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Tag 129 – Schwimmflügel

Schule in Kroatien bedeutet vor allem eines: Wettbewerbe. Natürlich gibt es auch an deutschen Schulen verschiedenste Wettbewerbe: Dieses wöchentliche Matherätsel zum Beispiel (ich glaube, es hieß irgendwas mit Känguru…), oder „Mädchen und Technik“. Hier in Kroatien gibt es darüber hinaus aber auch allgemeine, staatliche Wettbewerbe – und das in jedem einzelnen Fach.

Heute fand die erste, kommunale Runde für den nationalen Deutsch-Wettbewerb statt. Die Beteiligung an dieser Art Wettbewerb ist freiwillig – vielleicht ein Grund dafür, dass nur eine einzige unserer Schülerinnen den Test absolvierte. Ganze 90 Minuten brütete sie in einem kleinen Raum im Dachstuhl der Schule über den Aufgaben. In diesem ersten Teil waren es erst einmal nur Aufgaben zum Leseverständnis. Auf der zweiten Ebene (der regionalen) kommen dann noch Übungen zum Hörverstehen dazu und auf der letzten Stufe (der nationalen) auch eine mündliche Prüfung. Weiter kommen allerdings immer nur die Besten. Und der oder die Allerbeste bekommt schließlich eine hübsche Urkunde und manchmal auch noch ein Stipendium.

Unsere Schülerin wird das aller Voraussicht allerdings nicht sein. Leider. Aber auch ich hatte so meine Probleme mit einer Aufgabe. Es ist doch immer wieder spannend, welche Anforderungen solche Sprachprüfungen an die Schüler*innen stellen. Und dass selbst Muttersprachler*innen bei einigen Fragestellungen nicht genau wissen, was gemeint ist. Zwei Fehler hatte ich am Ende auf meinem Konto: Einen, der meiner Meinung nach Auslegungssache ist, der zweite ein Leichtsinnsfehler. Auf der anderen Seite konnte ich aber auch wieder einen Rechtschreibfehler im Test finden. Ein klares Unentschieden würde ich also sagen.

Außer der Prüfung hatte ich noch eine weitere Präsenz-Unterrichtsstunde – so langsam lerne ich das ganze Schulgebäude kennen! Und nach dem Kopieren kann ich seit heute auch das Drucken zum meinen Skills hinzufügen. Der Schulleiter höchstpersönlich half mir dabei, das Papier nachzufüllen – was für ein Service!

Und auch morgen geht es zurück in Schule. Wobei ich erst einmal ganz froh war, als ich heute Nachmittag wieder an der frischen Luft stand: Denn aus irgendeinem Grund war, als wir fertig waren, der Haupteingang verriegelt – also wortwörtlich. Nun ja, jetzt weiß ich auch, wo sich der Hinterausgang befindet…

PS: Hier wird es langsam Frühling!

 

Tag 123 – Regatta

Ein Themenblock kommt selten allein: Nachdem ich gestern schon einmal angefangen hatte, habe ich gleich alle fehlenden Folgen fertig gemacht. Immerhin: Drei weitere Themenblöcke. Kurzer Schulterklopfer für mich selbst.

Den ersten, Studenplan-orientierten Block gibt es heute noch, die zwei anderen dann irgendwann die nächsten Wochen. Man muss das Wochenende die Arbeit schließlich auch mal ruhen lassen…

Also, bevor es endlich soweit ist, hier nochmal ein bisschen Futter für die Fische: Bleibt gesund und munter!

Intro/Outro-Musik: Hope (2015) – GEMA freie Musik von https://audiohub.de

Tag 122 – Fahrt aufnehmen

Noch eineinhalb Monate – höchste Zeit also, wieder etwas Fahrt aufzunehmen! Und nachdem ich die letzten Wochen fleißig Transkripte für meinen Podcast geschrieben habe, konnte ich heute endlich ein paar neue Folgen fertigstellen: Der Themenblock „Konsum“ ist somit vollständig!

Intro/Outro-Musik: Hope (2015) – GEMA freie Musik von https://audiohub.de

Tag 121 – Stille Wasser sind tief

Ach, diese leeren Blicke und müden Gesichter! Schüler*innen in Kroatien (und bestimmt auch überall anderswo auf der Welt) sind für mich vor allem eines: Stumm wie die Fische. Fragt man sie etwas, kommt meist nichts zurück. Also nichts – nada – nista. Alles muss man aus ihnen herauskitzeln.

Ok, ich gebe zu, manchmal liegt es auch an den Themen – ich meine wie zum Teufel soll ich eine interessante Stunde zum Thema „Tante Emma Läden“ halten? Bei Abiturient*innen! Immerhin, mit dem etwas abgewandelten Klassiker „Ich gehe zum Späti und kaufe ein…“ konnte ich sie zumindest zum Lachen bringen. Und das ist – für 17 Uhr nachmittags – keine allzu schlechte Leistung…

Tag 115 – Rederei

Wie lange ich diesen Titel schon verwenden wollte! Aber das Warten hat sich gelohnt, denn heute passt er sogar im doppelten Sinne:

Erstens, weil ich heute Vormittag meine mündliche Kroatisch-Prüfung hatte! Und das heißt: Check! Insgesamt 99 Punkte von 100 möglichen – ihr dürft mich jetzt offiziell mit Kroatisch-Sprecherin A1 anreden (aber am besten langsam, deutlich und mit englischen Untertiteln 😉 ).

Und zweitens, weil der Nachmittag ganz einer Juroren-Schulung für den Wettbewerb „Jugend debattiert“ gewidmet war. Nach ein bisschen Theorie zum Warmwerden ging es dabei schnell an’s Eingemachte: „Sollten Privilegien für Geimpfte (präventiv) verboten werden?“ lautete die Frage unserer Probedebatte. Und top-motiviert wie ich war, meldete ich mich freiwillig als Tribut. Natürlich habe ich die Contra-Position zugewießen bekommen – also genau die Meinung, die meiner persönlichen Überzeugung entgegenläuft. Aber irgendwie ist das ja auch der Sinn einer Debatte, sich mit der anderen Position auseinanderzusetzen. Spaß gemacht hat es auf jeden Fall. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man so mit anderen Lehrer*innen und Schüler*innen aus verschiedenen Ländern ins Gespräch kam.

Aber jetzt genug der Worte. Sport, Hunger, Schlafen!

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Tag 114 – Schwimmen, schwimmen, einfach schwimmen

Weiter geht’s im Text! Nachdem seit dieser Woche wieder Präsenzunterricht für den Abiturjahrgang stattfindet, war ich heute endlich wieder in der Schule. Während Dosi den Unterricht für die 4. Klasse hielt, half ich einer Schülerin ihren Zulassungsantrag für die Universität auszufüllen. Denn Hand auf’s Herz: Selbst für Muttersprachler sind solche Formulare in etwa so verständlich wie Fachchinesisch.

Natürlich kann man von Schüler*innen mit C1 gewisse Sprachkenntnisse verlangen. Aber manchmal wird es den Armen doch schwerer gemacht, als nötig. Auch gestern Nachmittag, bei meiner ersten Nachhilfestunde zur Vorbereitung auf das Sprachdiplom ist mir das aufgefallen. Die Prüfungstexte sind teilweise so kompliziert und spröde geschrieben, dass auch ich mir manchmal nicht sicher bin, was genau gefragt ist.

Auf jeden Fall war es schön, Dosi einmal wiederzusehen – und ein paar Lebendexemplare an Schüler*innen. Bei ein, zwei Kaffee im Lehrerzimmer durfte ich auch ein paar neue Kollegen*innen kennenlernen. Würden nicht überall Plexiglas-Visiere rumliegen, man könnte fast vergessen, dass vor der Tür eine Pandemie wütet.

Übrigens habe ich im Deutsch-Klassenzimmer diese Karte entdeckt:

Kulturhauptstädte

Als hätte ich’s gestern geahnt. Jetzt muss ich nur noch ins Eduroam kommen, dann ist sve u redu!

Tag 108 – Lotse

Wie geht man mit Rassismuss um? Dieser schwierigen Frage haben wir uns heute mit Fokus auf die Volksgruppe der Sinti und Roma gestellt.

Unser „Lotse“ war dabei Gianni Jovanovic, eine starke Persönlichkeit mit einer bewegten Geschichte. Und auch wenn ich mit dem, was er sagte, nicht immer übereinstimmte – eines habe ich doch für mich mitgenommen: Man darf, wenn einem Rassismus oder Diskrimminierung auf der Straße begegnet, nicht schweigen. Denn Schweigen ist Zustimmung. Allerdings ist es nicht immer einfach, die eigene Meinung und Werte zu vertreten – als „Gast“ im Ausland noch weniger, als zu Hause in der eigenen Komfortzone. Aber das ist nun mal das Ding mit schwierigen Fragen: Die Antworten sind meist weder einfach umzusetzen, noch angenehm.

