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Tag 13 – Ein Tag auf der Insel

Rijeka – Das Tor zu den kroatischen Inseln.

Ein Satz, der in keinem Touristen-Prospekt über die Stadt fehlen darf. Und ein Versprechen, das nun auch für mich in Erfüllung geht. Denn heute nimmt Katharina mich mit auf die Insel ohne Vokale: Krk. Für alle, denen der Name nichts sagt: Lange Zeit galt Krk als größte Insel Kroatiens. Dann wurde nachgemessen. Doch wie man weiß, ist Größe nicht alles… Aber zurück zum Thema:

Nach einem gemeinsamen, sehr leckeren Mittagessen im früheren Bordell La Grotta fahren wir los. Erst die kurvenreiche Küstenstraße entlang, dann über die (mittlerweile kostenlose) Brücke, und weiter, im Schlepptau eines Kleinlasters bis ins gleichnamige Städtchen Krk. Dort angekommen trennen sich erstmal unsere Wege. Denn während Katharine zum Unterrichten in die Schuele geht, darf ich diese wegen Corona momentan nicht betreten. Nicht allzu schweren Herzens laufe ich daher hinunter zum Hafen. Erst schlendere ich die hübsche Promenade entlang. Dann tauche ich in das Wirrwarr aus kleinen, verwinkelten Gassen ein. Beim Kastell angelangt wage ich mich schließlich runter ans Wasser. Der Wind peitscht die Gischt auf und ich muss höllisch aufpassen, um nicht von Kopf bis Fuß durchnässt zu werden. Noch ein kurzer Schlenker zum nächsten Strand und schon nähert sich der Unterricht seinem Ende. Also nichts wie zurück zur Schule und mit Katharina weiter nach Rijeka.

Was soll man sagen, Montage müssen gar nicht so übel sein.

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Tag 12 – Volltreffer

Eigentlich wollte ich heute nach Opadja. Dem malerischen Küstenstädtchen, auf deren Promenade schon so manch ein Kaiser wandelte. Doch mit Hausarbeit und Hausaufgaben ging der Vormittag zu schnell vorbei. Um trotzdem das schöne Wetter auszukosten, entscheide ich mich also für einen Spaziergang durch mein Viertel. Ich lasse meinen Beinen freien Lauf und sie tragen mich immer weiter weg von Zuhause. Es zieht mich wieder zum Meer. Diesmal allerdings nicht zum Hafen sondern in die andere Richtung. Entlang rostiger Bahngleise und über einsame Straßen bahnte ich mir meinen Weg. Ab und zu kommt mir ein Auto entgegen und mit jedem ein zweifelnder Blick. „Was will die hier?“, scheinen sie zu fragen. Die Antwort, obwohl so einfach, hätte mir wohl niemand abgenommen: Mir gefällt es hier. Und deshalb gehe ich auch immer weiter.

Als ich schließlich irgendwann auf die Karte schaue, sehe ich, dass die alte Torpedo-Abschussrampe nicht mehr weit entfernt ist. Denn, was kaum einer weiß: In Rijeka wurde einst der Torpedo erfunden. Meine Füße marschieren also unbeirrt vor sich hin, bis ich zu einem kleinen Hafen komme. Ob sie weiß, wo ich die Torpedo-Rampe finden kann, frage ich die Dame am Eingang. Sie lächelt mich an und zuckt mit den Schultern. Also ziehe ich doch noch einmal mein Handy aus der Tasche. So wie es aussieht, bin ich am richtigen Ort. Und tatsächlich, als ich mich umschaue, sehe ich sie: Versteckt hinter einer Ecke ragt sie aus dem Wasser, eine baufällige Plattform auf steinernen Stelzen. Besonders vertrauenserweckend sieht sie ja nicht aus. Etwas Ähnliches scheint auch die Stadtverwaltung zu denken, denn der Eingang ist mit einem Zaun versperrt. Einem Zaun mit einem großen Loch. Mut zur Lücke! flüstert es mir zu und ich quetsche mich hindurch. Auf der Plattform angelangt  werde ich von zwei Anglern beäugt. Ein kurzer Blick, dann wandern ihre Augen zurück aufs Meer. Und ich setze mich hin und tue es ihnen gleich. Am Pier nebenan geht ein Pärchen nackt baden. Ansonsten bleibt es ruhig. Das einzige Geräusch ist das Auf und Ab des Meeres unter uns. Und das einzige was es zu sehen gibt, sind ein paar Schiffe am Horizont. Ein Blick auf die Uhr erinnert mich daran, dass bald der letzte Bus kommt. Aber ich lasse ihn fahren. Erst als die Sonne endgültig zwischen den Wolken verschwindet, mache ich mich auf den Rückweg. Und zwar – wie könnte es anders sein – zu Fuß.

