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Tag 138 – Feuchtgebiete

Mein Popo tut weh. Klingt jetzt unanständig, hat aber einen ganz harmlosen Grund: Nämlich 56 Kilometer auf dem Fahrrad. Zurückgelegt haben wir die auf dem Weg hin, im bzw. heimwärts aus dem Naturpark Kopački Rit. Das Kopački Rit liegt im Delta zwischen dem Grenzfluss Donau und dem Stadtfluss Drau. Es gilt als einer der schönsten Naturparks Kroatiens und ist Rückzugsgebiet zahlreicher Vogelarten. Und selbst für Vogel-Banausen wie mich gibt es Fauna-technisch einiges zu entdecken: Otter, Bieber, Füchse, Schakale und Rotwild!

Nach einem wohltuend längerem Schlaf als gestern, stiegen wir also auf unsere Leihräder und strampelten los: Zuerst entlang der Drau, dann über die schicke Wackelbrücke und via Landstraße raus aus der Stadt. Eisig und unnachgiebig bließ uns der Wind entgegen und schnell bereute ich es, meine Mütze zu Hause gelassen zu haben. Frühlingshafter Übermut eben. Wir passierten ein paar kleinere Ortschaften und einen Auto-Schrottplatz (hier in Kroatien stellt man seine kaputte Rostlaube gerne mal einfach in die Landschaft), dann begrüßte uns eine große Adlerstatue im Kopački Rit-Naturpark. Und hier begann der Triathlon:

Erste Disziplin: Holzsteg laufen. Etwa zwanzig Minuten schlenderten wir über der Wasseroberfläche entlang, stets darauf bedacht, nicht auf die Stellen der fehlenden Bretter zu treten (ich frage mich, wie oft hier schon jemand mit einem Bein im Sumpf verschwunden ist?). Nachdem schließlich beide von uns wieder festen Boden unter den Füßen hatten, belohnten wir uns erst einmal mit einem Heißgetränk unserer Wahl (Heiße Schokolade!).

 

Danach gab es ein wenig Zeit zu füllen, denn Disziplin zwei (die Bootstour) war erst für 13 Uhr angesetzt. Wir schwangen uns auf unsere Räder und fuhren einmal um die Ecke zum Pier. Erstmal eine Sonnenpause einlegen und einen Blick in den Prospekt werfen: „Auf dem Gebiet des Kopački Rit brüten die größten Seeadlerpopulationen im Donaubecken. Sie sind auch das Symbol des Naturparks.“ Aha.

Als es endlich an der Zeit war, das kleine Bötchen zu besteigen, waren wir trotz Sonne schon ziemlich durchgefrohren. Und auch auf der einstündigen Fahrt wurde es uns nicht gerade wärmer. Schön war es trotzdem, zwischen den im Wasser versunkenen, knorrigen Bäumen hindurch zu schippern. Von den rund 300 Vogelarten sahen wir allerdings vor allem Kormorane (dafür gleich eine ganze Kolonie) und Graureiher (das einzige deutsche Wort, das unser Tourguide sagte). Von den anderen possierlichen Tieren erhaschten wir lediglich die Nagespuren an den Bäumen.

Fehlt noch Dsiziplin Nummer drei: Radfahren. Denn das hatten wir natürlich auch noch im Park vor. Schnell ging es von der Straße auf einen Lehmweg; immer entlang der Sumpfgrenze holperten wir dahin. Und nach einiger Zeit hörte mein Zähnklappern wieder auf und das Blut kehrte in die Hände zurück. Nach etwa einer Stunde verschwand der Weg im Wald und wir mit ihm. Das Dorf Tikves kam in Sicht. Wie verloren lag es da, jenseits jeglicher Zivilisation, und doch: Lauter junge Menschen auf den zwei einzigen Dorfpfaden („Straße“ wäre zu viel gesagt). Für unsere wohlverdiente Pause trieb es uns allerdings noch ein wenig weiter: Zum Schlösschen Tikves. Naja, ein bisschen imposanter hatten wir uns das Habsburger Jagddomizil schon vorgestellt. Aber der Apfel schmeckte trotzdem.

