und etwas auf den Boden fallen zu lassen.

Die Reihe der Mülleimer zieht sich scheinbar ins Unendliche weiter… Sobald wie diese Tatsache einmal bemerkt hatten, war es schwer sie zu ignorieren.

Beim weiteren Bummel durch die Stadt sind wir außerdem auf die wohl größte Katzengemeinde nördlich von Varna gestoßen, haben der schönsten Bibliothek Europas (laut BBC) einen Besuch abgestattet und wurden von Schildern vor dem Kulturpalast freundlich darauf hingewiesen, dass hier Schwimmen untersagt ist. Nur falls jemand auf die Idee kommen sollte…

Leider durften wir den Großteil der Bibliothek, pandemiebedingt nicht betreten, doch ein sehr engagierter Securetymann machte mit vollem Einsatz, inklusive Kniefall, Fotos von uns.

Es gab viele Gegensätze hier und noch so viel mehr neues zu entdecken und zu erkunden. Inzwischen wissen wir, dank Marie und Jakob, um die gesundheitsfördernde Wirkung von Bier und haben das erste Mal vegetarische Sarmale probiert. Die Krautwickel sind eigentlich das Nationalessen Rumäniens schlecht hin und doch haben wir sie die vergangenen sieben Monate immer umgangen. Ein großer Fehler! Die kleinen Rollen sind wirklich köstlich. Da wundert es mich nicht, dass man hier jeden noch so kleinen Anlass darauf verwendet, sie zu kochen.

Unsere Zeit hier haben wir zudem dafür genutzt, die Reisemittel des Landes zu reflektieren. In den vergangenen Wochen haben wir so ziemlich alle Möglichkeiten mindestens einmal genutzt und sehen uns in der Position nun qualitativ hochwertige Empfehlungen aussprechen zu können.

Falls sich also jemand unsicher sein sollte, was aus dem großen Pool der Angebote zu wählen ist, dem lege ich einen Blick auf die folgende Tabelle ans Herz (alle anderen sind womöglich mit den Verbindungen hier vertraut und erkennen das ein oder andere wieder…):

2 Gedanken zu „Die Stadt der tausend Kirchen und Mülleimer

  1. Sophia

    Das sind sehr weise und wahre Worte! Als ich das letzte Mal von Bulgarien nach Rumänien umgestiegen bin, hat es sich auf dem Weg nach Brasov fast schon angefühlt wie in einem echten ICE… 😂 ich bin gespannt, was du von unserem Verkehrsnetz hier halten wirst!

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  2. Karla Klante

    Vielen Dank für die kreative Tabelle. Genau mein Humor. Jetzt fühle ich mich bestens informiert für einen Trip ins Nachbarland. Und wenn du an der Geschwindigkeit der rumänischen Züge mal wieder verzweifelst, denk daran: Bulgariens Züge brauchen so lange, dass man denkt das Land wäre größer als Rumänien, weil man so lange braucht um von A nach B zu kommen 😉

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