Fünf Tage Ruse und die Straßen voller Kaffeeautomaten

Zusammen mit dem Beginn des Zwischenseminars startete ein kleines Abenteuer. Nachdem bei meinen Behördengängen einiges schief gelaufen ist, konnte ich nicht wie geplant am Samstag in Richtung Bulgarien abreisen. Also entschloss sich Elias, ein weiterer Freiwillige aus Sofia, mit dem ich mich eigentlich in Русе treffen wollte, kurzerhand nach Brasov zu kommen.

Ich konnte ihm am Wochenende erstmal ein bisschen meine wunderschöne Stadt zeigen. Dank des schönen Wetters auch von der Zinne aus, wobei der geschmolzene Schnee unseren Auf- und Abstieg etwas halsbrecherisch werden ließ.

Die Aussicht auf Brasov ist jedes Mal wieder eine Wucht. Wir hatten unheimliches Glück mit dem Wetter und einen phantastischen Blick

 

 

 

 

 

 

Nach nur zwei kurzen Tagen neigte sich das Abenteuer Rumänien, für Elias auch schon wieder dem Ende zu und am Montagabend brachen wir in Richtung Bukarest auf. Mittags hatte ich zum Glück alle notwendigen Unterlagen von der Amtstelle bekommen können, womit das auch abgehakt und mein Kopf frei war.

Mit dem Zug durch die Berge zu fahren und in der Abenddämmerung noch einen letzten Blick auf die Landschaft zu erhaschen, war toll! Alles voller Schnee und Eis. Dementsprechend befanden sich vor allem Ski und Snowboardfahrer mit uns im Zug, die auf dem Rückweg in die Hauptstadt waren. Dort angekommen, irrten wir eine Weile umher, bis wir die Wohnung der Bukarester WG fanden.

Mit zwei weiteren Freiwilligen sind wir daraufhin nochmal losgezogen und haben die Stadt ein wenig erkundet. Die riesigen Gebäude im Zentrum wirken schon sehr eindrucksvoll im Vergleich zu den kleinen, bunten Häusern in Brasov. Da fällt es fast leicht, sich schnell mal in den tiefen Straßenschluchten zu verlieren.
Insgeheim waren wir eigentlich auf der Suche nach Essen und wurden derbe enttäuscht, dass in Bukarest nach 21 Uhr schon alle Bürgersteige hochgeklappt waren! Glücklicherweise hatte als letzte Instanz noch der Stammlibanese der WG, in der Nähe der Wohnung auf, der uns rettete.

Für einen ersten Eindruck, hat sich der kurze Besuch in Bukarest auf jeden Fall gelohnt, wird aber sicherlich nochmal bei Tag wiederholt, um noch mehr kennen zu lernen! Wir hatten nur einen kurzen Zwischenstopp hier eingeplant und so ging noch in der gleichen Nacht, unser Bus nach Ruse.

Eines der vielen, beeindruckenden Gebäude in der Innenstadt Bukarests.

Mit nur drei anderen Mitreisenden, waren wir in windeseile an der rumänisch-bulgarischen Grenze und überquerten diese ohne Probleme. Ob das nun an der frühen Stunde oder den Mitbringseln unseres Fahrers lag, der den Grenzbeamten verschiedenes Gebäck aus der ,,best bakery in town“ mitgebracht hatte, ist nicht ganz geklärt.

Etwas übermüdet, aber zugleich glücklich, endlich in Bulgarien angekommen zu sein, war ich überwältigt von den ersten Eindrücken des neuen Landes. Ich hatte geglaubt, dass besonders die Grenzstadt sehr ähnlich zu Rumänien sein würde und war umso überraschter, von all den Unterschieden! Zunächst wirkte das Kyrillisch, das nun an jeder Ecke zu lesen war, sonderbar und zugleich sehr schön auf mich und auch der Sprachklang, ganz melodisch und warm, wie ich finde.

Auch die Kaffeeautomaten, die einen an jeder Ecke begrüßen und mit ihrer Anzeigetafel zur Straßenbeleuchtung, in den frühen Morgenstunden beitragen, kannte ich noch nicht. Elias und ich haben nach intensiver Zählung der Automaten, die These aufgestellt, dass man wohl im Umkreis von knapp 500m, mit 99.99% Wahrscheinlichkeit eine Kaffeanlaufstelle antreffen könnte. Definitiv ein Punkt, durch den mir Land und Leute direkt sympathisch geworden sind. Viel Bulgaren die man auf der Straße sieht haben sich auch gerade einen Kaffee geholt und schlürfen diesen fröhlich.