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Tag 11 – Dauerregen: Fluch und Segen

Ich hasse Regen. Zumindest wenn ich kein schützendes Dach über dem Kopf habe. Die Aussicht, meinen samstäglichen Tagestrip mit dem Erasmus Student Network (ESN) in trister Nässe zu verbringen, war für mich also alles andere als verlockend. Und dafür dann auch noch um 7 Uhr aufstehen… Nie hätte ich gedacht, dass dieser Tag so wunderschön werden würde. Doch am besten von Vorne:

Mit nur 15 Minuten Verspätung („Pünktlich sein!“) brechen wir auf. Wir, das sind fünf Studentinnen des ESN, der Busfahrer, unsere kleine, quirlige Führerin mit ihrem rot-weiß gepunkteten Schirm und eine ganze Busladung voll Erasmus-Student*innen. Unser erstes Ziel dabei: Smiljan, der Geburtsort des Erfinders Nikola Tesla. „Bestimmt nur ein einzelnes Haus in der Landschaft“, meint mein Sitznachbar aus Athen. Zwei Dumme, ein Gedanke. Doch Überraschung: Es sind drei. Also Häuser. Und eine Kirche. Trotzdem: Klein aber oho. Die Gedenkstätte ist neu und mit Liebe gemacht. Und man kann einiges ausprobieren: Elektrizität zum Anfassen – im wahrsten Sinne des Wortes spannend! Außerdem lerne ich, dass nach Tesla nicht nur die Automarke benannt ist. Nein, der gute Herr lebte gerne in Hotels, seine besten Freunde waren Tauben und er hat das erste Wasserkraftwerk der Welt gebaut. Und das nicht irgendwo, sondern an den Niagara-Fällen.

Tja, was für eine Überleitung hin zum zweiten Stopp des Trips und Highlight des Tages: Dem Nationalpark Plitvicer Seen. Berühmt ist dieser unter anderem für den höchsten Wasserfall Kroatiens. Bereits wenige Schritte hinter dem Eingang stürzt das Wasser aus fast 80 Metern in die Tiefe. Dabei ist der Wasserfall nur die Krönung einer Reihe verschiedener Seen. Vier Stunden wandern wir an ihren Ufern entlang. Erst stromaufwärts bis zum größten See, dann mit einem Boot quer hinüber, und anschließend  stromabwärts wieder zurück. Wohlgemerkt: Vier Stunden im Dauerregen. Zieht meine sehr deutsche Allwetterjacke dabei anfangs noch den ein oder anderen mitleidigen Blick auf sich, hat sie gegenüber der Armada an Regenponchos und Schirmen doch einen entscheidenden Vorteil:  Wann immer ich will kann ich flugs mein Handy zücken um die herbstliche Landschaft mit ihren klaren, türkis-blauen Seen für die Ewigkeit festzuhalten. Und das, dem Regen seid Dank, ganz ohne Warten und Gedrängel.

Zurück an unserem Ausgangspunkt, ist der große Wasserfall vor lauter Nebelschwaden kaum noch zu sehen. Und auch unser Heimweg ist wie in Watte gepackt. Noch ein letzter, kurzer Stopp für selbstgemachten Mandelschnaps und Honig, dann geht es zurück nach Rijeka. Und als ich von der Bushaltestelle schließlich nach Hause laufe, was soll ich sagen, da spüre ich den Nieselregen kaum mehr.

 

 

 

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Tag 9 – Blau wie der Himmel, blau wie das Meer

Nebo je plavo. Der Himmel ist blau. Auch heute – kein einziges Wölkchen am Himmel. Und das in einer Stadt, in der niemand ohne Regenschirm vor die Tür geht. Seit neun Tagen bin ich nun schon in Rijeka und hatte mehr sonnige Tage also graue. So langsam frage ich mich: Ist das mit dem Regen hier wirklich so schlimm? Oder habe ich einfach nur Glück? Am Ende ist es wohl egal. Denn es treibt mich dazu, jeden Sonnenstrahl umso mehr zu genießen. Und an einem Tag wie heute bedeutet das: Auch ich mache blau.