Mit schmerzendem Gesäß ging es dann an den Heimweg. Schnurrgerade lag die Straße vor uns und wollte einfach kein Ende nehmen. Zurück beim Naturpark verwandelte sich der Weg zu allem Überfluss wieder in eine Schotterpiste. Zwar war es wunderschön noch einmal am Rande des Sumpfgebiets entlang zu fahren, aber so langsam wurde das Sitzen echt zum Problem. Bei zehn Kilometern bis zur Stadt stiegen wir schließlich von den Rädern und liefen zwei Kilometer zu Fuß. Dann, als endlich wieder Häuser vor uns auftauchten und die Straße einen festen Untergrund bekam, ging es zurück in den Sattel. Am liebsten hätte ich den Asphalt geküsst, auf dem wir butterweich die Drau entlangglitten! Noch nie war ich so froh, in die heimische Einfahrt zu rollen…

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Tag 137 – Platt wie ne Flunder, weit wie das Meer

Sechs Uhr – oder wie Arne sagt: „Du solltest mehr Urlaub machen, dann stehst du wenigstens früh auf!“ Zugegeben, da ist was Wahres dran: Nur der Bus nach Osijek bringt mich heute morgen aus dem Bett. Dabei ist es irgendwie auch schön, wieder einmal einen Sonnenaufgang zu sehen. Und den Schlaf hole ich bereits auf der vierstündigen Fahrt nach Osijek nach. Zumindest in den ersten zwei Stunden – die andere Hälfte verbringe ich mit Stricken (was in dem vollgestopften Bus gar nicht mal so leicht ist) und damit die flache, endlose Landschaft zu betrachten. Das Braun-Grün der Felder und Wiesen rauscht an uns vorbei, darüber ein blauer Himmel, der in Bodennähe leicht gräulich getrübt ist.

Beim Anblick der riesigen Backsteinkathedrale in Đakovo denke ich kurz, wir wären schon da. Dabei sind es noch dreißig weitere Minuten durch den Speckgürtel Osijeks. Endlich am Busbahnhof angekommen, werden wir von Taxifahrern empfangen, die uns kaum dass wir aus dem Bus ausgestiegen sind, ihre Dienste anbieten. Doch wir machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Und am Ende einer langen Straße stehen wir auch schon vor dem Wahrzeichen der Stadt: Der Peter-und-Paul-Kirche.

Um die Zeit, bis wir in unser Apartment einchecken können zu überbrücken, gehen wir auch noch die restlichen Meter bis zum Fluss. Dort gibt’s dann erstmal ein Eis. Faul sitzen wir in der Sonne (die mittlerweile schon ganz schön Kraft hat!), bis uns der Vermieter anklingelt: Wir können kommen!

Freundlich werden wir auf der Straße begrüßt – der Handschlag etwas ungewohnt. Wir nehmen die Wohnungsschlüssel und die dazugemieteten Fahrräder in Empfang, dann erstmal ein Kaffee auf dem sonnigen Balkon. Nachdem wir uns unseres Krempels und mindestens zweier Schichten unnötiger Kleider entledigt haben, geht es zurück in die Stadt. Noch immer per pedes folgen wir der Uferpromenade Richtung Altstadt. Und die ist echt schick, da mehrspurig ausgebaut: Am Fluss die Fußgänger, dann ein Radweg und ganz rechts eine Jogging-Strecke mit extra-federndem Belag! Wir benutzen alle drei Spuren im Wechsel. Und nicht lange, dann erreichen wir die Fußgänger-/Fahrradbrücke (welche ebenfalls federt, was der Erdbebengeplagten Yvonne allerdings nicht besonders gefällt). Ein Stückchen weiter des Weges hören wir wummernde Bässe und erwarten eine Gruppe junger Leute – aber Fehlanzeige: Zwischen den zwei Boxen sitzt ein älterer Herr.

Tja, Osijek ist schon eine komische Stadt: Halb Großstadt (über 100.000 Einwohner), halb Dorf (direkt hinter dem Fluss ist Pampa). Auch sind hier überdurchschnittlich viele Pärchen im Jogging-Style mit kleinen Kötern unterwegs (natürlich immer vom starken Mann an der Leine geführt) und die coolsten Fahrzeuge (von Mini-Quads und City-Rollern, über Hollandräder und coole Mountainbikes mit LED-Lichtern) hat es hier sowieso.

Ein kleiner Abstecher über den Fluss zu den Katakomben, dann schlendern wir durch die Altstadt. Dort finden wir auch das erste Cafe, das (unerlaubter Weise) schon geöffnet hat – denn eigentlich öffnen die Cafes (also zumindest die mit Außenbereich) erst ab Montag nächster Woche wieder. Die breiten Straßen der Alstadt sind hübsch bunt, wobei auch hier die Farbe blättert. Außerdem sind überall Einschusslöcher zu sehen. Der Heimatkrieg – natürlich: Osijek liegt einfach zu nah an der Grenze.

Von der Altstadt geht es schließlich wieder zurück in die Neustadt. Ohne es zunächst zu wissen, haben wir dabei die Prunkstraße eingeschlagen und können uns an den prächtigen Fassaden gar nicht sattsehen. Auch wenn das ein oder andere Haus ziemlich marode aussieht – hier könnte ich es aushalten!

Kaum zurück an unserem Ausgangspunkt stellt sich bei uns der Hunger ein. Zwar ist halb sechs dafür eigentlich noch ein bisschen früh, aber schließlich sind wir heute ja auch schon lange unterwegs. Außerdem stellt es sich heraus, dass es gar nicht so einfach ist, in Osijek etwas zu essen zu finden: Nachdem das erste Restaurant unserer Wahl gar nicht (mehr) existiert, gibt es beim zweiten ein paar Kommunikationsprobleme. Bedienung Nummer eins schiebt Bedienung Nummer zwei vor, welcher auf Englisch allerdings auch erst einmal die Worte fehlen. Am Ende erhalten wir statt unseres Menus nur einen Teil davon – satt werden wir allerdings trotzdem. Und sogar für Oscar, den Hund einer netten Frau im Park, fallen ein paar Brocken ab.

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Tag 136 – Insel-Hoppping

Mein vorerst letzter Tag in Zagreb – also Vollgas! Und nachdem ich bisher eher außerhalb des Stadtkerns unterwegs war, lautete die Devise: Altstadt und Museen. Kaum war der vormittägliche Unterricht beendet, stiefelte ich los Richtung Innenstadt. Auf dem Weg kam ich am MUO vorbei, dem Museum für Kunst und Kunsthandwerk. Da mir zum einen das Gebäude gefiel und zum anderen das Thema der aktuellen Ausstellung, ging ich kurzentschlossen hinein. Drinnen erwartete mich ein Raum voller Comics und modischer Accessoires:

Als Zweites steuerte ich das Museum der Illusionen an. So wirklich fasziniert hat es mich allerdings nicht. Aber die Spiegelinstallationen fand ich doch ganz nett.

Über den Grič Tunnel, einem Luftschutzraum des zweiten Weltkriegs (davon gibt es praktisch in jeder größeren Stadt einen – auch in Rijeka und Pula), durchquerte ich den Berg der Oberstadt und erreichte die Unterstadt. Das Ziel: Das 80-er Jahre Museum. Das 80-er Jahre Museum ist wie eine Wohnung aufgebaut: Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer und Kinderzimmer (bzw. Spielzimmer). Und wie in einer richtigen Wohnung darf man alles anfassen und ausprobieren (ok, sagen wir: wie in der eigenen Wohnung – bei Fremden ist das vielleicht seltsam). Damit man sich sofort wohlfühlt, gibt es außerdem einen Kaffee auf’s Haus. Ihr könnt euch vorstellen: Ich fand’s klasse!

