¡Vamos che! – ¡Bacán!

25 10 2009

Eindrücke der Weltreise:

Hinfahrt

Ein Querschnitt durchs Publikum des Festivals. Es fällt ins Auge, dass die Austragung an einer Deutschen Schule stattfindet.

Ein Querschnitt durchs Publikum des Festivals. Es fällt ins Auge, dass die Austragung an einer Deutschen Schule stattfindet.

Am Donnerstag um 9 Uhr morgens fuhr der colectivo, also der Überlandbus vom Terminal in Bariloche ab. Ziel unserer Reise war das 1. Deutsch Rockt Festival chilenisch-deutscher Schulen in Osorno, zu dem wir ehrenhalber und der guten Beziehungen wegen auch eingeladen worden waren. Übernachten würden wir in Gastfamilien und am nächsten Tag wieder abfahren. An Bord waren die Band (bestehend aus Lucas, Nacho, Nic, Maxi und Meri), Lotte und ich sowie Nori als begleitende Lehrerin. Außerdem waren noch ein paar andere Leute da. Der Bus war recht leer, was zu unserem Wohlgefühl beitrug, denn wir konnten allerlei Unfug treiben. So habe ich zum Beispiel Nacho aufgrund seines Unvermögens beim Zielen zweimal recht lautstark bei Worms auf der PSP besiegt, aber das nur nebenbei. Zum Zeitpunkt unserer Abfahrt regnete es übrigens schon seit dreizehn Stunden, was mich zusätzlich in eine Art Hochgefühl versetzte, weil es hier (wie auf diesen Fotos zu erkennen ist) üblicherweise eher trocken ist. Die letzten drei Wochen war auch keine einzige Wolke am Himmel. Nun pladderte es also ununterbrochen – richtige Sturzbäche kamen herab. Das hat hier noch ganz andere Auswirkungen als in Deutschland: Die Straßen sind weg. Der obere Teil der Straße, die wir ins Tal hinab gegangen sind, besteht nur aus Schotter und Erde. Ich brauche wohl nicht noch extra zu erwähnen, dass das für eine sehr interessante Expedition sorgte 😉

Die letzten Sekunden vorm Auftritt

Die letzten Sekunden vorm Auftritt

Wie dem auch sei, wir saßen dann ja doch mit den anderen trocken im Bus (bis auf mich, ich hatte ausgerechnet das Fenster erwischt, durch das es hineinregnete) und hatten viel Spaß. Interessant war dann die Aus- und Einreise: Der Pass rüber nach Chile verläuft quer durch die Kordilleren, sodass an der argentinischen Seite sozusagen ausgecheckt wird (alle raus ausm Bus, Pass stempeln lassen, alle rein in den Bus), dann über die Berge gefahren wird und am chilenischen Fuße dieselbe Prozedur dann wiederholt wird. Ist man dann erstmal raus aus dem Gebirge, traut man seinen Augen nicht mehr: Es grünt so intensiv als hätte jemand einen gigantischen Farbeimer über Südchile ausgeschüttet. Es ist unbeschreiblich gewesen – eben eins von diesen Dingen, die man selber gemacht haben muss, um es vollends zu verstehen. Auf unserer Seite der Anden ist es trocken und staubig, da die Berge als Wetterscheide funktionieren – der gesamte feuchte Wind vom Meer regnet sich dort ab und bei uns kommt nichts mehr an. Gerade einmal 160 Kilometer Luftlinie trennen Osorno in Chile und Bariloche in Argentinien, doch liegen Welten dazwischen. Ich bin jedenfalls derart begeistert von diesem Erlebnis, dass ich diese Reise bestimmt noch mal wiederholen werde, auch mit mehr Zeit, damit ich Osorno wirklich würdigen kann. Die Stadt verströmt ein ganz anderes Flair.

Chile

Chilenische Pesos in ihrer vollen Pracht. Die größte Münze hat einen Wert von 500$, der größte Schein (nicht abgebildet) von 20000$.

Chilenische Pesos in ihrer vollen Pracht. Die größte Münze hat einen Wert von 500$, der größte Schein (nicht abgebildet) von 20000$.

