Der Münchner Bahnhof

Auf meiner Rückreise nach Deutschland mit Bus und Bahn, musste ich in München umsteigen und so kam es, dass ich an einem Mittwochmorgen in München auf einer Bank saß und die Leuete beobachtete.

Da waren Familien, die hektisch zum Zug rannten. Pendler, die auf dem Weg in ihre Arbeit waren, doch für mich am eindrücklichsten waren die Münchentrullas, die mit ihren Designerhandtaschen am Arm durch den Bahnhof flanierten.

Und mich überkam ein Gefühl des Ekels und der tiefen Abneigung, fast schon des Hasses. All diese Leute gehen mir nichts dir nicht durch die Welt und haben am Arm 200 Euro hängen und zu Hause einen Weihnachtsbaum für 40 Euro, während 20 Bus- und nichtmal zwei Flugstunden entfernt, Menschen leiden und sich einen Winter lang von Esskastanien ernähren. Das ist nicht Afrika oder irgendein Ort, der weit weg ist. Der sich gut machen würde bei einer Spendenkampangie, wir reden hier von Europa. Aber es schien keinen zu interessieren. Niemals wurde das Schicksal von Albaner bei irgendeiner Nachrichtensendung thematisiert. Stattdessen regen wir uns lieber über die Albaner auf, die auf ein besseres Leben in Deutschland hoffen und die Pendler, Familien und Münchentrullas gingen weiter ihren Weg, als ob es kein Leid auf der Welt geben würde, als ob wir nichts dran ändern könnten.

Doch noch schlimmer war, dass ich auch ein Teil von diesen Leuten war, nein immer noch bin. Ich fahre gerne am Wochenende weg und möchte auch nicht gerne darauf verzichten, auch wenn es nicht lebensnotwendig ist und ich auch genauso gut das Geld spenden könnte und hier in Albanien macht es einfach einen Unterschied. 40 Euro können gutes Essen für über eine Woche bedeuten oder eben einen Weihnachtsbaum.

Doch noch schlimmer wir leben mit unserem Luxus auf Kosten von den Bewohner des globalen Südens. Wir verschmutzen die Umwelt und halten so auch noch Leute davon ab, jemals so viel Reichtum wie wir erleben zu können. Gleichzeitig kaufen wir Flugmangos und erwarten, dass jeder Bus, jeder Apfel, jedes Staubkorn perfekt aussieht. Und ja klar, haben sich die wenigsten Albaner freiwillig dafür entschieden, dass sie es sich nicht leisten können nur perfekte Äpfel zu kaufen und die Busunternehmen nicht genug Geld für immer neue Busse haben. Aber können wir davon nichts lernen? Sollten wir uns nichtmal von unserem hohen Roß runterkommen und verstehen, dass wir auch noch Sachen dazu lernen können, auch von einem Albanien?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.