Die größte Erkenntnis für mich heute war jedoch, wie wenig ich eigentlich über Sinti und Roma weiß. Falls es euch genauso geht, kann ich euch diese Doku empfehlen:

BR alpha – Was haben wir gegen Sinti und Roma?

Ansonsten hilft glaube ich nur das, was wir heute gemacht haben: Sich informieren, reflektieren, hinterfragen und miteinander ins Gespräch kommen und debattieren – auch wenn das (gerade bei solchen Themen) manchmal echt unangenehm werden kann.

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Tag 106 – Untergehen

Es gibt Tage, da passiert nichts und dann gibt es Tage, da passiert alles auf einmal. Heute war so ein alles-auf-einmal-Tag: Seminar (immerhin: heute bin ich 15 Minuten vorher aufgewacht) bis um 12 Uhr, in der Mittagspause Sprachkurs, dann wieder Seminar und gleich muss ich weiter für den Sprachkurs lernen. Jetzt mag der ein oder andere vielleicht meinen: Aha, das sind doch nur zwei Dinge, die sich einfach abwechseln. Aber glaubt mir, zwei Dinge reichen vollkommen aus, wenn sie einen von 9 bis 18 Uhr auf Trapp halten. Oder zumindest an den Bildschirm fesseln.

Beginnen wir also mit dem Seminar. Was mir von heute im Gedächtnis bleibt, ist vor allem ein Zitat:

„A ship is always safe at the shore – but that’s not what it is built for.“ – A. Einstein

Natürlich ging es dabei um die eigene Komfortzone. Aber ich fand es einfach passend. Keinerlei Hintergedanken. Ansonsten haben wir viel geredet. Und da ich nicht einfach nur zuhören kann, sondern meine Hände gerne beschäftigt halte, habe ich endlich meinen Fotokalender fertiggemacht. Wirklich alles daran ist selbtgemacht – wenn auch nicht aus Liebe zum Detail, sondern schlichtweg aus dem Grund, dass es in ganz Kroatien scheinbar keine Fotokalender zum „Selbstbefüllen“ zu kaufen gibt.

Im Sprachkurs hatten wir unsere letzte reguläre Stunde vor den Prüfungen nächste Woche. Und die haben wir nochmal genutzt, um den Instrumental kennenzulernen. Jetzt weiß ich, dass ich mit Leonom, Isabellom und Annom-Kathrinom zur Schule gegangen bin. Zumindest das werde ich wohl so schnell nicht wieder vergessen. Und für die Monate habe ich jetzt ja auch etwas, um sie mir besser einzuprägen. In dem Sinne: Back to work…

Tag 105 – Im Zwischendeck

Halbzeit – und das heißt: Zwischenseminar. Nur diesmal nicht mit den Balten sondern mit den Freiwilligen in Bulgarien. Immerhin kulturweit: Es wird wärmer! Gleichzeitig bedeutet das allerdings auch: Liebgewonnene Gesichter (und Menschen) erst einmal nicht wieder zu sehen. Auf der anderen Seite lernen wir etwas (alias einige jemands) Neues kennen. Und unsere baltischen Freunde*innen haben sowieso ihren festen Platz in unseren Herzen. Also: Passt schon.

Das Meeting beginnt – wie könnte es anders sein – mit technischen Problemen. Und mit meinen ganz eigenen. Ich habe nämlich – wie könnte es anders sein – verschlafen und bin pünktlich fünf Minuten vor Seminarsbeginn aufgewacht; nur um festzustellen, dass ich keinen Link bekommen habe. Aber wofür hat man Freunde. Und für einen Zoom-Call reichen fünf Minuten ja mehr als aus.

Doch zurück zum Thema des heutigen Tages: Wir. Das ist insofern spannend, als dass die Bulgaren natürlich etwas über Kroatien wissen wollen und wir über sie und ihr Einsatzland. Also quatschen wir über Friseurbesuche (mit Sektempfang), die schöne Aussicht von hässlichen Wolkenkratzern und schauen uns ein etwas verstörendes Musikvideo an. Zum Schluss gibt es eine Dia-Show Baujahr 2021. Und gleich muss ich tatsächlich noch einmal vor die Tür und ein bisschen Rijeka-Vibes einfangen. Zwischenfazit zum Zwischenseminar: Soweit so gut.

Bleibt nur zu hoffen, dass es auch die nächsten Tage (wenn es inhaltlich wird) so weitergeht. Nicht, dass es am Ende dann so aussieht: