Drei Kilo Zwiebeln und die Rückkehr ins Winterwonderland

Wo beginnen viele der großen Abenteuer unserer Zeit? Genau, meistens am Flughafen. In meinem Fall am Frankfurter, von wo aus die Rückkehr aus dem Homeoffice nach Rumänien anstand.

Mein Gepäck, um einen Toaster und Mixer reicher, war von Anfang an mein Sorgenkind gewesen und versetze mich in einige Sekunden der Schockstarre, als mir die Waage der Kofferabgabe vorwurfsvolle 27kg anzeigte. Nach einigen Momenten pendelte sich die Skala jedoch ein und die Flughafenmitarbeiterin drückte bei den knapp 24 kg mal eben beide Augen zu.

Anders als der Verantwortliche beim Sicherheitscheck, der mich als ,,very gefährlich“ eingestufte und meinen Handgepäckskoffer zusammen mit einem Kollegengremium vom Band zog und kritisch betrachtete. Gedanklich verabschiedete ich mich schon von meinen getrockneten Chilis, die ich dummerweise im Karton des Spiels Flügelschlag verstaut und nicht mehr in meinen großen Koffer gepackt hatte.

Misstrauisch wurde der Trolli geöffnet und zielgerichtet der Deckel des Spiels entfernt. Da es bei diesem liebevoll gestalteten Spiel darum geht, durch Vogelkarten, deren Futter und Eier, Punkte zu sammeln, gibt es natürlich auch kleine Miniatureier, die zur Chaosvermeidung, in einem Beutel verstaut sind. Nun ja, ich habe eine vage Vorstellung, wie letzteres auf dem Bildschirm des Gepäckscanners ausgesehen haben muss… Die Beamten hatten jedenfalls ihren Spaß mit dem Fund und präsentierten die Holzeier lachend ihren Kollegen. Glücklicherweise vergaßen sie bei all der Freude, das Spiel weiter auseinander zu nehmen, um meine Chillis zu entdecken und somit konnte ich mit vollständigem Gepäck weiter nach Bukarest reisen.

In București angekommen, wurden Johanna und ich per Transfer zurück nach Brasov gebracht, wo daraufhin unsere 10 tägige Quarantäne beginnen sollte. Deutschland wurde aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen von der rumänischen Regierung kürzlich als Risikogebiet eingestuft, was uns erstmal in Isolation versetzte.

Um trotzdem mit Lebensmitteln versorgt zu werden, bestellten wir gleich am nächsten Morgen eine Lieferung über die App Bringo, von Carrefour. Die Mengenangaben waren etwas unübersichtlich, weshalb wir davon ausgingen, dass wir mit geringen Anzahlen an Lebensmitteln alles richtig machen würden. In der Theorie mal wieder keine schlechte Idee. Allerdings stellte sich das als Fehler heraus, als wir anstelle von 3 Zwiebeln und einer Knolle Ingwer, direkt fünf Kilo des ganzen erhielten. Jetzt verbringen wir unsere Freizeit damit, Zwiebeln und Ingwer zu schneiden, um sie in unserem kleinen Gefrierfach einzufrieren und somit haltbar zu machen.

Der zweite Einkauf über einen entsprechenden Bringdienst verlief vor ein paar Tagen dann immerhin, schon wesentlich erfreulicher, als wir tatsächlich erhielten, was wir bestellt hatten.

Dass unsere Selbstisolation eingehalten wird, nehmen die örtlichen Gesundheitsämter auch ernst. So wurde sich vereinzelt, telefonisch nach unserem Befinden erkundigt und die Polizei rief einmal an, um anzumelden, dass sie demnächst für eine Kontrolle vorbei kommen würde. Eine sehr faire Angelegenheit, auch wenn sie den Sinn der Kontrolle ein wenig verfehlt.

Ansonsten verfliegt die Zeit gerade rasend schnell, unter der Vorbereitung für Unterrichtsstunden, groß geplanten Kochaktionen und ruhigen Abenden, im Kerzenschein, mit Oreos und Flügelschlag.

Unten links kann man auf den Karten gut besagte Holzeier erkennen, die am Flughafen für große Verwirrung gesorgt haben.

Unsere wunderschöne Stadt, schneebedeckt und bei Nacht.

Als wir wieder vor die Tür durften, konnten wir endlich einen riesigen Punkt auf unserer To-Do-Liste abhaken : einen Besuch in Brasovs Kunstmuseum.

Von Picasso über Kandinsky und Munch wurde sehr viel von modernen Künstlern ausgestellt und auch einige bekannte, rumänische Maler, wie etwa Teutsch oder Andreescu, waren vertreten. Da wir die einzigen Besucher waren, nahm sich eine der Mitarbeiterinnen besonders viel Zeit und führte uns durch die Ausstellung. So viele schöne Eindrücke und Bilder! Besonders gut gefallen, hat mir ein Gemälde des Dadaisten M. H. Maxy gefallen und die Porträts von Picasso.

Die Collage von M. H. Maxy

Die erste Freiheit nach unserer Quarantäne haben wir im Kunstmuseum in Brasov genossen. Hier gibt es eine aktuelle Ausstellung, zu den Künstlern des 20ten Jahrhunderts und eine Dauerausstellung der rumänischen Maler und Bildhauer.

Ein wirklich gelungener Ausflug, den wir sicherlich nochmal wiederholen werden. Alleine schon, weil wir nicht ganz durch die Ausstellung gekommen sind, da wir uns zu sehr mit der Galerie-Mitarbeiterin verquatscht hatten… Definitiv eine Empfehlung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.