Briefpapier, ein Flambierer und eine volle Arbeitswoche

Eine Woche voller DSD-Prüfungen und eine Woche voller Arbeit.

Für die deutschlernenden Schüler unserer Schulen stellt das deutsche Sprachdiplom den krönenden Abschluss ihrer Karriere in der 12ten Klasse dar. Nachdem es ziemlich lange auf der Kippe stand, ob und in welcher Form die Prüfungen dieses Jahr abgehalten werden können, waren wir umso erleichterter, als wir grünes Licht für die Wochen vom 16. bis 27. November bekommen haben.

Doch es gab unheimlich viel zu sortieren und vorzubereiten, damit alles zügig und coronakonform ablaufen konnte. Somit waren wir gut beschäftigt, Raumpläne zu erstellen, Wörterbücher zu verteilen und das Schulgebäude auszuschildern.

Am Tag der Prüfungen bestand unsere hauptsächliche Arbeit darin, dafür zu sorgen dass die Schüler pünktlich zur Vorbereitung und später zu den Prüfern kamen, die richtigen Themen erhielten und genug Ruhe auf dem Flur herrschte.

Im Zuge dessen, mussten wir uns gut mit dem anderen Schulpersonal absprechen, was sich als noch immer kompliziert herausstellte.

 

Ich hatte mich irgendwann ganz gut damit arrangiert möglichst freundlich zu schauen, wahlweise ,,da“ (=ja), ,,gata“ (fertig) oder ,,mai târziu“ (später) zu sagen und so die Mitarbeiter während der Prüfungen auf dem Laufenden zu halten. Das hat scheinbar so gut funktioniert, dass einer unserer Hausmeister mir zur Begrüßung jetzt immer die Ghettofaust gibt!

Während das bloße Verstehen vom Rumänischen, durch den ähnlichen Klang wie Spanisch, garnicht so schwierig ist, fällt mir das Sprechen noch echt schwer. Doch mit einer guten Mischung aus meinem sporadischen rumänisch und spanisch komme ich ganz gut zurecht. Wenn garnichts mehr hilft, greift man eben auf die altbewährte Zeichensprache zurück und schlägt sich irgendwie durch.

So auch bei meinem ersten Postabenteuer, als ich Briefmarken und Umschläge mit Papier bekommen und ein Paket ins Nachbarland Bulgarien schicken wollte. Leider konnte die Dame am Postschalter weder Englisch, noch hat sie mein Sprachgemisch verstanden, war aber immerhin die Ruhe selbst und hat mich versucht, so gut es ging zu beraten. Auch wenn die Schlange hinter mir immer länger wurde, hat sie sich ganz geduldig meine pantomimische Darstellung von Briefpapier angeschaut und ist dann wohl wissend zu ihrem Drucker und hat mir Papier daraus gereicht.

Die Sache mit dem Paket stellte sich allerdings als ein bisschen schwieriger heraus. Für die Anschrift des Empfängers wurde mir ein großer, roter Edding in die Hand gedrückt, woraufhin ich die Adresse so überdimensional und leserlich wie nur möglich auf dem Deckel geschrieben habe. Die Postbeamtin versicherte mir, dass es in spätestens sieben bis zehn Tagen Sofia erreichen würde und ich mir keinerlei Gedanken machen müsse. Die ganze Situation kam mir schon sehr verdächtig vor und auch die Tatsache, dass das Päckchen bis heute -knapp drei Wochen später- immernoch nicht angekommen ist, hat mein Vertrauen in die Post nicht weiter gestärkt.

Immerhin sind meine Grüße aus Brasov, die ich durch die neu gewonnenen Schreibutensilien und Briefmarken, in die Welt versenden konnte, schon alle gut bei ihren Empfängern angekommen. Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung.

Eine weitere abenteuerliche Erfahrung haben Johanna und ich vergangenes Wochenende gemacht:

Das weihnachtliche Plätzchenbacken, mit unserem launischen Gasofen. Dieser besitzt genau drei Stufen, des Grills von unten, zwischen denen man wählen kann:

  • eine leichte Sommerbrise
  • gemäßigtes Backen mit Vorsicht
  • die Verbrennung aller Teigwaren auf dem Blech

Im Nachhinein betrachtet ist die mittlere Stufe wahrscheinlich immer die beste Wahl, allerdings sind wir von Anfang an (mutigerweise) all in gegangen. Daraufhin haben wir, passenderweise von in der Weihnachtsbäckerei begleitet, einen leicht rauchigen Geruch in der Küche wahrgenommen und so schnell wie es ging die Ausstechplätzchen wieder aus dem Ofen geholt. Von unten schwarz, ansonsten noch ziemlich roh haben sie eine weitere Runde auf erster Stufe und im nachhinein eine Spezialbehandlung bekommen.

Beim nächsten Blech wussten wir so langsam wie der Hase läuft und spätestens unserer Lebkuchen bekamen auch die Bedingungen, die sie benötigten. Trotzdem stellte Jojo wehmütig fest, dass ein Crème-brûlée-Flammenwerfer in unserem Fall, zum Ausgleich der Unterhitze, genau richtig wäre.

Dennoch konnten wir uns somit noch einen guten Vorrat an Hildabrötchen, Schokocrossies und co. anlegen und an Bekannte und Freunde verteilen.

Dafür, dass wir so katastrophal begonnen haben, kann sich das Endergebnis dann doch echt noch blicken lassen.

Jetzt können wir bei unseren Wanderungen immerhin auch eigene Plätzchen mitnehmen und müssen auf nichts gekauftes mehr zurückgreifen.

An die stressigen Phase der DSD-Prüfungen hat sich erstmal ein verlängertes Wochenende angeschlossen, das wir dazu genutzt haben, wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen.

Nach zwei Wochen voller Prüfungsvorbereitung und anstrengenden, langen Prüfungstagen, kam uns das ganz gelegen. Wir sind viel nach draußen, zur Zinne gegangen, haben lauschige Lesestunden samt Tee und Plätzchen in unserem Wohnzimmer verbracht und den ersten Advent mit einem selbst zusammengestellten Adventskranz begonnen.

DIe Einzelteile von Zweigen, Blättern, Moos und Tannenzapfen konnten wir auf unseren zahlreichen Waldtouren zusammentrommeln. Allerdings erforderten einige echten Einsatz und Kletterkünste, um auch noch den schönsten kleinen Moosteppich vom obersten Felsen mitnehmen zu können.

Unsere Wohnung ist auch immer gemütlicher geworden und eine Tanne als Weihnachtsbaum gar nicht mehr nötig.

Da am Dienstag, dem 1ten Dezember, der Nationalfeiertag war, wurde der Montag noch als Brückentag genutzt und hat unheimlich viele Besucher in die Stadt gezogen. Überall waren die Flaggen des Landes aufgehängt und die Touristen spazierten durch Brasov. Die größten Besucherströme vermeidend, haben wir auch versucht ein bisschen die gute Stimmung, die in diesen Tagen durch die Stadt strömte, aufzufangen und einige Ecken erkundet, die wir bis dato noch nicht kannten.

Sogar das Brasov-Logo erstrahlt momentan in den Nationalfarben des Landes.

Der Feiertag und das Wochenende war glücklicherweise auch von sehr gutem Wetter und Sonnenschein begleitet, was die Spaziergänge rund um das Zentrum noch schöner machte.

Endlich habe ich auch den ersten Bären seit unserer Ankunft in Rumänien entdeckt, wobei mir dieses Exemplar ganz friedlich vorkam.

Wieder gut erholt, können wir nun diese Woche im online-Unterricht durchstarten und unsere parallel laufenden Projekte weiter voran treiben.

Beispielsweise erstellen wir im Kreis der Freiwilligen aus Rumänien, einen online-Adventskalender für die deutsch lernenden Schüler. Marie, die ihr FSJ gerade in Craiova macht, hat den großteil der Website liebevoll und kreativ designt und für uns zum Befüllen zur Verfügung gestellt. Die Schüler können nun jeden Tag ein neues Türchen mit Bastelanleitungen, Geschichten, Musik und Traditionen öffnen und so die Weihnachtszeit, wie sie in Deutschland verbracht wird, kennenlernen. (https://you-can-decide.wixsite.com/intea)

Im diesem Sinne auch weiterhin an alle eine schöne Adventszeit und dass sich hinter den nächsten eigenen Türchen noch schöne Überraschungen verstecken!

3 Gedanken zu „Briefpapier, ein Flambierer und eine volle Arbeitswoche

  1. Christian

    Eine Freiwillige in Brasov, wie schön! Ich war selbst häufiger mal dort zu Besuch und hatte stets tolle Erinnerungen im Gepäck auf dem Heimfahrt nach Târgu Mureș! 🙂

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  2. Elias Sari Effenberg

    Oh da ist mal wieder ein längerer Eintrag dabei. Freut mich. Auch wenn ich einen Rezeptionisten habe, bin ich schon auf die Ghetto-Faust des Hausmeisters echt neidisch. Ich habe zwar gar keine Ahnung wer der mysteriöse Empfänger des Pakets nach Sofia sein soll, aber ich hoffe für euch beide, dass es bald ankommt. Die Einteilung des Ofens finde ich sehr passend und auch allgemein gefällt mir dein Schreibstil. Die „Weihnachtspalme“ gefällt mir als Foto am besten, obwohl das Bild auf dem Gipfel schon echt Konkurrenz macht.

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  3. Johanna

    Die Plätzchen waren immer DIE Motivationsquelle für mich auf die Zinne zu klettern XD Schade, dass sie schon bald leer sind…

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