El Paísito

(M)ein »kulturweit« Blog

6. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Sao Paulo – die viertgrößte Stadt der Welt und die Stadt die meinen Namen trägt

So habe ich es anderen Freiwilligen erzählt, weil es mir ein Arbeitskollege, als auch ein Brasilianer erzählt hatte und ich wurde angeschaut als ob ich verkündet hätte, das morgen ein Ufo in meinem Garten landen wird: „Niemals, nein auf keinen Fall, wie kommst du denn auf sowas?!“ und viele andere mißtrauische Kommentare bekam ich zu hören. Bei der heutige Zahl an Fake News ist das kein Wunder, ich selb blieb mir meiner Meinung sicher, sagte aber nicht mehr viel sondern stimmte einfach zu als dann der Wikipediaartikel zitiert wurde nachdem es nur die neuntgrößte Metropolregion sei, oder andere die besagten, dass sie nicht einmal unter den Top 10 sei. Nun habe ich die Zeit gehabt ein wenig zu recherchieren und habe auch valide Quellen gefunden, die sich gegenseitig verifizierten. Nachstehend könnt ihr sie euch auch anschauen, ich freue mich aber auch auf Quellen, die womöglich das Gegenteil beweisen.

Beginnen möchte ich aber mit einem Artikel der BBC, der etwas allgemeiner gehalten ist:https://www.bbc.com/news/magazine-16761784 In diesem Artikel geht es um die Methodik, wie man die größte Stadt der Welt definiert, ein kurzer aber lehrreicher Artikel, der gut erklärt, wie es zu den verschiedensten Rankings kommt die manchmal Chongqingh, China an der Spitze dort wird aber laut Artikel der Fehler begangen, dass ein ganzes „Bundesland“ Chinas in die Berechnung einfließt, obwohl diese nicht komplett urban ist.

Nachdem man sich der unterschiedlichen Methodiken bewusst wird erklärt sich einem auch wie manche Leute darauf kommen, dass Sao Paulo nicht die größte Stadt des Kontinents ist. Wenn man jedoch den folgenden Quellen glauben schenkt, dann ist Sao Paulo die viertgrößte Stadt der Erde.

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ranking-2019-die-zehn-groessten-staedte-der-welt-/24418560.html?ticket=ST-12524273-cn2Hp2LwSOhGbNQNgODL-ap4

https://www.theguardian.com/cities/2015/nov/23/cities-in-numbers-how-patterns-of-urban-growth-change-the-world

Einwohnerzahlen der zehn größten Städte der Welt im Jahr 2018

https://www.iwd.de/artikel/die-groessten-staedte-der-welt-399061/

WUP2018-Highlights

WUP2018-Report

WUP2018-KeyFacts

Egal ob man es nun glaubt oder nicht, oder andere Rankings zur Rate zieht, allein schon der erste Anblick der Stadt aus dem Auto machte mir deutlich welche Dimensionen in dieser Stadt herrschen.

Überall sieht man riesige Gebäude, die in den Himmel ragen und ein nicht enden wollendes Straßennetz in dem die meisten Straßen mindestens 2 Spuren in jede Richtung haben.

Aber die Stadt, deren Namen ich trage bzw. die meinen Namen trägt hat auch einiges zu bieten, was man vielleicht so auf den ersten Blick nicht zwischen dem ganzen Beton findet. An meinem einzigen und ersten Tag in Sao Paulo fuhren wir mit einem Uber von unserem Apartment in Alto Pinheiros in Richtung Zentrum zur Pinacoteca, einem wichtigen Kunstmuseum in Sao Paulo, welches in dem sehr schönem Gebäude der Pinacoteca beherbergt ist. Wir schauten uns die Kunst eine gute Stunde an. Es gab viele unterschiedliche aus Brasilien aber auch aus der Welt zu sehen.

Nach der Pinacoteca machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Mercado Municipal, wo wir diverse Früchte zu probieren bekamen und ein paar auch kauften.

Ich muss sagen, Sao Paulo besteht zwar aus sehr viel Beton und es reihen sich viele einfach nur hohe Gebäude aneinander aber Sao Paulo hat auch seinen Charme, man muss Großstädte mögen, aber dann kann man auch mit Sao Paulo warm werden.

In Sao Paulo wird das Geld verdient und in Rio ausgegeben und der Spaß folgt dem Geld.

Meinen ganzen Urlaub würde ich nicht in Sao Paulo verbringen wollen.

Nach dem Mercado Municipal ging es mit der UBahn zur Avenida Paulista, der wichtigsten Straße von Sao Paulo.

Nachdem wir uns in der Nähe der Avenida Paulista in einem sehr leckeren indischen Restaurant gestärkt hatten nahmen wir einen Uber zum Beco do Batman, einer Fußgängerzone, in der sehr viele Wandmalereien zu finden waren, wir schossen ein paar Fotos und ließen uns ein wenig treiben. Drumherum gibt es einige „Hippe“ Läden, in die einige von uns danach gegangen sind. Zufällig trafen wir am Beco do Batman auch die Freiwilligen Thea, Josefine, Niki und Isabel mit denen ich mich eine Weile unterhielt.

Nach unserem Besuch bei dem Beco do Batman liefen wir zu Fuß in Richtung Pinheiros, wo wir etwas trinken gingen. Für Brasilien und Argentinien war dieser Abend nicht irgendein Abend, es war der Abend an dem Flamengo, der Fußballclub aus Rio, Brasilien gegen River Plate, dem Fußballclub aus Buenos Aires, Argentinien im Finale der Copa Libertadores spielte. Flamengo gewann am Ende mit 2:1 und Brasilien brach in Freude aus immer wieder hörten wir aus den Bars die Freude, als eins der zwei Tore viel, aber zu dem brasilianischen Fußballspirit kommt im übernächsten Beitrag auch noch was.

Nach diesem schönem Abschluss des Tages schloss sich noch ein langweiliger Karaokeabend an von dem es deshalb auch keine Bilder gibt. Insgesamt war der Tag in Sao Paulo aber sehr schön!

5. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Busca Vida, Mayra, Gamma, Gaby, die Allmänner und das Zwischenseminar

Etwas erschöpft von der langen Busfahrt nahmen wir morgens vom Busterminal Sao Paulo Tiete (schi eteee) ein Taxi zum Flughafen Guarulhos-International. Dort sollten wir die anderen Freiwilligen aus Brasilien und Bolivien treffen. Das Terminal war noch sehr ruhig, denn die internationalen Flüge gehen ja erst abends los. Wir setzten uns in eine Ecke und warteten.

Nach und nach trafen die anderen Freiwilligen ein, es war sehr schön die bekannten Gesichter vom Vorbereitungsseminar wieder zu sehen. Am Flughafen wurden wir von einem unserer Trainer, Jero abgeholt und mit einem gemieteten Bus in Richtung Bragança Paulista, in die Peripherie von Sao Paulo, gefahren. Nach gut 90 Minuten Fahrt erreichten wir unseren Seminarort, Busca Vida, ein Ort, der sehr schwer zu beschreiben ist ohne ein schönes Detail zu vergessen. Auf den Bildern bekommt ihr einen Eindruck davon.

