Vorbereitungsseminar und Abschied nehmen

 

 

Jedes neue Schuljahr nehme ich mir vor, doch dieses Schuljahr meine Hefte anständig, gewissenhaft und dauerhaft zu führen. Also jeden Eintrag nachzutragen, falls man nicht da war und alles mit Datum zu Versehen. Also mit allem drum und dran. Diesen Plan habe ich dann aber maximalstens zwei Wochen durchgezogen.
Ähnlich war es mit diesem Blog. An meinem Uploadzeiten kann man ja sehen, wie erfolgreich ich meinen Vorsatz einmal wöchentlich zu bloggen bisher verfolgt habe. Allerdings habe ich jetzt schon so vielen Leuten erzählt, dass ich bloggen werde, dass ich es nun auch machen muss.
Also was ist seit letztem Mal passiert? Zum großen Teil zwei Sachen: Erstens das Vorbereitungsseminar und zweitens habe ich mich von meiner Familie verabschiedet und meine Sachen gepackt.

Vorbereitungsseminar: “Wer bist du? Woher kommst du? Und wohin gehst du?”

Das Vorbereitungsseminar dauerte zehn Tage und fand an der EJB am Werbellinsee statt.
Eine wunderschönes Jugendherbergsgelände an einem See. Dem Werbellinsee eben, wer hätte es erwartet?

 

Der See war ein super Rückzugsort für Gespräche oder ein Ort zum abends rumsitzen und Musik hören. 🙂
So lernte man sich besser kennen und aus Bekannten wurden Freunde.

Um mit neuen Leuten zu reden, bot hingegen das gemeinsame Essen eine super Möglichkeit.
Standardmäßig begrüßte ich hier Unbekannte mit “Wie heißt du? Woher kommst du? Und wohin gehst du?”. Zwar erübrigten sich die Fragen im Prinzip durch die Namensschilder, auf denen auch das Einsatzland vermerkt war, allerdings ist es nochmal schöner persönlich mit Leuten zu reden und ins Gespräch zu kommen. (Und wegen meinem blinden Maulwurfsdasein konnte ich die Schilder meistens auch nicht lesen).
So stellte ich diese drei Fragen innerhalb der ersten paar Tage so oft, dass ich eigentlich den gesamten Blogeintrag mit diesen überschriften wollte.

Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich bin für die Leute die ich dadurch kennen gelernt habe. Vorher war man oft mit seinen Ängsten und Panik alleine. Freunde versuchen zu helfen, aber es ist schwer sich in die Situation hereinzuversetzen, in der wir uns alle befinden.
Ja, wir sehen unsere Familien nur selten für die nächsten 6 oder 12 Monate.
Ja, wir haben Angst, dass wir Heimweh haben, die Sprache nicht lernen, keine Wohnung finden, mit der Schule nicht klarkommen, vereinsamen. Aber wir freuen uns auch auf den Einsatz und sind voller Vorfreude herauszufinden was uns erwartet.
Es ist ein komischer Gefühlsmix, der zumindest mein teelöffelgroßes Gefühlsreichtum gelegentlich übersteigt.
Und allein dafür, dass ich sagen kann, dass nicht ich, sondern wir Angst haben und ich weiß, dass ich nicht alleine in dieser Situation bin, hat sich das Vorbereitungsseminar schon gelohnt. Auch wenn bei mir keine anderen Freiwilligen vor Ort sind, habe ich nun doch ein enges Netz von alten und neuen Freunden, von dem ich mir sicher bin, dass es mich im Falle der Fälle auch aus der Ferne tragen kann und wird.

Eine andere Freiwillige (@abenteuerburgas) wies mich darauf hin, dass ich im letzten Eintrag nicht nach Berlin fahren „wollte”, „durfte” oder „konnte”. Nein, ich “musste” nach Berlin fahren.
Und um ehrlich zu sein, mir war unklar, inwiefern mir das Seminar helfen sollte. Ich wusste aus vorherigen Blogs, dass es wohl ganz schön und beruhigend wird, aber was genau wir da machen, keine Ahnung. Nur so viel vorneweg, wenn ich gewusst hätte was wir machen und wie mir das Seminar helfen würde, ja dann hätte ich auch zum Werbellinsee „gewollt“.
Erst hatte ich geplant genau zu beschreiben was wir alles gemacht haben, aber ich will nicht zu viel vorneweg nehmen, außerdem ist es schwer alles in gute Worte zu fassen.
Lina, eine Freundin von mir, hat aber einen relativ detaillierten Beitrag über das Vorbereitungsseminar geschrieben. Also wenn es euch interessiert schaut bei @abenteuerburgas vorbei.

Also kurz und knapp.

Alles in allem gab es drei Bestandteile des Seminars:

1. Die Homezones: werden regional eingeteilt, eine Gruppe um die zehn Personen, meistens engste Bezugsgruppe und der Ort, an dem man oft die meisten Freunde findet. Viele trifft man beim Zwischenseminar wieder.
2. Die Partnertage: Hier stellen sich die Partnerorganisationen vor. Beim PAD hatten wir Gespräche mit früheren kultuweit Freiwilligen und Workshops. Kleiner Tipp, falls es nochmal angeboten wird, empfehle ich euch “Notfallkoffer Deutsch” zu belegen. 90 Minuten lang nur spielen – Spaß pur. Andere Leute empfahlen aber auch “Musik im Deutschunterricht”
3. Workshops: Verschiedene Angebote zu einem groben Oberthema. Mein Highlight (oder Downlight, je nachdem wie man es sieht) hier “Homophobie auf dem Balkan”. Im Workshop haben wir diesen Film gesehen, sehr berührend und heftig.

Zu dem waren wir einen Tag in Berlin zu Besuch beim Auswärtigem Amt.

Und schwupps waren die zehn Tage auch schon vorbei. Auch wenn sie sehr anstregend waren und am Ende echt die Luft raus war, ich werde die Zeit und die Leute trotzdem vermissen.

Notiz für die Freiwilligen nach mir: nehmt euch lange Schlafsachen oder eine extra Decke mit. Picknickdecken und Ohrenstöpsel können auch nicht schaden.

Packen und Abschied

Nach dem Vorbereitungsseminar, ging es für mich einen Tag nach Hause um mich von meiner Familie zu verabschieden und meine Sachen zu waschen und fertig zu packen.

Was brauche ich wirklich zum Leben?
Und schaffe ich es das alles in 23kg Aufgabegepäck und 8kg Carry-On zu stecken?
Nein, schaffe ich nicht. Mein Aufgabegepäck wiegt 23,1kg und mein Carry On Koffer 12kg, also 4kg mehr als erlaubt 😬. Außerdem habe ich noch eine Handtasche und meinen Wintermantel dabei. Meine Wanderschuhe habe ich auch schon angezogen. Auf gehts also in Wanderschuhen und dicken Mantel nach Tirana, wo gerade angenehme 30 Grad sind.
Mal schauen, ob ich das alles ohne Aufpreis mit ins Flugzeug bekomme. Adria berechnet schlappe 5-15€ pro Kilo Übergewicht und 75€ pro neuem Gepäckstück.
Gerade sitze ich wieder im Zug, diesmal zum Flughafen. Allerdings werde ich nicht in 11 Tagen wieder zu Hause sein, sondern frühstens Weihnachten.
Ein komisches Gefühl, auch wenn ich noch überhaupt nicht realisiert habe, was das bedeutet.
Ja, es macht mich traurig darüber nachzudenken, dass ich in der nächsten Zeit nicht mit meiner Familie frühstücken werde, dass ich die Leute, die auf der Straße sprechen, nicht mehr verstehen werde, dass ich keinen Schulfreunden mehr random über den Weg laufen kann. Aber noch bin ich zuversichtlich, dass alles gut wird. Dann lerne ich eben Albanisch und verstehe so die Leute, lerne neue Freunde kennen und frühstücke auch mit ihnen.
Wird schon alles gut werden und wenn das mit 75€ Aufpreis ist.

Mirupafshim und bis bald!

Jana

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