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Idem kuci (+ 1 Jahr)

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und obwohl ich nie daran gezweifelt hatte, dass ich Rijeka bald wiedersehen würde – am Ende war es doch ein spontaner Einfall, der mich jetzt in die schönste Stadt Kroatiens* zurückgeführt hat: Denn erst vor einen Monat habe ich mit Freund:innen einen Urlaub geplant und uns dabei wegen der bestechend guten Bahnverbindung für Ljubljana entschieden. Und weil niemand von uns bisher dort war (gar nicht mal so leicht, da ein Örtchen zu finden). Und weil es dort Drachen gibt. Noch Fragen?

Und doch gibt es einen Nachteil an der slowenischen Hauptstadt: Kein Meer. Und so kam Rijeka ins Spiel. Und sieh einer an: Nur drei Stunden Zugfahrt von Ljubu (wie wir es liebevoll nennen) nach Rijeka. Keine weiteren Fragen. Eine halbe Stunde später hatten wir die Zugtickets gebucht. In Ljubljana gönnten wir uns eine Unterkunft mit Pool. Und in Rijeka? Pa naravno – Dosi! Denn wer braucht ein 4 Sterne-Hotel wenn man so gute und herzliche Freundinnen hat?

Doch eines nach dem anderen. Spulen wir eine Woche zurück. Denn heute vor einer Woche ging es los – peu a peu tröpfelte die Reisegruppe „Masterminds“ (2 Exkommiliton:innen und ich) in München ein und verbrachten die Nacht bei Freund:innen. Erst am nächsten Tag trafen wir uns am Münchner Hauptbahnhof, wo wegen der aus der Ukraine ankommenden Geflüchteten ein reges Treiben herrschte. Noch schnell ein Kaffee und etwas vom Bäcker, dann ging es los: Mit dem Zug durch Österreich, vorbei an Salzburg, den schneebedeckten Berggipfeln, ein paar Burgen, direkt über eine Schneepiste und (wenn auch nichts ganz so spektakulär) über die Grenze nach Slowenien. Nur sechs Stunden, schon waren wir am Ziel: Ljubljana, die Stadt der Drachen.

Und das Motto ist Programm. Schon auf dem Weg in die Altstadt wurden wir von den vier majestätischen Drachen der Drachenbrücke begrüßt. Und hell und hoch über ihnen: die Burg. Mein Koffer klapperte durch die gepflasterten Straßen und auf halber Höhe des Berges wartete sie auf uns – unsere Unterkunft. Nach kurzem Boxenstopp machten wir uns auf die Suche nach etwas Warmen im Bauch. Und im Restaurant Julija (passend gegenüber eines Cafés namens Romeo) wurden wir wirklich nicht enttäuscht: Käseknödel mit Steinpilzen, selbstgemachte Gnocchi mit Trüffeln und zum Nachtisch „diesen slowenischen Kuchen“ den ein Mann vom Nebentisch mit genau diesen Worten bestellte („Gibanica“ – was für ein Gedicht!). Wenn man Glück essen kann – dann im Restaurant Julija in Ljubljana.

Nach diesem grandiosen Start konnte der Urlaub in Ljubljana ja nur großartig werden. Und das wurde er auch: Kaffees und köstliche heiße Schokoladen (der kroatischen Art – ihr wisst was ich meine) am magisch-grünen Kanal, ausgedehnte Streifzüge durch die Gassen der Altstadt und die umliegenden Hügel, den ein oder anderen Fund im Second Hand-Laden und immer wieder der Blick auf die Alpen.

Am zweiten Tag machten wir einen Abstecher auf die Burg – und verbrachten am Ende ganze vier Stunden in den Gewölben, Museen und dem schwindelerregenden Aussichtsturm. Dabei lernten wir nicht nur, dass es einen Geheimgang raus aus der Burg gibt, sondern auch, dass man vom Turm aus 1/3 Sloweniens sehen kann. Zuerst ein ziemlich beeindruckender Fakt. Doch, wenn man es sich genauer überlegt, bei den hohen Bergen kein Wunder 😉

Und die Berge waren dann auch das Programm für Tag 3. Denn schließlich wollten wir mehr von Slowenien sehen als das (zugegeben sehr schöne) Städtchen Ljubljana. Also mieteten wir uns ein Auto und düsten los. Stop 1: Bled. Ein gern gewähltes Postkartenmotiv. See + Insel mit Kirche + Burg + Berge – was braucht es mehr? Die Aussicht von der Burg war dementsprechend atemberaubend. Auch wenn 13 Euro Eintritt einen wirklich schlucken lässt. Immerhin – im kleinen Burgmuseum lernte ich, dass der Ort schon immer eine Attraktion war: Einst als Ziel für Pilger:innen, dann zur Kur (das Geheimrezept war: Wasser, Luft und v.a. Sonne!), und schließlich für alle.

Nach drei Stunden hatten wir allerdings erst einmal genug Wasser, Luft und Sonne getankt. Tatsächlich hatten wir alle schon ein bisschen zu viel der Sonne. Also ging es weiter. Dabei wollte ich eigentlich zur Höhlenburg und Tropfsteinhöhle im Osten des Landes. Meine Freund:innen zog es allerdings in die Berge und zum schönsten Fluss Europas. Also ging es in den Westen. 50 Serpentinen alias 1500m hoch und wieder runter, dann lag der Triglav hinter uns. Und die letzten Sonnenstrahlen tauchten das Tal in einen goldenen Schimmer. Mit steifen Beinen machten uns auf den Weg die Soca entlang. An zwei Stellen gräbt sich der glasklare, türkisblau-gelbe Fluss ins Gestein. Erst 1-2 Meter tief, dann bis zu 15. Wie schön es sein muss, hier im Sommer Canyoning zu machen! Wie schön es war, hinunterzugucken. Doch statt abzutauchen ging es für uns wieder hoch hinaus. Denn gerade mit den letzten Sonnenstrahlen ließen wir den Triglav ein zweites Mal hinter uns. Etwas schwindelig von all den Kurven und todmüde rollten wir weiter nach Hause.

Am letzten Tag hieß es dann erst einmal Abschied nehmen. Ein Kaffee am Ufer des Kanals, umgeben von zahlreichen wirklich sehr knuddeligen Nutrias, ein letzter Kaffee auf dem Neboder, ein kurzer Sprint zum Bahnhof und – eyy ab in Süden!

Wenn auch über Umwege. Denn in Rijeka wird gerade eine neue Eisenbahnstrecke gebaut. Und so wurde leider auch diesmal nichts aus meiner Idee, mit dem Zug in Rijeka einzufahren. Ab der kroatischen Grenze gab es Schienenersatzverkehr. Und drumherum zwei Grenzkontrollen. Erst von den Slowenen zum Rauskommen, dann von den Kroaten zum Reinkommen. Also alle Mann (und Frau) raus aus dem Bus, Perso zeigen und wieder rein.
Und trotz all dem kamen wir ein paar Minuten zu früh an. Katharina (meine ehemalige Lehrerin) holte uns ab. Und im Wagen wartete Tomislav. Ein Jahr kann bei einem kleinen Kind so viel ausmachen. Auf der Fahrt versüßten sie uns die Zeit mit einem Kinderschlaflied – das sich uns für den Rest der Reise hartnäckig einbrennt: Elefant ins Bett gesteckt…
Und so kommt es, dass wir zu fünft bei Dosi aufschlagen – und Medo sein Glück vor lauter potenzieller Streicheloptionen gar nicht fassen kann. Schwanzwedelnd und niesend wuselt er um uns herum. Es dauert ein paar Minuten bis wir uns soweit sortiert haben, dass wir in der Küche sitzen. Vom Herd dampft es verführerisch. Und das obwohl ich Dosi damit schocken musste, dass wir Vegetarier sind. Wir kommen an, quatschen und verkrümmeln uns schließlich in die Betten. Und nicht lange, dann öffnet sich meine Tür und Medo tappt herein. Gute Nacht – oder besser laku noc!

Zumindest für ein paar Stunden. Denn viel zu früh legt sich eine kalte Hundeschnauze auf meine Bettdecke. Und dieser Hundeblick! Also aufstehen. Einen Kaffee. Und nach dem gemeinsamen Frühstück meine Nach-Nachfolgerin Sophia einsammeln.  Tja, und während wir in die Stadt fahren, werde ich doch tatsächlich ein wenig sentimental: Meine alte WG, mein Bäcker, meine Schule… – als wäre ich gestern erst gefahren.

Der erste wirkliche Stop ist dann aber der Hafen. Wie könnte es auch anders sein. Dosi und Sophia ist es kalt, wir Urlauber:innen genießen die Sonne und den Moment. Dann geht es für Dosi in den Unterricht und für uns die Mole entlang. Zuerst betrachten wir die Yachten, dann den Industriehafen und schließlich das endlose Blau der Kvarner Bucht. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Markt. Dort wird bereits zusammengepackt. Und auch wir packen es und Dosi fährt uns hoch zu Trsat. Ein weiterer Lieblingsplatz auf meiner Liste.

Doch da selbst die Heiße Schokolade unseren Hunger nicht ganz stillen kann, heißt es kurz drauf Essen fassen. Auf der versteckten Terrasse eines der zwei Einkaufszentren Rijeka bestellen wir uns eine Pizza. Und was für eine! Jumbo ist gar kein Ausdruck. Dabei blicken wir schon auf unser nächstes Ziel: Torpedo. Auch hier bringt uns Dosi noch hin, düst dann aber nach Hause. Und wir machen uns auf zu meinem absoluten Lieblingsplatz.
Doch der hat sich verändert: die Holzkonstruktion auf dem Dach ist verschwunden und das einst so praktische Loch im Zaun ist gestopft. Auch wenn mich das nicht wirklich aufhält – irgendwie seltsam. Ich kletter über den Zaun und stromer zwischen den alten Abschussrampen hindurch. Dann geselle ich mich wieder zu meinen Freund:innen und genieße den Ausblick: Zwei Segelboote kreuzen am Horizont, ein Tanker fährt vorbei. Kurz: etwas hat sich verändert, aber der Charme des Örtchens ist immer noch da.

Mit der untergehenden Sonne im Rücken laufen wir schließlich zurück in die Stadt. Denn das Wiedersehen mit meiner ehemaligen WG steht an. Branka hat extra einen Kuchen gebacken und so sitzen wir gemütlich zusammen, quatschen und lachen. Es wird dunkel, und so geht es mit dem Taxi zu Dosi – die uns in der Zwischenzeit wieder ein waren Festmahl gekocht hat: schwarzes Risotto, Sardinen- heute ist Cheat Day!

Kein Wunder also, dass auch Tag 2 in Rijeka eher gemächlich beginnt. Zwar ist es erst Samstag , aber durch das Reisen haben wir alle den Überblick verloren. In meinem Kopf ist es jedenfalls Sonntag. Und was passt da besser als ein richtiger Sonntagsausflug?  Zu Dosis blankem Entsetzen haben wir nämlich den Plan noch nicht aufgegeben, schwimmen zu gehen. Kurzentschlossen packt sie uns also noch eine Tasche voll Bademäntel und dann geht es ans Meer. Allerdings über Kastav – noch einmal die Aussicht von ganz oben genießen. Dann noch schnell Käsebureks für die abendliche Fahrt abgeholt und kurz darauf sind wir im Küstenstädtchen Lovran. Wir strecken erst die Zehen ins Wasser und springen dann unter viel Gequietsche und den ungläubigen Blicken von Dosi und Sophia hinein. Brrr – kaaaalt. Aber umso schöner ist es, sich danach in die flauschigen Bademäntel einzumummeln.

Dabei haben wir Lovran nicht zufällig ausgewählt. Denn hier findet gerade eine gemeinsame Schulung des Goethe-Instituts und der ZfA (Zentrale für Auslandsschulwesen) statt. Und so habe ich die Möglichkeit Yvonne wiederzusehen. Gemeinsam geht es nach Opatija. Ein bisschen zwischen den Habsburger Prunkbauten und dem blauen Meer spazieren. Wir kaufen noch eine selten hässliche Postkarte und schon ist es Zeit für den Rückweg.

Ein letzter gemeinsamer Kaffee, ein letztes opulenten Abendessen und reich beschenkt geht es Richtung Bahnhof. Dort angekommen werfe ich noch die Postkarten ein. Eine Umarmung und das Versprechen wiederzukommen, dann rollt der Bus an. Und wir lassen uns müde aber glücklich in die Sitze zurücksinken.

Und jetzt, ca. 16 Stunden später, bin ich wieder in Leipzig. Bus, 2x Grenzkontrolle, ein Nachtzug der während der Fahrt repariert wird, ein ungeplantes Umsteigen in Ljubljana, Zug verpasst in München, ein Empfangskomitee der Polizei (da mit unserem Zug wohl auch einige Geflüchtete ankamen), noch ein zusätzliches Umsteigen in Erfurt und gerade ist mir die Straßenbahn vor der Nase weggefahren.

Aber was soll’s. Auch das alles war der Urlaub in Ljubljana und das Wiedersehen mit Rijeka wert.

Vidimo se, Rijeka, vidimo se 😉

 

*gell, Arne 😉

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