Die Karpaten im Schnee, Nebel und Sonnenschein

Der Februar in Siebenbürgen stand für mich unter dem Motto Wandern. 

Zusammen mit einem Freund von mir, der selbsternannter Wanderführer ist, bin ich gleich zu Beginn des Monats zum Königssteig, etwa 30 Minuten von Brasov gefahren.

An diesem Tag hat es geschneit wie verrückt und die Temperaturen sind nochmal auf fast schon zweistellige Minusgrade gesunken. Lebt man so zentral in den Karpaten, kommt man eigentlich nicht darum herum, regelmäßige Ausflüge in die Berge zu machen und die unberührte Natur zu genießen, selbst wenn das Wetter ungemütlich ist.

Der Schnee war so hoch, dass wir immer wieder bis zu den Knien eingesunken sind. Die kalten Temperaturen wurden hier auf dem Berg durch einen extrem frischen Wind verstärkt und am Anfang schneite es ununterbrochen. Kurz gesagt, es war die perfekte Winterwanderung!

Der Aufstieg zum Königsteig war nicht ganz einfach, vorallem, weil durch die niedrigen Temperaturen auch die Luft vergleichsweise dünn erschien. Ab einer bestimmten Höhe lichteten sich die Wolken und die ersten Sonnenstrahlen fielen auf den frisch gefallenen Schnee.

Unser Ziel war eine Hütte mitten im Parcul național Piatra Craiului, wo wir eine Pause mit selbstgemachten Erdnussbällchen und heißem Tee machten. Auch von hier war der Blick auf das weiße Panorama wieder überwältigend.


Der Abstieg ging wesentlich schneller, als der Aufstieg, auch weil wir ab einem gewissen Punkt ungebremst den Hang runter rannten und über spiegelglatte Eisflächen schlitterten . Natürlich durften bei all dem Schnee auch kreative Zeichnungen nicht fehlen. Nach den Gesichtsdrucken auf der Parkbank in Ruse, folgt hier nun ein Schneeengel mit Bergblick.

Daneben standen im Verlauf der folgenden Wochen auch noch einige Aufstiege zur Zinne an, die die Begegnungen mit einem Fuchs, flauschigen Raupen und etlichen Singvögeln bereit hielten und als Training für das letzte Februarwochenende dienten.

Mit drei weiteren Freiwilligen traf ich mich dafür in Cluj, um von hier aus im Apuseni-Nationalpark wandern zu gehen. Nach einer langen Zugfahrt voller spannender Gespräche mit Mitreisenden, erreichte ich am Freitag sehr spät Cluj-Napoca. Da blieb dann gerade noch Zeit, um mich über das Wiedersehen mit Nicole und Fynn zu freuen, bevor wir versuchten, etwas Schlaf für den folgenden Tag zu tanken.

Samstags ging es in aller Frühe per Auto, durch dichten Nebel in Richtung Nationalpark. Die Serpentinen der Straße führten uns zwischen all den Bäumen, vorbei an einem gigantischen Stausee, Schluchten, halblegalen Anglern und unberührten Dorfgemeinden.

Das Alter der Bäume lässt sich nur schwer erraten, aber durch die Größe der riesigen Nadelbäume bekommt man eine leise Vorahnung.

Der Nationalpark wurde in den 90er Jahren gegründet und Anfang der 2000er zum Naturschutzgebiet erklärt. Wir durchquerten den Park auf der Ostseite von Norden nach Süden, um nach Scărișoara zu gelangen. Bestimmt ginge die Fahrt auch schneller zu bewältigen, doch mit einigen Panoramastops und falschen Abstechern auf unbefestigten Wegen, kamen wir erst knappe fünf Stunden später an unserem Ausgangspunkt an. Die zerschlissene Kalksteinlandschaft der Karpaten, voller Flüsse und Bäche, die sich entlang steiler Klippen schlängeln ließen uns immer wieder innehalten und sie bewundern.

Je weiter und höher wir im Park kamen, umso mehr Schnee und Eis häufte sich an der Straße und in den Wäldern an.

Irgendwann hatte sich der Nebel auch restlos verzogen und die Sonne präsentierte den Park in seiner vollen Pracht.

Dann begann unsere eigentliche Wanderung, glücklicherweise im Sonnenschein. Gefrorene Quellen hatten bizarre Eisformen an den Felsen hinterlassen, die wir entdeckten, als wir entlang einer beeindruckenden Steinschlucht zur Fledermaushöhle liefen.

Das Eis erinnerte mich mit seiner glatten und vollkommenen Struktur an eine sehr große Milchglaskonstruktion. Auch wenn das Wasser wohl wesentlich schöner ist.

An der Decke kann man die Ansätze der großen Stalaktiten erkennen. Hier wurden wir ausdrücklich gewarnt, keinen unnötigen Lärm zu verursachen, um die Steine nicht in Schwingung zu versetzen.

Wir wurden gemeinsam mit einer rumänischen Großfamilie durch die hohen Steinhallen geführt. Höhlen wie diese, die man zahlreich im Apuseni findet, dienen verschiedenen seltenen Fledermausarten als Unterschlupf. Es gab sogar einen Teil mit unterirdischem See, dessen schwarzes Wasser auf uns keinen besonders warmen und einladenden EIndruck machte und nicht erkennen ließ, was sich unter der Oberfläche befindet.

Für den restlichen Nachmittag im Park genossen wir einfach nur noch die Natur und faszinierenden Bergkämme. Trotz der Abgeschiedenheit trafen wir immer wieder auf kleine Dörfer, deren Bewohner und natürlich Hunde. Das Leben kommt mir hier noch sehr traditionell vor, mit vielen eigenen Nutztieren und sehr sporadischen Häusern. Irgendwie idyllisch, zwischen all den Bergen.

Auf der Rückfahrt nach Cluj sahen wir sogar noch einen wunderschönen Sonnenuntergang zwischen den Tälern des Parks und schafften es letztlich das Auto unbeschadet wieder am Vermietungsbüro abzugeben.

Es war echt schön, so anders in die Naturlandschaft Rumäniens einzutauchen und der Ausflug fühlte sich an, wie ein kleines Abenteuer.

Am nächsten Tag blieben uns noch ein paar Stunden, bevor wir zurück in unsere Städte fahren mussten. Diese Zeit nutzten wir, um ins Muzeon zu gehen, einem recht zentralen Museum, das sich mit der Geschichte der Juden aus Cluj beschäftigt. Ich war schon lange nicht mehr so gefesselt von einem Museum. Wir wurden mit Audioguides durch die Ausstellung geführt, in denen die historischen Personen aus ihrer Perspektive berichtet haben und  anhand verschiedener Ausstellungsstücke, die Ausprägungen des Judentums erklärten.

Auf künstlerische Weise wurden mit einfachen Zeichen und Symbolen so starke Aussagen verbunden, dass die Geschichten unter die Haut gingen.

Anhand von Nachstellungen einer Synagoge, dem gedeckten Tisch am Sabbath oder VR-Brillen, die Bilder der Vergangenheit zum Greifen nah zeigten, wurde die Geschichte wieder Realität. Das Museum ist definitiv einen Besuch wert, wenn man nach Cluj kommt! https://muzeon.ro/ro/

Dann mussten wir uns leider schon trennen, weil Nicole und Fynn zum Bahnhof mussten, weshalb Lena, die in Cluj eingesetzt ist, mir nachmittags noch ein bisschen alleine ihre Stadt zeigte.

Cluj ist so eine moderne und schöne Stadt! Extrem studentisch und die meisten Häuser im Zentrum sind wieder ganz elegant im Jugendstil gebaut.

Vom kleinen Hausberg aus hat man auch einen wundervollen Blick auf die Stadt, wo sich bei gutem Wetter viele Gruppen zum Spazieren und Picknicken verabreden. Sehr cool war, dass ich von zwei Freundinnen aus Brasov am Abend wieder mit zurück genommen werden konnte, wodurch die lange Zugfahrt bis nach Hause ausfiel. Somit endete der Februar, ganz im Namen des Wanderns, abends wieder in Brasov.

Ein Gedanke zu „Die Karpaten im Schnee, Nebel und Sonnenschein

  1. Hans Bach

    Hallo Sofia
    Toller Bericht, die Natur ist offensichtlich doch noch unberührter als bei uns
    Freu mich auf den nächsten Bericht .

    Herzliche Grüße

    Hans Bach

    Antworten

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