El Paísito

(M)ein »kulturweit« Blog

20. März 2020
von Paulo Glowacki
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Update: COVID-19; Ende des Freiwilligendienstes und Gedanken zur aktuellen Krise

Diesen Montag hat mich, ähnlich wie alle anderen kulturweit Freiwilligen der Ausreise September 2019 die erschütternde Nachricht erreicht, dass unser Freiwilligendienst aufgrund der weltweiten COVID 19 Situation vorzeitig beendet wird und wir sobald wie möglich nach Deutschland zurückkehren müssen. Diese Nachricht hat mich, sowie sicherlich alle anderen Freiwilligen und meine Freunde hier in Uruguay wie ein Schlag getroffen. Zwar wussten wir, dass am Montag eine solche Nachricht kommen würde, aber ich glaube ähnlich wie ich haben doch viele gehofft, dass wir bleiben können. Nach der Nachricht begann ich gemeinsam mit meinen Eltern nach einem Rückflug zu suchen, bis jetzt vergeblich, Callcenter und Websites der Airlines sind überlastet und natürlich sind die meisten Stellen, an die man sich, um Unterstützung bittend, wendet, ebenfalls überlastet, oder wissen auch nicht mehr als man selbst. Das bedeutet, dass ich noch in Uruguay bin und weiter versuche nach Deutschland auszureisen. Seid sicher mir geht es gut, Uruguay hat bis heute (20.03.2020) 110 bestätigte Infizierte, gleichzeitig hat der Staat umfassend reagiert und Grenzen geschlossen, das öffentliche Leben runter gefahren um die Ausbreitung einzudämmen. Seit heute arbeiten wir nun auch nicht mehr in der Welterbestätte, was ich schade finde aber verstehen kann.

Diese globale Krise zerstört viel. Ich denke so ganz ist das Ausmaß dieser Krise auf die internationale Zusammenarbeit und insbesondere internationale Freiwilligendienste, Austauschprogramme  noch nicht ganz in der Öffentlichkeit angekommen und das ist ok! Momentan gibt es wichtigeres als über diese Dinge zu sprechen, aber vergessen darf man sie auf keinen Fall! Ich hatte bis jetzt zweimal in meinem Leben, dank wunderbaren internationalen Programmen, für längere Zeit die Möglichkeit im Ausland zu leben und dafür bin ich unglaublich dankbar. Diese Programme, seien sie noch so klein oder unbekannt, verändern nachhaltig Leben, kulturweit, das Parlamentarische Patenschaftsprogramm, Erasmus und viele mehr, die ich jetzt nicht alle aufzählen kann, verändern nachhaltig Leben, Weltsichten, Persönlichkeiten, kurzum unsere Gesellschaft. Ich denke das ist nicht übertrieben, denn immer mehr junge, aber auch ältere Menschen verbringen Teile ihres Lebens im Ausland und kehren dann zurück und verändern mit ihrem Handeln, ihrer Weltsicht, ihren Ideen und der Weitergabe dieser die Gesellschaft, hin zu einer weltoffeneren, toleranteren, bewussteren, inklusiveren, respektvollen, aufmerksameren, reflektierteren Gesellschaft.

COVID19 hat es, wie keine Regierung, vermocht diese Programme, zum mindest für dieses Jahr, an den Rande des Abgrunds zu bringen, Austauschschüler, Studenten, Praktikanten, Freiwillige und viele mehr müssen wunderbare Erfahrungen beenden, nicht weil irgendeine Person das von uns verlangt, sondern weil die aktuelle Krisensituation es von uns verlangt. Wir alle als Alumni haben meiner Meinung nach den Auftrag dafür zu sorgen, dass diese Programme weiterbestehen und auch weiterhin denen, die nach uns kommen offen stehen. Momentan scheint es, als ob wir dafür nicht viel tun können, ohnehin fühlen sich viele in diesen Tagen machtlos, doch wir können etwas tun! Wir können den Menschen, die uns von kulturweit, oder unserer jeweiligen Organisation oder Programm unterstützen sagen, dass wir ihnen zutiefst dankbar sind für die Arbeit, die sie für uns in der zurückliegenden Zeit getan haben und die sie zurzeit für uns tun und damit diese ganzen wunderbaren Erfahrungen ermöglicht haben. Sie in ihrem Tun bestärken ist jetzt bitter nötig, damit auch diese sich aufgefangen fühlen. In Zeiten der Krise freut sich jede*r über eine gute, entgegenkommende Behandlung und oft auch einfach über ein: „Danke, das hat mir geholfen.“ Wir als die Gemeinschaft, die diese internationalen Möglichkeiten, die uns geboten werden entgegennehmen, sollten gemeinsam mit denen, die uns diese Möglichkeit ermöglichen zusammenstehen und für das kämpfen, was wir, wenn auch nicht so lange wie geplant, (er)leben durften. Ich hoffe, was ich sagen möchte ist angekommen, es geht darum diese Programme nach der Krise beim „Wiederaufbau“ der „üblichen“ Strukturen nicht zu vergessen, zu viele Programme sind bereits gekürzt worden oder existieren nicht mehr. Ich bin optimistisch, dass diese globale Krise den meisten Menschen klar gemacht hat, dass es ein „Das passiert/interessiert/geht uns nichts an“ nicht mehr existieren kann! Wir brauchen nach ihr mehr solcher Programme wie kulturweit, keinesfalls weniger. Es ist schade, dass erst diese Krise kommen musste um es so eindrücklich zu zeigen, aber wir müssen als Welt nach dieser Krise enger zusammenrücken, die Welt ist eng vernetzt. Sicherlich müssen wir darüber nachdenken, wie wir diese Strukturen ändern, um sie Krisensicherer zu machen, aber meiner Meinung nach gibt es dabei, auch im Interesse der Völkerverständigung und des internationalen Austauschs, eine Richtung nämlich näher zusammen und fair verteilt. Über das WIE dieses Zusammenrückens könnte ich einen eigenen Blogeintrag schreiben, deshalb lasse ich das jetzt nur angedeutet.

