Krtek a zelená hvězda (und ein kleiner Flashback zum Werbellinsee)

Dobrý večer (nagut, dobrou noc),

Obwohl ich etwas später mit meinem Blog beginne, möchte ich versuchen ohne zu lange in Erinnerungen zu schwelgen ein wenig Berichterstattung nachzuholen, die mir am Herzen liegt. Und da das Vorbereitungsseminar ja offiziell die erste Woche unseres Freiwilligendienstes, und für mich eine sehr fruchtbare Zeit war, lohnt es sich vielleicht hier anzufangen. Ich wusste überhaupt nicht was mich erwartet und war wirklich baff, was diese vergleichsweise kurze (oder auch zeitweise lange, je nachdem:) aber bereits sehr intenisve Zeit mit mir gemacht hat. Ich lernte so viele neue interessierte und offene Menschen kennen (und erweiterte meinen Bekanntenkreis schon zu diesem Zeitpunkt um mal mindestens fünf neue Bundesländer -yeah, taking baby steps… ).
Was mir in Erinnerung bleiben wird ist dieser ganz eigene Vibe, scheinbar nie einkehrender Müdigkeit: Rund dreihundert Jugendliche in einer Jugendbegegnungsstätte, die am Werbellinsee schon eher idyllisch gelegen ist, und rund um die Uhr „Programm“. Und wenn es nur hieß sich mit einer Flasche Bier und einer Ukulele zusammenzusetzen und zu jammen, oder sich in irgendeine Gesprächsrunde mitreinzusetzen.
Wir hatten VIEL Zeit uns zu unterhalten, erhielten aber auch durch verschiedene Seminare und Workshops zum Teil neuen, zum Teil vielleicht bereits bekannten Input. Es gab Themen, die mich mal wieder in einem Maße zum Nachdenken anregten, dass ich so lange nicht hatte. Dabei geht es um Themen, die so wichtig sind, Themen, die mich und mein Gerechtigkeitsempfinden, würden sie mir täglich begegnen, regelmäßig an unsere Grenzen bringen würden. Das Seminar bot einen sehr vorurteilsfreien Raum, um sich über allgegenwärtige Themen wie Rassismus oder noch immer vorherrschende und höchst-problematische Geschlechterrolen seine eigenen Gedanken zu machen, aber auch auszutauschen. Es gab auf jeden Fall lockere Ansätze wie beispielsweise den Jungs doch einfach mal die Fingernägel zu lackieren, oder als Untergrundorganisation die Demontage unserer Demokratie in drei Schritten zu planen, aber nichtsdestotrotz gingen wir glaube ich alle nicht ganz unachtsam aus solchen Seminaren raus. Ich spüre, dass mich viele Gedanken, die mich anschließend plagten auch jetzt noch nicht so richtig loslassen, könnte aber nicht erleichterter darüber sein. Denn so lange sie immer mal ein bisschen an mir zehren, so hoffe ich doch, nehme ich sie auch bewusst in meine Handlungen mit auf und versuche mich zu bessern und nicht in möglichen Automatismen oder Gewohnheiten zu verharren. Kulturweit ist auf jeden Fall mehr als nur ein „Appetizer“ , das machen mir neu angestoßene Gedankengänge und auch meine zunehmende Lust Neues auszuprobieren, ja mich auf Unbekanntes einzulassen, bewusst:)

 

 

 

 

 

 

(Es wurde außerdem gebastelt, getüftelt- letztere Salvadore Dali anmutende Kreatur ist wohlbemerkt ein Pferd – und natürlich auch gefeiert)

Wir sprachen auch über persönliche Gefühle und Vorstellungen, wenn uns danach war. Gerade in meinem Umfeld merkte ich, dass wir viel über Nachhaltigkeit sprachen. Dass vieles noch nicht perfekt ist, weiß ich, aber statt darüber zu resignieren, wie ich das oft getan habe, bemerke ich zurzeit eine Tendenz bei mir auch die kleinen Schritte wertzuschätzen auf meinem Weg zu einem umweltfreundlicheren Dasein. (Ich besitze jetzt keine Gemüsesäckchen oder so, aber ich führe das Plastiktütenwiederverwendungserbe meines Vorgängers stolz weiter und habe stets ein paar knisternde Tütchen in meinem Rucksack) Und es freut mich mitzuerleben, dass das Thema hier auch sehr present und ernstgenommen ist. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine meiner „Kolleginnen“ in unserem Kabinett* mit den Worten: „Wir müssen doch Papier sparen“ mahnt doch bitte zunächst die bereits einseitig bedruckten Blätter zu nutzen – denn es gäbe regelmäßige Beschwerden aus der Klasse über verschwenderische Kopien – und das scherzhalber mit erhobenem Zeigefinger. (Es kommt also vor, dass ich beim Durchblättern meiner Unterlagen auch mal ein altes Zugticket finde, welches sich beim Wenden als Arbeitsblatt zum Thema Wetter entpuppt.)

Wenn ich schon davon spreche: Übermorgen ist es soweit: Ich erlebe meine erste Fridays for Future Demo hier in Brünn (Ich habe da eine Freistunde…). Ich habe mich echt gefreut, als ein Schüler auf mich zukam und mir davon erzählte. Und so werden wir da am Freitag von Křenka aus zusammen hingehen. Ich bin sehr gespannt auf die Demonstration, und auch darauf meine Schüler dort in Action zu sehen!

Liebe Grüße von einer Emma, die nicht schlafen kann:)
PS: Im nächsten Eintrag gibts Brünn-Bilder, versprochen!!

*Hier gibt es kein großes Lehrerzimmer, sondern Kabinette, die sich jeweils eine Gruppe von ungefähr vier Lehrern teilt- meines Achtens eine echt gute Idee, um irgendwie in Ruhe arbeiten zu können- was aber nicht heißt, dass hier nicht die Gaudi abgehen würde. Gerade mein Kabinett ist wirklich eine fröhliche Runde von Lehrern: Regelmäßig wird (mit Tee) angestoßen und alles wird geteilt – von Büroklammern, über Kaffee und Kuchen und kleine Anekdoten aus dem Unterricht bis hin zu den Korrekturarbeiten…

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