El Paísito

(M)ein »kulturweit« Blog

22. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Carnaval en Gualeguaychú

Dieses Wochenende war ich mit meinen Freunden auf der anderen Seite der Grenze, in Argentinien, genauer gesagt in Gualeguaychú, Entre Rios. Ich kannte Gualeguaychú vorher nur vom Busterminal, wo ich einmal auf meiner Reise nach Buenos Aires umgestiegen war.

Nun aber lernte ich auch die 100.000 Einwohner Stadt ein wenig besser kennen. Wir fuhren mit meinen Freunden Samstag Nachmittag hin, um uns am Abend den Karneval https://www.carnavaldelpais.com.ar/ im Corsodromo, welches die gleiche Funktion wie ein Sambodrom (Brasilien) hat, anzuschauen. Gegen 22 Uhr gingen wir hin und blieben, verzaubert von der Musik und den Karnevalszügen, bis um 2 Uhr dort. Danach ging es noch bis um 6 Uhr feiern, bevor wir dann in unsere schöne Unterkunft das Lakasa Container Hotel zurückkehrten um uns ein wenig auszuruhen. Am Sonntag verbrachten wir noch ein wenig Zeit dort und fuhren dann zurück nach Fray Bentos, wo ich erstmal schlief.

Die Fotos erzählen aber mehr, als all meine Worte, denn die Atmosphäre eines der wichtigsten Karnevals in Lateinamerika war wirklich unbeschreiblich schön.

Auf der Fahrt nach Gualeguaychú und auch in der Stadt selbst fielen mir auffällig viele Schilder mit politische bzw. geopolitischer Bedeutung auf, die ich hier gerne teilen und näher erläutern möchte.

Direkt hinter der Grenze stand folgendes Schild:

Dieses Schild ist so wichtig für die argentinische Geschichte und Politik, dass ich ihm einen eigenen Beitrag widmen werde. Kurz gesagt geht es um einen territorialen/geopolitischen Konflikt, der seit 1833 schwelt und 1982 sogar für einen Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien sorgte. Noch immer ist dieser Konflikt, wenn auch subtil, in den Köpfen der Menschen, besonders in Argentinien, präsent.

Das zweite Schild, welches ich gesehen habe ist zwar von weniger weltpolitischer Relevanz, aber trotzdem interessant:

Es geht hier um die Zellstofffabrik, welche hier in Fray Bentos steht. Als es darum ging, wo diese gebaut werden sollte, gab es heftige Kontroversen, ob sie nun in Argentinien oder Uruguay gebaut werden sollte. Letztendlich ging sie aufgrund von Steuervorteilen nach Uruguay und brachte der Region und dem Land einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls durch Arbeitsplätze, Kapital etc. Die Menschen in Argentinien, besonders in der Grenzregion zu Uruguay sind darüber immer noch ziemlich sauer und meinen, die Fabrik würde den Fluss kontaminieren.

Insgesamt habe ich an diesem Wochenende sehr viele schöne Impressionen gesammelt, an die ich mich noch lange erinnern werde.

20. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Halbzeit? Jetzt geht’s doch erst richtig los!

Von vielen Freiwilligen, insbesondere meinen Mitfreiwilligen hier in Uruguay höre ich nun vermehrt, dass sich ihr FSJ für sie dem Ende nähert. Ende Februar reisen sie nämlich schon wieder ab.

Für mich nähert sich damit die Halbzeit und damit auch die Zeit für eine kleine Halbzeitbilanz. Diese hätte ich auch gerne auf einem Seminar gezogen, weil ich das bei meinem einjährigen Auslandsaufenthalt in USA sehr angenehm und auch lehrreich fand, aber nun hier auf dem Blog, vor allen Dingen für mich ziehen werde.

Von den 336 Tagen, die ich hier in Fray Bentos, Uruguay bin sind mittlerweile genau 130 Tage vergangen, es fehlt also noch ein knapper Monat bis zur exakten Hälfte, aber so genau wollen wir das jetzt mal nicht nehmen.

Begonnen haben die zurückliegenden 130 Tage mit einem Ruck in meinem Leben, vom einen Tag auf den anderen war ich komplett für mich und das Haus in dem ich, noch alleine lebe, verantwortlich. Natürlich konnte ich meine Familie anrufen oder mit ihnen skypen, aber das ist ja nicht das gleiche, wie gemeinsam einkaufen zu gehen oder gemeinsam zu kochen. Diese Tage waren wahrscheinlich die anstrengendsten Tage und gleichzeitig die, in denen ich am meisten gelernt und auch persönlich gewachsen bin, auch wenn ich das bei so einem Jahr nicht immer sagen kann. Rückblickend bin ich unfassbar froh, dass ich die Gelegenheit hatte diese Tage zu erleben und insbesondere alleine zu erleben, denn dadurch habe ich mehr oder weniger vom einen Tag auf den anderen auch mein Leben komplett selbst in die Hand genommen.

Die darauffolgenden Wochen waren geprägt von wunderbaren Reisen, nach Montevideo, Buenos Aires und Brasilien. Dazwischen habe ich jede Minute hier in der schönen Kleinstadt Fray Bentos genossen, die Arbeit wurde mehr und mehr zur Routine und auch Freunde begann ich zu finden. Nach meiner letzten großen Reise nach Brasilien verbrachte ich viel Zeit mit meinen Freunden, sei es am Strand, oder im Ruderclub und gewöhnte mich mehr und mehr an die uruguayischen Lebensgewohnheiten, wie das sehr späte Abendessen, die Ruhe während der Mittagszeit und vieles mehr.

Zu Weihnachten brach eine besondere Zeit an, ich reiste nach Argentinien und später mit meiner Familie durch Uruguay. Meine Familie kam auch mit in mein Haus in Fray Bentos, das sorgte nochmal für ordentlich Trubel, der aber wirklich sehr schön war, denn dadurch habe ich nochmal ein wenig Unterstützung bei der Einrichtung des Hauses und einigen anderen Sachen bekommen. Vollgetankt mit familiärer Nähe und Liebe und vielen guten Ratschlägen blickte ich auf die kommende Zeit.

Das ist noch gar nicht so lange her und auch im Moment geht es mir wirklich sehr gut hier, insbesondere für meine Freunde und meine Vermieterin bin ich sehr dankbar. Momentan mangelt es ein wenig an Arbeit, aber auch das wird sich hoffentlich bald ändern. So schlecht war das sowieso nicht, weil ich, aufgrund meiner Müdigkeit und leicht angeschlagen, eh nicht so produktiv war.

Insgesamt fällt meine Halbzeitbilanz also sehr positiv aus, ich bin sehr froh und dankbar diese Erfahrungen hier in Uruguay machen zu können und blicke voller Freude auf die kommenden 6 Monate auch wenn ich weis, dass es dann Herbst und langsam Winter werden wird und somit auch ruhiger.

16. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Freundschaften die hoffentlich ewig währen

Die Menschen in meinem Umfeld hier in Fray Bentos verdienen eigentlich viel mehr Blogeinträge, aber manche Sachen kann man einfach nicht in Buchstaben pressen. Trotzdem möchte ich hier ein paar Gedanken teilen.

Oft waren wir in den letzten Tagen mit meinen Freunden am nahe gelegenen Strand in Las Cañas, haben gemeinsam zu Abend gegessen oder einfach gemeinsam Mate getrunken und uns wirklich gut unterhalten. Ich hatte mir vor meiner Abreise gewünscht, hier in Uruguay Menschen zu treffen, die zu Freunden werden. Dieser Wunsch wurde mehr als erfüllt, meine Freunde hier sind wunderbare Menschen, sie sind von Anfang an mir gegenüber sehr aufgeschlossen und hilfsbereit gewesen. Sie sind mir mittlerweile so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie auf meiner letzten Reise nach Argentinien bereits vermisst habe. Seit meiner Rückkehr haben wir uns fast jeden Tag gesehen und gemeinsam etwas unternommen. Diese Spontanität, sich einfach zu treffen und dann zu schauen was man macht, genieße ich sehr.

Es scheint den Menschen hier eine Gelassenheit und gleichzeitig eine Herzlichkeit im Blut zu liegen, die sie nicht verbergen können und wollen, diese Eigenschaften machen auch die Freundschaften so wunderbar unaufgeregt aber tiefgehend, herzlich und voller Freude.

Ich bin sehr dankbar diese Freunde gefunden zu haben und freue mich auf weitere acht Monate voller Erfahrungen und Erlebnisse mit ihnen. Gleichwohl habe ich meine Freunde in Deutschland natürlich nicht vergessen und freue mich auch sie wieder zu sehen, aber bis dahin ist noch etwas Zeit, zum Glück.

Gleichzeitig bin ich auch froh und glücklich durch kulturweit in die große Freiwilligenfamilie hinein gekommen zu sein, wo ich auch viele Freundinnen und Freunde gefunden habe, mit denen ich vielleicht noch nicht so viel Zeit verbracht habe, aber mich trotzdem auf Anhieb gut verstanden habe.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder:

Mit meinem Freund und Arbeitskollegen Nico

Am Strand

12. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Weihnachten/Was ist Zuhause?

Mein diesjähriges Weihnachtsfest war gar nicht unbedingt so anders als andere. Dadurch, dass ich meine Familie in Argentinien schon öfters mit meinen Eltern und meiner Schwester besucht habe war vieles bereits gewohnt und bekannt, ich machte mich mit dem Bus und später mit dem Flugzeug auf den Weg nach Córdoba, wo meine Familie lebt. Dort traf ich meinen Vater und bevor meine Schwester und meine Mama am 23. Dezember nachkamen verbrachten wir ein paar schöne Tage zu zweit.

Wie bereits gesagt war an dieser Reise vieles gewohnt, aber nicht alles. Das lag daran, dass in diesem Jahr meine Oma gestorben ist und ich somit in Argentinien keine lebenden Großeltern mehr habe. Der Tod eines geliebten Menschen trifft denke ich jeden unterschiedlich und hat auch oft unterschiedliche Auswirkungen, mich hat der Tod meiner Oma besonders getroffen in der Hinsicht, als dass sie sich bereits so sehr freute, dass ich endlich für längere Zeit in Südamerika sein würde und sie besuchen kommen würde. Sie scherzte immer, dass sie mir den Pass wegnehmen würde, damit ich nicht mehr wegkämme.

Leider kam es im letzten Jahr nicht mehr zu einem solchen Besuch. Mit meiner Oma ist aber nicht nur ein großartiger Mensch aus dem Leben geschieden, sondern mein Vater, aber auch meine Schwester, meine Mutter und ich haben ein zu Hause verloren. Das Haus meiner Großeltern war für uns ein Anker in Argentinien aber auch in dieser immer schneller werdenden Welt insgesamt. Dort habe ich Spanisch gelernt, im Patio gesessen und so vieles mehr. Schlagartig habe ich nun festgestellt, dass das Haus meiner Großeltern an sich aber kein Zuhause mehr war, das Leben, die Freude war verschwunden, als ich es das erste mal nach zwei Jahren wieder betrat. Ich musste mich zusammenreißen um nicht auf der Stelle in mich zusammenzusacken. Alles in dem Haus, stand und war noch so wie zu Lebzeiten meiner Großeltern. Aber all diese materiellen Dinge schienen in dem Moment leer und überflüssig, denn diejenigen die sie benutzten, ihre Wackelkontakte und Macken kannten waren nicht mehr da.

Kommen wir zurück zu meinem Weihnachtsfest, es war ein wirklich schönes Fest mit meinen Cousins und Cousinen und Onkel und Tanten. Wir haben viel gelacht, gegessen und geredet und einfach eine gute Zeit gehabt.

Nach unserem Aufenthalt in Córdoba fuhren wir mit dem Bus an die Ostküste Uruguays, nach La Pedrera. Dort hatten wir das Ferienhaus eines Freundes für fünf Tage gemietet und konnten uns ein wenig von dem mentalen Stress und dem Abschiednehmen erholen. Wir hatten drei Tage Glück mit dem Wetter und genossen den Strand und den Atlantik. Leider regnete und stürmte es an Silvester, was etwas auf die Stimmung drückte, wir gingen nett essen und begrüßten dann das neue Jahr 2020 und die neue Dekade.

Nach fünf schönen Tagen machten wir uns auf den Weg nach Montevideo, welches wir nach 4 Stunden Busfahrt auch erreichten. In Montevideo verbrachten wir nur eine Nacht. Ich zeigte meinen Eltern und meiner Schwester viele der Orte an denen ich, während meines zweiwöchigen Sprachkurses dort, gewesen war.

Am folgenden Tag ging es zu Uruguays zweiter UNESCO Weltkulturerbestätte, Colonia del Sacramento. Auch hier waren wir nur eine Nacht, was aber reichte um einen schönen Eindruck von der schönen Altstadt zu erhalten. Colonia del Sacramento hat eine überaus interessante Geschichte: Die ursprünglich portugiesische Niederlassung am Rio de la Plata wurde im Auftrag des portugiesischen Prinzregenten Pedro II. 1680 gegründet. Rund 150 Jahre lang war Colonia del Sacramento einer der größten Zankäpfel in Südamerika. Die Kolonialmächte Spanien und Portugal stritten sich wieder und wieder um diesen strategisch wichtigen Flecken Erde. Schon kurz nach der Gründung von Colonia durch Manuel Lobo griffen spanische Truppen an und eroberten das Fort. Doch nach nur zwei Jahrzehnten setzten sich die Portugiesen wieder durch und lösten die Spanier ab. Der Vertrag von Utrecht (1715) führte ebenso wenig wie der Siebenjährige Krieg zwischen den Königreichen auf der iberischen Halbinsel zu einer endgültigen Klärung der Macht- und Besitzverhältnisse.

Der letzte Teil der Reise bestand darin, dass meine Familie mit nach Fray Bentos kam, meine Freunde kennenlernten und ich ihnen all die Orte zeigte an denen sich mein Leben abspielte. Es war eine wunderschöne Zeit, in der ich aber auch gemerkt habe, wie unabhängig ich in diesen drei Monaten geworden bin und wie sehr ich diese Freiheit genieße, was natürlich nicht heißt, dass ich mich nicht mehr in die Familienstruktur einfinden konnte, sondern einfach dass ich merkte, wie ich selber mich verändert habe und gewachsen bin.

10. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Die Wahlen und mein Freiwilligenprojekt

Am 24 November hat Uruguay einen neuen Präsidenten gewählt, darüber habe ich in meinem Blog noch nicht wirklich berichtet, der Grund liegt darin, dass ich daraus gerne mein Freiwilligenprojekt machen würde.

Ich plane seit dem Zwischenseminar Interviews mit Arbeitskollegen, Freunden, Vertretern der Parteien und anderen durchzuführen zu dem Thema der Präsidentschaftswahlen und diese dann zum einen in einme Podcast sowie womöglich in einer kleinen Publikation enden zu lassen. Auf die Idee mit dem Podcast bin ich dank Josefine und Thea auf dem Zwischenseminar gekommen, ich kann mir gut vorstellen neben meinem Blog auch das zu machen, muss aber schauen wie das zeitlich und inhaltlich klappt.

Der Grund bzw. die Idee für mein Projekt liegt darin, dass es das erste mal in der Geschichte Uruguays war, dass es selbst nach dem Balotaje erstmal keinen klaren Gewinner gab, zwischenzeitlich hatten beide Kandidaten 48,3% der Stimmen, die restlichen waren ungültig. Es musste also nochmals ausgezählt werden bis der Corte Electoral dann Luis Lacalle Pou nach mehrfacher Auszählung zum Gewinner ernannte mit 30.000 Stimmen vor Martinez. Gleichzeitig kam davon in den Deutschen Medien nichts an und die wenigsten Leute wissen etwas davon. Um in Deutschland die Aufmerksamkeit für die Politik, die Menschen und die Gesellschaft, dieses kleinen Landes in Lateinamerika, zu erhöhen.

Nun hat Uruguay also eine konservative Regierungsperiode vor sich, den Lacalle Pou hat mit Hilfe von anderen Parteien mit denen er koalieren will eine Mehrheit im Parlament. Ich will aber noch nicht zu viel verraten, sonst macht der Podcast und das Projekt ja keinen Spaß 😉

9. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Letzter Reisebericht: Ilha Grande und Rio de Janeiro

Hier folgt der letzte der Reiseberichte.

Auf unserer letzten Etappe führte uns unsere Reise auf die wunderschöne Ilha Grande, die 7 Stunden von Sao Paulo entfernt ist. Nachdem wir sieben Stunden anstrengende Busfahrt hinter uns gebracht hatten, liefen Max und ich in Richtung des Hafens um ein Boot auf die Insel zu nehmen. Für 60 Reales brachte uns ein Speedboot nach Abrao, dem größten Ort der Insel, auf der übrigens keine Autos fahren dürfen. Das Naturschutzgebiet welches die Insel umfasst ist seit diesem Jahr gemeinsam mit dem Ort Paraty auch UNESCO Weltkulturerbe, jedoch noch einmal viel größer als die Stätte in der ich arbeite und auch eine etwas andere Kategorie, denn Ilha Grande ist eine sogenannte gemischte Stätte, die kulturelle sowie natürliche Elemente enthält. Hier geht’s zur Beschreibung der Deutschen UNESCO Kommission: https://www.unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-weltweit/paraty-und-ilha-grande-kultur-und-biodiversitaet

Auf der Insel trafen wir Philipp, Leon, Aaron und Alina vom Zwischenseminar wieder, was sehr schön war, denn als große Gruppe haben die kleinen Ausflüge, die wir gemacht haben noch mehr Spaß gemacht.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft ging es an den Strand Lopes Mendes. Nach einer 2,5 Stunden langen Wanderung kamen wir an dem wunderschönen Strand an. Der Strand war sehr weitläufig, sodass wir schnell ein ruhiges Plätzchen fanden, an dem wir uns niederließen um den Strand und das Meer zu genießen. Lange badeten wir im Meer, genossen die Sonne und ruhten uns ein wenig aus. Gegen späten Nachmittag fuhren wir dann mit einem Boot wieder zurück nach Abrao, wo wir den Abend verbrachten. Auf dem Rückweg zu dem benachbarten Strand, von wo wir ein Boot nahmen, bekamen wir noch ein paar Äffchen zu sehen.

Am folgenden Tag sind wir zu einem kleinen Strand nördlich von uns gewandert. Auf dem Weg waren wir an einem kleinen Wasserfall und erfrischten uns ein wenig, auch dieser kleine Strand war traumhaft schön, gleichwohl er sich schnell füllte, als einige Wassertaxis die fauleren Touristen abluden. Insgesamt war die Ilha Grande ein sehr schön entspannender Teil der Reise, der sich auch gut an das Zwischenseminar angeschlossen hat. Wir haben viel gechillt, am Strand gelegen, im Meer gebadet und Zeit für uns gehabt.

Am Mittwoch ging es dann nach Rio de Janeiro. Gemeinsam mit Max und Aaron, zwei anderen Freiwilligen verließen wir morgens um 9 die Insel und machten uns erst mit dem Boot und später dann mit dem Bus auf die Reise nach Rio, die uns den gesamten Mittwoch kostete. Am Ende kamen wir am frühen Abend in Rio an. Es war ein unbeschreibliches Gefühl in dieser Stadt zu sein, die so berühmt ist, mit so viel schönem aber auch traurigem in Verbindung gebracht wird. Als wir aus dem Busbahnhof hinaustraten sahen wir den Christo in der Abendstimmung, ein besseres Willkommen konnte es nicht geben.

In Rio besuchten wir natürlich die Touristenhotspots, am ersten Tag ging es auf den Christo. Wir sind aber nicht hochgefahren, sondern durch den Tijuca Nationalpark hoch gelaufen, was eine geniale Erfahrung war, immer wieder gab der dichte Urwald die Sicht auf die Stadt frei und wir bekamen einen guten Überblick. Leider verschlechterte sich das Wetter während unseres Aufstiegs von locker bewölkt zu stark bewölkt und Regen, sodass wir den Christo als wir oben ankamen nicht sehen konnten. Es war aber beeindruckend zu sehen wie die Kraft des Windes die Wolken immer wieder für einige Sekunden zur Seite schob und die Sicht auf dieses Weltwunder freigab. Wir machten natürlich die obligatorischen Bilder. Es war aber eine etwas andere Rio Erfahrung als die meisten Leute haben, ich muss sagen ich fand’s sehr gut.

