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Tag 183 – Seekisten

Dosi arbeitet, ich schlafe aus. Und das ist auch gut so, denn kaum wach, erwartet mich ein Kampf, den ich einfach nicht gewinnen kann: Das grüne Monster (alias meinen Koffer) bezwingen. Acht Arme wären jetzt ganz nett, aber letztendlich würden sie auch nichts nützen. Da hilft nur eines: Draufsitzen, den Reißverschluss langsam zuruckeln und beten, dass das Gepäck am Ende nicht zu schwer ist. Tja, vielleicht liegt es an meinem bevorstehenden Kirchenaustritt, aber nachdem Punkt eins und zwei klappen, scheitert das Projekt Packen schließlich auf der Waage – einen Ort, den ich auch ohne Koffer-Ungetüm in den Armen am Liebsten meide.

Doch auch so bleibt zur Lösung des wortwörtlich gewichtigen Problems erst einmal keine Zeit, denn mein Corona-Test steht an. Dosi bringt mich zum Krankenhaus, wo natürlich alle Parkplätze bis in die dritte Reihe besetzt sind. Also springe ich alleine aus dem Auto und stelle mich in die Reihe vor dem Test-Container. Da dieser direkt vor der Notaufnahme steht, kann ich nicht anders, als zu bemerken, wie ein Krankenwagen nach dem anderen eintrudelt. Mit mir warten etwa zehn andere und als die Tür des Containers aufschwingt, werden wir Schlag auf Schlag abgefertigt. Dabei muss ich weder meinen Pass, noch die Überweisungsbestätigung vorzeigen. Nur die Maske von der Nase ziehen, Stäbchen gefühlt bis ans Hirn schieben lassen (ekelig! wie Helen sagen würde) und schwupps ist die Sache erledigt. Mein erster PCR-Test und hoffentlich auch mein letzter.

Zurück in Dosis Auto legen wir einen kurzen Einkaufsstopp ein (wie komisch es ist, dass viele der Läden wieder zu haben) und düsen weiter zu Katharina. Dort erwartet mich nicht nur ein leckeres Mittagessen, sondern auch ein wirklich süßes Geschenk: Ein Taschenkalender voll lieber Grüße von unseren Schüler*innen. Mit dem zweiten Spalier in drei Tagen nehme ich schließlich Abschied – wenn auch hoffentlich nicht für immer.

Danach ist es Zeit, Paket Nummer eins zur Post zu bringen – denn dabei wird es angesichts des Gepäckproblems (siehe oben) wohl nicht bleiben. Wieder an der frischen Luft habe ich genau das perfekte Timing für den Bus nach Rijeka, wo meine Mitbewohnerinnen bereits auf mich warten. Der Fahrer weist einen Mann auf das korrekte Tragen einer Maske hin – etwas, was ich in Kroatien vorher noch nie erlebt habe (und vielleicht ein Zeichen für die sich verschärfende Situation ist?) – dann laufe ich ein letztes Mal die Stufen zu meiner WG hoch. Drinnen erwartet mich Branka mit einem Abschiedskaffee und ihrer Spezialität: Selbstgemachten Knödeln (süß und mit Pflaumenmus gefüllt). Auch Tomislava ist da und zusammen quatschen wir über die letzten Monate, das Heute und das Morgen. Natürlich haben sie ebenfalls ein Geschenk für mich vorbereitet (unter anderem die neue Cedevita Blutorange, was Klasse ist, denn so muss ich keine Cedevita mehr kaufen) und mit vielen lieben Worten und ein paar Tränchen in den Augenwinkeln werde ich an der Haustür verabschiedet.

Dementsprechend melancholisch bahne ich mir meinen Weg ins Stadtzentrum, wo erst einmal Warten angesagt ist. Denn gerade bei Vorstadtbussen gilt: Der Bus kommt, wenn er eben kommt. Und tatsächlich: Meine Geduld wird belohnt und an meinem letzten Tag schaffe ich das Unglaubliche – ich steige in den richtigen Bus nach Kosi! Jetzt noch schnell Paket Nummer zwei schnüren, eine Flasche Wein mit Dosi leeren und nurnoch einmal schlafen, dann geht es nach Hause.

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