Zurück in der Gegenwart lief ich die paar Meter zur Oberstadt. Beim Durchschreiten des Steintores fiel mir auf, dass im Torbogen Kirchenbänke stehen und an der einen Wand ein Marienschrein eingelassen war. Tatsächlich saßen und standen davor auch einige Menschen im Gebet versammelt. Seltsam, so mitten auf der Straße. Ich selbst ließ mich stattdessen lieber auf einer kleinen Mauer mit Blick auf die Unterstadt nieder. Eine kleine Verschnaufpause, dann weiter zum nächsten Museum, meinem Favoriten für den heutigen Tag: Das Museum der zebrochenen Beziehungen. Ähnlich wie das Love Stories Museum in Dubrovnik werden auch im Museum der zerbrochenen Beziehungen Gegenstände mit ganz eigenen Geschichten ausgestellt. Diese – meist ganz alltäglichen – Dinge zu betrachten und die doch sehr persönlichen Anektoten dazu zu lesen, ist einfach nur spannend! Am meisten gefallen hat mir die Geschichte zu einem Handy: „Er hat mir sein Handy geschenkt, damit ich ihn nicht mehr anrufen kann.“ „Autsch!“, sag ich da nur…

Wieder eine kurze Pause mit Blick auf Zagreb, dann noch ein letztes Museum. Nur 45 Minuten hatte ich, um das Stadtmuseum zu erkunden. Das hieß: Nur nicht bummeln! Aber auch wenn ich am Ende ein paar Abstriche machen musste, so haben sich die 30 Kuna Eintritt doch auf jeden Fall gelohnt!

Als ich um 18 Uhr schließlich als Letzte das Museum verließ, war es draußen schon dunkel geworden. Und so konnte ich Zagreb noch einmal im Abendblau genießen. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass es morgen schon wieder weitergeht – so viel hätte ich noch sehen und machen wollen. Aber wer weiß: Vielleicht komme ich ja bald nochmal vorbei 😉

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Tag 135 – In die Riemen legen

Was gibt es Grausameres, als in einer fremden Stadt bei schönstem Wetter drinnen festzusitzen… Naja, wenigstens durfte ich mir den Vormittag freinehmen. Und während ich mich jetzt selbst in die Riemen legen muss, konnte ich heute Morgen anderen dabei zuschauen:

Der Jarun-See – etwas außerhalb, aber ein absoluter Tipp für jeden Zagreb-Urlaub!

Woche 19 – Posao, posao, posao

Work, work, work…

zanimanje – Beruf

učenik [utschenik] – Schüler

student – Student

profesor – Lehrer

novinar – Journalist

političar [polititschar] – Politiker

kriminalac – Krimineller

policajac – Polizist

odvjetnik – Anwalt

sudac – Richter

vatrogasac – Feuerwehrmann

liječnik [lijetschnik] – Arzt

inženjer [intschenier] – Ingenieur

automechaničar [automechanitscher] – Automechaniker

vodoinstalater – Klempner

kuhar – Koch

konobar – Kellner

pekar – Bäcker

ribar – Fischer

mesar – Metzger

seljak – Bauer

prodavač [prodawatsch] – Verkäufer

menadžer [menatscher] – Manager

radnik/tajnik – Arbeiter

cistačice [sistatschize] – Putzfrau

frizer – Friseur

vosač [wosatsch] – Fahrer

pilot – Pilot

stujard – Steward

svečenik [swetschenik] – Priester

pjesnik – Dichter

glumac – Schauspieler

plesač [plesatsch] – Tänzer

pjevač [pijewatsch] – Sänger

glazbenik – Musiker

slikar – Maler

sportaš [sportatsch] – Sportler

vojnik – Soldat

astronaut – Astronaut

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Tag 134 – Perle

Sechs Uhr dreißig. So früh klingelt heute mein Wecker, bzw. alle drei. Doch wer was erleben will, muss leiden – und ich will heute etwas erleben! Also rein in die Klamotten und raus auf die Straße. Eine kurze Stressphase beim Suchen der richtigen Straßenbahnhaltestelle und dann noch ein zweites Mal auf der Suche nach dem richtigen Bus. An einer vielversprechend aussehenden Menschenansammlung frage ich einen Mann: „Fährt hier der Bus nach Varaždin?“, und werde geholfen. Nicht nur dass er mir die Haltestelle zeigt, nein, er passt auch genau auf, dass ich in den richtigen Bus einsteige und einmal in Varaždin angekommen auch wieder aus. Ein Hoch auf die kroatische Freundlichkeit! Beim Einsteigen fällt mir auf, dass der Bus über Bjelovar fährt, das Städtchen in dem Arne wohnt. Als wir dann aber tatsächlich durchfahren, bin ich schon längst eingedöst.*