Am Nachmittag regnete es sich so langsam richtig ein, was uns aber nicht davon abhielt, nach einer Stärkung in einer der Lanchonetes den Fußballclub Fluminense zu besuchen und Flamengo und Botafogo zu Fuß zu erkunden. Irgendwann reichte es uns dann aber und wir nahmen einen Uber zurück zu unserer Unterkunft in Copacabana. Wir ruhten uns ein wenig aus und zogen uns um und fuhren dann zu dritt mit der Metro zum Fußbaltempel Maracana. Fluminense spielte gegen Palmeiras und gewann 1:0. Die Stimmung im Stadium war gigantisch und hat mich wirklich umgehauen. Stellt euch folgende Situation vor: Das Stadium mit einer Kapazität von ca. 60.000 Plätzen war nur zu Hälfte voll also 30.000 Zuschauer, aber diese 30.000 Zuschauer haben mindestens so viel Stimmung gemacht wie bei einem deutschen vollbesetztem Stadium. Immer wieder kamen die Sprechchöre und die Spieler wurden wortwörtlich mit Leib und Seele angefeuert. Was auch interessant war ist, dass Fluminense nicht mehr viel zu holen hat, die Saison ist vorbei und beide Clubs bewegen sich in der oberen Hälfte bzw der Mitte der Tabelle. Das war den Fans aber egal, sie feuerten ihre „Nense“ trotzdem an. Wir waren total baff von dieser Erfahrung und werden sie auch noch lange in Erinnerung behalten.

Am nächsten morgen kam Lea aus Sao Paulo dazu und wir liefen den Strand der Copacabana bis Urca entlang um auf den Zuckerhut zu fahren. Aus der Gondel hatten wir eine traumhafte Sicht auf die Stadt und schossen einige Fotos, oben angekommen, zunächst auf dem Morro da Urca genossen wir die Aussicht und vom Zuckerhut natürlich erst recht. Es war eine atemberaubende Erfahrung zu sehen, wie sich Rio zwischen den Hügeln entlang schlängelte. Fast den ganzen Vormittag verbrachten wir oben und genossen die Aussicht auf die Stadt. Gegen Mittag ging es wieder runter und wir schlenderten ein wenig durch das Univiertel Urca und aßen dann etwas in Botafogo. Danach liefen wir noch ein wenig in der Stadt umher und waren unter anderem bei der so berühmten Treppe, die mit sehr vielen Fliesen geschmückt ist, der Escadaria Selarón. Wir blieben ein wenig und schauten uns das Treiben der Touristen an. Danach liefen wir noch ein wenig umher und fuhren dann mit der Metro zum Apartment zurück.

Am Abend waren wir noch mit der Freiwilligen, die am Goethe Institut in Rio eingesetzt ist im Partybezirk von Rio Lapa. Auf dem Weg dorthin bekamen wir die Kontraste von Rio zu spüren, auf halber Strecke rief Niki, die Freiwillige uns an und sagte wir sollten lieber zu ihr nach Gloria kommen, denn in Lapa sei gerade eine Geiselnahme. Nach 3 Stunden, die wir in einer Bar in Gloria verbrachten fuhren wir nach Lapa und alles war normal, die Menschen feierten ausgelassen. Wir tranken zunächst Caipis später Bier und dann Cachaza in der Bar des Cachaza, wo wir unter anderem einen Cachaza mit einer toten Kobra in der Flasche tranken, ein kleines Glas und die Kehle brannte. Als die Sonne wieder aufging und sich unser einiziger Sonnentag in Rio ankündigte fuhren wir an den Strand nach Copacabana und sprangen kurz nach Sonnenaufgang in den Atlantik, ein Erfahrung die für immer bleiben wird.

Am letzten Tag, Samstag frühstückten wir am Strand von Copacabana, badeten ein bisschen und sonnten uns. Am Nachmittag trafen Max, Lea und ich uns mit der Carioca, die ich in Montevideo beim Sprachkurs kennengelernt hatte. Wir erkundeten ein wenig das Zentrum, was sonst nicht so viele Touristen machen. Außerdem bestaunten wir das Museu do Amanhana (Museum der Zukunft), welches in moderner Architektur direkt an der Küste gebaut ist. Es war schön jemanden zu haben, der einem die Stadt zeigt. Am Abend fuhren wir zum Arpoador und bestaunten den Sonnenuntergang und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder.

Zu viert gingen wir Freiwilligen in einem Kilobuffet essen, was echt cool war, für 38 reales gab es all you can eat, aber in wirklich leckerer traditioneller brasilianischer Küche, wir aßen uns satt und verabschiedeten uns dann, der am Abend zurück nach Sao Paulo musste um seinen Flug am folgenden Tag zu erwischen. Lea, Max und ich gingen als Abschluss noch in eine Oper Eugene Onegin, im imposanten Teatro Municipal do Rio.

Es war ein wahnsinnig schöner Trip mit vielen Erfahrungen, an die ich mich noch oft zurück erinnern werde.

6. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Sao Paulo – die viertgrößte Stadt der Welt und die Stadt die meinen Namen trägt

So habe ich es anderen Freiwilligen erzählt, weil es mir ein Arbeitskollege, als auch ein Brasilianer erzählt hatte und ich wurde angeschaut als ob ich verkündet hätte, das morgen ein Ufo in meinem Garten landen wird: „Niemals, nein auf keinen Fall, wie kommst du denn auf sowas?!“ und viele andere mißtrauische Kommentare bekam ich zu hören. Bei der heutige Zahl an Fake News ist das kein Wunder, ich selb blieb mir meiner Meinung sicher, sagte aber nicht mehr viel sondern stimmte einfach zu als dann der Wikipediaartikel zitiert wurde nachdem es nur die neuntgrößte Metropolregion sei, oder andere die besagten, dass sie nicht einmal unter den Top 10 sei. Nun habe ich die Zeit gehabt ein wenig zu recherchieren und habe auch valide Quellen gefunden, die sich gegenseitig verifizierten. Nachstehend könnt ihr sie euch auch anschauen, ich freue mich aber auch auf Quellen, die womöglich das Gegenteil beweisen.

Beginnen möchte ich aber mit einem Artikel der BBC, der etwas allgemeiner gehalten ist:https://www.bbc.com/news/magazine-16761784 In diesem Artikel geht es um die Methodik, wie man die größte Stadt der Welt definiert, ein kurzer aber lehrreicher Artikel, der gut erklärt, wie es zu den verschiedensten Rankings kommt die manchmal Chongqingh, China an der Spitze dort wird aber laut Artikel der Fehler begangen, dass ein ganzes „Bundesland“ Chinas in die Berechnung einfließt, obwohl diese nicht komplett urban ist.

Nachdem man sich der unterschiedlichen Methodiken bewusst wird erklärt sich einem auch wie manche Leute darauf kommen, dass Sao Paulo nicht die größte Stadt des Kontinents ist. Wenn man jedoch den folgenden Quellen glauben schenkt, dann ist Sao Paulo die viertgrößte Stadt der Erde.

