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Tag 44 – Hafenspaziergang

Želim poslato paket u njemačku“ – Ich möchte ein Paket nach Deutschland verschicken. Diesen Satz spuckt der Google-Übersetzer aus, als ich in der Schlange vor dem Post-Office stehe. Brav habe ich eine Nummer gezogen und schaue dem Schalterangestellten dabei zu, wie er eine Armada an Briefmarken abstempelt. „Bam, bam, bam“ geht das Stakkato des Stempels. Dann bin ich dran: D007 zu Schalter Nummer fünf. Der Angestellte vor mir legt seinen Stempel weg und schaut mich erwartungsvoll an. „Želim poslato paket u njemačku“, sage ich mein Sprüchlein auf und schiebe hinterher: „But I need a box“. Soviel also zu meinen Sprachkenntnissen. Als Nächstes krame ich ein Sammelsurium an kleinen Päckchen hervor. „Christmas calendar“ nuschle ich entschuldigend und reiche sie ihm eins nach dem anderen über die Theke. „Zack, zack, zack“ landen sie im Pappkarton und ich frage mich unwillkürlich, wie meine Basteleien am Ende ankommen werden. Während ich die Adresssticker ausfülle, wird das Paket feinsäuberlich in Klebeband eingehüllt. Und dann die Kirsche auf der Torte: Die Briefmarken. Goldene Weihnachtsbriefmarken sind es. Und zwar ganz schön viele davon. „Der arme Mann“ denke ich, als der Beamte die rund 30 Marken kunstvoll auf dem Paket festklebt. Nurnoch eine weitere Lage Klebeband und das Werk ist vollbracht. Wehe, der Empfänger freut sich nicht!

Als ich hinaus ins Freie trete schaue ich auf die Uhr: Kaum 12 Uhr und mein Tagesziel schon erfüllt! Angesichts dieses Erfolgs packt mich der Übermut: Ich beschließe endlich den überfälligen Hafenspaziergang anzutreten. Schließlich strahlt die Sonne und bis zur nächsten Unterrichtsstunde ist es noch lang. Ich umrunde also die Yachten und schließe mich all den jungen Familien, Studierenden und Rentern an. Sie alle haben nur ein Ziel: Den Hafenwall von Rijeka. Ist der anfangs noch von einem Cafe gesäumt, bleibt der Rest des Weges doch recht simpel: Links die Mauer, rechts die Boote und vor einem die schnurgerade Straße. Ich passiere einen Gitarrenspieler, zahlreiche Angler und ein paar Fischer, die ihre Netze flicken. Immer weiter zieht sich der Weg, die Boote und Schiffe bleiben hinter mir zurück und ich habe freie Sicht auf den Bahnhof und die Industrieanlagen.

Der Pier wird schmaler und über eine Treppe geht es hoch auf den Damm. Die volle Wucht des blauen, glitzenden Meeres blendet mich. Noch ein paar Meter, dann habe ich das Ende der Strecke erreicht. Eine ältere Dame macht Dehnübungen, ein Herr marschiert mit seinen Errungenschaften vom Markt hin und her. Vor uns dümpeln drei Fischerboote, am Horizont liegt ein Frachter vor Anker. Ich setze mich hin und würde gerne bis zum Sonnenuntergang bleiben. Aber so viel Zeit habe ich leider nicht. Langsam laufe ich also zurück und betrachte dabei den Hafen, wie er sich Stück vor Stück vor mir öffnet. Noch ein kurzer Abstecher zum Bahnhof, dann geht es an die Arbeit.

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Tag 41 – Wracktauchen

Ein wenig abendliches Geplänkel und der Plan für heute steht fest! Denn wie sich herausstellt haben Yvonne und ich eines gemeinsam: Unsere absolute Faszination für „Lost Places“. Und wie es der Zufall will, befindet sich der bekannteste „Lost Place“ Europas ausgerechnet auf Krk!

Extra früh stehen wir also auf, um nach einem dekadenten Frühstück auf den Bus zu hetzen. Es geht nach Malinska, genauer gesagt zum Hotel „Haludovo“ – oder dem, was davon übrig ist. Bereits wenige Meter nachdem wir den kleinen Hafen des Örtchens umrundet haben, stehen wir vor einem zerfallenen Restaurant. Noch ein paar Schritte: Die Überreste einer Strandbar. Weiter durch die Ruinen der Bungalows und da ist es : Der imposante Hotelkomplex. „Betreten verboten“ steht auf dem Boden des Haupteingangs. Einen Zaun sieht man hier nirgendwo. Wir gehen hinein und blicken hinunter auf das, was einst eines der gefragtesten Hotels Kroatiens war. 17 Jahre ist es her, dass das „Haludovo“ seine Türen schloß. Heute ist keine Fensterscheibe mehr ganz, die Decke steht kurz vor dem Zusammenbruch. Nur der Beton sieht noch halbwegs vertrauenserweckend aus. Also wagen wir uns hinauf zu den Zimmern. Nur nicht nach unten schauen, denke ich mir, als ich Stufe um Stufe nach oben steige. Klein sind die Zimmer. Bis zu 500 Gäste konnten früher im „Haludovo“ übernachten. Heute würde sicher niemand mehr darin wohnen wollen. Und das auch wenn die Zimmer nicht komplett morsch und schimmelig wären.

Wir gehen wieder runter, verlassen die Lobby nach links und entdecken den Pool. Gaddafi, der ehemalige Diktator Lybiens, soll hier einmal geplanscht haben. Wir lassen diese Info und die Architektur auf uns wirken. Es ist ganz still, kein Mensch weit und breit. Das „Haludovo“ gehört uns alleine.

Also zurück in die große Halle und nach rechts. Wir landen in der Großküche. Gruselig, die rießigen Abzugshauben und die leeren Kühlräume. Schnell raus auf die Terasse, die Treppe runter und wir stehen vor einer weiteren Attraktion: Der Bowlingbahn. Ein letztes Foto, dann kehren wir dem Beton endgültig den Rücken und gehen hinunter zum Strand. Während sich der Anblick des Hotels in den letzten Jahren stark verändert hat, ist der Zahn der Zeit hier beinahe spurlos vorbeigegangen. Alles was fehlt sind die Sonnenliegen. Und die Gäste darauf.

Wir folgen der Promenade und genießen den Blick nach Rijeka. Kaum mehr als eine Stunde später sind wir in Njivice. Eine Strandbar hat noch offen – in der Nebensaison ein Wunder, das wir gerne genießen. Noch ein leckerer Burger und dann ist es Zeit die Insel wieder zu verlassen. Schließlich hat, wenn auch von uns bisher gekonnt ignoriert, die Woche schon längst wieder begonnen.

Ihr fragt euch, wie das Hotel früher einmal aussah? Guckste hier: http://www.malinska.hr/2018/10/07/haludovo-rak-rana-malinskarskoga-turizma-prezentacija-stajalista-vlasnika-hotelskog-kompleksa/

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Tag 40 – Frische Brise

Eigentlich bin ich kein besonders großer Fan davon, wenn es bergauf geht. Außer natürlich, man lehnt sich dabei bequem in einem Polstersitz zurück. Und genau das haben wir heute gemacht. Denn für die Häfte der Strecke hoch zum Baška-Platteau nutzen wir den Bus. Keine große Leistung, mag der ein oder andere von euch jetzt denken. Und doch war es gar nicht so einfach, unseren Busfahrer davon zu überzeugen, uns mitten auf der Strecke hinaushüpfen zu lassen. Zumindest für uns steht daher fest: Wir hatten es verdient!

Und anstrengend genug sollte es trotzdem werden: Denn obwohl die Windwarnung am Morgen vom Handydisplay verschwunden war, bließ es uns doch eisig entgegen. Also schnell den Kragen der Allwetterjacke hochklappen, Mütze tief über die Ohren ziehen und stoisch einen Schritt vor den anderen setzen. Doch auch das war gar nicht mal so einfach: Schließlich waren die kleinen rot-weißen Markierungen in der von Steinen übersähten Ebene kaum zu sehen. Wie die Erdmännchen spähten wir in die Landschaft, schwärmten ab und zu aus und bahnten uns so unseren Weg. Am Anfang ging es noch etwas einfacher: Einfach irgendwie den Berg hoch. Doch als wir den höchsten Gipfel und damit auch die beste Aussicht erreicht und hinter uns gelassen hatten, wurde es komplizierter. So hieß es schließlich auch am zweiten Tag unserer Wanderung: Ab über die Mauer und durchs Gestrüpp. Aber statt eines Zeichens entdeckten wir zuerst nur ein paar Knochen. „Ein Schafsgerippe“, dachten wir* und suchten weiter. Und siehe da: Nach einer Weile fanden wir den Weg wieder und wagten den Abstieg. Fast wären wir noch von einer Mountain-Bike-Gruppe überradelt worden, doch letztendlich erreichten wir Punat. Und damit (geneigte Leser*innen haben es kommen sehen) unseren mehr als überfälligen Kaffee-Stopp.

Doch damit nicht genug der Annehmlichkeiten: Für die Nacht hatten wir uns einen Black-Friday Deal für ein 4-Sterne Hotel gesichert. Und das lag – wie könnte es anders sein – direkt am Yachthafen. Durch den spazierten wir dann auch zu unserem Abendessen: Ein schnuckeliges kleines Lokal mit einem knisternden Kamin, einer guten Seele von einem Besitzer und den besten selbstgemachten Nudeln mit Scampis auf der ganzen Welt!

*also zumindest bis mein Tiermedizin-studierender Mitbewohner via Foto-Analyse Zweifel daran äußerte. Vielleicht also auch ein verirrter Wanderer? Gut, wenn man so etwas erst im warmen Hotelbett erfährt…

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Tag 39 – Im Schlepptau

Schon die ganze Woche hatte ich mir überlegt, was ich am Wochenende machen könnte: Die Grenzen dicht, das Wochenende kurz – was also tun? Ich war ratlos. Doch dann trudelte eine Nachricht von Yvonne aus dem Goethe Institut ein: Ob ich Lust hätte, mit ihr auf Krk wandern zu gehen? Ein ganz klares „Ja!“.

Und so weckte mich am Samstag mein Wecker (viel zu früh), ich lief auf den Bus und los ging es, über die Brücke nach Krk. Auch Yvonne war extra früh aufgestanden (sogar noch viel früher als ich!), um mich an der Bushaltestelle abzuholen. Aus dem kleinen Örtchen Sveti Anton machten wir uns gemeinsam auf den Weg Richtung Krk. Vorbei an Schafen und etwas verloren wirkenden Erklärtafeln zu Uhus, Stacheligeln und Co schlängelte sich der Pfad durch den Wald. Auf einer kleinen Lichtung frühstückten wir: Käse, Schinken, Oliven und etwas Weißbrot. Dann erreichten wir das nächste Örtchen. Und damit ein wichtiges Etappenziel: Ein Cafe!

So gestärkt erklommen wir den Hügel. Und siehe da: Meer in Sicht! Doch der Überblick war bald schon wieder pasé: Denn zwei Pferde, ein Esel und eine andere Wandertruppe später hatten wir uns gründlich verlaufen. Also querfeldein durchs Gebüsch und über zwei Mauern. Wäre ja sonst auch zu langweilig. Zurück auf dem Weg ging es hinunter an die Küste. Und während die goldene Abendsonne immer tiefer sank, näherten wir uns Krk. Noch ein kleiner Spaziergang durch die Gassen des kleinen Städtchens und schon waren wir am Ziel des Tages: Unserer Unterkunft. Nach einigem Suchen fanden wir den hinterlegten Schlüssel, dann konnten wir den Sonnenuntergang von unserem Balkon genießen.

Klimaanlage an, Schuhe aus, Füße hoch. Herrlich! Doch einmal mussten wir noch vor die Tür: Schließlich wartete im gefühlt einzigen offenen Restaurant unser wohlverdientes Abendessen auf uns! Und dann gab es da noch diesen Wein aus Krk… mit wohlgemerkt 11 Prozent Alkohol. Kurz: Ein lustiger Abend 😉

Tag 38 – Vom Winde verweht

Rijeka ist nicht nur für ihr regnerisches Wetter bekannt, sondern auch für die kräftigen Winde, die hier um die Häuserecken pfeifen. Genau aus diesem Grund haben viele in der Stadt auch Angst vor Zugluft. „Propuh!“ alias Zugluft gilt hier als ein geflügeltes Wort. Ältere Frauen rufen es panisch, wenn jemand im Bus ein Fenster kippen möchte.

Was eigentlich eine ganz nette Marotte ist, wird in Zeiten von Corona allerdings zu einem Problem. So wurden heute auch in Kroatien die Regeln noch einmal verschäft: Zwar bleiben Restaurants, Bars und andere Vergnügungsstätten auch weiterhin geöffnet, allerdings beginnt die neue Sperrstunde ab nächster Woche schon um 22 Uhr (statt wie bisher um 24 Uhr).

Besonders einschränken muss ich mich deswegen aber nicht. Denn auch dieses Wochenende werde ich wohl viel an der frischen Luft unterwegs sein. Wohin mich die Winde (ver)wehen, das erzähle ich euch dann am Sonntag (oder Montag – mal sehen).

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Tag 33 – See-/Erdbeben

Heute Nacht gab es zwei kleine Erdbeben. Ihr Epizentrum war Kastav, ein kleines Städtchen westlich von Rijaka. Das Beben hatte eine Stärke von 2,1. Gemerkt habe ich davon nichts. Aber Katharina, die ich heute dort besuche, erzählt, ihre Fensterscheiben hätten gewackelt.
Um nach Kastav zu kommen nehme ich den Bus. Und der lässt sich einiges an Zeit. Ich genieße also die mittäglichen Sonnenstrahlen. In Kastav angekommen werde ich von Katharina und ihrem kleinen Sohn im Garten begrüßt. Erst gibt es lecker Mittagessen, danach frische ich meine Kroatisch-Kentnisse mit den herumliegenden Kinderbüchern auf. Noch schnell den frisch-verlegten Rasen mähen, dann geht es hoch zum Aussichtspunkt. Eine dicke, graue Wolkendecke hängt über der Bucht. Kurz: Die Aussicht ist wunderschön. Wir trinken Tee und essen selbstgebackene Plätzchen. Als es schließlich dunkel wird, laufen wir noch ein wenig durch die verwinkelten Gassen des Örtchens. Wir entdecken die Ruinen einer Kirche. Und daneben Überreste einer kleinen Festung. Schön spazieren gehen kann man hier, erzählt mir Katharina. Und das nehme ich mir auch fest vor. Nur leider ist es dafür heute schon zu spät. Ein andermal also.

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Tag 31 – Stromaufwärts

Rijeka ist das kroatische Wort für Fluss. Und heute geht es genau diesen Fluss entlang. Denn etwa 15 Minuten stromaufwärts von der Stadt befindet sich die Papierfabrik „Hartera“ – oder was davon noch übrig ist.

Betritt man wie ich das baufällige Gebäude, knirscht Glas unter den Schuhen. Aber nicht nur deswegen sollte man gut hinschauen, wo genau man hintritt. Sondern auch wegen der vielen Löcher. Einige stammen von den Maschinen, die früher hier standen. Andere sind eher jüngeren Datums. So zum Beispiel das in der Decke. Trotz des blauen Himmels – nicht gerade vertrauenserweckend, dieser Ausblick… Doch wenigsten die Treppen sehen stabil aus. Zumindest so stabil, dass ich es wage, ein wenig durch die alte Fabrik zu wandern. Ich verliebe mich in den schwarz-weiß gefliesten Fußboden und die bunten Türrahmen. Außerdem freue ich mich wie ein Kind über zurückgelassene Stromkästen und Maschinen. Und das kann ich auch ohne Scham, denn außer mir und einem Obdachlosen ist das Gebäude menschenleer. Nur die Natur holt es sich langsam zurück. Und ein paar Sprayer haben ihre Spuren hinterlassen.

Nachdem ich die Ruine von oben bis unten durchforstet habe, zieht es mich wieder zurück an die frische Luft. Doch auf meinem Weg in Richtung des Clubs „Hartera“ muss ich die wärmenden Sonnenstrahlen erneut hinter mir lassen. Stattdessen legt sich die Kühle des Tals über mich. Ich durchschreite mehrere Torbögen, dann liegt die alte Lagerhalle vor mir. Und auch sie ist verlassen. Dort wo sonst dröhnende Techno-Beats Wände und Körper zum Beben bringen, herrscht gähnende Leere. Nur ein paar zusammengeklappte Bänke und ein einsamer Kühlschrank stehen im Raum.

Ich fröstel und mache mich auf den Rückweg: Zurück zur Papierfabrik, über eine kleine Brücke und weiter Richtung Stadt. Doch kurz bevor ich meinen Ausgangspunkt erreiche, sehe ich eine zweite verlassene Anlage. Ein kleines Loch im Zaun lädt mich zum Erkunden ein, doch mein Handy-Akku protestiert und gibt den Geist auf. Da ich außerdem heute Nachmittag noch eine Konferenzschalte habe, entscheide ich mich, diesen zweiten Schatz noch etwas ruhen zu lassen. Verlassene Gemäuer laufen schließlich nicht weg.

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Tag 26 – Bella Ciao

Wochenend und Sonnenschein, das war es wirklich. Doch nach einem sehr sehr guten Mittagessen (diesmal mit Cedevita) geht es für mich wieder zurück nach Rijeka. Schnell noch ein gemeinsames Selfie, dann heißt es: Ciao Christian, ciao Pula, ciao Istrien! Oder vielleicht lieber: Vidimo se?!

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Tag 25 – Ein Tag auf dem Sonnendeck Istriens

Wer nach Istrien fährt, der kommt um eine Stadt kaum herum: Rovinj. Und tatsächlich war ich schon einmal mit einem Schüleraustausch dort. Das ist jetzt nur ungefähr 10 Jahre her… Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen?!

Da mein Bus allerdings erst um 11:30 abfährt, habe ich noch alle Zeit der Welt für einen morgentlichen Cappuccino. Und welcher Ort wäre an diesem Samstagmorgen besser dafür geeignet als Pulas Markthalle? Danach, auf dem Weg Richtung Busbahnhof, komme ich wieder am Amphitheater vorbei (und ja, es steht noch). 30 Minuten, dann spuckt mich der Bus wieder aus: Rovinj.

Wie in Pula sind auch in Rovinj nur ein paar Menschen auf den Straßen unterwegs. Ich laufe also zum Pier und genieße erst einmal den Blick. Neben mir ein Angler mit seinem Enkel, vor mir die Halbinsel der Altstadt. Und deren Gassen erkunde ich dann auch als nächstes. Zuerst hoch zur Kirche, Aussicht genießen, dann wieder runter Richtung Hafen. Ab und zu verlaufe ich mich, aber wie es so ist – nach unten kommt man immer. Ich setze mich in ein Cafe und trinke zur Abswechslung mal eine Limo (ja, keine Cedevita sondern eine selbtgemachte). Anschließend geht es weiter am Hafen entlang Richtung Park. Auch der liegt auf einer Halbinsel und ich muss sagen, diesmal macht der „Park“ seinem Namen alle Ehre! Es gibt Strände mit Blick auf die Stadt aber auch ein bisschen Wald und sogar ein paar Felswände mit Kletterern. Etwa zwei Stunden bin ich unterwegs, dann wird es langsam dunkel. Passend zum Sonnenuntergang bin ich zurück im Hafen. Ein Straßenverkäufer bietet heiße Maroni an und ich kann dem Duft nicht widerstehen. Dann noch ein Cocktail und schon ist es wieder Zeit zu gehen.

In Pula treffe ich mich schließlich noch mit Christian. Dabei ist es gar nicht so einfach eine Bar zu finden, in der die Musik leise genug ist, um sich zu unterhalten. Wir quatschen bis wir vom Kellner freundlich herausgeschmissen werden.

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Tag 24 – Ciao Bruderschiff

Fast einen Monat bin ich schon mit kulturweit unterwegs und habe noch keinen meiner Mitfreiwilligen im „real life“ getroffen. Höchste Zeit das zu ändern! Die Entscheidung wohin es gehen soll, fällt dabei leicht: Außer mir gibt es nur einen einzigen kulturweit-Freiwilligen in ganz Kroatien: Christian. Christian ist wie ich Deutschlehrer. Allerdings nicht bei der ZfA sondern beim Goethe-Institut und nicht in Rijeka sondern in Pula. Also nichts wie dorthin! Ein kurzes Geplänkel via Whatsapp ein etwas längeres Jonglieren mit den Fahrplänen von Arriva und Flixbus und schon kann es losgehen. Dafür stehe ich sogar zur Abwechslung mal etwas früher auf 😉

Zugegeben, zuerst bin ich ein wenig gespannt, wie das mit den Arriva-Bussen funktioniert. Denn Arriva ist zwar eine DB Tochter, aber Arriva ist eben eine DB Tochter… Allerdings: Mit nur fünf Minuten Verspätung hält der Bus an der versprochenen Plattform. Maske auf, Kopfhörer rein, Abfahrt. Den Großteil der Strecke geht es an der Küste entlang. Und obwohl die vielen Kurven für meinen Geschmack etwas zu nahe am Abgrund entlanggehen, lehne ich mich entspannt zurück und lasse den Blick schweifen…

Keine drei Stunden später sind wir in Pula und kurz darauf stehe ich auch schon vor dem Hostel. Aber obwohl ich meine Ankunftszeit angegeben und eine halbe Stunde davor nochmal angerufen habe – nichts. Niemand da. Na super. Ich rufe an und warte. Rufe an und warte. Und immerhin – nach 30 Minuten trudelt die Besitzerin doch noch ein und ich kann die Stadt unsicher machen: Zuerst komme ich am Augustus-Tempel vorbei, dem ältesten erhaltenen Gebäude in ganz Kroatien. Dann erreiche ich mein eigentliches Ziel: Das berühmte Amphitheater! Zu Zeiten der Römer fanden hier bis zu 20.000 Schaulustige Platz. Aber heute gehört es beinahe mir allein; nur zwei andere Mädels und eine Katze stromern zwischen den steinernen Überresten herum. Ich tue es ihnen gleich, dann setze mich auf die Tribüne und beobachte die Katze dabei, wie sie geschickt eine Eidechse fängt. Wenig später meldet sich Christian: Er ist fertig mit dem Unterricht. Also: Hoch die Hände, Wochenende!

Ich verlasse das Amphitheater und schon stehen wir uns gegenüber. Klar, dass wir erstmal einen Kaffee trinken gehen! Christian erzählt von seiner Schule. Auf dem Weg zum Cafe sind wir an ihr vorbei gekommen. Und was soll ich sagen: Auf jeden Fall ganz schön busy der Herr Lehrer! Und busy sind auch unsere Pläne für heute – Frau ist ja schließlich nicht jeden Tag in Pula! Wir kraxeln hoch zum Kastell und wieder runter zum Triumphbogen. Dann nehmen wir den Bus Richtung Stoja, der Halbinsel am Rande der Stadt. Dort angekommen entdecken wir ein altes verfallenes Schwimmbad und eine Wakebording-Anlage. Immer wieder werden wir von Einheimischen angeprochen, deren aufmerksame Ohren das Deutsche in unserem Schwäbisch erkannt haben. Einmal stecken wir sogar plötzlich in einer Diskussion, wie schwer es doch sei, kroatische Mädels kennenzulernen.

Als wir endlich am angepeilten Felsstrand ankommen, steht die Sonne nur noch knapp über dem Horizont. Wir schauen ihr dabei zu, wie sie hinter den Wellen verschwindet, dann fahren wir zurück. Ein leckeres Abendessen in der Pizzeria hinter der Schule und dann ab ins Bett. Schließlich ist auch für morgen so einiges geplant!