Dafür habe ich allerdings Varaždin gesehen. Und zwar ganze zehn Stunden! In Deutschland kennt Varaždin kein Mensch. Oder höchstens aus der Operette „Gräfin Mariza“ (und das sind auch nur die Klugscheißer). Höchste Zeit, dass sich das ändert! Denn wer Varaždins Altstadt betritt, kann nicht anders, als sich wohlzufühlen: Kleine, pastellfarbene Häuschen mit stuckverzierten Fassaden in (zumindest heute) sonnendurchfluteten Gassen, ab und zu ein Platz voller Kaffeetrinker und überall Kirchen jeder pastellcoleur. Meine Füße tragen mich zuerst zum Rathaus (einem der ältesten Europas), dann zum Grünmarkt. Liebevoll liegt dort das Gemüse aufgereiht. Und den Kava gibt es schon für vier Kuna (50 Cent)! Anstelle von Essen und Trinken zieht es mich allerdings in den Second Hand Shop an der Ecke gegenüber. Ein Pulli später schlender ich wieder durch die Straßen und lande schließlich beim Varaždiner Schloss. Was für eine Perle!

Ich umrunde es auf dem Damm und werfe einen schnellen Blick in den Hof, dann ist es auch schon an der Zeit mich mit Birgit zu treffen.
Birgit ist auch bei der ZfA und war Teil unserer glorreichen Weinwanderung an meinem allerersten Wochenende in Kroatien. Und heute hat sie mich zum Mittagessen eingeladen. Auf dem Weg zu ihr halten wir noch einmal beim Markt, dann wird geschnippelt und gekocht. Kurz darauf blubbert die Bolo in ihrem Topf und wir schlagen uns die Bäuche voll. Abgerundet wird das Ganze durch Torte von Varaždins bester Konditorei, einer Tasse Kaffee und einem Gespräch über Camus, Karriere und Kroatien. Gestärkt und mit voll geladenen Akku geht es für mich schließlich zurück auf das sonnige Pflaster – Kirchhopping ist angesagt!

Eigentlich wollte ich auch in das ein oder andere Museum hineinschauen, aber die haben leider zu. Nun ja, das Wetter wäre sowieso zu gut, um es irgendwo drinnen zu vertun.

Am Ende lande ich wieder auf der kleinen Anhöhe beim Schloss. Ein guter Platz um diese Zeilen zu tippen und ein Buch zu lesen. Wie zur Bestätigung fliegt mir ein Marienkäfer an die Stirn. Ein Paragleiter segelt über das Schloss und ein älterer Herr macht Fotos vom Sonnenuntergang.

Als die Sonne verschwunden ist, laufe ich zum Second Hand Laden Nr. 2. Varaždin – ich kann es jedem nur empfehlen!

Übrigens: Am Schönsten soll es hier Ende August sein, wenn das traditionelle, zehntägige Špancirfest-Festival stattfindet. Der Name kommt von spazieren – denn für das Festival kommen die Leute aus ganz Kroatien angelaufen 😉

 

*Wie sich später herausgestellt hat, ist der Bus gar nicht durch Bjelovar gefahren, sondern durch Belovar (ein Vorort von Zagreb) – puhhh, noch einmal Glück gehabt!

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Tag 133 – Gangway

Halbtagsurlaub. Morgens Unterricht, nachmittags Zagreb. Angesichts des strahlend blauen Himmels waren da natürlich heute die Parks angesagt. Schon beim Hineinlaufen in die Innenstadt musste ich immer wieder schmunzeln: Eimal wegen des Haarstudio-Slogans. Aber all die anderen Male vor allem wegen des interessanten Kleidungsstils der Zagrebackis. Im Allgemeinen sind die Menschen in Zagreb zwar echt schick angezogen, meistens ist die Mode hier aber vor allem ein Statement. Und das heißt, man sieht so ziemlich alles.