Im Selbstversuch haben wir zu später Stunde auch mal einen Espresso probiert, der tatsächlich gar nicht schlecht war! Jedoch muss man das Zuckerlevel gut austarieren, was ich erst im Laufe der folgenden Zeit in Bulgarien lernte. Der Kaffee hat mich aber trotzdem nie enttäuscht.

Daneben hat mich auch die Snackkultur Bulgariens überzeugt! Abgesehen von Kaffeeautomaten findet man an jeder Straßenecke einen Laden, der Nüsse, Trockenobst und weitere Leckereien verkauft, was mich, als ich das erste Mal in einem entsprechenden Geschäft stand, in den siebten Himmel versetzt hat.

Nun gut, genug von den allgemeinen Besonderheiten. Ruse (im kyrillischen Русе) hat natürlich auch eine ganze Menge zu bieten!

Zum einen ist die Stadt wunderschön an der Donau gelegen, wodurch man an jedem Ort die Schreie der Möwen hört und ein Gefühl von Mee(h)r aufkommt.

Allein bei diesem Foto kommt sofort wieder Urlaubsstimmung hoch! Über mehrere Tage hat es geschneit und die ganze Gegend, mit einer weißen Decke überzogen. Ein wunderschöner Moment, als die Sonne, auf der rumänischen Seite der Donau, untergegangen ist.

Die Altstadt konzentriert sich auf einen großen Platz, mit wieder monumental großen Gebäuden (und Unmengen Kaffeeautomaten).

Es gibt sogar ein Kunstmuseum, das wir nach Beendigung eines langen Seminarnachmittags besuchten. Von Einheimischen wurde uns eine tolle Ausstellung, rumänischer Künstler zugesichert. Da wir uns eine rumänische Identität anlegten, um lange Erklärungen um unsere Arbeit im Ausland zu umgehen, war es fast obligatorisch, die Werke unserer Landsleute zu besichtigen. Im Museum selbst wurden wir wohl auch als Künstler eingestuft, die als Teil der sehr eingeschränkten Zielgruppe die Ausstellung besuchten.

Zunächst bin ich von einer spannenden Eimer-Installation ausgegangen, bis sich herausstellte, dass hier der verzweifelte Versuch unternommen wird, das Wasser, das von der maroden Decke tropft, aufzufangen.

Abgesehen von dem schlechten Zustand des Gebäudes, waren die Bilder auch nicht wirklich überzeugend. Trotzdem hatten wir einen riesen Spaß, Spekulationen zum tieferen Sinn verschiedener Gemälde anzustellen und den Eimern und Wannen am Boden auszuweichen.

Irgendwie muss in der Stunde im Kunstmuseum wohl doch unsere künstlerische Ader geweckt worden sein: Auf unserem Heimweg fertigten wir Schneeabdrücke unserer Gesichter auf einer Bank an und schufen einen lebensgroßen Schneemann im Park.

Das Werk könnte den Titel ,Künstler im Schnee´ erhalten. Besonders, da im Original noch zwei weitere Abdrücke daneben entstanden. Sehr kalte, nasse und extrem witzige Angelegenheit!

Als wir am nächsten Tag wiederkamen, war der Schneemann leider zu einem undefinierbaren Haufen zusammen geschmolzen. Im Schaffensprozess, waren wir dafür noch unheimlich stolz, auf die Ausarbeitung der an ,,die Monster-AG“ erinnernden Figur.

Somit verflogen die Tage in Ruse förmlich. Anders als geplant, bin ich nicht sofort nach Rumänien zurück gefahren, als sich die Woche dem Ende zu neigte, sondern habe mich spontan auf den Weg nach Shumen, zu Karla gemacht, während Elias vorerst zurück nach Sofia gefahren ist.

Zu diesem Abenteuer und allen weiteren Ausflügen und Erlebnissen, die daraus resultierten, muss ich noch weitere Blogeinträge machen, da sie den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden.

So gut wie alle, der wunderschönen Fotos, gehen im übrigen auf Elias Konto, der einen sehr spannenden und guten Blog mit anderen Bulgarien-Freiwilligen up to date hält! Definitiv lohnenswert, um noch mehr Einblicke, in dieses wunderbar vielfältige Land zu erhalten! (https://kulturweit.blog/bulgarienweit/)

Хайде България!

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