Random thoughts

 

 

Es läuft nicht alles immer super – und das ist okay.

Ich habe in der letzten Zeit keine Beiträge geschrieben, weil ich Besuch hatte. Von einer alten Freundin und von meiner Familie. Es war schön und genauso wie früher. So als ob sich nichts verändert hätte und ich nicht seit zwei Monaten in einem fremden Land, getrennt von ihnen, lebe.

Doch dieser Familienbesuch war irgendwie auch das Licht am Ende des Tunnels auf das ich hingearbeitet habe. Versteht mich nicht falsch: Ich liebe meinen Job hier, ich mag meine Schüler total gerne, komme mit den anderen Lehrern klar, inzwischen verstehe ich mich auch mit den anderen Freiwilligen richtig gut, ich kann genug Albanisch um mich nicht mehr beim Bäcker zu blamieren, aber trotzdem gibt es Momente in denen man sich wünscht, dass jemand da wäre. Jemand der sich um einen kümmert. Und wenn schon nicht das, dann wenigstens das man an einem Ort ist, den man versteht. Dieses Verstehen für den neuen Ort, also Tirana und Albanien, das kommt, aber langsam. Ich bin nun fast zwei Monate hier und erst jetzt habe ich das Gefühl, dass ich irgendwie ankommen kann.

Und trotzdem gibt es Tage wie heute, wo Netflix einfach mein bester Freund ist und ich admittetly viel zu viel schaue. Ja, ich hätte Unterricht vorbereiten können oder Texte korrigieren können, aber ich hatte keine Lust. Ich werde heute wieder denkbar wenig von meiner To-do-Liste geschafft haben, aber das ist okay.

Vor ein paar Beiträgen, schrieb mir ein Freund aus Deutschland, dass es sich so anhört, als ob es mir hier wirklich gefällt und das tut es! Ich habe vermutlich einer der besten kulturweit-Einsatzstellen, die man sich wünschen kann, aber trotzdem ist es manchmal schwer und ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass alles immer nur einfach und easy going sei. Das ist es nicht.

Eine andere Freiwillige und Freundin von mir, bloggt auch – auch über die unschönen Seiten eines Freiwilligendienstes – Heulkrämpfe inklusive. Sie bekommt Nachrichten, wie toll, dass doch sei, dass sie im Gegensatz zu den meisten Blogs auch beschreibt wie es wirklich ist – Heulkrämpfe inklusive. Und ich habe den höchsten Respekt vor dem was sie tut, sich so zu öffnen und zu zeigen. Das kann ich nicht und werde ich auch nicht tun.

Ich möchte trotzdem sagen, dass nicht immer alles super ist. Und auch wenn sich das jetzt alles vielleicht ein bisschen depri angehört hat, will ich hier nicht weg und abbrechen und bin super dankbar für die Möglichkeit, das hier alles erleben zu dürfen.

Zum Abschluss noch ein paar kleinere Geschichten und Fakten, die absolut nichts mit dem zu tun haben, was ich gerade eben erzählt habe, sich aber auch nicht für ihren eigenen Beitrag eignen. Also lets go:

          1. Ich habe aus Versehen am Anfang meines Aufenthaltes den Feueralarm ausgelöst durch einen Toast, den ich im Ofen vergessen habe.
          2. Mit einer anderen Freiwilligen zusammen, war ich versehentlich bei einer Veranstaltung von „Youth and Students for Peace“. Einer Organisation, deren Gründerin und moralische Leiterin, eine Frau Dr. Hak Ja Han Moon ist. Sie betreibt außerdem die Vereinigungskirche, die Zitat Neue Züricher Zeitung „[eine] stark vereinfacht[e] [Weltansicht hat]. Es gibt nur die Unterscheidung zwischen «Gut» und «Böse», für die eigene Gemeinschaft oder eben dagegen. Es gibt keinen Platz für Kompromisse.“ Dementsprechend kommt die Zeitung zum Schluss, dass die Vereinigungskirche eine Sekte sei. Also ja, ich war bei einem Event von einer Sekte und bis auf die Reden, wo man dann doch unterschwellig das unterliegende sehr konservative und fundamental-christliche Gedankengut mitbekommen hat, war es eigentlich ganz lustig. Es gab zum Beispiel verschiedene Tänze und Sänger.
          3. Ich habe sowohl die deutsche Freundin, die zu Besuch war, als auch meinen Bruder und zwei weitere Freiwillige angesteckt mit dem Fotografieren von Stromkästen. Ob es wohl als Freiwilligenprojekt durchgeht, wenn man eine Karte erstellt und alle Stromkästen in Tirana einträgt?
          4. Es regnet hier. Viel. Heute hatten wir 33mm Niederschlag und 33mm Niederschlag plus albanische Straßen heißt, dass sich alles in eine Meerlandschaft verwandelt und ich habe keine Ahnung, wie Albaner durch dieses Wetter in Sneakern laufen, aber ich stand heute im Unterricht mit Wanderschuhen. Aber immerhin, vielleicht nicht ganz stylisch, aber ich hatte trockene Füße.
          5. Ich liebe die random Sachen, die in Tirana passieren. Zum Beispiel ist da dieser Geigenspieler, der immer super Musik macht oder nach dem Besuch bei dieser Sekte oder sektennahen Veranstaltung, war da einfach ein Konzert von Grundschülern. Oder, dass wenn man auf den Skenderbeg,  das ist der zentrale Platz in Tirana geht, einfach plötzlich eine Oldtimerausstellung ist.

      Und das wars, die Jana erzählt random Zeugs Rubrik. Ich hoffe, dass ich Sie auch das nächste Mal begrüßen darf bei: „Jana erzählt lustige Geschichten aus Tirana“.

       

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.