Die Parks waren zum Leute Beobachten natürlich der perfekte Ausgangspunkt. Denn nicht nur ich wollte heute das schöne Wetter genießen. Nach einem Spaziergang kreuz und quer durch die Innenstadt wagte ich mich allerdings bald in die Vororte. Mein Ziel: Der Mirogoj Friedhof. Nicht, weil ich ein makabrer Mensch bin, sondern weil der Friedhof architektonisch wirklich gewaltig ist.

Von dort ging es zum Maksimir Park. Wobei „Park“ ein klarer Euphemismus für dieses endlose Waldareal inmitten Zagrebs ist! Etwa zwei Stunden schlenderte ich entlang der Baumreihen und Seen, dann wurde es dunkel. Und dabei hatte ich Yvonne doch versprochen Abendessen für uns zu kochen!

Noch ein kurzer Stopp bei einem Second Hand Laden, dann stieg ich in die Straßenbahn und fuhr zurück. Zack! – schon war der Tag passé.

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Tag 132 – Ausflugsdampfer

Sonne, Sonntag, Samobor. Mein erster Tag in Zagreb bzw. in der Umgebung. Denn heute haben wir einen vollendeten Sonntagsausflug gemacht. Dafür sind wir sogar extra früh aufgestanden (zumindest für meine Verhältnisse)! Als wir zum Bus liefen, lag Zagreb unter einen dichten Wolkendecke begraben. Und auch in Samobor war der Himmel anfangs von Wolken verschleiert. Gemütlich schlenderten wir durch das beschauliche Städtchen in Richtung Marktplatz. Dort schienen sich alle Einwohner*innen Samobors versammelt zu haben. Und das natürlich nicht ohne Grund, sondern um einen Kaffee (za van) zu trinken und mit Bekannten zu quatschen. Auch wir holten uns etwas (in meinem Fall eine dieser köstlichen, puddingähnlichen heißen Schokoladen) und merkten wie die Müdigkeit von uns abfiel und sich ein wohliges Sonntagsgefühl in uns breit machte.

Viel Zeit zum Faulenzen hatten wir allerdings nicht. Denn was wäre ein Sonntagsausflug ohne eine Wanderung? Mit einem zweiten Bus ging es also wieder hinaus aus Samobor und hinein in die Berge. Großer Respekt an dieser Stelle an den Busfahrer, der mit unserem Privat-Reisebus die immer schmaleren Straßen hinaufkurvte. Wir hingegen waren für jeden Höhenmeter dankbar, dachten wir doch, das würde uns ein wenig Wegstrecke abnehmen. Aber Pustekuchen! Alles was wir hinaufgekurvt waren, ging es kurz darauf wieder bergab (und zwar zu Fuß). Denn leider leider lag ein Tal ganz ungünstig zwischen uns und unserem Zielberg. Also zurück auf den Boden der Tatsachen und dann von null auf hundert (bzw. 530) in circa eineinhalb Stunden. Dann war allerdings erst einmal Pause angesagt und zwar – wie es sich für einen Sonntagsausflug gehört – in einer hübschen Berghütte mit Biergarten.

Einen Kaffee und einen Käsestrudel später waren wir bereit für den weiteren Aufstieg. Bald schon kamen wir auf einen sonnigen Weg am Hang des Berges. Dort trafen wir auch auf zahlreiche andere Ausflügler – denn man denkt es kaum, aber die Kroaten*innen sind doch ein fleißiges Wandervölkchen. Nicht lange, dann gelangten wir an eine zweite Hütte. Doch so kurz vor dem Ziel gönnten wir uns keinen weiteren Halt (und das trotz reichhaltigem Trink- und Essensangebot!). Und tatsächlich: Wenige Minuten später waren wir ganz oben angekommmen! Zur Belohnung gab es ein obligatorisches Foto mit dem Gipfelkreuz und anschließend eine ausgedehnte Pause mit Blick auf die umliegenden Berge und Zagreb.

