Mein Glaubensbekenntnis an die Zukunft

Was soll das sein? Ich glaube ich bin gerade an dem Punkt angekommen, an dem ich Umweltbildung nicht mehr klein reden will. So lange habe ich das was ich studiere abgetan. Aber es geht nicht um die Studieninhalte. Es geht darum was Umweltbildung für mich bedeutet.

Es geht um meine Leidenschaft. Ich möchte mich dazu bekennen. Ich glaube an die Zukunft, die noch besser werden kann als der momentane Zustand. Ich glaube daran, dass Bildung die Antwort ist.

An alle da draußen, die glauben das ist naiv und die Zukunft ist verloren: ich kämpfe bis zum Schluss. Ich weiß, dass ich nicht die Welt verändern kann. Aber ich kann mein unmittelbares Umfeld ändern. Wenn es mehr wie mich gibt, die ihr unmittelbares Umfeld ändern, dann ist es am Ende die Welt.

Ich möchte mehr darüber reden was mir wichtig ist. Ich möchte es niemandem aufzwingen. Aber ich möchte begeistern. Es ist schön an etwas zu glauben.

Und ich glaube an Bildung. Ich glaube daran, dass wir eine neue Art der Bildung brauchen. Keine Halbbildung, sondern eine ganzheitliche.

Ich glaube an Kopf, Hand und Herz. Alle sind wichtig. Ich glaube daran, dass es wichtig ist langfristig zu denken. Das ist sowieso der Punkt. Ich glaube wir müssen lernen das große Ganze zu sehen und dann wieder auf die kleinere Handlungsebene zurückfinden. Wir müssen Zusammenhänge verstehen um zu agieren.

Nicht jeder muss die Natur zu seiner Passion machen. Denn darum geht es ja: Umwelt ist nicht nur Ökokram. Umwelt ist alles! Soziales, politisches, ökonomisches. Alles hängt zusammen. Deshalb ist es ja so schwer zu verstehen und anzupacken. Aber kann es nicht auch leicht sein? Wenn alles zusammenhängt, dann ändert eine Sache so viel anderes.

Ich glaube an Kinder als unsere Zukunft. Umweltbildung sollte zu Allgemeinbildung gehören. Ich meine nicht „nur“: wie recycelt man richtig und welche Vogelarten gibt es. Das sind Basics, die selbstverständlich dazugehören. Das ist die Grundlage.

Es geht darum abstrakt zu denken, langfristige Prozesse und Zusammenhänge unseres Planeten zu verstehen. Nur dann können wir die Umwelt verstehen. Und in Harmonie mit ihr leben. Es geht nicht darum sie an uns anzupassen, sondern zu verstehen, dass wir Teil der Umwelt sind. Was wir nehmen müssen wir zurückgeben.

Es geht um einen gesellschaftlichen Wandel. Die ewige Debatte wo der Wandel anfangen muss: in der Politik, der Gesellschaft, der Wirtschaft. Wenn man erkennt, dass alles zusammenhängt, dann muss man nicht mehr darauf warten, dass „die anderen“ anfangen. Wir alle machen etwas. Wir beeinflussen uns gegenseitig. Auch wenn wir es uns nicht vorstellen können, heißt es nicht, dass Veränderung nicht möglich ist. Wir verändern und entwickeln uns in jeder Sekunde.

Für mich geht es darum einen Sinn im Leben zu haben. Ich sehe es als meine Aufgabe etwas für eine bessere Zukunft zu geben. Das erfüllt mich und macht mich glücklich mit Leidenschaft an etwas zu glauben.

Es geht um Bewusstsein. Bewusstsein für sich selbst und die eigene Umgebung. Wenn wir bewusster leben, dann fällt uns so viel mehr auf. Wir leben intensiver und glücklicher.

Alles hängt zusammen. Gesellschaft ist dynamisch, wir sind dynamisch. Wir sind ein offenes System, aber verschließen uns viel zu oft. Was steht uns im Weg? Bequemlichkeit. Die Lücke zwischen Wissen und Verhaltensänderung ist groß. Ich habe große Lust sie zu überwinden. In manchen Bereichen fällt mir das leicht, in anderen nicht. Aber es macht so großen Spaß vor neuen Herausforderungen zu stehen. Wenn man einmal die comfort zone verlassen hat, dann merkt man wie man selbst wächst. Wie stolz man auf sich ist. Es ist eine Sucht. Alle Bereiche sind betroffen. Jede Leidenschaft ist mitinbegriffen in dieses Netz. Das ist das, was uns alle verbindet und viel mehr noch verbinden sollte. Ein Netzwerk aus Menschen, auf das wir viel mehr setzen sollten. Man muss nichts alleine schaffen. Man darf es gemeinsam umsetzen.

Vielleicht ist das alles ein bisschen wirr. Für mich macht es sehr viel Sinn. Und das ist erst der Anfang. Meine Gedanken hier sind nicht die Antwort, nicht ansatzweise vollständig. Niemand versteht alle Zusammenhänge, deshalb müssen wir ja zusammenarbeiten. Es gibt nicht eine, sondern tausende von Lösungswegen. Wenn das keine Hoffnung gibt…

Das hier ist mein Standpunkt, der sich noch tausendmal ändern wird und differenzierter wird. Das hier ist geprägt von meinen Gefühlen und Hoffnungen, Motivation und Tatendrang.

Es geht hier ganz egoistisch darum mich für Dinge einzusetzen, die mir wichtig sind. Das ist ein Aufruf an alle sich für Dinge einzusetzen, darüber zu reden was euch wichtig ist und zu versuchen dementsprechend zu handeln! Ich lebe nicht energieneutral, ich streame Musik und Filme, ich esse Schokolade in Plastik verpackt. Und ich darf das. Und trotzdem darf ich darüber sprechen, wie die Welt meiner Meinung nach eine bessere wäre, denn wenn ich die Zusammenhänge verstehe, dann fällt es mir leichter mich zu ändern und ich darf immer noch Dinge beibehalten. Mit größerer Wertschätzung und Dankbarkeit. Niemand muss sich komplett auf einmal ändern. Wir dürfen Fehler machen, Rückfälle haben. Es ist ein dynamischer Prozess. Vor und auch wieder zurück. Wenn man einmal anfängt wird es immer leichter. Wechselwirkend reagieren wir aufeinander. Gesellschaft und Politik/Wirtschaft. Der individuelle Wandel scheint klein und unbedeutend. Aber wenn sich alle individuell wandeln, dann wandelt sich die Gesellschaft. Es ist viel schöner mit Hoffnung zu leben, als sie schon aufgegeben zu haben. So vieles ist möglich! Wir müssen mehr darüber sprechen uns zuhören und unterstützen mit unseren Ideen, offen sein für andere Perspektiven. Das ist hier nur mein Vorschlag. Ich möchte sehr gerne offen für andere sein 🙂

Wenn alle ein Bewusstsein für die Zusammenhänge entwickeln und danach handeln, dann verändern wir die Welt.

Don’t worry, be happy!

Die Überschrift, weise Worte meiner Pädagogik Professorin. Auf Pädaogik hatte ich nicht so richtig Lust, aber jetzt freue ich mich immer. Einfach nur wegen den witzigen Stories meiner Dozentin. Mit ihrem Akzent und ihren Sprüchen: „Colleagues, I always joke I wake you up.“, bereitet sie mir in den Onlinevorlesungen immer Lachtränen. Es ist alles ein bissschen chaotisch, aber trotzdem macht es Spaß. Unsere Aufgaben sind uns unsere Traumlernumgebung vorzustellen und Essays über verschiedene Themen zu schreiben. Macht mir großen Spaß. Bald besuchen wir eine Waldorfschule mit ihr. Ich freue mich schon darauf sie in echt kennenzulernen. Auch gestern hat sie wieder erzählt. Von ihrer 91-jährigen Nachbarin, die ihr manchmal Frühstück macht und vorbeibringt. Gestern gab es dann zusätzlich noch Pfannkuchen. SIe hat gemeint, wenn wir uns sehen, dann bringt sie mal welche mit. Klingt vielversprechend.

Was ist alles sonst so passiert in der letzten Zeit? Ich versuche dem Wetter zu trotzen und jeden Tag rauszugehen. Mich nicht von der Sonne abhängig zu machen. Zusammen mit Lina war ich auf einem Friedhof. Wir sind mit Wikipedias Hilfe hinter die Bedeutung der russisch orthodoxen Kreuze gekommen. Der untere schiefe Querbalken steht für die Entscheidung zwischen Himmel und Hölle. Ziemlich krass.

Ansonsten habe ich einen sehr schönen Markt entdeckt und mich mit himmlischen Oliven, eingelegten Pilzen und seltsam gelbem, süßlich schmeckenden Brot eingedeckt. Brot auf lettisch heißt übrigens maize (meise). Die Markthalle an diesem sonnigen Tag war lichtdurchflutet, ein richtig schöner Ort an dem man sich gerne aufhält. Die Sonne macht richtig gute Laune.

Lettisch finde ich ganz schön kompliziert, aber nach der 4. Stunde geht es jetzt schon ein wenig besser. Man weiß, dass man im Ausland studiert, wenn man mit einer Südkoreanerin auf Englisch kommuniziert um sich einen lettischen Dialog auszudenken und ein paar Worte auf Deutsch und Koreanisch austauscht. Ganz schön viel für den Kopf.

Am Mittwoch habe ich mich mit meinem von Erasmus bereitgestellten buddy Amanda getroffen. Es war richtig schön mit ihr. Wir sind am Fluss, der Daugava, entlanggelaufen und haben über Auslandserfahrungen geredet und wie das Gefühl ist, wenn man dann wieder zurück ist. Sie hat Erasmus in Mannheim gemacht und war noch sehr in der Sehnsucht drin. Das kann ich gut verstehen und so hat es großen Spaß gemacht mich mit ihr auszutauschen. Sie hat mir ganz viele Orte gesagt die ich besuchen soll und gezeigt wo am Sonntag ein Benefizkonzert für die Ukraine stattfindet. Am Sonntag jährt sich der Kriegsbeginn. Wir haben über Politik gesprochen. Ich finde es wirklich krass, wie die sowieso schon sehr individualistische Gesellschaft hier aus zwei Seiten besteht, der russischen und der lettischen, die im gleichen Land, aber zwei verschiedenen Welten leben. Russische und lettische Schulen, Läden, usw.

Am Donnerstag gab es eine Veranstaltung von Erasmus. Lettischer traditioneller Tanz. In einem wunderschönen Gebäude. Die Decken und die Wände erst… Ein Traum! Ich habe Melanie aus Pädagogik getroffen und wir haben gemerkt, dass wir beide sehr gerne ins Museum gehen. Und Kuchen essen. Ab jetzt machen wir das zusammen. Sie wohnt mit ihrer Katze auf der anderen Flussseite und studiert Kulturmanagement. Sehr cool.

Die Tänze haben auch großen Spaß gemacht. Da es draußen Minusgrade hat, hatte ich eine Strumpfhose und Wollsocken an. Nach dem ersten Tanz habe ich das schon sehr bereut. Eine Band mit Mitgliedern von 20 bis 80 Jahren, hat uns mit Musik begleitet, während wir herumgehüpft sind, uns im Kreis gedreht und in die Hände geklatscht haben. Lettischer Gesang klingt total schön und die Tänze haben mich ein bisschen an die Kindheit erinnert. Ich wünschte so etwas hätten wir in Deutschland. Nach dem Tanzen haben wir noch ein bisschen der Band zugehört. Ich hatte Gänsehaut, es war so wunderschön.

Freitags habe ich es dann endlich zu meinem georgischen Imbiss geschafft. War ganz schön viel Käse. Für eine Möchtegern-Veganerin ein bisschen zu viel. Aber trotzdem lecker. Es war schön in dieser kleinen Plastikbox, in der der Imbiss ist, zu sitzen und die Menschen draußen zu beobachten.

Für den Abend habe ich mir eine Konzertkarte der Kunstakademie besorgt. Mit einer Person, die ich davor nicht kannte. Entpuppt hat er sich als tschechischer Philosophiestudent im Ledermantel, mit der gleichen Frisur wie ich. Wenn das kein Zeichen ist. Wir sind zusammen im Regen und mit meinem ersten lettischen Bier zur Kunstakademie gelaufen. Carnevale stand überall. Wir sind nicht drauf gekommen, dass alle verkleidet sein könnten. So sind wir auch herausgestochen. Allerdings waren es keine deutschen Faschingskostüme, wobei zwei Frauen im Dirndl sind auch an mir vorbeigelaufen, aber keine trash Kostüme. Viel schwarz-weiß und selbstgemacht. Imposante Kopfschmuck Kreationen, viele Lichterketten. Ich habe ein Konzert mit einer Bühne erwartet und etwa 100 Menschen.

Die lettische Kunstakademie

Als wir dann ins Gebäude eingetreten sind habe ich große Augen bekommen. Über drei Etagen gab es zahlreiche verschiedene Räume, so kunstvoll dekoriert, dass es bestimmt mehrere Tage gedauert haben muss alles herzurichten. Ich habe mein Grinsen den ganzen Abend nicht aus dem Gesicht bekommen so aufgeregt und glücklich war ich. Schon allein für diesen Abend hat es sich gelohnt nach Riga zu kommen. Wir haben uns sofort auf Entdeckungstour gemacht. Da war ein Raum, eine frühere Kirche, in der eine Rockband gespielt hat.