Wir 7 Jungs hatten gemeinsam eine kleine Hütte oben, wo auch eine kleine sehr detailverliebt dekorierte Halle war, in der es Konzerte gibt und andere kulturelle Veranstaltungen. Wir hatten in der Halle aber erstmal das Willkommensritual vor uns. Gaby, der sich mit seiner Familie um uns gekümmert hat, gab uns zunächst gelbe Blüten, die wir an Lippen und Zahnfleisch reiben sollten, es entstand ein angenehmes Kribbeln im Mund, danach löschten wir dieses Kribbeln mit dem Busca Vida – Cachaza, der Anfang des Seminars war auf jeden Fall gut gelungen. Busca Vida heißt so viel wie Leben suchen und spiegelt die Philosophie wieder, die an diesem Ort gelebt wird, im Moment lebe, im Einklang und Harmonie mit der Natur und seiner Umgebung.

Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, trafen wir uns unten und lernten auch unsere zweite Trainerin kennen, Eva und ihr kleines Kind Mayra, die das Seminar noch viel auflockern würde.

Ihr seht, langsam erklärt sich die Überschrift. Zunächst gab es eine äußerst leckere Stärkung bestehend aus Bananenbrot und anderen Kuchen, ein kleiner Vorgeschmack auf das exzellente Essen, welches wir die Woche über bekommen würden. Nach dem kleinen Snack begannen wir mit verschiedenen Übungen, die Jero unser Trainer, unter anderem aus dem Theater der Unterdrückung kannte.

Eine Übung, die wir machten war, dass wir uns minutenlang gegenseitig gegenüberstanden und in die Augen sahen und versuchten dabei nicht zu lachen oder wegzugucken. Ich fand die Übung sehr stark, besonders nach Jeros Erklärung danach. Er sagte, dass das in die Augenschauen, das tiefe in die Augenschauen etwas eigentlich natürliches ist, aber wir unterdrücken es tagtäglich durch Lachen, wegschauen und vieles mehr. In diesem Stil ging das Seminar auch weiter, wir reflektierten viel, tauschten uns aus, tankten positive Energie, aber diskutierten auch sehr angeregt untereinander und mit einem Referenten der Schwarzen Bewegung in Sao Paulo, Joao.

Mit Joao (links) und Jero (rechts)

Es ging viel um Privilegien, die wir als Weiße haben, so sagte Joao dass wir, wenn wir schwarz gewesen wären nicht die Schotterstraße einfach so hätten entlanglaufen können, ohne von der Polizei angehalten zu werden, als Weiße jedoch, kein Problem bekämen. Die Diskussion, die sich Joao’s Vortrag über Kolonialismus, Rassismus, Diskriminierung und Post-Kolonialismus besonders in Brasilien, anschloss wurde sehr angeregt und emotional geführt. Ich habe viel zugehört, mir war bereits vorher klar auf welcher Seite ich stand bzw. welche Positionen es geben würde. Es war jedoch sehr interessant zu sehen wie angegriffen sich einige fühlten, als sie hörten, dass auch sie als Weiße automatisch Privilegien haben. Andererseits diskutierten andere und versuchten sehr verbissen die ablehnende Haltung der anderen zu ädern, was in so einer Diskussion direkt meiner Meinung nach eh nicht wirklich möglich ist, höchstens einen Denkprozess kann man dort anstoßen. Insgesamt war der Nachmittag mit Joao sehr lehrreich und interessant.

Nach den Seminarinhalten am Vormittag genossen wir immer das typisch brasilianische Mittagessen, sei es Feijao, Tapioca und vielen mehr, oft sind wir nach dem Mittagessen in den nahe gelegenen See gesprungen, der eigentlich ein Wasserreservoir Sao Paulos ist.

Insgesamt waren die Seminarinhalte oft sehr entspannt und orientierten sich sehr viel an unseren aktuellen Bedürfnissen, es kam aber trotzdem nichts zu kurz, wir tauschten uns sehr viel aus, was wirklich gut tat und mir auch zeigte, wie gut ich es in meiner Einsatzstelle habe: Ich kann nicht wirklich über etwas klagen, die Arbeit ist gut, die Menschen sind super lieb und herzlich, meine Unterkunft ist bis jetzt eigentlich purer Luxus.

Ich denke es war aber gut anderen Freiwilligen, die es vielleicht nicht so leicht hatten oder haben, ein Ohr zu schenken, ihnen zuzuhören und sie zu stärken. Ich denke das war mit eines der wertvollsten Dinge des Seminars die Gemeinschaft und der gute Geist der zwischen uns allen herrschte.

Einen Tag des Seminars verbrachten wir in dem nahe gelegenem Ort Bragança Paulista, wo wir anlässlich des Dia de la Consciencia Negra ein kleines Fest auf dem Hauptplatz der Stadt besuchten. Dort trafen wir viele Leute beispielsweise die Pfadfinder des Ortes, mit denen ich mich lange unterhielt und austauschte, das war wirklich sehr schön. Ich habe direkt eine Verbundenheit gespürt, die uns Pfadfinder auf der ganzen Welt vereint.

Aber nicht nur mit den Pfadfindern haben wir uns unterhalten, auch mit den Menschen, die Capoeira auf dem Fest machten, ein Sport, den die Sklaven ursprünglich getarnt als Tanz nutzten um sich auf den Kampf vorzubereiten.Mehr dazu hier: https://www.smithsonianmag.com/smithsonian-institution/capoeira-occult-martial-art-international-dance-180964924/ , https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2007/mar/17/healthandwellbeing.features4

Auch Sambamusik und viele andere kulturelle Angebote genossen wir gemeinsam mit den Leuten von vor Ort, die sich sehr freuten, dass wir da waren und uns vieles zeigten.

Einigen von uns wurde es unangenehm, als der Moderator des Festes uns extra begrüßte, ich bin immer noch unentschlossen wie ich das finden sollte. Auf der einen Seite denke ich, dass es in Deutschland auf einem ähnlichen Fest wahrscheinlich ähnlich laufen würde und es schlichtweg ein Ausdruck der Freude darüber ist, dass wir da waren. Auf der anderen Seite denke ich, dass das ganze schon einen schalen Beigeschmack hat, wenn die weißen Deutschen auf einem Fest für das schwarze Bewusstsein extra begrüßt werden, denn eigentlich sind ja gerade wir diejenigen, die an einem solchen Tag nicht im Mittelpunkt stehen sollten.

Einen sehr schönen Tag hatten wir trotzdem in Bragança Paulista, einer Stadt, die relativ gut die brasilianischen Kleinstädte repräsentiert

Wir waren auch auf einem großen sehr schönem Markt, was wirklich schön war, probierten Zuckerrohrsaft und weitere typisch brasilianische Leckereien.

Am frühen Abend liefen wir noch auf den nahe gelegenen Hügel um von dort den Sonnenuntergang zu genießen und einen schönen Blick auf die Landschaft zu haben. Auch Gamma Gabys kleiner Sohn war dabei, den wir Jungs, oder die Allmänner auch little Boss nannten, weil er immer so einen süßen, bosshaften Blick drauf hatte und sich auch so verhielt. Jetzt erklären sich auch die weiteren Namen in der Überschrift, den Gaby’s Frau bekochte uns immer wirklich gut und mit viel Mühe und Gaby war oft bei unserem Seminar mit dabei und hat sich sehr gefreut, dass wir da waren, denn wir waren seine erste Gruppe.