Genauer gesagt blau-grün, denn mein Ziel für heute ist ein Park. Genauer gesagt: Der Park Vladimira Nazora. Parks in Rijeka sind dabei so eine Sache. Kommt man wie ich aus Leipzig, erscheinen einem die Parks hier in Rijeka erstmal recht klein. Und: Sie liegen allesamt am Hang. Muss man sein Platz im Grünen somit auch erst einmal verdienen, hat das Ganze doch seinen Charme: Die meisten Parks haben kleine Spielplätze und eine schöne Aussicht. Der Park Vladimira Nazora hat außerdem Wasserschildkröten. Und auch die lassen sich heute die Sonne auf den Panzer scheinen.

Für das Buch, das ich mir zum Lesen mitgenommen habe, suche ich mir dann allerdings doch einen anderen Platz. Denn irgendwie zieht es mich in Rijeka immer zum Hafen. Aber auch dort bin ich nicht ganz alleine: Während ich am Pier meine Seele und meine Beine baumeln lasse, wimmelt es im Wasser vor mir geradezu von Fischen.

 

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Tag 8 – Aufbruch in unbekannte Gewässer

Profesorica Sonja – ein Titel, an den ich mich gewöhnen könnte 😉

Gestern war es endlich soweit: Mein erster Tag an meiner neuen Schule, dem Gimnazija Andrije Mohorovicica. Und obwohl ich das Gebäude als Lehrein und nicht als Schülerin betrat, waren meine Ängste diesselben wie früher: Was, wenn sie mich nicht mögen? Werden sie mich auslachen? Mein erster Unterricht nicht nur live und in Farbe, sondern von Angesicht zu Angesicht. Seltsam, wie schnell die digitale Realität zum Alltag wird und das Alltägliche an Realität verliert.

Doch egal ob online oder ganz analog, im Klassenzimmer – die Realität für die Schüler*innen in Kroatien ist hart: War es für mich die erste ‚richtige‘ Unterrichtsstunde des Tages, so war es für die 25 Jungs und Mädels ihre letzte. Und das um 18:10 Uhr. Draußen wurde es langsam dunkel und drinnen versuchten wir den Schüler*innen ein Licht aufgehen zu lassen. Zwar ist die aktuelle Unterteilung des Unterrichts in Früh- und (sehr) Spät-Schichten Corona geschuldet, doch auch sonst sind die Kinder und Jugendlichen stark eingespannt: Schule, danach Extra-Sprachkurse, Musik oder Sport, und abends und am Wochenende noch die Hausaufgaben. Kein Wunder, dass die meisten auf die Frage „Wie geht es dir?“ mit „Ich bin sehr müde“ antworten.

Auch ich war am Ende platt. Und das trotz des obligatorischen Capuccinos, zu dem mich Kristina, die Deutschlehrerin, vor der Stunde eingeladen hatte. Da zum Lehrer-Dasein allerdings nicht nur der Unterricht selbst gehört, sondern auch dessen Vor- und Nachbereitung, setzte ich mich Zuhause noch schnell an meinen Computer. Schließlich warteten die nächsten zwei Podcastfolgen darauf, eingesprochen und hochgeladen zu werden!

Schatz gefunden

Wer kennt das nicht: Da reist man ans Ende der Welt und wer läuft einem über den Weg? Der Nachbar.

Nun ist Kroatien sicher nicht das Ende der Welt. Und die Journalistin Alexandra Stahl und ich sind uns noch nie im Leben begegnet. Doch trotzdem sind wir ein wenig wie Nachbarn. Nachbarn im Geiste. Zwei deutsche Frauen zur gleichen Zeit in der gleichen Stadt mit dem gleichen Ziel: Rijeka in Worte fassen.

Dabei möchte ich uns nicht auf eine Stufe stellen. Denn Alexandra hat einen Vorsprung. Zeitlich, an Erfahrung und bestimmt auch an Skills. Stattdessen möchte ich ihren Erfahrungsschatz mit euch teilen. Meine Empfehlung des Tages lautet also:

http://stadtschreiberin-rijeka.de/2020/06/03/a-bis-z-rijeka-in-buchstaben/#more-461

Viel Spaß beim Schmökern!