Erster Eindruck: Ganz anders. Und das erfasst es wahrscheinlich sehr gut, denn das Land dehnt sich über 4500 Kilometer und mehrere Klimazonen von Norden nach Süden, hat im Norden eine der trockensten Gegenden der Welt und im Süden wohl eine der regenreichsten (näheres dazu hier, sonst schweife ich wieder ab). Den überwältigenden Natureindruck habe ich bereits geschildert, was mir ansonsten noch aufgefallen ist: Die Leute sehen viel eher so aus, wie man sich als europäisches Weißbrot so ein südamerikanisches Land vorstellt. Die Chilenen sind bei der systematischen Ausrottung der indigenen Bevölkerung nicht ganz so gründlich vorgegangen wie die Argentinier, sodass man hier wirklich viele Leute auf der Straße sieht, die einen dunklen Teint und dichtes, glattes schwarzes Haar besitzen. Außerdem habe ich mehrere Leute in Ponchos gesehen :>

Erwähnenswert ist außerdem das chilenische Geld: 800 pesos chilenos entsprechen einem Euro. So war ich kurzzeitig stolzer Besitzer von 15000 Pesos, die ich sehr gut investierte (siehe unten).

Desweiteren wird hier ein ganz merkwürdiges Spanisch gesprochen … („witzig“ für Eingeweihte 😉 )

Deutsch Rockt

Irgendwer muss hier ja auch mal für Ruhe sorgen.

Irgendwer muss hier ja auch mal für Ruhe sorgen. Wir warens jedenfalls nicht.

Der Grund, der Sinn hinter allem, die Belohnung unserer Strapazen: Die Deutsche Schule Osorno hatte mit Hilfe der Deutschen Botschaft in Santiago de Chile einen Rockbandwettbewerb ersonnen, der junge Deutschlernende auf etwas andere Weise an die Sprache heranführen sollte. Teilnahmevoraussetzung war, dass die Band aus Schülern einer deutschen Schule besteht und das vorgetragene Lied auf Deutsch ist. Abgesehen vom obligatorischen „Rammstein – Du hast“-Cover waren die Beteiligten größtenteils sehr kreativ und engagiert gewesen, was das Ganze zu einem schönen Erlebnis machte.  Ich hatte außerdem noch einen anderen Grund, mich auf dieses Event zu freuen: Hannah hatte ihre Teilnahme bestätigt. Wir waren während des Vorbereitungsseminars in derselben esoterischen Meditationsgruppe gewesen und hatten uns auf Anhieb gut verstanden, was vor allem daran gelegen haben muss, dass sie meine Witze über Einzelkinder recht gut wegstecken konnte. Hannah, Thomas und ich verabredeten noch während des Seminars einander zu besuchen wenn wir denn drüben wären. Während des Soundchecks steckten Hannah und ich also unsere Köpfe zusammen und ersonnen eine wahrhaft ehrgeizige Reiseroute für unsere Sommerferien, auf der uns der Thomas natürlich begleiten wird. Näheres dazu, wenn wir sichergestellt haben, dass der Plan tatsächlich in die Tat umsetzbar ist. Ich habe da so meine berechtigten Zweifel, nachdem ich grade mit Google Earth überschlagen habe, dass allein die Luftlinien unserer geplanten Route etwa 4000 Kilometer umfassen. Aber der zukünftigen Ingenörin ist nichts zu schwör… 😉

Lucas zeigt berechtigte Rockstarallüren.

Lucas zeigt berechtigte Rockstarallüren.

Wie dem auch sei, unserer freudiges Wiedersehen löste natürlich wieder sofort Diskussionen unter Jugendlichen aus, wie denn nun unser gemeinsamer Status lauten könnte. Mit der Zeit werden mir die Gerüchte um mein angebliches Sex- und Liebesleben immer egaler, was vermutlich ein gutes Zeichen ist 😉

Gewonnen hat CO2 (so der Name unserer Band) leider nicht, dafür haben wir aber kräftig gerockt und neue Freunde gefunden: Ich wurde von meiner Gastfamilie, in deren Haus Lucas und ich die Nacht verbrachten, eingeladen doch noch einmal vorbei zu kommen. Das wird nicht lange auf sich warten lassen. Im Supermarkt in Osorno, der übrigens nicht umsonst Jumbo heißt, entdeckte ich übrigens leckeres Weizen (Franziskaner und Paulaner), von dem ich direkt mal drei Flaschen einkaufte, um in jener Nacht Lucas in die Geheimnisse eines guten Bieres einzuführen. So hat sich der Ausflug auch in kulinarischer Hinsicht gelohnt 😉

Gewonnen haben wir übrigens nicht, dafür aber nach halboffizieller Auskunft den fünften Preis davongetragen. Bei 12 teilnehmenden Schulen und knapp einem Monat Vorbereitungszeit ist das durchaus ordentlich, finde ich.