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ranking-2019-die-zehn-groessten-staedte-der-welt-/24418560.html?ticket=ST-12524273-cn2Hp2LwSOhGbNQNgODL-ap4

https://www.theguardian.com/cities/2015/nov/23/cities-in-numbers-how-patterns-of-urban-growth-change-the-world

Einwohnerzahlen der zehn größten Städte der Welt im Jahr 2018

https://www.iwd.de/artikel/die-groessten-staedte-der-welt-399061/

WUP2018-Highlights

WUP2018-Report

WUP2018-KeyFacts

Egal ob man es nun glaubt oder nicht, oder andere Rankings zur Rate zieht, allein schon der erste Anblick der Stadt aus dem Auto machte mir deutlich welche Dimensionen in dieser Stadt herrschen.

Überall sieht man riesige Gebäude, die in den Himmel ragen und ein nicht enden wollendes Straßennetz in dem die meisten Straßen mindestens 2 Spuren in jede Richtung haben.

Aber die Stadt, deren Namen ich trage bzw. die meinen Namen trägt hat auch einiges zu bieten, was man vielleicht so auf den ersten Blick nicht zwischen dem ganzen Beton findet. An meinem einzigen und ersten Tag in Sao Paulo fuhren wir mit einem Uber von unserem Apartment in Alto Pinheiros in Richtung Zentrum zur Pinacoteca, einem wichtigen Kunstmuseum in Sao Paulo, welches in dem sehr schönem Gebäude der Pinacoteca beherbergt ist. Wir schauten uns die Kunst eine gute Stunde an. Es gab viele unterschiedliche aus Brasilien aber auch aus der Welt zu sehen.

Nach der Pinacoteca machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Mercado Municipal, wo wir diverse Früchte zu probieren bekamen und ein paar auch kauften.

Ich muss sagen, Sao Paulo besteht zwar aus sehr viel Beton und es reihen sich viele einfach nur hohe Gebäude aneinander aber Sao Paulo hat auch seinen Charme, man muss Großstädte mögen, aber dann kann man auch mit Sao Paulo warm werden.

In Sao Paulo wird das Geld verdient und in Rio ausgegeben und der Spaß folgt dem Geld.

Meinen ganzen Urlaub würde ich nicht in Sao Paulo verbringen wollen.

Nach dem Mercado Municipal ging es mit der UBahn zur Avenida Paulista, der wichtigsten Straße von Sao Paulo.

Nachdem wir uns in der Nähe der Avenida Paulista in einem sehr leckeren indischen Restaurant gestärkt hatten nahmen wir einen Uber zum Beco do Batman, einer Fußgängerzone, in der sehr viele Wandmalereien zu finden waren, wir schossen ein paar Fotos und ließen uns ein wenig treiben. Drumherum gibt es einige „Hippe“ Läden, in die einige von uns danach gegangen sind. Zufällig trafen wir am Beco do Batman auch die Freiwilligen Thea, Josefine, Niki und Isabel mit denen ich mich eine Weile unterhielt.

Nach unserem Besuch bei dem Beco do Batman liefen wir zu Fuß in Richtung Pinheiros, wo wir etwas trinken gingen. Für Brasilien und Argentinien war dieser Abend nicht irgendein Abend, es war der Abend an dem Flamengo, der Fußballclub aus Rio, Brasilien gegen River Plate, dem Fußballclub aus Buenos Aires, Argentinien im Finale der Copa Libertadores spielte. Flamengo gewann am Ende mit 2:1 und Brasilien brach in Freude aus immer wieder hörten wir aus den Bars die Freude, als eins der zwei Tore viel, aber zu dem brasilianischen Fußballspirit kommt im übernächsten Beitrag auch noch was.

Nach diesem schönem Abschluss des Tages schloss sich noch ein langweiliger Karaokeabend an von dem es deshalb auch keine Bilder gibt. Insgesamt war der Tag in Sao Paulo aber sehr schön!

5. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Busca Vida, Mayra, Gamma, Gaby, die Allmänner und das Zwischenseminar

Etwas erschöpft von der langen Busfahrt nahmen wir morgens vom Busterminal Sao Paulo Tiete (schi eteee) ein Taxi zum Flughafen Guarulhos-International. Dort sollten wir die anderen Freiwilligen aus Brasilien und Bolivien treffen. Das Terminal war noch sehr ruhig, denn die internationalen Flüge gehen ja erst abends los. Wir setzten uns in eine Ecke und warteten.

Nach und nach trafen die anderen Freiwilligen ein, es war sehr schön die bekannten Gesichter vom Vorbereitungsseminar wieder zu sehen. Am Flughafen wurden wir von einem unserer Trainer, Jero abgeholt und mit einem gemieteten Bus in Richtung Bragança Paulista, in die Peripherie von Sao Paulo, gefahren. Nach gut 90 Minuten Fahrt erreichten wir unseren Seminarort, Busca Vida, ein Ort, der sehr schwer zu beschreiben ist ohne ein schönes Detail zu vergessen. Auf den Bildern bekommt ihr einen Eindruck davon.

Wir 7 Jungs hatten gemeinsam eine kleine Hütte oben, wo auch eine kleine sehr detailverliebt dekorierte Halle war, in der es Konzerte gibt und andere kulturelle Veranstaltungen. Wir hatten in der Halle aber erstmal das Willkommensritual vor uns. Gaby, der sich mit seiner Familie um uns gekümmert hat, gab uns zunächst gelbe Blüten, die wir an Lippen und Zahnfleisch reiben sollten, es entstand ein angenehmes Kribbeln im Mund, danach löschten wir dieses Kribbeln mit dem Busca Vida – Cachaza, der Anfang des Seminars war auf jeden Fall gut gelungen. Busca Vida heißt so viel wie Leben suchen und spiegelt die Philosophie wieder, die an diesem Ort gelebt wird, im Moment lebe, im Einklang und Harmonie mit der Natur und seiner Umgebung.

Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, trafen wir uns unten und lernten auch unsere zweite Trainerin kennen, Eva und ihr kleines Kind Mayra, die das Seminar noch viel auflockern würde.

Ihr seht, langsam erklärt sich die Überschrift. Zunächst gab es eine äußerst leckere Stärkung bestehend aus Bananenbrot und anderen Kuchen, ein kleiner Vorgeschmack auf das exzellente Essen, welches wir die Woche über bekommen würden. Nach dem kleinen Snack begannen wir mit verschiedenen Übungen, die Jero unser Trainer, unter anderem aus dem Theater der Unterdrückung kannte.