Woche 1 – Ja ne govorim hrvatski

Die erste Woche ist rum und immerhin: Ein paar Brocken Kroatisch habe ich schon aufgeschnappt. Sobald ich einen Sprachkurs gefunden habe wird es hoffentlich noch ein wenig mehr. Doch fürs Erste besteht mein aktiver Wortschatz aus folgeden Worten und Formulierungen:

Bok – Hallo/Tschüss

Dobar dan (oder einfach dan) – Guten Tag

Dobro jutro – Guten Morgen

Dobra verčer [werscher] – Guten Abend

Laku noć [notsch] – Gute Nacht

Dobar tec – Guten Appetit

žjiveli [tschiweli] – Prost

Da – Ja

Ne – Nein

Hvala – Bitte

Molim – Danke/Gern geschehen

Doviđenja [dowitschenjia] – Auf Wiedersehen

Ja ne govorim hrvatski – Ich spreche kein Kroatisch

 

Nächste Woche gibt es die nächste Lektion 😉 Für mich und für euch.

 

Tag 7 – Feuer frei für mein Projekt

Deutsche Sprache – schwere Sprache. Ein Sprichwort, das gleich in vier Dimensionen richtig ist:

Schließlich gehört zum Sprachenlernen nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Hören und Sprechen. Als Muttersprachlerin bin ich dabei insbesondere für die zwei letztgenannten Disziplinen gefragt. Und welches Format würde sich dafür besser eignen als ein Podcast!

Nun ist es aber gar nicht mal so einfach, einen Podcast über Deutschland zu machen. Für MeinBlick Deutschland habe ich mich daher bewusst für einen ganz subjektiven Blickwinkel entschieden. In einfacher Sprache möchte ich den kroatischen Schüler*innen mein ganz persönliches Bild von Deutschland vermitteln. Auch wenn sich die Themen dabei natürlich am Lehrplan orientieren sollen, gibt es da bestimmt so einiges zu erzählen…

In dem Sinne: Genug gelesen! Viel Spaß beim Reinhören in die Pilotfolgen von MeinBlick Deutschland!

Intro/Outro-Musik: Hope (2015) – GEMAfreie Musik von https://audiohub.de

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Tag 6 – Treiben lassen in Zagreb

Ponedjeljak – Montag, aber ich habe frei! Und das ist auch gut so, denn Yvonne von der gestrigen Wandertruppe hat angeboten, mir Zagreb zu zeigen. Natürlich habe ich da ja gesagt! Nach einem ersten Stopp beim Bäckerstand auf dem Trg bana Jelačića, dem Hauptplatz von Zagreb, vertreibe ich mir die Zeit bis zu unserem Treffen mit einem Spaziergang. Dabei komme ich an prächtigen Gebäuden der k.u.k.-Monarchie vorbei und genieße das Grün der vielen Parks. Zurück am Trg bana Jelačića warte ich ‚unter dem Pferd‘ und werde kurz darauf von Yvonne abgeholt. Zusammen geht es bergauf zur Oberstadt, dem ältesten Teil Zagrebs. Von dort hat man einen schönen Blick auf das Häusermeer: Von den Ziegeldächern der Altstadt, über die Kuppeln der österreichisch-ungarischen Paläste, bis hin zu den Plattenbauten der Sowjetzeiten – an den Dächern der Stadt lässt sich ihre Geschichte ablesen. Ein paar Gassen weiter stoßen wir schließlich auf das politische Herz Zagrebs: Dem Alten Rathaus und dem Regierungssitz. Am selben Platz befindet sich auch die St. Markus Kirche, die mit ihrem gemusterten Dach so manche Postkarte ziert. Nach einem kurzen Spaziergang bergab und über die zahlreichen Märkte der Stadt kommen wir schließlich zur imposanten Kathedrale Zagrebs. Wie viele Gebäude ist auch die Kathedrale beim Erdbeben im März ins Wanken geraten. Muss man ansonsten doch etwas genauer hinschauen, um die Risse und Löcher im Mauerwerk zu bemerken, wird das Ausmaß der Zerstörung durch den eingerüsten Turm etwas greifbarer. Ganze 10,3 Meter war das Teil groß, das durch das Erdbeben aus dem Turm herausgebrochen ist. Darauf erst einmal einen Kaffee!

Kurz darauf opfert auch noch ein weiterer Kollege der Wandertruppe seine Mittagspause, um uns etwas Gesellschaft zu leisten. Doch dann wird es langsam Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Schließlich wartet heute Nachmittag noch das Vorstellungsgespräch beim Rektor meiner Schule auf mich. Als Gast muss ich mich zwar noch in eine Liste eintragen und meine Temperatur messen lassen, doch nach einem kurzen Wortwechsel habe ich sie: Die offizielle Erlaubnis, die Schule zu betreten. Jetzt  fehlt nur noch das Gespräch mit der Lehrerin und dann kann es losgehen!