Rückfahrt

Es schneit in den Anden. Lucas versucht sich derweil als menschlicher Puck.

Es schneit in den Anden. Lucas versucht sich derweil als menschlicher Puck.

Der Dauerregen, der uns schon seit Anfang unserer Expedition begleitete, war anscheinend über Nacht zum Dauerschnee mutiert. Dies führte zu einer deutlich längeren Reisedauer, einer riesigen Schneeballschlacht, bei der die Busfahrer und übrigen Insassen beim Zugucken übrigens genauso viel Spaß hatten wie wir und – tada! – einem letzten verzweifelten Aufbäumen des Winters in Bariloche. Seit mittlerweile also etwa zwei Tagen schneimatscht es hier also von Himmel, soviel wie in Leverkusen in einem ganzen Jahr fällt. Mal sehen, wohin das noch so führt.

Fazit

Geile Sache, gerne noch einmal!





All The World Is Mad

24 10 2009

Ich fühle mich, als hätte ich eine Weltreise hinter mir. Das mag auch daran liegen, dass ich mich heute beinahe selber ins Krankenhaus eingewiesen hätte. Nun denn. Das Andere vor dem Einen, weil die Begebenheit von heute morgen schneller erzählt ist:

Die Übeltäterin

Die Übeltäterin

Dies ist eine Packung Milch, wie sie in Argentinien, besonders aber im Supermarkt unseres Vertrauens üblich ist. Mit dieser Packung einher kommt aber ein recht hoher Preis sowie mehr Verpackungsmüll. Um also beides zu mindern, kauften wir Milch in Plastiktüten. Zuhause stand ich nun also vor dem Problem, wie ich die einmal angebrochene Milchtüte nun im Kühlschrank aufbewahren sollte. Einfach so hinlegen bot sich ja nun doch nicht an. Dementsprechend verfiel ich auf die geniale Idee, die stabile Milchpackung mit kochendem Wasser auszuspülen und somit für das Umfüllen der Milchtüte fit zu machen. Ich nahm also den Kessel kochenden Wassers vom Herd und füllte das sprudelnde Nass in die Packung nei und verschloss diese umgehend mit dem dazugehörigen roten Deckel. Dann schüttelte ich ein wenig, um auch alle Flecken und Ecken des Packungsinneren zu erreichen und legte die Packugn danach hin, damit sich das Wasser abkühlen möge. Just als ich mich abwendete, passierte das nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten unausweichbare: Durch den Wasserdampf wurde der Druck im Inneren so stark, dass der Deckel abflog und mir eine Fontäne kochend heißen Wassers auf den Bauch spritzte.

Da ich kein Eis bei mir habe und mit der Situation generell ein wenig überfordert war („Ach, das kann so schlimm doch nicht sein, tut auch kaum weh…“) ging ich nach oben zu Lotte, die auf meine Schilderung äußerst entsetzt reagierte und mir ihre Eiswürfel anbot sowie ein wenig frischen Schnee ins Haus holte, damit ich mich abkühlen konnte. Die nächste halbe Stunde verbrachte ich also damit, Eis und Schnee auf meinem Bauch zu schmelzen. Dies hielt dann auch den Schmerz in Grenzen. Als ich mich dann allerdings fertig machte um zur Arbeit zu gehen (heute war Oktoberfest bei uns in der Schule) und demzufolge kein Eis mehr auf dem Bauch hatte, meldete sich der Schmerz mit aller Wucht. Solche Schmerzen hab ich wohl noch nie gehabt. Ich hätte einfach nur schreien können. „Hmm“, denke ich mir, „schreien is nix gut, nimmste mal ein paar Ibuprofen.“

Die arme Unschuldige, wenn sie nur wüsste, was ich ihretwegen erlitt

Die arme Unschuldige, wenn sie nur wüsste, was ich ihretwegen erlitt

Lange Geschichte ganz kurz: Ibuprofen hat nix gebracht, wir also durch den strömenden Schneeregenmatsch unter unsäglichen Qualen meinerseits (wer immer schon mal wissen wollte, warum kochende Flüssigkeiten eine so allseits beliebte Foltermethode waren, der wiederhole mein Experiment) zur Apotheke gelaufen. Pech gehabt – Siesta. Notfallapotheke am anderen Ende der Stadt. Taxi gerufen, hingefahren, Situation geschildert, sehr hilfsbereite und freundliche Apothekerin erwischt, Salbe bekommen, Taxi gerufen und nach Hause gefahren. Ich muss wohl ein ziemlich schmerzverzerrtes Gesicht gemacht haben, denn unsere Fahrerin fragte mich, ob es wohl draußen sehr kalt wäre. Als ich ihr dann erklärte, was passiert war, legte sie einen Zahn zu, damit wir schneller zu Hause wären. Sehr freundlich.

