El Paísito

(M)ein »kulturweit« Blog

10. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Spitzenpolitiker in Fray Bentos

Vorgestern Abend wollte ich eigentlich ein bisschen entspannen und fernsehen. Aber von der nahe gelegenen Plaza Artigas dröhnte immer wieder folgendes Lied herüber:

Irgendwann hörte ich dann eine Stimme, die mir irgendwie seltsam bekannt vorkam. Ich entschied spontan mal auf dem Platz vorbeizuschauen und siehe da, es war eine große Wahlveranstaltung des Partido Nacional mit dem Spitzenkandidaten für das Amt des Präsidenten Luis Lacalle Pou.

Ich nehme in dieser Wahl bereits vorher erwähnt für mich selber ganz bewusst die Position eines Beobachters ein. Ich höre mir alle Meinungen an und versuche einfach so viel wie möglich mitzubekommen. Sich jetzt schon eine starke Meinung zu den landesspezifischen Themen zu bilden wäre kein Stück besser als die Kolonialherren damals, die innerhalb kürzester Zeit durch ihre vorschnelle Meinung und ohne zu hinterfragen viel Leid gebracht haben. Lacalle Pou hat sehr mitreißend gesprochen. Ich habe gespürt, dass er dieses Amt haben will. Natürlich ist das auch ein bisschen logisch, denn Lacalle Pou ist Sohn eines Ex-Präsidenten und selber Rechtsanwalt, hat aber nie wirklich als solcher gearbeitet, sondern eigentlich mehr oder weniger auf diese Gelegenheit hingearbeitet. So zum mindest erzählten es mir einige Kollegen. Ich habe eine kleine Aufnahme gemacht, die ihr euch anhören könnt, um eine Idee davon zu bekommen, wie Lacalle Pou gesprochen hat:

Das war am Ende echt sehr spannend bei solch einer Veranstaltung mal dabei gewesen zu sein und dazu noch einen so bekannten Politiker live zu erleben. So wurde aus einem eigentlich entspannten Abend ohne viel Action ein sehr aufschlussreicher und interessanter Abend, der mir einen guten Einblick in den Wahlkampf gegeben hat.

9. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Ankunft meines Chefs, neue Aufgaben und Alltägliches

Am Montag habe ich das erste mal meinen Chef und Ansprechpartner Mauro Delgrosso kennengelernt! Er war die letzten Wochen im Urlaub und deshalb hatten wir uns noch nicht gesehen. Es war sehr schön endlich seinen Ansprechpartner zu treffen und es gab auch viel Organisatorisches zu besprechen. Nachdem das Organisatorische rund um Sprachkurs, Vertrag und Zwischenseminar geregelt war, wendeten wir uns der inhaltlichen Arbeit zu. Aufgrund meines Interesses an Internationalen Beziehungen und Zusammenarbeit auf allen Ebenen hatte Mauro mir schon vor einiger Zeit vorgeschlagen, an einer Kooperation mit einer Institution in Deutschland zu arbeiten.

Nun habe ich die Arbeit an dieser Kooperation begonnen, was erstmal viel Recherche bedeutet, über mögliche gemeinsame Punkte, aber auch über Ziele und Möglichkeiten, die eine solche Kooperation mit einem deutschen Partner bringt. Am Ende soll eine gelungene Kooperation in Form einer Publikation oder einer Ausstellung stehen. Mal sehen wie sich das ganze entwickelt, ich werde auf jeden Fall genug zu tun haben in nächster Zeit! Wenn euch beim lesen eine Institution einfällt, von derer ihr meint sie sei geeignet für eine Kooperation meldet euch gerne. Wir haben schon einige im Kopf, aber warum nicht auch andere Ideen nutzen.

Ich bin wirklich extrem dankbar für diese Aufgabe, denn es ist das was ich mir unter meiner Arbeit als kulturweit-Freiwilliger vorgestellt habe:

„Voll in mein Gastland eintauchen, aber auch immer wieder Brücken schlagen zu meiner Heimat, Deutschland, den Menschen und Institutionen dort und denen meines Gastlandes, Uruguay.“

Schon zu meinem Auswahlgespräch habe ich eine Brücke mitgenommen um genau diese Motivation darzustellen. Ich denke, dass Brückenbauen genau das ist, was ich mit diesem Kooperationsprojekt erreichen kann, denn am Ende soll eine gleichberechtigte Partnerschaft stehen, die von starken Gemeinsamkeiten getragen wird aber auch Schwierigkeiten standhält.

Ich habe in den letzten Tagen aber auch viel an der Reise nach Brasilien geplant und bin noch lange nicht fertig. Außerdem habe ich eine Pressemitteilung verfasst über den Besuch von Herrn Brunner, aus der Deutschen Botschaft, die ich auch bei Gelegenheit auf meinem Blog verlinken werde.

Das war’s auch schon soweit, vielen dank, dass du meinen Blog liest!

 

 

 

 

8. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
2 Kommentare

Buenos Aires Reise 05.-06. Oktober 2019 Teil II

Tag II

Am Sonntag haben wir erstmal lange geschlafen. Wir alle waren ziemlich erschöpft und so war ein Teil des Tages auch schon rum, als wir das Haus verließen um mit dem Subte zur Feria Internacional de Tourimso (FIT) zu fahren, die auf dem Messegelände La Rural stattfand. Ich hatte am Freitag mit der Chefin der Tourismusabteilung gesprochen und sie hatte gesagt, dass ich mich mit ihrem Kollegen Miguel in Verbindung setzen sollte, der für Fray Bentos dort war. Das habe ich auch getan und so trafen wir uns um 15 Uhr am Eingang und erhielten unsere Badges als Aussteller, von Miguel und konnten somit die Messe gratis auskosten ;)) Vorher waren wir noch kurz an der Plaza Italia, einem kleinem Platz im Herzen Buenos Aires‘.

Nachdem wir also unsere „Eintrittskarten“ hatten liefen wir 2 Stunden lang durch die große Messe, probierten verschiedene Desserts und schlenderten die Stände entlang. Direkt am Anfang bekamen wir eine kleine Impression von Karneval aus Gualeguaychu!

Nach diesem sehr netten Besuch auf der Messe machten wir uns auf zum zentralen Friedhof von Recoleta, einer der zentralen Friedhöfe des Landes, auf dem auch wichtige Persönlichkeiten der argentinischen Geschichte ihre letzte Ruhe, in einem der zahlreichen Mausoleen, gefunden haben. Der Friedhof war besonders in der nachmittags Sonne mit einer sehr angenehmen Stimmung erfüllt. Leider konnten wir nur 20 Minuten bleiben, denn um 18 Uhr wurde geschlossen. Wir gingen im Anschluss noch in das Kulturzentrum Recoleta, in dem allerhand Kunst ausgestellt wurde, die mir zum Großteil wirklich gut gefallen hat!

Nach dem Kulturzentrum gingen wir noch etwas trinken und dann wurde es für mich auch schon langsam wieder Zeit mich auf den Weg zu machen. Um 19:30 Uhr nahm ich das Taxi und um 21:30 Uhr ging es mit dem Bus zurück nach Buenos Aires. Die Eindrücke und all die schönen Erlebnisse werden noch lange bleiben und die nächste Reise nach Buenos Aires ist schon in Plannung! Diese pulsierende Metropole hält noch vieles bereit, was ich auf jeden Fall noch entdecken möchte, also hast pronto ! Das ist eine der schönsten Tatsachen an diesem Freiwilligendienst, ich kann einen Kontinent, zu dem ich seit 18 Jahren eine enge Verbindung habe, endlich mal so erkunden wie ich möchte, die Menschen richtig kennenlernen und einfach Teil dieses gigantischen ganzen sein, ohne dabei allein zu sein.

8. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Buenos Aires Reise 05.-06. Oktober 2019 Teil I

Hola!

Mein Wochenendtrip nach Buenos Aires vom 05 bis 06. Oktober entwickelte sich zu einem wahren Abenteuer.

Ich hatte mir am Mittwoch für teures Geld Bustickets gekauft und war Freitagnacht, nach der Einweihungsfeier des Labors noch voller Vorfreude schlafen gegangen. Als ich dann morgens um 1 am Busterminal saß bemerkte ich, dass mein Ticket schon abgelaufen war. Anstatt für Samstagmorgen hatte ich ein Ticket für Freitagmorgen gelöst, was dann natürlich nicht mehr gültig war. Trotz betteln nahm mich der Busfahrer nicht mit. Also hieß es, wieder zurück nach Hause. Dort angekommen habe ich online nach einer neuen Verbindung gesucht und wusste auch von meiner Kollegin, dass es von Gualeguaychú viele Verbindungen nach Buenos Aires gibt. Nachdem ich also eine Verbindung gefunden hatte und mich entschieden hatte, stellte ich den Wecker auf 5:40 Uhr und legte mich noch gute 3 Stunden schlafen. Morgens um 6 Uhr kaufte ich das Ticket nach Gualaguaychú wartete noch eine Stunde und um 7:15 Uhr begann meine Reise dann endlich!

Wir passierten die internationale Brücke und nach einer guten Stunde erreichten wir Gualeguaychú, wo ich direkt mal wieder das argentinische Temperament zu spüren bekam und Zeuge einer kleinen Schlägerei wurde. Im Terminal kaufte ich ein Ticket nach Buenos Aires für 10 Uhr mit „Tigre Iguazu“ und erreichte so um 13:40 das Zentrale Busterminal Retiro Buenos Aires.

Um 14:15 Uhr hatte ich mich mit dem Cousin meines Vaters und seiner Familie zum Mittag verabredet. Es wurde also schon knapp, aber es war noch zu schaffen…

Dann kam das Remis, was nur Cash nahm und der Bankautomat, der kein Geld ausgeben wollte und das WLAN, was nicht präsent war. Ich schaffte es ein wenig WLAN zu bekommen und dem Cousin meines Vaters zu schreiben, da war es wohlgemerkt schon 14:13 Uhr und er sagte mir ich solle ein Taxi nehmen und er würde es dann bezahlen. Das war meine Rettung. Der äußerst nette Taxifahrer, der zum Glück viel Verständnis für meine Situation hatte brachte mich in Windeseile im Rahmen der „Regeln“ zum Restaurant.

Ende gut alles gut, als ich nach gefühlten 8 Stunden Reise am Tisch saß und ein perfekt gegrilltes Stück Bife aß war die ganze Qual und Aufregung wieder vergessen. Wichtiger war aber das Wiedersehen mit einem Teil der Familie, den ich seit 2 Jahren nicht gesehen hatte! Es gab unheimlich viel zu erzählen und die Zeit reichte lange nicht für alles, so das ein nächster Trip schon beschlossene Sache ist. Nach dem Mittagessen genoss ich dann noch kurz die super Aussicht aus dem Appartement des Cousins und dann brachte er mich zum Mueso Nacional de Bellas Artes, wo sich meine doppelte Staatsbürgerschaft wieder mal auszahlte und ich als Argentinier gratis hereinkam.

Drinnen traf ich mich dann endlich mit meiner Cousine, ihrem Freund und meinem Cousin, der aus Córdoba angereist war. Das Wiedersehen war unheimlich schön und auch hier gab es nach 2 Jahren unheimlich viel zu erzählen. Zum Glück hatten wir ein bisschen Zeit. Das Museum erkundeten wir ein wenig, bevor es dann zum 12. Festival Ciudad Emergente ging. Ein Festival, auf dem es von allem etwas gab, Musik, Essen und andere Events. Die Stimmung war sehr angenehm entspannt und es war gerade die richtige Anzahl an Leuten da, nicht zu voll nicht zu leer. Wir hörten zuerst die Band Hipnotica aus Córdoba im großen Hauptauditorium. Mein Cousin Mati und ich hatten irgendwann Hunger und wollten das Gelände noch ein wenig erkunden. Wir machten uns auf den Weg, aßen einen Burger und erkundeten noch ein wenig das Gelände mit seinen vielen verschiedenen Angeboten, unter anderem einen Tunnel der zunächst aus kontaminiertem und dann aus purem Plastik bestand.

Eigentlich bin ich kein Festival Mensch, aber dieses hat mir wirklich richtig gut gefallen. Wir trafen uns an der Hauptbühne mit meiner Cousine Nadia und ihrem Freund wieder und hörten uns die letzten zwei Bands „Conociendo Russia“ und „Mirinda“an. Conociendo Russia machte sehr entspannte Musik, mit einer ziemlich coolen Show. Mirinda war aber das Highlight, die Musik, die man so in der Poprichtung verorten kann und die Show war echt richtig klasse. Die beiden Sänger waren live auch meiner Meinung nach besser als auf Spotify oder sonst wo.

Was interessant ist, ist dass auf dem Festival nicht wie auf vielen Konzerten in Deutschland überwiegend englische Musik gespielt wurde, sondern eigentlich ausschließend spanische Musik von Bands aus Argentinien. Das habe ich schon vor einigen Jahren gemerkt, als ich mit meinen Cousins in Argentinien Musik gehört habe und wir fast ausschließlich spanische Bands gehört haben. Auch hier in Uruguay ist das so, beispielsweise werde ich bei meinem Namen fast immer auf den Raper Paulo Londra angesprochen, der in Europa meines Wissens nach relativ unbekannt ist, hier aber ein Star aus Cordoba ist und allen ein Begriff ist.  Soll natürlich nicht heißen, dass man hier nicht auch englische Musik hört, aber die breite Masse hört Musik von hier. Der Economist hat diese Entwicklung auch im Jahr 2017 in einem Artikel https://www.economist.com/business/2017/09/21/streaming-has-pushed-latin-music-into-the-mainstream dokumentiert, es geht zwar überwiegend um Streaming, aber gewisse Rückschlüsse auf Konzertbesuche lassen sich trotzdem machen.

„Now six of YouTube’s top ten music videos are predominantly in Spanish. In August the Billboard Hot 100, which tracks streams, sales and radio plays, sported seven Latin hits. Just five graced the chart in all of 2016.

Latin music is helping the music industry to arrest years of decline. Its growth is far outpacing that of other genres. Last year Latin America yielded just $598m out of total global recorded-music revenue of $16bn, but sales increased by 12%, against 5.9% worldwide.“

Ein interessanter Aspekt wie ich finde, der zeigt, dass sich kulturell in ganz Lateinamerika in den letzten Jahren viel getan hat.

Nach der letzten Band machten wir uns auf den Weg zu einem Burgerladen in Palermo, wo ich und mein Cousin nur ein Bier tranken, weil wir ja schon gegessen hatte. Danach gingen wir zur Wohnung meiner Cousine, wo Mati und ich uns noch ein Eis genehmigten und dann schlafen gingen.

Das war Tag I, um den zweiten geht es im folgenden Beitrag!

7. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Die vergangene Woche – Highlights auf der Arbeit

Die letzte Woche war sehr interessant und aufregend, deshalb hier ein paar Highlights.

Am Mittwoch hatte ich die Gelegenheit das Haus des Chefs der Fabrik zu besuchen,die Casa Grande. Nico und ich machten erst eine Führung für eine Schülergruppe und danach zeigte er mir noch das ganze Haus. Das war echt sehr schön und eindrücklich zu sehen.

Wie bereits berichtet, wurden wir von Deutschen besucht, aber nicht nur Touristen, sondern am Freitag hatte sich auch Besuch aus der Deutschen Botschaft angekündigt. Herr Artur Brunner, Zuständig für Wirtschaft in der Botschaft, seine Frau und zwei Freunde von ihnen, besuchten uns anlässlich der Eröffnung unseres Museumslabors. Sie nahmen allerdings nicht an der Einweihung teil, dies wurde durch einen Termin in Paysandú verhindert. Der Besuch hat uns trotzdem geehrt und gefreut und Nico und ich haben eine kleine extra Führung gemacht mit Teilen, die wir sonst nicht den Besuchern zeigen, unter anderem das Archiv oder eben, das brandneue Laboratorium. Hier ein paar Bilder des Besuchs:

Ein weiteres Highlight habe ich schon erwähnt und zwar die Einweihung des Labors, welches über Jahre geplant wurde und nun endlich umgesetzt wurde, selbstverständlich war das ganze Team voller Stolz bei der Einweihung dabei. Zunächst hielt Guillermo Levratto mein Chef in der Intendencia eine kurze Rede, bei der er auch mich erwähnte und nochmals offiziell begrüßte, was mich sehr gefreut hat und mir im Nachhinein noch viele interessante Gespräche gebracht hat. Das Labor bringt für mich auch neue Arbeit, denn in naher Zukunft werde ich einige Passagen aus Dokumenten übersetzen, die im Labor ausgestellt werden, somit ist das Labor im wahrsten Sinne des Wortes für alle ein Gewinn.

Hier ein paar Eindrücke:

Einem weiteren Highlight werde ich mich in einem separaten Eintrag widmen, meiner Reise nach Buenos Aires.

Übrigens war das Wetter letzte Woche wirklich schlecht, das sieht man auch auf diesem Video, der Fluss ist über die Ufer getreten. Ich habe mir aber sagen lassen, dass das normal sei 😉

2. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Deutsche in Fray Bentos!

Gestern habe ich ja so viel über die Wahlen und Politik zu schreiben gehabt, dass ich gar nicht vom Tag berichten konnte, der war nämlich auch relativ ereignisreich.

Es begann damit, dass ich vergessen hatte meinen Wecker zu stellen und so erst um viertel vor 8 aufwachte, das war aber kein Problem, da ich jetzt wo ich ein Fahrrad habe, eh viel schneller zur Arbeit komme. Ein wenig Stress hat es aber schon verursacht.

Außerdem hat es heute das erste mal seitdem ich hier bin geregnet und gewittert und zwar den ganzen Tag und die halbe Nacht, das war schon echt krass.

Deshalb hatten wir auf der Arbeit auch irgendwann Stromausfall, aber zum Glück nur kurz. Genau in der Zeit des Stromausfalls, als wir uns schon fast langweilten, wurden wir von einer Gruppe Deutscher besucht! Aus dem Westerwald und aus Paraguay kam die Gruppe für die ich mit Nico zusammen die Führung, leider wetterbedingt etwas kürzer, gemacht haben. Das war echt sehr cool, Deutschen, als Deutscher im Ausland eine UNESCO- Weltkulturerbestätte vorzustellen.

Schon lustig wie klein die Welt ist. Das ist definitv eine Erfahrung, die ich in Erinnerung behalten werde.

Zum Mittag gab es übrigens lecker Milanesa, das ist so wie Wiener Schnitzel, aber vom Rind und meiner Meinung nach auch noch ein wenig leckerer. Am Abend habe ich dann versucht Pfannkuchen zu machen, leider habe ich keinen Schneebesen und somit hat es ewig gedauert, eh der Teig wirklich ohne Stücke war und am Ende war auch ein wenig zu viel Salz dabei, aber ich habe ja noch ein wenig Zeit, um das zu perfektionieren.

Das war’s auch schon.

1. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
2 Kommentare

Die Wahlen am 27. Oktober + die Fernsehdebatte heute

Ursprünglich stand in dem ersten Entwurf für diesen Blogeintrag, dass ich noch nicht so viel mit den Menschen hier über Politik reden konnte, nun das änderte sich gerade als ich diesen Eintrag beginnen wollte.

Der Strom fiel aus und so ließen wir die Arbeit ruhen und kamen ins Reden.

Zuerst unterhielt ich mich mit der Kollegin, mit der ich in einem Büro sitze. Sie berichtete mir, dass viele Entscheidungen hier politischer Natur seien und es innerhalb des Teams mit dem ich hauptsächlich zusammenarbeiten politische Differenzen gibt, näher ins Detail möchte ich jetzt nicht gehen, sondern vielmehr von dem darauf folgenden Gespräch berichten, welches ich mit den Guides des Museum geführt habe.

Mich persönlich interessierten natürlich die persönlichen Ansichten und Meinungen meiner Kollegen und Kolleginnen aber vielmehr noch die allgemeinen Themen dieser Wahl, bzw. was die Menschen bewegt. Wie manche von euch wissen schwebt mir momentan die Laufbahn des Diplomaten vor und so sind diese Zeiten eine gute Übung für später, immer wieder die eigene Position zu hinterfragen und sich zu verdeutlichen, dass man selbst sehr geprägt von seiner Kultur ist und manche Dinge vielleicht anders sieht, als die Menschen hier vor Ort, ich sehe mich als Beobachter und versuche deshalb so viele Ansichten wie möglich kennenzulernen.

Zeiten wie jetzt, in denen gewählt wird sind meiner Meinung nach nicht nur in politischer sondern auch in gesellschaftlicher Hinsicht interessant, sie gewähren tiefe Einblicke in die Gesellschaft und was diese bewegt. Aus dem heutigen Gespräch lernte ich einiges. Die Menschen hier legen besonderen Wert auf Innere Sicherheit und die damit verbundenen Gesetze, so wurde in dem Gespräch kritisiert, dass gegenüber Straftätern relative milde herrsche und die Gefängnisstrafen nicht hoch genug seien bzw. in einem noch relativ jungen Gesetz teilweise gelockert wurden. Des weiteren ging es um die Straßenkriminalität, die besonders in Montevideo hoch sein soll, die bestätigen auch die Reisehinweise des AA, EDA und State Department:

„In Montevideo gab es in den letzten Jahren einen spürbaren Anstieg der Kriminalität. Der Schwerpunkt liegt auf Raub- und Diebstahlsdelikten, zunehmend mit Waffengewalt. Bewaffnete Raubüberfälle auf Restaurants in besseren Wohngegenden Montevideos nehmen zu. Besonders kritisch sind bestimmte Straßen und Viertel der Altstadt und des Zentrums, insbesondere außerhalb der Geschäftszeiten, aber auch die Ausgehviertel Punta Carretas, Pocitos und Carrasco.“ (Auswärtiges Amt)

„In Montevideo und den Ferienorten an der Küste (z.B. Punta del Este) sind Entreissdiebstähle häufig. Raubüberfälle und Angriffe auf Passanten kommen vor. Besondere Vorsicht ist unter anderem am Karneval, an Konzerten und bei Fussballspielen geboten. Bewaffnete Raubüberfälle auf Restaurants in besseren Wohngegenden Montevideos (z.B. Pocitos und Punta Carretas) haben zugenommen. Autodiebstahl und Diebstahl aus geparkten oder vor einer Ampel haltenden Fahrzeugen kommen vor. In der Hauptstadt patrouilliert eine Touristenpolizei (Zentrum und Altstadt mit Hafen).“ (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten, EDA)

„Violent crimes, such as homicides, armed robberies, carjacking and thefts have increased throughout the country and occur in urban areas frequented by U.S. government personnel, day and night. Criminals commonly travel in pairs on motorcycles to approach unsuspecting victims with a weapon and demand personal belongings. Armed criminals also target grocery stores, restaurants, financial centers, and small businesses, in which innocent bystanders are often victimized.“ (US State Department)

Dies ist natürlich nur eine Sache, die die Menschen bewegt, eine weitere ist das Sozialsystem, welches in Zukunft unter Druck geraten wird und bereits heute für Unzufriedenheit sorgt, so kritisierten meine Kolleginnen und Kollegen, dass sie selbst 3 Jobs hätten und wiederrum andere Familien von Kindergeld leben würden, ich weiß nicht wie die Sachlage hier ist. Klar ist aber und das ist worum es mir auch in dem Artikel geht, was die Menschen bewegt. Ich bin der festen Überzeugung, das Zuhören essenziell für eine Demokratie ist, danach kann der faktenbasierte Streit kommen, aber am wichtigsten ist zuhören und versuchen zu verstehen. Persönlich hat es mich schon überrascht, dass die Menschen hier in der Regel(!) meherere Jobs an einem Tag haben und selbst damit zur mittleren bis unteren Mittelschicht gehören.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass die Uruguayos trotzdem noch wissen, dass es ihnen vergleichsweise gut geht. Auf dem Internationalen Korruptionsindex 2018 von Transparency international belegt Uruguay Platz 23 und ist damit nur einen Platz hinter den Vereinigten Staaten von Amerika und zwei Plätze hinter Frankreich (https://www.transparency.org/cpi2018)

„Uruguay is referred to as the cleanest country in Latin America and the one with the longest democratic tradition. Control of corruption has been explained by Uruguay’s democratic, political and economic development, which practically abolished clientelistic practices in politics and in the management of state resources.“ (Maíra Martini, Transparency International)

Besonders interessant ist dies in Hinblick auf die zwei großen Nachbarn, Argentinien (Platz 85) und Brasilien (Platz 105), wie man sieht haben beide Nachbarn deutlich schlechtere Ergebnisse als Uruguay und das wissen auch die Menschen hier. Als wir uns ca. eine Stunde unterhalten hatten und sich viel beschwert wurde sagte ein Kollge: „Aber es kann auch schlimmer sein, wir können diese Probleme lösen und sind nicht von Korruption gelähmt“ Das ist ein entscheidender Unterschied zu beispielsweise Argentinien, meine Oma dort sagte mir am Telefon immer, dass es doch egal sei wen man wählt, korrupt seien sie doch alle. Dies ist in meinem Umfeld in Uruguay nicht der Fall, vielmehr werden die Menschen kritisiert, die nicht wählen gehen trotz Wahlpflicht. Es gibt ein Grundvertrauen in die politischen Institutionen und man streitet über die Sache und nicht die Institutionen, ein, wie ich finde, wichtiges und positives Signal.

Heute Abend findet das erste Fernsehduell statt, in dem sich die zwei aussichtsreichsten Kandidaten Daniel Martinez (Frente Amplio (Partei ist zur Zeit an der Regierung, links)) und Luis Lacalle Pou (Partido Nacional (konservativ, rechts, zur Zeit Opposition, allerdings in einigen Bundesstaaten an der Macht). In der Debatte soll es unter anderem um Wirtschaft (Produktion, Arbeitsplätze, Infrastruktur und soziale Absicherung) gehen, das zweite Thema ist innere Sicherheit, das dritte humane Entwicklung (Bildung, Gesundheit, Sport und Kultur) und als letztes geht es um Zukunftsthemen wie Technologien und Innovationen, aber auch Klimaschutz. https://www.subrayado.com.uy/noche-historica-martinez-y-lacalle-pou-debatiran-economia-seguridad-desarrollo-y-futuro-n556049

Interessant ist, dass dies die erste Fernsehdebatte in der Geschichte Uruguays ist, man hat sie von den Amerikanern kopiert, ähnlich wie die Vorwahlen.

Ex-Präsident José Mujica hat dazu eine, wie ich finde interessante Meinung: https://www.subrayado.com.uy/mujica-cree-que-el-debate-puede-servir-pero-en-contra-los-candidatos-n556123

Eine weitere interessante Tatsache über die Debatte ist, dass 16% der Uruguayos sagen, dass die Debatte ihre Wahlentscheidung noch beeinflussen kann, besonders bei den jungen Wählern (18-26) ist dieser Anteil relativ hoch https://www.subrayado.com.uy/el-16-los-uruguayos-dice-que-el-debate-presidencial-puede-modificar-su-voto-n555781

So, jetzt ist es auch schon bald soweit und die Debatte fängt an.

1. Oktober 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Was arbeitest du eigentlich in einer UNESCO-Weltkulturerbestätte?

Diese Frage wird und wurde mir in der Vergangenheit sehr oft gestellt und ich nehme mich selbst davon nicht aus, auch ich habe mich das, bis zu meinem ersten Arbeitstag, gefragt. Dazu muss ich sagen: Ich bin selbst im kulturweit Kosmos mit meiner Einsatzstelle ein ziemlicher Exot, es ist das erste mal, dass jemand an diese UNESCO-Weltkulturerbestätte geht und insgesamt gibt es von dieser Art Einsatzstellen nur sehr sehr wenige bei kulturweit, in meinem Jahrgang bin ich der einzige. Also eine durchaus berechtigte Frage, was ich hier denn so arbeite.

Nun sind zwei Wochen vergangen, in denen ich schon etwas gearbeitet habe und eine bessere Idee davon habe was man in einer UNESCO-Weltkulturerbestätte macht. Eines ist sicher, eigentlich gibt es keinen Tag wie den anderen. Das liegt teilweise auch daran, dass diese Stätte erst seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe ist und dadurch immer noch viele Strukturen und Aufgaben in Umbruch sind und gleichzeitg neue entstehen, beispielsweise durch Auflagen der UNESCO.

Ich arbeite zwar viel im Büro, aber selbst hier immer an neuen Themen. Einen ersten Eindruck der Wichtigkeit der Arbeit in einer UNESCO Weltkulturerbestätte vermittelt folgendes Zitat:

„UNESCO-Welterbe, das bedeutendste, was Mensch und Natur hinterlassen haben“

Fangen wir vorne an, in meiner ersten Woche habe ich an einer Führung teilgenommen und vielleicht mache ich in Zukunft auch mal selbst eine, dazu muss ich aber erst noch ein bisschen mehr über die Geschichte lesen.. Am nächsten Tag habe ich einige Passagen aus verschiedenen alten Dokumenten vom Deutschen ins Spanische übersetzt. Im Laufe der Woche bekam ich aber auch schon eine neue Aufgabe. Unser frisch eröffnetes Besucherzentrum musste „abgenommen“ werden. Unser Kommunikator Jorge hatte bereits eine erste Abnahme gemacht. Trotzdem bat er mich nochmal mit einem frischen Blick durch die Ausstellung zu gehen und alle Fehler, die ich finde zu fotografieren und am Ende ein Dossier zu erstellen, welches er dann am Freitag den Verantwortlichen in Montevideo vorgelegt hat.

Darüber hinaus habe ich unserem Chemiker bei der Einrichtung des Labors des Museums geholfen, dies beinhaltete übersetzungen, aber auch Einrichtungsgegenstände aufstellen und positionieren. Das Labor wird diesen Freitag feierlich mit Repräsentanten des Landes und der Nation eingeweiht, darauf freue ich mich schon!

Das bringt mich auch zu einer weiteren Tätigkeit, die sicherlich in Zukunft noch zunehemen wird, die öffentlichkeitsarbeit und das Treffen mit verschiedensten Vertretern, so hatte ich letzte Woche bereits ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten (Intendente) von Rio Negro, der mich willkommen heißen wollte.

Natürlich werden noch viele neue Aufgaben und Projekte hinzukommen, über die ich im Laufe des Jahres auch berichten werde. Die Chefin der Tourismusabteilung, Andrea hat auch schon angekündigt, dass sie Arbeit für mich hat, nur noch keine Zeit hatte mir diese genau vorzustellen, aber das wird sicherlich noch kommen, wenn mein Chef Mauro am nächsten Montag wieder da ist.

30. September 2019
von Paulo Glowacki
3 Kommentare

Montevideoreise 26.-29.09.19

Hola!

Vom 26. bis 29. September war ich, mit den anderen Freiwilligen in Uruguay, in Montevideo, der Hauptstadt des Landes. Nachdem ich mich etwas eingewöhnt hatte hier in Fray Bentos, war es auch schön neue Teile des Landes kennenzulernen und Montevideo schien ein gutes erstes Ziel zu sein. Der Deutsche Botschafter in Uruguay Ingo von Voss hatte uns, kultur-/naturweit und die weltwärts Freiwilligen zu einem Mittagessen eingeladen. Diese Gelegenheit haben wir genutzt und noch ein paar Tage Montevideo drangehängt.

Am Donnerstag Nachmittag machte ich mich mit dem Bus auf den Weg. Nach viereinhalb Stunden, in denen ich die weiten Uruguays angeschaut hatte und Zeit hatte ein wenig meine ersten Wochen hier revue passieren zu lassen, erreichte ich mein Ziel, den Busbahnhof Tres Cruces im Zentrum der Stadt. Von dort nahm ich ein Taxi und traf mich mit zwei anderen Freiwilligen (Max und Insa) im Auditorio Nacional del Sodre, der Staatsoper Montevideos. Die erste Hälfte des Ballets Onegin war zwar schon vorrüber, aber die zweite Hälfte war auch echt sehr schön anzusehen!

Als das Ballet zu Ende war machten wir uns auf dem Weg zu unserem Hostel (Circus Hostel Montevideo, sehr zu empfehlen), hier hatten wir 5 Betten in einem 6-Bett Zimmer gebucht. Im Hostel trafen wir dann auch noch die anderen zwei Freiwilligen Philipp und Sophie aus Rocha und tranken gemeinsam noch einen Tee. Bis auf unseren etwas speziell riechenden Mitbewohner, der auch nicht mit uns sprach war die erste Nacht sehr angenehm!

Am Freitag sind Sophie, Insa und ich zunächst in einem Café (El Copacabana) in der Fußgängerzone Sarandí frühstücken gewesen, bevor wir uns im Ministerio de Educación y Cultura (MEC) mit den anderen wiedergetroffen haben und zu einem Treffen mit der Comisión Nacional del Uruguay para la UNESCO, im kulturweit-Jargon: der NatCom, gegangen sind.

Im Büro der NatCom sind zur Zeit ebenfalls zwei Freiwillige, die wir von unserer Ankunft in Uruguay auch schon kannten. In der NatCom wurden wir vom Generalsekretär Nicolas Pons begrüßt und haben uns mit ihm ein wenig über unsere bisherigen Erfahrungen ausgetauscht. Auch die Programmkoordinatorin Carmen Orguet, mit der ich im Vorfeld auch schon relativ viel Kontakt hatte, war dabei und nicht zuletzt begrüßte uns die Chefin der Abteilung für Internationale Projekte im MEC. Wir haben uns viel über unseren Einsatz unterhalten, aber auch über das Büro und seine Arbeit. Zwischendurch ging es auch mal um kulturelle Aspekte und das Einleben. Dabei ist mir ein Spruch in Erinnerung geblieben den Nico, der Generalsekretär sagte:

Los Uruguayos y los Brasileños?  Somos amigos

Los Uruguayos y los Paraguayos? Somos amigos

Los Uruguayos y los Bolivianos? Somos amigos

Los Uruguayos y los Argentinos, que somos? Somos hermanos!

Auch wenn dieses Zitat es vielleicht ein wenig überspitzt, so ist trotztdem ein wenig Wahrheit darin zu finden. Ich als Halbargentinier werde von den Uruguayos oft wie ein Bruder behandelt. Aber zum Geschwistersein gehören auch Differenzen und Rivalitäten, so wird mir immer wieder erklärt, der Mate, der Tango, die Alfajores, der Asado, der gute Fussball, in all diesen Dingen sind nach eigener Aussage die Uruguayos die besten, haben das größte oder waren die ersten, die es erfunden haben, was meine Familie aus Argentinien dazu sagt könnt ihr euch sicher denken. Trotzdem finde ich diesen Patriotismus wie er hier gelebt wird angenehm, die Menschen sind schlichtweg stolz auf ihre kulturellen Praktiken und integrieren diese auch in ihren Alltag, zum Beispiel Mate wird auch auf der Arbeit getrunken.

Nach gut einer Stunde mussten wir dann auch schon zu unserem nächsten Termin aufbrechen. In einer Parallelstrasse zur Rambla von Montevideo, La Cumparsita, die nach dem weltberühmten Tangolied benannt ist, findet man die Deutsche Botschaft in Uruguay. Hier trafen wir auf den Deutschen Botschafter Ingo von Voss und auf die weltwärts Freiwilligen in Uruguay. Gemeinsam gingen wir in das Restaurant „La Cocina de Pedro“ und aßen dort zu Mittag, wir haben es uns außerordentlich gut gehen lassen mit Wein und gutem Fleisch. Gesätigt und mit neuen Bekanntschaften machten wir uns auf Montevideo noch ein wenig zu erkunden.

Nach einem kurzem Stop beim Hostel schlenderten wir noch ein wenig durch die Altstadt und besuchten unter anderem das monumentale Gebäude der Banco de la Republica, in dem zur Zeit eine Ausstellung zu Plastikmüll läuft. Danach liefen wir in Richtung Mercado del Puerto, sahen das alte Zollgebäude und liefen dann, immer wieder schöne alte Gebäude im Mix mit neuen passierend, zurück zum Hostel. Hier machten wir eine kleine Pause, bevor es Abends noch auf die Demo für Diversität gehen sollte. Während Leon, Philipp und ich noch ein bisschen auf der Plaza Independencia verweilten und die Stände anschauten, schliefen die anderen. Um kurz nach 20 Uhr setzte sich der riesige Demozug dann in Bewegung, einmal die Avenida 18 de julio hinunter. Wir mittendrin. Am Rathaus trafen wir unsere Bekannten vom Mittagessen und gingen mit ihnen noch das letzte Stück bevor wir ans Ende gelangten. Nach kurzer Zeit gingen wir dann noch zu den weltwärts Freiwilligen nach Hause, wo wir noch andere Uruguayos kennenlernten und einen netten Abend verbrachten.

Am Samstag schliefen wir nicht aus, sondern gingen um 9 Uhr frühstücken und machten uns auf die Stadt noch ein wenig zu erkunden. Gemeinsam mit Insa und Eike besuchte ich das Teatro Solis, eines der bekanntesten auf dem Kontinent. Wir hatten Glück und bekamen eine Privatführung. Danach trafen wir uns mit Max und Sophie und liefen die Avenida 18 de julio, jetzt bei Tag, in Richtung Zentrum hinunter. Irgendwann trennten wir uns wieder und ich ging mit Sophie zum Palacio Legislativo, dem Regierungsgebäude Uruguays. Gerade als ich gesagt hatte: Na das ist ja aber entspannt abgesichert hier (es gab nicht wie beim Bundestag Absperrungen) und wir die Stufen nach oben gehen wollten wurden wir vom Polizisten zurückgepfiffen, doch ganz gut gesichert würde ich sagen. Nach einigen Fotos und Blicken machten wir uns auf den Weg zurück in die Altstadt immmer am Hafen entlang. Das löste bei mir als Hamburger irgendwie ein heimatliches Gefühl aus, gleichwohl unser Hafen in Hamburg nicht so nah am Zentrum ist, wie der von Montevideo. Die Luft und Atmosphäre hatten schon eine Ähnlichkeit.

In der Altstadt trafen wir uns mit den anderen in einem Café (The Lab), legten eine kleine Pause ein und gingen dann zu einer Führung in das höchste Gebäude des Kontinents, dem Palacio Salvo. Unser Guide erzählte uns viele interessante Dinge über das Gebäude und seine Geschichte. Für mich war besonders interessant zu sehen, was passiert wenn man ein so monumentalen Bau wie diesen erst spät unter Denkmalschtz stellt, geschweige denn Welterbeschutz, viele Räume waren nicht wiederzuerkennen und es wurde sich teilweise nicht viel Mühe gegeben den Charakter des ursprünglich festlichen und pompösen Gebäudes zu erhalten. Viele schöne Teile gab es aber denoch. Beispielsweise die Dachterasse im 11 Stock oder die Aussichtsplatform im 23. Stock des Turms. Der Architekt des Gebäudes hat auch den Palacio Barolo in Buenos Aires gebaut und hatte mal die Vision, dass wenn ein Schiff in den Rio de la Plate einfährt das erste, was es sehen würde ein Lichtstrahl von Gebäude zu Gebäude sei, dieser war aber aufgrund der Distanz nicht umsetzbar, eine lustige Idee trotzdem.

Auf dem Rückweg passierten wir die naheliegende Plaza Constitucion, auf der an diesem Abend das Event: „Montevideo Tango“ stattfand, mit live Tangomusik, weltklasse Tänzern und gutem Essen. Wir genoßen die Stimmung und schauten uns, nachdem wir uns den Magen mit Milanesa und Churros gefüllt hatten, die Tangotänzer an und bekamen so einen Eindruck von der Tangokultur. Danach gingen wir zum Hostel, entspannten ein wenig auf der Dachterasse und gingen dann schlafen.

Das schöne an diesem Event war, dass wir als Touristen absolut in der Minderheit waren, es war ein Event für alle. Gleichzeitig zeigte die hohe Präsenz an Locals, dass es ein Kulturevent dieser Stadt und seiner Bürger*innen war.

Am Sonntag hieß es dann Rucksack packen, auschecken, noch etwas essen und dann langsam zum Busbahnhof. Um 17 Uhr saß ich voll mit neuen Eindrücken von einem wunderbaren Wochenende, an das ich mich noch lange erinnern werde, wieder im Bus zurück nach Fray Bentos.

Ich hoffe die Bilder gefallen euch!

23. September 2019
von Paulo Glowacki
Keine Kommentare

Los Uruguayos – ein kleiner Einblick in die Kultur

Seit einer guten Woche bin ich jetzt bereits hier in Fray Bentos und habe somit auch schon erste Menschen kennengelernt, denen ich gerne einen kleinen Eintrag widmen möchte.

Ein Freund und Arbeitskollege erzählte mir, als ich mit ihm über Eigenheiten der Uruguayos sprach, dass man einen Uruguayo daran erkennen könne, dass er immer und überall Mate trinkt. Nach meiner jetzigen Wahrnehmung stimmt das für den Großteil der Menschen, auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt, so wird hier auf der Arbeit kaum Mate getrunken. Der Mate kann aber trotzdem als eine Eigenheit der Uruguayos bezeichnet werden, denn mit ihm verbunden ist nicht einfach das Trinken des Tees, sondern vielmehr auch die Geselligkeit, in der der Mate herumgereicht wird. Natürlich weiß ich aufgrund meiner argentinischen Wurzeln, dass es diese geselligen Runden auch dort gibt und in weiten Teilen Südamerikas ist der Mate ein Thema, jedoch ist er hier in Uruguay in seiner wahrscheinlich pursten Form zu finden, denn die Menschen nehmen nur die yerbas (Kräuter) und heißes Wasser, das nicht gekocht haben darf und die Bombilla (Metallstrohhalm) zum trinken. In anderen Teilen des Kontinents ist die Matekultur sehr unterschiedlich zu der hier in Uruguay. Beispielweise in Córdoba, Argentinien trinkt meine Familie Mate mit Zucker am Nachmittag und dort wird das Wasser auch gerne zum kochen gebracht und nicht kurz vorher runter genommen.

Diese Geselligkeit durfte auch ich schon erleben, als ich mich am Wochenende nachmittags mit meinem Arbeitskollegen und noch anderen Bekannten an der Rambla traf, um Mate zu trinken. Als ich dort unten an der Rambla saß, den Sonnenuntergang beobachtete, der hier in Fray Bentos wunderschön und jeden Tag anders ist, überkam mich das Gefühl zu merken, dass ich langsam ankomme und das erreiche, was ich mir für meinen Freiwilligendienst vorgenommen hatte, nämlich die Leute und ihre kulturellen Praktiken nicht nur kennenzulernen, sondern Teil davon zu werden und diese Praktiken aus erster Hand zu erleben und zu genießen.

Wer mehr über Mate wissen möchte findet bei diesem Link ein paar Informationen : https://turismo.gub.uy/index.php/uruguay-es/mate

Eine weitere Eigenheit, die auf jeden Fall nennenswert ist, ist die Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit, die hier fast jedem entgegengebracht wird. Das liegt in meinem Fall wahrscheinlich auch daran, dass die Stadt relativ klein ist und sich gefühlt jeder kennt, aber trotzdem ist es bemerkenswert, wie herzlich und freundlich ich in den meisten Fällen behandelt wird. Natürlich wird das in meinem Fall durch meine Spanischkentnisse erleichtert, denn wenn man sich verständigen kann bekommt man natürlich nochmal eine andere Ebene der Herzlichkeit mit, als nur ein Lächeln zum Beispiel. Ein weiterer Grund dafur ist aber acuh leider immer noch das koloniale Erbe, ich als Europäer werde offen empfangen, aber ein Freund erzählte mir, dass das ganze etwas anders wäre, wenn ich nicht aus Europa käme.

Ich würde wohl noch Tage hier sitzen und müsste vorher, in den Augen manch eines Lesers, wohl auch erst ein Studium absolvieren um ein ganzheitliches Bild zu geben, aber das ist gar nicht das Anliegen dieses Eintrags, er will einfach nur den Leuten und ihren Eigenheiten einen Platz in diesem Blog geben und ich denke, das ist gelungen. Die Leute sind und das sollte man zuletzt nicht vergessen, mir sehr ähnlich in vielen Dingen, sie haben ähnliche Bedürfnisse und Interessen, denn letzten Endes sind wir doch alle miteinander verbunden egal, wo auf der Welt wir uns befinden oder wo wir herkommen.

Zur Werkzeugleiste springen