Ein anderer Raum war mit weißem Schaumstoff ausgekleidet.

Eine Gruppe Trommler ist herumgelaufen. Aber nicht die traumatischen Musikkappellen Trommeln aus Weingarten, wegen denen ich das Land verlassen habe, nein es war richtig cool. Überall Kunst. Jeder Raum ein neues Universum, eine Neue Musik auf die man sich eingelassen hat. Hunderte von Menschen.  Aufblasbare Orcas und rotes Licht in einem Raum, Nadelbäume ohne Nadeln im Gang.

Lettischer Rap, eine Jazzband mit einem Gitarristen im Taucheranzug, ein Techno dance floor, draußen Foodtrucks, Studierende und sehr alte Dozierende auf einem Fleck und wir mitten drin. Eine Wand auf die man seine Wünsche aufschreiben konnte und danach in einen Socken auf einer anderen Wand stopfen sollte. Dann waren wir plötzlich in ein Reinigungsritual verwickelt. Ich habe eine Rassel aufgehoben und Venca eine Flöte, während die Perfomancer mit ihren Händen ein Bild aus Kohle gemalt haben. Danach haben wir uns ein bisschen „verkleidet“. Venca hatte die Idee, dass wir uns ja die Kohle ins Gesicht schmieren könnten. Ab da sahen wir sehr wild aus. Im verlaufe des Abends habe ich noch eine indigene Pappkrone auf dem Boden gefunden. Wir haben getanzt und getanzt. So frei habe ich mich noch nie gefühlt beim Tanzen. Es hat sich so angefühlt, als ob ich genau dort sein sollte in diesem Moment. Kurze angetrunkene Unterhaltung mit einer Halb-Lettin Halb-Estin, die mir gesagt hat mein Name heißt Fisch auf Estisch. Nachdem wir geklärt hatten, dass ich nicht Kala, sonder KaRla heiße, haben wir uns umarmt und sie meinte ich solle mal nach Estland gehen. Aye! Gegen 3 Uhr sind wir dann nach Hause gegangen. Bis 6 Uhr morgens war das ganze angedacht, aber ich war so müde und zufrieden nach meiner Schale Pommes und bin mit voller Vorfreude auf mein Bett durch die Straßen gelaufen.

Den Samstag habe ich gemütlich brunchend und lesend in einem Café in meiner Straße verbracht. Es heißt Gauja, wie ein Fluss zu dem ich jetzt unbedingt einen Ausflug machen will, weil es so schön ist in dem Café. Da das Wetter hier wohl noch eine Weile kalt und regnerisch sein wird kann ich nicht alles was ich machen will auf gutes Wetter verschieben. Deshalb muss ich mich wohl oder übel auch bei schlechtem Wetter auf Entdeckungsreise begeben. Aber was ist schon schlechtes Wetter?

Nach dem Café wollte ich noch ein bisschen den Regen genießen. Ich laufe also gerade aus. Halte nur für Ampeln an und will sehen wann die Straße aufhört. Es macht Spaß genau das zu machen was ich will, mich mit niemandem absprechen zu müssen und Zeit mit mir selbst zu verbringen. Wenn ich so durch die Straßen laufe fühle ich mich immer so, als ob ich auf Schatzsuche bin nach coolen Events, Cafés, Dingen die ich finde.

Am Sonntag war ich mit Melanie im nationalen Kunstmuseum. Allein das Gebäude ist den Eintritt wert. Wow!

So viele Gemälde, Skulpturen, Bilder und gleichzeitig Geschichte über das Land. Es war wieder so, dass ich ganz in einer anderen Welt verschwunden bin. Es waren wirklich schöne Gemälde dabei. Danach waren wir Kuchen essen und haben uns über Kultur und Geschichte in Lettland, Frankreich und Deutschland unterhalten. Sehr spannend.

Putzen muss natürlich auch mal sein. Nachdem Bruno letzte Woche zurück nach Deutschland gefahren ist, sind Joseph und ich jetzt alleine in der WG. Bei unserer Putzsession haben wir gescherzt, dass wenn das Gebäude ein Palast wäre, dann wären unsere Zimmer mit den niedrigen Decken definitiv die Ställe. Wir haben beide ein eigenes Zimmer in dem unsere Wäsche zum trocknen hängt. Die Wäschezimmer sind luxuriöser als unsere. Meinen Arbeitsplatz habe ich in das Zimmer neben den WLAN Router verlegt und dann haben wir noch ein Wohnzimmer. Ganz schön dekadent.

Die letzten beiden Tage war ich ziemlich erkältet. War vielleicht doch ein bisschen viel Kälte und Regen und Alkohol und lange wach sein. Fand mein Immunsystem noch nie so cool wie ich. Meinen Estland Trip habe ich kurzerhand sausen lassen. Bin aber gerade schon wieder am planen und träumen. Es ist so wichtig diese kurzzeit Pläne zu haben.

Vorhin war die Sonne da. Klar, dass ich da raus musste. Ich bin mit dem Bus zum Mežapark gefahren. Einem riesigen Waldpark mit Zoo, gigantischem, zugefrorenen See und riesiger Freiluftbühne auf der im Sommer Festivals stattfinden. Meine Finger und Zehen waren nach den ersten Minuten draußen total gefroren und sind es immernoch, aber mein Gesicht immer der Sonne nach, ist teilweise ein bisschen aufgetaut. Der Sand am See war gefroren, der komplette Boden glatt. Beim fast ausrutschen habe ich einen Bauchmuskel gespürt von dessen Existenz ich gar nichts wusste. Die Sonne hat mich so glücklich gemacht!

So sieht es aus wenn man die Treppen der Freilichtbühne hochgelaufen ist

Morgen habe ich zum ersten Mal eine Vorlesung in der Fakultät. Ich finde es so geütlich in meinem Zimmer und will gar nicht in der Dunkelheit und Kälte morgen früh da hinfahren. Aber ist natürlich trotzdem viel besser als online Uni. Bin sehr gespannt auf die Veranstaltung in Präsenz.

Jetzt muss ich meine Finger und Zehen wieder warm kriegen!

Labdien!

Neue Eindrücke, Bewusst Sein in Latvija

Saying goodbye with an open heart, letting go full of joy

Die letzten Tage in Weingarten. Sentimentale WG Momente in einer Konstellation, die es in Zukunft nicht mehr geben wird. Die letzte Prüfung, packen. So viele Abschiede. Ich realisiere es gar nicht richtig. Gefangen zwischen zwei Leben. Vorfreude auf das Unbekannte, Sehnsucht nach dem Bekannten.

Gestrandet im Schnee

Zum ersten Mal Flixtrain fahren. Das ist ja das komplette Gegenteil der DB. Ständig sind wir zu früh am nächsten Stop. Mit einem riesigen Fladenbrot eindecken. Zug nach Warschau. Erinnerungen an die letzte Reise nach Polen. Gut 10 Jahre her und in der brühenden Hitze. Kostenlose Getränke werden auch im Winter verteilt. Ich schaue den polnischen Sinnenuntergang an und lese fast ein komplettes Buch auf der Fahrt. Nur noch einen Umstieg muss ich schaffen. Das geht fit, denke ich. Ein bisschen zu vorschnell. 40 km vor Warschau kommt der Zug zum Stehen und fährt auch nicht mehr weiter. Meine polnischen Mitfahrer übersetzen mir die Durchsage: alle aussteigen. WIr steigen also aus, in die Kälte, den Schnee. Was nun? Auf den nächsten Zug warten. Zum Glück nur 10 min. Und dann mit dem Regio nach Warschau rein. Ein Mann erklärt mir den Weg zum Busbahnhof und macht mir Mut den Umstieg rechtzeitig zu schaffen. Und tatsächlich, ich habe sogar noch Zeit am Busbahnhof umherzuirren und den richtigen Bus zu finden. Die letzte Etappe. Niemand sitzt neben mir. Sehr praktisch wenn man nicht so groß ist. In Embryonalstellung kann ich sehr gut auf zwei sitzen schlafen. Zwischendurch wache ich einmal auf. Litauen. Das erste was ich sehe sind riesige, klobige Bauten und extrem große Bildschirme. Total fremd. Wir biegen um die nächste Ecke und dort stehen riesige Kreuze am Straßenrand. Mich überrascht nichts. Ich schlafe nochmal ein und werde wach, weil es so hell ist. Weite Ebenen voll Schnee. Gleich sind wir in Lettland. Latvija klingt viel schöner. Schon seit Berlin sehe ich viele Birken und Kiefern. Die ziehen sich hoch bis nach Latvija. Die Menschen, die vorne am Panoramafenster waren sind schon ausgestiegen. Also beschließe ich dort meinen Frühstücksplatz einzurichten.

Aussicht auf so eine Weite. Wälder, am Straßenrand Holzhäuser, die so zerbrechlich aussehen, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass es darin warm ist. Neben uns ein LKW. Was für ein wundervoller Anblick dort ins Fahrerhäuschen zu schauen und zu sehen, wie der Fahrer in sein Wurschtweckle beißt. Wir nähern uns Riga. Nach 29h Fahrt steige ich aus dem Bus. Es ist krass was möglich ist, wenn man sich darauf einstellt. Sobald es weniger als 24h waren dachte ich mir: easy.

Erstes Anzeichen für Riga

Riiiiiga

Am anstrengendsten ist es jetzt sich ein Busticket zu besorgen. Doch auch das schaffe ich. Ich fahre vorbei an der Merkela iela und als ich aussteige werde ich direkt vom ersten Second Hand Laden gegrüßt. Ankommen, Zähne putzen. Herrlich! Die Vermieterin zeigt mir zuerst das falsche Zimmer. Nachdem ich mich dort eingerichtet und erfolgreich im Hinterhof eingeschlossen habe, ziehe ich nochmal um. In das richtige Zimmer. Deckenhöhe etwas höher als ich. Viel Spaß an alle, die mich besuchen kommen. Aber wir haben ein paar leere Zimmer mit hohen Decken, keine Sorge! Vorteil an der niedrigen Decke: es fühlt sich an wie in einem Geheimversteck zu wohnen. Und: nach den ersten Tagen wird es tatsächlich ein bisschen warm im Zimmer!

Bruno, mein Mitbewohner weist mich ein in die Welt der Second Hand Läden und warnt mich vor den vielen Verführungen. Klar, dass ich gleich losziehe. Kann mich am ersten Tag aber noch zurückhalten. Abends essen wir drei WG Mitglieder Bruno, Joseph und ich Pelmeni und spielen UNO. Ich freue mich so auf mein Bett.

Süddeutschlandversammlung in Riiiiga

Was darf in keiner Stadt fehlen? Eine free walking tour. Nachdem ich mir ein Monatsticket für die Öffis besorgt habe nehme ich gleich an einer Teil. Wer auch? Na klar, eine Studentin aus Weingarten. Zufälle gibts… Wir lernen wie sehr Riga von Deutschaldn geprägt, ja sogar von einem Deutschen gegründet wurde. Rote Backsteinkirchen sind die Überbleibsel. Wenn über einem Vokal ein Strich ist, dann bedeutet das, dass man ihn in die Länge zieht. Riiiiiiga. Richtig schön. Auch hier wird mein Name mit einem rollenden R ausgesprochen. Das klingt toll! Die Bremer Stadtmusikanten schauen hier durch den eisernen Vorhang nach Westen, Partnerstadt Bremen.

1989 gab es eine Menschenkette durch Estland, Lettland und Litauen als stillen Protest gegen Russland. Dieses Ereignis wurde vom Berliner Mauerfall verschluckt. Auf den Straßen hört man sehr viel Russisch. Jede zweite Person ist Russisch. Vor dem 2. Weltkrieg war Latvija sehr Wohlhabend, gebildet und immernoch die größte Stadt im Baltikum. Dann mussten viele gebürtige Deutsche zurück nach Deutschland, zahlreiche Menschen wurden deportiert und in den vergangenen Jahren verlassen immer mehr Menschen das wirtschaftsschwache Land. Mal sehen wie sich das ganze in der Zukunft entwickelt. Der Februar ist der kälteste Monat. Aber ich erfahre, dass man hier im Moment den Klimawandel deutlich spüren kann. Und zwar an den Winden. Eigentlich sollten es Nordostwinde sein, die die Kälte bringen. Im Moment gibt es aber Südwestwinde, die es „wärmer“ machen. Ein bisschen wärmer ist es tatsächlich geworden in den letzten Tagen. Ich habe aber auch aufgehört gegen die Kälte anzukämpfen. Wenn man sie hinnimmt, dann kann man ganz gut mit ihr leben. Es ist auch nicht wirklich kälter als in Deutschland. Nur die Luftfeuchtigkeit ist viel höher, weshalb es sich kälter anfühlt.

Das Freiheitsdenkmal von Riga

DIe Dunkelheit macht mir zu schaffen. Ich bin sehr müde. Am Freitag habe ich zum ersten Mal die Sonne gesehen! Man hat das was an meiner Stimmung geändert.

Unimäßig ist alles noch sehr chaotisch. Vorlesungen 5 einhalb Stunden!!! Und eine richtige Routine habe ich noch nicht. Aber es macht großen Spaß die Stadt zu erkunden. Ich war in einem sehr süßen Kino. Lettischer Film mit Untertitel. Ich will unbedingt lettisch lernen. Morgen gehts los. Der Film, vorallem die Kälte im Film hat mich sehr beeindruckt. Die Alberta iela habe ich auch schon erkundet. Prachtvolle Bauten im Jugendstil. Riga hat die höchste Jugendstildichte in Europa oder so.