Inzwischen ist schmerztechnisch alles ok, allerdings bin ich von der ganzen Aktionen und den Drogen derart benebelt, dass ich zum Oktoberfest jetzt leider zu Hause sitzen muss. Ich war kurz da um mich mal umzuschauen, merkte aber schnell, dass eine feuchtwarme Turnhalle in der Leute bayerische Volkstänze aufführten nicht so der Ort war, an dem ich wohl genesen würde. Also ging es für mich recht bald wieder durch den Schneematsch nach Hause.

Wer wissen will, warum ich die ganze Zeit von Schnee rede, wo es doch eigentlich Frühling ist und wieso ich am Anfang von einer Weltreise redete wird hierhin weitergeleitet.





Liebe geht durch den Magen

21 10 2009

Deswegen teile ich heute meinen Kühlschrank mit euch, bevor ich packe um reisefertig zu sein für Chile morgen:

Klein, aber fein: Der Vorratskühlschrank

Klein, aber fein: Der Vorratskühlschrank

Die darin enthaltenen Gegenstände in loser Reihenfolge:

  • Oben im Gefrierfach Spinat (hat Anja hier liegenlassen) und Hamburger „estilo casero“ (mjam!)
  • Mais
  • 4 Liter Bier (gut versteckt)
  • Zwiebeln
  • Ingwerknolle zum lecker Tee machen wenns doch mal wieder kalt wird (wie heute)
  • Dulce de Leche, das Nutella Argentiniens (und soviel vielseitiger!)
  • Schmierkäse mit Schinkengeschmack (kein Witz!)
  • ein bisschen handgemachte Schoki (mjam! Ich war tatsächlich in einem der Schokoladenläden drin und es lohnt sich durchaus.)
  • Ketchup und Senf (der Senf hier ist ein bisschen merkwürdig. Ich vernehme aus dem Kollegium, in Chile gäbe es richtigen zu erschwinglichen Preisen – in Chile ist eh alles billiger)
  • Trinkjoghurt mit Erdbeergeschmack
  • Zitronen
  • Streukäse
  • Oliven
  • Salami
  • Milch und Dulce-de-Leche-Likör (s.o., ist allerdings bäh und von Anja hier hinterlassen worden, ich werds demnächst mal an Lotte verfüttern)
  • eine Tomate, die sich hinter
  • der großen roten Tüte von Mamuschka versteckt; Mamuschka ist angeblich die beste der Schokofabriken hier. Die Tüte stellt mein Gastgeschenk an die chilenische Gastfamilie dar, wir bleiben nämlich über Nacht. Sollte ich doch irgendwie in der JuHe oder ähnlich unterkommen, mampf ich das Zeug halt selbst.

Soweit in aller Kürze. Jetzt muss ich aber wirklich packen. Heute hat alles etwas länger gedauert, weil ich selber ñoquis gemacht hab. Das hat super funktioniert und extrem gut geschmeckt, allerdings auch eine Sauerei gemacht. Deswegen jetzt alles so husch-husch hier. Ich höre gerüchteweise, das in Deutschland der Winter herannaht, deshalb gebe ich euch für die nächsten zwei Tage, in denen ich Urlaub im Rockland Chile mache, ganz viel Wärme und Licht mit auf den Weg:

Da ging mir ein Licht auf: "Voll die gute Idee, Glühbirnen zu kaufen, dann ist es auch wieder heller hier!"

Da ging mir ein Licht auf: "Voll die gute Idee, Glühbirnen zu kaufen, dann ist es auch wieder heller hier!"





In Gedenken an Erwin

20 10 2009

Erwin, der allseits beliebte Kuschelsauerteig aus heimischer Haltung ist leider einer heimtückischen Tropenkrankheit auf der doch etwas zu heiß eingestellten Heizung zum Opfer gefallen. Seine erste und letzte große Tat soll damit das Roggenvollkornbrot bleiben, dass er sehr schmackhaft versäuert hat.

