Tag 36 – Luken dicht

Heute ist Feiertag und meine Mitbewohnerinnen und ich haben es ruhig angehen lassen: Branka hat eine Biskuitrolle gebacken, ich habe einen Schal gestrickt und zusammen haben wir ein paar Weihnachtssterne gebastelt.

odmor – Feiertag

ponedjeljak – Montag

utorak – Dienstag

srijeda – Mittwoch

četvrtak [tschetvrtak] – Donnerstag

petak – Freitag

subota – Samstag

nedjelja – Sonntag

 

Und mein Lieblingswort:

vikend – Wochenende

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Tag 34 – Land unter

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass! Und wie es heute regnet. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich es wagen soll, meine Nase heute noch aus der Haustür rauszustecken. Aber immerhin: Graue Tage sind die besten Arbeitstage. Nachdem ich schon fleißig meine Kroatisch-Aufschriebe auf Vordermann gebracht habe, bin ich ein wenig kreativ geworden. Denn gestern bei einem Kaffee ist mir die Idee gekommen, wie man das Thema Debatte spielerisch gestalten könnte: Ganz einfach am Beispiel von „Among Us“! Ein bisschen Google-Bildersuche und schwupps ist die Präsi fertig. Darf ich vorstellen: Debattieren Lernen mit „Among Us“.

Woche 4 – Blau blau blau sind alle meine Farben

Kroatien ist ein Land der unglaublichsten Farben. Zum Beispiel dieses Blau! Höchste Zeit also, einmal ein paar Worte über Farben zu verlieren…

boja – Farbe

žuta [tschuta] – gelb

naranča [narantscha] – orange

crvena – rot

ružičaste [rutschitschaste] – rosa

ljubičaste [ljubitschaste] – lila

plava – blau (oder blond)

zelena – grün

smeđa [smetscha] – braun

… und auch wenn es strenggenommen keine Farben sind:

bijla – weiß

crno – schwarz

siva – grau

Heute ist es übrigens ausnahmsweise mal nicht „plava“ hier – sondern „siva“.

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Tag 33 – See-/Erdbeben

Heute Nacht gab es zwei kleine Erdbeben. Ihr Epizentrum war Kastav, ein kleines Städtchen westlich von Rijaka. Das Beben hatte eine Stärke von 2,1. Gemerkt habe ich davon nichts. Aber Katharina, die ich heute dort besuche, erzählt, ihre Fensterscheiben hätten gewackelt.
Um nach Kastav zu kommen nehme ich den Bus. Und der lässt sich einiges an Zeit. Ich genieße also die mittäglichen Sonnenstrahlen. In Kastav angekommen werde ich von Katharina und ihrem kleinen Sohn im Garten begrüßt. Erst gibt es lecker Mittagessen, danach frische ich meine Kroatisch-Kentnisse mit den herumliegenden Kinderbüchern auf. Noch schnell den frisch-verlegten Rasen mähen, dann geht es hoch zum Aussichtspunkt. Eine dicke, graue Wolkendecke hängt über der Bucht. Kurz: Die Aussicht ist wunderschön. Wir trinken Tee und essen selbstgebackene Plätzchen. Als es schließlich dunkel wird, laufen wir noch ein wenig durch die verwinkelten Gassen des Örtchens. Wir entdecken die Ruinen einer Kirche. Und daneben Überreste einer kleinen Festung. Schön spazieren gehen kann man hier, erzählt mir Katharina. Und das nehme ich mir auch fest vor. Nur leider ist es dafür heute schon zu spät. Ein andermal also.

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Tag 32 – Im Lagerraum

Für alle, die es noch nicht wissen (oder es schon wieder vergessen haben): Rijeka ist eine der zwei europäischen Kulturhauptstädte 2020. Und das bedeutet: Wenn das Kulturangebot der Stadt nicht schon vorher bemerkenswert war, dann ist es das spätestens jetzt. Ein Beispiel dafür: Die Ausstellung „Fiume Fantastika“.

„Fiume Fantastika“ ist eine Homage an Rijeka (alias Fiume). Und aus diesem Grund gibt es für die Ausstellung auch nur einen denkbaren Ort: Den Hafen. Doch dort hinein zu kommen ist gar nicht mal so einfach. Schließlich gilt: Das Hafengeläde untersteht der Hafenverwaltung – nicht der Stadt. Betreten ist daher normalerweise verboten. Normalerweise. Denn wer könnte einer Kulturhauptstadt schon etwas abschlagen? Und so sind die blauen Tore der ehemaligen Holzlagerhalle „Export Drvo“ ausnahmsweise für Kulturbegeisterte geöffnet.

Wer – wie ich an diesem grauen Samstagnachmittag – die Ausstellung betritt, der befindet sich allerdings nicht nur mitten im Herzen der Stadt, sondern auch in mitten ihrer Geschichte. Schließlich besteht „Fiume Fantastika“ aus zehn Pavillons, die jeweils einem ganz bestimmten Aspekt Rijekas gewidmet sind: Dem Hafen und der Bahn, der Grenze, den Netzwerken, dem Kino, dem Tourismus, den Palästen, dem Öffentlichen Raum, der Stadt, den Monumenten und dem Fantastischen an allem. Und dann gibt es da noch eine Timeline. Doch eines nach dem anderen. Beginnen wir ganz vorne:

Im ersten Pavillon lerne ich, dass Rijeka einst der fünftgrößte Hafen Europas war. Und dass es im 18. Jahrhundert fertige Bausätze für Bahnhöfe und Brücken gab. „Wie Lego“, sagt die Museumsangestellte.“Wie Ikea“, denke ich.

Im zweiten Pavillon geht es um die Grenze, die die Stadt früher einmal in zwei Länder teilte.

Im dritten um Titos „Möwe“ und den Hafen als Sprungbrett nach Amerika. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Rijeka die meisten Auswanderer*innen nach Amerika verschickte?

Direkt daneben ist ein Sandkasten aufgebaut. Und wer sich – wenn auch nicht zum Umziehen – in die kleinen Umkleidekabinen wagt, der findet sich in Opatija oder auf Krk wieder. Auf einem Bild entdecke ich sogar das Luxushotel des „Lost Places“-Beitrags wieder!

Nicht minder erfreulich geht es auf der anderen Seite weiter: Ein Kino und hübsche Paläste.

Dann, im Pavillon zu den Öffentlichen Räumen, die Erkenntnis: Vieles, was heute Ufer ist, wurde künstlich aufgeschüttet. Denn wenn Rijeka eines nicht hat, dann ist es Platz.

Ein Raum weiter noch ein Computerspiel und schließlich ein Monument für die Monumente. „Der arme Doppeladler“, denke ich mit einem Blick auf das entsprechende Foto. Da wollten die italienischen Besatzer doch lieber einen „römischen“ Vogel als das österreichische Wappentier. Erst seit diesem Jahr schauen wieder zwei Köpfe auf den Korzo hinunter.

Am Ende noch ein Blick hinter die Kulissen, Slalom durch die Timeline und hoch in die Comic-Ausstellung. Ein paar Souvernis (man lebt schließlich nicht alle Tage in der Kulturhauptstadt Europas!) – dann ist mein Kopf voll und mein Geldbeutel leer. Also nichts wie raus aus der zugigen Halle und zurück in die Gegenwart!

 

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Tag 31 – Stromaufwärts

Rijeka ist das kroatische Wort für Fluss. Und heute geht es genau diesen Fluss entlang. Denn etwa 15 Minuten stromaufwärts von der Stadt befindet sich die Papierfabrik „Hartera“ – oder was davon noch übrig ist.

Betritt man wie ich das baufällige Gebäude, knirscht Glas unter den Schuhen. Aber nicht nur deswegen sollte man gut hinschauen, wo genau man hintritt. Sondern auch wegen der vielen Löcher. Einige stammen von den Maschinen, die früher hier standen. Andere sind eher jüngeren Datums. So zum Beispiel das in der Decke. Trotz des blauen Himmels – nicht gerade vertrauenserweckend, dieser Ausblick… Doch wenigsten die Treppen sehen stabil aus. Zumindest so stabil, dass ich es wage, ein wenig durch die alte Fabrik zu wandern. Ich verliebe mich in den schwarz-weiß gefliesten Fußboden und die bunten Türrahmen. Außerdem freue ich mich wie ein Kind über zurückgelassene Stromkästen und Maschinen. Und das kann ich auch ohne Scham, denn außer mir und einem Obdachlosen ist das Gebäude menschenleer. Nur die Natur holt es sich langsam zurück. Und ein paar Sprayer haben ihre Spuren hinterlassen.

Nachdem ich die Ruine von oben bis unten durchforstet habe, zieht es mich wieder zurück an die frische Luft. Doch auf meinem Weg in Richtung des Clubs „Hartera“ muss ich die wärmenden Sonnenstrahlen erneut hinter mir lassen. Stattdessen legt sich die Kühle des Tals über mich. Ich durchschreite mehrere Torbögen, dann liegt die alte Lagerhalle vor mir. Und auch sie ist verlassen. Dort wo sonst dröhnende Techno-Beats Wände und Körper zum Beben bringen, herrscht gähnende Leere. Nur ein paar zusammengeklappte Bänke und ein einsamer Kühlschrank stehen im Raum.

Ich fröstel und mache mich auf den Rückweg: Zurück zur Papierfabrik, über eine kleine Brücke und weiter Richtung Stadt. Doch kurz bevor ich meinen Ausgangspunkt erreiche, sehe ich eine zweite verlassene Anlage. Ein kleines Loch im Zaun lädt mich zum Erkunden ein, doch mein Handy-Akku protestiert und gibt den Geist auf. Da ich außerdem heute Nachmittag noch eine Konferenzschalte habe, entscheide ich mich, diesen zweiten Schatz noch etwas ruhen zu lassen. Verlassene Gemäuer laufen schließlich nicht weg.

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Tag 30 – Auf in’s Wortgefecht!

Jeder weiß, dass Argumentieren eine wichtige Fähigkeit darstellt. Schließlich basiert unsere Demokratie auf dem Gedanken, dass jeder mitreden kann und auch soll. Aber nicht nur auf höchster politischer Ebene, sondern auch im Alltag hat man immer wieder die Gelegenheit, seinen Senf dazuzugeben. Und je besser man das macht, desto wahrscheinlicher ist, dass man sich mit seiner eigenen Meinung durchsetzt.

Wie praktisch also, dass Katharina mich gefragt hat, ob ich ein paar Schüler*innen für „Jugend debattiert“ trainieren möchte! Oder wie man in einer Debatte fragen würde: Soll ich eine Gruppe Schüler*innen für den „Jugend debattiert“-Wettbewerb trainieren?

Nun, dafür spricht, dass alle davon profitieren würden:

  • Die Schüler*innen (hoffe ich zumindest), die Deutsch lernen und wie sie am besten ihre Eltern bequatschen,
  • Katharina, die damit entlastet wird,
  • Kroatien, das reflektierte, strukturiert denkende Bürger*innen bekommt
  • und natürlich ich, die endlich versteht, wie eine Debatte aufgebaut ist.

Also – Jackpot! Oder wie man in einer Debatte sagen würde: Deshalb sollte ich eine Gruppe Schüler*innen für den „Jugend debattiert“-Wettbewerb coachen. Und genau das werde ich auch tun. Zumindest, wenn sich genug Schüler*innen dafür interessieren.

Tag 29 – Titos „Möwe“

Kroatien ist voller „Lost Places“. Zwei davon habe ich schon entdeckt: Rijekas alte Torpedo-Abschussrampe und die mutmaßliche Geschützstellung am Strand Glavanovo. Außerdem gibt es da noch die einstige Papierfabrik Hartera und das dem Verfall überlassene Theatro Fenice. Und last but not least die alte Staatsyacht von Tito.

Ja, auch die „Galeb“ (alias Möwe) liegt in Rijeka vor Anker. Nur leider an einer Stelle, wo Normalsterbliche nicht hinkommen. Schließlich wird sie gerade zu einem Museumsschiff umgemodelt. Ein „Lost Lost Place“ also. Zumindest halb. Denn anschauen kann man sich die Yacht trotzdem: Man muss nur auf eine kleine Doku zurückgreifen.

Und wenn man eh schon dabei ist, kann man direkt mit einem Beitrag über ein verlassenes Luxushotel auf Krk oder eine stillgelegte Airbase weitermachen. Binge-Watching lässt grüßen…

Tag 27 – Klar Schiff machen

Montag. Das heißt: Zurück an die Arbeit! Und da ist über das lange Wochenende doch einiges liegengeblieben. Zum Beispiel ein paar Podcast-Folgen:

Besonders stolz bin ich auf die Folge Lieblingsdialekt (auch wenn ein paar Urschwaben an meinem „Schwäbisch“ sicher so manches auszusetzten hätten). Aber was soll’s, denn mit der Folge ist nun endlich das erste Themengebiet abgeschlossen! Ja, ihr hört richtig, mit dem neuen Konzept hat alles ein wenig Struktur bekommen. Als nächstes werde ich mich daher auch voll und ganz einem einzigen Thema widmen: Weihnachten! Und auch wenn ich damit der Zeit ein wenig vorauseile, im Vergleich zu den Supermärkten stehe ich doch ganz gut da 😉