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Tag 32 – Im Lagerraum

Für alle, die es noch nicht wissen (oder es schon wieder vergessen haben): Rijeka ist eine der zwei europäischen Kulturhauptstädte 2020. Und das bedeutet: Wenn das Kulturangebot der Stadt nicht schon vorher bemerkenswert war, dann ist es das spätestens jetzt. Ein Beispiel dafür: Die Ausstellung „Fiume Fantastika“.

„Fiume Fantastika“ ist eine Homage an Rijeka (alias Fiume). Und aus diesem Grund gibt es für die Ausstellung auch nur einen denkbaren Ort: Den Hafen. Doch dort hinein zu kommen ist gar nicht mal so einfach. Schließlich gilt: Das Hafengeläde untersteht der Hafenverwaltung – nicht der Stadt. Betreten ist daher normalerweise verboten. Normalerweise. Denn wer könnte einer Kulturhauptstadt schon etwas abschlagen? Und so sind die blauen Tore der ehemaligen Holzlagerhalle „Export Drvo“ ausnahmsweise für Kulturbegeisterte geöffnet.

Wer – wie ich an diesem grauen Samstagnachmittag – die Ausstellung betritt, der befindet sich allerdings nicht nur mitten im Herzen der Stadt, sondern auch in mitten ihrer Geschichte. Schließlich besteht „Fiume Fantastika“ aus zehn Pavillons, die jeweils einem ganz bestimmten Aspekt Rijekas gewidmet sind: Dem Hafen und der Bahn, der Grenze, den Netzwerken, dem Kino, dem Tourismus, den Palästen, dem Öffentlichen Raum, der Stadt, den Monumenten und dem Fantastischen an allem. Und dann gibt es da noch eine Timeline. Doch eines nach dem anderen. Beginnen wir ganz vorne:

Im ersten Pavillon lerne ich, dass Rijeka einst der fünftgrößte Hafen Europas war. Und dass es im 18. Jahrhundert fertige Bausätze für Bahnhöfe und Brücken gab. „Wie Lego“, sagt die Museumsangestellte.“Wie Ikea“, denke ich.

Im zweiten Pavillon geht es um die Grenze, die die Stadt früher einmal in zwei Länder teilte.

Im dritten um Titos „Möwe“ und den Hafen als Sprungbrett nach Amerika. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Rijeka die meisten Auswanderer*innen nach Amerika verschickte?

Direkt daneben ist ein Sandkasten aufgebaut. Und wer sich – wenn auch nicht zum Umziehen – in die kleinen Umkleidekabinen wagt, der findet sich in Opatija oder auf Krk wieder. Auf einem Bild entdecke ich sogar das Luxushotel des „Lost Places“-Beitrags wieder!

Nicht minder erfreulich geht es auf der anderen Seite weiter: Ein Kino und hübsche Paläste.

Dann, im Pavillon zu den Öffentlichen Räumen, die Erkenntnis: Vieles, was heute Ufer ist, wurde künstlich aufgeschüttet. Denn wenn Rijeka eines nicht hat, dann ist es Platz.

Ein Raum weiter noch ein Computerspiel und schließlich ein Monument für die Monumente. „Der arme Doppeladler“, denke ich mit einem Blick auf das entsprechende Foto. Da wollten die italienischen Besatzer doch lieber einen „römischen“ Vogel als das österreichische Wappentier. Erst seit diesem Jahr schauen wieder zwei Köpfe auf den Korzo hinunter.

Am Ende noch ein Blick hinter die Kulissen, Slalom durch die Timeline und hoch in die Comic-Ausstellung. Ein paar Souvernis (man lebt schließlich nicht alle Tage in der Kulturhauptstadt Europas!) – dann ist mein Kopf voll und mein Geldbeutel leer. Also nichts wie raus aus der zugigen Halle und zurück in die Gegenwart!

 

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