Ich habe übrigens rausgefunden, wie sich das mit dem Brot hierzulande so verhält: Es gibt einfach keinen Sauerteig hier. Alles wird mit Hefe gebacken, was (wie schon erläutert) dazu führt, dass es hier zwar nachgerade schlaraffige Teilchen zu kaufen gibt, die Brotvielfalt sich jedoch arg in Grenzen hält. Ich werde also meine Sauerteigversuche mit Hannes, Erwins kleinem Bruder, fortführen. Hannes entsteht dann aus einer Trockensicherung des Sauerteigs, die ich klugerweise vor ein paar Tagen gemacht habe. Mal sehen, wie das so wird.

In anderen Neuigkeiten: Am Donnerstag fahren wir wie geplant zum Rockbandwettbewerb deutscher Schulen nach Osorno in Chile. Nachdem gestern um 18.40 Uhr zum ersten Mal die gesamte Band zusammen geprobt hat und wir heute erneut vollzählig versammelt waren kann ich behaupten, dass es zumindest keine volle Blamage werden und es voraussichtlich unglaublich viel Spaß machen wird. Ich melde mich dann wieder aus Rockland Chile 😉





Kein Mensch ist illegal

20 10 2009

[youtube pvIMcYrsb0E]

Und wer mal das allergenialste lesen will, das Günter Wallraff seit einigen Jahren so von sich gegeben hat, der kommt um diesen Zeit-Artikel nicht drum rum:
http://www.zeit.de/2009/43/Wallraff-43?page=all





There is no spoon.

16 10 2009

Am Montag und Dienstag bin ich umgezogen und wohne jetzt direkt unter Lotte. Bisher hatte Anja hier gewohnt, nun nenne ich sie mein Eigen. Zuerst wollte ich überhaupt nicht hier einziehen; das Zimmer erschien mir düster und unwohnlich und generell i bäh.

Hier fehlt definitiv noch mehr Wandschmuck.

Dann allerdings ging mir meine Hotelabstellkammer mit der Zeit tierisch auf den Sack – aus genau diesen Gründen. Die war nämlich wirklich üärks. Außerdem stellt sich heraus, dass es unglaublich schwierig ist, eine möblierte Wohnung mit Internet zu bekommen, darüber hinaus noch eine für ein ganzes Jahr und dann dazu möglichst nah am Zentrum – ich bin ja immer zu Fuß unterwegs. Außerdem hat es mir Anja ziemlich leicht gemacht, mich hier wohlzufühlen, indem sie ihren halben Hausrat hier liegen ließ, der z.B. aus Räucherstäbchen, schönen(!) Tellern, einer prall gefüllten Essenskammer und einem knallbunten Regenschirm (vergessen) besteht. Nachdem auch das gewisse Mindestmaß an Unordnung herrscht und ich im Chaos all der mir vertrauten Dinge hocke (merkwürdig, wie man so an Dingen hängen kann), fühle ich mich langsam wirklich wohl. War wohl  nur eine Kopfsache. Wie schon Neo erkennen musste: „There is no spoon.“

Dennoch bleibt einiges zu tun:

  • Glühbirnen austauschen
  • Cinch-Kabel für den Fernseher kaufen#
  • Herausfinden, wie man mehr als ein Rinnsal warmes Wasser aus der Leitung bekommt (mal sehen, ob das irgendwelche Auswirkungen auf meine persönliche Hygiene haben wird 😉 )
  • Kleiderhaken in die Wand donnern
  • Töpfe und Pfannen kaufen
  • größere Backform anschaffen
  • Pfefferstreuer kaufen (einen Salzstreuer in Form eines psychedelisch bemalten Schweinchens habe ich bereits gefunden)
  • von Hand spülen lernen
  • Handtücher kaufen
  • frische Bettwäsche einkaufen sowie
  • nicht bis zur letzten Faser durchgelegene Matratzen organisieren
  • Anjas Sojaschnitzel aufessen
  • einen Riegel an die Tür anbringen, die leider nicht mehr richtig ins Schloß fällt

usw. usf.

Was die Matratzen angeht, so hatte ich auch schon im Hotel derbst durchgelegene gehabt. Gerüchten zufolge ist das hier wohl häufig anzutreffen, da Matratzen gemessen an übrigen Kosten für den Haushalt wohl schweinisch teuer sind. Da muss ich mal nachforschen, bevor wir jetzt alle ein falsches Bild der Schlafsituation Argentiniens haben 😛

Wie man erkennen kann, sind die Wänder jedoch noch ein wenig nackig. Daher fordere ich jetzt höflichst jedermann und jederfrau, die des Lesens und Schreibens mächtig ist auf, mir an folgende Adresse was zum Hängen und/oder erfreuen zu senden:

Timon Traub

Las Piedras 666 (Völliger Ernst!)

8400 San Carlos de Bariloche

ARGENTINA

Bitte keine Wertsachen schicken; Briefe aus dem Ausland werden hin und wieder geöffnet, bevor sie ankommen.

Blick ins Zimmer mit freundlich stimmender Unordnung

Auf den Bildern sieht man übrigens meine bescheidene Behausung (ist klar) sowie die Experimentalbackwerkstatt, die ich mir eingerichtet habe (und für die ich von Lotte immer schmachtende Blicke zugeworfen bekomm, wenn ich ankündige, wieder zu backen). Das hat damit zu tun, dass wir Deutschen ja unglaublich brotverwöhnt sind. Entweder ich habs auf meinen bisherigen Reisen immer verpasst oder es gibt tatsächlich nur wenige Flecken auf dieser Erde, wo man richtig ordentliches Brot bekommt. Oder die deutsche Definition eines „gescheiten Brotes“ ist sehr seltsam. Sei es wie es sei, mit dem hier käuflichen Brot findet man keine Freunde. Entweder es ist Toast (wobei es eine gigantische Auswahl an den verschiedensten Sorten – auch viel Vollkorn – gibt), oder es handelt sich um Baguette. Eine Randerscheinung stellt der Vollkornkonditor am Fuße des Berges hier dar, der auch normales Brot backt. Das allerdings ist ein wenig fad. Sobald ich hier einen leckeren Bäcker finde, melde ich mich wieder. Worauf sich die Argentinier allerdings vorzüglich verstehen, ist die Herstellung von facturas, kleinen (zumeist Hefe-)Teilchen, die süß und unwiderstehlich sind.

Helga, eine der Lehrerinnen bei uns, verstand unser Geklage jedenfalls vollauf und gab mir ein Rezept für Roggenmischbrot auf den Weg – dieses habe ich bereits veröffentlicht und nach einigen Durchläufen noch ein wenig nach Gusto abgeändert.

Backe backe Brot: Hefe, Vollkornmehl, Apfelessig, Sonnenblumenkerne, Haferflocken, 3kg Roggenmehl und mehr Vollkornmehl. Auf der Heizung steht Erwin, der Sauerteig. Irgendwo versteckt sich auch noch ein wenig weißes Mehl.

Derart auf den Geschmack des Backens gekommen (und von Lottes träumerischen Blicken angespornt) entsann ich mich meiner Mama, die großer Sauerteigfan ist. Nach ein bisschen Recherche und Erinnerungen an Aussprüche unserer Ernährungsberaterin stellte ich fest, dass das doch gar nicht sooo schwierig sein könnte.

So also kam Eines zum Anderen und ich setzte mir einen Sauerteig an. Der riecht zwar merkwürdig, aber Forumsberichten nach zu Folge ist „merkwürdig“ viel besser als „schlecht“. Alles Teil des Gärungs- und Verhefungsprozesses. Wer jemals einen Herrmann oder ähnliche Späße herangezüchtet hat, kennt das Prinzip eines Sauerteigs bereits.

Das (noch) mit vielen kahlen weißen Wänden ausgestattete Badezimmer. Hier bist DU gefragt!

Roggenmehl und Wasser in eine Schüssel geben, umrühren, warm stellen, warten. Dann immer brav füttern. Heute (nach 3 Tagen) habe ich nach meiner Rückkehr in mein Häuschen auch artig gefüttert und drei Stunden später (als ich grade dabei war, mein Hefe-Roggenbrot anzumischen) drohte der Sauerteig über den Rand der Schüssel zu treten, da sich das Volumen etwa verdoppelt hatte. Kurz entschlossen entschied ich mich zur Entschärfung der Situation ein wenig Sauerteig ins Roggenbrot reinzugießen. Mehr Triebkraft könnte ja nicht schaden, dachte ich.

Dachte ich.

In der Backform sah auch alles aus wie die Male davor; der Teig füllte die Form bis an den Rand aus und innerhalb von 5 Minuten ging er auch nicht mehr wirklich auf; höchstens noch ein paar Millimeter.

Nach fünf Minuten im Ofen allerdings hatte ich den Salat: Der Teig war aus der Form förmlich herausgeschossen und hatte 50% der Höhe der Form zusätzlich nach oben gewonnen.

