El Paísito

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Montevideo II

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Nachdem ich Sonntag um 18 Uhr wieder in Fray Bentos angekommen bin, habe ich nun Zeit gefunden ein wenig über meine Zeit in Montevideo zu berichten.

Insgesamt war ich zwei Wochen dort und habe meinen obligatorischen Sprachkurs in der Academia Uruguay absolviert. Mit den zwei Freiwilligen aus Rocha: Sophie und Philipp habe ich zusammen bei Sophie gewohnt, die in Montevideo, in der NatCom arbeitet. Zu dritt sind wir jeden morgen, mit dem Bus, zum Sprachkurs gefahren. Nachdem wir fertig waren, hatten wir meistens den Nachmittag um Montevideo zu erkunden.

So waren wir beispielsweise auf dem Anteltower, dem höchsten Gebäude in Uruguay, von dort hatten wir eine wunderbare Aussicht auf die Stadt. Ich war zweimal drauf, weil ich in der zweiten Woche einen Individualkurs hatte, der erst um 12 Uhr begann, sodass ich vorher immer Zeit hatte, um noch ein wenig rumzulaufen.

In meinen freien Stunden habe ich aber auch Hausaufgaben gemacht, oder war im Postmuseum. In der ersten Woche sind wir meistens in eine Fakultät der Uni (Architektur und Geisteswissenschaften) gegangen und haben dort Hausaufgaben gemacht. Wir waren aber auch in der Nationalbibliothek und haben dort, in dem großen und dunklen Lesesaal, Hausaufgaben gemacht.

Einen Abend waren Max (der aus Trinidad übers Wochenende nach Montevideo gekommen war) und ich auf der Einweihung der vierten Kunstbienale Montevideos eingeladen. Wir hatten den Co-Kurator Alejandro Cruz im Hostel kennengelernt und er hatte uns eingeladen. Es war ein wirklich schönes Event.

Das Motto der Ausstellung war: Travesías Atlánticas, es ging um Kunst aus den Ländern des ehemaligen transatlantischen Sklavenhandels, also Staaten aus Europa, Nordamerika, Afrika und Lateinamerika. Die ausgesuchten Kunstwerke haben mir wirklich gut gefallen! Hier seht ihr ein paar Impressionen:

Am Samstag sind wir mit Philipp und Max zum Strand von Pocitos gelaufen, um uns dort mit Kari, einer weltwärts-Freiwilligen zu treffen. Wir liefen den Strand entlang und genoßen die Stimmung des Sonnenuntergangs noch ein wenig. Philipp und ich haben, als wir kurz am Montevideo Schild waren, einen Souvenir Verkäufer, Ricardo kennengelernt, dieser erzählte uns eine der unzähligen Geschichten, die ich während dieser zwei Wochen gehört habe. Es sind zu viele, um sie alle hier wiederzugeben.

Diese aber handelt von Sprachen und wie gut es ist sie zu beherrschen: Während des Spanischen Bürgerkrieges verlor ein spanischer Soldat in den Pyrinäen sein Regiment und schlepte sich bis nach Frankreich, als er dort endlich auf einen Bauern traf, der aber nur Französisch sprach sagte er: Agua, agua por favor, der Franzose antwortete mehrmals: „Je ne comprends pas“ und weil der Franzose mit starkem Akzent sprach verstand klang es für den Spanier wie: „No conseguí pan“ nach einigem hin und her regte sich der Spanier irgendwann auf und sagte: „No me importa si no conseguiste pan, quiero agua!“ Eine gute Geschichte, die zeigt wie wertvoll es ist die Sprache des anderen zu sprechen, um sich in Notsituationen helfen zu können.

Als wir abends wieder zurück waren, haben wir mit Sophie und Annika Asado gemacht und noch bis spät in die Nacht zusammengesessen, Fleisch gegessen und uns Geschichten erzählt, was wirklich schön war. Am Sonntag war, wie bereits in einem anderen Eintrag beschrieben, Wahltag. Am Vormittag haben wir Max verabschiedet und dann sind Philipp und ich auf den Cerro de Montevideo gefahren. Nach einer guten halben Stunde Busfahrt erreichten wir unser Ziel, das Barrio am Fuße des Hügels. Wir gingen die Straßen entlang und sahen uns um, die Stimmung war sehr ruhig. Am Fuße des Hügels wohnt ein Großteil der ärmeren Bevölkerung Montevideos, was wir auch sahen, es war aber kein Slum, es war einfach eine andere Stimmung. Oben angekommen, hatten wir eine wunderbare Aussicht auf Montevideo und machten ein paar Fotos mit dem Montevideoschild. Danach besuchten wir noch die Festung, die oben auf dem Hügel lag.

Auf dem Rückweg zu unserem Bus nach Hause kamen wir an einer Kirche vorbei und setzten uns kurz rein, als kurze Zeit später die Messe begann, blieben wir noch ein wenig. Der Priester sagte eine Sache, die mir noch immer in Erinnerung geblieben ist: „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass sondern Gleichgültigkeit“ Ich will nicht so pathetisch werden, wie andere Blogs, aber dieser Satz ist mir wirklich in Erinnerung geblieben, er lässt sich, meiner Meinung nach, auf viele Krisen der heutigen Welt noch immer übertragen und anwenden.

Mit dem Bus fuhren wir wieder zurück in die Innenstadt und waren dann auf der Wahlparty von Frente Amplio, über die Wahlen habe ich ja schon genug geschrieben, deshalb an dieser Stelle nur Fotos:

Das war’s auch schon, bis bald und vielen Dank fürs lesen.

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