Und einen georgischen Imbiss habe ich entdeckt. Jetzt muss ich nur noch herausfinden wann der geöffnet hat.

In der WG über mir war ich jetzt auch schon. Süddeutschland die zweite und dritte. Zwei Studentinnen aus Konstanz. Zu Besuch Cathy aus Luxemburg, die in Friedrichshafen studiert. Das ist ja wie zuhause! Wir haben trotzdem auf Englisch geredet, wegen einem spanischen Mitbewohner. Die ehemaligen Mitbewohner hatten auch eine starke Secondhand Sucht und haben einiges an Kleidern dagelassen. Das habe ich gleich alles durchstöbert und ein paar tolle Sachen abgegriffen.

Am Freitag habe ich mich verabredet um auf den Markt, in die Markthallen zu gehen. Kurz auschecken, wo wir uns treffen und herausfinden, dass wir im gleichen Haus wohnen! Riga ist ja fast ein Dorf. Oder alle Deutschen wohnen an einem Fleck. Also war ich mit Marius, Marek, den ich auch schon am Tag vorher kennengelernt habe und Marcel auf dem Markt und danach in secondhand Läden unterwegs. In einem Secondhand Laden habe ich eine stumme Unterhaltung mit einer Frau, die mir einen Neonpinken Pullunder vor die Brust hält und ihn mir anbietet. Sehr nett, dass sie anscheinend denkt der würde mir stehen, aber ist nicht so ganz mein Ding. Ich bedanke mich trotzdem. Marek und Bruno sind kulturweit Freiwillige, gleich eine Gemeinsamkeit. Zusammen mit Lina aus Konstanz habe ich mich spontan angeschlossen ins Schokoladenmuseum von Laima zu gehen. Wir haben flüssige Schokolade zu trinken bekommen und mehr über die Geschichte von Laima erfahren. Danach haben wir Cabo, oder Cambio gespielt. Typisches kulturweit Spiel. Ich habe mich in mein Zimmer zurückgezogen um ein paar Sachen für die Uni zu machen. Lange war ich aber nicht allein. Marek, Bruno und Marius haben sich kurzerhand zu mir gesetzt und wir haben zusammen Pläne geschmiedet und Quatsch geredet. Nochmal abends ins Kino. Diesmal auf Englisch mit lettischem Untertitel. Dann habe ich nochmal eine neue Hose von Bruno bekommen. Ich glaube ich muss gar nicht selbst einkaufen gehen. Eine sehr schöne Zeit zusammen mit meinen HausbewohnerInnen.

Offenheit und Spontanität

Am Samstag habe ich mir vorgenommen ans Meer zu fahren. Regenschauer als ich aufgewacht bin. Egal. Ab zum Bahnhof. Natürlich knapp den Zug verpasst. Die Zeit habe ich genutzt um Stalins Geburtstagstorte, ein Gebäude, dass dem Empire State building ähnlich sieht, von nahem zu betrachten.

Wieso ist es eigentlich so, dass man in jedem Land Tickets im Zug kaufen kann nur in Deutschland nicht?

In Majori bin ich ausgestiegen und voller Vorfreude im Nieselregen ans Meer gelaufen. Oh wie schön und kalt und frei! Am Strand entlang. Typischer Tourikurort. Im Winter wunderschön trostlos. Im Sommer suche ich mir wohl einen naturbelasseneren Strand. Die hässliche Fußgängerzone entlang, tolle russische Kirche und süße Holzhäuser. Vor einem grünen bleibe ich stehen. Kaue auf meinem Marmeladenbrot und überlege. Meine Haare nerven mich total. Ich will unbedingt zum Friseur und hier stehe ich nunmal vor einem. Soll ich es einfach machen? Ich beschließe, dass heute der Tag der Intuition und des Gefühls ist und betrete den Laden. Haishop, lauter Shampooflaschen. Zwei Frauen, ein wenig Russisch und Englisch im Mix. Ich werde nach oben begleitet. Friseursalon. Ich soll später wiederkommen. Ich frage ob ich dort warten kann. Schon ziemlich kalt darußen. Ich mache es mir auf einem geblümten Sofa bequem und bekomme ein Frisurenbuch aus dem letzten Jahrtausend in die Hand gedrückt um mir eine Frisur herauszusuchen. Ich nutze die Zeit lieber um Tagebuch zu schreiben. Dann bin ich an der Reihe. Ich zeige an wie kurz ich meine Haare abgeschnitten haben möchte. Erster Schnitt: „oh wow beautiful“. Kommentar der Friseurin. Ich fühle mich geborgen und entspannt. Im Hintergrund tudeln zwei verschiedene Radiosender. Die Sonne kommt heraus und wärmt mich. Paldies, danke für die neue Frisur. Noch ein bisschen Mousse hier und Spray da. Ich verlasse diese andere Welt, rieche aber noch den ganzen Tag danach. Die Sonne ist da! Ich muss nochmal zum Strand. Überall Pfützen, aber ich bin so glücklich und singe die ganze Zeit. Es ist schön Zeit alleine zu verbringen und endlich mal wieder zur Ruhe zu kommen. Die ganzen Reize der letzten Tage zu verarbeiten. Der Regen ist zwar weg, aber der Wind ist so stark und wechselt ständig die Richtung. Ich werde hin und hergeschubst und torkele am Strand entlang. Den Zug sehe ich gerade noch davon fahren. Ein bisschen dehnen und ein paar Sprachnachrichten anhören. Auf den Fluss schauen. Dann ist auch schon der nächste Zug da.

Triathlon ala Karla

Gestern, am Sonntag holt mich morgens Liga (Liiiiga) ab. Ich bin einer Gruppe zum Wandern beigetreten. Wir fahren eine Stunde lang raus aus Riga. Richtung Nordosten. Elche eingezäunt, kleine Dörfer. Unterwegs holen wir noch Renate ab. Insgesamt sind wir zu sechst. Es ist spannend mit fremden zu wandern. Ich merke, wie sich mein Bild von den 5 auf der Wanderung immer wieder verändert, je nachdem welche Informationen ich bekomme. Generell war ich mit einer Gruppe berufstätiger Mittvierziger Teilzeit PsychologiestudentInnen unterwegs. Sehr spannend. Die verschiedenen Charaktere zeichnen sich immer deutlicher ab. Mein Bild nach der Wanderung:

Liga: Sieht aus wie meine Tante Irina. Erst schüchtern, dann sehr witzig. Wohnt am Meer, hat Söhne. Ist ein bisschen chaotisch, sehr hilfsbereit.

Renate: die coole, elegante, stille Renate. Findet immer den trittsichersten Weg, redet nicht viel, ist selbstbewusst und strahlt unglaublich viel Gelassneheit aus.

Rihards: einen Rucksack voller Energydrinks und Schwarztee voll. Schwerer als mein Rucksack, den ich mit nach Latvija genommen habe. Ist unmenschlich schnell, wie eine Gazelle. Sehr viel Humor, ein lautes Organ und weiß so tendenziell alles. Ein Lexikon auf zwei Beinen.

Anda: sehr still, läuft immer hinten und passt auf, dass ich nicht ausversehen einen Abhang hinunterrutsche. Sehr fürsorglich.

Jana: Deutsch- und Englischlehrerin, hat zusammen mit Anda 6 Söhne. Jetzt studieren die beiden noch nebenher Psychologie. Meinen Respekt. Sie ist ein wenig pessimistisch, aber auch sehr witzig. Natürlich hat auch sie eine Freundin am Bodensee die sie öfter besuchen.

16 km, wobe wir für die ersten 4 circa die Hälfte der Zeit brauchten, sind wir durch den Schnee gelaufen. Oder besser gesagt, die 5 sind gelaufen. Nicht, dass ich Vorurteile oder so hatte, aber ich war doch sehr beeindruckt, dass die 5 so schnell und trittsicher unterwegs waren. Niemand ist hingefallen. Das habe ich dafür ausgeglichen. Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich den Boden aus dem Liegen betrachtet habe. Meine Docs sind im Sommer sehr gute Wanderschuhe, aber auf Eis ist es dann doch schwieriger. Ich bin sehr verwundert, dass ich mich nicht verletzt habe. Wie ein tollpatschig, frischgeborenes Rehkitz habe ich einen neuen Triathlon entwickelt. Bestehend aus Klettern auf allen vieren, laufen und die meiste Zeit Poporutschen. Oder auch auf einem Fuß, das andere Bein gestreckt. Hat sehr viel Spaß gemacht, aber es war auch ziemlich anstrengend immer wieder rauf und runter. Gefroren habe ich nicht, obwohl wir den ganzen Tag draußen waren.

Into the wild

Die Landschaft ein Traum. Rote Klippen an zugefrorenen Flüssen mit Kiefern on top. Das habe ich mir gar nicht so vorgestellt. Wasserplätschern, Stille. Das Geräusch unserer Schritte auf dem Schnee, im Schnee. Die unterschiedlichen Schnee Konsistenzen. Ausgelassene Tänze auf Eisflächen. Lachanfälle mit 40-jährigen Letten. Wie schön, es kommt nur darauf an wie offen man gegenüber neuen Situationen ist.

Walking on water

Mein Highlight: auf einem zugefrorenen Fluss laufen. So cool! Spuren von Elchen sehen und von einer großen Raubkatze. Ein paar Geocaching Funde unterwegs. Ein paar Gespräche über die Kinder. Jana wollte mir schon ihren Sohn schmackhaft machen. Irgendwann waren meine Schuhe dann am Ende. Durchgeweicht, schrumpelige Zehen. Trotzdem noch nicht kalt. Doch es war dann doch ganz schön wieder an den Autos anzukommen.

Auf der Rückfahrt geröstete Nüsse, lettische Msuik, AnnenMayKantereit und Sonnenuntergang. Der Tag hat mich echt geschlaucht. Überall Muskelkater. Aber eine wundervolle Erfahrung. Beim Laufen ganz inspiriert geworden für die nächste Zeit. Es gibt so viel was ich machen will. Ein bisschen stresst mich die Uni. Will natürlich alle Prüfungen bestehen. Habe jetzt schon meinen Wortschatz erweitert, aber muss mich noch ein wenig einfinden.

In der Stadt finde ich mich ganz gut zurecht. Ist aufgebaut wie ein Schachbrett. Ich wohne sehr zentral. Sehr cool, aber mich zieht es doch raus aus der Stadt. Ich höre gerne den Möwen zu und schaue morgens aus meinem Fenster auf die Straße.

Es ist interessant, wie schnell man sich an einen neuen Ort gewöhnen kann. Ich nehme Sachen hin, weil sie auf Zeit sind. Nicht perfekt, aber okay. Ich freue mich, dass die Tage länger und heller werden.

Ich freue mich auf den Sommer. Aber dieser Winter ist auch sehr schön!

 

Der längste Sommer

Es fühlt sich an wie ein Endspurt. Ich denke an nach der Reise und gleichzeitig bin ich jetzt zum ersten Mal auf dieser Reise tiefenentspannt. Ich beginne den Anfang der Reise, Kroatien mit Lisa, zu verarbeiten. Es fühlt sich an wie ein anderes Leben.

Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland liegen nun hinter mir.

Im Moment sitze ich im Bus nach Sofia София. Oh es ist so schön bulgarisch zu hören! Ich bin aufgeregt! Habe auch ein bisschen Angst. Seltsam, dass es nun über ein Jahr her ist, dass ich dort war. Es wird anders sein. Ich als Touristin. Die Leute, die Bulgarien für mich ausmachen sind nicht mit mir dort. Homecoming.

Die letzten Tage in Griechenland haben gut getan. Langsam merkt man, dass der Herbst kommt. Ich freue mich aufs Reisen in langer Hose und Pulli. Die Sonne knallt noch ganz schön. Auf einem süßen Campingplatz in Nea Kallikrateia haben wir die letzten Tage nochmal Landluft und Natur getankt. Sehr windig. Unfassbar elektrisierend balues Wasser und abends ein orangener Himmel. Die schönsten Komplementärfarben. Dazu am Horizont Berge. Die Silhouette sieht so 2D aus. Ich kann mich nicht satt sehen. Diese Farben!

Frühstück am Meer, laufen, baden, dösen. Sehr aufregend: die Saison ist vorbei, aber nicht für circa 20 französische Rentnerpaare, die nach und nach in ihrdn riesigen Wohnmobilen auf den Campingplatz eingerollt sind. War das ein Ereignis! Sehr spannend. Schnell habe ich meine Französischkenntnisse ausgepackt und nach Olivenöl gefragt. Die Gaskartusche ist magisch! So leer, kochen mit Adrenalin, aber es reicht immer wieder für noch eine Mahlzeit.

An der Küste wandern, baden, schlechtes Eis essen, gutes Olivenöl getoastetes Brot am Abend. Sehr liebe Campingplatzbesitzer. Sehr viel Karten spielen. Tolle erholsame Zeit dort. Ich liebe auch türkische/französische Toiletten. So hygienisch. Und ich habe gemerkt, eine Position in der ich sehr gut nachdenken kann.

Heute morgen sind wir wieder zurück nach Thessaloniki gefahren. Und jetzt Sofia!

Cut

Bis hier habe ich vor einer Woche geschrieben. Seitdem ist schon wieder so viel passiert.

Nach Hause kommen nach Bulgaruen. In Sofia vor dem NDK chillen, dem nationalen Kulturpalast. Ganz viel secind hand shoppen. Auf den Vitosha wandern, essen. Natürlich Shopska.

Wir haben bei den neuen Freiwilligen gewohnt, in einer Wohnung in der ich schonmal war. Es war eisig kalt in Sofia und wir haben viel gefroren. Aber meine Liebe zur Blockarchitektur wurde wieder neu entfacht.

Dann sind wir zum ersten Mal mit dem Nachtzug gefahren. Nach Istanbul! Sehr gemütlich haben wir uns eingerichtet und die Känguru Chroniken gehört während wir aus unserer Verpflegungstasche, die für eine ganze Woche gereicht hätte, genascht haben. Im Schlafwagen mit uns zwei Australier auf ihrer Selbstfindungsreise in Europa. Haben ein paar Witze darüber gemacht. Grenzkontrolle mitten in der Nacht. Viel Verspätung. In den Morgenstunden dann setzte die Akzeptanz ein, dass unser Anschlusszug nach Kappadokien weg ist. Da wollten wir nämlich eigentlich hin. Nachdem wir am Bahnhof dann herausgsfunden hatten, dass der Zug, der nur einmal am Tag kommt die nächsten Tage ausgdbucht ist, haben wir uns abgefunden mit der Idee in Istanbul zu bleiben.

Was für eine Stadt! Auch beim 2. Besuch. War schön sich schon ein bisschen orientieren zu können. Von einem Café in Asien aus ein Hostel auf der europäischen Seite gebucht. Ein paar Moscheen angeschaut, auf den Basaren gestöbert. Von den Unmengen an Konsumgütern erschlagen werden. So viel leckeres Essen!

Die Stadt hat uns verschlungen und wir die Stadt. Wenn wir länger dageblieben wären, dann hätten wir wohl entweder Diabetes bekommen oder wir wären von einem Rollerfahrer überfahren worden. Bäckereien können sie. Sich an die StVO halten, eher nicht. Wir sind laut Franzis Schritteapp 93 Stockwerke an einem Tag hochgelaufen. Ja, die Stadt ist hügelig. So viele Stufen.

Zwei sehr gute Free walking Touren haben wir gemacht und viel neues erfahren. Ich habe Fabia vom Erasmus Youth exchange wieder getroffen.

Vergleiche mit letztem Jahr Istanbul. Viel mehr Menschen, aber eine viel angenehmere Temperatur um zu reisen.

Franzi wurde von einem Rollstuhlfahrer angefahren, wohl der witzigste Moment auf dieser Reise. Wir haben unzählige Cays getrunken, Bäckereien getestet.

Meine Top Reisetipps für Istanbul:

1. Eine free walking tour machen bei      Haktan Tursun

2. In einem Restaurant der Stadtbszirke essen gehen, z. B. durch „Beltur“ gekennzeichnet, billig und authentisch

3. Hamam auf der asiatischen Seite machen (sehr viel billiger und authentischer?

4. Generell die asiatische Seite

5. In die Borusan Kunstaustellung gehen (kostenlos)

6. Reispudding Sütlac essen

7. Auf die Prinzeninsel Adalar fahren und zum Kloster laufen und von dort die Aussicht genießen

Die ganze Zeit musste man aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Wir waren sehr erschlagen von all den Eindrücken, aber es war so interessant. Die ganzen Kontraste zu sehen und Menschen zu beobachten.

Wir hatten Pechtage und Glücktage. 6 Tage Istanbul gut genutzt. Wir wurden von der Borusan Kunstaustellung geflasht. Das Beste war das Essen. Und in den Straßen abseits der Menschenmassen die zahlreichen ruhigen Ecken entdecken.

Es fiel uns echt ein bisschen schwer die Stadt wieder zu verlassen. Nach einem tiefenentspannten Hamamerlebnis und einer letzten Fährfahrt auf dem Bosporus bei der ich die Spiegelung der Sonne in der Fensterfront der Hochhäuser betrachten konnte und die Schiffe, die irgendwie total die Melancholie ausstrahlen. Ein gelungener Abschluss.

Das Meer wirkt schon rau und winterlich mit seinen zahlreichen kühlen Blautönen.

Trotzdem haben wir die Sonne noch sehr genossen. Und ich will wieder nach Istanbul! Die Stadt hat es mir wirklich angetan. So lebhaft, auch sehr ungerecht wenn ich sehe, wie manche Menschen jeden Tag so hart arbeiten. Das setzt mir schon auch zu.

Die Ignoranz der Menschen, die ihren Müll einfach an Ort und Stelle auf den Boden werfen. Dekadent!

Alles für ein gutes Bild! Zerstören die Menschen die Einrichtung der Agia Sofia. Ein Stück Holz aus der Tür essen, usw. Man glaubt es kaum…

Gestern Abend nahmen wir den Nachtzug zurück nach Sofia. Zahlreiche Passkontrollen (die ganze Zeit hat jemand geklopft und dann eine Sekunde lang auf unseren Pass geschaut. Keine Ahnung wer), und sehr viel Verspätung, außerdem wurde uns ohne Bescheid zu sagen ein 1. Klasse Abteil mit Minikühlschrank und Waschbecken angedreht. Nachts dann noch ein Käse-Tomaten-Toast aus dem free duty shop. Coole Atmosphäre. Heute haben wir den Tag am Busbahnhof verbracht und auf den Bus nach Belgrad gewartet. Auch ziemlich schwer nach und raus aus Serbien zu kommen. Zumindest mit dem Zug wird das wohl ein kleines Abenteuer. Wir fahren Richtung Deutschland und sobald man sich darauf einstellt will man dann auch irgendwie nach Hause. Trotzdem, Belgrad war einer meiner Hauptreiseziele für diesen Sommer. Ein wirklich langer Sommer. Meine Haare wurden immer blonder, meine Beine immer brauner, meine Füße und Klamotten immer dreckiger, meine Gelassenheit immer größer, genau wie meine Akzeptanz und Geduld. Nun werde ich langsam wieder ungeduldiger. Mein Hygieneanspruch steigt je näher ich Deutschland komme. Wie wir von Belgrad weiterfahren steht noch nicht fest. Franzi ist erkältet, aber wir machen das Beste draus. Schützen uns mit vielen Schichten gegen den Herbst. Sind süchtig nach free walking touren, Farben der Natur, gutem Essen. In jedem Land Blätterteig und Feta. Langsam reicht es. Aber es gibt auch so viele leckere Gemüsesorten. Wir haben beschlossen Gemüse ist ästhetischer als Obst, da es eine größere Varianz in den Farben gibt.

Wir werden immer besser im Reisen. Ein guter skill. Aber die to do Liste mit Dingen, die man zuhause in Angriff nehmen muss gewinnt auch an Länge und Platz im Kopf.

Ich bin gespannt auf Belgrad und sehr gespannt auf Deutschland.

iStanbul

RosaLicht wie ein Filter über den blauen Kuppeln der Moscheen.

Brücken zwischen den Kontinenten.

Auf den Brücken, in Zügen, Bussen, Autos, auf Rollern, am Geländer mit Angeln, Menschen.

In Eimern Fissche, die langsam sterben, zum Fischbrötchen für Touristen werden. Mit Zitronensaft im Brot.

In der Luft Möwen, die leise und elegant die Luftströme nutzen, begleitet vom Gesang der Imame schweben sie über den Köpfen und vollführen waghalsige Mannöver.

Abtauchen in die Menschenmeere in Unterführungen,, auf Straßen und Basaren. Eine Weile treiben in Gerüchen aus Essen und Schweiß.

Menschenwogen, Stimmendrauschen.

Auftauchen aus dem Meer in eine verlassene Seitenstraße. Geisterstadt. Alle Rollläden sind zu.

Durchatmen, Tee trinken und wieder rein ins Meer.

Fragen:

Unterstütze ich Kinderarbeit, wenn ich einer fünfjährigen Wasser abkaufe? Sie ist mit fünf mehr Unternehmerin, als ich es je sein werde.

Sehen die Touristen diebStadt nur durch die Kamera ihrer Handys? Nehmen sie ihhre Umgebung war?

Ich bin unter der Stadt und in der Stadt.

Ich schaue von weitem auf die Stadt.

Istanbul ist so gewaltig wie ein großes Stück Baklava. Erst fremd und unglaublich süß. Traumhaft. Verheißungsvoll. Irgendwann dann zu viel. Man kann es nicht zu Ende essen.

Die ganze Stadt wahrzunehmen, unmöglich.

Aber vielleicht kann ich die Stadt schmecken.

Chai, Efes (türkisches Bier), Oliven, Käse, Gemüse in Öl, alles Süße aus Bäckereien, Börek, Menemen, frischer Orangensaft, Simits, Reispudding, Linsensuppe, Kumpir.

Es ist so viel. So viele Üs und Ös.

Reize, Geräusche, Gerüche. Wunderbares türkiscches Stimmengewirr.

Moscheen mit weichen Teppichen und schönen Decken.

Alte Männeer auf niedrigen Hockern, mit Chai in der Hand.

Geschäftige Männer mit Tabletts mit Henkeln.

Viel Gespräch und Freundlichkeit.

Viel Hektik, aber auch Geduld.

Viele Katzen.

Viele Hügel und Treppen.

Viele Eindrücke, ein Bruchteil iStanbul.

 

Super excited, very nice!

Wieder liegen zwei Wochen meiner Reise hinter mir. Zwei Wochen intensiver Begegnungen, vielen Fragen und Erkenntnissen, neuen Freunden und Inspirationen. Wenn in so kurzer Zeit so viel passiert, dann kann ich mich nur an Bruchstücke und Momente erinnern, nicht an die vollen Tage. Alles geht ineinander über.

Bevor mein Erasmus plus Projekt Youth exchange zum Thema Selbstversorgung losging, war ich mit ein paar Mandelerntehelfern und 50 Millionen Mosquitos alleine auf dem Campingplatz. So viel Ruhe. Dann kamen 15 europäische Freiwillige von ihrem freien Tag zurück. Gemeinsam Mandeln vom Baum schütten, gute Musik hören und die Mandeln von ihrer Schale lösen. Eine sehr meditative Aufgabe. Ein paar Tage lang konnte ich nicht an Mandeln vorbeigehen ohne sie aufzuheben und zu sortieren.

Der Ankunft der anderen Teilnehmenden stand ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. 60 Leute, 2 Duschen und ein Waschbecken. Kann das funktionieren? Bin ich bereit dazu mit so vielen Leuten ununterbrochen zusammen zu leben?

Ein hin und her in meinem Kopf und dann waren sie plötzlich alle auf einmal da und ich mitten im Geschehen. Spannend so ein soziales Gefüge. Spannend wie schnell man sich aneinander gewöhnt. Ich habe sehr schnell meine Vertrauenspersonen gefunden.

Eine Bulgarin, ein Pole und eine Deutsche. Klingt nach dem Anfang eines schlechten Witzes, aber es war kein Witz und auch nicht schlecht. Es war eine sehr wertvolle Begegnung mit vielen Inspirationen und viel Humor.

Christos, der Leiter des Projekts, Kostas, sein Vater, der vor 20 Jahren das erste Lehmhaus gebaut hat und die anderen 6 dauerhaft dort lebenden haben wohl wie alle Griechen die Angewohnheit immer „super nice, very excited“ zu sagen. Mit diesem süßen griechischen Akzent. Nach sehr kurzer Zeit wurde das zum running gag unter allen.

Meine Lieblingstätigkeit, ich hätte es nicht gedacht: nature building. Meine Hobbys sind: Cobbing (erklärung folgt), auf Trauben treten und generell alles stampfen. Meine Liebe zu Cob: cob ist ein Baumaterial aus Lehm, Sand, Wasser und Stroh. Mit den Füßen stampft man sich da eine gute Pampe zusammen. Mit der richtigen Musik kann man schön im Matsch tanzen. Aber ganz schön viel Arbeit. Wir haben nur eine Wand gebaut. Um ein ganzes Haus zu bauen braucht man sehr viel Zeit und Material. Aber trotzdem eine Inspiration für die Zukunft. Die ganzen Lehmhäuser waren so kuschlig und gemütlich.

Was haben wir sonst noch so gemacht: Seife, Zahnpasta, Feigenmarmelade, eingelegte Zucchini, Brot, im Foodforest Zwiebeln und Spinat gepflanzt, ein neues Beet angelegt, workshops am open farm day angeboten, einen Teppich aus Stoffresten und einen aus Stroh geflochten. So viel Freiheit und Kreativität. Die Freiwilligen haben jeden Abend eine andere Nationalität gekocht. Spanisch, polnisch, portugiesisch, türkisch, aserbaidschanisch? Es war ein Fest. Dazu Tänze und Musik.

Ab Tag 3 war die Vertrautheit so groß, dass das größte Gesprächsthema das Kompostklo war. Lag auch daran, dass uns alle nacheinander Durchfall erreicht hat. We’re all in this together.

Jeden morgen wurde es schwieriger aufzustehen. Wir haben Dienste verteilt und der Weckdienst lief trommelnd über die Zeltwiese um alle aufzuwecken. Vor dem Prijekt war ich kein großer Halvafan. Jeden Tag Halva und Brot zum Frühstück hat meine Meinung geändert.