Als wir uns endlich auf den Rückweg machten, stand die Sonne bereits tief am Himmel. Hinunter ging es, zur ersten Hütte und von dort über den Bergrücken Richtung Samobor. Unterwegs bestaunten wir die schnuckeligen Wochenendhäuschen und Weinberg-Hütten und den sich immer dunkler färbenden Himmel. Als Samobor schließlich hinter einer Biegung vor uns auftauchte, war die Dämmerung bereits hereingebrochen. Mondlicht schien auf die Burgruine am Stadtrand. Und auch der Anblick des Marktplatzes hatte sich verändert: Zwar waren immernoch viele Menschen dort versammelt, nun allerdings im goldenen Schimmer der Lichterketten.

Uns rief jedoch Zagreb nach Hause. Denn was folgt nun mal auf Sonntag? Richtig: Arbeit. Und da galt es leider noch ein wenig dafür vorzubereiten. Work hard – play hard. Oder in unserem Fall eben anders herum…

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Tag 131 – Treibholz

Eine ganz Woche weg vom Meer – das hatte ich während meiner ganzen Zeit in Kroatien noch nicht. Aber ich will mich nicht beklagen, denn schließlich geht es heute nach Zagreb – Yvonne besuchen! Auf dem Weg dorthin will ich natürlich alles mitnehmen was geht. Und deswegen werde ich heute auch nochmal einen Zwischenstopp machen: In Karlovac. Falls euch das jetzt nichts sagt, keine Sorge, mir auch nicht. Christian hatte den Ort erwähnt (denke ich zumindest) – und warum auch nicht?

Gestartet in einem grauen Rijeka, lichtet sich schon bald der Nebel. Und nach circa eineinhalb Stunden Fahrt spuckt mich der Bus im sonnigen Karlovac aus. Den Fischotter am Busbahnhof finde ich gleich sympathisch. Und auch die Stadt gefällt mir. Dabei führt mich mein Weg erst einmal durch ein Viertel voller Wohnblöcke. Schön sind sie nicht, aber irgendwie haben sie doch eine ganz eigene Ästhetik.

Nach etwa 30 Minuten bin ich am Rand von Karlovac angekommen, die Häuser werden kleiner und die Landschaft wird hügelig. Ich komme an zwei alten Friedhöfen vorbei. Auch hier eine ganz eigene Ästhetik. Dann ein kurzes Stück bergauf und schon habe ich das erste Ziel des Tages erreicht: Die Burg Dubovac. Zeit also für ein erstes Päuschen. Am kleinen Weiher entdecke ich die ersten Krokusse dieses Jahres. Und in den warmen Sonnenstrahlen lässt es sich wunderbar aushalten.

Aber dann zieht es mich doch weiter – erst einmal hinein in die Burg, dann zum Aussichtspunkt Richtung Stadt.

Zurück nach Karlovac nehme ich den alten Treidelpfad am Fluss. Hier wurden einst die Boote den trägen Strom entlanggezogen – erst von Menschen, dann von Pferdegespannen. Ein alter Mann schaut mir neugierug aus seinem halb geöffneten Fenster hinterher. Andere sitzen am Fluss, wir grüßen uns freundlich. Ein einsamer Baumstamm treibt vorbei.

Nach einer zweiten Pause am alten Hafen (von dem außer einer Steinmauer nichts übrig ist) wende ich mich schließlich der Altstadt zu. Karlovac wurde als Festungsstadt angelegt und noch heute kann man die sternförmige Ausrichtung erahnen. Wo früher die Schanzen für die Geschütze standen, erstreckt sich heute allerdings ein grüner Gürtel mit hübschen Alleen. Und auch im Herz der Stadt sind noch Spuren der einstigen Pracht zu erkennen. Karlovac war Ende des 18. Jahrhunderts ein wichtiges Handelszentrum und die reichste Stadt Kroatiens. Doch heute bröckelt von vielen der bunten Fassaden der Putz. Während Pause Nummer drei fällt mir außerdem auf, dass einige der Gebäude von Einschusslöchern übersät sind. War Karlovac etwa auch ein Schauplatz des Heimatkriegs?

