post

Tag 104 – Rettungsweste

Was macht man an einem grauen Tag? Richtig, ein bisschen Museumsluft schnuppern. Die Frage ist nur: Kunst, Computer, Kriegsgerät oder Stadtgeschichte? Ich entschied mich für letzteres und damit für eines der beeindruckensten Gebäude Rijekas: Den Gouvaneurspalast.

Einst imposanter Sitz des Stadtoberhaupts, ist im Gouvaneurspalast der Gegenwart das „Pomorski i poviesni muzej“ alias Meeres- und Geschichtsmuseum Rijekas untergebracht. Und ebendiese Geschichte beginnt früher als gedacht! Denn obwohl Rijeka im Gegensatz zu Pula kein Amphietheater vorzuweisen hat – Römer gab es hier trotzdem. Wer durch die Innenstadt läuft, kann bis heute ihre Spuren sehen. Und auch außerhalb der Stadt, landeinwärts, gibt es etwas zu bestaunen: Die drei Meter breiten Überreste der Außengrenze des römischen Reiches.

Ein Sprung in der Geschichte und nach einer schier endlosen Aneinanderreihung von Schiffsbildern haben wir die Industrialisierung erreicht. Und damit das Schmuckstück des ganzen Museums: Die europaweit einzige Rettungsweste des Unglücksschiffs Titanik. Denn wie es der Zufall will, führte die Route der Carpathia (die die Überlebenden der Titanik damals aus dem eiskalten Wasser fischte) von Rijeka nach New York bzw. vice versa. Und ein Kellner, der auf der Carpathia arbeitete, brachte dieses besondere Souvenir mit nach Hause.

Soweit zur Meeresgeschichte im zweiten Stock. Für die Stadtgeschichte ging es wieder hinunter, über die knarzenden Dielen in den Lichthof des Palasts. Zu dessen Rechten grenzt ein Salon am anderen: Der grüne Salon an den roten und der rote Salon an den weißen. Nimmt man alle drei Farben zusammen, so weiß man auch schon welchem historischen Abschnitt der Stadtgeschichte die Räume gewidmet sind: Der italienischen Besetzung Rijekas durch Gabrielle D’Annunzio.

Gabrielle D’Annunzio war ein Poet und berüchtigter Frauenheld. Doch das hielt ihn nicht davon ab nach dem ersten Weltkrieg das staatenlose Rijeka für sich zu reklamieren. Er marschierte ein, ließ dem habsburgischen Adler einen Kopf absägen und blieb. 16 Monate regierte er wie ein kleiner König die Stadt, dann wurde er von seinen eigenen Landsmännern abgeschossen (und zwar nicht nur metaphorisch).

Während ich noch darüber nachgrübelte, wie so einem seltsamen, glatzköpfigen Vogel die Frauen zu Füßen liegen konnten, lief ich die geschwungene Freitreppe hinab in die Eingangshalle. Beinahe wäre ich weiter (hinaus) gegangen und hätte die zwei Ausstellungen im Untergeschoß verpasst. Doch dann treibt mich die Neugier doch noch um’s Eck und damit in den Krieg. Der „Homeland War“ – auch hier in Rijeka kommt man nicht an ihm vorbei. Obwohl es in der Gespannschaft selbst keine direkten Kriegshandlungen gab, die Menschen waren doch direkt davon betroffen.

Ihr merkt: Viele Geschichten werden im Gouvaneurspalast erzählt – die eine unerwartet, die andere weltbekannt, die nächste bizarr und die letzte mindestens genauso unbegreiflich. Und das sind nur die, die ich euch erzähle. Wenn ihr mehr wissen wollt, müsst ihr schon selbst herkommen. Denn ich für meinen Teil gehe jetzt nach Hause…

Woche 14 – Kako vrijeme leti

Wie die Zeit vergeht! Über drei Monate bin ich schon in Kroatien – Zeit also, endlich deren Namen zu lernen. Aber gerade die fallen im Kroatischen ein wenig aus der Reihe:

siječanj [sijetschani] – Januar

veljača [veljatscha] – Februar

ožujak [otschujak] – März

travanj – April

svibanj – Mai –

lapanj – Juni

srpanj – Juli

kolovoz – August

rujan – September

listopad – Oktober

studeni – November

prosinac -Dezember

Die meisten davon haben sogar eine Bedeutung:

Quelle: https://www.kroatischlernen.eu/blog/kroatische-monatsnamen

Aber wem das dann doch zu kompliziert ist – man kann die Monate auch einfach durchnummerieren: Prvi, drugi…

post

Tag 100 – Hundertwasser

100 Tage bin ich jetzt schon in meinem Heimathafen Rijeka (oder sagen wir lieber: in Kroatien). Das heißt: Jubiläum! Und was passt besser zur Feier des Tages, als das Gemälde von Hundertwasser? Auch wenn es eigentlich Tunis zeigt, es erinnert mich doch irgendwie an Rijeka (mit ein paar künstlerischen Freiheiten versteht sich).

100 Tage – als hätte es meine Kroatisch-Lehrerin Sandra geahnt, haben wir heute die Vergangenheitsform gelernt. Außerdem war ich bei Katharina, wo wir ein paar verspätete Weihnachtsgeschenke austauschten. Und als wäre das nicht schon genug, gab es noch ein kleines Geschenk an mich selbst: Eine Nachttischlampe (auch wenn ich gar keinen Nachttisch habe)! Home Office Next Level würde ich mal sagen 😉

post

Tag 96 – Beidrehen

Samstag und Sonnenschein – kurz: Wandertag. Und wer gestern gut aufgepasst hat, der weiß auch schon wohin es ging: Ganz klar in den Kastaver Wald!

„Kastav“ bedeutet für mich dabei in erster Linie eines: Warten auf den Bus. Heute dauerte es allerdings gar nicht so lange – zumindest bis der Bus kam. Bei der Autobahnabfahrt standn wir dann allerdings in meinem ersten Stau. Ob das wegen des Ferienendes war? Egal, denn pünktlich um 13 Uhr erreichte ich den Ausgangspunkt meiner heutigen Wanderung: Die hübsche Aussichtsterrasse von Kastav. Entspannt den Blick über die Kvarner Bucht gleiten lassen, ein kleiner Spaziergang durch die verwinkelten Gassen der Altstadt, schon war der Asphalt unter meinen Füßen Geschichte und mit federnden Schritten betrat ich den Waldweg.

Auf dem breiten Hauptweg war einiges los und anfangs kam ich aus dem „Bok“ und „Dober dan“ gar nicht mehr heraus. Doch dann bog ich auf einen kleinen Trampelpfad ab und es wurde ruhiger. Zu ruhig. Nach einiger Zeit überprüfte ich meinen Standort und stellte fest, dass ich wortwörtlich auf dem Holzweg war. Also Korrektur nach links und ein, zwei falsche Abzweigungen später war ich zurück auf Kurs. Nicht lange, dann erreichte ich eine große Weggabelung und setzte mich auf ein sonniges Bänkchen. Ein Kätzchen verirrte sich zu mir und ließ sich von mir streicheln und auch den zwei Pferden im nahen Schuppen sagte ich „Hallo“.

Etwa 45 Minuten war ich schon unterwegs, noch 1,5 Stunden vor mir (wenn man den Wegweisern glauben schenken mag). Hoch und runter, links und rechts – der Weg zog sich. Also entschied ich mich gegen die ganz große Runde („Reh“) und für die mittlere Distanz („Hase“). Als deren Hauptattraktion gilt der Stanic-Hügel, von dem ich eine traumhafte Aussicht hatte. Teilen musste ich sie nur mit zwei Jungs, die extra ihre Mountainbikes hochgeschleppt hatten. Respekt!

Wieder unten machte ich mich schließlich auf den Rückweg. Fast hätte ich mich dabei noch ein zweites Mal verlaufen (da hatte jemand doch tatsächlich die Wegweiser geklaut), dann stolperte ich über zwei Überraschungen:

Die erste war ein alter Grenzposten. Denn wer mit der Geschichte Rijekas vertraut ist, der weiß, dass die Stadt ein umkämpftes Fleckchen Erde war. Für kurze Zeit gehörte Rijeka dabei sogar zu Italien – und die Italiener wussten ihre Grenze zu verteidigen: „Alle porte della patria non si dorme“ steht bis heute an der Wand des kleinen Häuschens: „An den Pforten des Heimatlandes schläft man nicht“.

Keine 100 Meter weiter dann die nächste Entdeckung: Versteckt am Ende eines kleinen Pfades liegt ein altes, verlassenes Dorf. Bis 1943 wohnten in „Selo Cari“ noch Menschen (genauer gesagt ein Mann names Ivan), heute wird es vom Efeu verschlungen.

So wie die Sonne langsam aber sicher hinter den Bäumen verschwand (während mein Atem mittlerweile zu kleinen Dampfwölkchen kondensierte), dachte auch ich mehr und mehr ans Verschwinden. Doch schon bald hatte ich den Rand des Waldes erreicht und wurde mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang belohnt. Zurück in Kastav (und damit am Aussichts- alias Ausgangspunkt) studierte ich noch schnell die Karte (sollte man wohl besser davor machen), dann ging es bergab Richtung Bus und Bettchen.