Zum Schluss möchte ich mich bei kulturweit, dem Auswärtigen Amt und allen anderen, die mir diese wunderbare, lehrreiche, verändernde Erfahrung, für die ich lange gekämpft habe,  geschenkt haben, bedanken. Macht weiter so! Lasst euch von diesem Rückschlag nicht unterkriegen! Ich werde diese Erfahrung für immer in meinem Herzen tragen, sie hat mich geprägt und mir neue Türen geöffnet und hat mir vor allen Dingen neue liebenswerte und wirklich enge Freunde in einem anderen Land geschenkt. Auch diesen Menschen, meinen Freunden, möchte ich danken, dafür, dass sie mich so liebenswert aufgenommen haben und mich zu einem Teil ihrer Gemeinschaft machten.

Ganz zu allerletzt an alle die das Lesen: Unterstützt in diesen schweren Zeiten, diejenigen, die es nicht so leicht haben wie ihr, der Bäcker um die Ecke, der Pleite geht, wenn ihr nicht mehr kommt, oder das medizinische Personal, was weit über der Belastungsgrenze arbeitet, schenkt diesen Menschen ein Lächeln, ein Danke. In diesen Zeiten muss nicht nur die Welt enger zusammenrücken und zusammen arbeiten, sondern auch wir als Gesellschaft, egal wer wir sind, woher wir kommen, wie wir aussehen, was wir glauben.

27. Februar 2020
von Paulo Glowacki
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Abschied in Montevideo und La Pedrera, ein Sehnsuchtsort

Letztes Wochenende war hier in Uruguay ein langes Wochenende, denn Montag und Dienstag waren gesetzliche Karnevalsfeiertage und unser Büro blieb geschlossen.

Ich hatte mich mit den anderen Uruguay Freiwilligen in Montevideo verabredet , um sie zu verabschieden. Am Donnerstag Abend, als ich ankam, war die Parrilla bereits an und die Chorizos fast fertig, nachdem der Magen gut gefüllt war, verbrachten wir, bei gutem Wein und Bier, noch einen netten Abend auf der Dachterrasse unseres Hostels.

Am folgenden Tag brach dann auch schon der erste Freiwillige zum Flughafen auf, wir verabschiedeten ihn aus dem Bett und schliefen noch etwas weiter.

Gegen 11 Uhr stand ich dann auf, machte mich fertig und auf den Weg zur Deutschen Botschaft Montevideo, wo ich um 12:30 einen Termin hatte, um über ein geplantes Kooperationsprojekt zu sprechen. Das Treffen war sehr gut und ich bin bestärkt und ermuntert für das anstehende Projekt, bei dem uns die Botschaft unterstützen wird, aus dem Treffen herausgegangen.

Danach traf ich mich mit den anderen im Hostel wieder, wo wir noch ein kleines, spätes Frühstück einlegten. Am Nachmittag bummelten wir dann noch ein wenig durch die Ciudad Vieja und machten uns dann auf zu La Pulperia, dem, wie ich finde, besten Fleischrestaurant in Montevideo, gleichzeitig sahen wir auf dem Spaziergang dorthin wie die Wellen an die Rambla klatschten und verstanden nun auch, warum diese so hoch ist.

Außerdem sahen wir all die Orte nochmal, die wir mit Sophie und Philipp schon beim Sprachkurs im Oktober kennen und schätzen gelernt hatten. Gegen frühen Abend erreichten wir besagtes Restaurant und bekamen durch unser frühes Erscheinen direkt einen Tisch, den Kellner kannten wir noch vom letzten mal und da Philipp seinen Freund kannte und ihn von diesem grüßte wurden wir auf einen Wein eingeladen, der Abend war geglückt. Insgesamt war es ein sehr schöner Abend bei gutem Wein und sehr leckerem Fleisch. Nachdem wir noch in einer weiteren Bar einige Cocktails getrunken hatten, machten wir uns, zu Fuß, auf den Weg zurück ins Hostel.

Am nächsten morgen verabschiedeten wir uns und ich brach zum Busterminal Tres Cruces auf, die anderen würden kurze Zeit später zum Flughafen aufbrechen, um ihren Rückflug nach Deutschland anzutreten. Es war ein optimistischer Abschied würde ich sagen, wir waren uns relativ sicher, dass wir uns Deutschland nochmal wieder sehen würden, gleichzeitig blickten wir auf eine wunderbare gemeinsame Zeit in Montevideo, aber auch Brasilien zurück und ich stellte fest, wie viel Zeit wir doch miteinander verbracht hatten und wie sehr ich diese Menschen ins Herz geschlossen hatte.

Mit dem Bus machte ich mich dann um 10 Uhr auf den Weg nach La Pedrera, wo mein guter Freund Lars aus Hamburg mit seiner Familie in ihrem Ferienhaus waren und mich eingeladen hatten mit ihnen die Karnevalsfeiertage zu verbringen. Nach 5 langen Stunden Busfahrt, die durch zahlreiche Unfälle und Staus aus einer eigentlich 3 Stunden langen Reise eine 5-stündige machten erreichte ich endlich das schöne Örtchen La Pedrera. Ich wurde netterweise von Lars mit dem Auto vom Busterminal abgeholt.

Nachdem ich alle begrüßt hatte und meine Sachen abgelegt hatte machten wir uns auf den Weg , um noch schnell ins Meer zu springen, was sehr schön war. Am Abend machten wir dann mit Lars Vater und einigen Freunden Frühlingsrollen, was darin mündete, dass 10 Flaschen Bier leer waren und wir noch nicht mal gegessen hatten, zum Glück hatten wir eine gute Reserve, sodass wir die äußerst leckeren Frühlingsrollen mit ein wenig Bier genießen konnten. Es war ein sehr lustiger und schöner Abend.

In den folgenden Tagen waren wir viel am Strand, wo ich ein ganzes Buch (Homo Faber) las und einfach ein wenig entspannen konnte, abends sowie mittags haben wir immer ausgezeichnet gegessen, denn viele von den Freunden von Lars‘ Familie waren ausgezeichnete Köchinnen oder Köche, natürlich durfte auch der Asado nicht fehlen, der auch sehr lecker war!

Nicht nur das Essen war lecker, ich habe auch sehr viele nette Uruguayos und Uruguayas, Freunde von Lars und seiner Familie, kennengelernt, deren Kontakt sicher wertvoll sein kann. Auch in den folgenden Tagen genossen wir das immer besser werdende Wetter und vergnügten uns in den Wellen bevor wir am Strand lagen und lasen.

Insgesamt war es ein wunderbares langes Wochenende und ich freue mich schon auf die Rundreise mit Lars und seinem Vater nächste Woche.

15. Februar 2020
von Paulo Glowacki
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Rudern

Rudern, ein unglaublich schöner, aber auch anstrengender Sport und ein Sport der in Hamburg leider weitestgehend, ähnlich wie in Großbritannien, der Elite vorbehalten ist. Hier in Uruguay ist dies zum Glück nicht so, vielmehr gibt es hier in Fray Bentos eine öffentliche Ruderschule, zu der jeder gratis kommen kann und das Rudern erlernen und trainieren kann.

Einer der Trainer ist mein Freund und Arbeitskollege Nico, er führt gemeinsam mit meinem anderen Freund Joe die Ruderschule. Gemeinsam haben die beiden anknüpfend an ihre eigenen Erfolge beim Rudern (Joe, war bei den Olympischen Spielen in Athen als Ruderer dabei) in den zurückliegenden Jahren eine wunderbare Ruderschule aufgebaut. Mit ein wenig Startkapital kauften sie erste Boote und über die Jahre bekamen sie einige gespendet und kauften weitere Boote, sodass sie heute eine stattliche Anzahl an Booten haben, die von Anfänger- bis Profibooten reicht.

Direkt an einem meiner ersten Arbeitstage lud mich Nico ein mit zum Rudern zu kommen, ich willigte ein und seitdem bin ich mittlerweile jeden Tag nach der Arbeit im Ruderclub und trainiere dort. Es ist eine großartige Erfahrung diesen Sport, der in Hamburg auf der wunderschönen Alster auch einen großen Raum einnimmt, nun endlich betreiben zu können. Das schöne an diesem Sport ist, dass man während des Trainings auch immer in Kontakt mit der Natur ist, nämlich dem Fluss. Manchmal, wenn ich so von Wasser umgeben rudere vergisst man alles und kann wirklich komplett abschalten, dabei ist mein Leben hier in Uruguay eh schon relativ entspannt, verglichen mit den letzten Monaten in der Schule. Trotzdem tut es gut nach der Arbeit einfach mal alles hinter sich lassen zu können, wenn man alleine oder zu zweit nur auf den nächsten Ruderschlag konzentriert ist.

Wie ein Ruderer, der eine sehr lange Distanz rudert kann man auch meinen Auslandsaufenthalt hier sehen, wenn das Wasser ruhig ist, der Ruderer eine gute Technik an den Tag legt und das Boot so nicht bremst kommt er in Windeseile voran und lässt dabei aber auch das Schöne schnell hinter sich, ähnlich wie das Gefühl, dass etwas schönes viel zu schnell vergangen ist. Wenn das Wasser aber unruhig wird, dann kommt auch der beste Ruderer nicht allzu schnell voran, denn er muss sehen, dass sein Boot nicht von einer Welle erfasst wird und sinkt, was bei den schmalen und tief liegenden Booten schnell passieren kann, so fühlen sich auch die Durstphasen während des Aufenthaltes an, man sieht, dass man durchkommt ohne „unterzugehen“. Das gute ist, dass das ruhige flache Wasser überwiegt und die unruhigen Phasen kurz sind und schnell hinter sich gelassen werden können.

Vom Abstrakten zurück zum Konkreten, dieses Wochenende war die erste Ruderregatta hier in Fray Bentos, die ich natürlich mit dem ganzen Team vom Club Remeros Fray Bentos verfolgt habe. Am zweiten der zwei Regattatage, war es zu windig und das Wasser zu unruhig um zu rudern, zahlreiche Boote gingen unter noch bevor sie gestartet waren, also wurde der Start abgesagt, wir genossen noch ein wenig das schöne Wetter am Strand und machten uns dann auf den weg zurück.

 

22. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Carnaval en Gualeguaychú

Dieses Wochenende war ich mit meinen Freunden auf der anderen Seite der Grenze, in Argentinien, genauer gesagt in Gualeguaychú, Entre Rios. Ich kannte Gualeguaychú vorher nur vom Busterminal, wo ich einmal auf meiner Reise nach Buenos Aires umgestiegen war.

Nun aber lernte ich auch die 100.000 Einwohner Stadt ein wenig besser kennen. Wir fuhren mit meinen Freunden Samstag Nachmittag hin, um uns am Abend den Karneval https://www.carnavaldelpais.com.ar/ im Corsodromo, welches die gleiche Funktion wie ein Sambodrom (Brasilien) hat, anzuschauen. Gegen 22 Uhr gingen wir hin und blieben, verzaubert von der Musik und den Karnevalszügen, bis um 2 Uhr dort. Danach ging es noch bis um 6 Uhr feiern, bevor wir dann in unsere schöne Unterkunft das Lakasa Container Hotel zurückkehrten um uns ein wenig auszuruhen. Am Sonntag verbrachten wir noch ein wenig Zeit dort und fuhren dann zurück nach Fray Bentos, wo ich erstmal schlief.

Die Fotos erzählen aber mehr, als all meine Worte, denn die Atmosphäre eines der wichtigsten Karnevals in Lateinamerika war wirklich unbeschreiblich schön.

Auf der Fahrt nach Gualeguaychú und auch in der Stadt selbst fielen mir auffällig viele Schilder mit politische bzw. geopolitischer Bedeutung auf, die ich hier gerne teilen und näher erläutern möchte.

Direkt hinter der Grenze stand folgendes Schild:

Dieses Schild ist so wichtig für die argentinische Geschichte und Politik, dass ich ihm einen eigenen Beitrag widmen werde. Kurz gesagt geht es um einen territorialen/geopolitischen Konflikt, der seit 1833 schwelt und 1982 sogar für einen Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien sorgte. Noch immer ist dieser Konflikt, wenn auch subtil, in den Köpfen der Menschen, besonders in Argentinien, präsent.

Das zweite Schild, welches ich gesehen habe ist zwar von weniger weltpolitischer Relevanz, aber trotzdem interessant:

Es geht hier um die Zellstofffabrik, welche hier in Fray Bentos steht. Als es darum ging, wo diese gebaut werden sollte, gab es heftige Kontroversen, ob sie nun in Argentinien oder Uruguay gebaut werden sollte. Letztendlich ging sie aufgrund von Steuervorteilen nach Uruguay und brachte der Region und dem Land einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls durch Arbeitsplätze, Kapital etc. Die Menschen in Argentinien, besonders in der Grenzregion zu Uruguay sind darüber immer noch ziemlich sauer und meinen, die Fabrik würde den Fluss kontaminieren.

Insgesamt habe ich an diesem Wochenende sehr viele schöne Impressionen gesammelt, an die ich mich noch lange erinnern werde.

20. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Halbzeit? Jetzt geht’s doch erst richtig los!

Von vielen Freiwilligen, insbesondere meinen Mitfreiwilligen hier in Uruguay höre ich nun vermehrt, dass sich ihr FSJ für sie dem Ende nähert. Ende Februar reisen sie nämlich schon wieder ab.

Für mich nähert sich damit die Halbzeit und damit auch die Zeit für eine kleine Halbzeitbilanz. Diese hätte ich auch gerne auf einem Seminar gezogen, weil ich das bei meinem einjährigen Auslandsaufenthalt in USA sehr angenehm und auch lehrreich fand, aber nun hier auf dem Blog, vor allen Dingen für mich ziehen werde.

Von den 336 Tagen, die ich hier in Fray Bentos, Uruguay bin sind mittlerweile genau 130 Tage vergangen, es fehlt also noch ein knapper Monat bis zur exakten Hälfte, aber so genau wollen wir das jetzt mal nicht nehmen.

Begonnen haben die zurückliegenden 130 Tage mit einem Ruck in meinem Leben, vom einen Tag auf den anderen war ich komplett für mich und das Haus in dem ich, noch alleine lebe, verantwortlich. Natürlich konnte ich meine Familie anrufen oder mit ihnen skypen, aber das ist ja nicht das gleiche, wie gemeinsam einkaufen zu gehen oder gemeinsam zu kochen. Diese Tage waren wahrscheinlich die anstrengendsten Tage und gleichzeitig die, in denen ich am meisten gelernt und auch persönlich gewachsen bin, auch wenn ich das bei so einem Jahr nicht immer sagen kann. Rückblickend bin ich unfassbar froh, dass ich die Gelegenheit hatte diese Tage zu erleben und insbesondere alleine zu erleben, denn dadurch habe ich mehr oder weniger vom einen Tag auf den anderen auch mein Leben komplett selbst in die Hand genommen.

Die darauffolgenden Wochen waren geprägt von wunderbaren Reisen, nach Montevideo, Buenos Aires und Brasilien. Dazwischen habe ich jede Minute hier in der schönen Kleinstadt Fray Bentos genossen, die Arbeit wurde mehr und mehr zur Routine und auch Freunde begann ich zu finden. Nach meiner letzten großen Reise nach Brasilien verbrachte ich viel Zeit mit meinen Freunden, sei es am Strand, oder im Ruderclub und gewöhnte mich mehr und mehr an die uruguayischen Lebensgewohnheiten, wie das sehr späte Abendessen, die Ruhe während der Mittagszeit und vieles mehr.

Zu Weihnachten brach eine besondere Zeit an, ich reiste nach Argentinien und später mit meiner Familie durch Uruguay. Meine Familie kam auch mit in mein Haus in Fray Bentos, das sorgte nochmal für ordentlich Trubel, der aber wirklich sehr schön war, denn dadurch habe ich nochmal ein wenig Unterstützung bei der Einrichtung des Hauses und einigen anderen Sachen bekommen. Vollgetankt mit familiärer Nähe und Liebe und vielen guten Ratschlägen blickte ich auf die kommende Zeit.

Das ist noch gar nicht so lange her und auch im Moment geht es mir wirklich sehr gut hier, insbesondere für meine Freunde und meine Vermieterin bin ich sehr dankbar. Momentan mangelt es ein wenig an Arbeit, aber auch das wird sich hoffentlich bald ändern. So schlecht war das sowieso nicht, weil ich, aufgrund meiner Müdigkeit und leicht angeschlagen, eh nicht so produktiv war.

Insgesamt fällt meine Halbzeitbilanz also sehr positiv aus, ich bin sehr froh und dankbar diese Erfahrungen hier in Uruguay machen zu können und blicke voller Freude auf die kommenden 6 Monate auch wenn ich weis, dass es dann Herbst und langsam Winter werden wird und somit auch ruhiger.

16. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Freundschaften die hoffentlich ewig währen

Die Menschen in meinem Umfeld hier in Fray Bentos verdienen eigentlich viel mehr Blogeinträge, aber manche Sachen kann man einfach nicht in Buchstaben pressen. Trotzdem möchte ich hier ein paar Gedanken teilen.

Oft waren wir in den letzten Tagen mit meinen Freunden am nahe gelegenen Strand in Las Cañas, haben gemeinsam zu Abend gegessen oder einfach gemeinsam Mate getrunken und uns wirklich gut unterhalten. Ich hatte mir vor meiner Abreise gewünscht, hier in Uruguay Menschen zu treffen, die zu Freunden werden. Dieser Wunsch wurde mehr als erfüllt, meine Freunde hier sind wunderbare Menschen, sie sind von Anfang an mir gegenüber sehr aufgeschlossen und hilfsbereit gewesen. Sie sind mir mittlerweile so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie auf meiner letzten Reise nach Argentinien bereits vermisst habe. Seit meiner Rückkehr haben wir uns fast jeden Tag gesehen und gemeinsam etwas unternommen. Diese Spontanität, sich einfach zu treffen und dann zu schauen was man macht, genieße ich sehr.

Es scheint den Menschen hier eine Gelassenheit und gleichzeitig eine Herzlichkeit im Blut zu liegen, die sie nicht verbergen können und wollen, diese Eigenschaften machen auch die Freundschaften so wunderbar unaufgeregt aber tiefgehend, herzlich und voller Freude.

Ich bin sehr dankbar diese Freunde gefunden zu haben und freue mich auf weitere acht Monate voller Erfahrungen und Erlebnisse mit ihnen. Gleichwohl habe ich meine Freunde in Deutschland natürlich nicht vergessen und freue mich auch sie wieder zu sehen, aber bis dahin ist noch etwas Zeit, zum Glück.

Gleichzeitig bin ich auch froh und glücklich durch kulturweit in die große Freiwilligenfamilie hinein gekommen zu sein, wo ich auch viele Freundinnen und Freunde gefunden habe, mit denen ich vielleicht noch nicht so viel Zeit verbracht habe, aber mich trotzdem auf Anhieb gut verstanden habe.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder:

Mit meinem Freund und Arbeitskollegen Nico

Am Strand

12. Januar 2020
von Paulo Glowacki
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Weihnachten/Was ist Zuhause?

Mein diesjähriges Weihnachtsfest war gar nicht unbedingt so anders als andere. Dadurch, dass ich meine Familie in Argentinien schon öfters mit meinen Eltern und meiner Schwester besucht habe war vieles bereits gewohnt und bekannt, ich machte mich mit dem Bus und später mit dem Flugzeug auf den Weg nach Córdoba, wo meine Familie lebt. Dort traf ich meinen Vater und bevor meine Schwester und meine Mama am 23. Dezember nachkamen verbrachten wir ein paar schöne Tage zu zweit.

Wie bereits gesagt war an dieser Reise vieles gewohnt, aber nicht alles. Das lag daran, dass in diesem Jahr meine Oma gestorben ist und ich somit in Argentinien keine lebenden Großeltern mehr habe. Der Tod eines geliebten Menschen trifft denke ich jeden unterschiedlich und hat auch oft unterschiedliche Auswirkungen, mich hat der Tod meiner Oma besonders getroffen in der Hinsicht, als dass sie sich bereits so sehr freute, dass ich endlich für längere Zeit in Südamerika sein würde und sie besuchen kommen würde. Sie scherzte immer, dass sie mir den Pass wegnehmen würde, damit ich nicht mehr wegkämme.

Leider kam es im letzten Jahr nicht mehr zu einem solchen Besuch. Mit meiner Oma ist aber nicht nur ein großartiger Mensch aus dem Leben geschieden, sondern mein Vater, aber auch meine Schwester, meine Mutter und ich haben ein zu Hause verloren. Das Haus meiner Großeltern war für uns ein Anker in Argentinien aber auch in dieser immer schneller werdenden Welt insgesamt. Dort habe ich Spanisch gelernt, im Patio gesessen und so vieles mehr. Schlagartig habe ich nun festgestellt, dass das Haus meiner Großeltern an sich aber kein Zuhause mehr war, das Leben, die Freude war verschwunden, als ich es das erste mal nach zwei Jahren wieder betrat. Ich musste mich zusammenreißen um nicht auf der Stelle in mich zusammenzusacken. Alles in dem Haus, stand und war noch so wie zu Lebzeiten meiner Großeltern. Aber all diese materiellen Dinge schienen in dem Moment leer und überflüssig, denn diejenigen die sie benutzten, ihre Wackelkontakte und Macken kannten waren nicht mehr da.

Kommen wir zurück zu meinem Weihnachtsfest, es war ein wirklich schönes Fest mit meinen Cousins und Cousinen und Onkel und Tanten. Wir haben viel gelacht, gegessen und geredet und einfach eine gute Zeit gehabt.

Nach unserem Aufenthalt in Córdoba fuhren wir mit dem Bus an die Ostküste Uruguays, nach La Pedrera. Dort hatten wir das Ferienhaus eines Freundes für fünf Tage gemietet und konnten uns ein wenig von dem mentalen Stress und dem Abschiednehmen erholen. Wir hatten drei Tage Glück mit dem Wetter und genossen den Strand und den Atlantik. Leider regnete und stürmte es an Silvester, was etwas auf die Stimmung drückte, wir gingen nett essen und begrüßten dann das neue Jahr 2020 und die neue Dekade.

Nach fünf schönen Tagen machten wir uns auf den Weg nach Montevideo, welches wir nach 4 Stunden Busfahrt auch erreichten. In Montevideo verbrachten wir nur eine Nacht. Ich zeigte meinen Eltern und meiner Schwester viele der Orte an denen ich, während meines zweiwöchigen Sprachkurses dort, gewesen war.

Am folgenden Tag ging es zu Uruguays zweiter UNESCO Weltkulturerbestätte, Colonia del Sacramento. Auch hier waren wir nur eine Nacht, was aber reichte um einen schönen Eindruck von der schönen Altstadt zu erhalten. Colonia del Sacramento hat eine überaus interessante Geschichte: Die ursprünglich portugiesische Niederlassung am Rio de la Plata wurde im Auftrag des portugiesischen Prinzregenten Pedro II. 1680 gegründet. Rund 150 Jahre lang war Colonia del Sacramento einer der größten Zankäpfel in Südamerika. Die Kolonialmächte Spanien und Portugal stritten sich wieder und wieder um diesen strategisch wichtigen Flecken Erde. Schon kurz nach der Gründung von Colonia durch Manuel Lobo griffen spanische Truppen an und eroberten das Fort. Doch nach nur zwei Jahrzehnten setzten sich die Portugiesen wieder durch und lösten die Spanier ab. Der Vertrag von Utrecht (1715) führte ebenso wenig wie der Siebenjährige Krieg zwischen den Königreichen auf der iberischen Halbinsel zu einer endgültigen Klärung der Macht- und Besitzverhältnisse.

Der letzte Teil der Reise bestand darin, dass meine Familie mit nach Fray Bentos kam, meine Freunde kennenlernten und ich ihnen all die Orte zeigte an denen sich mein Leben abspielte. Es war eine wunderschöne Zeit, in der ich aber auch gemerkt habe, wie unabhängig ich in diesen drei Monaten geworden bin und wie sehr ich diese Freiheit genieße, was natürlich nicht heißt, dass ich mich nicht mehr in die Familienstruktur einfinden konnte, sondern einfach dass ich merkte, wie ich selber mich verändert habe und gewachsen bin.

10. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Die Wahlen und mein Freiwilligenprojekt

Am 24 November hat Uruguay einen neuen Präsidenten gewählt, darüber habe ich in meinem Blog noch nicht wirklich berichtet, der Grund liegt darin, dass ich daraus gerne mein Freiwilligenprojekt machen würde.

Ich plane seit dem Zwischenseminar Interviews mit Arbeitskollegen, Freunden, Vertretern der Parteien und anderen durchzuführen zu dem Thema der Präsidentschaftswahlen und diese dann zum einen in einme Podcast sowie womöglich in einer kleinen Publikation enden zu lassen. Auf die Idee mit dem Podcast bin ich dank Josefine und Thea auf dem Zwischenseminar gekommen, ich kann mir gut vorstellen neben meinem Blog auch das zu machen, muss aber schauen wie das zeitlich und inhaltlich klappt.

Der Grund bzw. die Idee für mein Projekt liegt darin, dass es das erste mal in der Geschichte Uruguays war, dass es selbst nach dem Balotaje erstmal keinen klaren Gewinner gab, zwischenzeitlich hatten beide Kandidaten 48,3% der Stimmen, die restlichen waren ungültig. Es musste also nochmals ausgezählt werden bis der Corte Electoral dann Luis Lacalle Pou nach mehrfacher Auszählung zum Gewinner ernannte mit 30.000 Stimmen vor Martinez. Gleichzeitig kam davon in den Deutschen Medien nichts an und die wenigsten Leute wissen etwas davon. Um in Deutschland die Aufmerksamkeit für die Politik, die Menschen und die Gesellschaft, dieses kleinen Landes in Lateinamerika, zu erhöhen.

Nun hat Uruguay also eine konservative Regierungsperiode vor sich, den Lacalle Pou hat mit Hilfe von anderen Parteien mit denen er koalieren will eine Mehrheit im Parlament. Ich will aber noch nicht zu viel verraten, sonst macht der Podcast und das Projekt ja keinen Spaß 😉

9. Dezember 2019
von Paulo Glowacki
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Letzter Reisebericht: Ilha Grande und Rio de Janeiro

Hier folgt der letzte der Reiseberichte.

Auf unserer letzten Etappe führte uns unsere Reise auf die wunderschöne Ilha Grande, die 7 Stunden von Sao Paulo entfernt ist. Nachdem wir sieben Stunden anstrengende Busfahrt hinter uns gebracht hatten, liefen Max und ich in Richtung des Hafens um ein Boot auf die Insel zu nehmen. Für 60 Reales brachte uns ein Speedboot nach Abrao, dem größten Ort der Insel, auf der übrigens keine Autos fahren dürfen. Das Naturschutzgebiet welches die Insel umfasst ist seit diesem Jahr gemeinsam mit dem Ort Paraty auch UNESCO Weltkulturerbe, jedoch noch einmal viel größer als die Stätte in der ich arbeite und auch eine etwas andere Kategorie, denn Ilha Grande ist eine sogenannte gemischte Stätte, die kulturelle sowie natürliche Elemente enthält. Hier geht’s zur Beschreibung der Deutschen UNESCO Kommission: https://www.unesco.de/kultur-und-natur/welterbe/welterbe-weltweit/paraty-und-ilha-grande-kultur-und-biodiversitaet

Auf der Insel trafen wir Philipp, Leon, Aaron und Alina vom Zwischenseminar wieder, was sehr schön war, denn als große Gruppe haben die kleinen Ausflüge, die wir gemacht haben noch mehr Spaß gemacht.

Am ersten Tag nach unserer Ankunft ging es an den Strand Lopes Mendes. Nach einer 2,5 Stunden langen Wanderung kamen wir an dem wunderschönen Strand an. Der Strand war sehr weitläufig, sodass wir schnell ein ruhiges Plätzchen fanden, an dem wir uns niederließen um den Strand und das Meer zu genießen. Lange badeten wir im Meer, genossen die Sonne und ruhten uns ein wenig aus. Gegen späten Nachmittag fuhren wir dann mit einem Boot wieder zurück nach Abrao, wo wir den Abend verbrachten. Auf dem Rückweg zu dem benachbarten Strand, von wo wir ein Boot nahmen, bekamen wir noch ein paar Äffchen zu sehen.

Am folgenden Tag sind wir zu einem kleinen Strand nördlich von uns gewandert. Auf dem Weg waren wir an einem kleinen Wasserfall und erfrischten uns ein wenig, auch dieser kleine Strand war traumhaft schön, gleichwohl er sich schnell füllte, als einige Wassertaxis die fauleren Touristen abluden. Insgesamt war die Ilha Grande ein sehr schön entspannender Teil der Reise, der sich auch gut an das Zwischenseminar angeschlossen hat. Wir haben viel gechillt, am Strand gelegen, im Meer gebadet und Zeit für uns gehabt.

Am Mittwoch ging es dann nach Rio de Janeiro. Gemeinsam mit Max und Aaron, zwei anderen Freiwilligen verließen wir morgens um 9 die Insel und machten uns erst mit dem Boot und später dann mit dem Bus auf die Reise nach Rio, die uns den gesamten Mittwoch kostete. Am Ende kamen wir am frühen Abend in Rio an. Es war ein unbeschreibliches Gefühl in dieser Stadt zu sein, die so berühmt ist, mit so viel schönem aber auch traurigem in Verbindung gebracht wird. Als wir aus dem Busbahnhof hinaustraten sahen wir den Christo in der Abendstimmung, ein besseres Willkommen konnte es nicht geben.

In Rio besuchten wir natürlich die Touristenhotspots, am ersten Tag ging es auf den Christo. Wir sind aber nicht hochgefahren, sondern durch den Tijuca Nationalpark hoch gelaufen, was eine geniale Erfahrung war, immer wieder gab der dichte Urwald die Sicht auf die Stadt frei und wir bekamen einen guten Überblick. Leider verschlechterte sich das Wetter während unseres Aufstiegs von locker bewölkt zu stark bewölkt und Regen, sodass wir den Christo als wir oben ankamen nicht sehen konnten. Es war aber beeindruckend zu sehen wie die Kraft des Windes die Wolken immer wieder für einige Sekunden zur Seite schob und die Sicht auf dieses Weltwunder freigab. Wir machten natürlich die obligatorischen Bilder. Es war aber eine etwas andere Rio Erfahrung als die meisten Leute haben, ich muss sagen ich fand’s sehr gut.

Am Nachmittag regnete es sich so langsam richtig ein, was uns aber nicht davon abhielt, nach einer Stärkung in einer der Lanchonetes den Fußballclub Fluminense zu besuchen und Flamengo und Botafogo zu Fuß zu erkunden. Irgendwann reichte es uns dann aber und wir nahmen einen Uber zurück zu unserer Unterkunft in Copacabana. Wir ruhten uns ein wenig aus und zogen uns um und fuhren dann zu dritt mit der Metro zum Fußbaltempel Maracana. Fluminense spielte gegen Palmeiras und gewann 1:0. Die Stimmung im Stadium war gigantisch und hat mich wirklich umgehauen. Stellt euch folgende Situation vor: Das Stadium mit einer Kapazität von ca. 60.000 Plätzen war nur zu Hälfte voll also 30.000 Zuschauer, aber diese 30.000 Zuschauer haben mindestens so viel Stimmung gemacht wie bei einem deutschen vollbesetztem Stadium. Immer wieder kamen die Sprechchöre und die Spieler wurden wortwörtlich mit Leib und Seele angefeuert. Was auch interessant war ist, dass Fluminense nicht mehr viel zu holen hat, die Saison ist vorbei und beide Clubs bewegen sich in der oberen Hälfte bzw der Mitte der Tabelle. Das war den Fans aber egal, sie feuerten ihre „Nense“ trotzdem an. Wir waren total baff von dieser Erfahrung und werden sie auch noch lange in Erinnerung behalten.

Am nächsten morgen kam Lea aus Sao Paulo dazu und wir liefen den Strand der Copacabana bis Urca entlang um auf den Zuckerhut zu fahren. Aus der Gondel hatten wir eine traumhafte Sicht auf die Stadt und schossen einige Fotos, oben angekommen, zunächst auf dem Morro da Urca genossen wir die Aussicht und vom Zuckerhut natürlich erst recht. Es war eine atemberaubende Erfahrung zu sehen, wie sich Rio zwischen den Hügeln entlang schlängelte. Fast den ganzen Vormittag verbrachten wir oben und genossen die Aussicht auf die Stadt. Gegen Mittag ging es wieder runter und wir schlenderten ein wenig durch das Univiertel Urca und aßen dann etwas in Botafogo. Danach liefen wir noch ein wenig in der Stadt umher und waren unter anderem bei der so berühmten Treppe, die mit sehr vielen Fliesen geschmückt ist, der Escadaria Selarón. Wir blieben ein wenig und schauten uns das Treiben der Touristen an. Danach liefen wir noch ein wenig umher und fuhren dann mit der Metro zum Apartment zurück.

Am Abend waren wir noch mit der Freiwilligen, die am Goethe Institut in Rio eingesetzt ist im Partybezirk von Rio Lapa. Auf dem Weg dorthin bekamen wir die Kontraste von Rio zu spüren, auf halber Strecke rief Niki, die Freiwillige uns an und sagte wir sollten lieber zu ihr nach Gloria kommen, denn in Lapa sei gerade eine Geiselnahme. Nach 3 Stunden, die wir in einer Bar in Gloria verbrachten fuhren wir nach Lapa und alles war normal, die Menschen feierten ausgelassen. Wir tranken zunächst Caipis später Bier und dann Cachaza in der Bar des Cachaza, wo wir unter anderem einen Cachaza mit einer toten Kobra in der Flasche tranken, ein kleines Glas und die Kehle brannte. Als die Sonne wieder aufging und sich unser einiziger Sonnentag in Rio ankündigte fuhren wir an den Strand nach Copacabana und sprangen kurz nach Sonnenaufgang in den Atlantik, ein Erfahrung die für immer bleiben wird.

Am letzten Tag, Samstag frühstückten wir am Strand von Copacabana, badeten ein bisschen und sonnten uns. Am Nachmittag trafen Max, Lea und ich uns mit der Carioca, die ich in Montevideo beim Sprachkurs kennengelernt hatte. Wir erkundeten ein wenig das Zentrum, was sonst nicht so viele Touristen machen. Außerdem bestaunten wir das Museu do Amanhana (Museum der Zukunft), welches in moderner Architektur direkt an der Küste gebaut ist. Es war schön jemanden zu haben, der einem die Stadt zeigt. Am Abend fuhren wir zum Arpoador und bestaunten den Sonnenuntergang und dann verabschiedeten wir uns auch schon wieder.

Zu viert gingen wir Freiwilligen in einem Kilobuffet essen, was echt cool war, für 38 reales gab es all you can eat, aber in wirklich leckerer traditioneller brasilianischer Küche, wir aßen uns satt und verabschiedeten uns dann, der am Abend zurück nach Sao Paulo musste um seinen Flug am folgenden Tag zu erwischen. Lea, Max und ich gingen als Abschluss noch in eine Oper Eugene Onegin, im imposanten Teatro Municipal do Rio.

Es war ein wahnsinnig schöner Trip mit vielen Erfahrungen, an die ich mich noch oft zurück erinnern werde.

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