Am letzten Tag machten wir uns Gedanken zu unseren Freiwilligenprojekten und schlossen den Tag abends erst mit einer Performance einer Ärztin, die von ihren Erfahrungen spielte, dabei ging es viel um Indigene Völker und Unterdrückung, schwere Themen also, die aber sehr wichtig sind und auch auf unserem Seminar immer wieder Thema waren. Danach war eine Trommlergruppe bei uns, die auch schon in Bragança Paulista gespielt hatte und die unser Trainer Jero spontan eingeladen hatte. Zum Abschluss des Abends legte Gaby auf.

Insgesamt ein sehr gelungener, schöner letzter Abend, bis auf eine angeknackste Nase ist auch niemand zu Schaden gekommen. Am Freitag frühstückten wir ein letztes mal an diesem wunderschönen Ort und mussten uns dann von den meisten auch schon wieder verabschieden, die wir frühestens beim Nachbereitungsseminar wiedersehen werden.

Nach einer rührenden Verabschiedung auch von Gaby, Jero, Mayra, Gamma und allen anderen machten wir uns auf den Weg nach Sao Paulo, wovon ich im nächsten Eintrag berichten werde. Es war gut direkt wieder etwas zu haben und noch ein paar Leute um sich zu haben um nicht komplett in das post-Seminar Loch zu fallen, was oft nach so einer intensiven Zeit bei mir entsteht. Es war ein echt gutes Seminar, die meisten von uns hätten gerne noch mehr Zeit an diesem schönen Ort verbracht und die Gemeinschaft, das gute Essen und die Natur genossen, danke Jero, Gaby, Eva und allen anderen für dieses wunderbare Seminar!

5. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Wieder da und viel zu erzählen: Reisebericht Florianopolis

Für meine Verhältnisse habe ich lange Zeit nichts mehr auf diesem Blog geschrieben, denn wie angekündigt war ich die letzten 3 Wochen auf Reise durch das wunderschöne und gigantische Land Brasilien. Mein Reiseroute hatte ich ja bereits in einem vorherigen Blogpost beschrieben, dort findet ihr auch eine Karte (Der Countdown geht gegen 0 – heute Nacht geht’s los nach Brasilien)

Nun habe ich heute zwischen der ganzen Arbeit (kommt auch noch ein Blogpost zu ;-)), die ich zur Zeit habe und den anderen Dingen, wie die kulturweit Kostenabrechnung ein wenig Zeit gefunden etwas zu schreiben.

Natürlich werde ich etwas über meine Reise schreiben, damit es aber nicht ein mega Artikel wird, den am Ende keiner mehr liest, weil er viel zu lang ist, werde ich mehrere machen, denn es sind einfach zu viele schöne Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen, als dass sie alle in einen Blogpost passen würden, oh man das klingt schon wieder so pathetisch, fangen wir pragmatisch mit Florianopolis an!

Nachdem ich mit dem Bus von Fray Bentos nach Rivera gefahren war, dort einen Zwischenstopp bei den Freiwilligen Eike und Leon eingelegt hatte, ging es gemeinsam mit ihnen und den Freiwilligen aus Trinidad, Max und Insa los nach Floripa.

Nach einer 16 stündigen Busfahrt erreichten wir das Busterminal von Floripa morgens um halb 6, müde, aber auch froh es geschafft zu haben, verweilten wir noch ein wenig am Terminal, denn etwas anderes hätten wir eh nicht machen können.

Die ersten paar Tage der Woche verbrachten wir in Campeche im Süden der Insel. Wir hatten ein kleines Apartment ganz in der Nähe des Strands gemietet. Leider war es die meiste Zeit bewölkt, sodass alles ein wenig grau erschien, davon ließen wir uns aber nicht beirren, oft genug kam die Sonne trotzdem durch. Die meiste Zeit verbrachten wir am Strand, wo wir in den relativ großen Wellen des Atlantiks unseren Spaß hatten. Wir waren aber aufgrund des Wetters nicht die ganze Zeit am Strand, wäre auch langweilig geworden.

Einen Tag machten wir eine Wanderung zur Lagoinha do Leste, ganz im Süden der Insel. Wir nahmen zuerst einen Uber zur Praia do Matadeiro und von dort begannen wir unsere Wanderung durch den regenwaldähnlichen Wald auf den Hügeln im Süden, begleitet von immer wieder atemberaubenden Aussichten kämpften wir uns gut 2 Stunden lang durch den Wald und später nur noch über die kargen Hügel. Auf dem Weg begegneten wir unter anderem zwei Schlangen, die uns nochmals daran erinnerten, dass hier andere Tiere in den Büschen umherstreiften und auch andere Pflanzen wachsen. Nach gut zwei Stunden gelangten wir dann an den Strand, leider hatte sich das Wetter während der Wanderung eher verschlechtert als verbessert, sodass wir nicht sehr lange dort blieben. Der Strand war aber trotzdem wirklich sehr schön, einzig der Wind, der einem den Sand um die Ohren peitschte, war ein bisschen anstrengend. Wir sahen in einem Fluss, der den Strand von hinten „begrenzte“ diverse Krabben, was echt spannend war. Leider wussten wir nicht, dass es kürzer und auch sehr schön gewesen wäre, wenn wir einfach auf der anderen Seite des Strands den Weg nach Pantano do Sul genommen hätten. So liefen wir den gleichen Weg zum Matadeiro Strand wieder zurück, dieses mal aber schon deutlich schneller, weil wir den Weg ja schon kannten. Insgesamt war das ein sehr schöner Ausflug. Am Abend kehrten wir relativ erschöpft wieder in unsere Unterkunft zurück und machten Churrasco, brasilianischen Asado.

Auf der Wanderung hatte ich auch ein wenig Zeit nachzudenken und immer wieder stellte ich fest, wie privilegiert ich bin und wie gut ich es habe, diesen Freiwilligendienst machen zu dürfen, diese Reise ohne Probleme machen zu können und so vieles mehr, was viele Leute auf dieser Erde in meinem Alter noch immer nicht machen können. Ich bin sehr dankbar, mir diese Gedanken machen zu können, die Freiheit zu haben, kritisch über Dinge nachzudenken. Daran, dass jeder in unserer Gesellschaft und Welt mit seinen Gedanken zu Wort kommen darf und kann, daran müssen wir auf dieser Welt noch arbeiten, aber vom globalen zurück zum persönlichen. Auch Leute in meinem Umfeld müssen manchmal meiner Meinung nach, mehr und besser zuhören und den anderen zu Wort kommen lassen. Ich glaube, allein das Bewusstsein, dass ich diese Privilegien habe, aufgrund meines Passes, meiner Hautfarbe, meiner Herkunft, macht schon etwas mit einem. Ich hinterfrage die existierenden Machtstrukturen und mache mir immer wieder Gedanken, wie man diese verändern könnte, ich habe dabei auch festgestellt, dass jeder andere Ansätze hat das anzugehen. Ohne jetzt generalisierend klingen zu wollen, denn das ist wirklich nicht meine Intention, glaube ich dass wir schneller und besser vorankämmen, in unserem Leben und bei anderen Dingen, wenn wir ab einem bestimmten Punkt akzeptieren und tolerieren, dass es andere Lösungsansätze für Probleme gibt, andere Ansätze für das Leben und insgesamt für alles auf dieser Welt. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass wir Ausschau halten nach neuen Ansätzen und verstehen, dass diese nicht schlechter oder besser sind sondern einfach anders, einem anderen Zweck dienen, den Fokus anders legen oder schlichtweg aus einer anderen Lebenssituation heraus entstehen.

An einem anderen Tag, an dem das Wetter wirklich zu schlecht war um an den Strand zu gehen, ließen wir es uns in der Sauna des Apartmentkomplexes gut gehen. Am folgenden Tag machten Leon und ich einen langen Strandspaziergang, wir liefen einmal den ganzen Strand nach Norden hoch und wieder zurück, es war schön an der Seeluft ein wenig die Gedanken streifen zu lassen und sich auch mental ein wenig entspannen zu können.

Die zweite Hälfte der Zeit in Floripa verbrachten wir im Norden der Insel in Ponta das Canas, der Strand dort lag nicht auf der Atlantikseite, sondern war dem Festland zugewandt, weshalb es deutlich weniger Wellen gab und man dort mehr schwimmen konnte. In unserer Zeit dort wurde nach dem verregneten Transfertag auch das Wetter deutlich besser und wir hatten noch drei richtige Sonnentage. In Ponta das Canas verbrachten wir die meisten Tage am Strand. Doch auch hier machten wir einen kleinen Ausflug, nach Barra da Lagoa, wo wir uns mit einer alten Schulfreundin von Leon trafen, wie klein die Welt doch ist. Nachdem Frühstück mit ihr und ihrer amerikanischen Freundin verbrachten Leon und ich den Tag am Strand von Barra da Lagoa, der meiner Meinung nach der schönste von den Stränden war, die wir auf Floripa gesehen haben. Die anderen gingen zur Schildkrötenstation von Barra da Lagoa. Am späten Nachmittags trafen wir uns wieder und aßen etwas, danach stellte sich die Frage wie wir wieder zu unserem Apartment kommen würden. Lea, Eike und Insa nahmen für 136 Reales einen Uber, das war Leon und mir zu teuer, sodass wir ein wenig durch den Ort liefen und uns auf die Suche nach einem günstigeren Weg nach Hause machten. Nach zwei Blocks stießen wir auf ein Taxi, wir fragten was den eine Fahrt nach Canasvieras, dem größerem Ort im Norden, kosten würde. Er antwortete, dass er das nicht wüsste, er würde mit Taxometet berechnen, wir entgegneten, dass wir nur noch 70 Reales hatte, er sagte keine Problem, dafür bringe ich euch zur Busstation von Canasvieras, wir stiegen ein und schon ging die halsbrecherische Fahrt los. Unser Taxifahrer fuhr sicher, aber überholte wo es nur ging, selbst die anderen im Uber überholten wir, als das Taxometer ganz knapp vor 70 war erreichten wir die Busstation, er bedankte sich, wir bedankten uns und machten uns zu Fuß auf den Rückweg, diese Erfahrung werde ich so schnell nicht vergessen.

 

So einen Taxifahrer zu haben, wenn man es eilig hat und nicht viel Geld ist Gold wert und gleichzeitig noch ein großer Spaß!

An unserem letzten Abend in Floripa machten wir nochmal Churassco, tranken guten Rotwein und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Am Sonntag ging es dann gegen Mittag in die Stadt Florianopolis, wo wir unser Gepäck am Busterminal ließen und eigentlich noch ein wenig die Stadt erkunden wollten, wir passierten den schönen alten Markt, wo einige Restaurants waren und liefen etwas in die Stadt rein, aber die war menschenleer, kein Tourist, kein Local gar keiner, das war uns nicht ganz geheuer und schön war es ja auch nicht, wenn alles geschlossen ist, also setzten wir uns in eins der Restaurants an dem alten Markt und verbrachten die restliche Zeit in dem Park an der Küste. Um 20 Uhr nahmen wir dann den Bus nach Sao Paulo, wo wir morgens um halb 10 ankamen. Über meine Zeit beim Zwischenseminar in der Nähe von Sao Paulo werde ich im nächsten Blogeintrag berichten.

7. November 2019
von Paulo Glowacki
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Interview mit meinem Sprachlehrer = Ergebnis meines Sprachkurses

Hier könnt ihr eines der Ergebnisse meines Sprachkurses lesen, ich habe die ganze Woche immer wieder mit meinem Sprachlehrer Franco (siehe Bild) redigiert und am Text geschliffen und von ihm wertvolle Arbeitsmethoden zu journalistischem Arbeiten kennengelernt.

CONSERVAR LO QUE TENEMOS

El domingo pasado fueron las elecciones nacionales y presidenciales en Uruguay, que sorprendieron mucha gente por los resultados no previstos. Para conocer la reacción del pueblo le pregunte a Santiago, Montevideano de 35 años, profesor de español y músico.

¿Podes describir el día de las elecciones y cómo te sentiste a la noche cuando viste los resultados?

Durante el día hubo un lindo ambiente en Uruguay, tranquilo y mucha expectativa. Después, de noche fue decepcionante pero al mismo tiempo esperable. Los resultados fueron los mismos que decían las encuestas pero todos pensábamos que se iban a equivocar al igual que en las elecciones pasadas cuando el partido que yo votó terminó teniendo muchos más votos de lo que decían las encuestas. Por eso muchos pensamos: “Ah esta vez también van a tener más votos.” pero eso no pasó.

¿Qué votaste?

Voté al Frente Amplio, que es el partido de izquierda.

¿Qué fue lo más importante que afectó tu decisión?

La izquierda empezó a gobernar en Uruguay en el 2005 por primera vez, a partir de ahí el país mejoró en todos los aspectos: económico, social y de derechos.  Aparecieron muchas leyes para las mujeres, los homosexuales, las minorías y los más vulnerables. El contraste entre los gobiernos de derecha e izquierda es bastante grande para mí. Cuando tenía 18, en los años 90, teníamos un gobierno de derecha que terminó con una crisis en el 2002 que fue bastante horrible para todos.

¿Cómo le va a ir al país si en noviembre gana el candidato Lacalle Pou del Partido Nacional?

Es imposible saberlo. Mis expectativas son malas, pero tampoco horribles. Uruguay es un país muy tranquilo y no hay grandes cambios. Es una sociedad bastante conservadora. 

Vamos a estar un poco peor y vamos a retroceder en algunos aspectos, aunque no creo que sea un cambio dramático.

Cabildo Abierto, el partido de extrema derecha, surgió el año pasado. ¿Cuál fue el cambio en la sociedad que posibilitó el surgimiento de este partido?

Yo no creo que haya habido un cambio. Creo que la gente que vota a Cabildo Abierto, es la misma que existe en la mayoría de los países europeos, sudamericanos y en todo el mundo. Solamente que antes votaban a un partido de una derecha más conservadora porque no tenían otra opción, que los representara con una voz más directa, más extrema. Pero en mi opinión la gente ya pensaba lo mismo antes.

En todo el mundo ahora ya no es una vergüenza ser de extrema derecha. Hace diez o veinte años, esa gente se escondía y lo hacía en secreto. Ahora no tienen miedo de decir cosas que ofendan a los demás. Sobre todo con Trump, que es un racista declarado.

¿Todavía existe la posibilidad de que Daniel Martínez gane?

Existe a posibilidad pero el parlamento, que también se votó ayer, ya está perdido. Ya sabemos que en los próximos 5 años no va a haber leyes nuevas o progresistas. Vamos a estar, en el mejor de los casos en un escenario donde la lucha se va a dar en el parlamento.

No mejorando tanto como en los últimos años.

Exacto, en todo caso quizás podremos conservar lo que tenemos pero no vamos a avanzar mucho más, al menos en estos 5 años.

 

7. November 2019
von Paulo Glowacki
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Heute Nacht um 0:00 Uhr geht’s los auf meine größte Reise hier. Drei Wochen lang werden wir Brasilien bereisen. Los geht es heute Nacht, aber erstmal nach Rivera, zu Leon und Eike den zwei Freiwilligen dort. Da Rivera direkt an der Grenze zu Brasilien liegt, werden wir von dort am Samstag Abend nach Florianopolis aufbrechen. Nach einer 16-stündigen Reise sollten wir dann Florianopolis erreichen. Auf der Insel, die direkt vor Brasilien liegt, werden wir eine Woche verbringen, um unsere sonst knapp 2 einhalb Tage lange Anreise ein bisschen angenehmer zu machen ;-))

Nach unserem kleinen Strandurlaub in Florianopolis werden wir eine Woche in Sao Paulo sein. Unser Zwischenseminar mit den Freiwilligen aus Bolivien und Brasilien wird 5 Tage lang sein und in der Nähe von Sao Paulo stattfinden. Danach bleibe ich noch das Wochenende in Sao Paulo, um die Stadt ein wenig kennenzulernen. Am Sonntag geht es dann weiter auf die Ilha Grande, eine Insel zwischen Sao Paulo und Rio, auf der einer der schönsten Strände der Welt liegen soll, Lopes Mendes. Auf der Insel werden wir bis Mittwoch sein und dann mit Max nach Rio de Janeiro fahren, wo wir den zweiten Teil der Woche sein werden und uns diese berühmte Stadt mit ihren Stränden, dem Zuckerhut, dem Christo, dem Niemeyer Museum und vieles mehr ansehen werden.

Am 1.12 geht es dann wieder zurück nach Fray Bentos.

Jetzt, wo alles organisiert ist, freue ich mich sehr auf die Reise, bin aber auch ein wenig aufgeregt. Denn es wird die größte Reise hier sein, von den Distanzen her und auch von der Länge. Ich werde, wenn ich Zeit habe, Bilder hochladen, eher weniger Text, weil der am Handy anstrengend zu tippen ist, aber ein Audio mit paar Impressionen werde ich bestimmt mal hochladen.

Bis bald aus Brasilien!

Unsere Reiseroute

 

6. November 2019
von Paulo Glowacki
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Reiseplanung+Aufenthaltsgenehmigung=ermüdend, lehrreich und erfahrungsreich

Ein kleiner Eintrag darüber, was mir durch den Kopf geht und was ich gerade so mache:

Donnerstagnacht geht es los nach Brasilien. Wir verbinden unsere Anreise zum Zwischenseminar mit einem kleinen Aufenthalt in Florianopolis, worauf ich mich schon sehr freue. Danach fahren wir nach Sao Paulo zu unserem Zwischenseminar, wo wir 5 Tage lang mit den anderen Freiwilligen aus Bolivien und Brasilien verbingen werden.

Im Anschluss bleibe ich noch das Wochenende in Sao Paulo und fahre am Sonntag, mit Max, auf die Ilha Grande, wo wir nochmal drei Nächte verbringen werden, bis hierhin haben wir zum Glück auch schon alle Busse sowie Unterkünfte organisiert. Nur noch für unseren Aufenthalt in Rio müssen wir die Anreise, sowie Unterkunft organisieren. Ich freue mich bereits sehr auf die Reise und denke, dass wir eine großartige Zeit haben werden.

Im Vorfeld war es aber ganz schön anstrengend alles zu organisieren, sich abzustimmen und zu buchen. Auch das ist etwas, was ich in meinem Freiwilligendienst schon öfters lernen konnte, manche Dinge, die einem vor dem Freiwilligendienst noch leicht vorkamen oder nicht allzu schwer, fallen hier teilweise enorm schwer und kosten mehr Kraft, ich muss neue Gewohnheiten kennenlernen wie die, dass man Bustickets in Uruguay oft nicht weit im voraus kauft, in Brasilien aber scheinbar schon und man braucht auch oft eine Steuernummer um bei brasilianischen Websites online etwas zu kaufen….All das sind Dinge, die herausfordernd waren, aber ich habe daraus immer etwas lernen können. Hinzu kommt natürlich der Faktor Mensch, die Abstmmung wie viel man nun ausgibt, wo man bleibt, besonders in Rio aufgrund der Sicherheit ein Thema und so vieles mehr, sind Dinge, die man bei den meisten Reisen in Europa (Interrail etc.) nicht so stark hat. Hier haben sie mich aber mit voller Wucht getroffen. Nun bin ich ein ganzes Stück erfahrener, was die Planung solcher Reisen angeht.

Ein weiteres Thema, was wirklich Arbeit bereitet, ähnlich wie ich es bereits aus Argentinien und oft auch aus Deutschland kenne ist die Bürokratie hier unglaublich kompliziert und unverständlich, so muss ich eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung beantragen, angenehm ist, dass das online geht, nicht so angenehm ist, dass ich noch eine Gesundheitsuntersuchung machen muss, meine Einkünfte nachweisen muss und noch ein paar mehr Sachen. Diese Thema ist wirklich dringend und wichtig und ich würde es gerne mit meinem Chef besprechen und hoffe, dass wir bis zu meiner Reise nach Brasilien noch Zeit dafür finden. Das ganze ist ein Thema, was echt ermüdend ist und viel Kraft kostet, aber ich hoffe es bis Weihnachten auf den Weg zu bringen.

Die Arbeit ist in diesen Tagen sehr ruhig, da ich ja nicht wirklich lange hier bin, mache ich nur hier und da mal Kleinigkeiten, gestern habe ich zwei Kanadier mit meiner Kollegin Monica herumgeführt und habe gedolmetscht, was auch sehr viel Spaß gemacht hat. Am Nachmittag habe ich mit Freunden eine 20 km lange Mountainbiketour gemacht, was wirklich gut war und viel Spaß gemacht hat!

Bis bald, vielleicht aus Brasilien…

5. November 2019
von Paulo Glowacki
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Montevideo II

Nachdem ich Sonntag um 18 Uhr wieder in Fray Bentos angekommen bin, habe ich nun Zeit gefunden ein wenig über meine Zeit in Montevideo zu berichten.

Insgesamt war ich zwei Wochen dort und habe meinen obligatorischen Sprachkurs in der Academia Uruguay absolviert. Mit den zwei Freiwilligen aus Rocha: Sophie und Philipp habe ich zusammen bei Sophie gewohnt, die in Montevideo, in der NatCom arbeitet. Zu dritt sind wir jeden morgen, mit dem Bus, zum Sprachkurs gefahren. Nachdem wir fertig waren, hatten wir meistens den Nachmittag um Montevideo zu erkunden.

So waren wir beispielsweise auf dem Anteltower, dem höchsten Gebäude in Uruguay, von dort hatten wir eine wunderbare Aussicht auf die Stadt. Ich war zweimal drauf, weil ich in der zweiten Woche einen Individualkurs hatte, der erst um 12 Uhr begann, sodass ich vorher immer Zeit hatte, um noch ein wenig rumzulaufen.

In meinen freien Stunden habe ich aber auch Hausaufgaben gemacht, oder war im Postmuseum. In der ersten Woche sind wir meistens in eine Fakultät der Uni (Architektur und Geisteswissenschaften) gegangen und haben dort Hausaufgaben gemacht. Wir waren aber auch in der Nationalbibliothek und haben dort, in dem großen und dunklen Lesesaal, Hausaufgaben gemacht.

Einen Abend waren Max (der aus Trinidad übers Wochenende nach Montevideo gekommen war) und ich auf der Einweihung der vierten Kunstbienale Montevideos eingeladen. Wir hatten den Co-Kurator Alejandro Cruz im Hostel kennengelernt und er hatte uns eingeladen. Es war ein wirklich schönes Event.

Das Motto der Ausstellung war: Travesías Atlánticas, es ging um Kunst aus den Ländern des ehemaligen transatlantischen Sklavenhandels, also Staaten aus Europa, Nordamerika, Afrika und Lateinamerika. Die ausgesuchten Kunstwerke haben mir wirklich gut gefallen! Hier seht ihr ein paar Impressionen:

Am Samstag sind wir mit Philipp und Max zum Strand von Pocitos gelaufen, um uns dort mit Kari, einer weltwärts-Freiwilligen zu treffen. Wir liefen den Strand entlang und genoßen die Stimmung des Sonnenuntergangs noch ein wenig. Philipp und ich haben, als wir kurz am Montevideo Schild waren, einen Souvenir Verkäufer, Ricardo kennengelernt, dieser erzählte uns eine der unzähligen Geschichten, die ich während dieser zwei Wochen gehört habe. Es sind zu viele, um sie alle hier wiederzugeben.

Diese aber handelt von Sprachen und wie gut es ist sie zu beherrschen: Während des Spanischen Bürgerkrieges verlor ein spanischer Soldat in den Pyrinäen sein Regiment und schlepte sich bis nach Frankreich, als er dort endlich auf einen Bauern traf, der aber nur Französisch sprach sagte er: Agua, agua por favor, der Franzose antwortete mehrmals: „Je ne comprends pas“ und weil der Franzose mit starkem Akzent sprach verstand klang es für den Spanier wie: „No conseguí pan“ nach einigem hin und her regte sich der Spanier irgendwann auf und sagte: „No me importa si no conseguiste pan, quiero agua!“ Eine gute Geschichte, die zeigt wie wertvoll es ist die Sprache des anderen zu sprechen, um sich in Notsituationen helfen zu können.

Als wir abends wieder zurück waren, haben wir mit Sophie und Annika Asado gemacht und noch bis spät in die Nacht zusammengesessen, Fleisch gegessen und uns Geschichten erzählt, was wirklich schön war. Am Sonntag war, wie bereits in einem anderen Eintrag beschrieben, Wahltag. Am Vormittag haben wir Max verabschiedet und dann sind Philipp und ich auf den Cerro de Montevideo gefahren. Nach einer guten halben Stunde Busfahrt erreichten wir unser Ziel, das Barrio am Fuße des Hügels. Wir gingen die Straßen entlang und sahen uns um, die Stimmung war sehr ruhig. Am Fuße des Hügels wohnt ein Großteil der ärmeren Bevölkerung Montevideos, was wir auch sahen, es war aber kein Slum, es war einfach eine andere Stimmung. Oben angekommen, hatten wir eine wunderbare Aussicht auf Montevideo und machten ein paar Fotos mit dem Montevideoschild. Danach besuchten wir noch die Festung, die oben auf dem Hügel lag.

Auf dem Rückweg zu unserem Bus nach Hause kamen wir an einer Kirche vorbei und setzten uns kurz rein, als kurze Zeit später die Messe begann, blieben wir noch ein wenig. Der Priester sagte eine Sache, die mir noch immer in Erinnerung geblieben ist: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass sondern Gleichgültigkeit“ Ich will nicht so pathetisch werden, wie andere Blogs, aber dieser Satz ist mir wirklich in Erinnerung geblieben, er lässt sich, meiner Meinung nach, auf viele Krisen der heutigen Welt noch immer übertragen und anwenden.

Mit dem Bus fuhren wir wieder zurück in die Innenstadt und waren dann auf der Wahlparty von Frente Amplio, über die Wahlen habe ich ja schon genug geschrieben, deshalb an dieser Stelle nur Fotos:

Das war’s auch schon, bis bald und vielen Dank fürs lesen.

4. November 2019
von Paulo Glowacki
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Martínez‘ Wahlkampfabschluss

Zu jeder Wahl gehört natürlich auch eine Wahlkampagne. Vorletzte Woche Mittwoch haben alle Parteien ihre Abschlussveranstaltungen gemacht. Die größte mit ca.350.000 Anwesenden (Quelle: La diaria:https://ladiaria.com.uy/articulo/2019/10/daniel-martinez-en-acto-de-cierre-del-fa-el-unico-aliado-que-tiene-el-partido-nacional-ademas-de-los-lios-internos-es-cabildo-abierto/) war die von Frente Amplio, dem breiten linken Parteienbündnis, welches seit 2005 an der Regierung ist.

Kleine Anekdote: Ihr wohl berühmtester Präsident war José „Pepe“ Mujica, der sein Präsidentengehalt nicht annahm, sondern spendete, weiter in seinem Häusschen wohnte und mit seinem alten blauen Käfer fuhr. Er sagte mal.

„Was ist es das die Welt so aufmerksam macht auf mich ? Ich lebe mit wenig, in einem einfachen Haus, fahre mit meinem alten Auto rum. Ist das was neu ist für die Welt? Wenn ja, dann muss diese Welt verrückt sein, denn sie überrascht das Normale. Ich lebe wie die Mehrheit meines Volkes.“

(frei übersetzt aus:https://www.bbc.com/mundo/noticias-47148158)

Zurück zu der Veranstaltung auf der wir waren. Die Stimmung war wunderbar ausgelassen, alle waren freudig und gelassen und wollten einfach den Abend genießen. Um ca. 20.30 Uhr kamen dann Daniel Martínez und seine Vizepräsidentschaftskandidatin Graciela Villar auf die Bühne und wurden von einem tosenden Applaus und Sprechchören begrüßt. Graciela Villar sprach zuerst und wurde mit tosendem Applaus am Ende gefeiert, als sie Ché Guevara zitierte:

„Hasta la victoria siempre!“

Den beiden vorangegangen war eine Show mit „A-Klasse“ Künstlern, so zum Beispiel die Gitarren von Montevideo. Martinez sprach relativ lange, es ging um sein ganzes Wahlprogramm und die Entwicklung, die das Land in den Jahren der Regierung von Frente Amplio vollzogen hat, hin zu: „weniger Armut, besserer Bildung und einer inklusiveren Demokratie“ wie Martínez sagte. Insgesamt war es wirklich interessantes Event und wir haben eine gute Zeit gehabt. Wen interessiert, wie und was Daniel Martínez gesagt hat, kann hier nochmal nachhören:

Hier, im ersten Audio beginnt Martínez mit einer populären Forderung von Politiker*innen: Die Politiker sollten für die Menschen arbeiten und nicht die Menschen für die Politiker.  Der aktuelle Präsident ist Onkologe und hat nun selbst Krebs bekommen, deshalb sagt Martínez in Minute 02:50, dass das Volk bei ihm ist und diesen Kampf mit ihm führt. Vorher bedankt er sich bei etlichen Funktionären und erwähnt diese. Danach spricht er kurz über die Verschwundenen der Militärdiktatur. Am Ende geht es um die Beteiligung der Jugend, die Martínez sehr begrüßt und sagt, dass diese bei Frente Amplio schon lange wertgeschätzt werde und er sich immer wieder freut, junge Menschen zu sehen, die für ihre Ziele kämpfen. Eines dieser Ziele ist aktuell die Ablehnung der Polizeireform gewesen, deshalb am Ende auch die Rufe am Ende:

„La reforma del miedo no es la forma“


Hier spricht er vor allen Dingen über die Verteilung des Wohlstands, während der Kuchen wächst, was seiner Meinung nach mit der progressiven Form zu regieren gelungen ist, während es in vielen anderen Staaten nicht gelungen ist. Besonders Bezug nimmt er auf die Proteste in Chile, er sieht als Grund die mangelnde Umverteilung und die zu teuren Lebenshaltungskosten, wie es in der Vergangenheit auch in Uruguay mal der Fall war.

Später spricht er darüber, dass seine Gegner ihn angegriffen hätten und keine Vorschläge gemacht hätten und die Menschen keinen Blankocheck wählen sollen (Partido Nacional ist gemeint).

Er fordert, dass die ganze Bevölkerung mit dem Land sich weiterentwickelt, er möchte seine Anhängerschaft einen. Danach geht es um den Arbeitsmarkt und die Maßnahmen zur Fortbildung für neue Technologien und die Wirtschaft der Zukunft. Am Ende spricht er noch über Montevideos Auszeichnung, als eine der intelligentesten Städte der Welt und schließt folgenden Spruch an:

„Hechos no Palabras“

Hier geht es um Gleichheit und die Chancengleichheit, die Martínez verbessert sieht, seitdem Frente Amplio an der Macht ist.

Hier bemerkt man ein wenig seine Unsicherheit am Anfang. Martínez nennt diese Wahl eine Richtungsentscheidung. Es gehe darum, ob Uruguay rückwärts gewandt wird und in die gleichen Probleme verfällt wie seine Nachbarn, oder den Blick auf die Zukunft behält und fortschreitet. Danach berichtet er von Fallbeispielen, die er während der Kampagne kennengelernt hat. Er erwähnt Olga, die im über ein Headset ins Ohr spricht woraufhin die Laute Olga zu skandieren beginnen.

Am Ende dieses Audios überspitzt Martínez und sagt:

„Wir müssen gewinnen sonst geht die Zukunft verloren.“

29. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
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Montevideo I

Seit Sonntagabend bin ich nun in Montevideo. Sonntagabend haben wir eigentlich nicht mehr viel gemacht außer Empanadas gegessen, die sehr lecker waren. Am Montag haben wir dann mit unserem Sprachkurs in der Academia Uruguay angefangen, einer wirklich guten Sprachschule! Ich habe mit Sophie auf Level IV bei Santiago angefangen!

Wir haben auch noch eine Brasilianerin bei uns in der Gruppe, Patricia. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, begannen wir gemeinsam mit den Übungen in unserem Lehrbuch. Um 11:30 Uhr gab es eine Pause, in der wir mit Bizcochos versorgt wurden, das war sehr lecker! Am Nachmittag besuchten wir das Cabildo, wo früher das Parlament tagte und ein Gefängnis untergebracht war. Heute gibt es dort eine Kunstausstellung, die wir uns angeschaut haben. Das Gebäude war sehr schön und hatte teilweise auch noch alte Räume, die so waren wie im ursprünglichen Parlament und Stadtrat.

Nach dem Cabildo liefen wir weiter in Richtung Avenida 18 de julio, auf dem Weg überquerten wir die Plaza Independencia, die wir ja schon kannten. Trotzdem gab es ein Gebäude, das wir noch besuchen wollten, es steht direkt neben dem Gebäude der Präsidentschaft und beherbergt das Museo de Casa del Gobierno. Von außen ist dieses Gebäude sehr schön anzusehen. Innen drin begrüßte uns eine große imposante Form des Wappen von Uruguay. Am Eingang bekammen wir ein Badge, welches uns als Besucher auswies. Wir machten ein Foto vor dem schönen Wappen und gingen dann die Treppen hoch, um unseren Besuch zu starten. Oben gab es von jedem Präsidenten ein Gemälde und einige hatten auch einen eigenen Raum, in dem persönliche Gegenstände ausgestellt wurden, so zum Beispiel von Fructuoso Rivera, dem ersten Präsidenten der Republik. Die Ausstellung war sehr schön und patriotisch. Nach einer guten Stunde waren wir fertig mit unserer Tour und verließen das schöne Gebäude wieder.

Am folgenden Tag hatten wir wieder Sprachschule, wir haben uns viel über Politik zum Anfang unterhalten, denn am Wochenende wurde ja gewählt. Unser Sprachlehrer Santiago hat uns sehr gut und ausführlich alle zur Abstimmung stehenden Themen erklärt. Am Nachmittag haben wir dann noch gelernt, wie man richtig Mate zubereitet und alle Regeln rund um den Mate kennengelernt, denn die Art und Weise wie man den Mate trinkt, serviert und annimmt ist etwas gesellschaftlich sehr relevantes, was viele Touristen nicht wissen. So ist es hier in Uruguay zum Beispiel ein schwerer Verstoß und wird als Insult wahrgenommen, wenn man mit dem Trinkhalm, der Bombilla, im Mate herumrührt, denn das darf höchstens der Cebador, also derjenige, der den Mate zubereitet. Ich bin in eines der Fettnäpfchen, über die wir gesprochen haben, auch schon reingetretten. Nämlich das ich, indem ich Muchas Gracias, also vielen Dank gesagt habe, mich selbst aus der Materunde rausgenommen habe, denn Muchas Gracias meint, in diesem Kontext, so viel wie „Danke es reicht“.

Die Matewerkstatt war aber nicht die einzige Aktivität, die wir von der Sprachschule besuchten, einen Abend waren wir auch in einem der modernsten Kinos von Montevideo und haben den Film 25 Watts geguckt, ein alter Filmaus Uruguay, der einfach das Leben von drei Jugendlichen aus einem Viertel in Montevideo zeigt, klingt erstmal nicht sonderlich spannend, aber viele Dialoge sind echt lustig. Insgesamt sehr zu empfehlen der Film, wenn man mal so einen Eindruck von einem etwas älteren Uruguay (2000er) bekommen möchte.

Neben den Aktivitäten der Sprachschule haben wir aber natürlich auch unsere eigene Erkundungstour durch Montevideo fortgesetzt. Davon berichte ich in meinem nächsten Eintrag noch ein wenig mehr, denn sonst wird das  hier zu lang.

28. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
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Wahltag in Uruguay – Ein Fest der Demokratie

Update: Ich habe ein kleines Interview mit meinem Sprachlehrer geführt, es geht um die Wahl und seine Sicht auf die Dinge. Für alle, die sich für Politik und Gesellschaft interessieren, ist das ein sehr guter Einblick, leider noch auf Spanisch, aber ich werde es demnächst auf Deutsch nochmal vertonen. Hier schonmal in Schriftform, wie es in einer Zeitung publiziert werden könnte:Interview mit meinem Sprachlehrer = Ergebnis meines Sprachkurses

Viel Spaß beim anhören:

Gestern wurde in Uruguay und Argentinien gewählt. Hier in Uruguay standen 11 Kandidaten zur Wahl. Die aussichtsreichsten waren: Daniel Martinez (Frente Amplio, Mitte-Links), Luis Lacalle Pou (Partido Nacional, Rechts), Ernesto Talvi (Partido Colorado, Konservativ, eine der ältesten Parteien) und Guido Manini Rios (Cabildo Abierto, extrem rechts). Natürlich gibt es noch mehr Kandidaten, aber die teilen sich so wenig Prozent, dass es müßig wäre, sie alle zu erläutern.

Es wurden aber auch noch über andere Sachen abgestimmt, so beispielsweise die Senatoren und Abgeordneten, die in den zwei Kammern des Parlaments sitzen werden und eine Verfassungsänderung (la Reforma), die eine Polizei- und Militärreform nach sich ziehen würde. Wir besuchten ein Wahllokal und begleiteten die Uruguayos und Uruguayas an diesem wichtigen Tag für ihre Demokratie.

Am Abend um 20:30 Uhr, eine halbe Stunde nach dem die Wahllokale geschlossen waren, kam die erste Hochrechnung. Jubel brach aus, als die Frenteamplistas (Anhänger von Frente Amplio) hörten, dass ihr Kandidat Daniel Martinez 37,6% in den Projektionen erhielt, genau so viel Jubel gab es, als bekannt wurde, dass die Reforma (Verfassungsreform) mit nur 46% Unterstützung abgelehnt wurde, für eine Annahme der Reform hätten es 50% der Stimmen plus 1 gebraucht. Wie wir in anderen Ländern Lateinamerikas sehen können (Brasilien, Chile, Venezuela) tendiert die Sicherheit nicht dazu zu steigen, wenn Militär auf den Strasse patrouliert (wie in der Reform vorgeschlagen), sondern sie wird eher schlechter.

Die offiziellen Endergebnisse gab es dann heute morgen um 5 Uhr, aber bereits gestern Abend haben wir bereits ähnliche Zahlen gesehen, die Auszählung ging relativ schnell, was auch daran liegt, dass nur 2.699.978 Menschen wählen müssen. In Uruguay herrscht, wie in Argentinien, Wahlpflicht, das bedeutet aber nicht, dass alle Menschen auch zwingend zur Wahl gehen, wer nicht zur Wahl geht muss aber mit erheblichen Nachteilen rechnen. Es gibt anders als in Argentinien, wo man, wie meine Oma, ab einem bestimmten Alter nicht mehr wählen muss, in Uruguay keine Ausnahmen. Die Wahlbeteiligung lag, nach Angaben der Wahlbehörde, jedoch auf einem historischen Höchststand mit 88,9% Wahlbeteiligung, wie man auch in der dritten Grafik von El Observador, eine Zeitung, die ich mir auch gekauft habe, sieht.

Hier der Link, auf dem man die Entwicklung auch sehr gut sehen kann: https://ladiaria.com.uy/area/elecciones/  und die Quelle der dritten Grafik: https://www.elobservador.com.uy/nota/todos-los-resultados-en-vivo-votos-por-partido-las-internas-y-el-nuevo-parlamento-20191027172438 ; Quelle für einige der Grafiken. https://www.elpais.com.uy/informacion/politica/mira-todos-resultados-elecciones-octubre.html

Was zieht man nun für Lehren aus dieser Wahl ?

Für mich ist klar: Uruguay bleibt mit diesem Wahlergebnis eine stabile und weltoffene Demokratie in Lateinamerika, gleichwohl gibt es auch hier aufstrebende extremrechte Parteien, wie Cabildo Abierto die massiv Zulauf hatten (10% der Stimmen gingen an ihren Kandidaten Manini Rios) und das obwohl es diese Partei, die von einem Ex-General geführt wird, erst seit einem Jahr gibt. Außerdem wird es mit dieser Parlamentszusammensetzung schwierig neue Gestze auf den Weg zu bringen, zwar hat Frente Amplio mit gut 40% der Sitze die meisten, aber keine Mehrheit zum regieren.

Die wirklich spannende Phase der Wahl beginnt jetzt aber erst, denn nach uruguayischen Wahlrecht braucht einer der Kandidaten für das Präsidentenamt 50% der Stimmen plus 1 um im ertsen Anlauf zu gewinnen, da keiner der Kandidaten dies geschafft hat gibt es am 24. November das Balotaje oder Duell zwischen den zwei Kandidaten mit den meisten Stimmen, also Daniel Martinez und Luis Lacalle Pou. Man könnte nun denken, dass Martinez das schaffen solllte, er hatte ja jetzt schon mehr als 10 Prozentpunkte Vorsprung vor seinem Kontrahenten. Das Problem liegt darin, dass sich die Kandidaten Ernesto Talvi (Partido Colorado, 12,3%) und Manini Rios (Cabildo Abierto, 10.9%) bereits hinter Luis Lacalle Pou (28,6%)  gestellt haben und ihre Anhänger dazu aufgerufen haben für ihn zu stimmen. Somit wird das Rennen extrem eng und einzelne Frenteamplistas, wie mein Sprachlehrer Santiago, sehen schon ihren Kandidaten Martinez verlieren.

Das zu den Zahlen, ich war aber gestern Abend auch auf der Wahlparty  von Frente Amplio auf der Avenida 18 de Julio. Dort wurde gefühlt 20 mal das Kampagnenlied la Ola Esperanza gespielt.

Es war echt klasse Stimmung mit vielen Fahnen und ausgelassenen Menschen, die sich einfach nur freuten, es war – ein Fest der Demokratie –

Auf den Fotos sieht man leider nur einen Ausschnitt des Spektakels, welches sich abspielte als Martinez und seine Vizepräsidentschaftskandidatin Villar dann die Bühne betraten, aber die Menge tobte und wir – mitten drin.

Während der Veranstaltung checkte ich immer wieder die Hochrechnungen von Medien aus Uruguay, die deutschen Medien und auch einige weitere. Was mir auffiel ist, dass die Wahlen hier, nicht in einer großen europäischen Tageszeitung zur Sprache kamen. Lediglich AFP, eine Nachrichtenagentur aus Frankreich veröffentlichte einige Zahlen und Artikel. Die Wahlen in Argentinien, die ja nun entschieden sind (Macri ist abgewählt, da Alberto Frenandez mit 48,1% die meisten Stimmen hat), wurden zwar erwähnt, aber dafür, dass Argentinien eines der wichtigsten Länder des Kontinents ist, war es trotzdem wenig. Interessant was für eine neue Perspektive man auch auf die Medien seines Heimatlandes bekommt, wenn man woanders bei der Wahl dabei ist und dann auch noch bei so einem Fest der Demokratie. Ich habe auch festgestellt wie stark die Nachrichten eigentlich doch schon gefiltert sind, die uns jeden Tag erreichen.

Das soll es für heute erstmal gewesen sein, in den nächsten Tagen werden wieder mehr Beiträge folgen, weil ich jetzt in der Sprachschule einen Rechner habe, an dem ich vor meinem Unterricht arbeiten kann.

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