Eine Übung, die wir machten war, dass wir uns minutenlang gegenseitig gegenüberstanden und in die Augen sahen und versuchten dabei nicht zu lachen oder wegzugucken. Ich fand die Übung sehr stark, besonders nach Jeros Erklärung danach. Er sagte, dass das in die Augenschauen, das tiefe in die Augenschauen etwas eigentlich natürliches ist, aber wir unterdrücken es tagtäglich durch Lachen, wegschauen und vieles mehr. In diesem Stil ging das Seminar auch weiter, wir reflektierten viel, tauschten uns aus, tankten positive Energie, aber diskutierten auch sehr angeregt untereinander und mit einem Referenten der Schwarzen Bewegung in Sao Paulo, Joao.

Mit Joao (links) und Jero (rechts)

Es ging viel um Privilegien, die wir als Weiße haben, so sagte Joao dass wir, wenn wir schwarz gewesen wären nicht die Schotterstraße einfach so hätten entlanglaufen können, ohne von der Polizei angehalten zu werden, als Weiße jedoch, kein Problem bekämen. Die Diskussion, die sich Joao’s Vortrag über Kolonialismus, Rassismus, Diskriminierung und Post-Kolonialismus besonders in Brasilien, anschloss wurde sehr angeregt und emotional geführt. Ich habe viel zugehört, mir war bereits vorher klar auf welcher Seite ich stand bzw. welche Positionen es geben würde. Es war jedoch sehr interessant zu sehen wie angegriffen sich einige fühlten, als sie hörten, dass auch sie als Weiße automatisch Privilegien haben. Andererseits diskutierten andere und versuchten sehr verbissen die ablehnende Haltung der anderen zu ädern, was in so einer Diskussion direkt meiner Meinung nach eh nicht wirklich möglich ist, höchstens einen Denkprozess kann man dort anstoßen. Insgesamt war der Nachmittag mit Joao sehr lehrreich und interessant.

Nach den Seminarinhalten am Vormittag genossen wir immer das typisch brasilianische Mittagessen, sei es Feijao, Tapioca und vielen mehr, oft sind wir nach dem Mittagessen in den nahe gelegenen See gesprungen, der eigentlich ein Wasserreservoir Sao Paulos ist.

Insgesamt waren die Seminarinhalte oft sehr entspannt und orientierten sich sehr viel an unseren aktuellen Bedürfnissen, es kam aber trotzdem nichts zu kurz, wir tauschten uns sehr viel aus, was wirklich gut tat und mir auch zeigte, wie gut ich es in meiner Einsatzstelle habe: Ich kann nicht wirklich über etwas klagen, die Arbeit ist gut, die Menschen sind super lieb und herzlich, meine Unterkunft ist bis jetzt eigentlich purer Luxus.

Ich denke es war aber gut anderen Freiwilligen, die es vielleicht nicht so leicht hatten oder haben, ein Ohr zu schenken, ihnen zuzuhören und sie zu stärken. Ich denke das war mit eines der wertvollsten Dinge des Seminars die Gemeinschaft und der gute Geist der zwischen uns allen herrschte.

Einen Tag des Seminars verbrachten wir in dem nahe gelegenem Ort Bragança Paulista, wo wir anlässlich des Dia de la Consciencia Negra ein kleines Fest auf dem Hauptplatz der Stadt besuchten. Dort trafen wir viele Leute beispielsweise die Pfadfinder des Ortes, mit denen ich mich lange unterhielt und austauschte, das war wirklich sehr schön. Ich habe direkt eine Verbundenheit gespürt, die uns Pfadfinder auf der ganzen Welt vereint.

Aber nicht nur mit den Pfadfindern haben wir uns unterhalten, auch mit den Menschen, die Capoeira auf dem Fest machten, ein Sport, den die Sklaven ursprünglich getarnt als Tanz nutzten um sich auf den Kampf vorzubereiten.Mehr dazu hier: https://www.smithsonianmag.com/smithsonian-institution/capoeira-occult-martial-art-international-dance-180964924/ , https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2007/mar/17/healthandwellbeing.features4

Auch Sambamusik und viele andere kulturelle Angebote genossen wir gemeinsam mit den Leuten von vor Ort, die sich sehr freuten, dass wir da waren und uns vieles zeigten.

Einigen von uns wurde es unangenehm, als der Moderator des Festes uns extra begrüßte, ich bin immer noch unentschlossen wie ich das finden sollte. Auf der einen Seite denke ich, dass es in Deutschland auf einem ähnlichen Fest wahrscheinlich ähnlich laufen würde und es schlichtweg ein Ausdruck der Freude darüber ist, dass wir da waren. Auf der anderen Seite denke ich, dass das ganze schon einen schalen Beigeschmack hat, wenn die weißen Deutschen auf einem Fest für das schwarze Bewusstsein extra begrüßt werden, denn eigentlich sind ja gerade wir diejenigen, die an einem solchen Tag nicht im Mittelpunkt stehen sollten.

Einen sehr schönen Tag hatten wir trotzdem in Bragança Paulista, einer Stadt, die relativ gut die brasilianischen Kleinstädte repräsentiert

Wir waren auch auf einem großen sehr schönem Markt, was wirklich schön war, probierten Zuckerrohrsaft und weitere typisch brasilianische Leckereien.

Am frühen Abend liefen wir noch auf den nahe gelegenen Hügel um von dort den Sonnenuntergang zu genießen und einen schönen Blick auf die Landschaft zu haben. Auch Gamma Gabys kleiner Sohn war dabei, den wir Jungs, oder die Allmänner auch little Boss nannten, weil er immer so einen süßen, bosshaften Blick drauf hatte und sich auch so verhielt. Jetzt erklären sich auch die weiteren Namen in der Überschrift, den Gaby’s Frau bekochte uns immer wirklich gut und mit viel Mühe und Gaby war oft bei unserem Seminar mit dabei und hat sich sehr gefreut, dass wir da waren, denn wir waren seine erste Gruppe.

Am letzten Tag machten wir uns Gedanken zu unseren Freiwilligenprojekten und schlossen den Tag abends erst mit einer Performance einer Ärztin, die von ihren Erfahrungen spielte, dabei ging es viel um Indigene Völker und Unterdrückung, schwere Themen also, die aber sehr wichtig sind und auch auf unserem Seminar immer wieder Thema waren. Danach war eine Trommlergruppe bei uns, die auch schon in Bragança Paulista gespielt hatte und die unser Trainer Jero spontan eingeladen hatte. Zum Abschluss des Abends legte Gaby auf.

Insgesamt ein sehr gelungener, schöner letzter Abend, bis auf eine angeknackste Nase ist auch niemand zu Schaden gekommen. Am Freitag frühstückten wir ein letztes mal an diesem wunderschönen Ort und mussten uns dann von den meisten auch schon wieder verabschieden, die wir frühestens beim Nachbereitungsseminar wiedersehen werden.

Nach einer rührenden Verabschiedung auch von Gaby, Jero, Mayra, Gamma und allen anderen machten wir uns auf den Weg nach Sao Paulo, wovon ich im nächsten Eintrag berichten werde. Es war gut direkt wieder etwas zu haben und noch ein paar Leute um sich zu haben um nicht komplett in das post-Seminar Loch zu fallen, was oft nach so einer intensiven Zeit bei mir entsteht. Es war ein echt gutes Seminar, die meisten von uns hätten gerne noch mehr Zeit an diesem schönen Ort verbracht und die Gemeinschaft, das gute Essen und die Natur genossen, danke Jero, Gaby, Eva und allen anderen für dieses wunderbare Seminar!

5. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Wieder da und viel zu erzählen: Reisebericht Florianopolis

Für meine Verhältnisse habe ich lange Zeit nichts mehr auf diesem Blog geschrieben, denn wie angekündigt war ich die letzten 3 Wochen auf Reise durch das wunderschöne und gigantische Land Brasilien. Mein Reiseroute hatte ich ja bereits in einem vorherigen Blogpost beschrieben, dort findet ihr auch eine Karte (Der Countdown geht gegen 0 – heute Nacht geht’s los nach Brasilien)

Nun habe ich heute zwischen der ganzen Arbeit (kommt auch noch ein Blogpost zu ;-)), die ich zur Zeit habe und den anderen Dingen, wie die kulturweit Kostenabrechnung ein wenig Zeit gefunden etwas zu schreiben.

Natürlich werde ich etwas über meine Reise schreiben, damit es aber nicht ein mega Artikel wird, den am Ende keiner mehr liest, weil er viel zu lang ist, werde ich mehrere machen, denn es sind einfach zu viele schöne Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen, als dass sie alle in einen Blogpost passen würden, oh man das klingt schon wieder so pathetisch, fangen wir pragmatisch mit Florianopolis an!

Nachdem ich mit dem Bus von Fray Bentos nach Rivera gefahren war, dort einen Zwischenstopp bei den Freiwilligen Eike und Leon eingelegt hatte, ging es gemeinsam mit ihnen und den Freiwilligen aus Trinidad, Max und Insa los nach Floripa.

Nach einer 16 stündigen Busfahrt erreichten wir das Busterminal von Floripa morgens um halb 6, müde, aber auch froh es geschafft zu haben, verweilten wir noch ein wenig am Terminal, denn etwas anderes hätten wir eh nicht machen können.

Die ersten paar Tage der Woche verbrachten wir in Campeche im Süden der Insel. Wir hatten ein kleines Apartment ganz in der Nähe des Strands gemietet. Leider war es die meiste Zeit bewölkt, sodass alles ein wenig grau erschien, davon ließen wir uns aber nicht beirren, oft genug kam die Sonne trotzdem durch. Die meiste Zeit verbrachten wir am Strand, wo wir in den relativ großen Wellen des Atlantiks unseren Spaß hatten. Wir waren aber aufgrund des Wetters nicht die ganze Zeit am Strand, wäre auch langweilig geworden.

Einen Tag machten wir eine Wanderung zur Lagoinha do Leste, ganz im Süden der Insel. Wir nahmen zuerst einen Uber zur Praia do Matadeiro und von dort begannen wir unsere Wanderung durch den regenwaldähnlichen Wald auf den Hügeln im Süden, begleitet von immer wieder atemberaubenden Aussichten kämpften wir uns gut 2 Stunden lang durch den Wald und später nur noch über die kargen Hügel. Auf dem Weg begegneten wir unter anderem zwei Schlangen, die uns nochmals daran erinnerten, dass hier andere Tiere in den Büschen umherstreiften und auch andere Pflanzen wachsen. Nach gut zwei Stunden gelangten wir dann an den Strand, leider hatte sich das Wetter während der Wanderung eher verschlechtert als verbessert, sodass wir nicht sehr lange dort blieben. Der Strand war aber trotzdem wirklich sehr schön, einzig der Wind, der einem den Sand um die Ohren peitschte, war ein bisschen anstrengend. Wir sahen in einem Fluss, der den Strand von hinten „begrenzte“ diverse Krabben, was echt spannend war. Leider wussten wir nicht, dass es kürzer und auch sehr schön gewesen wäre, wenn wir einfach auf der anderen Seite des Strands den Weg nach Pantano do Sul genommen hätten. So liefen wir den gleichen Weg zum Matadeiro Strand wieder zurück, dieses mal aber schon deutlich schneller, weil wir den Weg ja schon kannten. Insgesamt war das ein sehr schöner Ausflug. Am Abend kehrten wir relativ erschöpft wieder in unsere Unterkunft zurück und machten Churrasco, brasilianischen Asado.

Auf der Wanderung hatte ich auch ein wenig Zeit nachzudenken und immer wieder stellte ich fest, wie privilegiert ich bin und wie gut ich es habe, diesen Freiwilligendienst machen zu dürfen, diese Reise ohne Probleme machen zu können und so vieles mehr, was viele Leute auf dieser Erde in meinem Alter noch immer nicht machen können. Ich bin sehr dankbar, mir diese Gedanken machen zu können, die Freiheit zu haben, kritisch über Dinge nachzudenken. Daran, dass jeder in unserer Gesellschaft und Welt mit seinen Gedanken zu Wort kommen darf und kann, daran müssen wir auf dieser Welt noch arbeiten, aber vom globalen zurück zum persönlichen. Auch Leute in meinem Umfeld müssen manchmal meiner Meinung nach, mehr und besser zuhören und den anderen zu Wort kommen lassen. Ich glaube, allein das Bewusstsein, dass ich diese Privilegien habe, aufgrund meines Passes, meiner Hautfarbe, meiner Herkunft, macht schon etwas mit einem. Ich hinterfrage die existierenden Machtstrukturen und mache mir immer wieder Gedanken, wie man diese verändern könnte, ich habe dabei auch festgestellt, dass jeder andere Ansätze hat das anzugehen. Ohne jetzt generalisierend klingen zu wollen, denn das ist wirklich nicht meine Intention, glaube ich dass wir schneller und besser vorankämmen, in unserem Leben und bei anderen Dingen, wenn wir ab einem bestimmten Punkt akzeptieren und tolerieren, dass es andere Lösungsansätze für Probleme gibt, andere Ansätze für das Leben und insgesamt für alles auf dieser Welt. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass wir Ausschau halten nach neuen Ansätzen und verstehen, dass diese nicht schlechter oder besser sind sondern einfach anders, einem anderen Zweck dienen, den Fokus anders legen oder schlichtweg aus einer anderen Lebenssituation heraus entstehen.

An einem anderen Tag, an dem das Wetter wirklich zu schlecht war um an den Strand zu gehen, ließen wir es uns in der Sauna des Apartmentkomplexes gut gehen. Am folgenden Tag machten Leon und ich einen langen Strandspaziergang, wir liefen einmal den ganzen Strand nach Norden hoch und wieder zurück, es war schön an der Seeluft ein wenig die Gedanken streifen zu lassen und sich auch mental ein wenig entspannen zu können.

Die zweite Hälfte der Zeit in Floripa verbrachten wir im Norden der Insel in Ponta das Canas, der Strand dort lag nicht auf der Atlantikseite, sondern war dem Festland zugewandt, weshalb es deutlich weniger Wellen gab und man dort mehr schwimmen konnte. In unserer Zeit dort wurde nach dem verregneten Transfertag auch das Wetter deutlich besser und wir hatten noch drei richtige Sonnentage. In Ponta das Canas verbrachten wir die meisten Tage am Strand. Doch auch hier machten wir einen kleinen Ausflug, nach Barra da Lagoa, wo wir uns mit einer alten Schulfreundin von Leon trafen, wie klein die Welt doch ist. Nachdem Frühstück mit ihr und ihrer amerikanischen Freundin verbrachten Leon und ich den Tag am Strand von Barra da Lagoa, der meiner Meinung nach der schönste von den Stränden war, die wir auf Floripa gesehen haben. Die anderen gingen zur Schildkrötenstation von Barra da Lagoa. Am späten Nachmittags trafen wir uns wieder und aßen etwas, danach stellte sich die Frage wie wir wieder zu unserem Apartment kommen würden. Lea, Eike und Insa nahmen für 136 Reales einen Uber, das war Leon und mir zu teuer, sodass wir ein wenig durch den Ort liefen und uns auf die Suche nach einem günstigeren Weg nach Hause machten. Nach zwei Blocks stießen wir auf ein Taxi, wir fragten was den eine Fahrt nach Canasvieras, dem größerem Ort im Norden, kosten würde. Er antwortete, dass er das nicht wüsste, er würde mit Taxometet berechnen, wir entgegneten, dass wir nur noch 70 Reales hatte, er sagte keine Problem, dafür bringe ich euch zur Busstation von Canasvieras, wir stiegen ein und schon ging die halsbrecherische Fahrt los. Unser Taxifahrer fuhr sicher, aber überholte wo es nur ging, selbst die anderen im Uber überholten wir, als das Taxometer ganz knapp vor 70 war erreichten wir die Busstation, er bedankte sich, wir bedankten uns und machten uns zu Fuß auf den Rückweg, diese Erfahrung werde ich so schnell nicht vergessen.

 

So einen Taxifahrer zu haben, wenn man es eilig hat und nicht viel Geld ist Gold wert und gleichzeitig noch ein großer Spaß!

An unserem letzten Abend in Floripa machten wir nochmal Churassco, tranken guten Rotwein und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Am Sonntag ging es dann gegen Mittag in die Stadt Florianopolis, wo wir unser Gepäck am Busterminal ließen und eigentlich noch ein wenig die Stadt erkunden wollten, wir passierten den schönen alten Markt, wo einige Restaurants waren und liefen etwas in die Stadt rein, aber die war menschenleer, kein Tourist, kein Local gar keiner, das war uns nicht ganz geheuer und schön war es ja auch nicht, wenn alles geschlossen ist, also setzten wir uns in eins der Restaurants an dem alten Markt und verbrachten die restliche Zeit in dem Park an der Küste. Um 20 Uhr nahmen wir dann den Bus nach Sao Paulo, wo wir morgens um halb 10 ankamen. Über meine Zeit beim Zwischenseminar in der Nähe von Sao Paulo werde ich im nächsten Blogeintrag berichten.

7. November 2019
von Paulo Glowacki
1 Kommentar

Interview mit meinem Sprachlehrer = Ergebnis meines Sprachkurses

Hier könnt ihr eines der Ergebnisse meines Sprachkurses lesen, ich habe die ganze Woche immer wieder mit meinem Sprachlehrer Franco (siehe Bild) redigiert und am Text geschliffen und von ihm wertvolle Arbeitsmethoden zu journalistischem Arbeiten kennengelernt.

CONSERVAR LO QUE TENEMOS

El domingo pasado fueron las elecciones nacionales y presidenciales en Uruguay, que sorprendieron mucha gente por los resultados no previstos. Para conocer la reacción del pueblo le pregunte a Santiago, Montevideano de 35 años, profesor de español y músico.

¿Podes describir el día de las elecciones y cómo te sentiste a la noche cuando viste los resultados?

Durante el día hubo un lindo ambiente en Uruguay, tranquilo y mucha expectativa. Después, de noche fue decepcionante pero al mismo tiempo esperable. Los resultados fueron los mismos que decían las encuestas pero todos pensábamos que se iban a equivocar al igual que en las elecciones pasadas cuando el partido que yo votó terminó teniendo muchos más votos de lo que decían las encuestas. Por eso muchos pensamos: “Ah esta vez también van a tener más votos.” pero eso no pasó.

¿Qué votaste?

Voté al Frente Amplio, que es el partido de izquierda.

¿Qué fue lo más importante que afectó tu decisión?

La izquierda empezó a gobernar en Uruguay en el 2005 por primera vez, a partir de ahí el país mejoró en todos los aspectos: económico, social y de derechos.  Aparecieron muchas leyes para las mujeres, los homosexuales, las minorías y los más vulnerables. El contraste entre los gobiernos de derecha e izquierda es bastante grande para mí. Cuando tenía 18, en los años 90, teníamos un gobierno de derecha que terminó con una crisis en el 2002 que fue bastante horrible para todos.

¿Cómo le va a ir al país si en noviembre gana el candidato Lacalle Pou del Partido Nacional?

Es imposible saberlo. Mis expectativas son malas, pero tampoco horribles. Uruguay es un país muy tranquilo y no hay grandes cambios. Es una sociedad bastante conservadora. 

Vamos a estar un poco peor y vamos a retroceder en algunos aspectos, aunque no creo que sea un cambio dramático.

Cabildo Abierto, el partido de extrema derecha, surgió el año pasado. ¿Cuál fue el cambio en la sociedad que posibilitó el surgimiento de este partido?

Yo no creo que haya habido un cambio. Creo que la gente que vota a Cabildo Abierto, es la misma que existe en la mayoría de los países europeos, sudamericanos y en todo el mundo. Solamente que antes votaban a un partido de una derecha más conservadora porque no tenían otra opción, que los representara con una voz más directa, más extrema. Pero en mi opinión la gente ya pensaba lo mismo antes.

En todo el mundo ahora ya no es una vergüenza ser de extrema derecha. Hace diez o veinte años, esa gente se escondía y lo hacía en secreto. Ahora no tienen miedo de decir cosas que ofendan a los demás. Sobre todo con Trump, que es un racista declarado.

¿Todavía existe la posibilidad de que Daniel Martínez gane?

Existe a posibilidad pero el parlamento, que también se votó ayer, ya está perdido. Ya sabemos que en los próximos 5 años no va a haber leyes nuevas o progresistas. Vamos a estar, en el mejor de los casos en un escenario donde la lucha se va a dar en el parlamento.

No mejorando tanto como en los últimos años.

Exacto, en todo caso quizás podremos conservar lo que tenemos pero no vamos a avanzar mucho más, al menos en estos 5 años.

 

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