Die Hitze war ganz schön anstrengend. Die Mittagspause ein großer Genuss und ein Mittagsschlaf immer mehr als Willkommen. Eine gammlige Matratze, die ich am Anfang noch supereklig fand, wurde schnell zum heißbegehrten Siestaort.

Mir hat es großen Spaß gemacht in einer Gruppe von Menschen zu sitzen und einfach zu beobachten in welcher Harmonie jeder das macht, was er gerade tun will. So ein Friede und eine Gelassenheit. Das habe ich davor noch nie so oft nacheinander gespürt.

Immer wieder kamen neue Leute an. Ganz selbstverständlich, dass wir dann mit denen zusammen leben. So auch Hans Joachim aus Lübeck. Gerade auf dem Weg nach Athen. Umzug mit seiner Frau wollte er sich das Eco Dorf anschauen und blieb ein paar Tage. Machte ganz selbstverständlich mit uns einen Ausflug im Reisebus zu einem Wasserfall und dann ans Meer. So schöne Steine wieeder im Meer. Tolle Gespräche. Kurze, intensive Verbundenheit mit den anderen. Eine große Familie.

Die zwei Wochen fühlen sich an wie eine Ewigkwit und sind trotzdem so schnell vergangen. Was für Persönlichkeiten: Czymon, Pole mit Style und den besten outfits. Rali: drummerin aus Bulgarien, immer mit Flöte und großer Schokoladenliebe. Bo: spirituelle Bulgarin mit einer Menge guter Fragen. Simone: der pünktlichste Italiener, den ich kenne. Radek: unser Masseur, der gute Reden schwingen kann. Ayberk: Türke mit den besten dancemoves und toller Künstler. Natascha: schüchterne Griechin mit großem Herz und tollem Humor. Annalaura: temperamentvolle Italienerin, die einfach nicht fassen konnte, dass die Queen tot ist. Lau: Niederländer mit großer Gelassenheit und Ruhe.

Ich hätte nicht gedacht, dass die Diversität bei so einem Projekt so groß ist. Es war eine Freude alle kennenzulernen. Mit Radek und Bo habe ich ein tolles Dreiergespann gefunden.

Alles teilen, immer von Menschen umgeben zu sein. Das fiel mir leichter als gedacht. Es war wie auf einem anderen Planet zu sein. Weit weg von der Realität. 60 Menschen in einem Mandelhain.

Erasmusprojekte kann ich wärmstens weiterempfehlen. Auch, wenn das hier sehr speziell war, wie mir viele gesagt haben. Ich bin bereit für ein nächstes Projekt. Zwei Wochen lang Englisch reden, so viel Vertrauen haben, dass man manchmal einfach in der Muttersprache mit den anderen rredet und danach erst kapiert, dass man auf Englisch umschalten muss. Ich konnte ganz ich selbst sein. Alle waren so freundlich und offen. Wir haben ein Ritual bei Vollmond gemacht, mit Lreide unsere Augenbrauen bunt bemalt, gesungen, getanzt, geweint und gelacht. Höhen und Tiefen. Geschwommen im Teich, unsere Füße von den Fischen anknabbern lassen, uns das Blut von den Mosquitos aussaugen lassen, eine Taverne besucht, gute Gespräche geführt, billigen Wein getrunken.

Bis ich die ganzen Ereignisse verarbeitet habe vergeht wohl noch ein bisschen Zeit. Es war auf jeden Fall bereichernd. Ich bin sehr dankbar für die Begegnungen und was ich von all den Menschen neues gelernt habe. Über mich und generell.

Vir drei Tagen bin ich in Athen angekommen. Nach zwei Tagen voller Abschied, sehr auslaugend, eine neue Reisepartnerin. Jetzt reise ich mit Franzi weiter. Wir haben die Viertel von Athen erkundet, geschlemmt und eine Insel besucht. Agistri. Nun warten wir am Bahnhof auf den Zug nach Thessaloniki. Camping wartet auf uns.

Der letzte Reiseabschnitt hat also begonnen. Kroatien kommt mir so lange her vor. Ich habe viel flashbacks von dieser Reise. Mit jeder Änderung meiner Reisepartnerinnen verändert sich auch die Reise komplett. Spannend. Ich bin bereit für diesen letzten Abschnitt.

Es fühlt sich so an, als ob ich richtig im Reisen angekommen bin. Ganz gelassen und offen für alles was mir an dem Tag begegnet. Ich bin gerade sehr glücklich und fühle mich frei. Bin umgeben von einer tiefen Zufriedemheit. Ein grober Plan reicht mir. Ich freue mich unterwegs zu sein, ich freue mich aber auch auf zuhause. Meine standards sind stark gesunken, meine Wertschätzung gestiegen. Ich weiß, was es für ein Privileg ist diese Reise zu machen. Ich gebe mein Bestes jeden Moment zu genießen!

 

Facettenreiche Zeit

Albanien ist:
In zweiter Reihe auf der Bundesstraße parken
Gebrannte CDs, Tabak und Sonnenbrillen, die an der Straße verkauft werden
Busfahrten, die beim aussteigen bezahlt werden
Alte Leute, die im Park Karten spielen. Warum gibt es die nicht in Deutschland? Das wäre mein Rententraum!
Riesige Olivenbäume
Küsten voller Wildkräuter, Salbei, Rosmarin, Thymian
Stillende Mütter in der Öffentlichkeit
Autos ohne Nummernschilder, wer braucht die schon?
Neue Sprinter: deutsche Urlauber
Alte Sprinter: Minibusse die Leute quer durchs Land transportieren
Bier, dass Bavaria heißt und dann steht dahinter: original Bavaria made in Holland

Albanisch:
klingt türkisch, asiatisch, so melodisch, singsang
Rruga mit zwei R vorne geschrieben bedeutet Straße
Das Wort für Joghurt klingt besonders schön: Kos
Lavazh, kann ich mir merken, ist anscheinend sehr wichtig, so viele Waschanlagen
Shitet heißt : zu verkaufen. Das ist auch eins von den ersten Worten, die man in anderen Ländern liest und versteht. Shitet klingt für mich sehr nach Shithead

In Shkodra 3 Nächte in einem Hostel. Aber jede Nacht bin ich umgezogen. 1. Nacht im 10er Schlafsaal. Dann wollte ich gerne noch eine Nacht bleiben. Kein freies Bett, also auf der Terrasse auf dem Sofa schlafen. Alles kein Problem. Sogar mit Mosquitonetz. Die 3. Nacht dann in der Gartenhütte. Was ein tolles hostel. Was für inspirierende Leute die dort arbeiten. Man könnte ein Buch darüber schreiben. Das Haus, dass seit Jahrzehnten Frauen gehört. Alte Hippiefrauen, die total gelassen sind. Nach so kurzer Zeit habe ich mich schon so gefühlt, als ob ich dazugehöre. Den Gästen zeigen wo sie Wäsche aufhängen können, wo das Geschirr ist.
Nach albanischer Musik, Strandtipps und free walking tour fragen. Free walking tour machen. Shkodra, die Stadt der Fahrräder. Jeder hat ein Fahrrad. Das hätte ich niemals vermutet. Fotografiemuseum.

Im Hostel dann zufällig auf Paula getroffen. Wusste nicht, dass sie schon da ist. Gechillt und gelesen. Auf der Dachterasse zwischen den wehenden Bettlaken gesessen. Später mit einem Niederländer unterhalten. Wir haben ihm von Paulas Puddingliebe erzählt. Er war so angefixt, dass er mit uns auf Puddingsuche gegangen ist. So haben wir zusammen Pudding gegessen und einen Spaziergang im Abendlicht gemacht.

In Shkodra gibt es einen See, so groß wie der Bodensee. An der Grenze zu Montenegro. Also Fahrräder geschnappt und ab durch die Kontraste. Eine Strandpromenade entlang mit SecondHand Kleidung, die auf dem Bordstein verkauft wurde. Über eine klapprige Holzbrücke mit Löchern auf eine kleine Moschee zu. Darunter der Fluss. Durch ein Sinti umd Roma Viertel. Ruinen, Müll und der wunderschöne See mit den Bergen. An der Küste entlang bis kurz vor Montenegro die Straße aufhört.

Was mich echt total nervt unterwegs: Autos. Gut, als Mitfahrgelegenheit sind sie echt praktisch. Aber ansonsten stressen sie mich voll. Bin total genervt von ihnen. Laut und immer im weg.

Am See voller Schlangen vor einer Moschee nackt Nektarinen essen. Ein Gewitter zieht auf. Kühl. Nahrungsbeschaffung und vor einer Burg essen.
Abends geht es wieder ab auf Törtchensuche. Albanische Volksmusik. Warum klingt die so viel schöner als deutsche Volksmusik? Menschen beobachten.
Am nächsten morgen trampen wir von Shkodra nach Tirana. Mit einem Diplomatenauto. Ein Mexikaner, der bei der world bank arbeitet. Und wieder einmal ist der erste Eindruck ganz anders als der Mensch wirklich ist. Emanuel sieht aus wie ein Drogenboss auf den ersten Blick. Aber er ist aufrichtig interessiert an unserem Leben und wir haben mit ihm eines der inspirierendsten Gespräche unserer Reise. Arbeiten bei der world bank. Vielleicht ein Praktikum dort machen? So interessant die vielen Menschen und ihre Jobs zu erfahren. Emanuel hat an so vielen verschiedenen Orten gelebt. Kasachstan, Bosnien und jetzt Albanien. Wir sprechen über Länder, Gesetze, seine Arbeit, Umwelt, Bildung. Er fährt uns direkt zum Busbahnhof. Der Busbahnhof, wir steigen aus dem Auto und fühlen uns sofort, als ob wir in Istanbul wären. Überall Busfahrer die uns ihr Endziel entgegenrufen. In einem Minibus fahren wir nach Vlora.

Ein kleiner Junge schläft an meine Schulter gelehnt ein. Seine Mutter versorgt mich mit Keksen und Kaugummis. Es ist stickig und heiß. In Vlora hält der Bus an der Straße irgendwo. Anscheinend Endstation. Etwas planlos steigen wir aus. Versuchen unser Glück zu trampen. Laufen die Straße entlang. Sind ein wenig fertig und stehen plötzlich in der Mitte eines Kreisverkehrs. Ein Auto fährt vorbei, der Fahrer lässt das Fenster runter: dober wetscher. Dober wetscher. Alle Autos lassen uns ohne hupen zurück auf den Gehweg. Da uns unsere Rucksäcke noch nicht schwer genug erscheinen kaufen wir uns eine Honigmelone und fühlen uns gleich viel leichter. Die Honigmelone des Glücks.

Kurz darauf nehmen uns zwei Dänen mit. Wir unterhalten uns über das 9€ Ticket, das anscheinend über die Grenzen hinweg für Aufsehen gesorgt hat. Die Küstenstraße ist kurvig. Es gibt so viele Berge direkt an der Küste. Wir fahren durch Fjorde. Zumindest kommt es mir so aus dem Geobuch vor.
Die Landschaft ist der Wahnsinn! Sowas habe ich noch nie gesehen. Rote Erde, dunkle Wolken, schwarze Berge, goldenes Abendlicht, türkisenes Meer, Bäume in den verschiedensten Grüntönen. Honigstände an der Straße. Die Strände sind auf Touris ausgelegt. Eine Strandbar nach der nächsten. So viele Sonnenschirme. Aber es sind so wenig Menschen da.

Kurzfristig auf einer Steinterasse hinter einer Kapelle bei einem hostel gecampt. Im Dunkeln kurz ins Meer gesprungen. Steile Kiesstrände. Im hostel war ein DJ. Niemand hat getanzt. Das hat Paula sehr gestört und so haben wir getanzt. Bis die ganzen Australier mitgetanzt haben.
Morgens gab es french toast zum Frühstück. Und dann sind wir losgelaufen. Die Küste entlang zur nächsten Bucht. Immer auf der Suche nach Wasser und Nahrung. Ganz schön aufwendig. Hier gibt es echt kleine Minisupermärkte in denen es nur 80 verschiedene Chips- und Fertigcroissantsorten gibt. Frustrierend. Wege finden ist immer ein bisschen schwierig. Wir haben uns durch einen Urwald geschlagen, am ganzen Körper zerkratzt. Mit den Rucksäcken in Dornen und Ästen hängengeblieben. Ich suche immer Orte, an denen man nichts von Menschen gemachtes sieht, aber auf dieser Strecke habe ich mir einfach eine Straße gewünscht. Auf meiner Karte wurde die ganze Zeit angezeigt wir sind nur 20 Meter von einem Weg entfernt. Also begann die Kletterpartie mit Rucksack. Felswände rauf, Schluchten hinunter. Ich habe mich so gefangen und hilflos gefühlt. Paula hatte Spaß. Ich einen kaputten Schuh. Über Müllhalden mit gruseligen Matratzen und Knochen. Da habe ich mir echt die Frage gestellt : warum mache ich das hier eigentlich? Für die Erleichterung, als wir endlich auf dem Weg standen. Wäre ja auch nicht tagesfüllend gewesen, wenn wir den Weg direkt gefunden hätten. Also endlich ins Wasser! Und dann einen Spot zum Campen finden. Im roten Sand, oberhalb einer Bucht. In der Ferne schon wieder die nächste Sorge: zieht das Gewitter zu uns? Süßkartoffel-Polenta-Frischkäse-Suppe. Unser ungarischer Nachbar hat nochmal die Schnüre am Zelt mit Steinen beschwert und die Familie hat uns versichert, dass wir zu ihnen ins Auto kommen können, sollte das Gewitter aufziehen. Ein nächtlicher Abwasch im Meer und ich war so müde, dass ich schnell eingeschlafen bin.
Die Freiheit am nächsten morgen. Noch keine Tagestouris. Frühstück mit Meerblick, schwimmen und Yoga in einem kleinen Wäldchen. So ein großes Glücksgefühl. Alles gepackt und weiter zur nächsten Nahrungsbeschaffung. Diesmal waren wir vorsichtiger beim Weg finden und nahmen ein Stück Straße in kauf. Nachdem wir bei jeder Wegmarkierung das Wort Markierung auf verschiedene Weise ausgesprochen hatten, kamen wir dem Canyon Gjipe immer näher. Genau wie das nächste Gewitter. Ankommen und im Nieselregen baden. Rucksäcke regensicher verstauen.

Im Canyon ist ein Eco Campingplatz. So ne Dusche wäre mal wieder nötig. Also schlafen wir dort. Auf dem Platz stehen so viele riesige Olivenbäume. Wunderschön! Wir schlafen weiter hinten. Ich finde es ist ein bisschen gruselig, aber fühlt sich auch weniger nach Campingplatz an, was ganz nett ist. Nachts hört man im Canyon Hundegebell, dass es schallt. Und noch etwas anderes, für uns erst undefinierbares. Unser Zeltnachbar klärt uns am zweiten Abend auf, dass es Rattenkämpfe sind. Hätte ich irgendwie lieber nicht gewusst. Wir beschließen länger als eine Nacht zu bleiben. Auch hier gibt es am Kiesstrand wunderschöne Steine und wir wollen einen Tag Erholung. Dafür brauchen wir aber mehr Essen.

Also wollen wir in den nächsten Ort laufen. Wir freuen uns, heute klappt alles: wir finden den Weg, es gibt kein Gestrüpp. Alles easy. Bis wir Gebell hören. Ein Blick zu Paula: was denkst du? Paula: „glaube es ist kein Problem“ . Die Hunde werden lauter und biegen um die Ecke, laufen auf uns zu. Verteidigen ihr Revier. Paula: „nicht rennen, nicht rennen.“ Die Hunde kommen immer näher, wir weichen weiter zurück. Mein Herz rast. Paula: „nicht rennen, nicht rennen.“ ich gerate in Panik. Meine letzte Hundeerfahrung in Bulgarien hat mich geprägt, ich will nicht, dass noch ein Hund nach mjr schnappt. Damals konnte ich vor lauter Panik nicht schreien, jetzt kickt das Adrenalin. Ich schreie spontan, die Hunde sind kurz irritiert, Paula auch. Dann rennen wir los. Die Hunde auch. Ich drehe mich nochmal um und schreie. Wir rennen, heben schnell Steine auf und rennen bis wir wieder auf der Straße sind. Die Steine fest in der Hand. Außer Atem laufen wir weiter.

Es ist wie ein Computerspiel. Mission: zwei Mädchen müssen zum Supermarkt um Nahrung zu beschaffen damit sie ihre Energie aufladen können. Auf jedem Weg lauern ungeahnte Gefahren. Wofür entscheiden sie sich? Für einen anderen Weg. Doch mit äußerster Vorsicht. Plötzlich ein rascheln. Wir sind voll bewaffnet. Zum Glück bricht nur ein Pole durchs Gebüsch und kein Hund. Er sucht auch den Weg ins nächste Dorf. Nun sind wir zu dritt. Doch sobald wir wieder Gebell hören beschließen Paula und ich umzudrehen. Wir trampen ins Dorf, decken uns mit Nahrung ein und erholen uns von dem Schreck. Dann trampen wir zurück. Genug Abenteuer für heute.

Auf dem Parkplatz treffen wir unseren polnischen Freund wieder. Er ist auf die Hunde gestoßen, die uns gejagt haben und wurde gebissen. Wir bieten unsere Hilfe an und sagen ihm wo die nächste Apotheke ist. Er macht sich nun auch auf der Straße auf ins Dorf. Wie wir später erfahren wurde er von niemandem mitgenommen. Krass was das Geschlecht beim Trampen ausmacht. Er bekommt eine Tollwutspritze und wir treffen ihn am nächsten Morgen wieder. Erleichterung. Jetzt sind wir ein bisschen traumatisiert. Morgens schallt das Hundegebell sehr laut zu uns rüber. Unentspannt. Den Rest unseres Aufenthalts wird gechillt. Wir unterhalten uns mit einem Reisenden aus Malta. Er inspiriert mich für meine nächsten Reiseziele. Langsam merke ich, wie ich richtig entspanne. So viel Zeit für Gespräche und um zu lesen.
Dann ist es aber auch genug ausruhen und wir trampen nach Gjirokastër. Zum ersten Mal nehmen uns Frauen mit. Richtig cool! Unterwegs sieht man immer wieder Bunker. 700000 davon gibt es in Albanien!!!
Es ist sehr schwül, wir freuen uns über den Regen als wir ankommen. Der Campingplatz hat geschlossen. Für den gleichen Preis bekommen wir ein Zimmer. Luxus. Eine Dusche, eine Küche, leider kein Öl. Ich freue mich auf Griechenland, reisen mit Internet ist so einfach. Aber die Herausforderung macht auch Spaß.
Wir schlendern durch die Stadt der 1000 Schritte. 1000 Schritte bergauf. Blicken auf traditionelle Balkanarchitektur und die Tourizone, den Basar. Ich bin überrascht.

Am Anfang dachte ich Albanien ist ein Geheimtipp. Dann dachte ich: warum sind hier so viele Touris? Aber im Vergleich zu anderen Ländern ist es eine angenehme Menge. Nicht so überlaufen. Wir suchen uns ein traditionell albanisches Lokal aus. Essen die Spezialität der Stadt: Qifqi (Reisbällchen mit Käse und Minze), sowie Burek. Oh wie ich es liebe! Dazu Weißwein und wir sind im Himmel. Das Lächeln geht nicht mehr aus dem Gesicht weg. Ein wunderschöner Abend. Der Koch ist ein alter Mann, der eine Ruhe ausstrahlt, die mich beeindruckt. Mit Handschlag werden wir verabschiedet und für den nächsten Tag eingeladen.
Am nächsten Tag gehen wir den Tag entspannt an. Mittagsschlaf auf der Burg, Museum, reden und wieder essen gehen. Danach Dessert in unserem Lieinggsrestaurant. Unseren polnischen Freund treffen wir zufällig auch wieder. Ich bin froh, dass es ihm gut geht. Leider habe ich jetzt sogar vor dem süßen, aber sehr bissigen Welpen in unserem Guesthouse Angst. Ansonsten nehme ich aus Albanien Geduld und Gelassenheit wieder. Wenn man Essen hat, dann teilt man. Wenn man Platz im Auto hat, selbst wenn man keinen Platz hat, dann nimmt man andere mit. Diese Selbstverständlichkeit ist so schön zu sehen.
In der Frühe nehme ich den Bus nach Griechenland. Plötzlich gibt es Ampeln. Das ist der größte Unterschied zu Albanien. Alles scheint so geordnet. Schon wieder bin ich überrascht. Ich weiß nicht was ich dachte, aber alle Länder (Kroatien, Montenegro, Albanien und jetzt auch Griechenland) sind viel bergiger als gedacht. Vielleicht, weil man die Länder eher mit Meer verbindet.
Einmal quer durch Larisa lande ich am Busbahnhof und frage mich durch. Da Kyrillisch dem griechischen Alphabet gar nicht so unähnlich ist, kann ich zumindest manche Worte lesen und fühle mich nicht ganz so hilflos. Im Dorf angekommen bewaffne ich mich wieder mit Steinen und laufe zum Eco village. Es ist ein Traum. Ein schöner Traum, aber leider mit vielen Moskitos. Nach kurzer Zeit bin ich total verstochen. Ich bekomme essen und sitze herum, warte bis mir alles gezeigt wird. Kompostklo, Dusche, Küche. Die Namen der ganzen Leute kann ich mir nicht merken. Was ich merke: ich komme gar nicht klar mit chillen und ungeplant in den Tag leben, alles entspannt angehen. Ich brauche Struktur. So sitze ich ein bisschen ungeduldig herum und lasse mir das Blut aussaugen. Da fahre ich die 200 Meter auf dem Pickup hinten mit zur Campingwiese in einem Mandelhain. Es gibt sehr viele Mäuse und Frösche. Trotz der Hitze. So viele Früchte, die ich noch nie gesehen habe. Mit anderen volunteers sortiere und schäle ich Mandelb. Sie schmecken gut und ich freue mich über die Tätigkeit. Danach unterhalte ich mich mit Kostas, Ballettlehrer aus Thessaloniki und frage ihn nach Tipps um an meiner Körperhaltung zu arbeiten. Wir essen Halva. Ich finde es sehr süß, er mittelsüß und ziemlich gesund. Dann schlafe ich. Sehr gut. Es ist ein bisschen ins kalte Wasser geworfen. Ich muss mich alleine zurechzfinden, habe keinen Babysitter. Aber auch schwierig nicht zu wissen, was man tun soll. Die anderen vom Projekt kommen morgen, wenn das Projekt offiziell startet. Also sitze ich auch heute ein bisschen herum, putze die Küche, unterhalte mich und finde mich zurecht. So eine Kommune mit so viel Freiheit, bedeutet auch gleichzeitig, dass es anstrengend ist die ganzen Vorstellungen zu kommunizieren und zu koordinieren. Das schreckt mich immer ein bisschen ab. Ich bin gespannt, ob ich mich öffnen kann für diese Art zu leben, oder irgendwann total genervt bin. Ich bin gespannt auf die anderen Teilnehmerinnen. Ob sie keine Ahnung haben, oder sich voll gut auskennen. Wie die Gemeinschaft wird. Mit wem ich mich gut verstehen werde. Mein Hundetrauma bessert sich. Dank Aida. Weißer Körper, schwarzer Kopf. Sie ist sehr lieb. Das stärkt mein Vertrauen wieder mehr.

Generell, ohne eigenes Auto so weit zu kommen ist ganz schön cool. Andere nehmen den Bus und zahlen Geld. Wir fahren in meist komfortablen Autos umsonst durchs Land und treffen dabei auf Leute, mit denen wir sonst wahrscheinlich nie in Kontakt gekommen wären. Jede Erfahrung ist so viel Wert. Manchmal ist mein Menschenakku nicht voll und ich bewundere wie Paula immer ins Gespräch kommt mit Menschen.

Ich bin gespannt auf den nächsten Abschnitt meiner Reise, was ich alles Neues lernen werde. Die Art hier zu leben ist inspirierend. Alles da und schön einfach aufgebaut. Vielleicht ein bisschen zu chaotisch für meinen Geschmack, aber spannend.

Der Osten ruft

Abenteuer auf dem Balkan. Ich lasse mich von Wolken und Wellen schubsen, immer Richtung Süden. Das ist der einzige „Plan“ von Lisa und mir.

Die erste Zugfahrt durch Österreich und Slowenien nach Zagreb kommt mir schon wieder so lange her vor. Wenn man unterwegs ist vergisst man nicht nur den Tag, sondern verliert auch ganz schnell den Überblick was an welchem Tag geschehen ist.

Nach der langen Fahrt waren wir sehr glücklich nachts in Zagreb anzukommen. Euphorisch liefen wir durch die Straßen, die nach Sommernacht rochen. Das erste Abenteuer wartete schon auf uns. Mithilfe auf Fotos eingezeichnete Pfeile suchten wir im Dunkeln unser airbnb. Ohne Lisa wäre ich wohl noch ewig umhergeirrt. Das airbnb war ein typischer Ladenraum, ganz lustig so zu schlafen.

Die obligatorische free walking tour in jeder Stadt darf natürlich auch in Zagreb nicht fehlen. So wissen wir jetzt, das die elektirsche Zahnbürste, die Krawatte, der Füller, die Erkenntnis, dass Fingerabdrücke einzigartig sind und die ersten Zeppelinpläne von Kroaten stammen. Wir haben mal nicht erwähnt, dass wir in Deutschland sehr nah am Wohnort der Zeppelindiebe wohnen…

Am Nachmittag waren wir dann im Museum of broken relationships. Besonders tragisch: die kaputte Beziehung zu Pizza nach der Feststellung einer Glutenunverträglichkeit. Aber ansonsten auch wirklich interessant.

Supermärkte erfordern wirklich Kreativität wenn man etwas kochen möchte. Chips gibt es genug und Limo und Kekse. Naja, dann gab es halt Polenta mit Mais. Damit es nicht ganz so maislastig war noch ein bisschen Tomatensoße dazu.

Morgens am Bahnhof dann eine böse Überraschung, anscheinend brauch man für den Zug nach Split eine Reservierung. Und alles war restlos ausgebucht. Aber wir sehnen uns doch so nach dem Meer! Losa hatte schon ihr Ticket, also zuerst die Überlegung, dass sie vorfährt und ich den nächsten Zug, acht Stunden später nehme. Mies. Aber die Frau am Schalter war schon sehr genervt, weil ich so oft nachgefragt habe ob ich einfach so mitfahren kann. Also ab zum Gleis und den Kontrolleur fragen, und na klar ging es. Am Ende hatte ich dann die komplette Strecke einen Sitzplatz und es waren noch mehrere Plätze frei. Viel Stress um nichts.

Split war uns viel zu überlaufen, schnel weiter mit dem Bus nach Omis. An den Straßen tolle hässliche Hotels. In Omis angekommen waren wir nach der Fahrt so fertig, dass wir auf dem nächsten Campingplatz, 4 Sterne, schliefen. Hauptsache Meer. Hach war das schön. Zur Feier des Tages gab es auch noch den Luxus Öl von unseren bulgarischen Nachbarn, die meinten es ist schön uns zuzuschauen wie frei wir sind. Unser Handys durften air auch noch laden.

Und wie toll ist es, dass man nie lange Sachen braucht? Naja, ganz cool bis man merkt, dass man einen Daunenschlafsack dabei hat. Der ist ja wirklich nicht zu gebrauchen! Aber als Unterlage damit die Isomatte nicht so quietscht oder als Kopfkissen eignet er sich dann doch ganz gut.

Die Nacht war windig, was uns ein bisschen Sorgen bereitete wegen dem Zelt. Also früh aufstehen und fast alleine am Meer sein, schwimmen.

In Schlangenlinien nach Dubrovnik

Aber Omis war immernoch viel zu überlaufen, also raus aus dem Ort. Lisas geschulte Nase riecht Feigenbäume 10 Meter gegen den Wind, also hatten wir ganz viel zu snacken während wir darauf gewartet haben, dass uns jemand mitnimmt. Auf unserem Schild: South,  Süden.

Dann endlich ein Vater mit Tochter. 10 km weiter war es deutlich schöner, also erstmal Badepause. Ganz schön anstrengend so in der Sonne zu stehen. Laufen natürlich auch. Im nächsten Schatten also wieder Daumen raus. Ein altes Wohnmobil biegt um die Kurve und ich sage: „oh in sowas würde ich gerne mal mitfahren“ . Als ob sie meine Gedanken gehört hätten wurden wir sofort mitgenommen. Langsam weiter die Küste entlang. Eigentlich war unsere Überlegung die Küste von Bosnien entlang zu laufen, einfach weil es machbar ist. Nur 10 km, dann kommt wieder kroatische Küste, aber da das Paar aus Nürnberg uns bis kurz vor Dubrovnik mitnehmen konnte blieben wir sitzen. Die Landschaft zur bosnischen Grenze hin war plötzlich ganz anders. Keine kargen Berge mehr sondern eine weite überflutete Ebene und so viele Obststände!

In Trsteno landeten wir dann wohl auf dem schönsten Campingplatz. Auf einer Terrasse unter Olivenbäumen schlugen wir unser Lager auf und machten uns auf zum Strand. War eher eine kleine Wanderung und schon dunkel, die Wellen an den Felsen stark, also verschwitzt wieder hoch und im Dunkeln kochen. Wie jeden Abend Vorlesestunde und dann am nächsten morgen Yoga, entspannt zusammenpacken und die Ameisen aus Lisas Rucksack und unserem Brot entfernen. Brot und Couscous mit Ajvar haben uns eine Weile begleitet, da waren die Ameisen eine nette Abwechslung.

Am nächsten morgen wurden wir auf der sonnigen Straße beim Warten kreativ:

Von den schwarzen Bergen kommen wir,

Unser Schweiß der stinkt genauso sehr wie wir.

Mit dem Rucksack auf dem Rücken,

Auf der Straße Daumen drücken.

Von den schwarzen Bergen kommen wir.

Plötzlich eine Hupe und schwuppsdiwupps sitzen wir in Lisas Wunschmitfahrgelegenheit: einem Postauto. Ab nach Dubrovnik, mit Feigenvorrat.

Mit dem Postbote darüber unterhalten wie gefährlich Montenegro und Albanien sind, seine Meinung, Danke sagen und aussteigen. Einmal durch die komplette Stadt zum Busbahnhof laufen. Warum njr sind so viele Menschen hier?

Am Busbahnhof Chaos. „The system is down.“ So viele Menschen die in den Bus wollen. Wir sitzen da und schauen zu, der Busfahrer ist gestresst. Wo können wir Tickets kaufen? Endlich geht das System wieder. Also kaufen wir Tickets und geben alles Geld was wir noch haben im Supermarkt aus, spielen Yaniv und verbringen so dden ganzen Tag am Busbahnhof. Dann endlich fährt der Bus nach Kotor, Montenegro. Aufregend.

Ab jetzt haben wir kein Internet mehr. Hätten wir vielleicht planen sollen wie wir von der Stadt zum abgelegenen Campingplatz kommen, oder sonst eine Unterkunft organisieren? Es ist zu spät zum Trampen. Wir sind planlos im Golf von Kotor. Dann nehmen wir ein Taxi. Oder naja, also ein Mann, der uns für 15€ zum Campingplatz fährt. Immer weiter rauf, eine kurvige Straße entlang. Endlich sind wir da! Musik und Fahad hinter der Bar. Wir setzen uns, bauen unser Zelt auf und gehen erstmal duschen. Ich bin plötzlich voll euphorisch, die Anspannung fällt ab, Fahad gibt uns den Tipp für eine geheime Bucht in der keine Menschen sind. Endlich ein eigener Strand! Am nächsten Morgen machen wir uns mit geklautem Feigen- und Minipfirsichvorrat auf den Weg. Rechts die Berge, links das Meer finden wir untereegs praktischerweise eine Sonnenbrille. Der Weg zum Strand geht steil nach unten, aber alleine sind wir wirklich. Außer einer Schlange begegnet uns niemand und dann sind wir in der Bucht. Hach schön! Das Wasser tut gut und der Strand ist so interessant, dass wir den ganzen Tag nackt damit verbringen Muscheln, Krebse und Steine zu suchen, zu baden und auf den Felsen zu klettern. Zurück auf dem Campingplatz, wie ein Hostel auf ner Wiese spielen wir Karten mit den anderen Gästen und suchen uns eine Mitfahrgelegenheit für den nächsten Tag. Davor reden wir sehr lange mit Fahad über Klimawandel.

Mit Kristyna und Fabian fahren wir am nächsten morgen los. Erst bis Budva, kurzer sightseing Stopp, das hätten wir wohl sonst nie gemacht, aber wäre auch nicht so schlimm gewesen. Und dann bis nach Sveti Stefan. Da gefällt es uns auch nicht so gut und wir entscheiden uns so weit zu fahren wie wir an dem Tag kommen. Also nimmt uns Alejandro mit, der Chef der Nationalparks in Montenegro. Wir reden über Umweltbildung und Müll. Sehr schön so mit den Menschen in Kontakt zu kommen und Gemeinsamkeiten zu entdecken. In Sutomore lässt er uns raus, wir probieren hausgemachten Honig, aber das Glas ist uns zu schwer um es mit uns herumzutragen. Der Ort zieht sich und es ist heiß. Mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken stolpere ich und kann mich nicht halten, torkele und falle hin. Das ist der Anfang vom Ende, aber das wissen wir noch nicht. Wir machen uns auf zum Meer. Der ganze Stadtsrand ist privatisiert. Ein kleiner Abschnitt bleibt, das Wasser ist schmutzig und es ist überhaupt nicht angenehm zu verweilen. Überall sind so viele einhwimische Touriste. Wir ziehen uns auf einen leeren Platz zurück und essen. Dann laufen wir weiter und werden von 2 Italienern mitgenommen. Lisa dolmetscht. Wir fahren bis nach Ulcinj, der Grenze zu Albanien.

Der Campingplatz den wir im Internet gefunden haben entspricht nicht so ganz der Wahrheit. In Wahrheit weiß anscheinend niemand von seiner Existenz. Der Platz ist bis auf ein paar zerbrochene Wohnwägen leer. Die Waschhäuser sehen aus wie lost places. Wir bleiben wegen der Feigenbäume, und weil es spät ist. Zumindest ist der Strand sehr schön. Wir hüpfen über Wellen und schauen uns den Sonnenuntergang an. Abendrot, was das wohl bedeuten mag?

Dann planen wir unseren weiteren Trip. Gerade als wir uns hingelegt haben fängt es an zu regnen und wir hören in der Ferne ein Donnergrummeln. Wir entscheiden uns zur überdachten Veranda zu laufen bevor der Regen stärker ist. In dem Moment in dem wir das Zelt verlassen wird der Regen stärker und ich stolpere mitsamt Schlafsack und Luma über die Zeltschnhr und falle ein zweites Mal hin. Wir rennen durch den Regen zur Überdachung. Die Frau gewährt uns den Schlafplatz. Ich bin so fertig und schlafe direkt ein. Ich wache auf, weil die Vibration auf dem Boden so stark ist. Irgendwo in der Nähe schlägt ein Blitz ein. Das Belchdach ist mir nicht mehr so geheuer. Ich beobachte das ganze von einem Hauseingang aus. Dann merke ich, dass unser Schlafplatz langsam geflutet wird. Also nehmen wir unsere Sachen und ziehen ein zweites Mal in dieser Nacht um. In den Flur vor ein paar Gästezimmer. Endlich Ruhe. Dann kommen die Moskitoa und dann die streitenden Hunde, irgendwann schlafe ich trotzdem. Am nächsten morgen werde wir geweckt weil ein paar Leute aus dem Kosovo zu ihren Zimmern wollen. Sie schauen uns irritiert an. Wir trauen uns kaum das Zelt zu öffnen. Der Regen in der Nacht war wirklich sehr stark. Niemals hätten wir gedacht, dass es hält. Aber das hat es! Die vorige Nacht und der gesamte Tag waren so seltsam, dass wir nicht anders können als zu lachen.

Zum Frühstück ein Schokohörnchen als Nervenberuhigung. Wir stehen am Fluss, der still vor uns liegt. Dahinter die Saline, zu der wir jetzt nicht mehr gehen wollen. Wir warten bis die Sonne rauskommt und machen uns wieder auf den Weg. Bevor wir den Daumen rausstrecken können hält Vate. Shkoder, Shkoder? Yes! Alles klar ab nach Shkodra, Albanien.

Vate kauft uns Kekse an der Tankstelle und erzählt uns, dass er Minibus nach. Theth fährt. Das merkt man. Er überholt über Parkplätze und fädelt sich weiter vorne wieder ein, der Verkehr nach der Grenze nach Shkodra ist gewaltig. In Shkodra wissen wir wenig mit uns anzufangen. Wir kaufen Vorräte für die Berge und entspannen nachdem wir den Bus nach Valbona organisiert haben. Um 6 Uhr aufstehen. In der Nacht bekomme ich Fieber. Wohl eine Nachwirkung von unserer Horrornacht. Am morgen geht es schon wieder besser. Wir ruckeln also los. Ruckeln, da auf der Straße zum Komansee wirklich alle Organe einmal fest durchgerüttelt werden. Über den See fahren wir mit siner Fähre und haben die besten Plätze ganz vorne auf dem Boot mit dem Gepäck als Lehne. Wir sehen die Fjorde und das Wasser. Alles geün und blau. Manchmal Müll im Wasser, echt ein großes Problem. Immer wieder steuert das Boot eine Seite des Sees an und Leute, die dort in einem einsamen Baus wohnen steigen aus, oder nehmen einen Sack Mehl im empfang. Wir genießen das geschehen und dösen. Wie immer sind wir uns einig was wir machen und wann wir es machen. Die perfekten Reisebuddys. Da es njr noch in jedem Bus einen Platz gibt teilen wir uns auf ohne groß nachzudenken. Valbona ist ein kleiner Ort und es ist ja ne Haltestelle denken wir. Falsch gedacht. Die Busse fahren verschiedene guesthouses an und wir haben beide keinen Plan von wo aus wir loslaufen wollen. Eine Untterkunft haben wir nicht. Also erstmal Wifi suchen und dann finden wir uns auch wieder.

666 is the number of the beast

Nachdem wir an diesem Tag um 6 Uhr aufgestanden sind und 6 Stunden Fahrt hinter uns hatten liefen wir nun also noch minddestens 600 Höhenmeter hinauf. Mir ging es noch nicht wieder ganz gut, also Lisa auch noch mit dem Zelt bepackt. Unser Ziel: Wasserfall.

Endlich angekommen wurden wir von Peter, der seine Hütte neben dem Wasserfall hat und 6 Tschechen begrüßt. Virgin Mary day, Freigetränke. Peter, ist echt der Wahnsinn. Hier Melone, und Äpfel und selbstgemachter Käse, Joghurt, Rakia. Die Tschechen laden uns zum Essen ein. Zelten können wir auf einer Wiese. Wir schauen Sarka beim Kochen zu, weil am Ofen ist es warm. Noch mehr Tschechen kommen. Wir essen zusammen, trinken Rakia unterhalten uns und lachen. Man kann so viele Sterne sehen und wir sind so glücklich diesen Ort gefunden zu haben. Nachts und morgens beschützen zen uns die ansässigen Straßenhunde vor anderen Wanderern indem sie lauthals bellen.

Am nächsten morgen helfen wir beim Abwasch mit Quellwasser, weichen unsere Haferflocken mit Quellwasser ein, damit sie gut quellen und frühstücken. Die ersten Wanderer trudeln ein und werden bedient. Wir machen uns auf den Weg. Der Himmel zieht zu und nach einer halben Stunde verkriechen wir uns hinter einem Felsen und warten bis der Wind nicht mehr so stark ist damit wir nicht umfallen. So ist es nicht zu heiß, aber in nassen Klamotten auch sehr unangenehm. Wir laufen auf die andere Seite des Passes. Irgendwann durch eine Wolke und dann wird es endlich trockener. Im Tal Theth kommen wir glücklich aber total geplättet an und sitzen sehr zufrieden im Biergarten. Gestärkt trampen wir zum Campingplatz, wunderschöne Bergsicht und essen Schokolade. Es ist spannend die Menschen zu beobachten.

Wir haben noch einen letzten gemeinsamen Tag bevor Lisa zurückfährt. Den verbringen wir mit einer Wasserfallwanderung, Lisa wagt sich unter den eiskalten Strahl. Ich mache Fotos. Wir beobachten die Menschenmasse. Dann laufen wir einen schönen Weg am Fluss entlang und finden einen Platz zum Mittagessen. Wir baden, es ist so kalt, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Der Fluss der bunten Steine, die Berge im Hintergrund. Mit 2 Italienern gdht es eine abenteuerliche Schotterpiste zurück anch Theth. Ein traditionelles albanisches Abendessen: Kartoffeln, gefüllte Paprika und Ziegenkäse darf nicht fehlen.

Haide Getreide, jetzt aber los! 

Der nächste morgen und der Abschied ist seltsam. Der erste Abschnitt meiner Reise ist vorbei.

Uns ist so viel passiert, wir haben viele tolle Menschen kennengelernt, Nummern und Visitenkarten gesammelt, bereichernde Gespräche geführt und uns immer sehr gut amüsiert. Mit Lisa an meiner Seite habe ich mich sicher gefühlt. Wir haben Quatsch gemacht: Kopfstände und Liegestützen im Wasser. Meine Beine erzählen ein Abenteuer. Unsere Füße sind nie sauber und es hat Spaß gemacht zu verwildern. Salzige Haare und schwitzige Körper. Wir haben uns so stark gefühlt, dass wir ohne Auto an wunderschöne Orte gekommen sind, uns haben treiben lassen. Es ist anstrengend, aber es ist Reisen, Freiheit. Tun was wir wollen.

Manchmal ist es anstrengend mit Menschen zu reden und ich habe keine Lust.

Aber gestern, da war ich plötzlich allein. Pausetag. Auf dem Campingplatz habe ich meine Gedanken sortiert. Ein bisschen wieder raus aus der Komfortzone. Und dann war ich plötzlich überhaupt nicht mehr alleine. Mit 2 Motorradfahrern aus Hessen, die auch Pausetag machten habe ich Mensch ärgere dich nicht, Gänschenspiel und Yaniv gespielt. Wir haben zusammen gegessen und Bier getrunken. Wir hatten gute Gespräche und so verging der Tag wie im Flug. Da ich mir noch eine Mitfahrgelegenheit suchen musste bin ich mit so vielen Menschen in Kontakt gekommen. Wir saßen in großer Runde. Maria und Sergio haben mir von ihren Reiseplänen erzählt. Paul und Micha haben mich mit Keksen und Witzen versorgt. Die Campingplatzdynamik war magisch. Was für ein schöner Tag! So viele neue Freunde.

Heute haben mich 2 Italiener zurück mit nach Shkodra genommen und jetzt bin ich hier im wohl schönsten Hostel der Stadt und der Welt, verharre in dder Mittagshitze in der Hängematte und warte auf Paula, meine zweite Reisepartnerin. Was unsere Pläne sind?  Die brauchen wir nicht, es kommt immer anders,  als man es plant.  Perfekt muss es nicht sein. Perfekt ist es, wenn es nicht perfekt ist. Ob es ein Abenteuer wird?  Auf jeden Fall!

Bahnhofsfarben

Vor über einem Jahr hat meine Zugliebe in Bulgarien angefangen. Mittlerweile habe ich zahlreiche Bahnhöfe in diversen Ländern gesehen und muss immer denken: es sieht aus wie Bulgarien!

Ich spüre immer dieses kribbeln im Bauch sobald das typische Orange oder Altrosa der Bahnhofsgebäude, scheint eine universelle Farbe zu sein, auftaucht.

Das Bahnhofspersonal in schicker Uniform aus dem Büro mit kitschiger Einrichtung kommt und grüßt, sicherstellt, dass man auf dem richtigen Bahnsteig in den richtigen Zug steigt.

Ich liebe das rattern der Züge, die alten Abteile, die Landschaft.

Ich liebe es, dass die Bahnhöfe immer gleich aussehen.

Die Gleise haben etwas melancholisches, trostloses. Aber ich freue mich immer wenn ich einen Zug kommen höre.

Neben den Schienen, über die Schienen laufe.

Ich genieße meine Semesterferien in vollen, doch meist eher leeren Zügen.

Bei Sonnenschein und Regen durch Täler, von Hügeln umgeben, neben einem Fluss.

Ich liebe es, dass jeder für die Strecke den gleichen Preis zahlt und man im Zug zahlen kann.

Ich liebe es aus dem Fenster zu schauen, die Leute reden zu hören.

Auf welche Weise könnte man ein Land besser bereisen?

 

Heute machen wir Zuchinisuppe! & Shopska… (Tag 253-269)

Ich habe für meine Verhältnisse schon echt lange nichts mehr geschrieben. Einfach, weil ich keine Lust hatte. In den letzten Wochen ist so viel passiert. So viel Neues hat begonnen und altes ist zu Ende gegangen. Ich habe mich von so vielen Menschen verabschiedet, von meiner Wohnung, „meiner Stadt“.

Meine letzte Woche in Shumen habe ich mit meiner Tante Jasmin verbracht. Die Zeit scheint mir auch schon wieder ewig her zu sein. 40 Grad und dann ein Unwetter, so ist sie in Varna gelandet. Eine Nacht direkt am Meer, am Goldstrand in einem süßen Hotel, dass man nur erreicht, in dem man durch die Hotelanlage eines riesigen hässlichen Hotelkomplexes geht. Shopska zu jeder Tages- und Nachtzeit. Immer Desert. Der Vollmond über dem Meer. Gespräche. Schlafen mit dem Wellenrauschen als Hintergrundgeräusch. Schwimmen gehen vor dem Frühstück. Im stickigen heißen Zug Richtung Shumen. Sightseeing: Moschee, Rumys Garten, Monument und der Friedhof. Ein wirklich friedlicher Ort. Eine angenehme Zeit.

Abschiede von meinen Schülern. Vielen Dank, für die Blumen! Abschied von Elena mit einem gemeinsamen Essen und natürlich wunderbarem Shumensko, ein paar Tränen. Abschied von Viki und Rumy. Ein letzter Abend in meiner leeren Wohnung. Dann wieder im heißen Zug quer durchs Land.

Jetzt bin ich schon über eine Woche in Sofia und habe es noch immer nicht realisiert, dass ich nicht mehr in meinen Alltag zurück kehren werde. Mein erster Abend hier: Essen auf dem Balkon mit Josi und Chiemseer. Mussten beide daran denken, dass so auch unser erstes treffen verlaufen ist. Ein Abendspaziergang zu einer Bank neben der Metrostation. Ein kleiner Moment, aber als wir da so im Abendlicht saßen dachte ich mir: das ist mein Leben und ich genieße es gerade wirklich sehr. Nach diesem ersten Abend habe ich noch weitere tiefenentspannte Tage verbracht. So relaxed und zufrieden habe ich mich lange nicht mehr gefühlt. WG-leben mit Josi und Pius sieht so aus: „Machen wir Zuchinisuppe?“ „Ah ne heute doch nicht.“ Spät aufstehen. Wollen wir ins Freibad gehen? Ne doch lieber Döner essen, also wieder keine Zuchinisuppe. Einfach vor dem NDK chillen. Dann noch ein bisschen durch die Straßen schlendern und wieder zurück zum NDK. Der Himmel sieht aus wie Zuckerwatte. Mit der letzten Metro nach Hause fahren. Lange schlafen. Ich stehe auf und gehe in die Stadt. So viele Eindrücke. Mit jedem Mal gefällt mir Sofia besser. Vor einer kleinen Kapelle sitzt ein Priester mit Smartphone, langem Bart und Beatles Shirt. Ich setze mich und schreibe Tagebuch. Ich kaufe mir eine Karte für den nationalen Kinderchor. Maite begleitet mich. Innen sieht es aus wie das Bürgerzentrum in Waiblingen in schön. Wir bekommen beide feuchte Augen und Gänsehaut. Pius ruft an: „Wir machen Zuchinisuppe.“ Also machen wir Zuchinisuppe, spielen Basketball, Karten, machen eine Mirabellenschlacht. Der Weg in Josis Wohnung ohne Schlüssel: mit dem Türcode ins Nachbarhaus, hinten wieder raus, einmal über den Schulhof und wieder rein. Wenn man mit dem Aufzug fährt, der oft stecken bleibt, dann muss man unbedingt in die Hocke gehen.

Abends gehe ich auf die Abschlussparty von Elias Kollegin und lerne sie dort kennen. Seltsame Party. Viele skurrile Menschen. Die Metros fahren nicht mehr, wir nehmen ein Taxi. Zum Glück haben wir alle die selbe Adresse. Die kommunistische WG. Wir teilen alles: unser Glas, unser Wasser, unsere Bodylotion. Wir gehen in Museen. Moderne Kunst, dann Steine. Im Steinmuseum gibt es ein Glasdach, eine Orgel samt Organist, stickige Luft, die Wände bemalt mit Kirchenbildern. Wir suchen den nächsten Shopskasalat, treffen Pius und Elias zufällig in der Stadt. Sitzen auf einer Bank, fahren nach Hause, klettern aufs Dach der Schule um den Sonnenuntergang anzuschauen. Die Berge, die Blöcke im Abendlicht. Es ist 23:30 Uhr. Ich helfe Josi und Pius beim Packen und mache nebenher Shopska, was sonst? Am nächsten morgen sind wir alle früh wach. Ich mache mich auf zur Arbeit und Pius und Josi trampen nach Nordmazedonien. Beides sehr aufregend.

Eine Woche ist schon rum. Wir haben Ausflüge gemacht, ich bin Profi im Monster High Uno spielen und smalltalk halten. Die Gruppe ist toll. 11 sehr coole 8-11 jährige. Hobbys: Pizza essen, Bücher über den 2. Weltkrieg lesen, Eulen beobachten. Es ist stressig, besonders wenn man versucht die Kinder schnell durch ein Mitmach-Museum zum nächsten Workshop zu bringen, obwohl es so viele interessante Dinge gibt und man alle 2 Meter wieder ein Kind einsammeln muss.

Leider bekomme ich immer zu wenig schlaf, weil ich nach der Arbeit noch was unternehmen möchte. Fußball schauen in Elias Wohnung, die ich so cool finde. Es war ein richtiges feeling mit Pizza und Chips auf dem Sofa mitzufiebern. Nur leider gab es Elfmeter schießen… Also war wieder die letzte Metro weg, das nervt echt. Und aufgrund des Spiels, war auch keines der zahlreichen Taxen frei. Also eine Stunde nach Hause laufen. Hab unterwegs schonmal meine Augen ausgeruht und bin immer 10 Sekunden mit geschlossenen Augen gelaufen um sie dann wieder zu öffnen und auf den Weg zu schauen.

Mit Maite und Bele habe ich am nächsten Tag, nachdem ich Wäsche gewaschen habe und an der gruseligen lebensgroßen Pappmaché Puppe vorbeilaufen musste, Pitch Perfect geschaut. War wie eine Zeitreise.

Jetzt ist Wochenende. Das heißt ausschlafen! Ich war unter der Sveta Sofia Kirche im Museum. Super viele Gräber, die mich ein bisschen an Pizzaöfen erinnert haben, aber dadurch trotzdem nicht weniger gruselig geworden sind. Es war schon eine kleine Überwindung alleine dort unten herumzulaufen. Ein bisschen hatte ich das Gefühl in einer Folge von die drei Fragezeichen zu sein. Vor allem, da man den Kirchengesang der Priester gehört hat. Über mir fand zu dem Zeitpunkt eine Hochzeit statt. Generell habe ich echt viele Hochzeitsgesellschaften und hässliche Limousinen heute gesehen. Ein Abstecher in die nationale Kunstgalerie, auch ganz sehenswert.

Dann habe ich alle Utensilien für Shopska gekauft. Gab es zwar erst gestern bei Bele und Maite, aber ich glaube man kann keine Überdosis bekommen. Gestern gab es Shopska in der Hängematte auf dem Balkon mit Elias, Beles und Maites Gästen. Ein paar Spiele gespielt und das tolle daran, dass die Beiden nebenan wohnen: der Weg nach Hause ist so kurz!

Mein Leben ist echt schön: Frisbee spielen im Park, freie Limonade am NDK trinken und unter einem Baum dösen, Pius beim Kirschkerne gegen die Scheibe spucken zuschauen, mit Josi YouTube schauen und Shopska machen.

Am Montag geht es weiter mit dem Goethecamp in den Räumlichkeiten vom Soho Coworking Space. Dann heißt es wieder ein paar Menschen sitzen im Innenhof und arbeiten, 2 Hunde laufen umher und 30 kreischende Kinder rennen durch die Gegend. Ich werde immer „Frau“ von ihnen genannt. Einfach „Frau“, weil man das auf Bulgarisch so sagt. Irgendwie ist es echt lustig.

Trotzdem freue ich mich darauf ganz frei zu sein, keine Verpflichtungen mehr zu haben und in viel zu stickigen Zügen durchs Land ans Meer zu fahren.