Das fertige Ergebnis ist optisch sehr skurril, ich verspreche mir jedoch lecker lecker mjam mjam. Angeschnitten wird erst morgen, wenn es ausgekühlt ist. Lotte werde ich ihren Teil vermutlich einfach vor die Tür legen, damit sie mich nicht vor Begeisterung übers Treppengeländer nach unten schubst oder so. Quatsch, alles nur Spaß 😉

Ich bin bestimmt der einzige Bekloppte, der seinen Bloglesern aus 12500 Kilometern Entfernung derart detailliert übers Brotbacken berichtet.

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La Pampa Liiiinda

14 10 2009

So siehts aus, wenns nicht gephotoshoppt ist (s.u.)

So siehts aus, wenns nicht gephotoshoppt ist (s.u.)

Schnee im Auge... was soll ich nur tun?

Schnee im Auge... was soll ich nur tun?

Hilft auch gut gegen Schnee in die Augen: Sonnenbrille.

Hilft auch gut gegen Schnee in die Augen: Sonnenbrille.

Aufgrund der knapp bemessenen Zeit lasse ich heute mal die Fotos Bände sprechen. Am Wochenende sind Anja, Lotte und ich als letzte große Aktion vor Anjas Abreise am Montag in den Nationalpark gefahren. Dabei kamen wir uns vor wie bei einer Safari, denn die Touristen (den Alters- (40-50) sowie den Herkunftsdurchschnitt (Buenos Aires) haben wir dabei kräftig verändert) werden im Bus herumgekarrt und wenn der Fahrer entscheidet, dass hier ausgestiegen wird, wird die Umgebung betrachtet. Dass dabei natürlich ausgerechnet die schönsten Landschaften ausschließlich vom fahrenden Bus aus zu betrachten sind, wird geflissentlich übersehen. Somit dienen die Fotos hier auch nur als Anhaltspunkt. Die wahren Schätze existieren also momentan nur in der Realität sowie in unseren Köpfen – deswegen werden Lotte und ich die nächsten Touren auch im angemieteten Auto unternehmen, was uns die Freiheit gibt, nach eigenem Gusto Stops einzulegen.  Ausgerechnet Sonntag war übrigens noch einmal Winter, sodass über weite Teile der Fahrt hinweg Schnee und eine monumentale Kälte den Ausflug zu einem Erlebnis werden ließen. Lese den Rest dieses Eintrags »





Asleep at the Wheel

14 10 2009

Eigentlich hatte ich ja vor, heute mal wieder einen gewaltigen Schwall von mir zu geben. Stattdessen ging ich nach der Schule mit Lotte einkaufen, durch die Stadt und dann schließlich kochen. Jetzt bin ich stolzer Besitzer mehrerer Paar Socken (sehr angenehm!) sowie eines Strickpullis, der mir viel zu groß ist und somit richtig schön kuschelig. Außerdem hat Lotte sich einen Kuschelpulli zugelegt sowie ein paar Schuhe, die auch mehr als nur asphaltierte Straßen aushalten. Dann sahen wir noch eine quesería, die wir natürlich umgehend besuchten.

Zur Info: Alles, wirklich alles, was man in Deutschland im Supermarkt einkaufen würde, kann man hier natürlich auch im Supermarkt einkaufen. Das hat dann aber oftmals eine „interessante“ Qualität. Grünzeug und Obst beispielsweise würde ich niemals im Supermarkt kaufen. Dafür gibt es extra sogenannte verdulerías. Auch Aufschnitt kann man natürlich im Supermarkt kaufen, manchmal sogar beim dafür vorgesehenen eingebauten Metzger; besser ist aber natürlich, man geht zum Experten: besagte quesería oder eben eine carnicería. Die Liste ließe sich übrigens beliebig fortführen; es gibt hier panaderías, chocolaterías, cafes, pastarías usw usf.

Unsere quesería jedenfalls hat nicht nur Käse im Angebot (wie der Name vermuten ließe), sondern ebenfalls eine erlesene Auswahl an Wurst, Schinken, Wein und Oliven sowie Eingelegtem. Die Oliven kosten übrigens -.50 Euro pro 100g. Ein Paradies. So verließen wir den Laden um einige Pesos ärmer, dafür aber ausgestattet mit lecker lecker Käse, Wurst und Oliven. Der Mann, der uns bediente, muss sich gedacht haben „Gringos locos!“, weil uns immer neue Leckereien ins Auge fielen, aber das konnten wir dann auch nicht mehr ändern. War eh zu spät für.