Ein rascher Blick auf die Uhr sagt mir, dass mehr als die Hälfte meiner viereinhalb Stunden in Karlovac verstrichen sind. Zeit also, mich wieder auf die Socken zu machen. Der letzte Punkt auf meiner Liste ist eine alte Holzbrücke. Sie liegt am Flusslauf auf der anderen Seite der Altstadt. Und der scheint ein beliebtes Örtchen für familiäre Samstagsspaziergänge zu sein: Auf zahlreichen Spielplätzen toben die Kinder und auf den Wegen drumherum drehen Pärchen mit Kinderwagen ihre Runden. Ich reihe mich ein, bleibe allerdings schon bald bei einem Hockey-Feld stehen. Wie ich die Kinder darum beneide – Inline-Skating habe ich leider nie gelernt.

Wenige Schritte später bin ich von Schwänen umgeben. In sicherem Abstand gehe ich an ihnen vorbei und überquere kurz darauf die hölzerne Brücke. Eine dicke Wolkenwand ist aufgezogen und so fällt mir die Entscheidung zum geordneten Rückzug nicht allzu schwer.

Diesmal im Doppeldeckerbus geht es weiter nach Zagreb. An der Tram werde ich von Yvonne abgeholt und wir gehen schnell noch einkaufen. Übermütig entscheiden wir uns für die Self-Checkout-Kassen und kommen schnell an unsere Grenzen: Beim Einscannen der zwei Radler bloppt eine Info auf und gibt uns drei Optionen – auf Kroatisch. Wir tippen voller Zuversicht auf Nummer eins und nichts passiert. Also Nummer zwei. 200 Kuna? Das war wohl falsch. Also stornieren. Aber das geht anscheinend nur durch das Personal. Wir warten, bis ein netter Mann kommt und uns den Kasten Radler storniert. Zweiter Versuch, diesmal auf Deutsch. Aha, wir müssen die Anzahl der Flaschen eingeben. Es kann so schön einfach sein. Doch zu früh gefreut, denn natürlich braucht der Alkohol eine Altersfreigabe. Der Angestellte kommt wieder. „Jugendschutz“ sagen wir und müssen grinsen. Er auch, als er uns ansieht und generös unseren Einkauf freigibt. Wenige Sekunden später haben wir es geschafft und verlassen – begleitet von einem lautstarken „Vielen Dank für Ihren Einkauf“ – den Laden.

Tag 130 – Schiffssirene

Gestern auf dem Weg nach Hause dachte ich über das Hupen in Kroatien nach. Denn im Gegensatz zum aggressiven „Empörungshupen“ auf deutschen Straßen, gibt es in Kroatien grundsätzlich zwei verschiedene Hupgründe: Das übliche „Du Vollidiot“-Hupen und das „Hey, ich kenn dich! Hallo! Schön dich zu sehen!“-Hupen.

So ist zum Beispiel ganz normal einmal kräftig auf die Hupe zu drücken, wenn man an einem Auto vorbeifährt, dessen Besitzer*in man kennt. Und selbst in großen Städten wie Rijeka passiert das im Schnitt mindestens einmal am Tag. Aus Dosis Auto haben wir so schon ihren Schwager angehupt, ihre Schwester, ihren Nachbarn… Und in kleinen Dörfern (wie zum Beispiel auf unseren Spritztouren durch den Risnjak-Nationalpark) kommt man aus dem Hupen gar nicht mehr heraus. Alle paar Meter: Mööööp!

Falls ihr also eines schönen Tages wieder einmal durch Kroatien fahren solltet – entspannt euch! Wahrscheinlich werdet ihr angehupt. Und zwar weil ihr (nach kroatischen Verhältnissen) gerade totalen Mist zusammenfahrt. Aber wer weiß: Vielleicht möchte euch jemand auch nur „Hallo“ sagen? Im Zweifelsfall würde ich es also einfach mit den Pinguinen von Madagaskar halten: