El Paísito

(M)ein »kulturweit« Blog

Wieder da und viel zu erzählen: Reisebericht Florianopolis

| Keine Kommentare

Für meine Verhältnisse habe ich lange Zeit nichts mehr auf diesem Blog geschrieben, denn wie angekündigt war ich die letzten 3 Wochen auf Reise durch das wunderschöne und gigantische Land Brasilien. Mein Reiseroute hatte ich ja bereits in einem vorherigen Blogpost beschrieben, dort findet ihr auch eine Karte (Der Countdown geht gegen 0 – heute Nacht geht’s los nach Brasilien)

Nun habe ich heute zwischen der ganzen Arbeit (kommt auch noch ein Blogpost zu ;-)), die ich zur Zeit habe und den anderen Dingen, wie die kulturweit Kostenabrechnung ein wenig Zeit gefunden etwas zu schreiben.

Natürlich werde ich etwas über meine Reise schreiben, damit es aber nicht ein mega Artikel wird, den am Ende keiner mehr liest, weil er viel zu lang ist, werde ich mehrere machen, denn es sind einfach zu viele schöne Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen, als dass sie alle in einen Blogpost passen würden, oh man das klingt schon wieder so pathetisch, fangen wir pragmatisch mit Florianopolis an!

Nachdem ich mit dem Bus von Fray Bentos nach Rivera gefahren war, dort einen Zwischenstopp bei den Freiwilligen Eike und Leon eingelegt hatte, ging es gemeinsam mit ihnen und den Freiwilligen aus Trinidad, Max und Insa los nach Floripa.

Nach einer 16 stündigen Busfahrt erreichten wir das Busterminal von Floripa morgens um halb 6, müde, aber auch froh es geschafft zu haben, verweilten wir noch ein wenig am Terminal, denn etwas anderes hätten wir eh nicht machen können.

Die ersten paar Tage der Woche verbrachten wir in Campeche im Süden der Insel. Wir hatten ein kleines Apartment ganz in der Nähe des Strands gemietet. Leider war es die meiste Zeit bewölkt, sodass alles ein wenig grau erschien, davon ließen wir uns aber nicht beirren, oft genug kam die Sonne trotzdem durch. Die meiste Zeit verbrachten wir am Strand, wo wir in den relativ großen Wellen des Atlantiks unseren Spaß hatten. Wir waren aber aufgrund des Wetters nicht die ganze Zeit am Strand, wäre auch langweilig geworden.

Einen Tag machten wir eine Wanderung zur Lagoinha do Leste, ganz im Süden der Insel. Wir nahmen zuerst einen Uber zur Praia do Matadeiro und von dort begannen wir unsere Wanderung durch den regenwaldähnlichen Wald auf den Hügeln im Süden, begleitet von immer wieder atemberaubenden Aussichten kämpften wir uns gut 2 Stunden lang durch den Wald und später nur noch über die kargen Hügel. Auf dem Weg begegneten wir unter anderem zwei Schlangen, die uns nochmals daran erinnerten, dass hier andere Tiere in den Büschen umherstreiften und auch andere Pflanzen wachsen. Nach gut zwei Stunden gelangten wir dann an den Strand, leider hatte sich das Wetter während der Wanderung eher verschlechtert als verbessert, sodass wir nicht sehr lange dort blieben. Der Strand war aber trotzdem wirklich sehr schön, einzig der Wind, der einem den Sand um die Ohren peitschte, war ein bisschen anstrengend. Wir sahen in einem Fluss, der den Strand von hinten „begrenzte“ diverse Krabben, was echt spannend war. Leider wussten wir nicht, dass es kürzer und auch sehr schön gewesen wäre, wenn wir einfach auf der anderen Seite des Strands den Weg nach Pantano do Sul genommen hätten. So liefen wir den gleichen Weg zum Matadeiro Strand wieder zurück, dieses mal aber schon deutlich schneller, weil wir den Weg ja schon kannten. Insgesamt war das ein sehr schöner Ausflug. Am Abend kehrten wir relativ erschöpft wieder in unsere Unterkunft zurück und machten Churrasco, brasilianischen Asado.

Auf der Wanderung hatte ich auch ein wenig Zeit nachzudenken und immer wieder stellte ich fest, wie privilegiert ich bin und wie gut ich es habe, diesen Freiwilligendienst machen zu dürfen, diese Reise ohne Probleme machen zu können und so vieles mehr, was viele Leute auf dieser Erde in meinem Alter noch immer nicht machen können. Ich bin sehr dankbar, mir diese Gedanken machen zu können, die Freiheit zu haben, kritisch über Dinge nachzudenken. Daran, dass jeder in unserer Gesellschaft und Welt mit seinen Gedanken zu Wort kommen darf und kann, daran müssen wir auf dieser Welt noch arbeiten, aber vom globalen zurück zum persönlichen. Auch Leute in meinem Umfeld müssen manchmal meiner Meinung nach, mehr und besser zuhören und den anderen zu Wort kommen lassen. Ich glaube, allein das Bewusstsein, dass ich diese Privilegien habe, aufgrund meines Passes, meiner Hautfarbe, meiner Herkunft, macht schon etwas mit einem. Ich hinterfrage die existierenden Machtstrukturen und mache mir immer wieder Gedanken, wie man diese verändern könnte, ich habe dabei auch festgestellt, dass jeder andere Ansätze hat das anzugehen. Ohne jetzt generalisierend klingen zu wollen, denn das ist wirklich nicht meine Intention, glaube ich dass wir schneller und besser vorankämmen, in unserem Leben und bei anderen Dingen, wenn wir ab einem bestimmten Punkt akzeptieren und tolerieren, dass es andere Lösungsansätze für Probleme gibt, andere Ansätze für das Leben und insgesamt für alles auf dieser Welt. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass wir Ausschau halten nach neuen Ansätzen und verstehen, dass diese nicht schlechter oder besser sind sondern einfach anders, einem anderen Zweck dienen, den Fokus anders legen oder schlichtweg aus einer anderen Lebenssituation heraus entstehen.

An einem anderen Tag, an dem das Wetter wirklich zu schlecht war um an den Strand zu gehen, ließen wir es uns in der Sauna des Apartmentkomplexes gut gehen. Am folgenden Tag machten Leon und ich einen langen Strandspaziergang, wir liefen einmal den ganzen Strand nach Norden hoch und wieder zurück, es war schön an der Seeluft ein wenig die Gedanken streifen zu lassen und sich auch mental ein wenig entspannen zu können.

Die zweite Hälfte der Zeit in Floripa verbrachten wir im Norden der Insel in Ponta das Canas, der Strand dort lag nicht auf der Atlantikseite, sondern war dem Festland zugewandt, weshalb es deutlich weniger Wellen gab und man dort mehr schwimmen konnte. In unserer Zeit dort wurde nach dem verregneten Transfertag auch das Wetter deutlich besser und wir hatten noch drei richtige Sonnentage. In Ponta das Canas verbrachten wir die meisten Tage am Strand. Doch auch hier machten wir einen kleinen Ausflug, nach Barra da Lagoa, wo wir uns mit einer alten Schulfreundin von Leon trafen, wie klein die Welt doch ist. Nachdem Frühstück mit ihr und ihrer amerikanischen Freundin verbrachten Leon und ich den Tag am Strand von Barra da Lagoa, der meiner Meinung nach der schönste von den Stränden war, die wir auf Floripa gesehen haben. Die anderen gingen zur Schildkrötenstation von Barra da Lagoa. Am späten Nachmittags trafen wir uns wieder und aßen etwas, danach stellte sich die Frage wie wir wieder zu unserem Apartment kommen würden. Lea, Eike und Insa nahmen für 136 Reales einen Uber, das war Leon und mir zu teuer, sodass wir ein wenig durch den Ort liefen und uns auf die Suche nach einem günstigeren Weg nach Hause machten. Nach zwei Blocks stießen wir auf ein Taxi, wir fragten was den eine Fahrt nach Canasvieras, dem größerem Ort im Norden, kosten würde. Er antwortete, dass er das nicht wüsste, er würde mit Taxometet berechnen, wir entgegneten, dass wir nur noch 70 Reales hatte, er sagte keine Problem, dafür bringe ich euch zur Busstation von Canasvieras, wir stiegen ein und schon ging die halsbrecherische Fahrt los. Unser Taxifahrer fuhr sicher, aber überholte wo es nur ging, selbst die anderen im Uber überholten wir, als das Taxometer ganz knapp vor 70 war erreichten wir die Busstation, er bedankte sich, wir bedankten uns und machten uns zu Fuß auf den Rückweg, diese Erfahrung werde ich so schnell nicht vergessen.

 

So einen Taxifahrer zu haben, wenn man es eilig hat und nicht viel Geld ist Gold wert und gleichzeitig noch ein großer Spaß!

An unserem letzten Abend in Floripa machten wir nochmal Churassco, tranken guten Rotwein und ließen den Abend entspannt ausklingen.

Am Sonntag ging es dann gegen Mittag in die Stadt Florianopolis, wo wir unser Gepäck am Busterminal ließen und eigentlich noch ein wenig die Stadt erkunden wollten, wir passierten den schönen alten Markt, wo einige Restaurants waren und liefen etwas in die Stadt rein, aber die war menschenleer, kein Tourist, kein Local gar keiner, das war uns nicht ganz geheuer und schön war es ja auch nicht, wenn alles geschlossen ist, also setzten wir uns in eins der Restaurants an dem alten Markt und verbrachten die restliche Zeit in dem Park an der Küste. Um 20 Uhr nahmen wir dann den Bus nach Sao Paulo, wo wir morgens um halb 10 ankamen. Über meine Zeit beim Zwischenseminar in der Nähe von Sao Paulo werde ich im nächsten Blogeintrag berichten.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Zur Werkzeugleiste springen