Heute abend gab es dann leckere Pfannenpizza mit Oliven, die ich gemacht habe. Lotte hat währenddessen das morgige Essen zubereitet: Es wird ein polnisches Gericht geben, Bigos, das Eintopf-ähnlich ist. Deswegen muss es auch so lange durchziehen. Eintopf eben. Denn dafür notwendigen Kasseler konnten wir übrigens zusammen mit dem Käse erwerben. Hoffentlich ist es tatsächlich Kasseler. Die wirklich wichtigen Dinge lernt man eben nicht in der Schule.

Auf dem Rückweg fanden wir übrigens etwas heraus, das den Titel dieses Eintrags rechtfertigt. Und zwar… man ist in Argentinien ja erst mit 21 volljährig und kann dementsprechend auch erst dann Auto fahren und mieten. Seit unserem Erlebnis am Wochenende (die Bilder hab ich schon fertig, nur fehlt es mir an Zeit, dieses Erlebnis angemessen schildern zu können) jedoch brennt es uns unter den Fingernägeln, einmal auf eigene Faust hier herumzugurken. Kurz entschlossen sind wir daher heute in einen Autoverleih reinspaziert, um uns mal zu informieren. Und siehe da: MAN KANN MIT IRGENDEINEM GÜLTIGEN FÜHRERSCHEIN AUTOS MIETEN! Wie geil ist das denn? Hallo? Wie abgefahren! Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kosten sind dafür sogar überschaubar. Wir werden uns die nächsten Tage noch näher informieren, aber allein dass uns die Möglichkeit offensteht, ist ja dermaßen derb. Vielleicht kann man meinen Enthusiasmus nachvollhziehen, wenn der nächste Eintrag kommt.

Einziges Problem wird jedoch der Stadtverkehr sein, denn wir uns zwar eigentlich nicht antun wollen (dafür ist das Geld nun auch wieder zu schade), um den wir allerdings nicht herumkommen werden. Folgende Fakten spielen dabei in meinen Überlegungen nach eine Rolle:

  • a) Lotte scheint nach eigenen Schilderungen beim Fahren immer die Hand an der Hupe zu haben, fügt sich also perfekt ein:
  • b) Argentinische Autofahrer fahren IMMER mit der Hand an der Hupe, alle anderen sind Ausländer, denn
  • c) Es wird nicht gebremst. Wer bremst, verliert. Mein behütetes Leben in Deutschland hat mich kaum darauf vorbereitet; ich hätte mich schon mehrmals selbst umgebracht, hätte Lotte mich nicht in letzter Sekunde an der Kapuze zurück auf den Bürgersteig gerissen. Gut, dass alle meine Pullover Kapuzen haben. Man fährt hier nicht so einen Bleifuß wie in Deutschland, aber wenn man fährt, dann fährt man. Das Fußgänger Vorfahrt haben, scheint eine deutsche Spezialität zu sein. Ich werd jedenfalls immer bös angehupt. Das nehm ich allerdings nicht persönlich, es wird auch angehupt, wer mitten auf der Straße parkt. Klingt komisch, ist aber so. Und zwar häufig 😉

Mehr dazu demnächst. Jetzt muss ich wirklich allerdringendst ins Bett. Ich verspreche schon gar nichts mehr, aber die Chancen stehen gut, dass wir morgen recht früh nach Hause gelangen. Dann räume ich erstmal auf. Danach versuche ich dann, meine laaaange Liste von „Things to do aufm Blog“ abzuarbeiten.

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Preisfrage #3

11 10 2009

Was in aller Welt…?

Fragwürdiges Objekt

Fragwürdiges Objekt

 

  • a) Ich habe Dünnschiss Diarrhöe
  • b) Der Versuch, meine Boxershorts auf der Gasheizung zu trocknen, muss als kläglich gescheitert betrachtet werden




Momentaufnahmen #4

10 10 2009

Ich sitz grad auf dem Parkplatz hier bei meinem Hotel weil der W-Lan-Empfang dort einfach besser ist (bzw überhaupt ist) und alles ist mucksmäuschenstill, die Blätter rascheln, nichts bewegt sich.

Auf einmal schallt es aus allen Apartments (außer meinem):

„Goooooooooooooool!!!!! Goooool!! Yeaaaaaah!“

Das Vorurteil, das Argentinier samt und sonders fußballverrückt sind, scheint sich zu bestätigen. Sogar die kleinen Kinder kreischen mit.








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