Teil 3: Von dem, was ich mir wünsche

 

„Nur wenn ich mich liebe, kann ich auch andere lieben.“

Dieser letzte Teil fällt mir deutlich leichter, er scheint mir so klar, so eindeutig. Von Carolyn Emcke las ich vor einiger Zeit etwas sehr Einleuchtendes. Pluralität bedrohe die Gesellschaft nicht. Sie schütze und stärke jeden Einzelnen, die Individualität eines jeden. Je pluraler eine Gesellschaft ist, desto weniger gefährdet ist das Individuum, gedemütigt, diffamiert, ausgegrenzt zu werden. Je pluraler eine Gesellschaft ist, desto mehr wird das Individuum ermutigt, sich zu entfalten, sich dazugehörig zu fühlen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Pluralität nicht als Bedrohung wahrgenommen wird, sondern als Schutzraum. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Kinder ermutigt werden, sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzen, unabhängig davon, ob sie der (vermeintlichen) Norm entsprechen oder nicht.

Ich wünsche mir, dass Attribute, wie „schwul“ und „trans“ nicht mehr als Beleidung verwendet werden, weil es dafür keine inhaltliche Erklärung gibt.

Ich wünsche mir eine Fernsehindustrie, die Homosexualität nicht mehr hinterfragt. Sie als normal, als zugehörig behandelt, weil sie das ist.

Ich wünsche mir, dass Eltern ihren Kindern Ängste und Sorgen vor Abweichung nehmen, statt sie hervorzurufen. Dass sie ihre Liebe zu dem Kind nicht an Bedingungen knüpfen. Dass sie das können – lieben, ohne zu bedingen – weil sie selbst in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die ihnen das vorgelebt hat.

Ich wünsche mir, dass Kinder nicht wählen müssen – zwischen der Akzeptanz ihres Ich und der Liebe ihrer Eltern, weil: nur wenn ich mich liebe, kann ich auch andere lieben.

 

 

„You can be anybody that you want to be. You can love whomever you will. You can travel any country where your heart leads. And I know I will love you still […]”

– Everything Possible, The Flirtations

 

https://www.youtube.com/watch?v=6VA8DFFNQFA